Kultur und Technik.
D.e Unterhaltung wandte sich dann der K u l t u r - Politik in unserem Gau zu. Dabei erwähnte der Gauleiter, daß auch im nächsten Jahr im Ium wieder eine Gaukulturwoche durchgesührt wird, die unter dem Leitsatz „Rasse und Kultur" steht. Während dieser Veranstaltung werde die nationalsozialistische Feier st ätte auf der Loreley feierlich eingeweiht. Nachdem er den weitgespannten Bogen allen schöpferischen Schaffens umrissen hatte, wobei er die würdigen Leistungen der Jetztzeit auf dem Gebiete der Technik neben die der Kultur stellte, kam er auf den Flug - und Luftschiff- Hafen zu sprechen. „Daß sich der Flug- und Luft- schiffhasen Rhein-Main in den letzten beiden Jahren an die führende Stellung des Flughafens Tempelhof heranarbeiten konnte, damit also einen noch größeren Verkehr als beispielsweise Hamburg, München oder Köln besitzt", erklärt der Gauleiter, „beruht nicht zuletzt auf seiner günstigen Lage im großen internationalen Verkehrsnetz. Heute schon hat der Flugverkehr gegenüber den früheren Jahren derart zugenommen, daß die kaum erst fertiggestellten Anlagen des Flughafens bereits zu klein geworden sind. Der Zoll hat bereits ein neues Verwaltungsgebäude in Form eines Vorbaues erhalten, aber nun klagen auch die Post und andere Stellen über empfindlichen Raummangel. Es gab daher keinen anderen Ausweg mehr, als schon jetzt an eine grundsätzliche Lösung der Raumnot heranzugehen und in Zusammenarbeit mit allen Verwaltungsstellen des Flughafens einen neuen Entwurf auszuarbeiten, der allen durchaus berechtigten Beschwerden Abhilfe schafft. Ganz besonders dringlich erscheint dabei die Erweiterung und Vergrößerung des Rollfeldes sowie der Bau einer neuen Flughalle, die in ihren Dimensionen wesentlich größer sein muß als die bereits bestehende. Eine neue große Flugfeldtankanlage ist bereits nahezu fertiggestellt."
Vorwärts im Zeichen der Arbeit.
Nachdem der Gauleiter dann noch die erfolgreiche Tätigkeit der NSKOV-, der von ihm ins Leben gerufenen nationalsozialistischen Beamtenbewegung und der NS-Frauenschaft aufgezeigt und die Zusammenarbeit von Partei und Presse behandelt hatte, erklärte der Gauleiter am Schlüsse der Unterhaltung, daß die Partei nicht nur auf ein arbeitsreiches, sondern auch auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken könne. „Und wie es im Jahre 1938 war", so betonte er, wird es im Jahre 1939 sein. Der Kampf, und dieses Wort Kampf kann allein unsere Arbeit umschreiben, wird weitergehen. Und er muß weitergehen, denn dadurch, daß wir hier im Westen des Reiches durch unsere Arbeit gehärtet wurden, daß wir nicht erst mobil gemacht zu werden brauchten, sondern vom ersten Tage unseres Einsatzes an mobil waren, entstand die notwendige Rückendeckung, um in diesem Jahre Recht dort auszurichten, wo Unrecht Schranken gezogen hatte. Dieser Schritt ins Germanische Reich deutscher Nation wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht durch die jahrelange unermüdliche Arbeit, und wenn sie noch so klein und noch so bescheiden war, wir mit dieser Arbeit nicht zu einer Nation geworden wären, deren moralische Rechtsansprüche auf einem Fundament der Befähigung, einsatzbereites Volk einer Weltmacht zu sein, aufgebaut gewesen wären. Voraussetzung unserer Weiterentwicklung wird immer die Arbeit sein. Deshalb wird sich das kommende Jahr, das siebente des Dritten Reiches, nur würdig an die vorausgegangenen, in denen der Führer das Schicksal des Volkes in sorgenden Händen hielt, anschließen, wenn jeder von uns seine Pflicht erfüllt und arbeitet."
