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Aus der engeren Heimat.

Abschied von der Kindergärtnerin in Beuern.

00 BeUern, 23. Dez. Der hiesige Kinder­garten hielt im Saale von Dietrich einen Eltern­nachmittag ab, an dem auch NSV.-Kreisamtsleiter Frank und Organisationsleiter Dünwald teil­nahmen. Die Kindergärtnerin, Fräulein Strube (Tante Gretel"), hieß die Gäste willkommen, sprach kurz, von ihrer Arbeit in Beuern und bedauerte, daß sie nun das Dorf verlassen müsse, um einem Ruf an eine andere Stelle zu folgen. Im Verlaufe der Feier zeigten dann die Kinder eine Fülle der unterhaltsamsten Darbietungen. Vor allem gefielen ein Puppenspiel und die Aufführung zweier Mär­chen, mit denen den Eltern große Freude bereitet wurde. Die Kinder ernteten reichen Beifall. Dann stattete der Nikolaus der Schar einen Besuch ab und ließ es an Geschenken für die Kinder, wie auch für die Eltern, nicht fehlen. Der Kindergärtnerin wurde ein schönes Weihnachtspaket überreicht, und auch ihre Helferin ging nicht leer aus. Beigeordneter Arnold sprach der Kindergärtnerin für ihre auf­opfernde Arbeit herzlichen Dank aus und betonte, daß die Mütter die Einrichtung des Kindergartens sehr zu schätzen wüßten. Der Redner gab davon Kenntnis, daß der bisherige Kindergarten zu einer Dauereinrichtung werden solle. Er wies ferner darauf hin, daß den Kindern im Kindergarten nicht nur Gelegenheit zum Spiel gegeben sei, sondern auch das Verständnis für das Leben in der Ge­meinschaft vorbereitet werde. Er bezeichnete ab­schließend den Kindergarten als einen Hort des Friedens und der Glückseligkeit. Mit dem Wunsche, daß bald in einem neuen und eigenen Hause gefeiert werden könne, fand die Veranstaltung ihren Ab­schluß.

Brand im Norf.

* Sellnrod (Kreis Alsfeld), 23. Dez. Am gestrigen Donnerstagabend brach in dem Grundstück des Landwirts Heinrich Schneidmüller XI. Feuer aus, dem in kurzer Zeit die mit Heu, Stroh und landwirtschaftlichen Arbeitsgeräten ge­füllte Scheune vollständig zum Opfer fiel. Die Flammen griffen auch auf einen Holz­schuppen mit ansehnlichem Vorrat über und äscherten ihn gleichfalls ein. Während der Vieh­bestand an Schweinen, Kühen und Pferden gerettet werden konnte, kamen die Hühner in den Flammen um. Das Wohnhaus und der massive Stallbau konnten gerettet werden. Der Ortsfeuer­wehr gelang es, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Die Ermittlungen über die Brand­ursache sind noch im Gange.

Landkreis Gießen.

00 Klein-Linden, 24. Dez. Eisenbahnan- gestellter i.R. Ludwig Feisel kann am ersten Weihnachtsfeiertag in geistiger und körperlicher Frische seinen 8 0. Geburtstag feiern. Herr Feisel stammt ans Rettighcrusen im hessischen Hin­terland und kam in seinen jungen Jahren nach Klein-Linden. In der Landwirtschaft seiner Tochter beschäftigt er sich noch fleißig. Zwei Töchter, drei Enkel und zwei Urenkel können seinen Geburtstag mit ihm feiern. Am dritten Weihnachtsfeiertag vollendet Fran Marie Langsdorf, geborene Weigel, ihr 8 8. Lebensjahr. <5ie ist die älteste Fran unserer Gemeinde und geistig und körperlich noch recht bei der Hand. Fünf Kinder, dreizehn Enkel und mehr als zwanzig Urenkel können der Jubilarin ihre Glückwünsche über­bringen. Beiden Hochbetagten anch unsere herz­lichsten Glückwünsche zum Geburtstag.

