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andern und Reisen Bäder und Sommerfrischen

So sind denn auch vor

anderfahrien

Blut. Nur keine

Auf­

fällt

tönte Baß-

Schon der ozonreichen nervenstärkenden 'Luft wegen ist der Vogelsberg zu längerem Aufenthalt für erholungsuchende Volksgenossen sehr geeignet. So sind denn auch vor allem tiie Orte Herchenhain,

das höchstgelegene Dorf Hessens und das sich an­schließende Hartmannshain, die schmucken Berg­städtchen Gedern, Herbstein, Hirzenhain und Ulrich­stein, der am Rande des Oberwaldes gelegene Luft­kurort Hochwaldhausen, das im Herzen des Vogels­berges liegende freundliche Städtchen Schotten sowie das am Fuße des Gebirges in idyllischer Waldes­ruhe liegende Bad Salzhausen, alles Plätze, wo der Wanderer liebevolle Aufnahme und gute preis­werte Unterkunft findet, als Sommerfrischen zu empfehlen.

Es ist ein besonderes Verdienst des Vogels­berger Höhen-Clubs (DHC.), der sich in

Wunderliche Sammelleiden?chaff.

®'in Mann aus Manchester verbrachte den größten Teil seines Lebens damit, alte Flaschen zu sammeln. Bei seinem Tode wurde die Sammlung verkauft, und zwei Sorten von sehr alten Flaschen brachten allein je 12 OOO Mark ein. Der Erwerb der ganzen Sammlung hatte den Eigentümer keine 1000 Mark gekostet. Ein Schweizer Rechtsanwalt namens Sanier hatte die seltsame Vorliebe, Stiefel und Schuhe aller Völker anzuhäufen, aber er war ein rechter Sonderling und erlaubte zu seinen Leb­zeiten niemandem, die beiden Räume zu betreten, in denen er seine Sammlung aufbewahrte. Als er starb, waren diese abgelegten Kleidungsstücke 42 000 Mark wert. Eine ähnliche Ueberraschung wurde den Erben des Edinburgher Hufschmiedes bereitet, der darauf versessen gewesen war, Hufeisen aller Seiten und Arten zu sammeln. Er besaß Hufeisen, mit denen Pferde im alten Rom beschlagen gewesen ^a^n/nUn^ ®fen, die moderne Rassepferde und ronncr an ihren Hufen getragen hatten.

E^Wert diesesalten Eisens überstieg 200 000

Schuß getötet zu haben und suchte den Boden ab, um ihn zu finden. Aber obwohl er mehr als eine Ian9 auf das eifrigste suchte und keine Möglichkeit vorhanden war, daß das Tier unbe­merkt hätte entkommen können, blieben doch seine Bemühungen vergeblich, bis er plötzlich des Vogels gewahr wurde. Dieser saß in einer ganz geringen Entfernung hoch aufgerichtet auf einer Binse, den Schwanz eng an die Pflanze, die er mit den Fü­ßen umklammerte, angeschmiegt, den Fangen Hals and den Kopf mit dem Schnabel hoch emporgereckt. Vom Fuß bis zur Schnabelspitze war nicht die ge­ringste Krümmung vorhanden, und das Ganze war das genaue Abbild einer gerade emporstrebenden Binse. Hudson, der das regungslose Tier für ver­wundet oder vor Schreck gelähmt hielt, drückte leise sein Köpfchen herunter. Aber kaum hatte der Druck seiner Hand nachgelassen, als der Kops wie eine Stahlfeder wieder emporsprang. Hudson wunderte sich, daß er nicht früher die dunklen Streifen auf bem Rücken des Vogels wahrgenommen hatte und machte einige Schritte um das regungslose Geschöpf herum, um es von der anderen Seite zu betrachten. Aber- im gleichen Moment vollzog auch dieses eine plötzliche Wendung, so daß dem Forscher beständig die mattgelbe Farbe seiner Frust, die dem Schilf ringsum so täuschend ähnelte, zugekehrt blieb. Die­ses Spiel wiederholte sich eine ganze Weile, bis der Vogel schließlich gewaltsam von feinem Sitz entfernt, ins trockene Gras fiel.

