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Ur. 301 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

24./25. Dezember 1938

Deutsche Zukunft.

Don Johannes Bühler.

Als die eigentlichen Nachfahren der Germanen gelten w i r D e u t s ch e , obwohl der physischen Ab­stammung nach die skandinavischen Völker, die Hol­länder und, abegesehen von dem keltischen Einschlag, der aber ebenfalls zu den Nordrassen zahlt, die Eng­länder und, abgesehen von dem keltischen Einschlag, hören wie wir. Sicher haben zu dieser Auffassung noch Aeußerlichkeiten beigetragen, wie die Bezeich­nung Deutschlands als Germania in der Sprache Roms und des Mittelalters und als Germany in der englischen Weltsprache. Aber es muß noch einen tieferen Grund haben, daß gerade wir Deutsche von den übrigen Völkern als Germanen gerühmt, ge­fürchtet und geschmäht werden. Was uns in den Augen der Welt und unserer eigenen Empfindung nach zu den Germanen macht, das ist das germa­nische Seelenerbe, genauer die germanische seelische Potenz. Sie ist uns in höherem Grade erhalten geblieben als allen anderen, die gleich uns oder mehr noch als wir Deutsche Anteil haben am germanischen Bluierbe.

Die Dölkergruppe, aus der die Germanen hervor­gingen, und dann die Germanen selbst waren immer bereit und fähig, Kulturgut zu überneh­men, gleichviel, ob sie in eine ihnen bis dahin fremde Welt einbrachen oder ob fremde Kulturwerte zu ihnen kamen. Fand solch eine Kulturbegegnung in großem Ausmaße statt, wie etwa zu den Zeiten der frühnordischen und der germanischen Wande­rungen oder der Christianisierung der Germanen, dann erwuchs dem nordischen und germanischen Menschen aus den Spannungen zwischen der eigenen Kultur und den fremden Kulturelementen eine neue Hochkultur. So entstanden z. B. die grie­chische Kultur und die Kultur des Mittelalters. Im Gegensatz dazu ging der Römer und geht der Ro­mane darauf aus, derartige Spannungen formal zu überwinden und zivilisatorisch auszugleichen. Die römische Zivilisation der Antike und die sog. westische Zivilisation der Neuzeit sind Ergebnisse dieser Be­mühungen. Wenn auch der römisch-romanischen Welt Bewegungen und selbst starke revolutionäre Aus­bruche nicht fehlen, und anderseits die germanisch­deutsche Welt mitunter geraume Zeit in Ruhe ver­harrt, so übertrifft sie die römisch-romanische doch bei weitem an innerer Bereitschaft zu Wandlungen auf allen Lebensgebieten und an Wandlungsfähigkeit.

Am reinsten und stärksten hat sich diese germa­nische Dynamik im deutschen Volke erhalten. Es ist erstaunlich, wieviel davon die übrigen Völker germanischer Herkunft eingebüßt haben, und zwar nicht nur wo sie, wie die ostgermanischen Stämme der Völkerwanderungszeit, in einer andersartigen Kulturwelt aufgegangen find. Auch die Engländer und Skandinavier find schon seit langem nicht mehr so wie die Deutschen Dynamiker. Holländer und Schweizer zeigen überdies, daß selbst bei unmittel­barer Nachbarschaft, ja sogar bei weitgehender Sprach- und Kulturgemeinschaft die Loslösung vom deutschen Staatsgefüge die Seelenhaltung der roma­nischen Zivilisationswelt näherbringt.

Da die großen politischen und kulturellen Um­wälzungen in der Regel alle Staaten eines Kul­turkreises in irgendeiner Form berühren, und da jede der großen abendländischen Nationen ein­mal bei einer unserer Zeitwenden führend hervor- getreten ist, verwischt sich der Unterschied zwischen der Seelenhaltung des deutschen und aller übrigen Völker für eine nur das einzelne ins Auge fassende Beobachtung freilich leicht. Während aber die ande­ren Völker nur von den Bewegungen stärker er­faßt werden, die ihrer Art von vorneherein ent­sprechen, und darum nach Abschluß von geistigen und politischen Revolutionen fast noch dieselben sind, die sie zuvor waren, lassen sich die Deutschen auch von ihrer Art fremden Bewegungen er­greifen und wandeln sich mit dem Umschwung der Epochen stärker als andere.

