Sie mal jetzt alles Herumreden beiseite! Bitte, setzen. Sie sich! .Unsere Unterredung lst noch nicht zu Ende. Im Gegenteil! Ich glaube, sie beginnt jetzt erst."
Mit erstauntem Blick auf Karola setzt sich Dr. Grote. Karola bleibt dicht vor chm stehen.
»Können Sie schweigen, Doktor Grote?"
„Ick glaube wohl. Allerdings, wenn Sie mir jetzt sagen, Daß Sie Handtücher im O-Zug ge« stöhlen haben, müßte ich Sie wohl doch mutigen!" entgegnet er mit einem schwachen Versuch zu scherzen. Doch Karola geht auf seinen Ton nicht ein.
„Was ich Ihnen sagen will, verstößt gegen kein Gesetz. Darum also keine Sorge. Aber ich gebe mich ganz in Ihre Hand, Grote. Doch ich will Ihnen ganz ehrlich gestehen, daß mir Ihre Offenheit imponiert hat. Ich habe das bestimmte Gefühl, daß man sich auf Sie ausgezeichnet verlassen kann."
„Solange man nichts von mir verlangt, was gegen mein Ehrgefühl geht, unter allen Umständen."
„Wollen Sie mir Ihr Ehrenwort geben, zu keinem Menschen ein Sterbenswort von dem zu sagen, was Sie jetzt erfahren sollen?"
Grote steht auf. Blick in Blick steht er vor Karola.
„Das kann ich nicht, ehe ich die Sache kenne. Aber wenn Sie es verlangen, Fraulein Westner, bin ich bereit, alles was ich habe für Sie einzusetzen."
„Danke, Grote. Ich hoffe, das wird nie nötig sein", lächelt Karola. „Ich vertraue Ihnen auch ohne Ehrenwort."
Sie drückt chm kurz die Hand. Dann schreitet sie mit großen Schritten durch den engen Raum.
,Karajan ist wieder in Deutschland."
Er fährt herum, förmlich erschrocken.
,Karajan? Doktor Karajan?"
„Don dem Sie mir erzählt haben. Jawohl. Ich war gestern noch mit ihm zusammen. Wir haben uns verlobt."
Grotes Gesicht ist nicht gerade sehr geistreich.
„Sie... und Karajan?" stammelt er. „Das ist doch unmöglich! Die .Bereinigten' hatten doch den großen Prozeß gegen Karajan? Und er sollte tat» sächlich die Tochter der Firma heiraten... die ihn damals... entschuldigen Sie, aber das ist mir unverständlich."
"Dabei ist es ganz einfach!" lächelt Karola. ,Karajan kennt mich ja nicht. Er hat mich nie gesehen. Ich war stets in Dresden. Meßdorff leitete den Betrieb und hat auch den ^r»z?ß geführt. Außerdem hieß m'in Stiefvater \ .1 au mann. Karajan hat auch meinen Namen nie gehört."
Grotes Gesicht wird kühle Ablehnung.
„Ach so ... nun verstehe ich... Er ahnt nicht» daß seine Braut dieselbe Frau ist, die damals... mit Meßdorff..."
„Bitte..." unterbricht ihn Karola, „es ist kein Grund vorhanden, häßlich zu werden. Ich bin noch nicht am Ende. Was damals geschehen ist, bedauert niemand mehr als ich. Jedenfalls habe ich keinen Begriff davon gehabt, was sich damals abspielte. Ich habe Doktor Meßdorfs blind vertraut, habe Fabrik Fabrik sein lassen und in Dresden musiziert, während hier in Radevormwald Fremde unsere Arbeit taten. Das ist meine Schuld. Vater kann man überhaupt nicht schuldig sprechen. Er war krank. Und Mutti? Ach Gott!" Sie lächelt trübe. „Daß mich das Schicksal nun mit jenem Mann zu- sarnmenführt, der für meine Torheit leiden mußte ... ist nicht mein Verschulden. Ich habe sechs Jahre lang versucht, meine Schuld durch harte Arbeit zu löschen."
„Verzeihen Sie mir, Fräulein Westner!" sagt Grote ganz leise. „Ich bin ein Tölpel gewesen."
