der Beweis noch offen, daß es sich hier nicht nur um Wendigkeit, sondern um grundsätzliche Abkehr von der Kollektiv-Politik im weitesten Sinne handelt. Man darf schließlich nicht vergessen, daß Frankreich uns zwar stets in kollektive System hinein- ^iehen wollte, für sich selbst aber stets das Recht zu höchst intimen zweiseitigen Verhandlungen und Abreden in Anspruch nahm. Immerhin ist es auf jeden Fall beachtlich, mit welch schneidender Schärfe der „Temps" der Absicht der rotspanischen Machthaber eine Absage erteilt hat, auf dem Wege über Genf neue Schwierigkeiten in der spanischen Frage hervorzurufen. Man könne es nicht dulden, so hieß es da, daß die sich anbahnende Entspannung zwischen den Großmächten durch Genfer Intrigen gestört werde — eine Erkenntnis, von der Europa noch viel profitieren kann, wenn sie zum Grundsatz der französischen Politik wird.
Wie nun auch die Dinge sich hier weiter entwickeln — die deutsche Politik kann und wird alles vorbehaltlos begrüßen, was zur Beseitigung weiterer Spannungsmomente in Europa beiträgt und den europäischen Friedensprozeß fördert. Mit anderen Worten: es muß sich auch tatsächlich um reine Befriedungsaktionen, ohne Vorbehalte und Hintergedanken, handeln, um die Bereitschaft, die drängenden Probleme um ihrer selbst willen zu lösen. Eine Entspannungspolitik, die gewisse Unstimmigkeiten nur deshalb aus der Welt schaffen wollte, um sich mit um so größerem Nachdruck Werken des Unfriedens in anderer Richtung widmen zu können — eine solche Politik verdiente diesen Namen aewih nicht. Sie wäre ein Rückfall in die alten, heute aussichtslosen Methoden, die europäischen Verhältnisse aus einem allgemeinen Gegensatz zu Deutschland aufzubauen.
Es ist nicht unsere Schuld, wenn sich solche Gedanken angesichts der eigenartigen Atmosphäre einstellen, die die französisch-englischen Besprechungen umgibt. An dem Punkt, den der „Temps" so nachdrücklich herausstellte, daß nämlich die französisch-englische Entente eine Realität darstelle, genau so wie die Achse Berlin—Rom, wird gewiß niemand Anstoß nehmen. Das Programm, „die besten Möglichkeiten für eine loyale Zusammenarbeit dieser beiden Mächtegruppen zu schaffen", trifft sogar den Nagel aus den Kopf. Um so merkwürdiger erscheint aber die Zuspitzung der Besprechungen Daladiers und Bonnets mit ihren englischen Kollegen auf das militärpolitische Gebiet. Wenn von engen militärischen Bindungen zwischen den beiden Westmächten, von Vorbereitungen für das Zusammenwirken der beiderseitigen Streitkräfte im Kriegsfall, von gemeinsamem Oberbefehl, von der Durchführung eines gemeinsamen Rüstungs- programms die Rede ist, wenn schließlich noch Generalstabsbesprechungen nach dem Londoner Besuch Daladiers angekündigt werden — und dies alles mitten im Frieden und unter Einsatz geräuschvollster Begleitmusik in der Presse —, dann drängen sich doch mancherlei Fragen auf.
Denn durch den Hinweis englischer und französischer Blätter, es handele sich bei all diesen seltsamen Vorkehrungen um die Fortsetzung der Politik, die im Frühjahr 1936, nach der Wiederherstellung der deutschen Souveränität im Rheinland, zwischen, beiden Mächten eingeleitet wurde, wird die Angelegenheit in keiner Weise plausibler. Im Gegenteil, wenn England damals gegenüber Frankreich und Belgien eine einseitige Sicherheitsgarantie übernahm, so mochte das unter dem frischen Eindruck des deutschen Schrittes und im Hinblick auf das ausgeprägte französische „Sicherheitsbedürfnis" als ein behelfsmäßiges Beruhigungsmittel noch verständlich gewesen sein. Inzwischen ist viel Zeit ins Land gegangen. Die deutsch-französische Grenze gehört, jedenfalls von uns aus gesehen, nicht erst seit gestern zu den stabilsten Zonen Europas. Zieht man außerdem die auf Grund der Unabhängigkeitspolitik vollzogene Neuordnung der internationalen Stellung Belgiens in Betracht, dann wirkt die Berufung auf die Situation vom Frühjahr 1936 gewiß nicht als eine Erklärung für das gegenwärtige militärische Zusammenrücken der beiden Westmächte.