Gerade aber deshalb bleiben die Deutschen nicht bei denErrungenschaften" einer Epoche stehen. So sind sie stets Wegbereiter, die Dynamiker des Abendlandes. Sie haben, um nur zwei meist wenig beachtete Beispiele anzuführen, zur formalen Aus­bildung der mittelalterlichen Scholastik führend bei- gekragen, ein Deutscher, Albert der Große, hat den gesamten Wissenstoff für die Scholastik be­reitgestellt, und ein Deutscher, Meister E ck e h a r t, ist dann ausgehend von der Scholastik einer ihrer Ueberwinder geworden; ähnlich bat der Pietismus des 17. Jahrhundert durch sein Eintreten für reli­giöse Duldsamkeit die Aufklärung vorbereiten helfen, und ist dann der größte deutsche Philosoph der Auf­klärung, Leibniz, mit seiner Monadenlehre über sie hinausgeschritten.

Die stete Bereitschaft zu neuem Aufbruch, die unablässig kämpferische Auseinandersetzung mit dem jeweils herrschenden Zeitgeist und die große Wand­lungsfähigkeit lassen die Deutschen nicht in einzelnen großen geschichtlichen Leistungen.den Ausdruck ihres ganzen Wesens sehen. Jeder Abschnitt der deutschen Geschichte ist immer noch ein Kampffeld für die deutsche Nation. Was die eine Hälfte als Größe, als Segen rühmt, verdammt und beklagt die andere als Schwäche, als Ausgangspunkt unend­lichen Leides: die Christianisierung der Garmanen, das mittelalterliche Kaiserreich, die Reformation, die Sonderung in Stämme, die kleindeutsche Lösung. Kein Wunder', daß da viele als den Grundzug des germanisch-deutschen Schicksals das Tragische betrachten. Aber Tragik ist keine Lebens­philosophie für ein Volk. Germanische Stämme sind nicht nach Süden gewandert, um dort unter­zugehen, die Germanen haben als Sieger nicht das Christentum angenommen, um das Beste ihres Wesens preiszugeben, die Kaiser haben nicht Italien erobert, um ihre deutsche Köniqsmacht zu zerbrechen, die Reformation wollte nichts weniger als eine religiöse Spaltung des deutschen Volkes herbeiführen, das zweite Reich ward nicht gegründet, um die Stellung des Gesamtdeutschtums in der Welt zu schwächen. Am Beginn jeder dieser Bewegungen stand eine große Hoffnung, und jede bat tatsächlich Großes erreicht. Wenn wir mehr Stürze in die Tiefe als andere Völker er­litten haben, so nur deshalb, weil wir uns öfter als alle anderen zu stotzer und glücklicher Höhe erhoben.

Wir werden nie als Volk zu einer gesamtdeut­schen Geschichtsauffassung kommen, werden nie wie die Italiener, Franzosen, Engländer aus unserer Geschichte Kraft, Freude und Stolz schöpfen, wenn wir einen einzelnen Abschnitt unserer Vergangen­heit, eine einzelne politische oder kulturelle Leistung, einen einzelnen Zug unseres Wesens als die Zeit deutscher Größe, als die deutsche Leistung, als das deutsche Wesen verkünden. Es gibt kaum eine

Epoche der abendländischen Geschichte, während der wir nicht führend mit an der Spitze gestanden wären. Natürlich konnten wir nicht immer auf allen Lebensgebieten zugleich die Ersten sein, aber wenigstens auf einem waren wir es fast stets. Und es gibt kein Lebensgebiet, auf dem wir nicht min­destens einmal die Ersten oder unter den Ersten waren. Sobald wir vom einzelnen, das ja immer von irgendeinem Gesichtspunkt aus umstritten sein wird, uns zu einer totalen und univer­salen Betrachtungsweise aufschwingen, welche die Leistung des gesamten deutschen Volkes in allen Zweigen des politischen und kul­turellen Lebens während des bisherigen Verlaufes

der abendländischen Geschichte als Einheit um­faßt, ilt auch uns Deutschen und uns vor allem die Vergangenheit die beste Gewähr für eine große Zukunft.