„Ich will noch mehr tun", fährt sie fort „Ich will Doktor Karajan das wiedergeben, was ich ihm unwissend genommen habe. Die Früchte seiner Arbeit. Seine Erfindung ist fertig. Die Einzelheiten kenne ich nicht, aber wie sagten Sie so schön: ,Wenn Karajan erklärt, sie ist fertig, dann genügt mir bas//— Nun, es genügt auch mir. Ich werbe meinen Betrieb hier verkaufen unb von dem Erlös Karajans Erfindung finanzieren."
„Das wollen Sie tun, Fräulein Westner?"
„Sind Sie etwa auch damit nicht einverstanden?" ^Fräulein Westner... das ist... das ist ja toll! Herrgott, wird sich der Karajan freuen!"
„Leider nicht, Grote!" schüttelt Karola den Kops. „Er wird nämlich nie erfahren, wer das Geld für seine Erfindung gibt. Ich bin für ihn ein Fräulein Westner, das Musik studiert.und im übrigen durch ein wenig Zeitungsschreiberei sich den nötigen Zuschuß verdient, damit es sein kleines Kapital nicht anzugreifen braucht."
„Aber Fräulein Westner!" Grote sieht sie ganz entsetzt an. „Sie können chm das doch nicht verheimlichen!"
„Meinen Sie, daß Karajan sich von mir helfen läßt, wenn er weiß, wer chm eigenllich das Kapital stellt?"
„Allerdings, daran habe ich nicht gedacht."
Betreten schaut Dr. Grote vor sich hin. Doch Karola lacht ihm tröstend zu.
(Fortsetzung folgt!) ■
VvN.werk-Gruppe 1/116.
Alle Mädel der Gruppe treten am Mittwoch, 26. Oktober, um 20 Uhr am Ludwiasplatz in tadelloser Kluft an. Auch die Beurlaubten müssen kommen.
Mädelgruppe 1/116.
Alle Mädel der Gruppe treten zum Musikabend am Mittwoch, 26.10., 20 Uhr, in der Friedrich- straße/Ecke Frankfurter Straße an.
Zahnen unseres Standorts wieder in der Zeughausfaserne.
In üblicher militärischer Form wurden gestern die Fahnen der beiden Bataillone unseres Infanterie-Regiments 116 unb die Standarte der HI. Abt. Art.-Regt. 9 nach ihrer Mitführung bei der jüngsten großen militärischen Unternehmung von den Kasernen aus wieder in die Zeughaus-Kaserne gebracht. Diese Fahneneinbringung gestaltete sich zu einem eindrucksvollen militärischen Vorgang. Unter Vorantritt der Spielleute und des Musikkorps unseres Regiments marschierte die Fahnenkompagnie unter dem Kommando von Hauptmann Rendel zunächst von der Dsrdun-Kaserne (Waldkaserne) mit der Fahne des II. Bataillons zur Bergkaserne, um dort unter präsentiertem Gewehr die Fahne des L Bataillons zu übernehmen. Dann wurde der Marsch zur Bleibornkaserne (Artillerie-Kaserne an der Grünberger Straße) fortgesetzt und dort die Standarte der Artillerie-Abteilung übernommen.
Unter schneidigen Märschen zog dann die Fahnenkompagnie mit den Fahnen unb der Standarte stadtwäkts unb marschierte über Kaiserallee, Moltke- straße, Hitlerwall und Landgrafenstraße zur Zeughaus-Kaserne. Wurde der militärische Auszug schon unterwegs viel beobachtet, so drängten sich vor der Zeughauskaserne viele Menschen, um Zeuge der Einbringung der Fahnen zu sein. Unter Trommelklang unb Musik wurden die Fahnen in bas Dienstgebäude der Division gebracht. Die Fahnenkomvanie begab sich sodann wieder in ihre Kaserne zurück.
Gemeinsame Lanaemarck-^eiern.
