Ausgabe 
24.12.1938
 
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Weihnacht am andern Ende der Wett.

Ausländskorrespondenten des Gießener Anzeigers berichten.

DieGrschaffungdesAbendsternes

Ein australisches Weihnachtsmärchen.

v. Sk. Sydney.

Es gab einmal einen mächtigen Seekönig, der hieß Rolla-Mano. Ihm gehörte die tiefblaue Süd­see, mit ihren wundervollen Schätzen gleißender Perlen, weißem Meeresschaum und rosaroter Koral­len. In der Meerestiefe herrschte er über ein König­reich von Schatten und merkwürdigen Gestalten, die vom eindringenden Sonnenlicht in grüngrauen Far­ben gebadet wurden. In diesem Geisterland waren Wälder von Bäumen brauner Seealgen, deren lange Arme von der Strömung langsam hin und her bewegt wurden. Dazwischen leuchteten Wiesen von Seegras, fein und weich, wie die Locken von Jung­frauen. Tausende von Gespenstern der Untiefen lauerten im Schatten dieser Wälder. Ein riesenhafter Tintenfisch streckte seine langen verderbenbringenden Arme aus nach Opfern, die sich seinem Bereiche näherten und die er mit seinen glanzlosen Stilaugen erspähte. Ein grauer Hai schwamm behende und ohne bemerkbare Körperbewegung in dem Gewoge der Wasserpflanzen umher, während die in allen Regenbogenfarben schillernden tropischen Fische in allen Richtungen auseinanderstoben, um dem Räu­ber der See zu entgehen. Eine große ungefüge Krabbe kroch unbeholfen seitwärts über den ge­sellten Sand des Meeresbodens, um ihr Versteck hinter einer weißen, knospenartigen Seemuschel auf­zusuchen. Und über allem diesem Treiben wogten die langen braunen Arme der Seealgen. Dies war das Königreich von Rolla-Mano, des alten Herrschers des Meeres.

Eines Tages begab sich Rolla-Mano auf einen Fischzug. Er suchte sich dazu einen einsamen, von Mangroven bestandenen Sumpf am Meeresrande aus. Er hatte Glück und fing viele Fische, die er an seinem Feuer zubereitete.

Als er am Essen war, bemerkte er, daß sich ihm zwei Frauen näherten. Ihre wunderbaren Gestalten waren geschmeidig und anmutig, wie die einheimi­schen Wattle-(Akazien-)Bäume und in ihren Augen schimmerte das weiche Licht der Dämmerung. Wenn sie sprachen, waren ihre Stimmen so weich und zu Herzen gehend, wie der Seufzer und das Säuseln des Abendwindes durch das Schilfrohr am Flusse.

So beschloß denn Rolla-Mano sie zu fangen. Er versteckte sich im Geäst der Mangrove-Bäume und als sie in seinen Bereich kamen, warf er sein Retz nach ihnen aus. Er verfehlte aber eine von den beiden Frauen, denn sie entwich dem Retz durch Tauchen.

Rolla-Mano geriet darob in solche Wut, daß er mit einem brennenden Feuerstab (die Eingeborenen Australiens erzeuaen Feuer durch Reiben von zwei Hölzern) die Geflüchtete verfolgte. Als aber sein brennender Stab das Wasser berührte, stoben die Funken zischend auf und zerstreuten sich über den ganzen Himmel, wo sie bis heute glänzen als gol- dene Sterne am Abend- und Nachthimmel.

Es gelang Rolla-Mano nicht, die Frau, die sich vor ihm durch Untertauchen in die schwarzen, dunk­len Gewässer des Sumpfes zu retten versuchte, zu fangen. Nach langem erfolglosen Suchen kehrte er ans Ufer zurück und nahm die andere Frau zu sich, mit der er später seinen Wohnsitz am Himmel nahm. Man kann sie dort heute noch als Abendstern sehen.

Vom Abendbimmel schaut sie durch den Dunst der Ewigkeit für alle Zeiten auf die stets unruhige See, das dunkle und geheimnisvolle Reich von Rolla-Mano herab.