Oft werden der deutsche Universalismus und die deutsche Bereitwilligkeit, sich von der Fremde an­regen zu lassen, als unsere größte Gefahr bezeich­net. Gefahrlos sind diese Eigenschaften gewiß nicht, wie ja keine zu überragender Leistung befähigte Veranlagung gefahrlos ist. Da aber die Spann­kraft der deutschen Seele nicht geringer ist als ihre Spannweite, waren für das deutsche Volk die Perioden der Aneignung fremder Kultur­güter und politischer. Einrichtungen jeweils nur

Uebergänge zu einer neuen artgemäßen Kulturblüte und Machtstellung. Seit die Menschheit den bloßen Naturzustand verlassen hat, dessen letzte Spuren wir noch bei den aussterbenden Buschmännern, Drawi- das und einigen südamerikanischen Jndianerstäm- men beobachten können, lösen sich die geistigen Strö­mungen und politischen Gestaltungen in rhythmi­schem Wechsel ab. Die Völker mit einseitiger Be­gabung können nur in Zeitaltern Bedeutendes voll­bringen, die gerade dieser entsprechen. Der germa­nisch-deutsche Mensch hat in jeder Z e i t l a g e Großes und Größtes geleistet. Darum sind wir auch sicher, daß die allumfassende schöpferische Kraft der deutschen Seele jede Zukunft meistern wird.

Einsatzbereites Volk einer Weltmacht.

Ein Rückblick des Gauleiters auf ein erfolgreiches Jahr der Arbeit im Gau Hessen-Nassau.

NSG. Kurz vor Schluß des Jahres hat Gau­leiter Sprenger dem Hauptschriftleiter des Frankfurter Volksblattes", Gustav Staebe, Gele­genheit gegeben, sich mit ihm über den Ablauf von zwölf arbeitsreichen Monaten im sechsten Jahr der Machtübernahme zu unterhalten. Zu Beginn der Unterhaltung kam der Gauleiter auf die Heim­kehr der Ostmärker und der Sudet"en- l ä n d e r zu sprechen. Wer hätte vor einem Jahr geahnt, so führte er u. a. aus, daß nicht nur pro­jektierte Zielsetzungen erfüllt würden, sondern der Wunschtraum aller Deutschen, das Groß- deutsche Reich, in Erfüllung geht. Wie groß die Tat ist, die der Führer in diesem Jahre voll­bracht hat, tönen wir kaum abschätzen. Erst später wird man mit der Ehrfurcht des Jahres 1938 gedenken, die allein Ausdruck fein kann gegenüber der heute kaum faßbaren Wirklichkeit, daß 80 Mil­lionen Deutsche in einem geschlossenen Lebensraum

stellbarem Maße, gesteigert worden. Das Landvolk in unserem Gau hat tatkräftig mitgehol­fen, dem Führer die großen Entscheidungen dieses Jahres zu ermöglichen." Der Gauleiter nannte dann ein paar Beispiele. Die Neubildung deut­schen Bauerntums hat im Gau Hessen-Nassau abermals kräftig gefördert werden können. Fast 1000 Erbhöfe entstanden, an bestehende Betriebe wurden in mehr als 1000 Fällen Landzulagen ge­währt. Dank der restlosen Einführung krebsfester Sorten war im Gau eine ausgezeichnete Kartoffelernte., Die Saatgutversor- g u n g konnte im ganzen Umfange durchgeführt werden. Der F l a ch s a n b a u, .der dem Bauern besondere Opfer auferlegt, stieg von 16 Hektar im Jahre 1933 auf 1090 Hektar im abgelaufenen Jahr. Der Gau besitzt 21 700 Schafe mehr als im Juni und steht mit einer Schafzucht von 145 000 Tieren an erster Stelle im Reich. Im kommenden Jahr

