interhilfswerk
Sammlung für das
Sonderanweisung für die Betriebe der Stadt Gießen.
Kurze Sporlnotizen.
Der
Robert Vorher
Deutsche Arbeitsfront
Kreiswaltung Wetterau.
hin, daß die Regierung den Plan an sich gutheiße und die Lösung für geradezu ideal ansehe. Die Anlage müsse in ihrer Gesamtheit ein Werk darstellen, das auf Jahrzehnte hinaus den Notwendigkeiten Rechnung trage.
In einer Aussprache wurde noch manche Anregung gegeben. Oberbürgermeister Ritter beschloß die Sitzung mit dem Wunsche, daß in der nächsten Sitzung die Vorarbeiten abgeschlossen werden könnten'.
Villa Umberto.
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Deutschlands Schi-Mannschaft wird sich bei den Abfahrtsrennen in dem italienischen Wintersportplatz Sestrieres vom 25. bis 27. März aus Helmut Lantschner, Josef Pertsch, Hans Psnür i unb Louis Egger zusammensetzen.
___italienische Regierungschef Benito Mussolini weihte in Anwesenheit von 200 000 Zuschauern den neuen Turnierplatz in Rom bei der
Das Projekt
-er großen Gießener Sportplatzanlage
Aus einer informatorischen Sitzung.
Rundfunkprogramm
Samstag, 28. Marz.
6 Uhr: Morgenlied. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Deutschland — Kinderland. 10: Schulfunk: Die Schlacht auf dem Lechfeld. Hörspiel. 11.40: „Auf fremden Höfen lernt man besser". Gespräch zwischen zwei Jungbauern. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Stimmungspillen! (Schallplatten.) 15: Bilderbuch der Woche. 15.30: Freude im Alltag. 15.45: Die Bildungsphilister. 16: Heut' denk ich nicht an übermorgen. Ein vergnügtes Wochenende. 18: Zeitgeschehen. 18.30: „Er" hat eben eigene Weltanschauung. Aus der neuesten Lebensphilosophie Karl Falen- tins. 19: Nachrichten. 19.10: Militärkonzert. Im Marschschritt und Galopp. 20: Aus Limburg: Großes Opernkonzert in Verbindung mit der NS.-Gemein- schaft „Kraft durch Freude". 22: Nachrichten. 22.30: Wir tanzen in den Sonntag. 24 bis 2: Nachttonzert.
In den allgemeinen Richtlinien für die Sammel- aktion der DAF. wurde bereits bekanntgegeben, daß in allen Betrieben ein Sonder-Betriebsappell anzusetzen ist, bei dem die Betnebs- sammlung durchgeführt wird.
Die Büchsenausgabe für die Gießener Betriebe erfolgt am Freitag, 25. März, von 15 bis 16 Uhr, bei der Kreisamtsleitung der NSV., Goethestraße 3 4. Die Abrechnung muß am S a m s t a g v o r m i t t a g bei der Bezirkssparkasse Gießen, Johannessttaße, erfolgen.
Die Straßensammlung innerhalb der Stadt Gießen beginnt für sämtliche Ortsgruppen am 26. März, um 16 Uhr, und am 27. März, um 9 Uhr. Alle Betriebsführer, Betriebs
obmänner und Dertrauensräte bitten wir, eine Stunde vorher bei ihrer zuständigen Ortsgruppe in den nachstehend genannten Lokalen zum Büchsenempfang für die Straßensammlung anzutreten, wo auch die Abrechnung erfolgt:
Orsgruppe Gießen-Mitte: Württemberger Hof, Bahnhofstraße (Inhaber: Pg. Ruhl);
Ortsgruppe Gießen-Ost: Gasthaus Burkhardt,
Sportruhe am 10. April.
Eine Anordnung des Reichsfportführers.
Der Reichssporlführer von Tfchammer und Osten hat verfügt, daß am Sonntag, 10. April, dem Tag der Volksabstimmung und Reichstagswahl, keine sportlichen Veranstaltungen durchgeführt werden. Es wird also an diesem Tag im Reich völlige Sportruhe herrschen.