An stillen klaren Nächten, wenn der Himmel voll ist von Sternen, denken die australischen Eingebore­nen daran, daß die funkensprühenden Himmelslichte durch die Funken des Feuerstabes von Rolla-Mano erzeugt wurden. Der herrliche Abendstern ist aber die Frau, die er im Gestrüpp des Mangrove-Haines sich zu eigen nahm.

Lhrisibaumflraßen in Kalifornien

H. W. Los Angeles.

Während sich jetzt während des kalten Winters in Europa wahrscheinlich viele Deutsche nach der Sonne und dem warmen Süden sehnen, fliegen unsere Gedanken zurück ins Vaterland, wo wir in unserer Jugend so manches traute Weihnachtsfest verlebt haben: Weihnachten fern von zu Hause ist das schwerste Los der Ausländsdeutschen, und die Sehnsucht nach den verschneiten Wäldern der Hei­mat ist umso stärker, wenn man in einem Lande lebt, in dem ewiger Frühling keine rechte Weih­nachtsstimmung aufkommen läßt. In Kalifornien haben die ersten Winterregen nach monatelanger Trockenzeit des Sommers und Herbstes in Berg und Tal ein frisches Grün und Tausende wilder Blumen hervorgezaubert. Aus. den Weinpflanzun­gen werden die letzten Trauben geerntet, japanische Gärtner bringen die ersten neuen Erdbeeren auf den Markt, auf den Apfelsinenplantagen schicken sich die Farmer an, die goldenen Früchte' einzubringen und in der Coachella-Wüste ist die Dattelernte in vollem Gange. Längs der Autostraßen blühen zwi­schen königlichen Palmen wilde Oleander, Rosen, Pelargonien in verschwenderischer Pracht, und nur die schneebedeckte Hochgebirgskette der Sierra Ne­vada, die im Sonnenlicht glitzert und funkelt, er­wähnt daran, daß es Winterszeit ist.

Nun darf man aber nicht glauben, daß Kalifor­nien kein Weihnachten habe. Wenn auch der knir­schende Schnee und das Schellengeläut in den Stra­ßen der kalifornischen Städte unbekannt ist, so hat man es sich nicht nehmen lassen, viele alte schöne Weihnachtssitten hierher zu verpflanzen: Winter wie Sommer ist Kalifornien eins der beliebtesten Ziele für amerikanische Touristen. Um nun die vie­len Fremden auch an der Weihnachtsfreude teilneh­men zu lassen, hat man vor etwa 15 Jahren die Christmas Outdoor Movement begonnen, eine Bewegung, die den Zweck hat, allen Menschen durch Festlichmachunq der Natur das Weihnachtsfest fröh­licher zu gestalten. So sieht man denn heute in den Dezembernächten im Freien Tausende brennender Weihnachtsbäume in -Kalifornien. San Franzisko bat feine erleuchtete Ehristbaumstraße im Golden Gate Park, in Los Angeles brennen die Tannen zur Einfahrt ins Olympische Stadion, und die be­rühmteste Ehristbaumstraße ist die eine Meile lange Santa Rosa Avenue in Pasadena, deren herrliche riesengroße Deodar-Zedern am Fuß der Sierras im bunten Lichterschmuck prangen.

Eine feierlich» Zeremonie findet am 1. Dezember am Hollywood-Boulevard statt, wenn die Filmköni- gm Mary Pickford diese berühmte Straße in Santa Claus Lane" umtauft. Dann flammen Hun­

derte von Weihnachtsbäumen zu beiden Seiten oer Straße auf, und der Weihnachtsmann fährt in einem von kanadischen Renntieren gezogenen Schlit­ten unter einem künstlich erzeugten Schneegestöber durch Hollywood. Selbstverständlich prangen die Länden im Weihnachtsschmuck, Girlanden sind über die Straße gezogen, Weihnachtskonzerte werden durch öffentliche Lautsprecher übertragen, und vor vielen Bungalows und Villen strahlen mit bunten Lichtern geschmückte Bäume oder hängen erleuchtete Kränze an der Haustür. Mit Unterstützung der Handelskammer ist eineOutdoor Christmas Tree Association of California (Weihnachtsbaumver­einigung im Freien) ins Leben gerufen worden, die durch Presse und Rundfunk zum Beleuchten der