Gewiß, Delbos hatte es durch seine Ende 1936 vor der Kammer abgegebene Erklärung, wonach Frankreich im Bedarfsfälle England mit all seinen Machtmitteln zu Hilfe kommen würde, verstanden, die britische Politik zu überrumpeln und aus der einseitigen britischen „Loc.arno"-Garantie ein regelrechtes Bündnis zu machen. Eden hatte diese Aufdringlichkeit, die Frankreich an das Ziel langgehegter Wünsche brachte, dankend quittiert. Das entsprach der ganzen Anlage seiner Politik. Nun ist aber Chamberlain am Werk, und er nimmt für sich in Anspruch, eine europäische Entspannungspolitik zu verfolgen, die zugleich auch Englands imperialen Notwendigkeiten entspricht. Die ihm nahestehende Presse weiß sogar von weit gespannten Wirtschaftsplänen des Premierministers zu berichten. Wie verträgt sich mit solchen Absichten der Rüstungslärm, der auf der Linie Paris—London zu vernehmen ist?
Dr. H. v. Malottki.
Oie KdF..Flotie in Lissabon.
L i s s a b o n , 26. April. (DNB.) Die KdF.-Flotte, bestehend aus den Schiffen „Wilhelm Gustloff", „Der Deutsche" und „Sierra Cvrdoba" trafen Dienstagmorgen in Lissabon ein. Am Hafen hatte sich die . deutsche Kolonie Lissabons eingefunden, ferner der deutsche Gesandte, der Landesleiter und die Ortsgruppenleiter der NSDAP, und der DAF. Außerdem zahlreiche Vertreter der portugiesischen Organisation „Freude an der Arbeit". Der „Wilhelm Gustloff" als erstes eigenes Urlauberschiff der KdF.- Flotte rief die ungeteilte Bewunderung der Portugiesen hervor. Die letzten Tage der Seereise der KdF.-Flotte waren von herrlichem Wetter und ruhiger See begünstigt gewesen, so daß unter den Urlaubern eine hervorragende Stimmung herrschte. Auch Lissabon hatte die Flotte mit strahlend blauem Himmel erwartet. Die Urlauber besichtigten die Stadt unter der Führung von Arbeitskameraden der DAF. in Lissabon. Besonderen Eindruck beim Einlaufen der KdF.-Flotte hatte das Abschießen von Raketen mit portugiesischen und deutschen Flaggen von Bord des „Wilhelm Gustloff" erweckt.