<£ Leihgestern, 24. Dez. Seinen 84. Ge­burtstag kann am zweiten Weihnachtsfeiertag der Grubenbeamte i. R. Johannes Diehl II, Kirchstraße 10 dahier wohnhaft, begehen. Er ist z. Z. der älteste männliche Einwohner in unserer Gemeinde und kann sich einer guten Gesundheit erfreuen. Unseren herzlichen Glückwunsch. v

5 Steinbach, 24. Dez. Am 26. Dezember feiern die Eheleute August Röder und Marga-

rethe, geb. Horn, das Fest der Silbernen Hochzeit. Herzlichen Glückwunsch.

5 Albach, 23. Dez. Durch einen Druckfehler wurde die Nachricht über das Lehrergeschlecht Wagner in Albach und Steinbach unverständlich. Der erste Lehrer Wagner in Steinbach, Joh. Bal­thasar Wagner, stammte aus Großen-Buseck; er kam 1759 von Bisses, wo er vorher als Lehrer wirkte, nach Steinbach und starb 90 jährig am 8.11.1822 in Steinbach. Sein Sohn und Nach­folger Conrad Carl Wagner starb, erst 42 Jahre alt, schon 1813 in Steinbach. Dessen Sohn Jakob Wagner war Lehrer in Albach seit 1820 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1864; er starb 1865; von ihm stammen die heute noch in Albach ansässigen Wagner ab.

Z Albach, 24. Dez. Goldene und silberne Hoch­zeit in einer Familie. Am zweiten Weihnachts­feiertaa, dem 26. Dezember, können die Eheleute Karl Klein I und Anna Maria, geb. Hahn, das Fest der Goldenen Hochzeit in guter Ge­sundheit begehen. Beide sind 74 Jahre alt. Aus ihrer Ehe entsprossen 5 Söhne, von denen zwei im fugendlichen Alter verstarben. Der älteste Sohn Karl Klein II feiert am gleichen Tage mit seiner Gattin Elise, geb. Schwalb, das Fest der Silbernen Hochzeit. Beiden Paaren herz­liche Glückwünsche.

* Annerod, 24. Dez. Der hiesige Landwirt Johannes I n d e r t h a l (aus Rödgen) kann am morgigen ersten Weihnachtsfeiertag seinen 7 7. Ge­burtstag feiern. Er erfreut sich noch aller kör­perlichen und geistigen Frische. Trotz seines hohen Alters kann er sich noch an jeder Feldarbeit be­teiligen. Seit 50 Jahren zählt er zum Kreis der treuen Leser des Gießener Anzeigers. Wir beglück­wünschen den alten Herrn herzlich zum Geburtstag.

wg. Großen-Buseck, 24. Dez Am zweiten Weihnachtstag feiern die Eheleute Heinrich Becker II. und Frau Luise, geb. Pfeiffer, wohn­haft Schloßstraße, in guter geistiger und körper­licher Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Am gleichen Tage feiern die Eheleute Christoph Nicolai II. und Frau Marie, geb. Klinkler, wohnhaft Alten-Busecker Straße, und Julius Wöltge und Frau Marie, geb. Kimmel, wohn­haft (Brünberger Straße, das Fest der silbernen Hochzeit. Den Jubelpaaren auch unseren Glück­wunsch.

A Treis a. d. Lda., 23. Dez. Am zweiten Weihnachtsfeiertag können die Eheleute Wilhelm Mayer und Frau Helene, geb. Michel, das Fest der silbernen Hochzeit feiern. Dem Silber­paar die besten Glückwünsche.

3) Lich, 24. Dez. Im Licher Lichtspielhaus fand, veranstaltet von der Ortsgruppe Lich der NSDAP., die Feier der Dolksweihnacht statt. Nach der Rundfunkübertragung wurden zwei Märchenfilme vorgeführt, die bei den Kindern großen Beifall fanden. Ortsgruppenleiter Kuhn hielt eine kurze Ansprache. Mit strahlenden Augen nahmen die Kinder die Gaben in Empfang.

* Birklar, 24. Dez. Am zweiten Weihnachts­feiertag können Philipp Engel II. und Frau Katharine, geb. Heyer, das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Wir beglückwünschen das Jubel­paar herzlich.