Lpd. Der Reichskriegerführer ^»Gruppenführer, Generalmajor a. D. Reinhard hat mit dem Reichs- studentenführer ein Abkommen getroffen, daß von nun an am 11. November in Ollen Städten, in bene 11 sich Gliederungen des NS.-Studentenbundes befinden, örlliche Langemarck-Gedenkfeiern ftattfinben. Die offizielle Reichsfeier „Langemarck" wird am 13. November von der Reichsstudentenführung gemeinsam mit der Reichskriegerführung im Zeughaus in Berlin durchgeführt. Wegen der örtlichen Feiern, so u. a. in Frankfurt a. M, Gießen, Marburg und anderen Städten mit Hoschulen und technischen Lehranstalten in ^Hessen-Nassau werden von den öri- lichrn Führern des NS.-Studentenbundes mit den in Betracht kommenden Kreiskriegerführem noch ■ Vereinbarungen getroffen.
** Aenderung im Straßenbahnfahrplan. Mit sofortiger Wirkung wird an Samstagen unb Sonntagen auf der Straßeirbahn folgender Fahrplan durchgeführt.- Auf der roten । Linie 7'/r-Minuten-Verkehr, auf der grünen Linie Viertelstundenverkehr bis zum Schluß des Betriebes. An den übrigen Tagen bleibt der Verkehr unverändert wie bisher.
** Erstaunliche Laune berNatur. Aus einem Garten hinter dem Schlachthvf wurde uns gestern ein Erdbeerstrauch gezeigt, der nicht nur prächtige Blüten, sondern auch eine stattliche Anzahl dunkelroter Früchte trug. In dieser vorgeschrittenen Jahreszeit sicherlich keine alltägliche Erscheinung!
Tödlicher Unfall bei der Arbeit.
* Vockenrod, 26. Okt. Dor einigen Tagen ereignete sich in unserem Orte ein Unfäll. Der 61 Jahre alte Maurer Georg G a r g war von einem Dache abgestürzt und hatte schwerste Verletzungen (Rippenbrüche, einen Beckenbruch unb einen Schädelbruch) erlitten. Der babauernsroerte Mann, der sofort in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht wurde, ist in der vergangenen Nacht seinen schweren Verletzungen erlegen.
Oie Probe aufs Exempel glänzend bestanden.
Große Alarmübung der Feuerwehren im Lumdatal. — »Ein ganzer Gutshof steht in Flammen." — Auf die größte Schnelligkeit der herbeieilenden Wehren kommt es an.
Den Wert einer ober mehrerer Minuten unterschätzt man im Alltagsleben allzu leicht Daß er aber seine Bedeutung hat, führt uns beispielsweise die Reichsbahn täglich vor Augen, indem sie der pünktlichen Ankunft ihrer Züge größte Auf- merkfamkeit beimißt. Noch deullicher wird der Wert einer ober mehrerer Minuten erkennbar, wenn schwere Notfälle eintreten unb Hilfe für die Rettung von Leben unb Besitz durch andere Menschen erhofft und gebracht wird. In solchen FMen erst merkt man eigentlich, welche gewaltige Bedeutung auch schon eine gewonnene Minute haben kann, ober welche Steigerung von Gefahr ober Verlust eintritt, falls die Hilfeleistung sich verzögert.
Diese gewaltige Bedeutung der einen oder von ein paar Minuten ist wohl kaum jemand bewußter als der Feuerwehr unb den Männern vom Roten Kreuz. Die Leitungen dieser gemeinnützigen Organisationen streben denn auch unablässig und in gesteigerter Anstrengung dahin, durch den Ausbau und die modernste Ausrüstung ihrer Einheiten Zeit, ja sogar bis zur Steigerung auf eine Minute früherer Ankunft als im allgemeinen möglich unb erwartet wird, zu gewinnen.
Diesem Ziele galt auch der kürzlich von uns ge» melbete Verkauf der K r e i s m 0 10 r s v r i tz e an die Stadt Gießen unb an Stelle dieser Spritze die Einrichtung von Bezirksmotorspritzen in verschiedenen Standorten mit entsprechender Einteilung des Kreises Gießen in Bezirke für den Be- 'reitschaftsdienst der Feuerwehren. Es hatte sich immer wieder erwiesen, daß die Stationierung der Kreismotorspritze in der Stadt Gießen, die an der Peripherie des Kreises liegt, für die Schnelligkeit in der Hilfeleistung bei Brandunfällen draußen im Kreise Gießen wenig zweckmäßig war. Deshalb wurde eine Dezentralisation bes Feuerlosch- bienftes durch die Einrichtung von Bezirksmotorspritzen geschaffen, die ein wesentlich schnelleres Herankommen der Feuerlöschhllfe ermöglicht. Dazu wurde noch ein neues System des Alarms zunächst in einem Teile des Kreises eingeführt. Beides zusammen hatte jetzt erftmaliq die Probe aufs Exempel zu leisten, die beide Einrichtungen — vorweg festgestellt — glänzend bestanden haben!