Der liebliche Landstrich des Kinzigtales, von der Wasserscheide desDistelrasens" herunter bis vor die Tore Hanaus, derStadt edlen Schmuckes", si> hält seinen höchsten Glanz in dem alten Geln­hausen, der Stadt Kaiser Friedrich Barbarossas, der Geburtsstätte Grimmelshausens und des Telephonerfinders Philipp Reis.

Hoch vom Bergeshang grüßt die wehrhafte alte Siedlung in das weite Tal hinaus, grüßt die Men­schen im vorübergleitenden Schnellzuge, grüßt das rege Leben auf der alten, großen Straße, die vom Main her nach Norden führt und ehemals einer der Schicksalswege des Reiches gewesen. Sonne, schon wärmer als die um Fulda und die Rhön­berge, liegt über den steilen Hängen, die um das weitgespannte Stadtbild herum einst guten Wein trügen, umspielt alte Giebel, alte Dächer, Tore und Türme und zittert, lange verweilend, auf einem schlichten, altersgrauen breitgedehnten Sandstein­gemäuer der Kaiserpfalz zu Gelnhausen, dem Schlosse Barbarossas.

Zauberhaft ist dieses Bild: Malerisch gruppiert, Hang um Hang sich hinaufziehend, bewaldeten Höhen zu, steigt Gelnhausens Weichbild auf, über«

"Das lassen Sie man sein, Fräuleinchen", brummte der kratzige Baß gelassen.Hat nämlich gar keinen Zweck da drüben steht auch einer."

Tatsächlich tauchte hinter der Scheibe ein bärtiges Gesicht mit einer klumpigen roten Nase und stechenden Augen auf. Dann wurde auch diese Tür geöffnet, und die Gestalt, die sich den Blicken der beiden bot, entsprach durchaus dem Gesicht.

Einige Augenblicke lang war es still.

Also was wollen Sie?" fragte der junge Mann schließlich gepreßt.

Hm was ... ? Geld natürlich!" sagte der Baß spöttisch.Sie haben doch hoffentlich welches bei sich?"

Der junge Mann biß sich auf die Lippen.

^Unb die Kette hier können wir auch brauchen", krachte ber Bärtige auf der anderen Seite und langte nach dem Hals ber jungen Dame.

Dort schimmerte ein bünnes Goldkettchen.

Die Dame schrie auf und wehrte ihn mit beiden Händen ab.

0, Kurt", jammerte sie,ich habe dir gleich gesagt, wir wollen nicht in den Stadtwald! Jeden Tag lieft man von diesen Ueberfäüen in der Zeitung."

Aus dem Dunkel hinter der Taschenlampe ein heiseres Kichern. Dann sagte eine kratzige stimme:

Die beiden fuhren entsetzt auseinander.

Teufel ja tun Sie gefälligst bas Licht weg!" schnaubte ber junge Mann empört.Was Ihnen eigentlich ein?"

Na, na, immer ruhig regung. Wir brauchen jetzt ein bißchen Licht."

Die junge Dame, die erbarmungsroürbig blaß aussah unb heftig zitterte, streckte verstohlen die Hand nach dem Türgriff auf ihrer Seite aus.

^Was bann folgte, vollzog sich außerorbentlich

Der junge Mann steckte bie Hanb nicht in bie Brusttasche, sondern stieß sie jäh zur Faust ge­ballt mit gewaltigem Schwung in die Dunkel­heit über der Taschenlampe. Es gab einen Krach unb einen dumpfen Fall. Die Taschenlampe kollerte ins Gras.

In ber gleichen Sekunde sprang ber junge Mann aus bem Auto, raffte bie Lampe auf unb legte dem Besitzer ber Baßstimme, der stark benommen auf bem Boben hockte, ebenfalls Handschellen an.

"So!" sagte er befriebigt unb klopfte bem Mann auf bie Schulter.Polizei! Verstanden? Nun sah- ren wir ein_ bißchen aufs Präsidium. Nett von Ihnen, daß -sie uns so glatt auf den Leim gekrochen sind und überdies gestanden haben, wer all die Ueberfälle in letzter Zeit auf dem Kerbholz hat. Mir scheint, wir haben einen guten Fang gemacht."

Er ließ das Licht der Taschenlampe hinüber auf bie andere Seite gleiten.