Diese Mobilisierung hat im Gau Hessen-Nassau besondere Maßnahmen zur Festigung der Volksgesundheit erfordert. Der Gau­leiter konnte feststellen, daß durch die Erholungs­fürsorge und die ärztliche Betreuung der Erwach­senen wie der Jugend der Gesundheitszustand in den Betrieben zufriedenstellend ist. In Kürze würden in unserem Gaugebiet die Betriebs­untersuchungen in einer Großaktion anlaufen, bei denen jedem Schaffenden ein Gesund­heitspaß ausgestellt wird. Seit Bestehen des Amtes für Volksgesundheit mürben rund 160 000 Untersuchungen durchgeführt, wobei sich fast alle Aerzte des Gaugebietes ehrenamtlich in den Dienst dieser Aufgabe stellten.

Eine erfreuliche Entwicklung konnte dann der Gauleiter in der Berufserziehungsarbeit der D A F. aufzeigen. Die Zahl der Lehrwerk­stätten und Lehrecken konnte um 52 auf 230 Nach- wuchsbkldungsstätten vermehrt werden. Aber auch bei den erwachsenen Gefolgschaftsmitgliedern wurde der Berufsbildung durch die DAF. stärkste Beach­tung geschenkt. In über 200 Betrieben des Gaues wurden fachliche Vortragsreihen durchgeführt, in denen rund 280 000 Personen erfaßt wurden. Heute steht der Gau Hessen-Nassau, was die Zahl der betrieblichen Uebungsstätten angeht, an der Spitze des ganzen Reiches. Die Gesamt­zahl der von den Berufserziehungswerken 1938 in betrieblichen und überbetrieblichen Uebungsstätten erfaßten Besucher betrug ungefähr 900 000. Hierzu kommen noch die Einrichtungen des Fremdsprachen- Jnternats der DAF. in Hohenstein sowie die wirt- schaftskundlichen Studienfahrten, die weit in das ganze Reich hinausführten und dem Arbeiter selbst im Ausland Gelegenheit zu betriebskundlichen Stu­dien gaben.

Oie Glückwünsche des Gauleiters.

NSG. Zur IBinferf onnenroenbe wie zum Zahreswechsel über­mittelt der Gauleiter den Nationalsozialisten seines Gaues, dem Iührerkorps, wie der gesamten Gesolgschast seine besonderen Dankesgrühe für den restlosen Einsatz in der erfolgreichen Arbeit des nun scheidenden Zahres, sowie die besten Glückwünsche für die kommende Zeit.

Er tut dies auf diese Weise, da die Vielzahl jener, denen dieser Dank und Glück­wunsch gilt, persönliche Schreiben nicht zulätzt, und er bittet auch seinerseits, von besonderen Glückwunschschreiben an ihn abzusehen. ,

zusammenfinden tonnten. Aber dennoch wird es unsere Aufgabe sein, hie heute aufzurütteln, die, ganz zu schweigen von den gigantischen Auswir­kungen, nicht eip mal die Tatsache rich­tig begriffen haben, daß ein germa­nisches Reich deutscher Nation gewor­den ist. Allerdings eins weiß ich, und das las ich bei meiner letzten Fahrt den verhärmten, gefurchten Gesichtern der Sudetendeutfchen ab, daß diese Volksgenossen, was sie auch in ihrem überragenden Treuebekenntnis, ebenso wie die dankbaren Men­schen in der Ostmark, zum Ausdruck brachten, die Stunde der Glückseligkeit begriffen haben. Was diese Menschen an der Grenze wissen, das müssen wir alle im Altreich noch gründlich lernen: Das Begreifen der gigantischen Tat des Führers, dessen Namen unauslöschlich mit dem BegriffGroß­deutschland" verbunden ist.

