Rr.275 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag, 24. November (YZ8
Lope de Vega: „Das Weib des Andern." Uraufführung am Gießener Stadttheater
Mit der Uraufführung des dreiaktigen Schauspiels „Das Weib des Andern" von Lope de Vega knüpft das Gießener Theater an eine 1935, zum 300. Todestage des spanischen Nationaldrama- tikers, mit dem „Stern von Sevilla" begründete Tradition an; im vorigen Jahre folgte, zur Feier Les 375. Geburtstages, „Die kluge Närrin". Wir haben beide Male an die seit jeher bestaunte dichterische Fruchtbarkeit Lopes erinnert, die sich vor allem in der nahezu unvorstellbaren Zahl der unter seinem Namen überlieferten Schauspiele ausdrückt: sie läßt es begreiflich erscheinen, daß es bei Lope dreihundert Jahre nach seinem Tode noch Entdeckungen zu machen gibt. In seinem Gesamt- werke sind die Grenzen so weit gezogen, daß zwei so völlig verschiedenartige, ja einander entgegengesetzte Stücke wie die „Estrella" und die „Närrm leicht darin Raum finden. Was „Das Weib des Andern" betrifft, so scheint es, auf den ersten Blick, wiederum mit jenen kaum etwas gemein zu haben; es erweist sich indessen, daß Motive aus beiden auch hier eine entscheidende Rolle spielen.
Die Fabel ereignet sich 1406 in Ocana und Toledo, doch erscheinen weder Ort noch Jahreszahl für den Vorgang von tieferer Bedeutung. Dem durch einen Sturz vom Pferde verletzten Komthur von Ocana wird im Hause des eben vermählten bäuerlichen Paares Pedro und Casilda die erste Hilfe zuteil. Kaum aus der Ohnmacht erwacht, verliebt sich der Komthur rasend in die junge Bäuerin -und lohnt die ihm gewährte Pflege sehr übel, indem er, wieder genesen, Casilda heftig nachstellt. Mit reichen Geschenken hofft er beide zu blenden, und als Pedro in Geschäften nach Toledo reist, versucht er bei Nacht verkleidet in Casildas Kammer einzudnn- gen. Da dieser Plan, wie es in der Nachdichtung heißt, „an ihrer strengen Tugend" scheitert, macht der Komthur als Lehnsherr Pedro „mit arger List zum Hauptmann über hundert Bauern und schickt ihn „mit Gott und für Kastiliens Ruhm in königlichen Kriegsdienst nach Toledo. Pedro, durch em Bild, das der Komthur heimlicherweise von Casilda malen ließ, argwöhnisch gemacht, kehrt in der Nacht nach Hause zurück und kommt eben recht, den Komthur niederzustoßen, ehe der Casilda Gewalt antun kann. Eine Base Casildas und ein Diener des Korm thurs, die dessen schlimmen Absichten kupplerisch
Vorschub leisteten, fallen ebenfalls unter Pedros rächenden Streichen. Pedro flieht mit Casilda, stellt sich aber dem König, als er vernimmt, daß ein Preis auf feinen Kopf gesetzt sei. Der König ist, nach Pedros freimütigem Geständnis, von dessen gerechter Sache überzeugt: „Du hast des Hauses Würde dir gewahrt und deine Ehre mit dem Schwert verteidigt" — spricht ihn frei und macht ihn zu seinem Hauptmann und Ritter.
Man sieht: die Liebe, mit der in der „Närrin" nur ein heiteres Derwechslungs- und Derwand- lungsspiel getrieben roirb, ist hier in ihrer tiefen, durch die Ehe geheiligten Würde und Reinheit begriffen. Wie im „Stern" ist es der König, der der beleidigten Ehre ihr Recht zuerkennt, auch wenn es sich nicht wie dort um einen Edelmann, sondern um einen schlichten Bauern handelt. Der Edelmann ist hier, wie im „Stern" der König, Verletzer der Ehre, dem für seine Tat der Tod gebührt; König Heinrich III. von Kastilien hingegen nur oberster Richter, nicht, wie jener König Sancho im „Stern" selbst in die leidenschaftliche Tat verstrickt. Dem Komthur wiederum fehlt die Unantastbarkeit, die nach der altspanischen Vorstellung den König noch im offenbaren Unrecht jeder Herausforderung oder gar Bestrafung entzieht.