Der Bärtige saß bereits auf bem Rücksitz des autos unb die Dame neben ihm. Sie hatte vorn die Bluse geöffnet unb suchte etwas auf ihrer Brust.

3um Teufel mit dieser Kleidung ohne Tasche!" knurrte sie mit einer Stimme, die seltsamerweise viel tiepr klang als vorher.

Aha!" sagte sie bann.

Sie zog eine große tintenschwarze Brasilzigarre aus bem Busen, biß bie Spitze ab unb zündete sie mit einem behaglichen Seufzer an.

. Natürlich!" sagte ber junge Mann mißdilliqenb, wahrend er ben Besitzer der Baßstimme in den Wagen schob.Da braucht man sich ja nicht zu wundern, wenn du egal nach Zigarre riechst'"

Er setzte sich hinter das Steuer, schlug die Tür zu und brachte den Motor in Gang

Unb das nächste Mal," fügte er hinzu,könntest du dich außerdem em bißchen besser rasieren Heute warst du stachlig wie ein Igel!"

Damit schaltete er bie Scheinwerfer ein unb aab Gas. - °

hat, herrscht tiefe Stille, die ja für die Arbeit des Arztes erste Voraussetzung ist.

Den Abschluß der Musterung bildet bann noch eine kurze Ansprache bes Bezirkskommandeurs an bie Gemusterten und Ausgehobenen, in der sie mit einer Reihe von Pflichten vertrautgemacht werden, die für alle Zukunft zu beachten sind, solange sie militärdienstpflichtig sind.

Dann erst werden sie alle entlassen und können ausschwärmen in die Lokale ber Stabt, um ben Tag zu feiern, ber sie in bie Reihe derer stellt, die be­rufen und berechtigt sind, das graue Ehrenkleid des deutschen Soldaten zu tragen.

"Na, na jeden Tag? Das ist ja wohl ein bißchen übertrieben", brummte der Baß.Aber hw", führ er selbstgefällig fort,man tut eben, mas man kann, und hin und wieder gelingt uns 10)011 so ein kleines Unternehmen. In letzter Zeit hatten wir ganz hübsch zu tun. Allerdings müssen mir uns manchmal auch gegen Schmutzkonkurrenz mehren. Gestern erst haben wir zwei junge Burschen hinausgeprügelt, die in unserem Gebiet wildern wollten. Anfänger reine Anfänger! Wir haben ihnen einen ordentlichen Denkzettel gegeben. Die kommen nicht roieberr

genehn?6^69 &a(^n ertönte, es klang nicht an« 21bermals wurde es für einige Augenblicke still.

ist» ~ s°6te ber Baß,mal raus mit oem (Selo!

Der junge Mann seufzte und hob zögernb die Hanh, um in die Brusttasche zu greifen.

Dem Bärtigen brüben bauerte es zu lange. Er griff ungebulbig wieder nach bem Hals ber Dame. Diesmal mit beiben Händen.

fios Püppchen her mit der Kette!" sagte er rauh. 19

f. Zuerst wich bie Dame erschrocken zurück. Dann streckte sie ihrerseits plötzlich bie Arme aus und packte den Mann bei ben Hanbgelenken.

Em scharfes Schnappen ertönte. Ein Paar stäh­lerne Handfesseln blinkten auf. * 9 \

durch den Stabsarzt Dr. Hagemann, der die inneren Organe, Herz, Lunge usw., einer eingehen­den Prüfung unterzieht und unter ber- Einbeziehung des Befundes der Voruntersuchung entscheidet, in welchem Ausmaß der junge Mann für ben Militär­dienst tauglich ist. Da gibt es bann manches stolze unb auch manches etwas enttäuschte Gesicht. Wen berührte es nicht schmerzlich, wenn er hören muß, daß es nichts ist mit bemTauglich" oberBedingt tauglich"!? Immer wieder begleiten schriftliche Auf­zeichnungen ben Gang ber Untersuchung. Unb im Raume, in bem eine stattliche Anzahl von Mit­arbeitern sitzt und die Untersuchung zu verfolgen

Erlebnis mit einer Rohrdommel.

