Ausgabe 
27.1.1938
 
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ttr.22 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 27.Zanuar (938

Aus der Stadt Gießen.

Der Milchkrug.

In einer Gasse der Altstadt stand eine Gruppe von Menschen vor einem Hause wie zusammenge­kehrt. Erwachsene und Kinder, Nachbarn im Haus­kleid und zufällig Vorübergekommene im Straßen­anzug drängten sich zu einem bunten Knäuel, und die gereckten Hälse der Außenstehenden ließen dar­auf schließen, daß es etwas zu sehen gab. Einzelne, die ihre Neugierde befriedigt hatten, gingen bereits weiter, andere eilten herbei und schoben sich vor. Ein Radfahrer stieg nebenan ab, stellte sein Fahr­rad in einen Hausflur und brach sich eine Bresche durch die dicke Menschenmauer, durch die ich mit einschlüpfte.

Da lehnte mit tränenüberströmtem rotverwein- tem Gesicht ein kleines Mädchen an einem Tor­pfosten und schluchzte, so jämmerlich, daß sein gan­zer Körper wie unter krampfhaften Atemstößen zuckte und litt. Man erriet sofort, daß die Kleine gestürzt war. Deutlicher als der Straßenschmutz an Schürze und Händen deuteten die Milchpfütze in der Gosse, die vielen weißen Spritzer auf Asphalt und Pflaster sowie die herumliegenden Scherben eines zerschellten Tonkruges auf ihren Unfall. Wozu quälten sie einige Frauen immer noch mit der völlig überflüssigen Frage, was geschehen sei! Viel­leicht hatte sie das harmlose Bellen eines Hundes erschreckt und gejagt, vielleicht waren ihr ein paar johlende Buben nachgesprungen, vielleicht aber war sie auch nur gestolpert oder ausgeglitten und da­durch zu Fall gekommen. Groß wie Klein empfand ausnahmslos Mitleid mit dem Mädel, dem erst die Folgen des Sturzes, wie seine verzweifelten Blicke auf die verschüttete Milch und den zerbrochenen Krug bewiesen, das Unglück so schmerzlich machten. Der Radfahrer, der die Kleine zu kennen schien und beim Vornamen nannte, tat, was viele heimlich längst gewollt oder in Gedanken getan: er wischte ihr mit seinem Taschentuch das tränennasse Gesicht trocken, säuberte Schürze und Hände und versprach, fie, zu ihrer Mutter zu begleiten. Es werde schon alles gut gehen.Komm", sagte er und faßte sie bei der Hand,wir holen einen anderen Topf und kaufen neue Milch."

Aber das Mädchen sträubte sich und brach wieder -in heftiges Weinen aus:Die Mutter schlägt mich!" wimmerte sie mit allen Zeichen der Angst.

Wegen dem bißchen Milch!" beruhigte sie der Radfahrer,sie wird schon mit sich reden lassen. Wieviel ist es denn gewesen?"

Ein halber Liter", schnipste die Kleine.Soviel bekommen wir wieder", tröstete der Radfahrer. Aber der Krug--?!"

Ein Herr trat vor und gab dem Radfahrer ein Geldstück.Sie kennen das Mädchen", sagte er, kaufen Sie, bitte, einen neuen Krug!"

Der Radfahrer dankte lächelnd.Na also", sagte er zu seinem Schützlir^,da ist ja alles in schön­ster Ordnung."

Und die Umstehenden atmeten erleichtert auf. Sie konnten nur nicht verstehen, daß aus den tränen­umflorten Augen des Mädchens noch immer nicht sieghaft strahlend die Freude brach, wo doch sonst die Kinder das Weinen und Lachen, wie man zu sagen pflegt, aus einem Sack zu schütten vermögen.

Aber da bekannte die Kleine mit einem schweren Seufzer erst, daß Schlimmeres geschehen war, als irgendeiner ahnen konnte.Es war Großvaters Krug!" stammelte.sie. Und mit einemmal begriffen die Auseinanderflütenden das Kind.