Oer propagandistische Einsatz der Partei

Die Erfüllung der großen Aufgaben im vergan­genen Jahr machte natürlich einen ft arten pro - pagandistischen Einsatz der Partei notwendig. Die ungeheure Arbeit der Gaupropa­gandaleitung Hessen-Nassau umriß der Gauleiter mit einigen Zahlen, die die gewaltige und mannig­fache Betätigung auf diesem Gebiete ermessen lassem Vom 17.Januar bis 17. März sprachen in 10 3 6 Versammlungen der NSDAP, im Gaugebiet 11 0 Redner. Als der Ruf zur Voltsabstimmung erging, waren es sogar 177 Redner, die vom 22. Marz bis 8. April in 2302 Versammlungen sich an die Voltsgenossen wandten. Nach der Versamm­lungsruhe begann am 22. Ottober eine neue Welle, bei der bis zum 15. Dezember 86 Redner in 2089 Versammlung en sprachen. In diesen Zahlen sind die Einzelveranstaltungen, die in der Zwischenzeit in einer Anzahl von rund 1500 durch- geführt wurden, noch nicht enthalten.Ebenbürtig an diesem Rednereinsatz", so fuhr der Gauleiter fort,schließt sich der Feldzug mit dem P r o p a - gandamaterial an, das zur Voltsab- st im m un g am 10. April 1938 ausgegeben wurde. Es umfaßt: 341 850 Plakate, 5 892 300 Flugblätter, 362000 Faltbroschüren, 620000 Broschüren, 1217500 Wahl-Illustrierte und 4 132 916 Sonderzeitungen. Durch die HauptstelleRundfunk und Film" wur­den zusammen acht Lautsprecher- und Filmwagen bei' den Wahlvorbereitungen in der Ostmark ein­gesetzt.

Oer hessische Bauer in der Erzeugungsschlacht.

Nachdem dann der Gauleiter einen Ueberblick über das Rhein-Mainische Siedlungswerk, das als Ziel und schönsten Erfolg die Zufriedenheit Tausender vcm schaffenden Menschen anstrebt und auch im Jahr 1939 mit allen Kräften den Bau von Siedlungen fördern wird, gegeben und über die Tätigkeit weiterer Aemter der Gauleitung gesprochen hatte, befaßte er sich auf weitere Fragen mit der Erzeugungsschlacht der hessen-nassamschen Bauern. Zu diesem wichtigen Problem erklärte der Gauleiter:Immer und immer wieder müssen die glänzenden Leistungen unserer Bauern und Land­wirte in der Erzeugungsschlacht des abgelaufenen Jahres hervorgehoben werden. Ihnen waren s ch w e r ft e, kaum erfüllbar erscheinende Aufgaben gestellt worden, und sie haben sich __ ich bin wirklich stolz unter Hintansetzung aller persönlichen Wünsche und Interessen für das deut- che Volk in einem Maße eingesetzt, wie das noch nie in Deutschland der Fall war. Dabei darf vor allem nicht vergessen werden, daß gerade der Bauer in unserem Gau durch die Zersplitterung des Bo­dens in kleine und kleinste Betriebe besonders hart zu kämpfen hatte. Dennoch ist überall die Erzeugung, oft sogar in früher kaum vor­

soll die Milchproduktion auf eine Durch­schnittserzeugung von 2800 bis 3000 Kilogramm und die Fetterzeugung auf 106 Kilogramm je Kuh gesteigert werden. Der Zuckerrüben­anbau wird um 800 Hektar und die Zahl der zuckerrübenanbauenden Betriebe um 592 vermehrt werden. Schleppergemeinschaften ermöglichten auch im Gau Hessen-Nassau verstärkten Einsatz von Land­maschinen.

Oas Weinjahr 1038.

