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„Wir wollen nur als Kreie unter Kreien leben " Konrad Henlein auf der Haupitagung der Gudetendeutschen Partei.
Prag, 23. April. (DNB.) Im Kurhaussaal in Karlsbad begann die Haupttagung der Sudeten- Leutschen Partei. Den Höhepunkt der Tagung bildete die große politische Rede Konrad Henleins. Den Versuch, um die grundsätzliche und ehrliche Lösung des sudetendeutschen Problems durch Aufstellung eines sogenannten „M i n d e r h e i t e n st a - tuts" herumzukommen, bezeichnete Henlein von vornherein als gescheitert. Die angekündigte Kodifizierung der bisherigen sogenannten Minderheitenbestimmungen könne nichts anderes bedeuten als die Verewigung des Unrechts und der Gewalt. Man habe das Problem noch nicht in seiner Tiefe erfaßt und glaube, mit Halbheiten darüber hinwegzukommen. Dabei hätte es die Regierung gar nicht so schwer, die tschechische öffentliche Meinung umzustellen, denn, so sagte Konrad Henlein, „ich bin überzeugt, daß das einfache tschechische Volk im Grunde seines Lebens friedliebend und versöhnungswillig ist. Ich glaube an keinen Haß und Streit; ich bin aber ebenso davon überzeugt, daß man es von seiner Hetzpresse befreien muß! Wenn in diesem Jahre das zwanzigjährige Bestehen dieses Staates gefeiert wird, so wird man begreifen können, daß sich die Deutschen nach 20- jähriger Unterdrückung an solchen Feiern nicht beteiligen können. Will man die Deutschen bewußt zur Unaufrichtigkeit und zur Heuchelei zwingen, so wird man weder an unsere Beamten, noch an unsere Kinder das Ansuchen stellen, dieses Staatsjubiläum festlich zu begehen. Die Tschechen haben in diesen 20 Jahren nichts getan, um uns innerlich für einen Staat zu gewinnen, in den wir gegen unseren Willen eingegliedert wurden. Wir fühlen uns heute unfreier denn je und wissen, daß unsexe Zukunft gefährdet ist. Wenn es den tschechischen Staatsmännern wahrhaft ernst ist, mit dem deutschen Volk in ein freundnachbarliches Verhältnis zu kommen, so wird sich folgendes als unerläßlich und notwendig erweisen: 1. Eine Revision des irrigen tschechischen Geschichtsmythos; 2. eine Revision der unglücklichen Auffassung, daß es die Aufgabe des*tschechischen Volkes wäre, das slawische Bollwerk gegen den sogenannten deutschen Drang nach Osten zu sein; 3. eine Revision jener außenpolitischen Stellung, die den Staat bisher in die Reiche der Feinde des deutschen Volkes geführt hat. *
heule erheben alle nichttschechischen Völker und Volksgruppen Protest gegen eine Behandlung, die mit völkischem Selbstbewußtsein, mit Ehre und würde nicht länger in Einklang gebracht werden kann. Als Unterdrückte werden wir uns solange fühlen, solange wir Deutsche nicht das gleiche tun dürfen wie die Tschechen. Alles, was den Tschechen erlaubt ist, muh auch uns erlaubt sein, mit einem Wort: Wir wollen nur als Freie unter Freien leben! Wenn es zu einer friedlichen Entwicklung im tschechoslowakischen Staat kommen soll, dann ist nach der Ueberzeugung des Sudetendeutschtums f o L< sende Staats- und Rechtsordnung zu schaffen:
1. Herstellung der völligen Gleickberech- tigung und Gleichrangigkeit der deutschen Volksgruppen mit dem tschechischen Volk;
2. Anerkennung der sudetendeutschen Volksgruppe als R e ch t s p e r s ö n l i ch k e i t zur Wahrung die- ser gleichberechtigten Stellung im Staate;
3. 'Feststellung und Anerkennung des d e u t s ch e n Siedlungsgebietes;
4. Aufbau einer deutschen S e l b st v e r w a l- tung im deutschen Siedlungsgebiet in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, soweit es sich um Interessen und Angelegenheiten der deutschen Volksgruppe handelt; , .
5. Schaffung gesetzlicher Schutzbestim- m u n g e n für jene Staatsangehörigen, die a u ß e r« halb des geschlossenen Siedlungsgebietes ihr Volks- tum leben;
, 6. Beseitigung des dem Sudetendeutschtum seit dem Jahre 1918 zugefügten Unrechts und Wiedergutmachung der ihm durch dieses Unrecht entstandenen Schäden; v m .