Diesen Verlust kann freilich niemand ersetzen", nickte der Herr, der das Geldstück gegeben hatte, dem Radfahrer zu.Aber besser ein zerschellter Krug, als ein Arm- oder Beinbruch!" P. B.

Dornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Gewitter im Mai". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Wenn Frauen schweigen". Goethebund Gießen, Kaufmännischer Verein sowie Ortsgruppe Gießen Volkstum für

Ein Klümpchen Schnee.

(Erzählung von Peter Mattheus.

Herr Schalke bedauert. Herr Schölte ist beschäf­tigt. Augenblicklich ist leider kein Bedarf."

Der Stift mit den tintenfleckigen Fingern machte -ein Gesicht wie ein Großmogul, während er das sagte. Dann hob er mit einer Art höflicher Ver­traulichkeit die Schultern und fügte hinzu:Viel­leicht später einmal."

Erich Gosch sagte nichts. Er nahm stumm seinen Musterkoffer, grüßte und ging. Draußen vor der Tür, an der auf schwarzem Glas mit Goldbuch- stabenSchalke & Co., Kravattenfabrik" stand, zog Er sich die Handschuhe an und knöpfte den Mantel lest zu. Es hatte geschneit, und ein beißender Wind ^fiff um die Ecken. In finsteren Gedanken" ging er 'die Treppe hinab.

Er warraus", wie es in der Fachsprache heißt. Das war die Sache. Er hatte zwar gute Erzeug­nisse, war ein wirklich tüchtiger Vertreter und kannte alle einschlägigen Firmen aber drei Jahre lang war er abgehängt gewesen. Drei Jahre lang hatte er keine Vertretung gehabt. Und unterdessen hatten die Einkäufer zum Teil gewechselt, allent­halben gab es neue Gesichter, und neue Verbindun­gen waren angeknüpft worden. Er war eben raus.

Seit einer Woche lief er schon herum, und alles, was er geschafft hatte, waren zwei kleine Probe­aufträge. Wenn er seiner Firma nicht bald einen größeren Auftrag schickte, war es Essig mit der neuen Stellung. Das wußte er. Aber konnte er wehr tun, als er tat? Schölte & Eo. war die vierte Firma, die er heute besucht hatte. Alles ver- reblich.

Er war so in Gedanken versunken, daß er Die tunge Dame gar nicht bemerkte, die ihm eilig auf der Treppe entgegenkam. Was die junge Dame wieder- im nicht bemerkte, war ein zusammengebackenes, °'vn irgendeinem Stiefelabsatz abgefallenes Klümp- hen Schnee, das auf einer der Treppenstufen lag. Sie trat darauf, gerade als sie an Erich Gosch vor- - eihuschte, rutschte aus und stieß einen erschrocke­nen Schrei aus. Hastig griff sie nach dem Gelän­der. Aber sie griff zu kurz.

Was dann geschah, geschah sehr schnell. Es war nehr eine Sache des Reflexes als der Ueberlegung. Erich Gosch ließ den Koffer fahren und packte die junge Dame fest an den Schultern. Fünf Sekun­den lang boten sie den Anblick eines Artistenpaares, !»as einen besonders schwierigen und halsbrecheri- chen Trick auf dem Drahtseil ausführt. Dann lan­gten beide mit einem harten Ruck auf einer Stufe.

Die llüer-Tage vom 18. bis 20.3imi in Gießen.

Der Führer hat die Worte gesprochen, die wir Männer des Großen Krieges uns unvergeßlich eingeprägt haben:

Mögen Jahrtausende vergehen, so wird man nie von Heldentum reden und sagen dürfen, ohne des deutschen Heeres des Weltkrieges zu gedenken. Dann wird aus dem Schleier der Vergangenheit heraus die eiserne Front des grauen Stahlhelms sichtbar werden, nicht wankend und nicht weichend, ein Mahnmal der Unsterblichkeit. Solange aber Deutsche leben, werden sie bedenken, daß dies einst Söhne ihres Volkes waren."

