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M.12V Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 24. Mai 1958
des BDM. geben. Die Arbeit im Bund deutscher Mädel beschränkt sich nicht nur auf Sport, Wandern und Fahrten, sondern sie wird auch auf kulturellem Gebiete geleistet. Gerade in den Wintermonaten sitzen die Mädel und Jungmädel in ihren Heimabenden öfter bei gemeinsamem Singen und Musizieren .zusammen. Es ist nicht eine musikalische Einzelausbildung, die jedes Mädel erfährt. Wir wollen in den Mädeln und Jungmädeln durch gemeinsames Singen ulld Musizieren Freude an der Musik und Verständnis für die großen Werke unserer Meister wecken. Jedes Mädel soll bestrebt sein, sich ein Liedgut zu erwerben, das sich nicht nur aus neuen HJ.-Liedern zusammensetzt, sondern es gilt hier gerade die alten Volkslieder und Volksweisen, die schon vielfach in Vergessenheit geraten sind, in Erinnerung zu bringen. Ueber das Lied hinaus ist ein weiterer Schritt in der Musikarbeit des BDM. in der Gründung der Spielscharen zu sehen. Musikalische Mädel, die ein Instrument spielen, haben sich zusammengefunden, um gemeinsam zu musizieren.
An diesem Abend wird eine Spielschar, bestehend aus Flöten, Geigen und Celli kleine Tanzstücke und Tanzweisen unserer deutschen Meister Bach, Händel, Beethoven und Schubert zu Gehör bringen. Alte Tanz- und Volkslieder, von einer Singschar gesungen, sollen den volkstümlichen Charakter dieses Abends unterstreichen. Wir können unfern Eltern und Gästen natürlich nichts Fertiges und künftle- rifch Vollkommenes bieten, wir wollen sie nur die Freude am gemeinsamen Spiel miterleben lassen.
BDM.-llntergau 116.
Dienslbefehl für den
INädel- und Jungmädel-llnlergau Gießen/116.
Betr.: Reichssportwettkämpfe des BDM. am 2 8. und 29. Mai.
Zu diesem Tage fallen alle Beurlaubungen im ganzen Untergau weg, auch der Mädel, die aus gesundheitlichen Gründen vom Sport befreit sind. Sie werden als Kampfrichter usw. eingesetzt. Jedes Fehlen bei den Reichssportwettkämpfen zieht eine 1. bzw. 2. Verwarnung nach sich, außerdem namentliche Bekanntgabe in den Schaukästen der jeweiligen Gruppe.
Jungmädelgruppen 1 — 4/ Gießen.
Wir beginnen mit den Wettkämpfen am Samstag, 28. Mai, pünktlich um 8 Uhr aus dem Waldsportplatz des VfB. Die Gruppenführerinnen sorgen dafür, daß alle Jungmädel rechtzeitig in Kluft und mit dem vorschriftsmäßigen Turnzeug aus dem Platz angetreten sind.
Mädelgruppen 1 — 4/Gießen.
Die Wettkämpfe für die Mädel beginnen' Sonntag, 29. Mai, pünktlich um 8 Uhr, ebenfalls auf dem Waldsportplatz des VfB. Auch hier sorgen die Gruppenführerinnen, daß alle Mädel rechtzeitig in Kluft und mit vorschriftsmäßigem Sportzeug da sind.
Die Sportwartinnen der Mädelgruppen 1 — 4/Gießen
bringen im Laufe der Woche sämtliche Bandmaße und Stoppuhren mit, die im Besitz der Gruppen sind. Sie müssen gut gekennzeichnet fein. Sie werden zu den Samstagwettkämpfen gebraucht.
Alle Mädel- und Jungmädelgruppen bringen ebenfalls ihre Schlagbälle mit. Wettkampflisten usw. nicht vergessen.
Gruppenappell der 2Nädelgruppe 2/116 Giehen-Nord.
Morgen, Mittwoch, 25. Mai, treten alle Mädel der Mädelgruppe 2/116 Gießen-Rord pünktlich um 20 Uhr an der Schillerschule in Kluft mit Sportzeug zum Gruppenappell an. Alle Beurlaubungen, auch die für den Sport, sind an
Wer formt das Antlitz der Erde?
Neue Entdeckungen und Theorien um die Gestattung der Erdoberfläche.
Von Dr. K. Luh.