*
Wie Liebe und Ehre in ihrer Unverletzlichkeit die ethischen Grundbegriffe sind, aus denen die Handlung ihre dramatische Aktion gewinnt, so sind Mantel und Degen, wie im „Stern von Sevilla", auch im „Weib des Andern" die typisch spanischen Requisiten, die einst einer ganzen Dramengattung den Namen gaben: im Mantel vermummt, versucht der Komthur nächtlicherweile unerkannt bei Casilda einzudringen; und mit demselben Degen, den der Komthur dem Pedro zum Zeichen seiner Bauernhauptmannswürde umgürtet, stößt Pedro wenig später als Rächer seiner Ehre den Komthur nieder, dessen hinterhältiger Plan an die alte biblische Geschichte von Bathseba, dem Weibe des Hethiters Uria, erinnert.
♦
Das Schauspiel ist, wie seine beiden hier uraufgeführten Vorgänger, von Hans Schlegel zum ersten Male aus dem Spanischen („Perybanez y el Comendador de Ocana“) übersetzt und in deutschen Versen nachgedichtet worden. Schlegel, der sich mit seiner Arbeit unbestreitbare Verdienste um eine Lope-de-Vega-Renaissance erworben hat, folgt der Vorlage, soweit wir dies zu beurteilen vermögen, mit feinsinniger Einfühlung in die altspanischromantische Welt. Daß das Schauspiel zwar un-
Die Aufgabe -er Bauernführer.
Oskar E. Hartl schreibt über diese wichtige Arbeit für unsere Volksgemeinschaft im Nationalsozialistischen Gaudienst der Gauleitung Hessen-Nassau folgendes:
Mit der feierlichen Eröffnung der Führerschule für ehrenamtliche Bauernführer der Landesbauern, schäft Hessen-Nassau in Bad Soden (über die wir im „Gieß. Anz." Nr. 272 vom 21. November berichteten. D. Schrifltg.), ist eine weitere Möglichkeit für die Heranbildung des bäuerlichen Führernachwuchses geschaffen worden. Dem Bauernführer erwachsen durch die Sonderheiten des bäuerlichen Werkes besondere Aufgaben. Wenn er ihnen gewachsen sein soll, muß er mit allem persönlichen und fachlichen Rüstzeug versehen werden, das er zur Bewältigung der vielen Fragen braucht, die täglich an ihn herantreten und seinen Einsatz fordern.
Der Begriff des Führertums in seiner vollen Verantwortlichkeit mar den sog. „Bauernführern" der Systemzeit ebenso fremd, wie dem ganzen Liberalismus überhaupt. Es gab kaum einen unter ihnen, der diese persönliche Verantwortung nicht weit von sich gewiesen hätte. Es war viel bequemer, sich hinter der „Verantwortlichkeit" irgendeines Mehrheitsbeschlusses $u verschanzen, denn den konnte wohl kaum jemand tn einer vielleicht etwas unangenehmen Weise beim Wickel nehmen und zur Rechenschaft ziehen. Es ist ganz gut — und vor allem auch für unser Landvolk — wenn man sich wieder einmal dieser Zeiten erinnert Denn heute sind wir der Ansicht, daß ein Mann, der für andere beschließt und handelt, auch voll und ganz dafür einzustehen hat. Den Männern, die bis in die kleinsten Lebensbereiche des Volkes Tag für Tag als nationalsozialistische Führer am Umbruch der Zeit Mitarbeiten, bleibt diese Verantwortlichkeit nicht erspart. Sie ist ein Gesetz ihrer Arbeit. Und dieses Gesetz gilt in stärkstem Maße auch für das Führerkorps des Landvolks. Daß diese bäuerlichen Führer oft einen recht schweren Stand haben, ist leicht verständlich. Denn es ist ja schließlich bekannt, daß die Landwirtschaft an der allgemeinen Einkommensteigerung der übrigen Wirtschaft vergleichsweise nur wenig Anteil batte und das Verhältnis der Produktionskosten der Landwirtschaft zu den Erlösen ihrer Arbeit einer grundsätzlichen Lösung bedarf. Die Bäuerin ist so sehr überlastet, daß diese traurige Tatsache fast schon sprichwörtlich geworden ist. Die Landflucht birgt für das ganze Volk sehr ernste Gefahren in sich. Das alles sind die schwerwiegenden Fragen, mit denen sich jeder Bauernführer, von den Spitzen des Reichsnährstandes bis ins kleinste Dorf hinab, immer und immer wieder befassen muß. Niemand wird bezweifeln, daß dies oft keine leichte Aufgabe ist. Um so wehr muß dabei die Allgemeinheit, nicht nur das Landvolk allein, hinter dem Bauernführer stehen und Verständnis für seine Arbeit und ihre Zielsetzung aufbringen.
