„Alle Unklarheiten heseiiigt."
BohleSVoriraginBudapestfindetinderungarischenpresselebhasteZustimmung.
Rechts im Dritten Reich". Er führte aus, wer das Wesen des Rechts nicht außerhalb der Volksgemeinschaft suche, sondern in ihm nur eine besondere Anschauung des Lebens unter ordnenden Gesichtpunkten sehe, der müsse erkennen, daß die Rechtsentwlck- lung zwangsläufig durch den Wandel der Lebensanschauung und die Richtung der Lebensziele eines Volkes bestimmt werde. Daraus ergebe sich, daß das gesamte deutsche Recht neu aufgerichlet werden müsse, nach einem Blickpunkt, den man mit einem Wort „öie Volksgemeinschaft" nennen könne. Die Erweckung des Gemeinschaftsgedankens and der Wandel in der Bewertung der Lebensgüter, der Sieg der sittlichen und kulturellen Forderungen über materiellen Besitz seien für Inhalt und Rang der Normen bestimmend.
Dr. Schlegelberger schilderte dann im einzelnen die Erneuerung des deutschen Rechts auf allen Gebieten. Neben 'der Strafrechtserneuerung erwähnte er das neue Patentrecht, das neue Aktienrecht, das der Anfang einer umfassenden Neugestaltung des gesamten übrigen deutschen Ge- sellschafts- und Wirtschaftsrechts sei. Der Vortragende knüpfte sodann an seine Heidelberger Rede an, in der er den Plan für die Neugestaltung des gesamten bürgerlichen Rechts bekannt gemacht hatte und gab einen Ueberblick über die Grundsätze der Neuordnung dieses großen Rechtsgebiets. Schließlich ging Dr. Schlegelberger noch auf die Ausbildung des deutschen Richters, auf feine Stellung, Aufgaben und Befugnisse ein. — Die polnischen Zuhörer folgten den Ausführungen des Redners mit starkem Interesse.
Lebensraum für Deutschland
Die Münchener Tagung der Kommission für Wirtschaftspolitik. München, 25. Jan. (DNB.) Der zweite Tag des Lehrganges der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP, unterstrich die politische Parole, die der Leiter der Kommission Pg. Bernhard Köhler als Motto gewählt hatte: Zu wenig Menschen, zu wenig Land! Oberst Loeb ging davon aus, daß kaum ein Wirtschaftsabschnitt der deutschen Geschichte einer so einheitlichen inneren Ausrichtung bedürfe wie der Dier- jahresplan. Besondere Bedeutung habe die Notwendigkeit der Freimachung von Arbeitskräften und die Erhöhung der Arbeitskraft der einzelnen, um bis zum Letzten die deutsche Arbeitskraft sinnvoll einzusetzen und auszuschöpfen. Es sei unsinnig, anzunehmen, der Dierjahresplan bedeute eine Senkung der Lebenshaltung, weil ja gerade Ziel ist, die Lebenshaltung zu erhöhen. Der Ablauf des ersten Jahres berechtige zu der Erwartung, daß das gestellte Ziel voll erreicht wird.
Reichsstatthalter Ritter von Epp stellte be- sonders die wirtschaftliche Seite unserer Kolonialforderung heraus. Den Verfälschungen unseres Kolonialanspruches stellte er die eindeutige Notwendigkeit gegenüber, unseren Besitz an Raumkräften zu erweitern. Eine Fülle zahlenmäßiger Gegenüberstellungen bewies, wie umfangreich die Raumpotenzen der anderen Weltmächte dem raumarmen Deutschland gegenüber sind und wie die ehemaligen deutschen Kolonien für uns wesentliche wirtschaftliche Lücken auszufüllen vermögen. — Bernhard Köhler zeigte die Zusammenhänge zwischen dem wirtschaftlichen, politi- schen und sittlichen Leben der Völker und bekannte sich zum Prinzip des Außenhandels, der eine Brücke zwischen den Völkern ist, ohne ihre Lebensrechte zu beengen. Ein solcher Welthandel aber diene zur Begründung eines wahren Friedens, und so verliere auch der viel angewandte Satz „Zerstörung der Geschäfte durch die Polittk" feinen Sinn.