7. Anerkennung und Durchführung des Grund- satzes: Im deutschen Gebiet deutsche öffentliche Angestellte;
8. Volle Freiheit des Bekenntnisses zum deutschen Volkstum und zur deutschen Weltanschauung.
Man soll nicht abermals versuchen, durch kunstvolle Worte, vor allem unwissenden Ausländern gegenüber, Ordnung im Staate vorzutauschen und mit Scheinlösungen dem Problem weiter aus» zuweichen. Es wäre aber auch falsch, wenn sich die tschechische Politik allein auf ihre Bündnisse mit Frankreich und Sowjetrußland verlassen wurde, ohne s e l b st einen entscheidenden Anteil zur Sicherung des europäischen Friedens auf sich zu nehmen.
Ungeachtet der Staatsgrenzen kann und will sich auch das Sudetendeutschtum als Teil des deutschen Volkes, mit dem wir in unlösbarer Verbundenheit immer waren und bleiben, nicht einer Weltanschauung entziehen, zu der sich heute alle Deutschen der wett mit Freude bekennen. Gerade wir als gefährdetes und um feinen Bestand kämpfendes Deutschtum können uns überhaupt nur zu einer Weltanschauung bekennen, deren oberstes Gesetz das Gesetz der Gemeinschaft ist! Es geht hier nur um eine Frage der Gesinnung, deren Frelheit
für jeden Staatsbürger durch die Verfassung gewährleistet ist. Diese Freiheit nehmen auch wir in Anspruch, ohne uns damit mit den Grundsätzen des Staates in Widerspruch zu stellen. So wie das Deutschtum der ganzen Welt, bekennen auch wir uns zu den nationalsozialistischen Grundauffassungen des Lebens, die unser ganzes Fühlen und Denken erfüllen und nach denen wir das Leben unserer Volksgruppe im Rahmen der Gesetze gestalten.
Es ist für uns unerträglich, und das muß ich mit aller Offenheit und Entschiedenheit aussprechen! — daß etwa weiterhin unter dem Deckmantel aus- tgeklügelter juristischer Konstruktionen Verfolgungen stattfinden, die in Wirklichkeit nicht gegen strafbare Tatbestände, sondern nur gegen jene Gesinnung gerichtet sind, die heute als die schlechthin deutsche bezeichnet werden muß. Tschechische Gesinnungsterroristen werden uns wegen dieses offenen Bekenntnisses zur deutschen nationalsozialistischen Weltanschauung hassen und verfolgen wollen. Echte Demokraten auf der nationalen tschechischen Seite werden unser Bekenntnis verstehen und achten; denn sie wissen, daß auch in diesem Staate Raum sein muß für jede ehrliche Weltanschauung, und daß ja das tschechische Volk selbst feine Wiedergeburt vor 100 Jähren einer einstimmigen und nationalen Gesinnung verdankt. Es wird daher von der Einsicht und dem Willen der Regierung des tschechischen Volkes ab
hängen, ob am Tage des 20jährigen Staatsjubiläums die heute für uns unerträglichen Verhältnisse noch bestehen bleiben oder der tschechische Beitrag zum Frieden Europas geleistet wird. Wir wollen weder nach innen noch nach außen den Krieg, aber wir können nicht ferner einen Zustand dulden, der für uns Krieg im Frieden bedeutet!" Aufmerksames Echo in England.
London, 25. April. (DNB. Funkspruch.) Die große Rede Konrad Henleins in Karlsbad hat große Beachtung in London gefunden. Die „Times^ erklärt, die Forderungen der Sudetendeutschen seien weitgehender und deutlicher als man erwartet habe. Vieles müsse jedoch von der Auslegung abhängen. Es fei möglich, daß Henleins 8 Punkte als eine Verhandlungsgrundlage dienen könne. Eine wirkliche Schwierigkeit scheine nur bei den Punkten 6 und 8 aufzutauchen, in denen Henlein Wiedergutmachung der den Sudetendeutschen seit dem Jahre 1918 zugefügten Schäden verlange und volle Freiheit des Bekenntnisses zur deutschen Weltanschauung fordert.
„Daily Telegraph" enchält sich einer eigenen Stellungnahme. Im Karlsbader Bericht des Blattes wimmelt es jedoch von Angriffen, und auch in den Ueberfchriften ist deutlich diese Einstellung des Blattes zu erkennen. Die Rede Henleins und die Begeisterung, mit der sie von seinen Anhängern ausgenommen worden sei, habe unter den Tschechen eine Atmosphäre geschaffen, die eine Annäherung äußerst schwierig machen könne.
„Ihr gehört -em Führer."
Ein neuer Jahrgang der Adolf-Hitler-Gchüler auf der Ordensburg Sonthofen.