Auf die Arbeit der Winzer übergehend, die von Worms bis Koblenz, von Hochheim bis Oberlahn­stein und von der Bergstraße bis Alzey den köst­lichen hessen-nassauischen Wein bauen, führt der Gauleiter aus:Wenn auch das Lefejahr 1938. nicht zu den Rekordjahren gehört, da unzeitiger Frost schweren Schaden anrichtete, so hat doch die sorg­fältige Auswahl der Reben, die fachmännische Pflege und Behandlung des Weines vom Rebstock bis in die Flasche, vor allem aber auch die unentwegte BekämpfungderRebenschädlinge einen allzufühlbaren Verlust verhindert. Wie wichtig der Weinbau im Gau Hessen-Nassau ist, mögen ein paar Zahlen beweisen. Wir verfügen über rund 20 000 Hektar Anbaufläche, 1389 Wein- baubetriebe, davon allein 300 Weingüter. 80 Win­zergenossenschaften geben dem kleinen Winzer die Möglichkeit eine^ auskömmlichen Verdienstes." In diesem Zusammenhang wies der Gauleiter darauf hin, daß, um die Fettlücke schließen zu helfen, 1938 im Gau nicht weniger als in 84 Gemeinden Traubenentkernungsmaschinen aufge­stellt wurden. Das Ergebnis der diesjährigen Trau­benkerngewinnung würde sich auf rund 20 000 Dop­pelzentner belaufen. Auf Grund dieser pbantastischen Zahl bemerkte der Gauleiter, daß er Wert daraus legt, daß diese Art der Fettgewinnung noch in einem viel größeren Maße fortgesetzt wird.

Kampf gegen die Landflucht.

Gauleiter Sprenger machte dann bemerkenswerte Ausführungen über die Landflucht, unter der die Landwirtschaft schwer zu leiden hat.Ich teile", so erklärte er,diese große Sorge mit dem Bauern. Die unerhörte Steigerung unserer Industrie, die Verstärkung unserer Wehrmacht, die Freimachung von Arbeitskräften für die Befestigungen haben dem Land Kräfte entzogen, die es dringend braucht. Ohne diese Kräfte ist die Erzeugungsschlacht des kommenden Jahres nicht siegreich zu gestalten, denn' der Einsatz der ich will sie einmal so nennen landwirtschaftlichen Kerntruppen allein wird nicht genügen und kann es auch nicht, da eine Mehr­leistung unmöglich ist. Weitere tüchtige Hände braucht der Bauer. Der Beruf des Dauern ist schwer, besonders der der Land­frau. So wenig der Frontsoldat seinen Posten im Graben verlassen hat, ebenso wie die Frauen in der Heimat in den bitterschweren Jahren des Welt­krieges ihre Pflicht und Schuldigkeit bis zum letzten getan haben, ebenso muß der Bauer mit seinen Angehörigen und seinen Mitarbeitern jetzt an vorderster Front stehen. Groß sind bereits heute schon die Erfolge der Hitler-Jugend im Kampf gegen die Landflucht. Aber dieser Kampf muß auch von innen heraus geführt werden, vom Landvolk selbst. Wir werden dabei mit allen Mitteln helfen."

Oie Arbeit der OAK.

Die Entwicklung des Arbeitseinsatzes in d e r Wirtschaft unseres Gaues hat dazu ge­führt, daß ein empfindlicher Mangel sowohl an Fach- als auch an Hilfsarbeitern vor allem bei der Bau- und Metallwirtschaft zu spüren'ist.'Um diesen Mangel an Arbeitskräften etwas zu beheben mußte die brachgelegene Arbeitskraft vieler Männer und Frauen in den Arbeitsprozeß eingespannt roeröen.

3m Dienst des Dierjahresplans.