Erweiterte ZuMndiekeit des General- Vauinspekiors der ReicbshaupWdt.
Berlin, 25. Jan. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat durch einen zweiten Erlaß über den Generalbauinspektor vom 20. Jan. 1938 d i e Zuständigkeit des Genera l b a u - Inspektors erweitert. Bei der Großräumigkeit der Planung hat es sich als erforderlich erwiesen, die Neugestaltung über das Gebiet des Stadtkreises Berlin hinaus zu erstrecken, um damit gleichzeitig die in den kommenden Jahrzehnten notwendig werdende weitere Entwicklung der Reichshauptstadt in b est i m mt g e - ordnete Bahnen zu lenken. Nach dem neuen Erlaß ist der Generalbauinspektor berechtigt, Gebiete außerhalb des Stadtkreises Berlin in den Gesamtbauplan für die Reichshauptstadt einzubeziehen, soweit dies zur Durchführung seiner Aufgabe erforderlich ist. Eine Erweiterung der S t a d t g r e n z e n der Reichshauptstadt ist damit nicht vorgesehen.
Dem Generalbauinspektor ist weiter vom Führer die Befugnis übertragen worden, bei allen im Stadtgebiet der Reichshauptstadt geplanten Neubauten mit einem. Urnbauten-Raumbedarf von über 50 000 Kubikmeter — das entspricht einem Bauwert von etwa zwei Millionen Reichsmark — d e n Bauplatz zu bestimmen, um repräsentative Großbauten würdig in das Weichbild der Stadt einzureihen und um zu verhindern, daß diese in dem städtebaulichen Riesengebilde der fast 900 Quadratkilometer großen Stadt Berlin untertauchen. Derartige Bauvorhaben sind daher rechtzeitig vor der Wahl des Bauplatzes dem Generalbau- infpektor für die Reichshaupsttadt anzumelden.
Amateur fiimarbeit in der HZ.
Das Presse- und Propagandaamt der Reichs- jugendführung hat mit dem Bund Deutscher Filmamateure e. 23. eine Vereinbarung getroffen, nach der die Angehörigen der HI., die als Filmamateure tätig sind, d i e Mitgliedschaft beim Bund Deutscher Filmamateure erwerben sollen. Um den Angehörigen der Hitler-Jugend, die in den meisten Fällen nicht berufstätig sind, den Beitritt zu erleichtern, wurde in der Vereinbarung eine Beitragsermäßigung für die Angehörigen der HI. in dem BDFA. feftgelegt
Kominternagent
in polen zum Tode verurteilt.
Warschau, 26. Jan. (DNB. Funkspruch.) Jrn Zuge der Bekämpfung bolschewistischer Verbrechen und der Unschädlichmachung der Komintern-Agenten, die in verschiedenen Teilen Polens ihr Unwesen trieben, verurteilte das Bezirksgericht in Za- mosc im'westlichen Teil Galiziens den Kommunisten Piwowar zum Tode durch den Strang und zwei weitere Kommunisten zu Zuchthausstrafen zwischen 2 und 15 Jahren. Piwowar hatte einen Polizisten ermordet.
