Mit Dynamit, Ekrasit und Lhlorgas.
Benehmen war mehr als ungeniert und so forciert, daß man leicht merkte, wie sehr er seine Unsicherheit zu verbergen bestrebt war. Cs fällt mir noch heute schwer auf die Seele, und ich fühle etwas wie brennende Scham, wenn ich mich an das Bild erinnere, wie hinter diesem Menschen würdig und in traffer Haltung der alte russische General Dieterichs daherkam. Alles, was an Leistungen von Sirovy gefordert wurde, leistete Dieterichs, und gab so durch ein Können und Wissen seinem ungebildeten Chef eine gewisse Bedeutung."
Sakharow, der die zweifelhafte Ehre hatte, mit Ian Sirovy mehrmals zusammenzutreffen, hat das widerliche Aeußere dieser Hussitengestalt trotz der urchtbaren Bilder des Untergangs feiner Armee in der sibirischen Wüste nie vergessen.
In den 20 Jahren des Prager Wohllebens i|t Sirovy keine anziehendere Gestalt geworden. Er wie Krejci und Bojcechoosky sind typische Vertreter des tschechischen Legionärgeistes, dessen unrümliche Vergangenheit ebenso bekannt ist wie das Anlehnungsbedürfnis vor allem der beiden Erstgenannten an den Bolschewismus. Benefch bezeichnet diesen Legionärsgeist, der sich in den zwei sibirischen Jahren in ständigem Raub, in Plünderung, in Morden und Vergewaltigungen betätigte, als den „Genius unserer Rasse". Es gehört auch zur Charakterisierung dieser Männer, wenn General Sakharow, der Generalstabschef Koltschaks, von jenen Legionen unter Führung Sirovys schreibt: „Das Verfahren der Tschechen gegen den Feind war sehr kurz und bündig. Getier Deutsche ober Ungar, der ihnen in die Hände fiel, wurde ohne weiteres erschossen."*
Der Chef des Generalstabes, Admiral Krefcl, der für den Aufmarsch und . die Bewegungen des tschechischen Heeres verantwortlich ist, stammt aus Turany in der Nähe von Brünn, er ist 48 Jahre alt. Er erhielt die Ausbildung eines F o r ft b c a rn - fen und wurde 1914 bei Kriegsausbruch zur öfter-
* Wir verweisen auf unsere soeben veröffentlichte Serie „Die Legende der tschechischen Le- g i o n e n." Die Schriftleitung.
reichischen Armee eingezogen. Darüber, wie her damalige österreichische Offiziersaspirant von 1915 fn die tschechischen Legionen auf russischer Seite geraten ist, enthalten die tschechischen Angaben aus naheliegenden Gründen keine nähere Mitteilung. Jedenfalls wurde er in den Legionen, die sich nach ihrer Selbständigmachung ihre Offiziersränge s e l b st v erlichen, bald Stabskapitän, bann Regimentskommandeur, und schließlich Dioisionsgeneral. Nach 1920 wurde er von Prag aus auf die Kriegsschule in Paris geschickt, um die Studien für den Offiziersberuf nachzuholen^ wurde dann Kommandeur der 6 Division in Brünn und ist seit fünf Jahren Generalstabschef der tschechischen Armee.
Nach Besetzung der Grenzgebiete durch das tschechische Heer richtet sich die Aufmerksamkeit naturgemäß auch auf den dritten höchsten Militär der Tschechei, nämlich auf den Landeskommandanten von Böhmen den Armeegeneral Serges Voscechov. s k y. Schon sein Vorname deutet auf russische 21b» stammung hin: die hier stehende Schreibweise des Vor- und des Familiennamens ist tschechlsiert. Es ist von einer grotesken Ironie, daß der höchste Truppenkommandant der Tschechei tatsächlich ein Russe, und noch dazu ehemaliger zaristischer Offizier ist! Der General ist der einzige regelrecht ausgebildete Berufsoffizier und Generalstäbler. Er r|t heute 54 Jahre alt und ist in Rußland geboren, erzogen und ausgebildet. Er war Schüler der Artil- ler'ieschulen von Konstantinopel und Petersburg, war bereits im russisch-japanischen Kriege von 1904 Offizier und wurde später in den russischen Generalstab versetzt. 1917, also noch vor Beginn des eigentlichen Raubzuges der tschechischen Legionen durch Sibirien, gelang es den Tschechen, den russischen General für sich zu gewinnen, als in Rußland die Revolution ausbrach. Er erhielt das Kommando über die erste Division der Tschechenlegion. Mit ihnen ging er dann 1920 nach Europa. Don 1923 ab kommandierte er die 9. tschechische Division und ist seit nunmehr drei Jahren Landeskommandont in Böhmen, nachdem er vorher acht Jahre Landeskommandant in Mähren gewesen war. B. R.