Der gestrige Dienstagabend. Kurz nach 21 Uhr machen sich in zwei Personenautos eine Anzahl Männer auf den Weg. Fahrtziel ist Londorf, einer der nördlichen Orte im Kreisgebiet, etmg im Mittelpunkt des Lumdatales. Es handelt sich um eine Feuerwehrfahrt. Kein Mensch außer den Insassen der beiden Autos kennt bas Ziel unb weiß überhaupt etwas von biefer Fahrt unb ihrem Zweck. Auf ben Weg gemacht haben sich der Feuerwehrdezernent bes Kreisamts Gießen, Regierungsrat Dr. Fuhr, als Vertreter des Kreisdirektsrs Regierungsrat Dr. Krüger, Kreisfeuerwehrführer Bouffier, als Vertreter der für den Fernsprechverkehr zuständigen Dienststelle des Postamts Gie-, ßen Obertelegrapheninspektor Pfeil, ein Beamter der Gendarmerie und die Vertreter der Gießener Presse.
Von dieser Fahrt soll eine große nächtliche lieber» raschung für die Feuerwehren im Lumdatale aus» gehen; die Wehren sollen eine gewichtige Probe ihrer Schlagfertigkeit ablegen, zugleich soll dabei er» probt werden, ob sich die vorgenannte neue Einrichtung im Feuerlöschdienst des Kreises Gießen bewährt ober nicht. Dem 2llarmnfan liegt bie Annahme zugrunde: „Sin ganzer Gutsh 0 f steht in Flammen". Dazu ist der große Kompler des Rabenauschen Gutshofes in Londorf, Pächter Schudt, als Uebungsobjekt ausersehen.
Mach einigen kurzen Aufenthalten unterwegs, bei denen stichprobenweise Derkehrskontrollen vorge- nommen werden, unb nach einer kurzen Vorbespre
chung im Kreise der Insassen der beiden Autos, geht's um 21.49 Uhr in Londorf los. Zunächst erhält die zuständige Dienststelle in Londorf den Befehl zum Alarm der Londorfer Feuerwehr. Um 21.56 Uhr, also in sehr guter Zeit, wenn man bedenkt, daß der Befehl den Weg über den Feuer- wehrkornmandanten bis zum Hornisten machen muß, ertönt das erste Alarmsignal in Londorf. Um 2 2.06 Uhr trifft als erstes Gerät die Saug- unb Druckspritze ber Freiwilligen und Pflichtfeuerwehr Londorf an der Uebungsftätte ein. Als nächstes Gerät kommt um 2 2.0 8 U h r die Bezirksmotorspritze Londorf an unb legte ihre Leitung sofort in bie Lumda aus.
Während dieses Anmarsches unb ber Bereitstellung der Londorfer Wehr charmiert Regierungsrat Dr. Fuhr als Feuerwehrdezernent über ben Un- fallmelbedienst die übrigen zur Hebung vorgesehenen Wehren. Da die Alarmübung absichtlich auf diese Spätabendstunde angesetzt ist, ist der öffentliche Fernsprechdienst nicht mehr verfügbar, denn die Postagenturen unb Postämter haben mittlerweile geschlossen. Es kann alfo nur über den Unfallmelde- dienst alarmiert werden. Dabei ergeben sich leicht einige Hemmungen, die aber glatt überwunden werden, auch wenn der Bürgermeister oder der Mann von der Post — wie gestern geschehen — sich bereits schlafen gelegt hat und nun erst wieder aus dem Bette springen und in feine Unaussprechlichen fahren muß, damit der Alarm schnell weitergegeben wird. Trotzdem klappt alles vortrefflich.