Hierzu ist folgende Anordnung ergangen:
1. Alle Mitglieder und Amtsträger des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen haben sich je nach den Anforderungen der Propagandastellen der NSDAP, tatkräftig in den Dienst der Wahlpropaganda und Vorbereitung zu stellen.
2. Am Sonntag, 10. April, herrscht völlige Sportruhe. An diesem Tage fallen alle Veranstaltungen ' aU3. In der Zeit bis zum 9. April werden die Veranstaltungen durchgeführt. Finden besonders große Veranstaltungen der NSDAP, zu gleicher Zeit statt, so fallen am Ort die Sportveranstaltungen aus.
Aufstiegspiele zur Bezirksklaffe.
Dillenburg — VfB.-Reichsbahn Gießen:' Zu diesem Spiel hat der VfB. seine Manchchaft umgestellt, und es ist mit einem Siege der Grun- weißen zu rechnen. Allerdings ist die Platzmannschaft nicht zu unterschätzen. .
L i ch — A ß l a r : Hier treten sich zwei Mannschaften gegenüber, die sich in ihrer Spielstarke gleich sind. Hoffentlich gelingt es Lich, die Niederlage vom vorigen Sonntag durch technischen Einsatz wieder wettzumachen.
Fußball der Kreisklaffen.
L kreisklafse.
Rodheim I. — Lollar II.: Die Spielstarke der Rodheimer ist sehr zurückgegangen, man tippt
WHW.-Sammlungen in Oienstgebäuden.
DNB. Der Reichs- und Preußische Minister des Innern, Dr. Frick, weist darauf hin, daß bei der bevorstehenden Winterhilfssammlung der Deutschen Arbeitsfront -Angehörige der Behörden und Betriebe in den öffentlichen Dienstgebäuden ohne weiteres sammeln dürfen und daß diese Sammlung jede mit dem Geschäftsbetrieb vereinbarte Förderung verdient.
Fabrikschild der Krastfahrzeuganhänger
Der Reichsverkehrsminister weist in einem Erläß im Reichs-Verkehrs-Blatt darauf hin, daß an den Kraftfahrzeuganhängern nach wie vor ein Schild angebracht sein muß, auf dem ihr Eigengewicht, die einzelnen zulässigen Achsdrücke, die Fabriknummer des Fahrgestells und dessen Hersteller angegeben sein muß.
Musikalische Abendfeier in der Zohanneskirche.
Am Sonntag, 27. März, um 17 Uhr (nicht 20 Uhr), findet die 27. Musikalische Abendfeier statt. Die Vortragsfolge bringt von I. S. Bach die Kantate Nr. 160 für Solotenor: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt"; eine Arie mit obligater Viola und mehrere Orgelwerke, unter anderen die große dorische Tokkata und Fuge; von Hch. Schutz ein Duett für Sopran und Tenor. Die Tenorpartien werden von einem unserer bedeutendsten Oratorien- sänger, Kammersänger Walter Sturm Merlin), gesungen. Es wirken ferner mit: Maria Nebe- Ung, Sopran; Reinhold Mürrle, Viola und Violine; Alfred Müller vorn Städttschen Orchester, Fagott; Johannes N e b e l i n g, Orgel.
Osterpakete und Osterbriefe.