Kreis Büdingen.

< Babenhausen I, 23. Dez. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hielt die letzte Hebung des Jahres ab, bei der gleichzeitig der jun­gen Wehr die neue Uniform übergeben wurde.

Kreis Biedenkopf. '

Erdhaufen, 21. Dez. Die Jahreshauptver­sammlung des Männergesangvereins wurde mit einem Chor ein geleitet. Hierauf er­stattete Vereinsleiter Sturm Bericht über das abgeschlossene Geschäftsjahr. Die aktiven Mitglieder H o f I, Karl Werner und Heinrich Willers­hausen wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Allen Mitarbeitern sprach er seinen Dank aus, insbesondere dem Chorleiter Osthaus.

NSV. schafft frohe Mütter!

Diese Wochen werden mir unvergeßlich sein."

ff

NSG. Zu den vielseitigen Aufgaben des Hilfs­werkesMutter und Kind" in der NSV. gehört auch die Müttererholungsfürsorae. Sie ist nicht nur als Einrichtung geschaffen worden, um erholungsbedürftigen Müttern Genesung zu bringen, sondern um alle gesunden tmb natürlichen Anlagen unserer Mütter zu erhalten und zu pflegen. i)ie Mütterheime der NSV. sind Stätten der inneren Aufrichtung und Ermunterung. Sie bringen den Müttern Stärkung an Leib und Seele, um sie ihren zukünftigen mütterlichen Pflichten zu erhalten und für die Aufgaben innerhalb der Familie stark zu machen.

Der Brief einer Mutter aus Obertiefen­bach im Oberlahnkreis, die mehrere Wochen zur Erholung im NSV.-Müttererholungsheim Fal­kenstein (Taunus) war, gibt ein beredtes Zeugnis von der Wirkung dieses Aufenthaltes. Dankbarkeit und frohe Zuversicht finden in diesen Zeilen eine ehrliche Ausdrucksweise:

Gestern war ich bei Ortsgruppenamtsleiter I. und habe mich bedankt, nun will ich auch Ihnen

danken für die schönen Wochen, die ich im Monat November im Mütterheim Falkenstein verleben durfte. Ich hatte in den drei Wochen drei Pfund zugenommen, und es hat mir sehr gut gefallen, diese Kameradschaft, die unter den 57 Müttern herrschte, war einfach wunderbar. Schwester Grete ist immer munter und fidel, sie ist wie geschaffen, um sorgenvolle Mütter aufzuheitern, an Heimweh toar gar nicht zu denken. Es wurde immer für Abwechslung gesorgt. Ich konnte es gar nicht fässen, daß es das geben konnte, gar nichts arbeiten, sich gar keine Gedanken machen, nicht kochen und doch gut essen; ja, ich habe es tatsächlich erlebt! Diese Wochen werden mir unvergeßlich sein. Ich werde jedem erzählen, wie schön es im Mütterheim der NSV. ist.

Ich danke Ihnen von ganzem Herzen und be­sonders unserem Führer, der so wunderbar auch an die Mütter denkt, denn neu gestärkt und frohen Mutes sind wir in unsere Familie zurückgekehrt mit dem Vorsatz, als deutsche Mütter unsere Pflichten zu erfüllen. Frau D. St."

Aus aller Well.

Todesurkeil an einem Aukofallenräuber vollstreckt.

Berlin, 23. Dez. (DNB.) Am 23. Dezember 1938 ist der am 11. Juni 1917 geborene Wolfgang Stoklosfa hingerichtet worden, der am 21. Dezember 1938 wegen Verbrechens gegen das Gesetz gegen Straßenraub mittels Auto­fallen vom Sondergericht in Hamburg zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehren­rechte verurteilt worden ist. Die Sicherungsverwah­rung wurde angeordnet. Stoklossa, der in dem­selben Urteil ferner wegen einer Reihe von Dieb­stählen, Unterschlagung und unerlaubten Führens einer Schußwaffe bestraft worden ist, hat nachts eine Autodroschke gemietet, sich in eine einsame Gegend fahren lassen und dort den Fahrer mittels vorgehaltener Pistole zum Aussteigen und zur Her­gabe seines Geldes gezwungen und ist dann mit dem Kraftwagen geflohen.

