Ausgabe 
26.11.1938
 
Einzelbild herunterladen

Iir.277 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

26./2Z. November 1938

Gute Gießener Bilanz

In der Ratsherrensitzung am vorgestrigen Don­nerstag hat der Leiter unserer Stadtverwaltung, Oberbürgermeister Ritter, den Ratsherren und der Gießener Bevölkerung den GietzenerHaus- haltsplan für 193 8 oorgelegt. Er hat diese Gelegenheit benutzt, zugleich einen Ueberblick über den Rechnungsabschluß von 1936 und über die finanzwirtschaftliche Entwicklung von 1937 sowie einen Ausblick auf den voraussichtlichen Verlauf des jetzigen Rechnungsjahres zu geben Dabei stellte er vor allem auch die Entwicklung unserer städtischen Betriebe an Hand einiger bemerkenswerter Zcchlen- angaben ferner den Schuldenstand und das städtische Vermögen mit in den Vordergrund der Betrachtun­gen. Die interessanten zahlenmäßigen Angaben sind aus unserem gestrigen Bericht über den Verlaus der Ratsherrensitzung ersichtlich.

Es ist eine ausgezeichnete Bilanz, die der Ober­bürgermeister rückschauend auf 1936 und 1937 der Einwohnerschaft unserer Stadt vorlegen konnte, und es ist ein erfreuliches Stück weiterer Aufbauarbeit, für die er auch in diesem Rechnungsjahre wieder alle Kräfte unseres Gemeinwesens einsetzen will. Mit diesem Rückblick und Ausblick können sich alle zufrieden erklären, die ihren Blick auf die großen Linien und auf die weitgesteckten Ziele der Ent­wicklung unserer Stadt richten. Gewiß sind dafür Opfer zu bringen, wie ja überhaupt kein Erfolg und kein Fortschritt ohne entsprechenden Kraftauf­wand und Einsatz zu erreichen sind. Aber diese Opfer des einzelnen für das große Gemeinschafts- Werk kommen jetzt doch aus einer ganz anderen Grundlage, als in den Jahren vor der national­sozialistischen Staats- und Volksführung. Damals ging alles von Jahr zu Jahr weiter rückwärts, wuchsen in jedem Jahre nicht nur die wirtschaft­lichen Schwierigkeiten des einzelnen, sondern auch die wirtschaftlichen Lasten und Fesseln der Gemein­schaft, auch der Städte, ständig in zunehmend schnel­lerem Tempo. Wir brauchen hier nur an die Zah­

len der Arbeitslosen und als weiteres Beispiel an die wirtschaftliche Lage des Handwerks in unserer Stadt während jener Jahre zu erinnern. Damals fast auf der ganzen Linie keine Arbeit und kein Verdienst heute überall, wohin man blickt, eine Fülle von Arbeitsaufgaben und von Schaffensmög­lichkeiten, ein Mangel an Arbeitskräften auf allen Gebieten! Diese gewaltige Umwälzung spiegelt sich für die Wirtschaftsführung unserer Stadt noch außen hin erkennbar in dem Haushaltsplan und durch die Abschlüsse der Rechnungsjahre wider.

Das räumliche Wachstum unserer Stadt, aber auch die vielfältige Vervollkommnung ihrer Ein­richtungen sind die überzeugenden Merkmale des steten Aufschwunges unseres Gemeinwesens. Die Zahlen in dem Rückschau- und in dem Haushalts­bericht des Oberbürgermeisters sind aber auch Aus­druck der privatwirtschaftlichen Erstarkung im Be­reiche unserer engeren Heimat, denn alle diese Ergebnisse und Wirkungsmöglichkeiten der städti­schen Finanzwirtschaft haben ja ihr Fundament in der heute erheblich stärkeren Leistungskraft der Steuerzahler, als sie in den Jahren des deutschen Niederganges auch hier vorhanden war Man denke ferner an den ansehnlichen Rückgang der öffentlichen Fürsorgelasten, die jetzt um ein ganz Erhebliches geringer sind als vor einigen Jahren, vor allem vor 1933. Es ist eben auf der ganzen Linie ein starker Zug des produktiven Schaffens zu ver­zeichnen. Und besonders erfreulich ist es, daß diele Linie, bei der auch die städtischen Haushalte ohne Fehlbeträge abschließen, weiter für das neue Haus­haltsjahr 1938 wirksam ist. so daß der Oberbürger­meister in seinem Finanzzwischenbericht vom 30. September 1938 die züversichtliche Hoffnung äußern konnte, daß auch das jetzige Rechnungsjahr ohne Fehlbetrag abschließen und die im außer­ordentlichen Haushaltsplan vorsorglich eingestellte Darlehensaufnahme wahrscheinlich entbehrlich wer­den wird, da die geplanten neuen Bauarbeiten hierzu wohl keinen Anlaß geben werden.