Di? Zahlungen aus öffentlichen Kaffen.
Berlin. 23. Dez. (DNB.) Ein Gesetz über Zalh- limgen aus öffenttichen Kassen entscheidet, daß die öffentliche Kasse das Geld dem Empfangs- b e r e ch t i g t i g t e n an seinen Wohnsitz übermittelt oder auf sein Bankkonto überweist und die Ko st en der Uebermitt- lung der Ueberweisung trägt, während bisher der Empfangsberechtigte in den meisten Fällen das Geld an der Kasse in Empfang zu nehmen hatte oder bei einer Ueberweisung mit den Ueber- weifungskosten belastet wurde. Für Löhne, Gehälter und andere Dienstbezüge hält das Gesetz daran fest, daß sie grundsätzlich an der Dien st- oder Arbeitsstelle in Empfang zu nehmen sind. Die Auszahlung des Lohnes an der Arbeitsstätte wird in der Regel für den Lohnempfänger der schnellste und bequemste Weg sein, um zu seinem Lohn zu gelangen. Er wird daher den Wünschen des Lohnempfängers am meisten entsprechen. Hat der Gehaltsempfänger e i n Bankkonto oder ist die Kasse nicht auf umfangreichen Auszahlungsverkehr eingerichtet, so kann dem Rechnung getragen werden. Bei der Zahlung von Dersorgungsbezügen sowie Leistungen der Reichsversicherung, der Ärbeitslosen- versicherung und der öffentlichen Fürsorge überläßt es das Gesetz dem zuständigen Minister, Anordnungen darüber zu treffen, auf welche Weise diese Zahlungen zu leisten sind.
Ein neues Hebammengesetz.
Berlin, 23. Dez. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt wird ein neues Hebammengesetz veröffentlicht. Damit ist erstmalig ein einheitliches Heb- ammenrecht für das ganze Reich geschaffen worden. Was um so notwendiger war, als sich die Hebammenverhältnisse in den einzelnen Ländern nicht nur sehr verschiedenartig entwickelt hatten, sondern auch vielfach sich ernste Mißstände ergeben hatten. Diese machten sich in der U e b e r f ü l l u n g und Ueberalterung des Berufes sowie einer ungleichmäßigen Verteilung in Stadt und Land bemerkbar und drohten die acburtshilfliche Versorgung der Bevölkerung zu gefährden. Das Gesetz bringt eine neue Regemng, die den erwähnten Mißständen abhelfen soll.
Jeder Frau wird zur Sicherung bester Pflege bei der Geburt die Verpflichtung auferlegt, rechtzeitig für Zuziehung einer Hebamme zu sorgen. Dabei übernimmt der Staat zugleich die Aufgabe, für die Bereitstellung und planmäßige Verteilung einer genügend großen Zahl bestausgebildeter Hebammen Sorge zu tragen. Zu diesem Zweck wird die freie Berufsausübung neben einer besonderen Anerkennung als Hebamme an eine Niederlassungserlaubnis geknüpft, die zur wirtschaftlichen Sicherstellung der Hebamme mit der Gewährleistung eines angemessenen Minde st einkommens verbunden ist. An der freien Hebammenwahl wird dabei im Interesse der Mütter grundsätzlich festgehalten und nur für bestimmte Fälle die Möglichkeit der festen Anstellung einer Hebamme mit Begrenzung
der Berufsausübung Vorbehalten. Entsprechend ihrer besonderen Ausgabe im öffentlichen Gesundheitsdienst werden die Hebammen aus der Gewerbeordnung herausgenommen und in einer Reichshebammenschaft zusammengefaßt. Ergänzende Vorschriften betreffen im besonderen die Aus- und Fortbildung sowie die Berufspflichten der Hebammen.
Neuorganisation
im Reichsarbeitsministerium.