Scheuende Pferde rasen gegen einen Omnibus.

Auf der Reichsstraße NürnbergErlangen streifte ein Personenkraftwagen, beim Vorfahren einen mit Pferden bespannten Leiterwagen, wobei der neben seinem Wagen gehende Kutscher zu Fall kam. Die Pferde scheuten und stießen dann mit einem mit 35 Arbeitern besetzten Omnibus zusammen, dessen rechte Wagenwand durch die Wagendeichsel aufgerissen wurde. Durch den Anprall stürzte der Omnibus um. Ein Arbeiter wurde lebensgefährlich verletzt, vier weitere erlitten leichtere Verwundungen.

Schweres Aulobus-Unglück in England.

Ein schweres Verkehrsunglück ereignete sich am Freitagabend in New Ferry in der Nähe von Birkenhead (Cheshire). Ein Omnibus, der mit Leu­ten vollbesetzt mar, die von ihren Weihnachtseinkäu­fen heimkehrten, kam auf der vereisten Straße ins Gleiten, stieß dabei mit einem Lastkraftwagen und einem* Pferdefuhrwerk zusammen und stürzte um. Ein dem ersten folgender zweiter Omnibus konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und rannte in den umgestürzten Wagen, als herbeieilende Anwohner der Unglücksstelle sich bereits anschickten, die Fahr­gäste des verunglückten Omnibusses zu retten. So­weit bis jetzt bekannt ist, wurden dabei eine Person getötet und 40 schwer verletzt.

Bandikenüberfall auf offener Straße in Paris.

Mitten in Paris überfielen zwei Banditen zwei Angestellte einer großen französischen Bank, erschossen einen von ihnen und raubten dann eine Geldtasche, mit der sie enttarnen. Zwei Männer stellten sich auf offener Straße plötzlich mit vorgehaltenem Revolver den beiden Bankange­stellten in den Weg und forderten sie auf, ihre Geldtaschen, in denen sich IV2 Millionen Franks

befanden, herauszugeben. Als der eine Bankbeamte einen Revolver aus der Tasche ziehen und Wider­stand leisten wollte, wurde er von einem der Ver­brecher erschossen. In der allgemeinen Verwirrung gelang es den Räubern, die Geldtasche des Er­schossenen an sich zu reißen, und damit zu ent­kommen. Die Polizei hat die Untersuchung einge-- leitet, aber von den Tätern fehlt bisher noch jede Spur.

ffidferberidtf

Während eine lebhafte Ostströmung in Deutsch­land die Temperaturen noch allgemein bis minus 5 und minus 10 Grad hält, ist in der Höhe durch Warmluftvorftöße aus Südwest und Südost starke Wärmezunahme eingetreten. Dabei ist über unse­rem Gebiet in etwa 2000 Meter Höhe fast der Ge­frierpunkt erreicht, so daß die noch zu erwartenden Niederschläge nicht unbedingt aus Schnee bestehen müssen. Tauwetter ist dagegen noch nicht zu er­warten.

Vorhersage für Sonntag: Wolkig bis bedeckt, weitere Niederschläge, Fortdauer der meist östlichen Winde.

Lieferant auch Ihrer Krankenkasse

Vorhersage für Montag: Fortdauer des zu Niederschlägen neigenden Frostwetters.

Lufttemperaturen am 23. Dezember: mittags 8,3 Grad Celsius, abends6,6 Grad; am 24. Dezember: morgens 5,9 Grad. Maximum 6,5 Grad, Mini­mum 6,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. Dezember: abends0,7 Grad; am 24. Dezember: morgens0,8 Grad. Sonnen­scheindauer 2,1 Stunden.

Wintersport-Wetterbericht.

Vogelsberg, Herchenhainer Höhe: Schneefall, 10 Grad, Gesamtschneehöhe 15 cm, verweht, Schi und Rodel gut. Hoherodskopf: Schneefall,10 Grad, Gesamtschneehöhe 15 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel gut.