Biegekräften ohne Schwierigkeiten nachkommen zu können, treten Spannungen aus. Als Folge solcher Spannungen müssen wir die meisten Erdbeben ansehen. Statistische Untersuchungen über die Häufigkeit der japanischen Erdbeben haben diese Theorie bestätigt. Sie schwankte mit dem sechsjährigen Rhythmus der Erdachse zwischen 2,4 und
Aka. Da leider noch keine Menschen vorhanden waren, als sich aus einem erkaltenden Feuerball das Jugendantlitz der Erde formte, und da diejenigen Menschen, die vielleicht in unendlich grauer Vorzeit das Entstehen eines Gebirges oder die Bildung eines Ozeanbeckens miterlebt haben, uns keine Dokumente darüber hinterliehen, ist die Geologie darauf angewiesen, sich auf indirektem Wege ein Bild von Erdentwicklung zu machen. — Viele recht wahrscheinlich klingende und manche abenteuerliche Theorien sind um die Runzeln unseres Mutterplaneten herum entstanden. — Der Mond sei von der Erde abgetropft und habe dabei jenes Loch gerissen, in dem heute die Wogen des Stillen Ozeans rauschen, sagen die einen. Die Festländer seien aus einem Stück entstanden und zerrissen durch die Pol- fluchtkraft — auf zähem Untergrund, dem Sima, zu ihren heutigen Lagern getrieben, so meinten andere. Dem stand wieder die Ansicht gegenüber, daß durch senkrechte Kräfte Gebirge aufgeschichtet und Länder versenkt oder emporgehoben würden. Jede der Theorien konnte einige Tatsachen erklären, keine alle. Am meisten sprach noch die Annahme für sich, daß die Erde allmählich erkaltet und dabei zusammenschrumpfte wie ein Apfel. Damit wären die Verschiebungen in der Erdkruste, die Aufschichtung von Gebirgen und vor allem die großen Naturkatastrophen, die Erdbeben erklärt.
Die moderne Atomphysik hat die Anschauung, daß die Erde durch ständige Ausstrahlung ihrer Wärme in den Weltraum sich ständig abkühlen müsse, völlig umgestoßen. Wir wissen heute, daß der Verfall radioaktiver Substanzen im Erdinnern so viele neue Wärme erzeugt, daß der Verlust mehr als ausgeglichen wird. Mit der Abkühlung hat es also noch lange Weile, sie kann für die Gestaltung der Erdoberfläche nicht in Betracht kommen. Auch mit der Polflucht ist es nicht anders. Wie Prof. Dr^S p i t a - 1 e r kürzlich in „Forschungen und Fortschritte" berichtete, gabt es überhaupt keine von den Polen zum Aequator gerichteten Kräfte, wie sie für die Bewegung der Festlandschollen verantwortlich fein sollten. Eher wirken solche Kräfte vom Aequator nach den Polen zu. Ja, selbst die Schwerkraft kann die Gebirgsbildungen und die sonstigen Probleme der Erdgestaltung nicht erklären. Sie gibt zwar eine Begründung für alle abwärts nach dem Erdinnern zu gerichteten Bewegungen, nicht aber dafür, wie denn einst große Massen auf ein höheres Niveau gelangt sind. Für die Entstehung der Ozeanbecken und für die gewaltigen Höhenunterschiede zwischen Hochflächen Und Meerestiefen kann also auch die Schwerkraft nicht verantwortlich gemacht werden.
Nun gibt es aber noch, worauf Professor Spitaler hinweist, eine andere Erscheinung, die vielleicht allein Licht in das Dunkel der Erdgeschichte bringen kann. Die Erdachse bewegt sich nämlich in merkwürdigen Bahnen. 1887 machte der Görlitzer Astronom Friedrich K ü st n e r zum erstenmal die Feststellung, daß die geographische Breite von Berlin — oder astronomisch gesprochen, die Polhöhe — s i ch verändert. Es wurde auf diese Entdeckung hin ein international organisierter „Breitendienst" eingerichtet, der die Polhöhenschwankungen nachmaß. Es konnte, nach Auswertung der über mehrere Jahrzehnte sich erstreckenden Untersuchungen kein Zweifel mehr darüber herrschen; die Erdachse wandert! Sie bewegt sich wie eine Kurbelwelle in aus- geschlagenen Lagern, sie „schlottert" sozusagen! In sechsjährigem Rhythmus macht sie eine Bewegung, als ob sie sich in einer Spirale auf- und wieder
abrollt. Mathematische Untersuchungen ergaben, daß sich diese sechsjährige Periode aus einer einjährigen und einer solchen von 14 Monaten zusammensetzt. Professor Spitaler nimmt an, daß die durch den Wechsel der Jahreszeiten verursachte Verschiebung großer Luftmassen vom Land auf die Meere und umgekehrt das Gleichgewicht der Erde störe und damit die jährliche Bewegung ihrer Achse zur Folge habe. Es handelt sich hier immerhin um Massen, die einem Gewicht von 800 Kubikkilometer Quecksilber entsprechen, die 14monatliche Periode, die nach ihren Entdeckern die Chandler-Newcombsche heißt, soll dadurch Zustandekommen, daß die Erde eben'nicht vollkommen starr, sondern elastisch ist.