Berlin. 23. Dez. (DNB.) Auf Vorschlag des Reichsarbeitsministers Seldte sind durch Erlaß des Führers und Reichskanzlers die Aufgaben und Befugnisse des Präsidenten der Reichsan- st a l t für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung auf den Reichsarbeitsmini- st e r übergegungen. Im Zusammenhang damtt ist
der Präsident der Reichsnnstalt Geheimer Regle- rungsrat Dr. Syrup zum Staatssekretär ernannt und in das Reichsarbeitsministerium berufen worden. Dem geschäftsführenden Staatssekretär Dr. Krohn bleiben die Hauptabteilungen I (allgemeine Angelegenheiten, Verwaltung. Versorgungswesen), H (Reichsoersicherung, Wohlfahrtspflege, Internationale Sozialpolitik), III (Arbeitsrecht, Arbeitsschutz, Gewerbeaufsicht, Sozialoerfassung, Lohn- und Wirtschaftspolitik) und IV (Siedlungswesen, Wohnungswesen und Städtebau) unterstellt. Dem zweiten Staatssekretär Dr. S y r u p wird eine neue Hauptabteilung V unterstellt, in der die Ministerialabteilung für Arbeitseinsatz, Arbeitsbeschaffung und Arbeitslosenhilfe mit der bisherigen Hauptstelle der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung verschmolzen wird.
Kinderbescherung bei Generalfeldmarschall Göring.
Berlin, 23. Dez. (DNB.) Heber 400 Kinder von Holz- und Waldarbeiterfamilien aus der Schorfheide und von bedürftigen Arbeitereltern aus allen Berliner Bezirken hatten eine bunt bedruckte Einladung von Generalfeldmarschall Göring erhalten, auf der sie „nach Rücksprache mit Knecht Rupprecht" zu der Weihnachtsbescherung im Berliner „Clou" eingeladen wurden. Der Anblick des festlich geschmückten weiten Raumes mit den im hellen Kerzenglanz strahlenden Weihnachtsbäumen, die Gabentische und die Teller mit leckeren Kuchen, das verschlingt der kleinen Gesellschaft beim Betreten des Saales zunächst den Atem. Bei Kuchen und Schokolade fühlen sich aber alle bald wie zu Hause. Heller Jubel durchklang den Raum, als „Onkel Hermann" dann eintraf. Die Bühne des „Clou" war wirkungsvoll verwandelt worden in eine verschneite gebirgige Winterlandschaft mit richtigen Tannenbäumen, im Hintergrund ein täuschend „echter" Frosthimmel mit blitzenden Sternen. „Britta" und „Riecke" traten vor und begrüßten in luftigen Versen „Onkel Hermann", bis sie beide von dem kessen „Fritze von de Plumpe" beiseitegeschoben wurden, der nun „von Mann zu Mann" mit „Onkel Hermann" redete.
Generalfeldmarschall Göring begrüßte dann seine kleinen Gäste herzlich. „Zum Teil seid ihr schon in dem Alter, meine lieben Kinder,", so sagte der Generalfeldmarschall, „um zu verstehen, was
um euch hier vorgeht. Wir haben in diesem Jahre vom Führer ein herrliches Geschenk erhalten: Deutsche Menschen aus dem gleichen Blute wie wir brauchen nicht mehr mit sehnenden Augen zu uns herüberzublicken, auch sie dürfen als freie Menschen die deutsche Weihnacht feiern. Eine gewaltige Großmacht ist aus Deutschland geworden. Immer, zu aller Zeit wollen wir einig sein, ein Volk, das fest zusammenhält", so schloß Generalfeldmarschall Göring und ermähnte die Kinder, später einmal echte deutsche Männer und echte deutsche Frauen 'zu werden. Und nun war der große Augenblick gekommen. Der Weihnachtsmann, vom Staatsschauspieler Albert Florath „ganz echt" gestaltet, hielt seinen Einzug, und der Sturm auf die Gabentische begann. Der Generalfeldmarschall hatte, zusammen mit seiner Gattin und seinen engsten Mitarbeitern, alles sorgsam geprüft und ausgewählt. Kleidungsstücke für die Jungen und Mädel, gutes Spielzeug, bunte Teller mit allerlei Naschwerk und für die Eltern ein reich gefüllter Korb mit Lebensrnitteln lagen auf den Tischen. Jedes der Kinder bekam außerdem noch ein Bild, das Elternpaar Göring mit der kleinen Edda, mit nach Haufe. Während Soldaten die Herrlichkeiten für jeden einzelnen in große Pakete verpackten, ging der Generalfeldmarschall von Tisch zu Tisch und sagte jedem ein gutes Wort.