Sonthofen, 24.April. (DNB.) Reichsleiter Dr. Ley hat in der Ordensburg Sonthofen im Allgäu die feierliche Einweisung des zweiten Jahrganges der Adolf-Hitler-Schüler vorgenommen. 340 Pimpfe aus allen Gauen Deutschlands — auch Oesterreich ist mit 20 Jungen vertreten — erlebten gemeinsam mit den jungen Kameraden, die schon seit einem Jahr das Ehrenkleid der Adolf-Hitler- Schüler tragen, die Feierstunde. Reichsleiter Dr. Ley richtete an die Jungen herzliche Worte der Ermahnung zu treuer Pflichterfüllung, zu Kameradschaft und Dankbarkeit gegenüber dem Führer und seinem Werk. Ihr sollt einmal in unserem Deutschland für Aufgaben eingesetzt werden, die ganze Kerle erfordern. Zur Erreichung dieses großen Zieles haben wir andere Methoden zum Einsatz gebracht als die früheren Schulsysteme sie anwandten. Eure Ausbildung und eure Durchbildung erfolgen unter g l e i chm äßiger Betreuung und Pflege von Körper, Seele und Geist. Wir haben die Selbstverwaltung und Selbstführung in unser Erziehungssystem eingebaut. Der Grundsatz des Führers: Die Jugend muß durch Jugend geführt werden, ist durch uns verwirklicht worden. An eins, meine Jungen müßt Ihr immer denken: Ihr gehört von diesem Augenblick an Adolf Hitler. Das muß euch m i t Verantwortung erfüllen. Ihr müßt hart und zähe werden. Das verlangt euren ganzen Einsatz, euren Fleiß, eure Treue, eure Tapferkeit, eure Wahrheit. Euer Handeln muß stets so sein, daß Ihr es in jedem Augenblick vor dem Führer verantworten könnt. Bei allem müßt Ihr euch fragen: Was würde Adolf Hitler dazu sagen?
Eine Reichskoch- und Reichssprachenschule.
Borbildliche Einrichtung des Gaststättengewerbes in Frankfurt. NSG. In Frankfurt eröffnete Reichsorganisationsleiter Dr. Ley die Reichskoch- und Reichssprachenschule für das deutsche Gaststättengewerbe, deren Schirmherr Gauleiter und Reichsstatthalter Spren- g e r ist. Der Leiter des Fachamtes „Der Deutsche Handel", F e i t h , betonte, daß gerade für das Gaststättengewerbe diese Schule notwendig sei, weil bei den Köchen die Lehrausbildung in starkem Maße von der landschaftlichen Eigenart beeinflußt sei und durch die Nacht- und Sonntagsarbeit die im Gaststättengewerbe schaffenden deutschen Menschen nur schwer oder unzulänglich am politischen Leben des neuen Deutschland teilnehmen können. Durch diese Schule soll nach beiden Richtungen Abhilfe geschaffen werden. Gauleiter Sprenger dankte herzlich für die Uebertragung der Schirmherrschaft und versicherte, alles zu tun, daß den jungen Menschen in dieser Schule eine rechte, nationalsozialistische Erziehung zuteil werde. Er wolle seinen ganzen Einfluß geltend machen, daß die Gaststättenindustrie ausgerottet werde. An ihre Stelle müßten wieder Gasthäuser treten, wie sie der deutsche und ausländische Gast erwarten könne. Der Präsident des Reichsfremdenverkehrsverbandes, Staatsminister a. D. Esser, führte aus, daß der Fremdenverkehr helfe, die Einheit des Reiches zu untermauern und Freundschaften des Auslandes zu werben. Jed?r, der zu uns komme, müsse den Eindruck mit nach Hause nehmen, daß wir ein friedliches, arbeitsames
und gastfreundliches Volk find, mit dem man bei gutem Willen wohl Zusammenleben könne.