Mit der eigentlichen erdgestaltenden Kraft hat es nun folgende Bewandtnis: Wäre die Erde gleichmäßig rund wie eine Kugel, so würde die Verschiebung der Achse für die Verteilung der Massen keine Bedeutung haben. Nun ist aber unser Planet in seiner Jugendzeit, als er noch völlig elastisch war, infolge der Zentrifugalkraft ettvas abgeplattet. Alle Erdorte haben vom Mittelpunkt verschiedene Abstände. Dadurch müssen sich bei der Bewegung dek Rotationsachse die Kräfte verändern, die an jedem Ort der Erdrinde wirken, sie nehmen zu oder ab, je nach der Lage zum Pol. Die Erde versucht nämlich, sich der wandernden Achse wieder anzupassen, sie biegt sich, als ob der Aequator nun etwas.nördlicher, bzw. südlicher läge. Da nun die Erde älter und deshalb ihre Rinde nicht mehr genügend elastisch ist, um diesen
5,1 Beben pro Monat. Und zwar ist im ersten Jahr die Häufigkeit von Januar bis März besonders klein, dann kommt langsame Zunahme bis zum Juli des dritten Jahres. Mit kleinen Schwankungen nimmt die Erdbebentätigkeit dann ab, um im 5. Jahr fast einzuschlafen. Im sechsten Jahr nehmen von Januar bis Mai die Beben zu und bis Ende des Jahres wieder ab.
Eine andere fast noch interessantere Beziehung scheint zwischen den Unregelmäßigkeiten der Erdachse und den Wetterperioden zu bestehen. Professor Dr. Fr. Baur hat die Temperaturen in zehn deutschen Orten über einen Zeitraum von 54 Jahren zusammengestellt und dabei ebenfalls einen sechsjährigen Wechsel gesunden. Im ersten Jahr dieses Zyttus sind Winter und Frühling besonders warm, es folgen dann ein kalter November und Dezember. Im zweiten Jahr ist der Frühling warm, der Sommer dagegen kühler. Das dritte Jahr verläuft normal. — Das vierte beginnt mit einem sehr kalten Januar und bringt auch im Frühjahr anormale Kälte. Der Sommer wird dafür um so wärmer, und der Herbst ist wieder normal. Im sechsten Jahr ist die Zeit vom Januar bis April anormal kalt; der Frühling und der Sommer sind jedoch normal. Im Herbst beginnt dann der warme Winter, der in den des ersten Jahres wieder überleitet. Wenn diese Untersuchungsergebnisse zweier so angesehener Forscher weiteren Nachprüfungen standhalten, dann ist zweifellos eines der größten Probleme der Geologie der endgültigen Lösung nahe.
Aus der Stadt Gießen.
Blühende Kastanien!
Nun prangen die majestätischen Kastanienbäume wieder im schönsten Schmuck. Hoch aufgerichtet tragen sie ihr üppiges Blätterkleid, aus dem weithin sichtbar die hellen Blüten leuchten, wie die feierlichen Lichter eines Weihnachtsbaumes. Sie säumen in stolzer Pracht die Straßen und zieren in edler Schönheit unsere Anlagen.
Es ist eim herrlicher Anblick. Wieviel Kraft offenbart die gewaltige grüne Kuppel, wieviel Anmut spricht aus den unzähligen Blütenkerzen. Ob sie ein Gebäude beschirmen, in ausgerichteter Reihe an der Straße stehen, oder ob sie wie Wächter auf einem freien Platze Posto fassen: immer sehen sie aus wie kühne Recken, aufrecht und charaktervoll in ihrer Haltung.