Die Gießener Bevölkerung kann also auch in der jetzigen kommunalen Jnventuraufnahme ein Zeugnis

dafür erblicken, daß die Leitung der Geschicke unserer Stadt in guter Hand ist und der Segen des Auf­bauwerks unseres Führers Adolf Hitler auch in unserer Stadt immer aufs neue überzeugend zutage« tritt. B.

Adventslichter.

Mitten in der dunkelsten Zeit des Jahres, wenn der Tag nur wenige Stunden währt, und wenn die Wolken zuweilen selbst diese kurzen Stunden noch beschatten, dann zünden wir die Adventslichter an. Und ob die Lichter nun aus einer festlichen Krone von Tannengrün oder in aller Bescheidenheit von einem Fensterbrett leuchten: immer rufen sie jene Stimmung wach, die diesen vorweihnachtlichen Wochen eigen ist. Das deutsche Volksgemüt, das mit seiner Empfindungstiese allen Vorgängen im Kreis­lauf des Jahres seine besondere Deutung gibt, weiß auch diese Adventszeit mit einer köstlichen Poesie zu erfüllen, die alle Jahre wieder aufs neue ihren stillen Zauber offenbart.

Es ist ein rührendes Geschehen, wenn zarte Kin­derhände sorgsam das Lichtlein hüten, und es zeigt sich nicht weniger eindrucksvoll, wenn die Kleinen andächtig ihren Adventskalender betrachen. Der gute Hausgeist der Familie scheint in diesen Stunden um­zugehen, der allen die heimliche Vorfreude spendet, mit der das Fest der Liebe erwartet wird. Denn nichts anderes macht diese Zeit ja so überaus reiz­voll und verklärt sie mit einer seltenen Innigkeit, wie die hoffnungsfrohe Erwartung, die dem deut­schen Weihnachtsfest gleich einer strahlenden Erschei­nung voranleuchtet.

Um die Gemütswerte, die die Adventszeit in jeder deutschen Familie keimen läßt, weiß jeder, der sich die Kindheitserinnerungen als kostbaren Schatz be­wahrt. Glücklichstes Einvernehmen beseelt Eltern und Kinder, ein Einvernehmen, das durch die tausend Heimlichkeiten zwischen ihnen nur noch wirksamer wird. Dieses stille Glück erweist sich als eine Quelle immerwährender Erquickung, aus der auch nach

Jahrzehnten noch geschöpft werden kann, wenn aus Kindern längst erwachsene Leute geworden sind, die wieder ihren Kindern die Köstlichkeiten freudevoller Stunden vermitteln.

Wenn jetzt die Adoentskerzen am Abend ihren milden Schein in den Häusern leuchten lassen, dann sind sie für uns im doppelten Sinne Symbol Sie wollen auf das Fest der Liebe, diesen Höhepunkt deutscher Familienfestlichkeit, Hinweisen, aber sie ocr«

Eine Brille mit Zweistärkengläsern empfehle ich jedem, dem beim Blick wechsel (Ferne/Nähe) das Auf- und Absetzen der Brille lästig: ist. Die fachgemäße Anpassung ist meine Spezialität! saA

«der Optiker am Bahnhof.

sinnbildlichen zugleich auch unsere Hoffnung auf Licht, die in diesen dunklen Wochen stärker denn je lebendig ist. Der Lick;tgedanke ist ja überhaupt der Wesensinhalt, der dem weihnachtlichen Geschehen zu- arunde liegt. Denn ob unsere Vorfahren zur Winter­sonnenwende ihre Feuerräder von den ^Bergen rollten oder ob in unserer Zeit der Kerzenglanz von den Tannenbäumen strahlt: heute wie damals sprick)t daraus die mensck)liche Sehnsucht nad) der lieber« Windung aller dunklen Mächte durch das sieghafte Licht. H. W. Sch.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Stadttheater: 20 Uhr zur 5. JahrestagungKraft durch Freude" FestaufführungRigoletto". Glo­ria-Palast (Seltersweg):Chicago": Spätvorstel­lung 10.45 UhrAfrika, wie man es noch nie sah und hörte" undCongorilla, die Hochzeit im Ur­wald". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Unsere kleine Frau" Stoßtrupp' Li mb ach: 20 Uhr im Studentenheim. Oberhessischer Kunstoerein: 16

M.s«

«

'O.