Unter diesen Worten des Führers werden die 116er-Tage vom 18. bis 2 0. Juni in Gießen stehen. Tausende von Angehörigen unse­res ehemaligen Infanterie-Regiments Kaiser Wil­helm (2. Großherzoglich-Hessisches) Nr. 116, aus Friedens- und Kriegszeiten und der Kriegsforma­tionen des Regiments, weiter des jungen Infanterie- Regiments 116 der nationalsozialistischen Wehr­macht und die ehemaligen Angehörigen des früheren E.-Bataillons 53 aus allen deutschen Gauen, wer­den sich im Standort Gießen versammeln, um in gewaltigem Aufmarsch und bei fröhlichen Kamerad­schaftsfeiern wieder einige frohe Regimentstage zu begehen. Im Zeichen der im Krieg und Frieden bewährten Kameradschaft und getreu der ruhm­vollen Tradition des Regiments: fest im Glauben an Volk und Vaterland, werden es sicher wieder unvergeßliche Tage werden: der Tradition, die das wirklich Wertvolle der Vergangenheit ersaßt, um es für die Zukunft der Nation einzusetzen: der Tradition, von der Reichskriegsminister v. Blom­berg einmal sagte:

Tradition besteht nicht in Wiederholung oder im Rückwärtsdrehen der Geschichte, sondern im Gegenteil in einer bewußt vorwärtsschreiten- den Fortführung des begonnenen Werkes über

das Erreichte hinaus und . unter den Gegeben­heiten der lebendigen Gegenwart, in deren Dienst wir stehen."

Weiter wird das diesjährige Regimentstreffen dem Gedenken des Gründungsjahres des Regi­ments vor 125 Jahren gewidmet fein.

Mit den Vorbereitungen ist vom Regiment be­reits begonnen. Auch die Regimentsvereine, der Soldaten- und Kyffhäuferbund haben ihre tat­kräftige Mitarbeit zugesagt und treffen schon ihre ersten Vorarbeiten. Die Gesamtleitung liegt in den Händen des Kommandeurs des Infanterie-Regi­ments 116 Oberst H e r r l e i n. Der Veranstaltungs­oerlauf ist wie folgt vorgesehen:

Samstag, 18. Juni: Empfang der Teil­nehmer am Bahnhof durch Angehörige des Regi­ments. Abends großer Kameradschastsabend in der Volkshalle unter Mitwirkung der Regimentsmufik und besonderer Einlagen durch die Kompanien.

Sonntag, 19. Juni: Großes Wecken. Ge- fallenen-Gedenkfeier am 116er-Ehrenmal, anschlie­ßend Abmarsch zum Trieb. Dort Vorbeimarsch der Formationen und des Infanterie-Regiments 116. Anschließend Feldküchenverpflegung. Nachmittags Besichtigungsmöglichkeit sämtlicher Unterkünfte des Regiments. Kaffee-Ausgabe in den Kasernen. Wehr­sportfest der Truppen des Standorts auf dem Trieb. Anschließend Aufführung vonW a l l e n st e i n s Lager". Anschließend Tanz in der Volkshalle und einigen Gaststätten der Stadt.

Montag, 20. Juni: Frühstück aus Feld­küchen. Nachmittags Wiederholung der Aufführung vonWallensteins Lager". Diese Aufführung ist für die Bevölkerung des Kreises Gießen vorgesehen.

116er-Tage in Gießen im Aufmarsch der alten und jungen Soldaten werden die Soldatenlieder erklingen und uralte Marschweisen werden ertönen. Tausende werden sich zu einem neuen gewaltigen Bekenntnis für den Führer und die durch chn wiedererrungene deutsche Wehrfreiheit vereinen.

das Deutschtum im Ausland: 20 Uhr im Großen Hörsaal der Universität: Dichterabend des Schweizer Dichters Alfred Huggenberger. Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand:Frankfurter Künstler der Gegenwart"; Besuchszeit: 17 bis 18 Uhr.