Jeder Volksgenosse weiß heute, welche wichtigen Ausgaben das Bauerntum im nationalsozialistischen Staat zu erfüllen hat. Dam ist aber auch in menschlicher wie in praktischer Hinsicht' immer wieder eine gewaltige Erziehungsarbeit in den Millionen des deutschen Landvolks notwendig. Der Lberalismus sagte zwar Bauer, aber er meinte damit einfach nur den Besitzer eines mehr oder weniger großen Stück Landes und eines Hofes. Er hielt'es für ganz in der Ordnung, diesem Bauer zu sagen, daß er mit seinem Land machen könne, was er nur wolle, daß er seelenruhig damit handeln dürfe, wie mit irgendeiner Ware. Ob die Familie vielleicht schon jahrhundertelang schollenverbunden c f dem Hose saß, war dem Liberalismus völlig gleichgültig. Vom Blut, vo'n den rassischen und bevölkerungspolitischen Aufgaben des Bauerntums war bei diesem „wirtschaftlichen Denken" mit keinem Wort die Rede. Und heute kann man nur immer wieder eindeutig feststellen, daß dieses wirtschaftliche Denken entweder bodenlos dumm und leichtfertig ober absichtlich irre-
leitenö war, um dadurch unsere völkische Lebenskraft zu vernichten.
Heute hat das Landvolk wieder seine naturgegebenen Aufgaben. Es soll einmal die ihm obliegenden wirtschaftlichen Erfordernisse erfüllen, das heißt also, unsere Ernährung sichern. Niemand weiß besser als das deutsche Volk, welche gewaltige politische Bedeutung dieser Kampf um unsere Nahrungsfreiheit hat. Die Erzeugungsschlacht und die Marktordnung stellen hohe Anforderungen an die Tatkraft und die Leistungsfähigkeit des Führerkorps des Reichsnährstandes. Damit allein ist aber die Bestimmung des bäuerlichen Lebens noch nicht erfüllt. Es ist eine oft wiederholte Binsenwahrheit, daß ein Volk ohne Geburtenüberschuß langsam zugrunde geht. Wir waren vor 1933 bereits auf dem abwärts führenden Weg. Und wenn damals das Bauerntum allein noch eine günstige Geburtenziffer hatte, muß es auch jetzt in der neuen Jung- roerbung unseres Volkes an erster Stelle stehen. Es hat die Pflicht, aus der Verwurzelung der Scholle, aus der Verbundenheit von Blut und Boden die ihm von den Vorfahren überkommene Erbmasse zu pflegen und sie ebenso rein an die Nachkommen weiterzutragen. Das sind keine schönen Worte und auch keine theoretischen Erwägungen. Jede Familie des deutschen Landvolks muß wissen, daß diese rassische Aufgabe eine ganz klare Realität ihres Daseins ist. Daran ändern auch alle Nöte und Sorgen der Gegenwart nichts. Dann wird der Bauernstand das'Fundament der rassischen Erneuerung unseres Volkes sein.