Das Gespräch wendet sich dann den Erfolgen des Vierjahresplanes zu, in dessen Rah­men die Ausgabe gestellt ist, ausländische und in unserem Land knappe Rohstoffe mehr und mehr durch einheimische zu ersetzen.Die AbteilungVier- jahresplan" in der Gauleitung", so führte der Gau­leiter aus,hat im vergangenen Jahr mit unver­änderter Zielsicherheit weiter gearbeitet. Zwar ist es nicht Ausgabe der Partei, selbst Wirtschaft zu betreiben, aber sie hat die Pflicht, Widerstände zu brechen, Doppelarbeit zu vermeiden, planend und helfend Überall einzugreifen und alle Kräfte auf das gemeinsame Ziel auszurichten. So wurde der jahrhundertealte Bergbau unseres Gaues, der auf Grund billigen Auslandbezuges von Erzen fast jede Bedeutung verloren hatte, mit neuem Leben erfüllt. Stillgelegte Gruben wurden in Betrieb genommen, verfallene Schächte wieder hergestellt und vorhandene Anlagen erweitert. Dar­über hinaus wurden planmäßige Bohrungen durch- geführt, um neue Bodenschätze aufzufinhen. Ins­gesamt konnten über 30 Gruben wieder in Betrieb gebracht werden. In Wetzlar und Oberscheld erlebten die Hüttenwerke größere Erweiterungen, und in Bad Ems wurden die Aufbereitungsanlagen vergrößert. Auch den übrigen Industriezweigen wurde jedwede Förderung zuteil, z. 2^ konnte das Holz, ein Hauptreichtum un­seres Gaues, der erhöhten Verwendung von Zell- stoffverwertung zugeführt werden. Weiter hat die weltbekannte chemische Industrie unseres Gaues neue Werkstoffe erzeugt, die an die Stelle von Metallen treten. Darüber hinaus erfuhren die wissenschaftlichen Forschungsinstitute eine weit­gehende Förderung."

Großartige Leistungen der AGB.

Stolze Rechenschaft konnte der Gauleiter über die Tätigkeit der NSV. im vergangenen Jahr ablegen.Es ist erstaunlich", so sagte er,was alles geleistet wurde. Die NSV. unseres Gaues hat mehrere neue NSV.-, eigene Mütter-Er­holungs- und Kinderheime, darunter das für den Gau erste Mutter- und Kind-Heim, sowie das erste NSV.-Heim für werdende Mütter ge­schaffen. Daneben sind über 100 neue NSV.-K i n - bergärten errichtet worden." Obwohl der Gau für die vordringliche Arbeit im Sudetenland be­währte NS.-Schwestern abgeben mußte, sind bet uns noch 121 Schwesternstationen mit NS.-Schwestern besetzt, ebenso zwälfKranken- häuser, in denen die Braunen Schwestern oder die Schwestern des Reichsbundes der Freien Schwe­stern Dienst tun. Im Jahre 1938 sind auch zwei weitere Jungschwesternheime eingerich­tet worden. Der Gauleiter sprach bei dieser Ge­legenheit die Erwartung aus, daß die Krankenhäu­ser, vor allem die der Gemeinden, im kommenden Jahr alles daran setzen müßten, um den erforder­lichen Schwesternnachwuchs unterzubringen. Den finanziellen Schwierigkeiten dürfe dabei keine größere Bedeutung beigemeffen werden, lieber die finanziellen Leistungen der NSV. im Gaugebiet teilte der Gauleiter mit. daß für die Verschickung von Müttern in die NSD.-Heirne, einschließlich der Unterhaltung der Heime im letzten Jahr etwa 500 000 Mark aufgewandt wurden. Für die wirt­schaftliche Hilfe im Rahmen des Hilfswerks M utter und Kind" und die Betreuung der Mütter mit hochwertigen Lebensrnitteln erforderte 300 000 Mark und für die Kindererholungsfürsorge in Kinderheimen wurde ein Betrag von 500 000 Mark aufgewandt, der um die gewaltige Zahl von 1,2 Millionen Mark für die Unterhaltung der im Gaugebiet bestehenden NSV.-Kindergärten über­stiegen wurde.