BOM.- u.ZM.-!lntergau 116, Gießen.

Befr.: 30. Januar.

Am Sonntag, 30. Januar, um 9 Uhr hören alle BDM.-« und JM.-Einheiten zusammen mit der ge­samten HI. im Gememschaftsempfang die Rede von Reichsminister Dr. Göbbels an die deutsche Jugend. Die M.- und JM.-Gruppenführerinnen setzen sich mit den zuständigen HI.- und DJ.-Füh- rern in Verbindung. Die M.- und JM.-Gruppen- führerinnen sind für das restlose Antreten der BDM.- und JM.-Einheiten verantwortlich.

Vetr.: Besprechung der J2N.-Schulungsmädel.

Am 6. Februar sindet um 10 Uhr eine Be­sprechung der JM.-Schulungsmädel statt. Anschlie­ßend ist eine kurze weltanschauliche Schulung der JM.-Gruppenführerinnen, die möglichst von allen JM.-Gruppenführerinnen besucht werden soll.

Giesiener Dochenmarktpreise.

* Gießen, 27. Jan. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, y» kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., ausländ. Kühlhauseier, Stück 11 und 12, ausl. Eier 12^, Käse 5 bis 10, Wirsing, grün, Vi kg 10 bis 15, Weißkraut 9 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, Gelberüben und Ka­rotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 18, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosen­kohl 25 bis 28, Feldsalat, Vm 9 bis 10, Tomaten, Vi kg 45 bis 50, Zwiebeln 9 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 40, Kartoffeln 5, 5 kg 42 Pf., 50 kg 3 bis 3.45 Mark, Aepfel, % kg

10 bis 20 Pf., Blumenkohl, Stück 45 bis 50, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 35 Pf.

Oer Kampf um die Weltmacht Erdöl.

Im Rahmen der Vortragsveranstaltungen des Offizierkorps des Standortes Gießen, die in jedem Winterhalbjahr eine Anzahl Abende ausfüllen, ver­einigten sich am gestrigen Mittwochabend im Offizier­heim in der Zeughauskaserne wiederum viele Gäste aus der Bevölkerung von Gießen und Umgegend mit dem Offizierkorps upd den Mitgliedern der Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes Deutscher Offiziere, um einen Vortrag über ein besonders interessantes Thema zu hören. Der Standortälteste, Generalleutnant und Divisionskommandeur O ß - w a l d, als Hausherr gab der Freude des Offizier­korps über das Erscheinen eines so großen Kreises von Gästen mit herzlichen Begrüßungsworten Aus­druck.

Der Vortragende des Abends, Dr. von'Papen aus Dresden, hielt dann einen ungemein fesselnden Vortrag über das ThemaDer Kumpf um die Weltmacht Erdöl". Es war ein weitgefaßtes und durch sehr lebendige Behandlung des Stoffes be­sonders fesselnd gestaltetes Bild der weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Vorgänge im Kamps um das Erdöl, das der Vortragende seinen Hörem skizzierte. In der Gegenüberstellung der beiden Ex­ponenten dieses gewaltigen Ringens, des unlängst verstorbenen Amerikaners Rockefeller als Schöpfers und Leiters der Standard Oil Company einerseits, und feines Widersachers D e t e r d i n g als Vertreters der Royal - Dutch - Shell anderseits, zeichnete der Redner die Ausgangs- und Mittel­punkte des weltbewegenden Kampfes um das Erd­öl, der sich feit Jahrzehnten auf allen Kontinenten der Erde abspielt. Neben einem umfassenden lieber« blick über den organisatorischen Aufbau und den an­