Die Natur hat vielen Tieren Schutzeiaenschaften verliehen, bie sie ben sie verfolgenden anoeren Tie­ren. aber auch ben Menschen entziehen. Es gibt auch Fälle, in benen die Tiere selbst eine solche An­passung an ihre Umgebung vornehmen. So berich­tete der englische Naturforscher Hudson von einer Erfahrung, bie er auf einer. Iagbreise in Argentinien gemacht hat und bei ber er von einer kleinen Rohr­dommel genasführt wurde. Er glaubte, diesen Vogel, ldec zwischen hohem Schilf hinhuschte, durch einen

ragt von bem Bau von St. Marien.

Diese beiden Bauten, Kirche und Kaiserburg, sind es, um die die kleine Stadt von mancher größeren Schwester beneidet wird. Einst waren sie Mittel­punkt großen Geschehens, miteinander verbunden durch jahrhundertelanges Leid, durch manchen gro­ßen und glanzvollen Tag deutscher Geschichte.

Vier Türme, ein gedrungener im romanischen Stil und drei lichte, schlanke, beschwingte feinglie- drige Gotik verkörpernd, ragen vom Marienborn in den Himmel. Meister Heinrich Vingerhut, der große Könner aus der Burgunder Schule und Be­herrscher des Uebergangsstil's, ließ dieses Wunder- werk in den Jahren um und nach 1200 zur Ehre Gottes und zu Freude unb Stolz ber Mennschen erstehen. Das war jene Zeit, ba Gelnhausen groß, reich unb stolz war, die Klöster im Kinzigtale die Herrschaft führten, unb bie Tage des bitteren Glau­benskrieges und der Volksnöte noch in fernster Ferne lagen. Damals blühten in Gelnhausen die Ordensniederlassungen der Johanniter, der Deutsch- Herren, der.Zisterzienser und Franziskaner. Jahr» Hunderte hindurch wurde an ber Marienkirche im» mer mieber gebaut; heute ist sie uns in ihrer Un-

Allendorf (Ulm) Obershausen Dillhausen Merenberg Weilburg.

Wir fahren über Biskirchen nach dem anmutig im Ulmbachtal liegenden Allendorf, von wo wir zunächst der Wanderung III des Westerwaldvereins folgen. Bald hinter Allendorf nimmt uns präch­tiger Hochwald auf, der uns bis Obershausey, einem verträumten, von seiner Kirche überragten Dörf­chen, begleitet. Von hier wandern wir ohne Zeichen bergauf, bergab über Dillhausen mit seiner statt­lichen, im romantischen Stil erbauten Kirche und weiter art den Hängen des Allmerskopfes her durch die Orte Selbenhausen und Bärig hinauf nach Merenberg, dessen Burgruine wir schon von weitem sehen. Sehr lohnend ist eine Besteigung ber Ruine, da sich oben eine, herrliche Runbsicht bietet. Nach einer Erholungspause gehen wir auf aussichtsreicher Lanbstraße, die von alten Bäumen umsäumt ist, nach Weilburg, der Perle bes Lahntals, von wo

In Kaiser Rotbarts alter Stadt

Von Friedrich Wilhelm Gchkuckebier.

wir nach insgesamt fünfstündiger Wanderung heim» fahren.

Laubach Schreinesmühle Oberseener Hof Schüsselberg Betzenrod Schollen.

Von unserem Ausgangspunkt, dem schmucken Stäbtchen Laubach, folgen wir roten Kreuze^, die gemeinsam mit gelben Strichen nach der im lieb» liehen Wiesentälchen bes Seenbachs gelegenen Schreinersmühle (Wirtschaft) führen. Von hier leiten uns blaue Dreiecke bem Seental aufwärts bis zum gräflichen Gut Oberseener Hof. Hier ver» lassen wir die Zeichen, halten uns rechts und gehen auf guter schattiger Straße durch schöne Wald» partien, zwei Markierungen überquerend, über den 450 Meter hohen Schüsselberg mit schöner Fern­sicht, hierauf durch Betzenrod nach unserem End­ziel Schotten. Zu ber Wanberung brauchen wir etwa viereinhalb Stunden.

Das Liebespaar.

Geschichte von Peter Mattheus.