Budapest, 25. Jan. (DNB.) Staatssekretär Gauleiter Bohle besichtigte die römischen Ausgrabungen bei Gran. Zu Ehren des Staatssekretärs gab der stellvertretende Außenminister Baron A p or in den in einer Vorstadt Budapests gelegenen Staatlichen Kellereien von Budafok ein Frühstück. Daran nahmen teil: der österreichische Gesandte Baar-Bahrenfels, der italienische Geschäftsträger Formentini, mehrere Staatsekretäre, der deutsche Gesandte oockErdmanns- darf, der Landeskreisleiter der NSDAP. Konsul Graeb und die Mitglieder der deutschen Gesandtschaft. *
Der Vortrag Bohles vor der Ungarischen Außenpolitischen Gesellschaft beherrscht die Presse. Das Regierungsblatt „F ü g g e 11 e n \ e g" schreibt, die Versuche der jüdischen Presse, einen künstlichen Gegensatz zwischen Deutschland und Ungarn zu chaffen, hätten mit der Rede des Staatssekretärs Bohle nun ihren endgültigen Abschluß gefunden. Diese offene und mutige Rede habe vor allem das Phantom des Pangermanismus endgültig verjagt. In Zukunft könne es niemand mehr wagen, alle die bösartigen Uebertreibungen und Verleumdungen über Pangermanismus dem befreundeten deutschen Staat zur Last zu legen. — Das Regierungsblatt „Budapesti Hirlap" schreibt, der Vortrag habe auch in der Minderheitenfrage alle künstlich geschaffenen Mißverständnisse zerstreut und Klarheit geschaffen. Mit größter Befriedigung nehme die gesamte öffentliche Meinung Ungarns zur Kenntnis, daß die Frage des ungarländifchen Deutschtums als endgültig geklärt angesehen werden könne.
Der dem Außenminister nahestehende „ P e st e r Lloyd" schreibt, Staatssekretär Bohle habe als der zuständige Vertreter der offiziellen Politik so-
Totio, 26. Jan. (DNB. Funkfpruch.) Der ftan- zösische Boffchafter Henry sprach beiry stellvertretenden Außenminister Horiyouchi wegen der bereits gestern gemeldeten Landung einer japanischen Mattosen-Äbteilung im Hafen Pulin a u f i) e r südchinesischen Insel Hainan gegenüber der französischen Kolonie Tonkin vor, um die näheren Umstände der Vorgänge zu erfragen. Hori- nouchi stellte fest, daß die japanischen Einheiten lediglich in Ausübung ihres Auftrages die effektive Sperr- der Küste Chinas gegenüber chinesischen Fahrzeugen durchzuführen hätten. Zur Untersuchung verdächtiger chinesischer Dschunken gel anbete japanische Marinesoldaten seien von Chinesen beschossen worden. Daraus hätten japanische Schisse mit Artillerie geantwortet. Die Japaner hätten drei Verwundete gehabt. Horlnouchi wiederholte, daß die japanischen Schisse lediglich ihren Sperr austrag durchgeführt hatten. Ihr Vorgehen habe keinem anderen Zweck gedient.
Der französische Botschafter nahm diese Mitteilung der japanischen Regierung entgegen. Von französischer Seite war wiederholt die Meinung geäußert worden, daß eine Einbeziehung Hainans in die militärischen Operationen dem japanischfranzösischen Abkommen von 1 9 0 7 über den Status quo in China widerspreche und darüber hinaus eine Gefährdung Indoch! n a s , insbesondere des Hafens Hai-Pong in Tonkin, bedeuten würde. Japan hatte seinerseits wegen der über Hai-Pong nach Pünnan, der südwestlichsten Provinz Chinas, also durch ftanzösisches Gebiet geleitete Lieferungen von Kriegsmaterial Vorstellungen erhoben.
Aoch feine KriegseMrung.
Tokio, 25. Jan. (DNB.) Im Oberhaus erklärte Außenminister H i r o t a, daß die Zeit für eine Kriegserklärung an die chinesische Zentralregierung noch nicht gekommen fei. Obwohl es sich tatsächlich um einen Krieg größten Ausmaßes handele, könne die gegenwärtige Lage in Dftafr doch nicht an den Kriegsgesetzen des Völkerrechtes gemessen werden. Japan habe erklärt, das
wohl des Deutschen Reiches als auch der herrschenden nationalsozialistischen Bewegung gesprochen. Seine an Ungarn gerichteten Worte mußten als eine feierliche und prinzipielle Erklärung über eine grundlegende, das ungarisch-deutsche Verhältnis zu- tiefft angehende Frage bezeichnet werden. Die Tragweite der Erklärungen des Staatssekretärs bestehe in jener unmißverständlichen Weise, wie er die Aufgabe der nationalsozialistischen Auslandsorganisation und insbesondere die Auffassung des Reiches in der Frage der in Ungarn angesiedelten deutschen Volksgruppe charakterisierte.