fangs nur rein geschäftlichen Wettbewerb der beiden Jnteressentengruppen schilderte Dr. von Papen dann aber auch in klarem Aufbau und in lücken­loser Folge die Rolle, die etwa seit der Jahr­hundertwende das Erdöl in der Politik aller Län­der und Völker spielt, sowie die vielfachen poli­tischen und kriegerischen Vorgänge, die sich um die Achse Erdöl drehten. Bei dieser Uebersicht erhielten die Hörer u. a. interessante Aufschlüsse über wichtige Abschnitte der Politik der beiden Erdöl-Hauptmächte England und Amerika, ferner gab der Redner fes­selnde Beispiele für die skrupellose Interessen- und Machtpolitik, die eine besondere Note der englischen Erdölpolitik ist und die auch vor Mitteln nicht zu­rückscheut. die mit Fairneß nichts zu tun haben. Sehr lehrreich waren weiterhin die Darlegungen des Redners über die Rolle, die dem Erdöl beson­ders in den Jahren des Weltkrieges zu eigen war, und hier namentlich das Bild von der Bedeutung dieses Treibstoffes für unsere Kriegsführung wäh­rend jener Jahre. Die Hörer erkannten aber auch,

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Allabendlich mit Nivea-Creme die Haut geschmeidig machen. Dann trotzt sie Wind und Wet­ter, ohne spröde zu werden.

daß das Erdöl allezeit eine der wichtigsten und empfindsamsten Stellen im Leben und in der Poli­tik aller Völker einnimmt und daß sich daraus mit zwingender Kraft Schlußfolgerungen ergeben, die zur Sicherung des eigenen Volks- und Staats­lebens mit aller Konsequenz gezogen werden müs­sen. Wie Deutschland aus den Lehren des Krieges und aus den reichen Erfahrungen feit jener Zeit diese Sachlage zu beurteilen und für die Sicherung des Lebens unseres Volkes zu bewerten hat, das schilderte der Vortragende am Schlüsse seines inter­essanten Berichtes in eindrucksvoller Weise. Eine große Fülle von Lichtbildern ergänzte und er­weiterte die Wirkung des gesprochenen Wortes.

Starker Beifall bekundete dem Vortragenden den herzlichen Dank der Zuhörer, den der Führer der Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes Deutscher Offiziere, Generalmajor a. D. Mohr noch in be­redten Worten zum Ausdruck brachte.

Wilhelm Stumpf f

Im 86. Lebensjahre starb am 24. Januar der hie­sige Rentier, frühere Schneidermeister Wilhelm Stumpf. Er war in Maulbach (Oberhessen) ge­boren und hatte dort das Schneiderhandwerk er­lernt. Von 1871 bis 1874 war er Soldat beim Be­zirkskommando in Gießen. Im Jahre 1877 kam er als Schneider nach Gießen und machte sich im fol­genden Jahre selbständig. Im Jahre 1886 eröff­nete er in der Sonnenstraße einen Laden für Mi­litäruniform, den er bis 1917 innehatte. Gar man- 1 cher alte 116er oft Vater und Sohn ist von ihm mit Hose, Mütze und Koppel beliefert worden. Die Studenten B e i n b a ch aus Grebenau und Gerhardt aus Steinbach brachten ihn früh­zeitig in die völkische Bewegung. Im Jahre 1888 nahm er an der ersten Böckeloersammlung in Stein­bach teil und war Mitbegründer des Deutschen Ver­eins in Gießen. Bei allen Wahlen sah man W« Stumpf im völkischen Wahlausschuß. Mit Dr. Böcke! und den früheren völkischen Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg, Fritz B i n d e w a l d und Ph. Köhler- Langsdorf hatte er gute Freundschaft. Die größte Freude in feinen letzten Lebensjahren brachte ihm der Aufitieq un­seres deutschen Vaterlandes im völkischen Sinne. Ein treuer, deutscher Mann ist mit Wilhelm Stumpf dahingegangen.

** Doppel jubiläum. Am kommenden Sonntag, 30. Januar, kann Schneidermeister Johann Mand, Weidengasse 1, auf ein vierzigjähriges Bestehen seines Geschäftes zurückblicken und gleich-

Uff ... Donnerwetter!" sagte Erich Gosch.

Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander. Schließlich stand er langsam auf, betastete verstoh­len seine Rückseite und blickte etwas verlegen auf die junge Dame hinab.Hm Sie können hier unmöglich länger sitzen bleiben", meinte er.Es zieht hier. Hoffentlich haben Sie sich nicht weh getan."