Eine kleine, elegante Limousine bog von der Hauptstraße in einen ber Seitenwege ab, die hinein in den Stadtwald führten. Der junge Mann, der ben Wagen steuerte, pfiff leise eine Schlagermelodie vor sich hm. Neben ihm saß eine reizende junge Dame in hellem Sportkostüm schlank, dunkel- äugig und blond. SU war bemerkenswert hübsch. Noch bemerkenswerter war, daß sie eine Ziaarre rauchte. ö

Es ging auf Mitternacht. Um diese späte Stunde lagen die Waldwege in völliger Dunkelheit und Stille. Das schien dem jungen Manne gerade recht zu sein. Er brachte ben Wagen einige hundert Meter von ber Hauptstraße entfernt zum Stehen, 30g die Bremse an und schaltete die Lampen aus bis auf das Schlußlicht hinten und bie beiden Positionslampen vorn.

. ''So, Liebling nun tu den Glimmstengel fort , sagte er bann zu seiner Gefährtin.

Unb gleich barauf:

Du riechst heute aber wieder mächtig nach Zigarre..." v

Für längere Zeit blieb alles still, für mindestens Zehn oder fünfzehn Minuten. Nur gelegentlich schien em Flüstern aus bem Auto zu bringen ein Flüstern unb ein unterbrücktes Kichern. Es konnte aber auch ber Wind fein, ber in den Blättern raschelte. Dann knackte es irgenbwo in ber Nähe. <Es hörte sich an, als sei jemand auf einen trockenen Ast getreten. Es wurde wieder still. Plötzlich jedoch loste sich eine dunkle Gestalt aus dem Schatten einer Buschgruppe dicht am Wege und glitt rasch auf das Auto zu.

Und im nächsten Augenblick blitzte ber Lichtstrahl einer Taschenlampe auf und beleuchtete bas Pärchen, bas eng umschlungen auf dem Sitz hockte, während gleichseitig die Tür bes Wagens mit einem Ruck aufgerissen wurde.

Schöner Vogelsberg.

Von Carl Faber.

Mitten im Herzen der seitherigen hessischen Pro­vinz Oberhesien ragt als ein mächtiges Bergmassio unser heimatliches Gebirge, der Vogelsberg, empor. Dieses durch Eruption entstandene Gebirge, wohl die größte Basaltformation Deutschlands, wird be­grenzt von bem Knüll, ber Rhön, bem Spessart, Taunus unb Westerwalb, während bie Grenze zur fruchtbaren Wetterau, der Kornkammer Deutsch­lands, von dem teilweise noch aut erhaltenen Pfahl­graben aus der Römerzeit gebildet wird. Der höchste Teil des Vogelsberges, der Ober wald, bildet eine mit prächtigen Buchen bestandene Hochebene. Auf diesem Gelände erheben sich die höchsten Berge des Gebirges, wie der Taufstein (772 Meter), ber Hoherodskopf (768 Meter) und ber GeiseIstein (721 Meter). Sehr zu Unrecht ist der Vogelsberg jahrelang als bas hessische Sibirien verschrien gewesen. Gewiß, herb und ernst wie seine Bewohner ist auch sein Charakter, auch hält ber Winter bort oben frühe? als in ber Ebene seinen Einzug, wie ebenso der Frühling etwas länger auf sich warten läßt. Wer aber im Sommer oder im Herbst das schone Gebirge mit all seinen Reizen durchwandert hat, ben zieht es immer wieder in seinen Bann.