An Bord des KdF.-Flaggschiffes „Wilhelm Gust- losf fand am Dienstagnachmittag ein Empfang des diplomatischen Korps statt, um den Vertretern der auswärtigen Mächte Gelegenheit zu geben, das erste eigens für diesen Zweck erbaute Urlauberschiff der NSG. KdF. eingehend zu besichtigen. Die Gäste wurden von den Bauftragten des Amtes für Reisen, Wandern und Urlaub, Paulus und Stemmer, begrüßt. Eine eingehende Besichtigung des Schiffes schloß sich an. Die Gäste hatten ferner Gelegenheit, deutsche Volkslieder zu hören, die vom Chor der Hitler-Jugend vorgctragen wurden. Ein Empfangsabend vereinte portugiesische Gäste und Vertreter der deutschen Kolonie in Lissabon an*
SleuererhöhungeninEnglandzurDeMngderMungsausgaben
London, 26. April. (DNB.) Premierminister Chamberlain wurde bei Wiederbeginn der Parlamentssitzung von den Konservativen mit lautem Beifall und dem Rufe „F r i e d e n s m a ch e r" begrüßt. Der Ministerpräsident gab dann bekannt, daß das Abkommen zwischen Großbritannien und Irland .dem Hause in Kürze vorgelegt werden würde. Die Regierung Kbe, daß das Abkommen zu engerer Freund-
t und Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern führen werde. Chamberlain gab weiter bekannt, daß die Verhandlungen in Rom zu einem erfolgreichen Abschluß geführt hätten. Er hoffe, daß die Vereinbarungen bereits in Bälde vom Hause erörtert werden würden. Der Premierminister bestätigte weiter, daß der französische Premiermini st er und der französische Außenminister zu einem kurzen Besuch nach London kämen. Er hoffe, mit ihnen die wichtigsten internationalen Fragen zu besprechen. Als der Abg. Mander darauf fragte, ob der Ministerpräsident noch etwas zur Tschechoslowakei und zur letzten Rede Henleins zu sagen habe, erklärte Chamberlain, er glaube nicht, daß er darüber etwas sagen müsse.
Auf die Frage, ob Aufträge in den Vereinigten Staaten für Krieasflugzeuge vergeben werden sollten, erwiderte Lord Winterton, die britische Luftfahrtkommission, welche die Vereinigten Staaten und Kanada aufsuchen werde, werde prüfen, ob bestimmte Typen von Flugzeugen, die für die britische Luftwaffe geeignet seien, bald geliefert werden könnten. Ebenso würden die Möglichkeiten einer Produktion von Flugzeugen in Kanada geprüft wenden. Umstände hätten es notwendig gemacht, das Programm der Luftaufrüstung zu beschleunigen und zu vergrößern.
Oer Schahkanzler Sir Zahn Simon erklärte dann zum neuen Haushalt, daß das letzte Finanzjahr einen Ueb er schuß gebracht habe, da die Gesamteinnahmen 872,8 Millionen Pfund Sterling betragen hätten, während sich die Ausgaben auf 843,7 Millionen Pfund stellen. Die Ausgaben für 1938/39 veranschlage er auf 944,3 Millionen Pfund Sterling. Von dieser Summe würden 242,1 Millionen für den Staatsschulden
dienst verwendet werden. 692,2 Millionen Pfund würden die übrigen Staatsausgaben erfordern. Die gesamten Rüstungsausgaben schätze er auf 324,2 Millionen Pfund. Ferner seien in den Zivilausgaben rund 3,5 Millionen Pfund für den Luftschutz vorgesehen. Die Einnahmen für 1938/39 schätzte Simon auf 914,4 Millionen Pfund, so daß eine weitere Deckung von 29,9 Millionen Pfund erforderlich sei. Dieser Fehlbetrag sei auf die R ü - stungsausgaben zurückzuführen. Für weitere Rüstungsausgaben erforderliche Beträge hoffe er aus der Rüftungsanleihe beschaffen zu können. Zur Deckung des Fehlbetrags von 29,9 Millionen Pfund feien weitere Steuererhöhungen erforderlich. Die Einkommensteuer werde von fünf Schilling je Pfund auf 5 Schilling und 6 Pence je Pfund erhöht. Von dieser Erhöhung würden jedoch Einkommen bis 500 Pfund im Jahre ausgenommen fein. Die Treib- ftofffteuer werde von 8 auf 9 Pence erhöht werden. Die Abgabe auf Tee werde um zwei Pfund für das Pfund erhöht werden. Ferner werde eine Steuer von 9 Pence auf die Gallone Brenn- fpiritus erhoben werden. Der Schatzkanzler schloß, er hoffe, daß auch der Aermste in Großbritannien stolz darauf fein werde, seinen Beitrag zur Verteidigung der Heimat zu leisten.
Kritik der Opposition.