Am schönsten nehmen sie sich aus, wenn die Sonne ihre Strahlenbündel an ihnen erprobt und das satte Grün der Blätter zur zauberhaften Kulisse wird, von der sich um so eindrucksvoller die herrlichen Blütensträuße abheben. Steigt die Sonne an solchen Tagen zur Mittagshöhe, dann blitzt und funkelt es in der Kuppel, die Blüten duften und die Bienen summen, dqch unter dem breiten Blätterdach gibt der Schatten erfrischende Kühle.
Ist aber der Himmel mit dichten Wolken verhängt und fällt gar Regen hernieder, so bieten die blühenden Kastanien immer noch ein prachtvolles, lebenstrotzendes Bild. Der Farbton ihres Blattgrüns erscheint dann um einige Nuancen dunkler, die Festlichkeit der Blüten etwas gedämpfter, aber Q5 geht eine Frische von den Bäumen aus, die mtt- ten im Regen wie eine Hymne auf die Lebensfreude wirkt.
Es sind wahrhaft königliche Bäume, die stolzen Kastanien. Ihr Blütenschmuck gleicht dem Hermelin, den sich ehemals die Könige um die Schulter legten. So ragen sie in gewaltiger Höhe über den Dachfirst der Häuser, so bilden sie dichte, schattenspendende Alleen. Das Wunder ihrer weißen und roten Lichter gehört zu den köstlichsten Eindrücken, die uns die Natur in dieser Zeit der Blütenfülle beschert. H. W.
Dornoiizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr, „Der Mustergatte". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Mit versiegelter Order". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Yvette". — Wettbewerb HJ.-Heim, Gießen: 16 bis 18 Uhr, Ausstellung der Entwürfe in der Volkshalle (Empore).
Stadttheater Gießen.
Heute abend findet die erste Wiederholung des Schwanks „Der Mustergatte" von Hopwood statt. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim, Bühnenbild: Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 32. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. ^Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.
Heute DOM.-Musikabend.
Am heutigen Dienstag, 24. Mai, findet im Studentenheim (Leihgefterner' Weg 16), um 20 Uhr, ein Mufikabend des BDM. statt, zu dem alle Eltern und Musikfreunde herzlich eingeladen sind. Dazu schreibt uns die Kulturstelle des BDM.-Unter- gaues 116 folgendes: Wir wollen unseren Zuhörern an diesem Abend einen 'Einblick in die Musikarbeit
(Nachdruck verboten!)
80 Fortsetzung.
enthält immer neue Fototips für bessere Aufnahmen, ferner eine -* Belichtungstabelle für das ganze Jahr und einen Scheck für echte -s Fotoserien mit den schönsten Aufnahmen aus der ganzen Welt y»
Fäden hin und her.
Zftoman von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
ganz bestimmt sportlich von ungeheuerer Geschicklichkeit und Wendigkeit ist!
Während der Doktor seinen Fuß untersucht, schaut Lenzsch prüfend von einem zum anderen: Verstecken sie nicht ein schadenfrohes Lächeln? Verziehen sie nicht geringschätzig den Mund?
„Ich glaube", sagt Marga Montwill plötzlich und dreht sich um, „ich glaube, wir überlassen den Patienten den Händen der bewährten Herren Kollegen und warten draußen, bis er verbunden ist. Wär's Ihnen nicht lieber so, Lenzsch?"
Lenzsch kann nur nicken und stöhnen.
So marschieren- die drei Damen mit den beiden Hunden wieder hinaus und hocken sich draußen auf die hohen Dielenstühle um den Pingpongtisch.
„So was von Ungeschick!" sagt Monika kopfschüttelnd.
Aber Marga verteidigt Lenzsch. Sie habe schon erlebt, daß jemand sich bei ganz harmlosem Dahingehen den Fuß gebrochen habe. Das komme vor; nicht unbedingt sei immer Ungeschick daran schuld.
„Aber Sie hätten ihn springen sehen sollen", lächelt Monika.
„Der arme Junge", mischt sich Tante Martha ein. „Ob er nun diese Nacht noch hier liegenbleibt oder ob sie ihn gleich ins Sanatorium zurstck- transportieren?"
Die beiden anderen zucken die Achseln.
Da kommt Kahl aus dem Sprechzimmer heraus. Er sieht jetzt sichtlich betrübt aus und geht ein paarmal hin und her, ehe er berichtet. Es sei also wirklich ein Bruch und ein ganz ordentlicher, sagt er schließlich. Und Doktor Hammerbacher könne ihn jetzt nur notdürftig schienen. Man müsse Lenzsch dann gleich ins Sanatorium schassen, damit der Fuß geröntgt werden könne; vorher sei ja nicht viel anzufangen. Dann bleibt er wie zufällig vor Marga stehen, sieht sie gedankenvoll an, zuckt plötzlich die Achseln, sagt: „Schade..." und geht miedet ins Sprechzimmer zurück.