Reichsbauernführer Darre prägte einmal das Wort: „Der Bauer hat die Aufgabe, die Heiligkeit des Blutes durch Dienst an seinem Geschlecht rein und gesund auf der ihm anvertrauten Scholle zu bewahren und zu sichern. Der Bauer hat sonach völkische Ziele."
Diese Aufgabe wendet sich also an das völkische Bewußtsein des Bauern, an feinen Charakter. Sie verlangt von ihm, daß er als Nationalsozialist denkt und handelt und sich der Verantwortung gegenüber dem gesamten Volk bewußt ist. Der nationalsozialistische Bauernführer hat die Aufgabe, auf diesem Wege lenkend und als Vorbild voranzugehen. Er ist deshalb einzig und allein Nationalsozialist. Nichts anderes. Weil er Bauer ist und der ständischen Organisation des Nährstandes angehört, steht er dort auf seinem Posten. Diele Dauern- führer sind alte Mitkämpfer des Führers. Der Geist des ganzen, nach vielen Taufenden zählenden bäuerlichen Führerkorps im Reich ist derselbe, wie der jener wenigen Männer, die im Jahre 1930 in Weimar unter der Führung von R. Walter D a r r 6 zur ersten Tagung des agrarpolitischen Apparates der NSDAP, zusammentraten. Damals begann der Kampf, in dem das deutsche Landvolk für den Führer gewonnen wurde. In diesem Kamvf ist das bäuerliche Führerkorps ebenso in seiner Zahl, wie in seiner Leistung gewachsen. Diese Bauernführer haben einen entscheidenden Anteil daran, daß es gelungen ist, den Bauernstand aus dem Zustand völliger Verzweiflung und des Niederganges wieder herauszureißen, in dem er vor 1933 unterzugehen drohte.
Die weltanschauliche Führung im Gedanken von Blut und Boden, das Vorantreiben der Erzeugungsschlacht und der Ausbau der Marktordnung, das sind die drei großen Aufgaben der Bauernführer. Der Landesbauern- führer ist dem Reichsbauernführer verantwortlich. Ebenso muß er sich auch auf seine Mitarbeiter verlassen können. Das gilt genau so für die ehrenamtlichen bäuerlichen Hauvtabteilungsleiter der Landesbauernschaft und die Kreisbauernführer, wie für die Bezirksbauernführer und herab bis zum letzten Drtsbauernführer. Die meist bestehende Personalunion in der Arbeit für den Reichsnährstand und den agrarpolitischen Apparat gewährleistet die engste Bindung zur Partei, die ja allein Trägerin des nationalsozialistischen Gedankengutes ist. Dabei
wäre es ein Trugschluß, wollte man glauben, daß der letzte in dieser Kette, der Ortsbauernführer, wenig Verantwortung trügt. Wir haben in unserer Landesbauernschaft 8 Kreisbauernführer, 34 Be- zirtsbauernführer und 1943 Ortsbauernführer. Das Schwergewicht der Marktordnung wird von der Hauptabteilung III der Landesbauernschaft und den Wirtschaftsverbänden und weiter dann von den Kreis- und Bezirksbauernschaften getragen. Der Ortsbauernführer ist allerdings auch hierbei in manchem eingeschaltet. Aber er muß vor allem die vielen Einzelmaßnahmen der Erzeugungssteigerung in seinem Dorf mit durchführen helfen. Und von ihm und seinem Beispiel hängt es schließlich ab, ob in seiner Dorfgemeinschaft stets die nationalsozialistische Haltung herrscht, die allein nur die Durchführung aller Maßnahmen der Agrarpolitik, der Agrartechnik und der Marktordnung möglich werden läßt.
Daneben wird die Landfrau — in enger Zusammenarbeit mit der NS.-Frauenschaft — von Bäuerinnen in ihrer schweren Arbeit und zur Erfüllung der ihr gestellten Aufgaben geführt. Gefolgschaftswarte betreuen den Landarbeiter, und Jugendwarte
und -wartinnen sind die Führer der Landjugend. Das alles ergibt diese bis ms letzte Dorf reichende Gemeinschaft nationalsozialistischer Männer und Frauen, deren Zusammenfassung wir unter dem Begriff „bäuerliches Führerkorps" verstehen.