Nach der Flaggenhissung gab Reichsorganisations- leiter Dr. Ley seiner Freude und seinem Stolz über die Errichtung dieser Schule Ausdruck, die mit dazu Helsen werde, Deutschland nun wirklich schöner zu machen. Wir müssen dem deutschen Menschen die Möglichkeit geben, sich entwickeln zu lassen, was in ihm liegt. Wenn das reiche Deutschland vor dem Kriege auch nur etwas von dem getan hätte, was wir heute zu tun versuchen, wäre der Zusammenbruch niemals gekommen, und Deutschland sähe weit schöner aus, als das heute schon der Fall ist. Dr. Ley eröffnete dann die Reichskoch- und Reichssprachenschule, in der die nationalsozialistische Weltanschauung mit höchstem Können gepaart sein müsse. — Auf dem anschließenden Empfang, der im Bürgersaal des Rathauses stattfand, gab der Leiter des Fachamtes „Der Deutsche Handel" bekannt, daß in Frankfurt a. M. eine Schule für Gemeinschaftsverpflegung eingerichtet wird. An dieser Großküchenoerwaltungsschule arbeiten alle Stellen mit, die in irgendeiner Form an der Gemeinschaftsverpflegung interessiert find. Mit dieser Schule erhält die im vorigen Jahr auf der Internationalen Kochkunstausstellung gegründete Reichsarbeitsgemeinschaft für Gemeinschaftsverpflegung eine eigene praktische Wirkungsstätte.
DieKdF.-FlotteaufdemManU
Am Dienstag Anlaufen von Lissabon.
An Bord des „W i l h e l rn G u st l o f f", 24. April. (DNB.) Die KdF.-Flotte befindet sich seit Samstagabend auf dem Atlantischen Ozean. Der oft stürmische Golf von Biskaye, den wir am Sonntag durchquerten, war uns deutschen Urlaubsfahrern sehr milde gesonnen. Der „Wilhelm Gust- I o ff" liegt an der Spitze unserer Flotte, ihm folgen in kleinem Abstand die „Sierra Cordoba" und „Der Deutsche". Von vielen Schiffen fremder Nationen, denen wir auf unserem Wege begegnen, blickt man ^bewundernd auf unsere stolze deutsche Arbeiterflotte herüber. Auf unseren Schiffen ist schon alles in froher Erwartung auf die portugiesische Hauptstadt Lissabon, die wir am Dienstagvormittag antoufen werden. Jeder von uns verspürt bereits die kräftigende Wirkung der Meeresluft und Sonne und vor allem auch unserer ausgezeichneten Schiffsküche. Aber auch mit künstlerischen Darbietungen trägt man zu unserer Urlaubsfreude bei. Am Sonntag nahmen wir an einer Morgenfeier der an Bord weilenden HJ - Rundfunkspielschar des Reichssenders Leipzig teil. Am Abend wurde in den prächtigen Räumen des Schiffes ein vielfältiges künstlerisches Programm geboten. Viel Freude bereitete der österreichische Dichter Hans Gustl Kernmayr mit einer Vorlesung aus seinem jüngsten Buch „Ein Volk kehrt heim". Die Hohnsteiner Puppenspieler zeigten Marionettentheater in höchster Vollendung. Die Sopranistin Anni Frind, der Frankfurter Pianist Fritz Kullmann und das Bordorchester unter Leitung von G. 21. ^Weißenborn boten ein ausgezeichnetes Konzert. Alle Urlauber hatten auch Gelegenheit, die Kommandobrücke und den Maschinenraum des „Wilhelm Gustloff" zu besichtigen und so Hirn und Herz ihres schönen Schiffes persönlich kennen zu lernen.
Der Kriegslieferant.
Dor noch nicht zwei Jahren hat ein amerikanischer Parlamentsausschuß festgestellt, daß das Interesse an K r i e g s I i e f e r u n g e n Amerika in den Krieg getrieben hat und daß dabei zwar die Rüstungsindustrie und Bankenwelt auf ihre Rechnung kamen, daß aber die Alliierten ihre Schulden an die Vereinigten Staaten nicht bezahlten! Aus diesen Stimmungen heraus wurde das sogenannte Neutralitätsgesetz geschaffen, das jetzt dadurch aufs schwerste bloßgestellt wird, daß schon in Friedenszeiten England 1000, Frankreich 600 und die Schweiz 100 Kriegsflugzeuge in den Vereinigten Staaten in Auftrag geben konnten. Diese Lieferung ist nicht einmalig, denn sie setzt die ständge Nachlieferung von Ersatzteilen voraus. Der Durchschnittsamerikaner will sicherlich den Frieden, aber die Hochfinanz und das in den Vereinigten Staaten sehr rühriae Judentum Hüpfen behende über alle „gesetzlichen^ Zwirnsfäden hinweg. Die Vereinigten Staaten haben auch das bolschewistische Spanien trotz ihres „Neutralitätsgesetzes" eifrig beliefert. Die Besteller-Länder können nun zwar nicht erwarten, die wirklich letzten Modelle der Vereinigten Staaten geliefert zu bekommen; auf der anderen Seite sind diese Aufträge ein Eingeständnis, daß die englische Regierung nicht den gewerkschaftlichen Widerstand gegen die lieber- nähme von Arbeitern aus anderen Betrieben in' die Flugzeugindustrie, und die französische Regierung überhaupt nicht die soziale Unrast überwinden konnten.