Unbekanntes Hintenndien.
Von unserem W-st.-Sonderberichterstatter.
(Zeichnung Mjölnir. — Scherl-M.)
Drei Tschechen-Generale
Schon in den letzten Tagen des verflossenen Kabinetts Hodza sind in Prag drei Männer in den Vordergrund getreten, die bisher ausschließlich militärische Funktionen hatten, der Generalinspekteur der Armee, General Jan Syrovy, ferner der Chef des Generalstabes, General Ludwig Krejci unb der Landeskommandant von Böhmen, General Sergej D o j c e ch o v f k y. Unmittelbar nach dem Rücktritt des Kabinetts Hodza traten ihre Namen in direkte Beziehung zu der Errichtung einer Diktatur, die zwar nach außen hin als Militärdiktatur erscheinen mag, tatsächlich aber nichts anderes ist, als eine Moskauer Befehlsstelle, an deren Spitze man aus Repräjentationsgründen Tschechen gelassen hat. Wir stellen im folgenden die drei Genannten unseren Lesern vor.
Syrovy könnte man auch den Henker des Admirals Koltschak nennen. Denn Syrovy, der genau so wenig wie der Generalstabschef Krejci „gelernter" Berufsoffizier gewesen ist, hat am 6 Februar 1920 als Legionärs-„General" und Führer der aus den tschechischen Räuberbanden in Sibirien, den sog. Legionen, gebildeten Armee eigenhändig den Befehl unterzeichnet, der die Auslieferung des russischen Reichsverwesers und Führers der weißrussischen Armee, Admiral Kolt- schak, an die Bolschewisten anordnete. Die Tschechen hatten es verstanden, den Zug mit der persönlichen Bedeckung Koltschaks zurückzuhalten und nur den Zug des Admirals selbst und den Zug mit den 30 Waggons Goldbarren und Münzen des russischen Staatsschatzes nach Irkutsk zu locken. Die Unterschrift des „Generals" Syrovy unter jenen Befehl war gleichbedeutend mit dem Todesurteil für Koltschak. Er wurde schon am nächsten Tage unmittelbar nach der Auslieferung an die Bolschewisten von diesen ermordet und in die An
gara geworfen. Dis tschechische „Armeeleitung" Syrovys hatte selbst das Moskauer Telegramm „Koltschak ist sofort zu erschießen", eiligst an die Bolschewisten in Irkutsk weitergeleitet. Mit dem Verrat und der Auslieferung Koltschaks quittierten die unter Syrovy stehenden tschechischen Legionen die Freigabe des Weges nach Wladiwostok und den ungehinderten Export ihres riesigen Raubes nach Europa.
Armeegeneral Jan Syrovy, Generalinspekteur der tschechischen Armee, ist heute 50 Jahre alt. Er soll ein Technikum absolviert haben, nach anderen Quellen vor dem Kriege Reisender gewesen sein. Zu Anfang des Weltkrieges war er in Warschau, angeblich als Hilfsingenieur. Don der Aufstellung der tschechischen Legionen an, die zum weitaus größten Teil aus übergelaufenen Deserteuren bestanden, gehörte er mit dazu. 1915 war er bereits „Offizier". Die schwarze Binde, die er über dem rechten Auge trägt, geht nicht etwa auf eine Kriegsverletzung, sondern auf einen Unfall vom 2. Juli 1917 gelegentlich des Gefechtes von Zborow zurück. Noch im gleichen Jahr wird er Regimentskommandeur, 1918 „General" und Kommandeur der Legionärsarmee. 1920 ist Syrovy Kriegsminister in Prag, 1926 Chef des Generalstabes unb seit 1934 Generalinspekteur.
Der zaristische General Sakharow hat ein de- zeichnendes Bild Sirovys aufgemalt: ,Hn Tscheljabinsk, im Salonwagen des Generals Knox, begegnete ich Herrn Sirovy. Er war ein untersetzter, plumper, ungepflegter Mann von einigen 30 Jahren. In feinem vulgären, dicken Gesicht zwinkerte ein einziges kleines Auge; das andere war von einer schwarzen Binde bedeckt, ein Umstand, der ihm in den Augen seiner Tschechen das Ansehen iyres hussitischen Führers Jan Ziska verlieh. Sein
III.