Osterpakete und briefliche Ostergrüße soll man nicht erst in letzter Stunde einliefern und sie damit der Möglichkeit einer Verspätung aussetzen. Bei dem gesteigerten Reiseverkehr vor dem Feste ist es immer möglich, daß durch irgendwelche Umstände Verspätungen und Anschlußverfehlungen vorkommen. Verspätetes Eintreffen der Sendungen beeinträchtigt aber leicht die Festesfreude bei den Empfängern. Paketseydungen müssen gut verpackt und verschnürt und die Aufschriften haltbar angebracht werden; obenauf in jede Sendung gehört ein Doppel der Aufschrift, damit die Üster- gaben auch dann ihr Ziel erreichen, wenn die äußere Aufschrift verloren gehen sollte. Für Päckchen sollte man nicht schwache Pappschachteln verwenden, die bei der Beförderung leicht eingedrückt werden können. Die Anschrift des Empfängers und des Absenders muß auf allen Sendungen vollständig und deutlich angegeben werden. Leider werden diese Vorschriften noch nicht genügend beachtet, so daß dann die Sendungen beim Verlust der äußeren und beim Fehlen einer Aufschrift in der Sendung weder dem Empfänger ausgehändigt, noch dem Absender zurückgegeben werden können.
klarer Form in S t r a ß e n s ü r d e n Personenverkehr und auf Straßen nur f ü r den Autoverkehr. Und zwar gilt die Regelung nicht nur für das augenblickliche Stadtgebiet, sondern auch für ein erweitertes Stadtgebiet, weil die geplante Umgehungsstraße auch die Randgebiete auf direktem Wege mit dem Stadtsportfeld ver-
Schon sett Jahren besteht in den Kreisen der Leibesübung treibenden Verbände in unserer Stadt, wie selbstverständlich auch in den Formattonen der Partei, die sich intensiv der Leibesübung zugewandt haben, der Wunsch nach einer Sportstätte, die in ihrer Gestaltung den Anforderungen entspricht, die billigerweise zu stellen sind. Seit geraumer Zeit liegen schon Pläne für die Gestaltung dieser großen Gießener Sportstätte vor. Zu einer Verwirklichung konnte es allerdings bisher noch nicht kommen. Die Würfel sind aber auch jetzt noch nicht gefallen. Immerhin tritt nun bet/ Gedanke in ein neues Stadium seiner Entwicklung.
So fand am gestrigen Donnerstagnachmittag im Stadthaus Bergstraße eine Sitzung statt, an der ein Vertreter der Landesregierung teilnahm, die Partei und ihre Gliederungen, die Universität, die Behörden, wie auch Vertreter der Lerbesübung treibenden Vereine waren vertreten. Die Sitzung war allerdings nur informatorischer Charakter zu eigen. Ministerialrat Löb er, der über die Verwirklichung solcher Projekte zu entscheiden hat, konnte infolge von Krankheit nicht teilnehmen. In absehbarer Zeit wird also eine zweite Sitzung tattfiitden.
Oberbürgermeister Ritter eröffnete die Sitzung und wies auf die Notwendigkeit der Schaffung einer großen Sportstätte hin, in der jede Form der Leibesübung Entfaltung finden kann.
Im Mittelpunkt der Sitzung standen die Erläuterungen, die Stadtbaurat Gravert an Hand eines von ihm geschaffenen Planes für diese beabsichtigte Sportstätte gab. Er betonte, daß das Ganze nicht allein eine reine Sportplatzanlage, sondern gleichzeitig eine Erholungsstätte für die Bevölkerung unserer Stadt werden soll. Gleichzeitig aber soll die ganze Anlage auch der Repräsentatton dienen. Außerdem soll sie an Tagen großer Kundgebungen eine Aufmarschfläche darbieten.
Es sind in den vergangenen Jahren schon verschiedene Pläne in Erwägung gezogen worden. Sie mußten fallen gelassen werden, weil eine einwandfreie Erfüllung aller Grundbedingungen nicht zu erreichen war. Das Bauamt hat deshalb den Platz im Wiesecker Tal vorgeschlagen, der unmittelbar dem Amtsgericht östlich vorgelagert ist. Dieser Platz war deshalb vorgeschlagen worden, einmal, weil er vom Zentrum der Stadt aus auf kürzestem und dadurch auf günstigstem Wege zu erreichen ist, und andererseits, weil die Lage am Südhang des Rodt- beraes die gegebene ist, die Frage des Sportfeldes in idealer Weife zu lösen. Außerdem gestattet diese Lage eine günstige Verbindung von allen Seiten, so daß sich bei einer großen Veranstaltung das Publikum nicht auf einer einzigen Straße zum Sportfeld bewegen muß, sondern von allen Seiten her herankommen kann. Dabei war wichttg, daß auch die Frage des Autoverkehrs so gelöst wurde, daß keine Kreuzung mit dem Personenverkehr eintreten kann. Der Anmarsch vollzieht sich also in
Kaiserallee 52;
Ortsgruppe Gießen-Süd: Ortsdienststelle der NSV., Creonersttaße 24;
Ortsgruppe Gießen-Nord: Cafe Leib, Walltor- straße (Vorderhaus).