Denn ber Vogelsberg ist es wohl wert, daß er noch mehr als seither besucht wird. Ein ausge- behntes Eisenbahnnetz ermöglicht die Anfahrt bis an den Fuß des Gebirges, zu dem dann wieder zahlreiche Markierungen von allen Richtungen aus führen. Freundliche, mit Fachwerkbauten bestandene Dörfchen, wie auch bie Klubhäuser auf bem Hohe­rodskopf, in denen der Wanderer gut aufgehoben ist, laben zur Rast ein. Und wie schon ist das Wandern dort in ber reinen erquitfenben Luft. Ver- schiebene Seen, wie die Mooser Teiche, ber R 0 debacher Teich, die Schalksbach­teiche bei Herbstein und der Gederner See verleihen der Landschaft ein überaus reizvolles Ge­präge. Blumige Triften mit zum Teil seltenen, unter Naturschutz stehenden Pflanzen, wie Arnika und Trollblume, erfreuen bas Auge. Vom Bis- marefturm auf bem Taufstein schweift ber Blick weit über bafe Hessenland bis zu den fernen Höhen der Rhön, des Spessarts und des Taunus. Sehr loh­nend ist auch eine Besteigung des Schloßberges bei Ulrichstein und der mächtigen Basaltkuppe des Bilsteins mit prächtiger Fernsicht. Zahlreiche Bäche, die alle ihren Ursprung im Oberwald haben, durchfließen das Gebirge und bilden durch ihren Lauf liebliche Täler, von denen namentlich das idyllische Schwarzbachtal bei Hochwaldhausen erwähnt sei. Aeußerst lohnend ist auch eine Wande­rung durch das anmutige Niddertal mit seinen Burgen Ortenberg und Lißberg mit her nahege­legenen Hillersbachtalsperre. Von den am Fuße bes Vogelsberges liegenden Städtchen mit reicher Vergangenheit seien vor allem Alsfeld, Büdingen, Gelnhausen, Nidda und Schlitz erwähnt, bie sich nicht nur durch ihre herrliche Lage, sondern auch durch altertümliche Sehenswürdigkeiten auszeichnen. Auch ein Besuch des industriereichen Städtchens Lauterbach und des naheliegenden Schlosses Eisen­bach, der hessischen Wartburg, ist zu empfehlen, ebenso wie Laubach mit Schloß und Park bes borti- gen Grafen unb Lich mit fürstlichem Schloß und Park.

berührtheit von den Nöten ber Kriegsjahre das wahrhafte Sinnbild eines deutschen Gotteshauses, bas einen tiefen Einbruck bei jebem Besucher hin­terläßt, und dessen Kunstschätze weit berühmt sind.

Unweit ber Kirche träumt versteckt auf einer Kin- ziginsel das alte Schloß der deutschen Kaiser von Vergangenheit und Glanz. Mögen auch Sage und Geschichte, besonders wo sie ben Kaiser Rotbart und das liebliche Mädchen Gela angehen, bas cr einst hier auf ber Jagb gefunben unb liebgewon- nen haben soll, eine getrennte Rolle für diese Burg spielen, so ist doch auch die Gelnhäuser Kaiser­pfalz ein Kulturgut bes gesamten deutschen Volkes. Und wenn es die Jahrhunderte auch wahr­lich nicht gut meinten mit diesem edlen Bauwerk, dessen prächtige Säulen und Arkaden, Skulpturen, Kapitäle und Rundbogen von frühem deutschem Kunstschaffen künden, so ist doch das, was vor bem Verfall gerettet, als Torhalle, Pallasfront und Bergfried zu uns spricht, genug, um vor unserem geistigen Auge ein überwältigendes Bild einstige»- Größe, Macht unb Herrlichkeit erstehen zu lassen. Kaum zwanzig Jahrzehnte, kaum 200 Jahre mag ber höfische Glanz ber Gelnhäuser Burg gebauert haben, als sich auch schon Verhängnis, Niedergang, Verfall meldeten: düstere Anzeichen eines Geschickes, bas die Burg wahrlich nicht verdient hatte.

Da steht der alte Hexenturm auf hoher Mauer drohend vor uns, ein stummer Zeuge und Ankläger zugleich. Eine Unzahl Menschen sielen in den Jahren von 1584 bis 1634 auch in Geln­hausen bem Hexenwahn zum Opfer unb starben einen schmerzensreichen, uiwerbienten Flammentod. Das war um die gleiche Zeit, ba braußen im Reiche die Not bes Glaubenskrieges durch die Laube ging'und auch Gelnhausen mit Pest und Menschen­marter nicht verschonte: Nur 540 Einwohner hatte die Stadt im Jahre 1640. Und von nun cm reißt die Kette der Kriegsnöte nicht ab bis in die Na­poleonszeit hinein.