Das Regierungsblatt „Esti Ujsag" schreibt, es herrsche die Auffassung, daß hierdurch nun endgültig alle Unklarheiten in der Frage Auslandsdeutschtum und Volksdeutschtum beseitigt seien. Seit Jahren habe man bis zum Ueber- druß lärmende und verworrene Gerüchte über eine angebliche „pangermanistische Gefahr" in Budapest gehört. Unter diesem Schlagwort und Deckmantel verberge sich eine schamlose Hetze gegen Deutschland. Das Judentum, das es nicht wage, sich unmittelbar in die inneren deutschen Verhältnisse einzumischen, suche in Ungarn auf diesem Wege Gegensätze zwischen dem ungarischen und dem ihm befreundeten deutschen Volke zu schaffen. Wer nach dieser Rede noch die Verhetzung der Öffentlichkeit fortsetze, verstoße gegen die außenpolitischen Interessen des Staates und diene allein den Interessen des Judentums. Das „Acht-Uhr- B1 a t F" des Grafen Bethlen schreibt, Staatssekretär Bohle habe staatsmännische Weisheit und Mäßigung gezeigt. Ein jedes seiner Worte habe klärend und beruhigend gewirkt. Bohle habe jeden Zweifel, jedes Mißverständnis und jedes Mißtrauen gegenüber der deutschen Haltung ein für allemal zerstreut. __
antijapanische Regime und die Militärcliquen in China beseitigen zu wollen, es arbeite mit dem neuen Regime zusammen. Japan unterscheide also zwischen der Zentralregierung und dem chinesischen Volk. Wenn Japan heute den Krieg erkläre, so träten automatisch für dritte Mächte die Neu- tralitätsgesetze in Kraft. Mit Rücksicht auf feine internationalen Beziehungen habe Japan bis heute keinen Krieg erklärt, aber es fei nicht ausgeschlossen, daß im Laufe der Entwicklung die Erklärung des Krieges notwendig werde, und zwar mit Rücksicht auf die damit verbundene Neutralität dritter Mächte. Diejenigen Mächte, welche die Beendigung des Krieges und den Freden wünschten, hätten die Zufuhr von Kriegsmaterial unterbunden. Wenn Japan auch der besonderen Lage im Fernen Osten Rechnung trage, so habe es doch der Haltung jener Mächte ernstliche Beachtung zu schenken, die China Waffen und Munition lieferten.
Oie Labour-partei
fordert Genfer „Aküon".
London, 26. Jan. (DNB.) Eine Abordnung der ßabour = Partei suchte den Premierminister auf, um diesem die Ansicht ihrer Partei über den chinesisch-japanischen Konflikt darzulegen. Die Labour-Partei meint, daß die britische Regierung die Führung bei der kommenden Genfer Ratstagung ergreifen solle, um eine sofortige „Aktion zur Abwehr des japanischen Angriffes" in China in die Wege zu leiten. Für den Fall, daß eine einstimmige Entscheidung hierüber in Gen nicht herbeigeführt werden könne, dürfe dies nicht als Vorwand für die „friedfertigen Mächte" dienen, nicht selbst zu handeln. Die britische Regierung solle nach der Mitarbeit anderer Mächte trachten, um „durch wirtschaftliche Maßnahmen das internationale Recht und die Ordnung im Fernen Osten wiederherzustellen". — Chamberlain habe in feiner Antwort eingehend dargelegt, daß die britische Regierung die Entwicklung der Lage im Fernen Osten genaue st ens oer'olge.