Auch sie stand langsam auf. Sie schüttelte den Kops.Das hätte", sagte sie mit einem tiefen Atem­zug,das hätte schlimm für mich ausgehey kön­nen. Ich glgube, ich muß Ihnen sehr für Ihre Hilfe danken."

O bitte", wehrte er ab.Nicht der Rede wert. War war ja wohl selbstverständlich, nicht war?"

Nun auf alle Fälle waren Sie sehr geistes­gegenwärtig. Tausend Dank!"

Sie lächelte und streckte ihm die Hand hin. Er nahm sie, drückte sie herzhaft und zog den Hut. Dann wandte er sich ab, um weiter die Treppe hinunter zu gehen. Aber er blieb stehen, wo er stand und machte ein äußerst verblüfftes Gesicht.

O weh ich fürchte, jetzt muß ich Ihnen hel­fen", sagte die junge Dame neben ihm und blickte ebenfalls die Treppe hinab.

Vierzehn Stufen hatte «der Koffer nicht ausge­halten. Vierzehn Stufen waren ihm zuviel gewe­sen. Das Schloß war aufgesprungen. Er lag weit offen auf dem Treppenabsatz, und um ihn türmten sich bunte Berge von Seidemustern. Auch die Stu­fen waren besät damit. Gleich darauf knieten Erich und bft junge Dame vor dem Koffer und sortierten die Muster wieder ein. .

Hm Krawattenseide", sagte die junge Dame. Waren Sie oben bei Schalke?"

Erich nickte. , . __

Haben Sie einen Auftrag bekommen?

Erich schüttelte den Kopf.Ach nein", sagte er ein wenig bitter,Herr Scholle bedauerte. Herr Schalke war beschäftigt."

Hm", machte die junge Dame.

Früher", fuhr Erich fort,als die Firma nach August Schalke hieß, hab«' ich mir manchen Hub- schon Auftrag geholt. Aber jetzt heißt die Firma ja Schalke & Co. ein Teilhaber ist eingetreten. Vielleicht liegt es daran."

Hm", machte die- junge Dame wieder. Dann waren die Muster wieder alle im Koster, und sie stand auf.Kann ich noch etwas für Sie tun?"

Dante, nein", sagte Erich.Ich gehe jetzt und trinke eine Tasse Kaffee aus den Schreck " Er wies auf eine Konditorei auf der anderen Straßenseite. Wenn Sie vielleicht -

Tut mir leid", sagte die junge Dame.Ich habe jetzt dringend zu arbeiten."

Und sie flitzte an ihm vorbei die Treppe elypor.

Zehn Minuten später, als Erich in der Konditorei über seinem Kaffee brütete, tippte ihm jemand von hinten auf die Schulter, und eine Stimme, die ihm bekannt vorkam, sagte,Herr Gosch?"

Er fuhr herum. Da stand der tintenfingrige Stift von Schalke & Co. und keuchte ein bißchen.

Herr Gosch, nicht wahr?" sagte er.Sie waren doch vorhin bei uns drüben. Herr Schalke läßt Sie bitten, gleich noch einmal zu kommen. Vielleicht ist doch Bedarf."

Menschenskind was sagen Sie da? hauchte Erich entgeistert.

Jawohl Sie möchten gleich kommen!"

Damit nahm der Jüngling schon den Muster- kaffer und schleppte ihn davon. Erich hatte kaum Ieit, feinen Kaffee auszutrinken.

Als er nach etwa einer Stunde aus dem Privat­kantor von Herrn Schalke trat, hatte er einen Auf­trag in der Tasche, den man getrost als Riesenauf­trag ansprechen konnte. Es war ihm etwas wir­belig zumute.

Und dann stand da im Varraum diese junge Dame von der Treppe in einem weißen Kittel und lachte.

Na, Haben Sie Ihren Auftrag?" fragte sie.