Oie Volksweihnachtsseier in Berlin.
Hilgenfeldi spricht zu den bescherten Kindern.
Berlin, 23. Dez. (DNB.) Zu Weihnachten sind allein in Berlin an Betreute des WHW. 300 000 Lebensmittelpakete und 100 000 Weihnachtsbäume abgegeben worden. Am Freitag schlug nun für 1 20 000 Kinder bedürftiger El- t e r n die Stunde ihres weihnachtlichen Glückes. In allen Stadtteilen führten die Hoheitsträger der Partei zusammen mit dem WHW.-Beauftragten die Gemeinschaftsfeiern, insgesamt 200, in Berlin durch. Die größte Feier fand im Saalbau Friedrichshain statt. Der Hauptteil dieser Feier wurde über die deutschen Sender ins ganze Reich und damit auch in die 200 Parallel-Veranstal- tungen in Berlin übertragen. An 600 Kinder, die mit ihren Eltern gekommen waren, verteilte hier der Weihnachtsmann seine Gaben. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine Ansprache des Hauptamtsleiters Hilgenfeld, der in Vertretung des erkrankten Gauleiters, Reichsminister Dr. Goebbels, ausführte:
„Liebe Jungen und Mädels! Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes hat euch und eure Eltern heute hierher zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Unter dem Weihnachtsbaum, der in den nächsten Tagen bei jeder deutschen Familie brennen wird, wollen wir gemeinsam deutsche Volksweihnacht feiern. In allen deutschen Gauen sind zu dieser Stunde deutsche Jungen und Madel erwartungsfroh zusammengekommen, wie eine große Familie, deren Kinder aus nah und fern zum Weihnachtsfest ins Elternhaus zurückkehren. Da sind die Eltern, die lange für diese frohe Stunde geplant und überlegt haben, wie sie jedem ihrer Kinder eine Freude bereiten können. Wir heißen sie willkommen — willkommen zu Hause unter dem Weihnachtslichterbaum. So habe auch ich euch und eure Eltern hier zunächst herzlich willkomen zu heißen namens und im Auftrage unseres lieben Dr. Goe b- bels, der leider infolge Krankheit zu dieser Feierstunde nicht kommen kann. Wir gedenken seiner mit den herzlichsten Wünschen für seine baldige Genesung und hoffen, daß er bald wieder völlig gesund ist.
In den Wochen vor dem Weihnachtsfest wird sich mancher von euch gefragt haben: Bin ich während des vergangenen Jahres so gewesen, daß ich vor den gütigen, aber auch strengen Augen des Weihnachtsmannes bestehen kann, bin ich folgsam ge
wesen oder habe ich meinen Eltern auch Kummer bereitet. Denn ihr wißt, daß der Weihnachtsmann nur den beschenkt, der ein solches Geschenk nach seinem Verhalten, feinem Fleiß, seiner Beharrlichkeit, seiner Treue und Bescheidenheit überhaupt verdient. Das Gute soll belohnt werden, das Schlechte aber leer ausgehen. Wenn ich mich hier im Saale umschaue, dann muß ich feststellen, daß der Weihnachtsmann nicht müßig gewesen ist. Reichlich hat er seine Gaben aufgebaut, und er hat mir versichert, daß er gern hierher gekommen ist, eben — weil ihr alle artig gewesen seid.