Um 21.55 Uhr geht der Alarmbefehl an die Bezirksmotorspritze in Lollar, um 21.59 Uhr wird die Berirksmotorspritze in Grünberg alarmiert, um 2 2.01 Uhr kommt ber Alarmruf für die Ortsfeuerwehr inAllenborfa.b. Lumda an.
Um 22.10 Uhr gibt als erste die Saug- und Druckspritze Londorf Wasser, jedoch muß sie um 22.20 Uhr zwecks besserer Wassergewinnung Stellungswechsel vornehmen unb an die Wasserleitung anlegen. Nun geht auch schon ber Wasserstrahl der Bezirksmotor
spritze Londorf um 22.21 Uhr aus zwei Leitungen! auf bas Uebungsobjekt nieder.
Um 2 2.25 Uhr kommt bas Vorkomnrpndo ber Bezirksmotorspritze Grünberg an. Um 2 2.27 Uhr trifft bereits die Bezirksmotorspritze Lollar, um 2 2.28 Uhr die Bezirksmotorspritze G r ü n b e r g ein. Wenn man bedenkt, daß von Lollar bis Londorf eine Landstraßenentfernung von 13,8 Kilo» j m e t e r mit Ortsdurchfahrten in ‘5iü<renbecg, Mainzlar, Treis an ber Lumda und Allendorf an ber Lumba, ferner von Grünberg bis Londorf eine Landstraßenentfernung von 12,8 Ki 10 rne - ter mit Ortsdurchfahrten in Geilshausen und in Kesselbach zurückgelegt werden muß, so kann man die außerordentlich knappe Zeitspanne von dem Alarmruf an diese Spritzen bis zur Zeit ihres Eintreffens an der Uebungsftätte nur als eine ganz hervorragen de Leistung in ber Bereitschaft unb hinsichtlich ber Fahrgeschwindigkeit ber beiden Motorspritzen bezeichnen. Im Nu haben beide Bezirksmotorspritzen an der Lumda angelegt, die Schlauchleitungen ausgebracht und die Wassergabe ausgenommen. Die Ortsfeuerwehr Allendorf trifft, da dort die neue Alarmanlage noch nicht eingerichtet ist unb infolgedessen noch allerlei Lauferei getan werden muß, um 2 2.45 Uhr ein.
Die Wassergabe auf das Brandobjekt beginnt zu folgenden Zeiten: 22.10 Uhr bzw. 22.20 Uhr aus ber Saug- und Druckspritze Lonborf, um 22.21 Uhr aus ber Bezirksmotorspritze Londorf, um 22.33 Uhr aus ber Bezirksmotorspritze Lollar, um 22.35 Uyv aus ber Bezirksmotorspritze Grünberg. Die Motorspritze Allenborf wirb bei der Uebung nicht mehr eingesetzt. Die Wehren geben Wasser aus folgenden Schlauchleitungen: Londorf eine 75-mm- unb fünf 52-mm-Leitungen, Lollar eine 75-mm- und drer 52-ww-Leitungen, Gründer^ eine 75-mm- und drei 52 mm-Leitungen. Antrittsstarke ber Wehren: Freiwillige Feuerwehr Lonborf 1 Führer unb 26 Mann, Pflichtfeuerwehr Lonborf 31 Mann, Bezirksmotorspritze Lollar 1 Führer unb 9 Mann, Bezirksmator^
Volksbildungswerk Gießen
eröffnet die
-.IV
interarbeit.