binden wird.
Ein wesentlicher Punkt für die Anlage war die Frage der Wasserversorgung. Verschiedene Versuche in anderen Stadtteilen hatten ergeben, daß die genügende Menge von Wasser aus natürlichen Wasserläufen nicht vorhanden war und deshalb der Plan an diesen Stellen wieder aufgegeben werden mußte. Es muß nämlich die Möglichkeit be- tchen, an Spitzentagen des Schwimm- und Badebetriebes den Wasserumlauf so zu beschleunigen, daß, unabhängig von der Besucherzahl, stets eine gleich gute Qualität des Wassers gewährleistet ist. Die einzige Wasserquelle, die hierfür in Frage kommen konnte, ist die Wieseck. Sie hat zur Zeit zwar noch nicht die Beschaffenheit, die gefordert werden muß, es ist aber einmal damit zu rechnen, daß die Gemeinde Wieseck Kanalisatton erhält und die Abwässer nicht mehr in den Bach geleitet zu werden brauchen. Andererseits wird durch die Schaffung eines großen Absetzbeckens, in dem alle mitgeführten Bodenteile absinken können, eine einwandfreie Beschaffenheit für das Wasser des großen offenen Schwimmbeckens gesichert. Dazu kommt, daß durch den Einbau einer Filteranlage auch die letzten Bedenken, die gegen das Wasser der Wieseck bestehen könnten, behoben werden. Diese Frage wäre also im wahrsten Sinne des Wortes „geklärt". Das Absetzbecken — es ist eine mehrfache Vergrößerung des gegenroärtigen Teiches an der Schlageterstraße vorgesehen — bedeutet mit seinen 70 000 bis 80 000 Kubikmeter Wasser eine Gewährleistung der Wasserversorgung auch bei stärkster Beanspruchung.
Die Erfüllung all dieser Voraussetzungen war für das Bauamt bestimmend, daß das Projekt für diesen Teil unserer heimischen Landschaft geplant und in eingehenden Entwürfen aus gearbeitet wurde. Diese Entwürfe dürsten sowohl den gerechtfertigten Ansprüchen der einzelnen Leibesübungen, wie auch den dem Erholungsbedürfnis der Bevölkerung durch die gewählten Flächenausmaße für die nächsten Jahrzehnte durchaus entsprechen.
Der Vertreter der Landesregierung wies darauf
auf einen Sieg der Lollarer.
Rüddin gshaufen — Heuchelheims Wenn die Heuchelheimer auch auf fremdem Platze spielen müssen, so sollten sie doch die Punkte für sich buchen können. _ r ,
Alten-Buseck — G r o ß e n - B u s e ck : Dieses Spiel ist als ein Lokalspiel anzusehen. Erst beim Schlußpfiff dürfte das Ergebnis feststehen.
1900 Gießen II. — Garbenteich I. f 1900, als Platzverein, dürfte das Spiel für sich entscheiden.
Steinberg II — Steinbach I.: Nach den in den letzten Spielen gezeigten Leistungen der Steinbacher ist mit einem Siege der Watzenborner zu rechnen.
Hanauer Ringer in Gießen.