Hab ich", sagte er strahlend.Und was für einen! Aber was machen Sie denn hier?"

Ich?" Sie lachte noch lauter.Och ich bin hier blaß der Teilhaber, wissen Sie? Edith Schalke ist mein Name. Vater meint nämlich, daß eine Frau meistens mehr von Krawatten versteht als ein Mann. Und da hat er mich in die Firma aufge­nommen."

Uff ... Donnerwetter!" sagte Erich Gosch zum zweitenmal an diesem Tag. Er sah sie lange an, und fein Gesicht zog sich ein bißchen in die Länge. Jetzt bin ich eigentlich gar nicht mehr so glücklich, daß der Auftrag so groß ist", meinte er schließlich. Jetzt kann ich dach für lange Zeit nicht kommen."

Nanu? Weshalb denn nicht?" fragte sie.Sie könnten sich zum Beispiel erkundigen, ob die Ware gut angefommen ist, nicht wahr? Oder ob vielleicht zwischendurch etwas gebraucht wird. Ein tüchtiger Vertreter findet immer einen Grund zu kommen.

Na, tüchtig bin ich", sagte er.Wenn Sie also meinen, daß ich kommen soll, dann werde ich schon Gründe finden."

Finden Sie nur", sagte sie.

Sie schüttelten sich die Hände. Ziemlich lange, wie der tintenfingrige Stift von seinem Schreibtisch aus beobachtete. Dann ging Erich,

Als er aus der Haustür trat und die drei Stufen zur Straße hinunterschritt, rutschte er auf einem Klümpchen Schnee aus, das festgebacken an einer Stufe klebte.

Er schlug beinahe hin. Aber er fluchte nicht. Kein Wort sagte er. Er drehte sich um und sah das Klümpchen Schnee nahezu zärtlich an. Und als er weiterging, pfiff er laut, obwohl der Wind ihm ins Gesicht schnitt und ihm die Lippen klamm machte.

Lichtspielhaus:

Wenn Frauen schweigen."

Der Titel klingt, als ob es. ein Aufklärungsfilm von anno dazumal für die Nachtvorstellung wäre, aber mit Nichten: es ist ein Lustspiel, das heitere Abenteuer einer Hochzeitsreise in den sonnigen Sü­den, die geheimnisvolle Geschichte eines Stündchens, einer zärtlichen Serenade, gesungen unter dem Fenster der jungen Frau, während der Gemahl eben gerade ausgegangen ist ... niemand weiß, wer da gesungen hat, und auf welche rätselhafte Weise der Gesang sogar auf eine Schallplatte ge­bannt wurde, die alsbald unter dem Namen eines Unbekannten in den Handel gebracht wird und bet den schweigenden Ehefrauen wie bei den wissenden Männern, auch bei einigen andern Mitwirkenden dieses Verwechslungsspieles ' eine anmutige Ver­wirrung stiftet, bis das Rätsel sich mit Hilfe etlicher wohlplacierten Ohrfeigen in eitel Wohlge­fallen auflöst. Wer mit dieser Inhaltsangabe nicht zurechtkommt, muß sich den Film selber ansehen, m dem unter der Spielleitung von Fritz Kirche hoff ein kleines Ensemble munter zusammenspielt:' Hansi Knoteck und Johannes H e e ft e r s , das flüchtig entzweite junge Paar, Fita Senf bo ff und Ernst Waldow, die, jeder auf feine Weise, den Schelm im Nacken haben. Hilde von Stolz, eine kokett zwitschernde Schauspielerin; auch Fried­rich Krahmer, Hubert End le in und Hildgj S e s s a k seien nicht vergessen.

*

Im Beiprogramm: Bavaria - Wochenschau, ein Kulturfilm und ein kleiner, lehrreicher Kriminalfall .mit überraschender Pointe. Hans Thyriof.

Hochschulnachnchten

Professor Dr. Otto Höfler an der Universität Kiel hat einen Ruf als Ordinarius für germa­nische Philologie an die Universität München en halten.

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