rund 60 000 Pfund, also 750 000 Mark. Was hat er mit dieser stattlichen Summe, die noch durch private Zuwendungen erhöht wurde, angefangen? Hauptaufgabe war bisher zweifellos die Unter- tützung britisch-ausländischer Vereinigungen, wie der Anglo-Aegyptischen Vereinigung in Kairo und der „Kulturgesellschaften" in Rio de Janeiro, Sao Paulo, Santiago de Chile, Lima und Nanking. (Es ist im übrigen bemerkenswert, an Hand dieser Liste den Ansatzpunkt der driti- ' d)cn Propaganda festzustellen: der Nahe Osten, Südamerika und China.) Eine weitere Aufgabe des Councils ist die Unterstützung von Professuren und Lektoraten sowie die Verleihung von Schul- tipenbien vor allem in den Ländern des östlichen Mittelmeeres, Bücherstiftungen usw. Ziffern sollen hier im einzelnen nicht genannt werden. Sie sind übrigens durchaus beachtlich. Nahe liegt natürlich die Frage, warum die gesamte Außenpropaganda nicht zentralisiert wird. Die Erklärung hier- ür liegt einmal in der festgewurzelten Abneigung der Briten gegen jede Zentralisierung, unter der nach englischer Auffassung die Privatinitiative leidet. Vor allem darf man aber nicht übersehen, daß trotz aller Verschleierung hinter Rundfunk, Presse und British Council kontrollierend und leitend das News Departement, die Pressestelle des Foreign Office, steht, dessen begabter und eifriger Leiter, Herr Leeper, ein guter Freund des ständigen Unterstaatssekretärs Sir Rädert D a n f i 11 a r t s ist.
Englands Luftverteidigung.
London, 26. Jan. (DNB. Funkspruch.) Nach der „Daily Mail" wird die Kabinettssitzung am Mittwoch sich mit der Luftverteidigung beschäftigen. Befürchtungen über die Wirksamkeit der Organisation zur schnellen Vollendung des Lustrüstungsprogramms beunruhigen auch die Regierungsanhanger. Man hält es für notwendig, daß die Regierung die Ungewißheit über das Rüstungsprogramm ohne Verzug befeitigt. Falls die Regierung nicht einer Geheimsitzung Des Parlaments zu- stimmen sollte, wird eine Reihe von Abgeordneten die Einsetzung eines Ausschusses fordern, der 23orfcbläge für die Verbesserung der Organisation des Luftfahrtministeriums machen müsse. Unter den Punkten, die besonders kritisiert werden, nennt die „Daily Mail" den Ausbau des Luftfahrtmini- fteriums, in dem es an Zufammenatbeit zwischen den einzelnen Abteilungen fehle, und den Mangel an Instrumenten und Ausrüstungsgegenständen. Die Regierung bereite eine sorgfältige Antwort auf alle diese Einwände vor. Im Oberhaus werde Minister Lord Swinton, im Unterhaus der Premierminister Chamberlain selbst sobald wie möglich auf die Angriffe antworten.
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Wie General Ironside mitteilte, soll d i e englische Fck a k jetzt neuartige U e b u n g s s ch e i b e n erhalten. Die bisher gebräuchlichen Scheiben, die von einem Flugzeug durch die Luft geschleppt wurden, hätten sich als unzweckmäßig erwiesen, da die Schleppgeschwindigkeit höchstens 120 Kilometer in der Stunde betrage, was der Geschwindigkeit der modernen Flugzeuge keineswegs entspreche. Die neuen Scheiben seien den „Tontauben" zu vergleichen.
Erbitterter Kampf um einen französischen Bauernhof.