In der Aussprache wurde gegen den Vorschlag beträchtlicher Widerspruch erkenntlich. Der Oppositionsführer Atlee warf dem Schatzkanzler vor, daß er keinen Versuch gemacht habe, das Budget auszugleichen. Die Handelsbilanz fei immer ungünstiger geworden und werde jetzt noch durch den Kauf amerikanischer Flugzeuge verschlechtert. In der Außenpolitik sei keine Rede von Abrüstung. Der Schatzkanzler habe sein Budget auf einen 5)am delsaufschwung aufgebaut. Heute feien aber alle Zeichen eines Rückganges vorhanden. England habe eine ungeheuer hohe Einkommensteuer und borge noch immer Geld dazu. Der Oppositionsliberale Sinclair bedauerte ebenfalls, daß die Kriegsverhinderungspolitik des Ministerpräsidenten sich nicht in einer Herabsetzung der Rüstungsausgaben bemerkbar mache. Nach Ablauf der Redezeit stellte der Sprecher fest, daß nur 38 Mitglieder des Unterhauses anwesend seien, also weniger als die für eine Abstimmung notwendige Zahl von 40 Abge
ordneten. Das Unterhaus vertagte sich darauf auf Mittwoch.
Die presse von den Steuern überrascht.
Lebensmittel und Rohstoffe werden eingelagert.
London, 27. April. (DNB. Funkspruch.) Die vom Schatzkanzler angekündigten Steuererhöhungen haben die Londoner Presse völlig überrascht. Wohl versuchen die Blätter, die neuen Steuern mit der Notwendigkeit der Aufrüstung in Einklang zu brinnen; doch gelingt es kaum einer Zeitung, die schlechte Laune zu verbergen. Die „Times" rechnet damit, daß man an der Londoner Börse die schlechte Stimmung deutlich merken werde. Simon habe sich von der Meinung leiten lassen, in Anbetracht der noch höheren Finanzanforderungen des nächsten Jahres diesmal noch nicht die Kreditfähigkeit des Landes durch eine Anleihe zu schwächen. Die von ihm gefundene Lösung werde jedoch nicht volkstümlich sein. Jetzt wisse aber der Engländer, was die Aufrüstung koste. Er werde deshalb sein ganzes Bestreben darauf richten, a l s Gegenleistung für sein Geld das Bests zu erhalten, d. h., er werde daraus achten, daß die Verteidigung tatsächlich auch auf entsprechende Höhe nicht mehr zu Lande und zu Wasser, sondern vor allem auch in der Luft gebracht werde.
Aufmerksamkeit hat bei den Londoner Blättern auch eine Ankündigung Simons heroorgerufen, daß England für den Ernstfall Lebensmittel bzw. rüftungswichtige Rohstoffe auf ft a- p e l e. „Daily Telegraph" will wissen, daß die britische Regierung bereits eine Million Tonnen Getreide und 400 000 Tonnen Futter geheim zum Einlagern aufgestapelt habe. „Daily Herold" glaubt zu wissen, daß bereits jetzt Vorräte an (Betreibe, Futter usw. für drei Monate angehäuft seien, während „Daily Mail" sogar davon spricht, daß die aufgestapelten Getreidemengen sich auf zwei Millionen Tonnen beliefen. Außerdem wolle dis Regierung große Mengen von Rohstoffen zur Herstellung von Munition auf ßage< legen.
Bord des „Wilhelm Gustloff". Die Organisation „Freude an der Arbeit" bot ein umfangreiches Programm, das portugiesische Volkslieder und Volkskünste umfaßte, die von Künstlern der Lissaboner Theater oorgetragen und gezeigt wurden und reichen Beifall ernteten. Die an Bord des KdF.-Schiffes reifenden deutschen Künstler boten erstklassige deutsche Musik. Zum Schluß wurde ein prächtiges Feuerwerk veranstaltet, das an Bord der Schiffe und am Ufer große Bewunderung erregte.