der Firma, um Lieder zu fingen. In den Foyers der weihnachtlich geschmückten Hotels, in den öffentlichen Parks und in den Straßen trifft man die Sänger. Vor dem Rathaus in Los Angeles führen alljährlich am Heilig Abend 600 Kinder und 500 Choralsänger ein Weihnachtsspiel auf, zu dem die ganze Stadt eingeladen ist und das mit der Weihnachtsbotschaft des Bürgermeisters eröffnet wird. Aehnliche Fest­spiele, verbunden mit Umzügen, werden in fast allen Ortschaften abgehalten. Besonders eindrucksvoll ist eine Feier, die im General Grant National Park in Zentral-Kalifornien unter den gewaltigen Ur­waldriesen stattfindet. Hier im Schatten des histori- schen General-Grant-Baumes, der 266 Fuß hoch ist und 106 Fuß Umfang zählt, und den die Amerika-

Anbetung 6ct Könige von Manfred Hausmann.

Has Missen von der bunten Melt, vom Meer und feinen jjofen, von Mond und -3tern am Himmelszelt, mir fkrelfen's von den schlafen.

^bir find mit unsrer Sönigsmacht schwermütig hergeritten.

Es schneite auf uns "Tag und Aacht, auf Mann und Pferd und Schlitten.

Hie Mr geht auf, es summt der Mintz, wir beugen unsern Bücken, da wir dos zauberische Sind im Hämmerlicht erblicken.

Hier ifi das Gold, der Meihrauch hier und hier, o Sind, die Myrrhen.

Hu lächelst, und schon fühlen wir, wie wir uns ganz verwirren.

Has Ich, das trotzig sich erschuf über den Andern allen, es will nun wie ein banger Bus im Innersten verhallen.

Mir neigen unsers Alters Gram auf deine kleinen Hände.

And in dem Helgen wundersam geht aüe Hot zu Ende.

Mir hoben anders dich geglaubt. Hun treten wir ins Hunkel und heben ab von unserm Haupt der Sronen Golügefunkel.

Hie Pferde draußen schütteln sich und klirren mit den Glocken, und lautlos wehen strich an Htrich darüberhin die Klocken.

Gärten aufruft. Dabei wird besonders Geraten, lebende Baume zu schmücken, Tannen anzupflanzen, so daß sie jedes Jahr wieder gebraucht werden können, und wo Nadelbäume fehlen oder nicht er­wünscht sind, da prangt eben eine Palme oder ein dorniger Kaktus im Lichterglanz.

Eine andere sehr verbreitete Sitte ist das Ab­singen von Weihnachtsliedern auf den Straßen und öffentlichen Plätzen. So gibt es in Los Angeles allein 225 Kurrende-Gruppen, denen etwa 10 000 Sänger angehören, die in der Weihnachtszeit Ständ­chen bringen. Teils find es Schüler der Volksschulen, Studenten oder Kirchenmitglieder. Ein großes Wa­renhaus hat 70 musikalische Angestellte in kleine Chöre organisiert? Mit Tannenzweigen geschmückte und mit Musikinstrumenten ausgerüstete Geschäfts­autos, darunter mehrere Lastwagen, fahren am Heilig Abend diese Choralsänger zunächst in die Hospitäler, dann zu den Häusern, in denen kranke; Angestellte wohnen und zuletzt zu den Direktoren i

dei den Deutschen im

Sei den Deutschen im chilenischen Sommer.