Rhön, Wasserkuppe: Schneefall,9 Grad, Ge­samtschneehöhe 16 cm, Neuschnee 1 cm, Pulver­schnee, Schi und Rodel gut.

Sauerland, Winterberg: Sprühregen,8 Grad, Pulverschnee,

Schwarzwald, Feldberg: Heiter,11 Grad, Gesamtschneehöhe 35 cm, Neuschnee 5 cm, Pulver- , schnee, Schi und Rodel gut.

Der Blaufuchs."

Gloria-Palast.

Das Theaterstück gleichen Namens von He r c z e g, dessen Verfilmung man hier vor sich hat, ist sehr geschickt gebaut und kürzlich als Serienerfolg in Berlin wochenlang gelaufen. Der Film Dreh, buch von K. G. K ü l b ist nicht minder geschickt komponiert und wird zweifellos seinen Weg machen. Vielleicht würde man sich etwas mehr Gedanken über die Voraussetzungen der Fabel machen, wenn weniger gut gespielt würde: so kommt man erst hinterher dazu, sich' zu überlegen, wieviel Phan­tasie ober Gutgläubigkeit es erfordert, sich eine Ehe zwischen zwei Menschen vorzustellen, wie sie hier nebeneinander gezeigt werdey;. es ist nur natürlich, daß diese Ehe ihren letzten Sinn verliert, sobald der Mann auftaucht, der eigentlich legitjmerweise hier­her gehörte. Und man wundert sich abermals, wenn man erfährt, daß beide Männer von Jugend auf herzlich befreundet sind nicht über den Zufall, der da im Spiel ist (im Film und auf dem Theater gibt es noch viel merkwürdigere Zufälle) sondern daß zwei so völlig verschiedene Männer sich so mit­einander verbunden fühlen, daß der Fremde, der von dieser Ehe nichts ahnte, sofort feine Werbung einstellt und sich zurückziehen will, um nicht in die Ehe seines besten Freundes einzubrechen. (Daß es dazu schon zu spät ist, und daß die Bindung zwi­schen den Ehepartnern längst brüchig geworden ist und keiner neuen Belastung mehr standhalten würde, gehört schon nicht mehr in diesen Gedankengang; auch nicht die lustspielhaft glückliche Lösung, die je­weils die richtigen Partner zu Paaren zusammen­führt.) Alle diese Erwägungen werden, mindestens solange der Film läuft, verwischt und überspielt von der darstellerischen Intensität der Zarah Le­an d e r. Sie ist die Frau Ilona Paulus, die ihren Mann verläßt, um dessen Freund zu heiraten; sie spielt ein Abenteuerchen, einen Flirt, ein Spiel mit dem Feuer, eine flüchtige Liebelei, aus der sich, ehe sie es bewußt empfindet, eine große Liebe ent­zündet, eine echte Leidenschaft des Herzens, die keine Bedenken und keine Rücksichten mehr kennt. Man muß sich, um Zarah Leanders Leistung zu wür­digen, die erste Rolle (inPremiere") vergegenwär­tigen, die sie in Deutschland gespielt hat, um die er­staunliche Entwicklung und Entfaltung zu übersehen, die sie in der kurzen Zeit gewonnen hat. Schon damals: eine schöne Frau, aber durchaus konven­tionell; heute spielt sie mit einer Hingabe an das Gefühl, die man selbstvergessen nennen konnte; von ihrer dunklen und meist halblauten Stimme geht