Der Nationalsozialismus verlangt von jedem Volksgenossen restlosen Einsatz zum Wohle der Volksgemeinschaft. Deshalb ist cs auch nicht ein besonderes Verdienst der Bauernführer, wenn sie ihre Pflicht tun, ebensowenig, wie mir das etwa hier beweisen wollten. Aber früher hat man einmal künstlich eine Kluft zwischen der Stadt und dem Land geschaffen, und wir sind heute alle froh, daß dieser traurige „Erfolg" des Liberalismus mit vielem anderen in der Versenkung verschwunden ist. Doch ebenso sehr, wie der Bauer sich heute wieder in der Stadt geachtet und anerkannt weiß, soll auch der Städter volles Vertrauen darin haben, daß der Bauer sein Möglichstes tut. Daran ändert es aud) nichts, wenn ängstliche Gemüter über ein fehlendes Viertelpfund Butter Zeter und Mordio schreien. Das sind immer diejenigen, die das Elend der Vergangenheit nur zu schnell vergessen haben.
Aus der Giadi Gießen.
Abschied von einem Apfelbaum.
Ich traf den alten Bauern, wie er mit Rodhacke, Beil und Axt hinter seinem Garten auf einem Baumstück stand und einen alten Apfelbaum betrachtete. „Na, soll er um?" fragte ich.
„Ja, leider!" erwiderte der Bauer. „Man ist jetzt allenthalben sehr slchars auf diese alten Kerle. Sehen Sie selbst, hier hat er ein weißes Kreuz. Die Sachverständigen haben die ganze Gemarkung durchgangen, und jeder Baum, der so gezeichnet wurde, muß noch in diesem Jahre umgehauen werden. Seitdem dieser hier im vorigen Herbst durch den Sturm den stärksten Ast verloren hat, ist er ja auch zum Krüppel geworden. Es tut mir dennoch sehr leib, daß gerade er umgemacht werden soll. Er gehörte halt mit zu der Familie. Wir alle, Kinder und Kindeskinder, können uns das Baumstück ohne den Kaiserkronebaum nicht gut vorstellen."
„War er den ein guter Träger?" fragte ich.
„Jawohl. Getragen hat er eigentlich fast alle Jahre, auch noch in diesem Herbst. Die Aepfel haben ja keinen rechten Namen, wir nennen sie Kaiserkronen. Irgendein alter Baumwart mag sie so getauft haben, zum Kuchenbacken taugen sie auch nicht viel. Aber wir haben die rotbackigen Aepfel alle gern, weil sie schon so schön am Baume leuchten. Außerdem halten sie sich fast ein ganzes Jahr. Auch den Weihnachtsbaum können wir uns ohne diese roten Aepfel kaum denken. In der ganzen Gemarkung gab es nur diesen einen Baum mit den ,Kaiserkronen^."
Ich wandte ein, daß der Baum doch sicher schon sehr alt sei und daß eben alles einmal auf dieser Erde enden müsse.
Der Bauer nickte. „Ja, ich weiß. Alt ist der Baum, sehr alt. Ich bin schon als Kind auf dem schräg stehenden Stamm auf- und abgeritten. Mein Vater hob mich hinauf. Ich glaube, ick) hatte damals ned) ein Röckchen an. Dann kamen meine Kinder. Das waren immer luftige Sonntagnachmittage, wenn mir im Grase spielen konnten, und zum Schluß durfte dann jedes noch einmal auf dem alten Baumstamm hinauf- und herabklettern. Immer mit der nötigen Vorsicht. Und so mürbe es auch mit den Enkeln gehalten. Hier unter dem alten Baume legte der Hase seine Eier, dicht daneben unter der Hecke blühten immer die ersten Veilchen ... Ja, der alte Baum gehörte mit zu der Familie.
Vor 25 Jahren, bei der Feldbereinigung, sollte dies Baumstück meinem Nachbar zugeteilt werden. Ich habe damals Einspruch erhoben, nicht weil es etwa so wertvoll ist, sondern nur deshalb, weil hier der Kaiserkronenbaum stand. Und ich behielt ihn auch, zur Freude der ganzen Familie. Ja, nun ist
| sein Ende da. Aber schwer ist es, so einen alten Freund nun selber umhauen zu müssen."