Zum König von Cambodga.
Singapur, Sommer 1938.
Seine Majestät König Monivong von Cambodga residiert in Pnom Penh an jenem sonderbaren Strom, der ein halbes Jahr lang aufwärts und die andere Zeit abwärts fließt. Der König läßt es sich nicht nehmen, einmal im Jahr dem Mekong die ausdrückliche Genehmigung zu diesem Richtungswechsel in seinem Lauf zu geben. Er unterhält ein Ballett und eine Schauspielertruppe an seinem Hof. Er gibt Feste und Empfänge. Die Sorgen um die Regierung nimmt ihm der „Hohe Resident" ab, der sich im Thronsaal bei Staatszeremonien mit einem bequemen Fauteuil begnügt und der Majestät den steifen Platz unter Baldachin und Fliegenwedeln nicht streitig macht. Im Gegensatz zu der Zurückhaltung der Engländer in der Bekundung äußerer Achtung gegenüber exotischen Fürsten, die sich englischem Protektorat unterstellt haben und denen alle repräsentative Würden belassen werden, steht die französische Freude an einer etwas spießigen Theatralik, die nicht zuläßt, daß sich der Protektor im Hintergrund hält. Ja, es scheint sogar, als hätten die republikanischen Beschützer an dem konig- lichen Glanz fast den Hauptspaß.
Die Einwohner von Cambodga, die Nachkommen des Volks der Khmer, das die gewaltigen Paläste und Dome von Angkor baute, heute Ruinen im Urwald von erschütternder Schönheit und Großartigkeit, wissen nichts mehr von ihren Vorfahren, die im 14. Jahrhundert von den Thai, den Siamesen, vernichtet wurden. Es sind primitive, glückliche Menschen, denen die Natur erlaubt, mit einem Minimum von Arbeit ihr Minimum von Bedürfnissen zu befriedigen. Sie wohnen in Pfahlhütten aus fast unbearbeiteten Stangen, mit Schilf und Palmblät- tern verkleidet. Nahrung gibt ihnen der Mekong mit seinen tausend Nebenläufen, Seen, Tümpeln und Sümpfen, die er alle bei Hochwasser, wenn er
seinen Lauf aufwärts zum „Großen See" im Inneren des Landes wendet, mit Fischen reichlich füllt, um dann langsam ins Meer abzufließen. Die Kokospalme trägt reichlich Frucht und die Banane bietet ihre süßen Riesendolden freigiebig bar. Heizung ist das ganze Jahr hindurch kostenlos unb die Kleidersorgen sind denkbar gering. Sie entfallen für die ersten zehn Lebensjahre vollkommen. Die bunten Dächer der königlichen Gebäude hinter der rosa Mauer des Palasthofes mit ihren gezähnten, eigenartig geschwungenen Dachfirsten, ein Blick in die „Silberpagode", deren Fußboden wahrhaftig mit dicken bräuglänzenden Silberplatten belegt ist, in denen sich die goldenen Buddahstatuen spiegeln, das Privatmuseum des Königs, wo Geschmeide, Gold und Edelstein, Armbänder und Kopfputz der Tänzerinnen aus Gold und als bemerkenswerteste
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Urquell HßN
würzig mild- mit dem bekannten Sch i n k enbild !
Sehenswürdigkeit „le melon royal“ zu sehen sind, der schwarze Kuppelhut des verewigten königlichen Großvaters, geschmückt mit einer dicken vielkarätigen Brillantschnalle an der Seite in der Art der Kokarden an den Kutscherzylinderhüten um die Berliner Jahrhundertwende und einem goldenen Brillanttürmchen obendrauf, die große und die kleine Theatertanzhalle und der heilige weihe Elefant, der für Bananen gern einen Kniefall tut — das alles sind Dinge, die den Untertanen König Monivongs gewiß märchenhaft zauberisch erscheinen. Es tut dabei nichts, daß der blasierte Reisende, den die bizarre Architektur überrascht, bei näherer Betrachtung die Zementskulpturen nicht recht würdigt und alles etwas billig findet, bis echtes tropisches Abendfonnengold und der Vollmondschimmer über
Nationalitäten in der TSChCChO^SIOWClkCi
Gemischt — Slowake» Uegero Ukrainer
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Karte der Sprachenoerteilung in der Tsch echo-Slowakei. — (Scherl-Brlderdienst-M.)