eine Wärme, eine Lockung, ein sinnlicher Zauber aus, der ebenso zum koketten Vorspiel wie zu den spä­teren Szenen paßt, wo es ernst geworden ist und um eine endgültige Entscheidung geht. Wenn man sich der herrlichen Arie ausOrpheus" erinnert, hie sie als Magda in derHeimat" fang, be­dauert man, daß sie hier nichts annähernd Gleich­wertiges zu fingen hat nur die Operettenroman­tik der Pußta und ein Chanson, das an eine frühere Rolle (Zu neuen Ufern") erinnert. Ihr Partner ist Willy Bkrgel; ein ausgezeichneter Partner: er ist diesmal nicht nur ein gut ausfehender, gut angezogener Herr, nicht nur Kavalier und Gentle­man, sondern wirklich ein Liebhaber, ein Liebender, der für diese Frau geschaffen scheint, und dem man von Anfang glaubt und ansieht, wie er sein Herz verliert. Paul Hörbiger behandelt die delikate und nicht übermäßig verlockende Rolle des in mehr als einer Hinsicht ahnungslosen Ehemannes mit so viel Takt und Menschlichkeit und einem Anflug von Humor, daß man ihm dankbar sein myß. Tour- j a n s k y führte mit Temperament und Sinn für natürliche Spannungen Regie. Vom Ensemble sind Karl Schön böck, Jane Tilden und Rudolf Platte heroorzuheden. (Ufa.)

Im Beiprogramm gibt es neben der neuen Wo­chenschau einen ungewöhnlich interessanten Kultur­filmKönnen Tiere denken?" Die Frage wird im wesentlichen negativ beantwortet; die Experimente und die Gedankengänge, auf denen sie beruhen, sind nicht neu, aber es wird für viele Besucher sehr reizöoll sein, aus den übersichtlich photographier­ten Versuchen einen lebendigen Begriff von den Fragestellungen und Methoden der modernen Tier­psychologie zu bekommen. Hans Thyriot.

Merkwürdiges Museum.

Eines der sonderbarsten Museen der Welt ist dasKnochen-Museum" derWestern Reserve University" in Cleveland in Ohio. Diese merk­würdige Sammlung enthält über 3500 Skelette, 3200 von Menschen und über 300 von Affen, un­gefähr ein Viertel des ganzen auf der Welt vor­handenen anthropoiden Knochenmaterials. Den Ske­letten von Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans ist eine besondere Abteilung in diesen Knochen- Katakomben von Cleveland gewidmet. Auf Regalen liegen in langen Reihen die Schädel, während in sorgfältig etikettierten Kästen einzelne Knochen auf­bewahrt werden. Was diese Sammlung einzigartig in ihrem Wert macht, ist nicht nur die große Zahl der vorhandenen Exemplar^ sondern auch die Tat­sache daß der Herkunftsort jedes einzelnen Exem­

plars aufs genaueste eingetragen ist. Die meisten Affenskelette sind von afrikanischen Eingeborenen geliefert durch die Vermittlung von Dr. W. S. Leh­mann, einem Missionsarzt in Kamerun. Die voll­ständigen Skelette werden nach Amerika verftachtet; um sie zu präparieren, bedienen die Eingeborenen sich einer ebenso einfachen wie billigen Methode. Sie fetzen den Kadaver eines erlegten Affen in der Nähe eines Termitenhaufens aus. Wenn sie nach einiger Zett zurückkehren, ist alles Fleisch bis auf die blanken Knochen von den gierigen Infekten vollständig abgefressen.

In einer anderen Abteilung des Knochen-Muse­ums ruhen die Skelette von 3000 ehemaligen Cleve­ländern. Es handelt sich hier entweder um Per­sonen, auf deren Körper nach ihrem Tode keinerlei Verwandte oder Freunde Anspruch erhoben, oder um solche, die ihren Leichnam bei Lebzeiten dem Museum verkauft haben. Gewiß gibt es noch reich­haltigere Sammlungen menschlicher Knochen auf der Welt, aber noch mehr als die anthropoide Abteilung zeichnet sich auch diese Sammlung durch ihre syste­matische Einteilung und sorgfältige Registrierung aus. Zu den meisten der Skelette gehören Tabellen, die Namen, Alter, Größe, Gewicht und andere körperliche Merkmale der betreffenden Person er­kennen lassen, aber in weitestem Maße auch die Krankheiten, an denen sie gelitten haben.