U KM

yyr i

R MW

W

In der Ratsherrensitzung am Donnerstag hat der Oberbürgermeister die Baufluchtlinie für die Alt- st a d t s a n i e r u n g III (Straßendurchbruch zwischen

Bahnhofstraße und Seltersweg vom Horst-Wessel- Wall bis zur Kaplansgasse) festgesetzt. Unser Bild an Hand der maßgebenden Zeichnung zeigt deutlich die

Führung der neuen Querstraße, an der neben ge­sunden Wohnungen vor allem auch Parkplätze ge­schaffen werden sollen. (Aufn.: Neuner, Gieß. Anz.)

Weihnachten fängt viel früher an!

Bon Felix Riemkasten.

Weihnachten ist mcht erst am vierundzwanzigsten Dezember, sondern Weihnachten fängt schon viel früher an. Es fängt mit jenen Tagen an, in denen es draußen frühe dunkel wird, so früh schon, daß man an draußen kaum noch denkt, sonderninner­lich" gerichtet ist Draußen schneidet uns nur der Wind so grimmig in die Backen, daß jeder, der zu Hause nun eintritt, erst einmal die Hände reibt, freudig den Ofen lobt und dann mit einem warmen Gefühl als wäre das etwas Neues richtig inne wird, wie anheimelnd heimelig und heimisch eigenllich sein Heim sei. Wenn in solchem Heim dann noch die Frau sitzt, mollig in Wolle, die Füß­chen schön warm eingekuschelt in weiche Schuhe, und so näht sie etwas oder häkelt, oder sie strickt... Es ist ganz egal, was sie tut, die Hauptlache ist, daß sie da ist, daß das Heim bewohnt und regiert ist, und so also kommt man von draußen aus der Kälte und Finsternis nach innen hinein m die Wärme und Freundlichkeit. Das Licht leuchtet, vier Wände stehen ringsum und sind schon, und menn deine Seele in solcher Lage nicht inniger wünscht, als Stiefel aus, warmen Trank und dergleichen, siehe, dann ist da alles beisammen und hat schon gewartet auf dich, und außerdem duftet es meist auch ein bißchen. Es duftet nach Aachener Printen, es düstet nach Nürnberger Lebkuchen, es duftet ent­schieden nach Bratapfel...

Das also, ungefähr, ist Weihnachtsbeginn.

Außerdem aber und für uns ist das nun die Hauptsache krabbelt in der Ecke des Zimmers ein Lebewesen umher, bunt angetan in immer freudenvollen Kleidchen, süß warm beschuht m höchst sanften Kamelhaarsöckchen, hell besternt mit zwei großen, unsagbar zutraulich aufleuchtenden, gleich zu dir herschauenden Augen, darunter dann ein dümmlich dummes Stupsnäschen und ein korallen­rotes, frisches unvergrämtes Mündlein, und dieses Ding ist dein Kind und freut sich, quiekend vor Freude, daß du da bist.

Kaum bist du heraus aus dem Mantel, aus dem die Kälte noch strömt, so erfährst du schon Neues und mußt es dir mitteilen lassen. Denn du weißt ja noch gar nichts. Laß es dir nun also sagen, laß es dir mitteilen. Mutti sitzt nur im Hintergrund, aber itfi Vordergrund redet das Kind.

Gestern abend hat Mananne ihre kleinen Schüh­chen in die Fensterbank gestellt, und heute morgen war ein kleines Schweinchen aus Marzipan m dem Schuh. Der es hineingetan hat, war der Nikolaus.