Ich sagte noch ein paar beruhigende Worte und verabschiedete mich bann. Es ist wirklich so, daß wir Menschen an unfern stummen Freunden oft mehr hängen, als an unfern Mitmenschen; denn sie allein spenden uns in ganz uneigennütziger Weife nur Gutes, ohne jemals Dank dafür zu fordern. Kommt nod) Hinz», daß solche Freunde uns von Kindheit
und nachher NlVE^\
Dann wird man Ihren Händen die Tagesarbeit nicht ansehen. Mit Nivea-Creme gepflegte Haut wird widerstandsfähig u. geschmeidig.
an begleiten, dann blutet uns das Herz, wenn mir Abschied nehmen müssen. —
Am andern Tag führte mich mein Weg wieder an dem Baumstück vorbei. Der Schwiegersohn des alten Bauern mar eben dabei, die stärksten Wurzeln des Apfelbaumes abzuhauen. Auf meine Frage, ob nicht der Vater den Baum gestern gefällt habe, ermiberte er: „Nein! Er brachte bas Werkzeug wie- ber in den Hof unb sagte, er könne es nicht."
Das kann ich ihm nachfühlen. H.
Xfornottaen.
lagesfalenber für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Chikago". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Unsere kleine Frau". — Gesellschaft für Erd- unb Völkerkunde: 20.15 Uhr Universitäts-Aula Lichtbildervortrag Dr. Karl Helbig (Hamburg): „Auf Fußpfaden quer durch Borneo".— Oberhessischer Kunstverein: 16 bis 18 Uhr Ausstellung „Das alte und neue Gießen" im Turmhaus am Brand.
„Congoritta" — ein Expeditionsfitm
Der Gloria-Palast bringt am morgigen Freitag und am Samstag in Spätabendvorstellungen, wie auch in einer Frühvorstellung am Sonntagvormittag, einen Expeditionsfilm, der unter dem Titel „Congorilla" tief in den Urwald von Belgisch-Kongo führt und das Leben der Pygmäen in vielen Einzelheiten schildert. Der Film ist mit dem Prädikat „Volks- bildend" ausgezeichnet.
ÄDM - u.ZM.-Uniergau 116 Gießen
An die Gießener Mädel., Jungmädel- und BDM.-Derk'Führerinnen.
Die Karten für die zweite Vorstellung im Rahmen des HI.-Theaterringes am Montag, 28. November,
komplizierter, aber auch weitschweifiger angelegt ist als die beiden Vorläufer, vermochte die lieber« tragung freilich nicht zu verdecken. Ein Blick in das Regiebuch zeigt, daß der Spielleiter Dr. Hannes Razum beträchtliche Streichungen vorgenommen unb überdies kleine stilistische Verbesserungen angebracht hat, was beides der Aufführung sehr zustatten kam.
Die Spielleitung war, wie Herr Dr. Razum in einigen einführenden Bemerkungen im Programmheft barlegt, auf stilistische Einheitlichkeit, auf plastische Herausarbeitung ber Charaktere unb auf lebendige Intensität bes gesprochenen Wortes gerichtet; dies wurde in der Aufführung allenthalben glücklich verwirklicht. Es darf hinzugefügt werden, daß unbeschadet der stilisierenden Klarheit, die hier in Sprachklang, Figuren unb Bilb mit Recht zu forbern war, ein sehr mensd)lich schlichter Ton in allen Szenen vernehmbar würbe, welcher die Vorgänge dem Zuschauer unb Hörer unmittelbar nahebrachte unb dem Werk einen Schimmer jener zeitlosen Gültigkeit bewahrte, die bas Merkmal aller großen Dichtung ist.
Im einzelnen machte sich die textliche Konzentrierung und Straffung, von der schon die Rede war, wohltuend bemerkbar. Im Gesamteindruck schuf die Betonung der lyrisch gestimmten Szenen, die durch Musik unb Tanz stellenweise melobramatische Züge erhielten, ein gutes Gegengewicht gegen bie in den letzten Bildern gesteigerte dramatische Aktion.