Gondermistel für den Radwegebau.
tiaen Oberinnenfchuluna, bei der über das Fachwissen hinaus der größte Wert auf Führerinnenfähigkeit gelegt wsvden,muß. Selbstverständlich wird sich der Aufbau des Schwesternwesens nun auch auf Oesterreich erstrecken. Dem steigenden Bedarf an pflegerischen Kräften kommt der von der Reichs- frauenfuhrung organisierte freiwillige Frauen- h i l f s d i e n st für Wohlfahrts- und Krankenpflege entgegen. Es handelt sich dabei um einen zweijährigen Helferinnendienst, der in halbjähriger Anlernzeit und 1/^jähriger praktischer Diensttätigkeit im
Schwestern- und Dolkspfleg'erinnen- und Kinder» gärtnerinnendienst abgeleistet wird. Danach erhalten die jungen Mädchen, die sich so dem Vaterlands zur Verfügung stellen, im Falle ihrer Verheiratung ein Ehestandsdarlehen von 1000 Mark. Hinsichtlich der Ausbildungsbestimmungen für den Schwesternberuf gab Hauptamtsleiter Hilgen- feldt bekannt, daß ein neues Gesetz hierüber in Kürze zu erwarten sei, als dessen Grundlage voraussichtlich die anderthalbjährige Lehrzeit mit anschließendem Praktikum betrachtet werden könne.
Gesicherte Volksernährung durch pflichtgebundene Wirtschaftsführung Landesbauernführer Or. Wagner vor dem Nahrungsmittel-Großhandel im Bezirk Hessen.
Berlin, 26. April. (DNB.) Den Bemühungen des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen, Dr.-Jng. Todt, und der Reichsgemeinschaft für Radwegebau ist es gelungen, Sondermittel für den Radwegebau zur Verfügung zu stellen. Nach bisherigen Ermittlungen werden in Deutschland etwa 35 000 Kilometer Radwege benötigt, vor allen Dingen solche, die zur Entlastung der Derkehrsstraßen, also auch 3ur Förderung der Motorisierung des Verkehrs und zur Verhütung von Dekehrsunfällen. Die Sondermittel werden den Gemeinden zur Verfügung gestellt. Generalinspektor Dr. Todt hat weiterhin dafür Sorge getragen, daß auch in Bezug auf Linienführung, Anordnung und Befestigung der Radwege Richtlinien an die Gemeinden herausyehen. Auf zusammenhängende Planung wird größter Wert gelegt.
Oie Schallplatte im Schulunterricht.
Etwa 4 0 0 Berliner Schulen, die bisher vom Film- und Bildamt der Stadt Berlin mit einem Einheits-Rundfunkgerät ausgerüstet wurden, sollen nunmehr auch ein Plattenspielgerät erhalten, das in Verbindung mit dem Einheitsgerät benutzt werden, kann. Durch diese Maßnahme soll die Schallplatte in größerem Umfang im praktischen Schulunterricht Verwendung finden können.
Kunstharz als Zahnersatz.
Der Vorführung neuer Werkstoffe für den Zahnersatz war eine Sondertagung der Fachwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Reichsverbandes Deutscher Dentisten im VdI.-Haus in Berlin gewidmet. Die Möglichkeit, statt Gold Kun st harz zu verwenden, bedeutet nicht nur Unabhängigkeit in wichtigen Rohstoffen vom Ausland und eine Entlastung der deutschen Devisenbewirtschaftung, sondern auch eine Verbesserung der Zahnbehandlung, indem nämlich statt bisher überwiegend anorganische Stoffe wie Gold, Porzellan usw. nunmehr organische Stoffe in den menschlichen Organismus eingebaut werden können. Dadurch ist auch eine günstigere Auswirkung auf die Gesamtgesundheit des behandelten Patienten gewährleistet. Dentist Ernst Schnabel hat auch das Problem der Härtung der Kunststoffe um einen beachtenswerten Schritt vorwürtsgetrieben, die Kunstharzzähne weisen eine Härtegrad auf, wie er im Zahnersatz bisher nicht erreicht werden konnte. Damit sind gleichzeitig der Härtung von Kunststoffen allgemein Wege zur weiteren Vervollkommnung gewiesen. Ein weiterer Vorteil besteht in der einfachen Verarbeitungsmöglichkeit dieser hygienisch einwandfreien und ästhetisch vollendeten Kunstharze. Sie gestatten eine individuelle Gestaltungsmöglichkeit und statt des verunstaltenden Goldes in Zukunft die Verwendung farbschöner, dem natürlichen Aussehen entsprechender Kunststoffe.