Der hat es über Nacht hineingetan. Dazu ist dieser Nikolaus da. Er legt über Nacht die guten, kleinen Sächelchen in Kinderschuhe, aber die Schuhe müssen am Abend vorher in die Fensterbank gestellt werden, und das Kind muß außerdem brav gewesen sein, mindestens einigermaßen und wenigstens immer­hin und Halbwegs brav, sonst tut er es nicht. Ja, und das kleine Marzipanschweinchen hättest du eigentlich vorher noch sehen sollen, heute abend, aber... Ja, es ist in dem langen Laufe des langen Tages leider doch schon aufgegessen worden Aber vielleicht ist morgen wieder etwas im Schuh.

Nein, das geht natürlich nicht. Alle Tage so? Nein.

Aber alle zwei ober drei Tage, das geht. Mal ein kleiner Pfefferkuchen, und mal ein kleiner Weih­nachtsmann, und jedesmal freut sich das Kind und glaubt daran. Ja, es kommt sogar vor, daß auch bei Mutti morgens früh im Hausschuh ein Stück Marzipan liegt, und darauf liegen dann zwei Tage später bei Dati zwei Stück prima Zigarren im Schuh, jedoch ...

Nein, wirklich", sagt Vati,das ist ja ungeheuer lieb von dir, aber ..."

Ach was", wehrt sich Mutti .,Na ja", sagt sie schließlich,es ist doch nur, damit man mal ." Also für die Großen, das ist albern, das hört auf, das ist Verschwendung, aber für das Kind bringt der Nikolaus immer noch fleißig diese und jene Freude in den Schuh. Heber Nacht.

Die Kinder in der Nachbarschast reden unter­einander viel darüber. Die Dreijährigen hören nur zu und verstehen davon fast nichts, die Vierjährigen glauben es wörtlich und heilig wahr, und die Fünf­jährigen glauben es zwar, aber beinahe glauben sie es doch nicht mehr und bohren mit dem Verstand schon an Wunder umher, denn von den nun schon Sechsjährigen werden sie gar zu aufgebracht und zu verächtlich angeschnauzt, so aufgebracht und so verächtlich, wie Aufklärung stets vorgeht. Mit Feuer und Schwert, du Dummkopf, du bist ja dumm Bei uns aber, als das Kind vier Jahre all war, da gab es den Weihnachtsmann, ohne Zweifel gab es ihn, und siehe, es waren sogar greifbare Beweise für ihn vorhanden. Oder sind das keine Beweise, die ich hier, aufzähle? Ein Schwein aus Marzipan, he? Ein Herz aus Pfefferkuchen mit Bild darauf, was? Oder ein Lämmchen mit grüner Schleife, und an der Schleife ist ein Bim-bim-Glöckchen? Das kann man doch sehen!

Und dann in diesen Wochen die Klavierstunden durch Mutti und die schönen alten Lieder! Mutti spielt vor, sie singt ganz leise dazu, und Mananne steht dabei und lernt mitfingen. Es brennt jetzt in dem Holzleuchter auch öfter ein Licht, eine rote, schöne

Kerze. Es riecht jetzt sogar heilig und merkwürdig, und öfter kommen Pakete an, die niemand anfassen darf. Mananne lernt ein Weihnachtslied, von dem aber Vati nichts wissen darf, und Dkutti sitzt bis in die Nacht hinein undmacht Sack)en" und ist reinweg verzweifell, denn sie fürchtet, sie schafft es nicht mehr. Eigentlich düster ist in diesen Tagen nur Vati, denn er rechnet und rechnet und sieht nicht, wie die Rechnung jemals soll aufgehen können. Er ist oft so düster, daß das Kind ihn schon beinahe streitbar und schon voll Erstaunen ansieht, wenn es umherläuft in der Wohnung, rätselhaft vergnügt und hochgestimmt von innen her, so prachtvoll süß geborgen in den warmen Kamelhaarenen. Und dann soll morgen Weihnachten sein! Da sollte Vati lieber vergnügt sein, rät sie ihm und funkelt mit schlauen Blicken.

Erst war es sogar vorgestern schon Weihnachten, aber das war ein Irrtum gewesen, leider. Dann war es bestimmt gestern Weihnachten gewesen, was sich leider dann auch wieder als Irrtum heraus­gestellt hatte. Auch heute ist es noch nicht ganz so weit, aber morgenAlso sowie du dann wach wirst, mein Kind!"