Aber mit dem Brav fein allein ist es noch nicht getan. Wenn ihr nach unserem fröhlichen Schmaus an der Kaffeetafel, nach Schokolade und Kuchen- essen eure Spielsachen von dem Weihnachtstisch ent gegen nehmen könnt, bann vergeßt nicht, daß wir alle das Weihnachtsfesi so froh und fröhlich nur feiern können, weil einer für uns unermüdlich während des ganzen Jahres sorgt: Unser lieber Führer Adolf Hitler! Seine Gedanken, seine Arbeit gelten dem deutschen Volk, der großen Familie, die er wie ein Vater betreut. Er sorgt damit für einen jeden von euch, auch wenn er euch nicht selbst kennt, ob ihr nun in Berlin wohnt und euch hier in diesem Saal versammelt habt, ob ihr zu Hause leid auf den Bergen ober am Meer, ob ihr in der Stadt ober im Dorf wohnt. Der Führer weiß immer um euch, eure Freude ist auch seine Freude. Auch heute ist er unter uns, wenn wir ihn auch nicht sehen. Besonders wir „Großen" merken das; denn unser Führer hat uns geeint in der großen F a - milie des deutschen Voltes, er hat uns ft art gemacht, daß wir alle Nöte überwinden können, er hat uns froh gemacht, daß wir fröhlichen Herzens unser gutes, alte<5, liebes Fest — unser Weihnachtsfesi — feiern können. Dafür danken wir unserem Führer mit dem Rufe: Unser Führer: Siegheil!
Die Nationalhymnen schlossen die stimmungsvolle Feier. Mit jauchzender Freude begrüßten die Kleinen den Weihnachtsmann, der dann tatkräftig unterstützt durch Hauptamtsleiter Hilgenfeld, Gaupropagandaleiter Wächter, Gauamtsleiter Mähler und Frau v. Schröder von der Reichsleitung der NSV. die Bescherung vornahm.
Frankreich im Zeichen des Zulkerbäckersriedens.
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
E. F. Paris, 23. Dezember.
In der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr geben sich die Pariser nach altem Brauch dem süßen Nichtstun des hierzulande unter der Bezeichnung „Trdve des Confiseurs" bekannten Zucker- bäderfriebens hin, der für das französische Volk in diesem Jahre auch im Zeichen der außen- unb innerpolitischen Befriedung steht. Das Münchner Abkommen hat nach den aufregenden Septemberwochen eine in mancher Hinsicht nicht zu unterschätzende psychologische Umstellung der öffentlichen Meinung zur Folge gehabt, die es der Regierung Daladier, dank ihrer großen Volkstümlichkeit möglich macht, auch die letzten Hindernisse, die sich ihr bei der Durchführung eines Aufbauprogramms noch entgegenstellen mögen, restlos zu beseitigen.
Die am Donnerstag, wenn auch nur mit knapper Stimmenmehrheit, durchgebrachte Ratifizierung der Notverordnungen der Regierung durch das Parlament darf in diesem Zusammenhang als symptomatisch bezeichnet werden, wenn man weiß, daß die münchenfeindliche Opposition der Kommunisten,- Blum-Sozialisten und einer hartnäckig an der Versailler Politik fesihaltenden Reak- | ^n alles daran gesetzt hat, auf dem Wege über die l Bekämpfung der Notverordnungen, die durch den
kläglichen Zusammenbruch des letzten Generalstreikes erlittene Scharte mit Heraufbeschwörung einer Regierungskrise zum Jahresende -wieder auszuwetzen. Ein an die Adresse der marxistischen Störenfriede und ihrer Bundesgenossen gerichteter geharnischter Appell des Bäckersohnes aus Carpen- tras, Daladier, hat genügt, um den Ideologen der einstigen Volksfront und ihrem verzweifelten 808-Nuf einer nationalen Union von Duclos bis Tardieu ausstoßenden Che«s Löon Blum vollends den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Demnach dürfte wohl auch der mit großem Getue für die Weihnachtstage angekündigte außerordentliche Soziali st enkongreß im Sande einer nichtssagenden „Solidaritätserklärung" verlaufen, um so mehr als die Statistiker des marxistischen Gewerkschaftsbonzen Jouhaux die Flucht aus ihren eigenen Reihen nicht mehr verheimlichen können. Die im Sommer 1936 unter dem Druck der Straße und der Sitzstreiks angeheuerten fünf Millionen Mitglieder CGT. sind in wenigen Monaten auf über ein Drittel ihres Bestandes zusammengeschrumpft, und die Tage, da man unter der Losung „Waffen für Barcelona" Massenversammlungen für politische Machtproben einberufen konnte, gehören heute einem unrühmlichen Kapitel der Nachkriegsgeschichte Frankreichs an.