Arn morgigen Samstagabend hat der „Kraft- und Sportklub 93" Gießen die bekannte „Eiche"- Mannschaft aus Hanau zu Gast. Es ist dies der erste Verbandskampf in der Gaugruppe Sud, den die Gießener Mannschaft auf eigner Matte bestreitet. Der Kampf, der in der Turnhalle der Alten Pestalozzischule stattfindet, gewinnt dadurch erhöhte Bedeutung, daß Hanau in der Tabelle an erster Stelle steht und die Gießener Mannschaft ersatzgeschwächt in Hanau 15:6 verlor. Diesmal wird der Kampf bedeutend härter, denn sehr wahrscheinlich wird bis auf Unteroffizier Vetter die Mannschaft komplett antreten. Der Kampf ist als durchaus offen zu bezeichnen. Gießen meldet vom Bantam bis zum Schwergewicht folgende Mannschaft: Wedel, Alois Funk, Paul Eder, Adolf Klotz, ~ ' Becker, Gest. Richter und Willi Belloff. kommt die Jugend zu Wort.
Abenteuer in Paris.
Vornan von Hans Hirthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Sügleich verwandelten sich ihre Menen, sie blickte ihn flehend an, ihre schlanken Finger verflochten sich zuckend ineinander. Dann war es, als ob sie bereute, sich für einen Augenblick so vergessen zu hoben. Sie riß sich zusammen.
„Wollen Sie nicht ablegen?"
„Ja, natürlich!" entgegnete Heinz, aber man merkte ihm an, daß er noch damit beschäftigt war, über das Geheimnis ihres Wesens nachzudenken.
Pawla nahm ihm Hut und Mantel ab und ließ beides im anstoßenden Kabinett verschwinden, das sich Armand, wie Heinz wußte, als Schlafstube eingerichtet hatte.
„Ick habe ein paar Kleinigkeiten zum Abendbrot mitgeyracht!" erklärte er und begann Clömencaus Schätze auszupacken.
Pawla blickte ihm staunend zu. „Und das soll alles vertilgt werden?"
„Kein so großes Kunststück, wie Sie anzunehmen scheinen! Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, daß sich noch ein Gast einsinden wird."
„Ach!" sagte sie. Es klang nicht gerade begeistert.
Wenig später kam Armand. Man hörte ihn schon pfeifen, als er noch auf der Treppe stand.
„Ah, Heinz, der Flüchtling von Paris! Sag mal, was sind das für merkwürdige Geschichten? Wie kommt es, daß die Polizei hinter dir her ist? Ein Hochstapler sollst du sein? Ist das wahr? Soll ich den Tag verfluchen, der dich mir zum Freunde gab ?
Es war scherzhaft gesprochen, aber Heinz hörte deutlich eine leichte Beunruhigung heraus.
„Keine Sorge, mein Lieber! Ich hoffe doch, daß dein Vertrauen zu mir groß genug ist, um über solche Zweifel erhaben zu fein.
„Die Auskunft stammt von der Polizei!" beharrte Armand eigensinnig. „Ich bin ein guter Kerl, Heinz, und bilde mir auch ein, sehr großzügig zu denken, aber--"
„Aber mit einem Verbrecher, der von der Polizei verfolgt wird, möchtest du doch lieber nichts zu tun haben." Heinz unterdrückte seine Verstimmung und holte seinen Ausweis aus der Brusttasche. „Vielleicht genügt dir das?"
Armand hatte kaum einen Blick auf den Aus
weis geworfen, da wich feine Spannung einem erleichterten Aufatmen, und der Händedruck, mit dem er fein Mißtrauen gutzumachen versuchte, hatte beinahe etwas Ehrfürchtiges. „Warum ... warum hast du das nicht früher gesagt, Heinz! Du darfit mir mein Mißtrauen nicht Übelnehmen, diese Der- olgung ... es sah so echt und überzeugend aus,
daß wir —"
„Ach richtig, die junge Dame aus Berlin saß ja bei dir! Na, Fräulein Bosch wird auch einen schönen Schreck gekriegt haben, wie?"