Das aber stimmte wiederum nicht, denn beim Erwachen war alles wie alle Tage. Es wurde sogar ein ziemlich schwieriger Tag, und Mutti mußte mindestens zehnmal mahnen:Du mußt nun nicht so viel fragen, Kind; da wird ja Mutti ganz hin davon!"

Ganz hin davon" ist schön: es ist Nicht richtig im Sinne der Sprachforschung, aber man weiß genau, was gemeint ist.

Und bann und nun mit einemmale, nun sogar plötzlich nun maß das Kind hinaus in die Küche, ganz schnell. Und dann trampelt und rumpelt und brummelt und brammelt eine tiefe Stimme, eine schwere Männermasse umher in der Diele, es schnauft da etwas, es räuspert sich einer, und das ist der Weihnachtsmann.

Hörst du?"

Sie hört es.

Jawohl", atmet sie und steht ganz still.

Wir haben sogar einen Weihnachtsmann gehabt, von dem selbst wir Iroßen einen Augenblick zuvor nichts geahnt hatten. Onkel August vonüber uns" hat sich gejückt gefühlt von seinen starken Humoren und hat einen Weihnachtsmann in sich durchaus nicht unterdrücken können. Sogar uns selbst wollte er zu Narren machen, er wollte sich strikt und schlichthin niemand zu erkennen geben.

,<Jch bin der Weihnachtsmann", behauptete er mit tiefer, stark verstellter Stimme, als wir bei seinem Läuten die Tür aufmachten und unseren ersten großen Schrecken niederwürgten.Wohnt hier.

ein artiges Kind? Nun laßt mich doch vor allen Dingen erst mal rein!"

Wir ließen ihn hinein. Wir hatten ihn inzwischen an seinem ewig verbogenen linken Brillenbügel be­reits erkannt. Es war uns eine Beruhigung, denn niemand kann harmloser sein als Onkel August. Mananne freilich hat ihn im Banne der fraglosen, riesigen Ehrfurcht nicht im mindesten erkannt. Sie hat ihn aber auch nicht gefürchtet. Sie war ja wochenlang immer nur brav gewesen, also hatte sie keinen Grund, sich vor dem lieben Weihnachts­mann fürchten zu sollen. Außerdem standen Vati und Mutti doch bei ihr, ha!

Mit dem Weihnachtsgedicht schnurrte sie ab, daß der alte gute Weihnachtsmann ganz betroffen war. Von der Rute durste er gar nicht anfangen, sondern gleich mit dem Sack, den er auskippen mußte.

So war das. War es nickst schön?

Und vielleicht noch einmal im nächsten Jahre kann der Weihnachtsmann persönlich wieder m Er­scheinung treten, einmal noch, aber dann wohl nicht mehr, und von da an wird vieles im Leben immer nüchterner werden, immerrichtiger", immer wahr­heitsgemäßer. Leider.

Aber macht das etwas? Es macht soviel nicht aus. Der eigentliche Schatz ist schon gerettet worden, er wird nicht mehr genommen. Es war einmal, und indem es einmal also war, einmal sogar wahr war, so war es also wahr und war schön gewesen und kann uns niemals mehr genommen werden. Mariannchen nicht, uns nicht und unserem liebenswerten schönen ganzen Zusammenhalt nicht. Es gehört uns.

Schnuller für Elchkinder.

In den Räumen des Forstamts Tawellenbruch (Tawellningken) in Nord-Ostpreußen befindet sich seit einiger Zeit ein Elch-Museum, das einzige Deutschlands. An Abwurfstangen der verschiedenen Altersklassen wird die Entwicklung des Elchgeweihs gezeigt, und ein mächtiges Elch-Skelett gibt besser als alle bildlichen Darstellungen einen Eindruck von dem massigen Knochenbau des urigen Wildes Der Fußboden ist mit prachtvollen Elchdecken belegt. In einer besonderen Darstellung ist der größte tierische Feind des Elchwildes, die Rachendremse, in ihren verschiedenen Entwicklungsstufen behandelt, und selbst dieSchnuller", die großen Gummisauger füx Elchkälber, mit denen der Forstmann die in seine Obhut genommenen Jungtiere aufzieht sind vorhanden. Sie mußten eigens für die Milchflaschen der Elchkinder angefertigt werden.