Außenpolitisch steht der diesjährige Zuckerbäckerfrieden im Zeichen der nationalen Selbstbesinnung, aber auch einer gewissen Nervosität. 5)at die durch die deutsch-französische Erklärung vom 6. Dezember endgültige Bereinigung der deutsch-französischen Beziehung einen seit langem aehegten Wunsch des französischen Volkes erfüllt, so bringt die französisch - italienische Spannung trotz der in Pariser offiziellen Kreisen herrschenden Zurückhaltung eine gewisse Unruhe. Man glaubte hier ja, daß mit der Wiederbesetzung des Botschafterpostens in Rom bereits alle zwischen Italien und Frankreich noch schwebenden Fragen gelöst wären. Geschäftstüchtige (Emigranten und übereifrige Chauvinisten tragen z. B. mit einigen, gegenwärtig laufenden Filmstreifen nicht gerade zur Beruhigung der Gemüter bei.
Man darf aber alle diese mehr oder minder glücklichen Versuche, den Franzosen für den angeblichen gefährdeten Bestand des „Imperiums" zu infer- efjieren, nicht allzu tragisch nehmen. München hat eine viel z u tief greifende Wandluüg in dem außenpolitischen Credo der französischen Öffentlichkeit zur Folge gehabt, als daß sich besonders die lebensfreudigen Pariser die Reveillon- feiern der Weihnachts- und Silvesternacht durch schwarze Gedanken verderben würden. Alle Anzeichen, und seien es auch nur die zu den Bahnhöfen strebenden Heere der Winterbegeisterten oder die dem Schlachtmesser zum Opfer fallenden Hekatomben von Truthühnern deuten im Gegenteil darauf hin, daß das französische Volk diesmal den Zuckerbäckerfrieden um so fröhlicher feiern wird, weil er im Gegensatz zu den letzten Jahren wirklich auch der Bringer des inneren und äußeren Friedens zu sein scheint.
Amerika - muß die Wirklichkeit sehen.
N e u y o r k, 24. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der demokratische Bundessenator Reynolds, der soeben von einer sechswöchigen Urlaubsreise durch Europa zurückgekehrt ist, betonte, Amerika müsse seinen Haß gegen die autoritären Staaten a u f g e b e n , sonst werde es eines Tages aufwachen und dabei entdecken, daß fein Außenhandel zum Teu-
Kriimenlī
felunb feine Fabriken geschloffen seien. Amerika brauche Deutschland nicht zu fürchten, höchstens wirtschaftlich. Die Amerikaner müßten endlich ihre Augen und Ohren öffnen und sich darüber klar werden, was in der Welt überhaupt vor- gehe. „Wir sitzen hier und beschimpfen jeden, der anderer Ansicht ist", bekannte Senator Reynolds. Damit kämen die Amerikaner nicht weiter. Sie sollten die Welt vielmehr so sehen, wie sie in Wirklichkeit sei. Hitler habe viel für fein Land getan, zum Beispiel das beste Straßennetz der Welt gebaut. Deutschland und Italien seien blühende Länder, jedermann habe dort Arbeit und genügend zu essen. Besonders Deutschland mache R i e- s e n f o r t s ch r i 11 e. Es fei daher für Amerika höchste Zeit, sich um fein eigenes Volk zu kümmern. Reynolds ironisierte dann die von der Roosevelt-Regierung und der Judenpresse neuerdings propagierte englisch-amerikanische Freundschaft. Wenn England, so sagte er, Amerika feine freundschaftlichen Gefühle beweisen wolle, dann soll es seine Schulden dezah- l e n oder den Vereinigten Staaten wenigstens als Teilzahlung Bermuda oder einen 50 Meilen breiten Landstreifen zwischen USA. und seinem nördlichen Territorium Alaska abtreten.