„Im Gegenteil, sie hat die Leute von der Polizei insgesamt für Idioten erklärt und hätte sich deswegen beinahe Unannehmlichkeiten zugezogen. Uebrigens wartet sie hier in der Nähe. Sie wollte mit mir heraufkommen, aber ich — tia, das ist nun alles Unsinn. Sie ist sehr besorgt um dich, man könnte fast vermuten, daß sie —"
„Hier wird gar nichts vermutet, verstehst du!" iel ihm Heinz schnell in die Rede. „Hole sie schleunigst herauf, das arme Würmchen muß doch für die ausgestandene Angst entschädigt werden."
Der Maler, der sehr ftoh nxir, daß der Zwischen- all vom Mittag eine so befriedigende Aufklärung gefunden hatte, schüttelte noch einmal begeistert die Hand des Freundes. „Ganz meine Meinung! Es ist eine entzückende junge Dame! — Was sagst du übrigens zu Pawla Werzewna? Ich hoffe, ihr habt euch schon ein bißchen angefreundet. Stell' dir vor, sie ist die Tochter des Großfürsten Fedor —"
„Das weiß ich bereits!" lachte Heinz. Er wandte sich an Pawla: „Der Schwätzer hat seinen Schwindel schon so vielen Leuten erzählt, daß er nun selber daran glaubt."
Armand zog gekränkt den Kops ein und suchte fein Heil in der Flucht.
Heinz schaute Pawla eine Weile beim Tischdecken zu. „Diese junge Dame, von der Armand eben erzählte, kam mit dem gleichen Zug wie ich nach Paris, um ihrem Verlobten, den sie in Gefahr glaubt, nahe zu fein. Gerda Bosch wird Ihnen sicher gefallen."
Pawla gab keine Antwort, aber als sie mit ihrer Arbeit fertig war, wandte sie sich mit einer verlegenen Bewegung dem jungen Manne zu. „Ich ... möchte mich jetzt umziehen und... nach Hause gehen."
Er starrte sie fassungslos an. „Wie? Sie wohnen nicht hier?" Im nächsten Augenblick bereute er die taktlose Frage, denn ihr ganzes Gesicht überzog sich mit einer tiefen Röte
Ms sie das Zimmer verlassen wollte, hielt er sie t zurück, nahm sie an den Schultern und drehte sie
zu sich herum, so daß ihr^zurückgebeugtes Gesicht dicht vor dem seinen war.
„Pawla!" flüsterte er. „Verzeihen Sie mir!"
In diesem Augenblick stürzte Armand mit allen Anzeichen des Schreckens ins Zimmer. Er stutzte, als er die beiden so nahe beieinander sah, für eine Sekunde zogen sich seine Mundwinkel grinsend herab, dann eilte er auf Heinz zu und faßte ihn be- chwörend am Arm.
„Sie ist nicht mehr da!" rief er. „Dabei hat sie mir noch vor zehn Minuten fest versprochen, daß ie auf meine Rückkehr warten würde. Es muß ihr etwas zugestoßen sein!"
„Nanu!" sagte Heinz, ließ Pawla Werzewna tehen und zog den Freund sogleich mit sich fort. „Ich komme mit hinunter. Vielleicht war sie gerade in einen Laden getreten, um etwqs zu kaufen."
„Ich habe nachgesehen. Sie war in keinem der drei Geschäfte, die sich in unserer Straße befinden."
„Na, dann komm! Der Erdboden kann sie nicht verschlungen haben."
Die beiden sausten in einem waghalsigen Tempo die Treppe hinab und hätten beim Verlassen des Hauses beinahe zwei Männer überrannt, die vor der Tür standen.
Heinz erkannte sie sofort. Es waren zwei von den Briefmarkensammlern, die er im „Esplanade" zu bedienen die.Ehre gehabt hatte.
19.
Armand Larusse hatte nicht alles erzählt; denn es war mit Gerda Bosch nicht so glatt gegangen, wie es nach seinen Worten den Anschein hatte. Nach dem Zwischenfall im Speiseraum der „Drei Milchfrauen" hatte sie eine lange Zeit wie betäubt auf ihrem Stuhl gesessen. Jwar hatte sie dem Polizisten gegenüber soeben' ein nannhaftes Bekenntnis ihres Glaubens abgefegt und hatte auch in ihrem Gespräch mit Larusse nichts auf Heinz Stadler kommen lassen, aber in chrem Innern vermochte sie die aufkeimenden Zwe fei nicht zu ersticken.