In einem Hörsaal ber Universität würbe gestern abend die von ber NSG. ,Kraft burch Freude" getragene Arbeit bes Dolksbildungswerkes aufgenommen. Der Kreisreferent für bas Volksbildungs- wcrk, Dr. Heydt, eröffnete ben Abend und hieß besonders ben Kreisleiter sowie ben fubetenbeut» sehen Dichter Bruno Brehm willkommen. Kreis- leitex Backhaus hielt bann eine kurze Ansprache, in ber er bie Ziele bes Volksbildungswerkes umriß. Er erinnerte zunächst daran, daß die Arbeit des Volksbildungswerkes eine Arbeit der Parteiorganisation sei, die burch die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" burchgeführt werde und möglichst viele Volksgenossen erfassen solle. Dabei sei gewollt, besonders den arbeitenden Menschen heranzuführen an die Güter ber deutschen Kultur und der Kunst, den Bauern teilhaben zu lassen, denn gerade iy diesem Teilhaben an unseren Kulturgütern erfahre das Gemeinschaftsbewußtsein seine besondere Vertiefung. Wohl sei von dieser Arbeit leichter gesprochen, als sie getan sei; mit Hilfe der Partei unb ihrer Gliederungen unb unter dem Einsatz ihrer mannigfachen Hilfsmittel werde aber auch dieser Kulturarbeit der Erfolg nicht versagt bleiben. Das Ziel werde erreicht. Mit ben besten Wünschen füv die Arbeit des Volksbildungswerkes schloß ber Kreisleiter seine richtunggebenden Worte.
Der weitere Verlauf des Abends war bann ben Vorlesungen des subetendeutschen Dichters Bruno Brehm aemibmet, der seinen Zuhörern mit seinen Erzählungen eine große Freude bereitete und
ihnen manches verständnisinnige Schmunzeln ent« lockte. Er las zunächst einige {feine Geschichten aus seiner Jugendzeit. Unter dem Titel „Der darob" horte man von seinem Kämpfen und Zweifeln um ein Wort, das in unpassender Anwendung in ihm großes Unheil anrichtete, dis ihm eines £ages der „Seifensieder" darüber aufging. Dann las er die halb humorvolle und bie halb tragische Geschichte einer Grammophonwalze, der es nicht vergönnt war, ben Ruhm eines Unsterblichen unsterblich werden zu lassen, weil sie in ber Eisenbahn einem sehr profanen Unfall zum Opfer fiel. Eine Geschichte feiner psychologischer Hintergründe hörte man ferner in ber Erzählung „Die weiße Adlerfeder", in der von einem Knaben die Rede war, ber in ber Schule sitzengeblieben war, unb ber sich nun eine eigene Welt zimmerte, um sich gegen seine Umwelt wehren zu können. Den Höhepunkt unb ben Abschluß des Abends stellte bann jene meisterhafte Schilderung unter dem Titel „Das Wiedersehen" bar. Hier erzählte ber Dichter von einer Rundfunkvorlesung (in die er eine ausgezeichnete Stil- und Selbstkritik hineingebaut hatte), und von ben fast tragischen unb niederschmetternden Folgen dieser Vorlesung, die seine Zuhörer von gestern abend in allen Zuständen miterleben konnten. Die feine Art des Vortrags, wie auch die starken Gehalte, dessen was ber Dichter bot, sicherten ihm die uneingeschränkte Dankbarkeit feiner Zuhörer. Der Dichter hätte einen weitaus größeren Kreis von Zuhörern, als er ihn gestern abend vor sich sah, verdient.
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AM Mw! WWW
Roman von Kurt Riemann
Copyright dy Verlag Oskar Meister, Werdau t. Sa
16 Fortsetzung. (Nachdruck oerbotenb
„Kommen Sie zur Sache! Ich habe gegen Ihre Zuneigung zu Doktor Karajan nichts einzuwenden, aber ich hätte noch gern einige Tatsachen gehört. Glauben Sie, daß Karajans Erfindung etwas wert war?"
,^Zu der Zeit, als die /Bereinigten' sie ihm abjagten, um sie dann aus Mangel an Kapital der ,Union* zu verkaufen, noch sehr wenig, denn sie war praktisch nicht verwertbar. Heute...? Vielleicht ist er schon längst fertig und seine Pläne ruhen in einem geheimen Tresor und warten nur noch auf bie Ausführung. Da müßte man ihn selbst fragen. Wenn er sagt: sie ist fertig, bann glaube ich an fein Wort unbedingt. Aber wer weiß, wo Karajan überhaupt steckt? Seit Jahren habe ich kein Wort von ihm gelesen oder gehört."
„Haben Sie sonst noch irgend etwas zu dem Problem der Sache zu sagen?"