Diese höchst aufschlußreichen Erklärungen des demokratischen Senators werden in den Zeitungen der ^Bereinigten Staaten bezeichnenderweise entweder totgeschwiegen oder nur verstümmelt und unauffällig veröffentlicht. Daß jedoch die Hetze des amerikanischen Innenministers Ickes von weiten Teilen der anständigen Bevölkerung nicht gutgeheißen wird, geht aus der Baltimore Sun hervor, die schreibt, weder Ickes noch Roosevelt dürften aber vergessen, daß sie keine Privat b ärger seien, und daß Zwischenfälle dieser Art die amerikanische Außenpolitik von der realistischen Ueberlegung auf das Gebiet der Hysterie verlegten. Roosevelt sollte Ickes deutlich klarmachen, daß er strikt innerhalb seines Ressorts zu halten und die Erörterung außenpolitischer Fragen dem Weihen Haus und dem Staatsdepartement zu überlassen habe. Amerika gerate sonst in eine Situation, die es gern vermeiden möchte, nur weil Herr Ickes sein Mundwerk nicht zügeln könne.
Eine bezeichnende Verleihung.
N e u y o r k, 23. Dez. (DNB.) Für seine „hervorragenden Verdien st e" wurde Präsident Roosevelt die amerikanische Hebräer-Medaille verliehen. In der Verleihungsurkunde wird besonders darauf hingewiesen, daß Roosevelt in allen Krisen des internationalen Judentums immer sofort die Initiative ergriffen und bereitwilligstes Entgegenkommen und Verständnis gezeigt habe. Das „Preisrichterkollegium" bei dieser bezeichnenden Prämiierung setzte sich aus einem Ausschuß berüchtigter prominenter Juden zusammen, dem u. a. auch der Finanzgewaltige Bemard Baruch, der Verleger Paul Bloch, die Bischöfe Mann in g und O ' Connell, ferner Henry Morgenthau sen., der Stahlindu- strielle Charles Schwab, der Dirigent Hosea« n i n i und nicht zuletzt der Neuyorker Judenober- Häuptling La Guardia angehörten.
Arbeitslose vor demBuckinghampalast
Landon, 23. Dez. (Europapreß) Vor dem Buckingham-Palast kam es zu einer Kundgebung von Arbeitslosen, die dem König eine Bittschrift überreichen wollten, in der eine zusätzliche Winterhilfe gefordert wird Vor den Toren des Palastes wurden die Arbeitslosen von Polizisten zurückgehalten. Ein Vertreter der englischen 21 rbeitsIofendereinigung wurde dann van einem Mitglied des königlichen Haushalts empfangen, das versprach, die Bittschrift sofort nach Sandringham zu telefonieren, wo die königliche Famifte sich auf- hält. Kundgebungen größerer Arbeitslosengruppen gehören seit vierzehn Tagen 3u den täglichen Erscheinungen in London. Die Arbeitslosen beklagen sich darüber, daß trotz des eingetretenen strengen Winterwetters keine Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung erfolgt ist, sodaß sie sich nicht in der Lage sehen, sich das notwendigste Brennmaterial zu beschaffen. Das Themse-Ufer wird feit Tagen von Arbeitslosen belagert, die das vorübertreibende .5)015 aus dem Wasser fischen.