Sie kannte ja den T ann erst seit einigen Stunden, und wenn sie sich's ehrlich gestand: wie ein harmloser Student sah er keineswegs aus. Wenn er aber einen rechtschaffenen Beruf ausübte — welchen Grund hätte er gehabt, ihn ihr zu verheimlichen?
Dor allem aber blieb a's schwerster Verdacht, daß er beim Eintreffen der Polizei die Flucht ergriffen hatte. Wenn er sich schuldlos fühlte, bann brauchte er nicht wie ein Tagedü b aus dem Fenster zu springen. ’ / .. X
Don solchen qualvollen Gedanken hin unb her gerissen, verbrachte sie Oie ersten Stunden des
Nachmittags, ohne sich zu etwas Entscheidendem entschließen zu können. Endlich versuchte sie sich mit der Ausrede zu behelfen, daß ber Mann sie im Grunde nichts anginge. War es das, wessen ihn die Polizei beschuldigte, dann konnte sie ja nur froh sein, rechtzeitig aufgeklärt worden zu sein. War er aber schuldlos, dann konnte man seine Widerwärtigkeiten zwar bedauern, jedoch nicht ändern.
Für ein paar Stunden ließen sich wohl auf solche Art die Dinge vom Leibe halten, doch dann befiel sie plötzlich das Bewußtsein einer ungeheuren Verlassenheit.
Sie flüchtete aus ihrem Zimmer, dessen Wände' sie zu ersticken drohten, und fand sich zu ihrer eigenen Ueberraschung mit einem Male inmitten des bunten, lärmenden Stromes ber flanierenden Menschen.
Sie versuchte sich dem sorglosen Treiben hinzugeben, vermochte aber doch nicht, den fragenden und drängenden Stimmen ihres Herzens Einhalt zu gebieten,
„Ich muß mit ihm sprechen!'' sagte sie plötzlich ganz laut, so daß ein alter Mann, der gerade vorüberging, sich angesprochen wähnte und ihr durch einen geradezu vernichtenden Blick zu verstehen gab, daß er ein durchaus ehrbarer und gegen alle Verführungskünste gewappneter Mann sei.
Sie kehrte in'ihren Gasthof zurück und erfuhr von Madame Pluchard, daß Stadler vor wenigen Minuten angerufen habe und fi£ sprechen wollte.
Gerda bereute, daß sie das Haus verlassen hatte. „Oh!" rief sie erregt. „Und — hat er gar nichts weiter gesagt, was Sie mir bestellen sollten?"
Madame Pluchard sah das Mädchen von der Seite an und unterdrückte ein Lächeln. „Er sagte nur, daß er kaum vor morgen zurückkommen werde, und Sie möchten sich seinetwegen keine Sorgen machen,"
Das bedeutete viel und nichts. „Ich muß unbedingt heute noch mit ihm sprechen!" beharrte sie, wobei sie sich erinnerte, daß Heinz am Mittag davon gesprochen hatte, daß er am Abend zu Armand Larusse kommen wollte.
„Wissen Sie vielleicht, wo Herr Larusse wohnt?" „Das weiß ich wohl; aber wenn Sie ihn etwa besuchen wollen — das können Sie einfacher haben, denn Larusse pflegt täglich gegen Abend hierher- zukommen, um sich bei einem Schoppen Wein mit seinen Freunden zu treffen. Soll ich ihm Bescheid geben, daß Sie ihn zu sprechen wünschen?"
So geschah es, daß eine Stunde später eine sehr zaghafte, von Herzklopfen gequälte Gerda Bosch an der Seite des Malers der Rue de la Suisse zustrebte. (Fortsetzung folgt.)