Die Sammlung ist nach drei Hauptgesichtspunkten geordnet: erstens soll gezeigt werden, wie Maße und Formen des menschlichen Knochengerüstes sich durch das Alter verändern, denn die Knochen wach­sen bekanntlich in ganz verschiedenem Tempo. Der Schädel 3um Beispiel erreicht feine volle Größe lange bevor die Beine ausgewachsen sind. Das zweite Forschungsgebiet ist den Unterschieden von Geschlecht und Rasse, soweit sie sich im Knochen­gerüst ausdrücken, gewidmet, während drittens den Einwirkungen der verschiedenen Krankheiten auf die Knochenbsldung besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Hier kann der Forscher mit besonders ein­dringlicher Anschaulichkeit ein Bild von den Fort­schritten der Knochentuberkulose oder irgendeines anderen Leidens gewinnen, da die Sammlung ihm Knochen in jedem Stadium der Krankheit liefert, von ersten Tage ihres Auftretens an so gut wie zehn Jahre nachher.

Umfangreiche Kellergewölbe sind der Sammlung eingeräumt, daneben befinden sich die Forschungs­räume, und ihnen angegliedert ist ein Jnstrumenten- lsger, in dem besonders seine Instrumente zum Messen der Skelette, Schädel und der einzelnen Knochen hergestellt werden. Aus allen Teilen der Welt kommen die Forscher, um das Museum zu besuchen, und mit Stolz weist sein Direktor, Dr.

T. Wingate Todd, wiePopulär Science" be­richtet, darauf hin, daß Mediziner, Anthropologen und Zoologen hier ein einzigartiges Anschauungs­material finden. . C. K'

Zeitschnffen.

Aus der Mode-Schule plaudert die neueste M 0 d e n w e l t" (Deutscher Verlag, Berlin) mit einem Bilderartikel über die neue Pflegestätte deutschen Modeschaffens in Frankfurt a. M. Außer­dem zeigt das Heft schon Neues für den lieber* gang und Winterdirndl, Faschingskostüme, Braut* kleider, Blusen für Vollschlanke, Kinderkleidung und Wäsche und viele Modelle für den Nachmittag und Abend. Dazu bringt dieModenwelt" praktische Modernisierungsoorschläge und als Beilagen einen Handarbeitsbogen und drei Schnittebogen.

Lochschulnachrichten.

Professor Dr. Christian K l u m f e r, der ftühero Ordinarius für Armenwesen und soziale Fürsorge an der Universität Frankfurt, beging feinen 7 0. Geburtstag. Der Gelehrte ist als Verfasser einer langen Reihe von Arbeiten aus benr (Bebtet der Erziehungskunde, der Armenfürsorge und des Fürsorgewesens bekannt geworden. Klumker ist Grün, der des Fürsorgeseminars und des Forschungsinsti­tuts für Fürsorgewesen. 1936 ist er wegen Errei­chung der Altersgrenze in den Ruhestand getreten.

Professor Dr. Adolf Windaus, Direktor des Allgemeinen Chemischen Instituts in Göttin­gen, hat vor kurzem in Paris auf Einladung der französischen Chemiewissenschaftler zwei Vorträge gehalten Im Anschluß an diese Vorträge, die" die Vitaminforschung betrafen, wurde der Gelehrte durch Ueberreichung der Pasteur-Medaille geehrt. Windaus gilt als Schöpfer der neuzeitlichen Vitaminforschung. Es ist ihm in Zusammenarbeit mit englischen und amerikanischen Gelehrten ge­lungen, ein künstliches Vitamin zu erzeugen, das als Heilmittel gegen Rachitis verwendet wird.

Der Privatdozent an der Technischen Hochschule Wien, Pg. Dr. Karl Strubecker wurde mit der vertretungsweisen Uebernahme der Professur für Mathematik an der Technischen Hochschule Wien be­traut. Strubecker, der sich in nationalen Verbänden aktiv eingesetzt hat und bereits während der Kampf­zeit der NSDAP, angehörte, hat sich 1931 an der Technischen Hochschule Wien und 1935 an der Uni­versität Wien habilitiert. Eine seinerzeit nach Karls­ruhe geplante Berufung kam nicht zustande, da man Strubecker als nationalsozialistischen Dozenten nicht aus der Ostmark fortnehmen wollte.