Was die szenische Gestaltung angeht, so war auf die Benutzung der Drehbühne (was im Hinblick auf die Folge der vierzehn ziemlich kleinen Bilder nahegelegen hätte) verzichtet worden. Statt dessen hatte der Bühnenbildner, Herr Löffler, um die von der Spielführung geforderte stilistische Einheitlichkeit unb überdies die Möglichkeit verhältnismäßig schnellen Bilderwechsels zu schaffen, die einzelnen Szenen durch Rundbögen begrenzt, welche Verwandlungen des Spielfeldes gestatteten unb durch auswechselbare Bogenfelder mit bäuerlichen und ritterlichen Emblemen jeweils den Schauplatz andeuteten, während bie Hintergründe großlinig- malerifch auf ben Rundborizont projiziert wurden. So entstanden klare, in südliche Farbigkeit getauchte Bilder, von denen uns besonders ber mächtig ansteigende Prospekt von Toledo lebhaft in Erinnerung ist. — Die Umbauten wurden durch eine sanfte, halblaute Bühnenmusik überbrückt; vielleicht kann man sie ein wenig mehr nach vorn bringen, da sich ber gebämpfte Klang leicht in Undeutlichkeit verliert.
Den Bauern Pedro Peribakiez spielt Herr Cos- f o d e I: eine wuchtige Gestalt in farbiger spanischer Tracht; er spricht ruhig, bedächtig, manchmal ein wenig schwerfällig, und man glaubt diesem Menschen, so wie er hier angelegt wird, daß ihn das Glück, von Casilda geliebt zu werden, fast kindlich überwältigt; man begreift aber auch in ihm das dumpfe Bohren des ersten Argwohns, die verzehrende Qual der Eifersucht und am Ende die jäh ausbrechende Wut, mit der er fein Glück und feine Ehre verteidigt. — Eine vortreffliche Leistung.
*
Herr Weiland gibt den Komthur: jugendlicher, als er beim Lesen anmutet, blond unb schlank in rot unb goldenem Gewände; dies ist ein Ritter, den die Leidenschaft hinreißt unb besinnungslos macht, der mühsam die anerzogene Haltung wahrt und erst im Angesicht des Todes in seinem Gegner den wahren Edelmann erkennt.
Zwischen beiden, schon äußerlich sehr gegensätzlich wirkenden Gestalten: Giesela Vollert als Casilda, vielleicht um eine Spur zu damenhaft für die schlichte Bäuerin, aber in Tonlage und Empfindung ganz dem Bilde gemäß, das man sich nach dem Buche von dieser Figur machen muß: blühende junge Frau im Glanz ihres jungen Glückes, anmutig verliebt, ihres Herzens unb ihrer weiblichen Würbe unroanbelbar gewiß.
Herr v. Gschmeibler sprach in strenger, fürstlicher Haltung, in einer bestechenden Maske den König. Herr Schorn gab den Lujän wie einen beweglichen, kleinen spanischen Mephisto. Anneliese (Barbe (JnSs), Herr Schlick (Leonardo) und bas leise humorig abgetönte Bauernquartett ber Herren (Beiger, Haars, Valck unb Erler seien vom Ensemble hervorgehoben. —
Das Haus dankte mit starkem Beifall, ben zuletzt mit ben Darstellern auch der Spielleiter unb ber Bühnenbildner entgegennehmen konnten.
Hans Thyriot.
Hochsckmlnackricküen.
In München starb im Alter von 73 Jahren ber Laryngologe Professor Dr. Hans Neu mayer, der von 1923 bis zu feiner (Emeritierung (1934) als Ordinarius für Kehlkopf-, Nasen- unb Rachenkrankheiten unb Vorstand her Laryngologischen Poliklinik an der Universität München wirkte und fid; um die Fortschritte der Kehlkopf- und Nasenheilkunde in ben letzten Jahrzehnten bebeutenbe Verdienste erworben hat.