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Der Neuyorker Korrespondent des Observer schreibt, Amerika sei sehr wohl in der Lage, jährlich 750 Maschinen an England zu liefern; wenn aber England die amerikanische Luftfahrtindustrie noch unterstütze, würde man die Zahl der beschäftigten Arbeiter verdoppeln können. Irgendwelche politischen Widerstände würden gegen einen solchen Einkauf in Friedenszeiten von Amerika nicht erhoben werden. In einen gewissen Gegensatz hierzu stellt sich der Sekretär des Verbandes der Schiffbau- und Metallaewerkschaften, Gilbert, wenn er erklärt, daß das Luftfahrtministerium die Möglichkeit von Kaufabschlüssen in Amerika in Erwägung ziehe, während gleichzeitig britische Fl u g z e u g f i r m e n an Auftragsmangel litten. So habe die Flugzeugfirma Gloster 200 Arbeiter wegen Mangels an Aufträgen entlassen müssen, während in Bristol in einer Flugzeugmotorenfabrik 5 00 Arbeiter entlassen wurden. Einer der Direktoren dieser Firmen habe dazu erklärt, daß das alles auf schlechte Planung des Luftfahrtministeriums zurückzuführen sei. Dem „Sunday Dispatch" erklärte der Direktor der Fluazeugmotorenfabrik in Bristol, daß der Arbeiter allmählich angesichts der Verwirrung in der Produktion mutlos werde. Auch ein Direktor der großen de Havilland-Werke erklärte dem „Sunday Dispatch", die Industrie stehe auf dem Standpunkt, daß England es nicht nötig habe, Flugzeuge in Amerika zu kaufen. Der Luftkorrespondent des marxistischen „People" sagt bereits stürmische Debatten voraus, wenn der konservative Abgeordnete Oliver Simmonts die Frage des Kaufs von Flugzeugen in Amerika im Unterhaus anschneiden werde.
Schantung.
Der Krieg in China ist nicht nur mit geopolitischen, sondern auch psychologischen Problemen belastet. Als die Japaner in schnellem Ansturm Nanking nahmen, Marschall Tschiangkaischek für verhandlungsunfähig erklärten und in Peking und Nanking ihnen ergebene Regierungen einsetzten, schien China verloren. Aber dann kam die Wendung. Die Kuomintangregierung verlegte ihren Sitz nach Han- kau, Tschiangkaischek führte eine Militärdiktatur ein, die rücksichtslos alle Generale, die ihre Widerstandspflicht nicht erfüllten, auf den Sandhaufen schickte. Zugleich machte Tschiangkaischek seinen Frieden mit den innerpolitischen Gegnern, die als kommunistische Generale von ihm wiederholt besiegt, aber niemals völlig bezwungen worden waren. Sie haben sich der Einheitsfront gefügt. Gleichzeitig versuchte der Marschall, dessen beste Divisionen in den Kämpfen um Schanghai verblutet waren, die Millionen Unausgebildeter schnell zu schulen und mit modernen Waffen auszustatten. Waffen kamen über Honkong, aus der Sowjetunion, aus Jndochina, und die Japaner waren nicht in der Lage, so viel Truppen aufzubringen, um diese Zufuhrwege abzuschneiden. Während Japan schnel) eine Entscheidung suchen mußte, war es das Bestreben Tschiangkaischeks, Zeit zu gewinnen, nicht, um militärisch eine der japanischen ebenbürtige Truppe zu schaffen, sondern um Widerstand bis zum Aeußersten zu leisten und Japan durch die Verlängerung des Kampfes in wirtschaftliche und finanzielle Note zu stürzen. Von dieser Strategie ging der Marschall folgerichtig auch imKamps um Schantung aus, der nur einer ^5er vier oder fünf Kriegsschauplätze ist, und es gelang ihm, die Japaner zumindest für vier Monate dort aufzuhalten und inzwischen seine Rekruten zu schulen.
, Den Japanern kam diese Wendung unerwartet. Ende Dezember gingen sie gegen die große Lung- hai-Bahn in Schantung vor. Der chinesische Gouverneur, General Ham Fu-tschu, verlor den Kopf und wich zurück. Aber Marschall Tschiangkaischek kam selbst mit Verstärkungen, ließ den General wegen Feigheit vor dem Feinde erschießen und ordnete energische Gegenoffensiven an. Gleichzeitig wurde damals der Freischärlerkrieg erklärt, der in ganz China aufflammte und die japanischen Divisionen zwang, chre Etappe durch stärkere Trup»