„Nur wenig. Was die wirtschaftspolitische Seite betrifft... da bin ich Laie unb mag mir kein Urteil erlauben. Ich bin Maschineningenieur. Aber da muß ich pflichtgemäß darauf Hinweisen, daß eine der Hauptschwierigkeiten bei der praktischen Auswertung wohl die Herstellung der nötigen Maschinen sein dürfte. Man hat kaum Vorbilder, man müßte ganz frei konstruieren. Eine herrliche Aufgabe."
„Die Sie natürlich sehr bewegt, nicht wahr?"
Der _3unge nickt. „Ganz sicher. Allerdings..." er errötet verlegen, . ich zeichne unb male in meiner freien Zeit ein wenig... noch mehr würde es mich interessieren, Dinge zu entwerfen und auszudenken, bie man aus dem neuen Stoff Herstellen könnte. Wer so was tun will, muß Künstler fein und auch Ingenieur. Denn die Maschine setzt bie Grenzen für die Entwürfe fest."
„Sehr gut, Doktor Grote. Unb Sie trauen sich bas zu?"
„Unbedingt! Es wäre sozusagen der ideale Beruf für mich! Konstruktives Planen! Herrlich!"
Karola ist über ihre Entdeckung sehr erfreut Hier scheint sie einen jungen, sehr tüchtigen Mitarbeiter gefunden zu haben.
„Ich habe Sie unterschsitzt, Herr Doktor", gesteht sie ehrlich, als sie sich verabschiedet. „Ihre An
regungen waren mir sehr interessant! Haben Sie sonst in diesem Betrieb etwas zu beanstanden?"
Da lacht er unb wirb rot. „Soll ich ehrlich fein?"
,Zch bitte barum. Ich kann Kritik durchaus vertragen."
„Gut! Aber Sie dürfen nicht böse fein..."
„Unsinn! Heraus mit ber Sprache!"
„Na, bann also... ich halte den ganzen technischen Betrieb für reif, gründlich überholt zu werden."
Ueberrascht blickt ihn Karola am
„Den ganzen Betrieb überholen...? Ja, wie stellen Sie sich bas vor?"
„Sehr einfach. Schalten Sie zunächst eine Reihe der alten und zum Teil faul gewordenen Meister unb Abteilungsleiter aus. Einige von ihnen haben ihr Ruhegehalt gut und gerne verdient. Sie kommen nicht mehr mit. Hut ab, es sind tadellose Kerle dabei. Es stecken aber auch einige darunter, die find hochmütig geworden, meinen, sie konnten alles allein am heften, halten jeden jungen Menschen, der etwas mehr gelernt hat als sie selbst, für einen hochnäsigen, unwissenden Kerl, kümmern sich um die Fortschritte, die man heute täglich macht, überhaupt nicht — kurzum, sie sind auf den Lorbeeren Ihres Herrn Großvaters eingeschlafen."
„Sie sind von entwaffnender Geradheit."
„Einer meiner übelsten Fehler! Ich habe mir Zwei gute Stellungen damit bereits verscherzt. Aber ich kann nicht anders. Schauen Sie, eine Frau vermag das gar nicht so zu übersehen. Die Leute haben zum Teil schon unter Ihrem Herrn Großvater gearbeitet, wie könnten Sie da auf den Gedanken kommen, sie zu entlassen? Sie sind befangen, das ist ganz natürlich; aber ich bin fremd und unbefangen. Unb glauben Sie mir, ich habe schon mehr Betriebe gesehen, die an der gleichen Krankheit starben."
„Sehr freundlich. Sie verstehen es zu trösten. Wie denken Sie sich solche Generalreinigung?"
„Das allereinsachste wäre: Verkaufen und bie ganze Sache von neuem aufbauen. Etwas kleiner, auf wenige Dinge spezialisieren... aber dafür ganz hervorragend eingerichtet."
Karola sieht den jungen Mann lange und eindringlich an.
„2ilfo verkaufen ... von neuem anfangen ... klein, auf wenige Dinge spezialisiert... aber technisch hervorragend eingerichtet. So sagten Sie doch, nicht wahr?"
„Allerdings. Ich weiß aber auch, daß es nicht so ein'ach getan ist, wie ich es hier sage. Doch..
„Lassen Sie mal!" unterbricht ihn Karola. „Lassen