Paris, 25. Jan. (DHB.) In der Rähe des Ortes La Fleche ereignete sich auf dem einsam gelegenen Bauernhof Lornuel ein Vorfall, der eindringlich die Notlage des französischen Kleinbürgertums beleuchtet. Der Besitzer des Hofes hatte sich geweigert, eine fällige Steuer zu entrichten. Daraufhin erschien der Gerichtsvollzieher, um eine Pfändung vorzunehmen. Er kam vor verschlossene Türen, denn der Steuersäumige hatte sich mit seiner Familie auf seinem von hohen Mauern nm- gegebenen Gehöft verbarrikadiert. Der Gerichtsvollzieher zog wieder ab, um alsbald mit einem Gehilfen und einem Flurfchühbearnten zurückzukommen. Alle drei versuchten, in das Gehöft einzu- dringen. Plötzlich wurde aus einer der Dachluken geschossen und einer der Vollzugsbeamten niedergestreckt. Die beiden anderen räumten daraufhin das Feld und alarmierten die Polizei, die das Gehöft umstellte.
Man ersuchte die Pariser Polizei um Entsendung von Tränengasbomben, um auf diese Meise das belagerte Gehöft in die Hand zu bekommen. Nachdem die Gendarmerie zwei Trä- nenqasbomben in das Innere des Hauses geschleudert hatte, öffnete sich die bisher verbarrikadierte Tür, und es erschien einer der Söhne des Bauern im Freien unter dem Ruf: „M i r ergeben uns !“ Es handelte sich jedoch nur um eine List, denn kaum näherte sich ein Gendarmeriefeldwebel dem Bauernhause, als plötzlich aus dem Innern ein Schuh fiel, der den Gendarmeriebeamten tödlich traf. Der Bauernsohn flüchtete sofort wieder in das Haus, und die Tür wurde erneut verrammelt.
Die belagernde Gendarmerie steckte schließlich den Bauernhof in Brand, um die drei Verbarrikadierten zum Verlassen des Hauses zu zwingen. Einem der Brüder Lornuel gelang es, in einen nahe gelegenen Wald zu flüchten. Als der andere Bruder den gleichen Versuch machte, wurde er beim verlassen des Hauses erschossen. Auch die Frau, die wenige Augenblicke später mit brennenden Kleidern und haaren aus dem Haus stürzte, wurde tödlich getroffen. Während der Rächt wurden in die umliegenden Wälder zahlreiche Streifen zur Verfolgung des flüchtigen Lornuel gefaxt, doch muh bei dieser Suche mit größter Vorsicht vor- gegangen werden, da (F*'rnuel ein Gewehr und Munition besitzt. Der Bauernhof ist vollständig niedergebrannt.
Die Lage an der SerueHronf.
Salamanca, 26. Jan. (DNB. Funkfpruch.) Der nationalfpanische Heeresbericht vom Dienstag lautet: An der Teruelfront machten die Bolschewisten im Abschnitt von Singra einen Gegenangriff, der glänzend abgewiefen und in eine Verfolgung des Feindes umgewandelt wurde. Dabei perloren die Bolschewisten 100 Tote, 100 Gefangene, Maschinengewehre, Munition und einen sowjetrussischen Tank. Wie aus Barcelona verlautet, sind dort von der Teruelfront in den letzten Tagen 6000 Verwundete eingetroffen. Um eine Beunruhigung der Bevölkerung zu ver-
England zur Propaganda bekehrt.
Von unserem tbg.-Äerichterstaiier.
London, 25. Januar.