Aber auch in Kultur und Wissenschaft stellt Geln­hausen seinen Mann. Mancher große Sohn ent­stammt seinen Mauern.Da ist Conradus von Geln­hausen, der berühmte Kirchenpolitiker und erste Kanzler der Heidelberger Universität; ba war Jo­hannes von Gelnhausen, ber Notar Kaiser Karls des Vierten, desStiefvaters des deutschen Rei­ches", der 1349 aus Geldmangel, Gelnhausen ver­pfändete und wiebereinzulösen vergaß; ba steht in ber berganftrebenben Schmibtgasse bas Haus, in bem ber geistige Vater besAbentheuerlichen Sim» plizissirnus", Johann Christophel v. ©rimmels» Hausen, um 1620 bas Licht ber bamals sehr un­ruhigen Welt erblickte. Ein Stück weiter schaut uns jemanb an von schlichtem Pobest herab, der seiner Mitwelt mehr geben sollte, als er zu seiner Zeit je erahnen konnte: Philipp Reis, ber Er­finder des Telephons. Beide, Reis wie Grimmels­hausen, waren Gelnhäuser Bäckerssohne, und baß die Gelnhäuser Bäcker von jeher ganze Kerle waren, bezeugt uns auch Clemens von Brentano in feinem wunderschönen MärchenGockel, Hinkel und Gackeleia".

Auf das schlichte Denkmal von Reis blickt eins der bemerkenswertesten Bauwerke Gelnhausens, das Romanische Haus. In ihm dürfen wir Deutschlands ältestes Rathaus im romanischen Stil erblicken; seine Bauzeit mag gegen 1170 liegen. 1370 wird der Bau schon als Praetorium, als Ge­richtshof, erwähnt; zwei Jahrhunderte und mehr diente er als Sitz der Verwaltung, bis Gelnhausen um 1500 ein neues Rathaus erhielt. Jetzt birgt bas benkwürdige Haus das Heimatmuseum, besten reiche Sammlungen viele Erinnerungen an Philipp Reis und Grimmelshausen bergen.

Alte Straßen, alte. Häuser und heimliche Winkel birgt diese kleine Stadt, durch die einst der Kauf- fahrteiwagen und die Postkutsche, der große Herr­scher wie ber arme Kärrner zogen, durch die ber Korse bem Verhängnis von Moskau entgegenritt unb die Sieger von Waterloo heimkehrten. Ur­alte Giebel scharen sich um einstmals stark bewehrte Tore und Türme und machen Heinrich A n a ck e r s Verse wahr:

O, bas ist schön, burch kleine Städte gehn. Einen Tag verweilen und noch eine Nacht. Uralte Häuser, alte Giebel seh'n Holdes Gesicht, das hinter Geranien lacht" -

spräche abgehört und noch manche Frage an den angehenden Soldaten gestellt, bie er nach bestem Wissen unb Gewissen beantworten muß. So entsteht also schon in dieser Voruntersuchung ein Gesamt­bild, bas eine Grunblage für die Hauptuntersuchung barstellt. Die jungen Männer sinb mit großer Auf- merksamkeif bei oer Sache. Erfährt boch mancher, der zu sehen unb zu hören versteht, einmal ein Urteil über sich selbst, gelangt ihm boch zum Be­wußtsein, wo Versäumtes nachzuholen ist (beim Zahnarzt zum Beifpiel), unb wie es grunbsätzlich um ihn steht.

Die, Hauptuntersuchung geschieht bann

zahlreichen Hweigvereinen über ganz Hessen er­streckt, burch Anlage unb Verbesserungen von Wegen sowie burch geeignete Wegebezeichnungen ben Zu» gang zum Vogelsberg ermöglicht zu haben. Doch auch bie Errichtung bes Taufsteinturmes, der Klub» Häuser auf dem Hoherodskopf, bes Dater-Bender- Heims und des stimmungsvollen Gefallenendenk­mals auf der Herchenhainer Hohe ist fein Werk. Ebenso ist er jederzeit bemüht, mit Wort und Schrift auf bie Schönheiten bes von ihm betreuten Ge­bietes aufmerksam zu machen unb Interessenten mit Rat unb Tat an die Hand zu gehen. Mögen auch diese Zeilen bazu beitragen, unserem so oft verkannten Vogelsberg neue Freunde zu gewinnen unb ben ihm gebührenben Platz unter ben deutschen Mittelgebirgen zukommen zu lassen.