W. Sz. Santiago de Chile.

Seht, wenn ich in diesen Dezembertagen ans meinem Fenster schaue, dann geht der Blick in einen Garten voller Rosen. Kein Paradies kann eine herrlichere Landschaftskulisse stellen als San­tiago, wenn es dem Höhepunkt des Sommers zustrebt. Guckt mit mir aus meinem Fensterchen! Da breitet sich der satte Rasen, da blüht es in hundert Farben. Und wo das dichte Blattwerk der Aprikosen und Pfirsiche noch einen Blick offenläßt, da seht ihr die Kordillere himmelwärts ragen, über die sich das milde Blau Mittelchiles spannt. Ueher die Kordillere, die auch jetzt im Sommer noch Schnee trägt, geht die Sonne unter. Und dagegen verblaßt dann selbst die Farbenfreudigkeit des Gartens. Wo die Sonne gerade den Schnee weggefreffen hat, leuchtet es steinig schwarz her­über. Dieses Schwarz erhellt sich langsam in allen Farbstufen über Braun und Gelb bis zum schnee­igen Weiß auf den Gipfeln. Und nun saugen sich die Berge voller Feuer, flammendes Rot der un­tergehenden Sonne erstrahlt und verglüht.

Seht, es ist ja auf der andern Hälfte der Erd­kugel so, daß uns die Natur einen andern Rahmen gab für den Alltag wie auch für unsere Feier­tage. Euer Winter ist unser Sommer, eure Nacht ist unser Tag. Aber wir sind auch hier so ganz am Ende der Wett völlig auf das christliche und das nationale Leben verschworen so ties und selbstverständlich wie ihr. So feiern wir Ostern und Pfingsten im Herbst, wir opfern für das Winterhilfswerk im Sommer, der Erntedanktag des deutschen Volkes gleicht bei uns einer Früh­lingskirmes, und jetzt, mitten im Sommer, begehen wir mit euch das Weih nach tssest.

Und wenn ihr nun nochmals mit mir durch mein Fensterchen blickt, so entdeckt ihr unter blü, henden Rosen und reifenden Früchten auch einen

ner den ältesten Weihnachtsbaum der Welt nennen, weil er 4000 Jahre alt sein soll, versammeln sich am 1. Feiertag viele Andächtige aus nah und fern, um in Gottes freier Natur unter diesen tausendjäh­rigen Bäumen den Weihnachtsgottesdienst zu be­gehen, der durch Rundfunk über das ganze Land übertragen wird.

In den acht deutschen Kirchen von Los Angeles finden natürlich deutsche Weihnachtsgottesdienste statt- und in den Vereinen der deutschen Kolonie hält der Weihnachtsmann seinen Einzug. Viele un­serer deutschen Familien, denen das subtropische Klima und die blühende Natur nicht die rechte Weih­nachtsstimmung aufkommen läßt, fahren hinauf ins Felsengebirge, nach dem verschneiten Yosemite ober dem Großen Bären-See, wo man wohnliche Block­hütten für geringes Geld mieten kann, um in der winterlichen Hochgebirgslandschaft das Fest zu be­gehen.

chilenischen Sommer.

Tannenbaum. Gleichsam als wüßte er, daß er mm für einige Tage seinen Platz im Garten mit dem Platz im weihnachtlich geschmückten Zimmer zu tauschen hätte, hat er sich prachtvoll herausgeputzt. Fri'sche Triebe in leuchtendem Grün schmücken ihn so festlich wie daheim Lametta und bunte Weih­nachtskugeln. Und steht er erst einmal im Zimmer, leuchten dann die Kerzen, herrscht auch hier tiefe und echte Weihnachtsstimmung. Das Deutschtum Chiles lebt wie eine große Familie zusammen. Weihnachten ist das schönste Fest dieser großen Familie, deren Sprosse überall an der 4000 Kilo­meter langen Pazifikküste leben, in jenem langen Streifen Land, das Chile heißt: Im Süden, um Valdivia, Osorno, Temueo, im Seengebiet des Llanguihue in den geschlossenen deutschen Sied­lungen, in den Großstädten Santiago und Valpa­raiso als Kaufleute, Handwerker, Industrielle, Lehrer, Wissenschaftler, im Norden schließlich als Techniker, Verwalter und Ingenieure in den Berg­werken und der einsamen Salpeterwüste. Für die Chilenen ist das Weihnachtsfest dieNoche Buena", die nach spanischer Sitte gefeiert wird, recht fröh­lich und manchmal auch etwas ausgelassen, mit einem guten Trunk und einer Gans oder einem Truthahn auf der Festtafel. Die Bescherung der Kinder pflegt später, am Heiligen-Drei-Königstag, zu erfolgen. Aber wie überall im Leben Cbiles, so trägt auch die Weihnachtsfeier Züge, die sich nur aus dem engen Zusammenleben mit dem Deutsch­tum erklären lassen: Schaufenster sind weihnachtlich geschmückt, wie öaheim, und auch der Weihnachts­mann, derDiejo Pascual" ober derPapa Noel", hält seinen Einzug. Ja, die schöne Sitte, unter dem Weihnachtsbaum zu feiern, hat auch viele chile­nische Familien erobert. So ist auch der Chri'st- album in' den Handel gekommen und eifrig ge­fragt, auch wenn feine Pflege in diesem heißen Land immer viel Mühe erfordert und ein Weih­nachtsbaum mehr kostet als ein herrliches Weih­nachtsmahl.