Am 21. Dezember des vergangenen Jahres erklärte Ministerpräsident Chamberlain in einer umfassenden Rede Über die Ziele der britischen Außenpolitik: „Die Regierung sieht vollkommen ein, daß der alte Standpunkt der würdigen Zurückhaltung nicht länger auf die heutigen Bedingungen angewendet werden kann und daß es angesichts der rauhen Wirklichkeit der heutigen internationalen Beziehungen absolut notwendig ist, Schritte zu ergreifen, um uns selbst vor dauernde r F a l s ch e i n s ch ä tz u n g z u s ch u tz e n". Stellt man diese Ausführungen Chamberlains in den Rahmen der Maßnahmen, die in letzter Zeit propagandistisch von britischer Seite ergriffen wurden, so lichtet sich der Schleier über jenem Teil des britischen Aufrüstungsprogramms, der — wie so mancher andere — bisher im Halbdunk?l der bloßen Vermutungen gehalten worden w»r. Als solche Maßnahmen sind zu nennen:
1. -Sendungen des Rundfunks in arabischer Sprache;
2. Errichtung zweier neuer Kurzwellensender mit 100-Kilowatt-Sendestärke für Sendungen in spanischer und portugiesischer Sprache;
3. die Uebernahrne angesehener Journalisten sowohl in den neuen Sendedienst wie in den sog. „British Council for relations to other coun- tries“, von dem noch später die Rede sein wird.
Der. Entschluß, zur bewußten Ausland sw er- b u n g überzugehen, wird der Regierung sicherlich nicht leicht gefallen fein. Die Briten lieben das Wort Propaganda nicht, weil sie unter ihm das Angreifen und Aufschwatzen von Dingen verstehen, von deren Gute und redlichen Beschaffenheit nicht jedermann überzeugt ist. Was andere Völker Propaganda nennen und wofür sich die Briten bisher zu schade waren, wird hierzulande mit dem Schlagwort „Publicity" versehen. Um „Publicity" ist jeder bemüht, der in das Rampenlicht der Öffentlichkeit treten muß. Selbst der neue Kriegsminister Höre-
Belisha macht davon feint Ausnahme „Publicity" ober Propaganda — wie man es auch nennen will, in der Sache selbst haben die Briten auch hier lernen müssen, daß es nichts hilft, vom behaglichen Kamin aus dem Lauf der Well zuzu- fchauen, Jahn Bull, auch wenn er inzwischen etwas fettleibig geworden ist, muß lernen, mit der übrigen Welt Schritt zu halten. Wenn sich John Bull indessen erst einmal in Bewegung setzt, kann man gewiß sein, daß er aus den Fehlern, die andere gemacht haben, gelernt hat und daß er, was ihm vielleicht heute noch fehlt, durch sture Beharrlichkeit ersetzt.
Das erste Debüt mit den arabischen Sendungen war gewiß nicht überaus glücklich. Die Kaffee schlürfenden Arader auf den Gassen Jerusalems werden sich gewundert haben, warum man gerade ihnen erzählte, daß einer ihrer Rassengenossen wegen Umtriebe gegen die britische Militärherrschaft hingerichtet worden fei. Auch die Wahl von Sprechern aus Aegypten war ungeschickt, denn das ägyptische Arabisch ist nun einmal ein „sächsisches" Arabisch. Aber alles dies sind Anfangsmängel. Es gibt in England genügend Kenner der arabischen Welt, um den Rundfunk und die übrigen Propa- gandastellen zweckmäßig beraten zu können. Warum sollten die Briten auf dem jüngsten Instrument der Propaganda nicht ebenso meisterhaft spielen lernen wie auf dem ältesten, der Presse?
Was sie auch auf Neuland zu leisten vermögen, das geht zum Beispiel au$ dem bereits zwei Monate zurückliegenden Jahresbericht des ..British Council for relations to other countries“ hervor, einer Einrichtung, deren Namen man wohl am besten mit „Britisches Institut zur Pflege der Beziehungen mit anderen Ländern" übersetzt. Der British Council wurde im März 1935 geschaffen; fein erster Präsident war Lord B u st o n Percy. An seine Stelle ist heute her sehr rührige Gesundheitsminister Kingsley- Wood getreten. An amtlichen Zuwendungen erhielt der' British Council im vergangenen Jahr
Französische Rückfrage in Tokio.
Die japanische Truppenlandung auf der Insel Hainan.