Schwester sein
bedeutet Kampf für das Leben.
Wie die NSK. meldet, begann in Schierke (Harz) die Reichsarbeitstagung der Haupt- stelle Schwesternwesen des Hauptamtes für Volkswohlfahrt. Hauptamtsleiter Hilgenfeldt machte grundsätzliche Ausführungen, in deren Mittelpunkt die Nachwuchsfrage stand, auf der alle Entwicklung des Schwesternwesens in Zukunft abhängt. Es gelte, den jungen Menschen immer wieder zu sagen: Leben ist überall dort, wo Kampf ist, und Schwester sein ist Kampf für das Leben selbst.
Von diesem Gedanken ausgehend betonte Haupt- amteleiter H ilgenselüt die Bedeutung der fünf’
LPD. Frankfurt a. M., 26. April. Der Nahrungsmittel-Großhandel im Bezirk der Wirtfchafts- kammer Hessen hielt in Frankfurt a. M. eine Mitgliederversammlung ab, in der Lanüesbauernführer Dr. Wagner einen Vortrag über eine gesicherte Dolksernährung durch pflichtgebundene Wirtschaftsführung hielt. Die Sicherung der Dolksernährung sei Sache des Landvolkes nicht allein, sondern des gesamten deutschen V o l k e s. So groß auch die Leistungen in der Sicherung unserer Ernährung in den letzten fünf Jahren seien, dürften wir uns doch nicht mit Dem Erreichten zufrieden geben. Die verbliebene, immer noch beträchtliche Abhängigkeit unserer Nahrungsmittelversorgung vom Ausland mit rund f9 v. H. müsse weiter vermindert werden, was 1. eine Steigerung unserer landwirtschaftlichen Erzeugung und 2. eine sparsamere Verwendung des Erzeugten fordere. So sei der Kampf gegen den Verderb eine Angelegenheit des gesamten deutschen Volkes. Die Auswirkungen dieses Kampfes kämen in dem Rückgang der Nahrungsmitteleinfuhr deutlich zum Ausdruck. Im Durchschnitt der Jahre 1929 bis 1932 wurden für rund 3 Milliarden Mark Lebensrnittel eingeführt. Im Jahre 1936 hatte jedoch die Eigen
Wenn Reichsbauernführer Darre in feiner Rede zur Eröffnung der Reichsgartenschau in Essen gesagt hat, daß diese Stadt des Kruppstahls auf dem besten Wege sei, sich einen neuen Ehrentitel zu erobern, so weiß jeder, der einmal seine Nase in den Kohlenpott gesteckt hat, wo er angeblich am dreckigsten ist, was er damit meinte. Denn Essen ist, das lehrt der Augenschein überzeugend, nicht eine schwarze und freudlose Jndustriemetro- pole, bedeckt vom Ruß und Qualm der Schlote, sondern sie ist bei aller Schmutzarbeit eine bunte, fröhliche Stadt, in der neben den Domen der Arbeit die Dome des Glaubens, neben den Schornsteinwäldern die Wälder des lieblichen Ruhrtales aufragen. Ja, bis in den Kern der Stadt hinein ziehen sich breite Grünanlagen. Die Luft des Ruhrreviers" ist besser als ihr Ruf.