Mit viel Liebe wird die deutsche Weibnacht in Chile vorbereitet; alle sollen an diesem Fest teil­

nehmen, auch jene, die das Schicksal einsam ließ und die auch in der neuen Heimat fein irdisches Glück finden konnten. Manch einer ist darunter, den das Leben vom Deutschtum entfremdete, dessen Kinder spanisch als Muttersprache lernten. Das Deutschtum hat sie jedoch nicht aufgegeben. Das Weihnachtsfest wird schönster Ausdruck dafür, wenn etwa die Fürsorge diesen Kreis zur gemeinsamen Feier unter dem Christbaum versammelt. Man muß dabei gewesen sein,, wie hier ein deutsches Weihnachtslied erschüttern kann, das unter Tränen von Männern gelungen wird, die das Deutsche fast verlernten, um die Kraft zu ermessen, die von so hohen christlichen Feiertagen für das deutsche Volkstum in Uebersee ausstrahlt.

Vom allen deutschen Weihnachtsgebäck.

Das Weihnachtsgebäck ist von unserem deutschen Weihnachtsfest nicht fortz^benken. Es versüßt uns schon bie ganze Abventszeit. Fast jebe Lanbschaft hat ihre besondere Spezialität, und die Rezepte dazu sind oft jahrhundertealt. Sie wurden früher von den Kuchenbäckerzünften der einzelnen Städte eifersüchtig gehütet, und so führen sie auch heute noch die Namen ihrer Herkunft. Nürnberger Leb­kuchen, Thorner Katharinchen, Dresdener Stollen, Aachener Printen haben sich die ganze Welt er­obert.

Der Ehr ist st ollen ist vielleicht die älteste und am weitesten verbreitete Form des Weihnachts­gebäckes überhaupt, wenn es auch mannigfache Formen und Namen gefunden hat, vom einfachen, länglichen, stark gewürzten und etwas gesüßtem Brot bis zum raffinierten Dresdener Backwerk. Schon der Presbyter Alfso berichtet um 1400 von einem bestimmten Weihnachtsgebäck, einem großen, langgeformten Weißbrot, das gesäuert wurde,da­mit es schmackhafter werde", während damals das gewöhnliche Brot noch ungesäuert war. In der Lausitz und 'm Schlesien werden dieStriet- z e l n " mit Mohn gefüllt, in Schwaben ißt man Hutzelbrot, im bayerisch-österreichischen Gebiet das Klözenbrot. Hutzeln und Klözen sind Ausdrücke für gedörrte Birnen, denn der süddeutsche Christstollen hat zumeist eine Füllung von Birnenschnitzen, Nüssen, Feigen und dergleichen. In Nordschleswig und Nordfriesland hingegen gibt es Knoppelkoken, Halligknecker und die auch in Mecklenburg bekannten Kindjespoppen. In der Lüneburger Heide heißen die Stollen Kannieeskoken, und den Kindern wird erzählt, daß bas Christkind und bie Englein selbst dafür den Ofen Heizen, weshalb benn auch ber Himmel gegen Abend vor Weihnachten so schön rot leuchtet.