Dies mußte vorqusgefchickt werden, weil der Gärtner oder Blumenliebhaber in den anderen Gauen des Reiches vielleicht ausrufen könnte: „Zur Neichsgartenschau ausgerechnet nach Essen?! Solche geheimen Befürchtungen find wirklich grundlos, aber ganz abgesehen davon liegt in der Wahl Essens eine tiefe Symbolik, die dem ankommenden Besucher sofort spürbar wird: die Sehnsucht des Städters nach der Natur, das Verlangen des schaffenden Menschen nach einer schönen, gepflegten Umgebung. Wer von uns in Stadt und Land, der täglich seiner harten Berufsarbeit nachgeht, freut sich nicht über seinen kleinen Schrebergarten, den er am Sonntag beackern kann, oder über die Blumen in seiner Wohnung, über die paar Bäume und Sträucher vor dem Wertstadt.
erzeugung bereits einen so hohen Stand erreicht, daß nur für 1,36 Milliarden Mark Lebensrnittel vom Ausland bezogen werden mußten. Die nationalsozialistische Marktordnung strebe eine Wirtschaftsordnung an, die sich politisch verantwortlich wisse, die der völkischen Bedarfsdeckung, also dem Gemeinwohl diene, und die innerhalb ihrer Marktgemeinschaften die beteiligten Wirtschaftsgruppen und deren Glieder zur verantwortungsbewußten Wirtschaftsgesinnung erziehe. Die Verbrauch sl e n k u n g sei der große Appell an die deutsche Hausfrau, in erster Linie zu jenen Nahrungsmitteln zu greifen, die jahreszeitlich aus unserer eigenen Erzeugung zur Verfügung stehen. Wir müßten unsere Ernährung dem jahreszeitlichen Ablauf der Erzeugung und der Ernte anpassen und uns auch wieder denjenigen deutschen Erzeugnissen des Bodens zuwenden, die seither vernachlässigt wurden. Weiter sei es aber auch eine Ausgabe der Verbrauchslenkung, eine vernünftige Vorratswirt» fchaft zu betreiben und die infolge von Ernte- fchwankungen auftretenden Ueberfchüffe, die nicht haltbar gemacht werden können, unterzubringen.
fenfter? Wer also wollte feine Nase darüber rümpfen, daß Essen der Schauplatz der 2. Reichsgartenschau geworden ist? Nein, gerade hier in der Nähe der Kohlenhalden und lichtlosen Schächte, wo die Kumpels und Metallarbeiter mit schwerer, oft gefährlicher Mühe für des Reiches Wohlstand und Wehrkraft sorgen, mußte der Sinn jeder Bodenkultur und gärtnerischen Gestaltung am allerschönsten aufblühen. Und so ist denn auch mitten im Kohlenpott, auf dem erweiterten Gelände der „©ruga", ein wahres Blumenparadies entstanden, das in diesem Sommer Hunderttaufende und Millionen Menschen begeistern wird.
Die Kruppstadt hat ihre Traditionen auf diesem , Gebiet. Schon die ©ruga von 1929, die „Große Ruhrländische Gartenbauausstellung", war eine Sensation. Nun aber ist ihr Gelände, das seitdem als eine Art Volkspark diente, noch verdoppelt worden und umfaßt heute rund 470 000 Quadratmeter. Auf dieser gewaltigen Fläche, die sozusagen eine Landschaft für sich bildet mit Tälern und Höhen, mit Bächen und Hainen, mit Terrassen und Hallen, vereint sich nun alles, was irgendwie mit Gartenbau zu tun hat. Eine fast unübersehbare Fülle von Blumen, Gemüsen, Obstsorten, Stauden, Sträuchern und Gartenanlagen aller Art bietet sich dem überraschten Besucher dar, und obgleich alles wohl- aeordnet ist nach Art, Jahreszeit oder Zweckbestimmung, weiß man doch kaum, wo man anfangen und wo man aufhören soll in der Betrachtung aller dieser Kostbarkeiten, dieser Blumen« tcppiche, dieser Rabatten, dieser Gewächshäuser und dieser hohen Hallen mit mtereßanten Lehr«
Das Blumenparadies im Kohlenpost.
Zur Eröffnung der Reichsgartenschau in Esten.
Von unserem H. E.-Sonderberichterfiatier.