In Westfalen ist ebenso wie im nahen Holland das bodenständige Weihnachtsgebäck ganz flach und hart geworden der berühmte Spekulatius. Im Osnabrückschen heißt das GebäckKlaus- kerls" und soll von dem Nikolausbrot her- stammen, das die Holländer bereits im 17. Jahr­hundert ins Meer warfen, um die stürmischen Fluten zu besänftigen. Jedenfalls weist der Speku­latius sich durch seine phantastischen Formen, die kllerhand Menschen- und Tiergestalten zeigen, deut­lich als Gebildbrot aus. Man hat ja sogar im Christ­stollen eine Art Gebildbrot sehen wollen, und zwar soll die lange schmale Gestalt das von Windeln umwickelte Christkinb barstellen. Jakob Grimm meint in seiner Mythologie, baß die ben germa­nischen Göttern geheiligten Tiere in Teig geformt und von den Frauen in ben Tempeln gebacken würben. In Schweden wurde noch in neuerer Zeit dem Weihnachtsgebäck die Gestalt des Jul-Ebers ge­geben. In vielen deutschen Landen haben die ge­schnitzten Holzformen zum Kuchenbacken, die sich seit alten Zeiten fortgeerbt haben, ausgesprochene Gebildformen. DieHanselmänner" und Springerle" in Schwaben zeigen menschliche Ge­stalt, die märkischen P e r e k e n " stellen Pferde und andere Tiere dar.

Wenn der Stollen ober Strietzel in seiner Urform nur ein besonders gesüßtes und gewürztes Brot war, so bildete beim eigentlichen Pfefferkuchen von jeher Honi'g den Hauptbestandteil, den das Land ja in reicher Fülle lieferte. Ausländische Ge­würze kamen zuerst in den Städten dazu, die an der großen Handelsstraße nach Italien lagen, von wo Mandeln und Zitronat, aber auch so exotische Dinge wie Pfeffer und Zimt leichter eingeführt werden konnten Auch Marzipan ist auf dem Umweg über Italien nach Deutschland gekommen. In Lübeck ist seine Herstellung seit 1407 urkundlich belegt Marzipan galt früher als Luxus, der auch unter die entsprechenden Luxusverbote fiel. Ander­seits galt es als Liebeszauber, worauf noch die Der­breitete Form des Marzipanherzens hinweist. In einer der simplizianischen Erzählungen Grim- melshaufens, demwunderlichen Vogelnest", bereitet der Apotheker Marzipan und verkauft es als Liebesmedizin, worauf schon die Ausschmückung hindeutet, die aus flammenden, pfeilgeschmückten Herzen besteht und aus Auftchriften wie:Mein Lieb und Treu / wird täglich neu." In seiner 1542 in Augsburg erschienenenKellermeisterei" erwähnt es Ryfs unter dentrefflichen und wohlschmek- kenden Küchlin oder Fladen, die Kranken, welche alle Speis zuwider ist, damit aufzuhalten." C. K.

Rudolf Heß spricht Heiligabend um 21 LKr.

Berlin, 23. Dez. (DNB.) Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, spricht, wie alljährlich, am Heiligen Abend von 21 bis 21.20 Uhr über den Reichsrundfunk zu den Deutschen in aller Welt. Die Ansprache wird von allen deutschen Sendern übertragen und mit Richtstrahler des Deutschen Kurzwellensenders nach Afrika, O st asien,Amerika und Australien gesen­det. Wie dieNationalsozialistische Parteikorrespon­denz" erklärt, wird der Stellvertreter des Führers in feiner Weihnachtsansprache eine besondere Eh r u n g ber beutfeben Mütter ankündigen. Die italienischen Sender übernehmen die Rede um 22.30 Uhr.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum­schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigenTeil.ErnstBlumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. XI. 38: 10718. Druck und Verlag: Brühlsche Umversitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu­strierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr 4 vom 1 September 1937 gültig.