Die drei auf ihren Stühlen sehen einander an.
Tante Martha seufzt leise auf und bedauert heftig, daß sie nicht irgendwie helfen kann.
Marga hat Tapsy neben sich, krault seinen Kopf, und neben allem Bedauern über den Unfall ist zu ihrer großen Verwunderung noch ein anderes, trauriges Gefühl in ihr. Worüber nur, worüber?
Darüber, daß nun vielleicht die hübsche, friedvolle Stimmung im Hause überhaupt gestört ist?
Oder darüber, daß nun die schöne Zwelemsamkett in des Doktors Studio vorbei ist?
Sie wendet Tapsys Kopf ein wenig zu sich herum
Unterhalb des Fensters und nur bis zum Hals von dem Licht aus dem Zimmer beleuchtet, hockt kläglich Walter Lenzsch. Er hat sein rechtes Bein ausgestreckt und das Fußgelenk mit seiner breiten, kurzen Hand bedeckt. Sein Freund Kahl steht neben ihm, hat ihn unter den Arm gefaßt und redet ihm gut zu: Er möge doch mal versuchen, aufzu- stehen, vielleicht sei es nur verknackt. Ueberhaupt, auftreten, alter Junge, mal auftreten, ein paar Schritte tun! Vielleicht ist es dann gleich vorbei.
„Nein, es ist nicht vorbei, es ist gebrochen. Fühl nur", sagt Lenzsch trotzig und sieht den anderen entgegen, die nun zu ihm hintreten. „Nette Bescherung, meine Herrschaften. Ein hübsches Wochenendandenken hab ich mir da geholt, das muß ich sagen. Nee, Herr Doktor, Sie brauchen gar nicht lange herumzutasten, ich weiß schon, es ist gebrochen. Ich fühl's ja ganz deutlich. Hier, merken Sie's? Sehen Sie, das fühlt jeder Straßenjunge beim ersten Griff, daß öas* gebrochen ist. Nur Kollege Kahl will's nicht glauben."
„Ja, ja, 's wird wohl gebrochen fein", brummte der Doktor, nachdem er sich einen Augenblick gebückt urfd die Stelle betastet hat, die Lenzsch ihm zeigt. „Wahrscheinlich ist's gebrochen." lind mit einem kleinen Stöhnen sich aufrichtend: „Also los, Kollege Kahl, alle Mann anfassen und ins Sprechzimmer mit dem jungen Mann. Auf das Kanapee, auf dem sonst vorwiegend hysterische Weiblichkeiten ihre Ohnmächten zu Ende genießen."
Sie packen den laut stöhnenden Lenzsch und tragen ihn ins Sprechzimmer. Die drei Damen und die zwei neugierig schnuppernden Hunde folgen ihnen langsam. Dann stehen sie allesamt um Lenzsch herum, dem der Doktor Schuh und Strumpf aus- $ „Hast du dir auch die Füße gewaschen?" fragt Kahl und beugt sich lächelnd zu Lenzschs Ohr hinunter. Aber Lenzsch hat jetzt keinen Sinn für dumme Späße. Er könnte sich jedes Haar einzeln auScaufen über seine Ungeschicklichkeit. O Gott, wie wird Monika, wie wird auch Marga innerlich über ihn lächeln! Monika, die im Sommer kaum einen anderen Weg in den Garten hinaus benutzt hat als den durch dieses Fenster! Und Marga, die
und sieht dem Hund nachdenklich in die tiefbraunen glänzenden Augen: Vielleicht, Tapsy, vielleicht. Auf alle Fälle, Schnauzerle, ist dein Frauchen jetzt sehr traurig. Versteht du?
Tapsy legt seinen Kopf auf ihr Knie, zieht die Stirn in drei breite Falten und schaut sein Frauchen unverwandt an. Mir ist's gleich, sagen seine Augen, ob du traurig bist, Frauchen. Um mich kümmerst du dich ja sowieso nicht mehr. Den ganzen Tag mußte ich allein im Garten umherlaufen und mich von dem frechen kleinen Teckel sekkieren lassen, und nach dem Fressen hast du mir nicht mal den Bart gewaschen, was doch das mindeste wäre...
Da geht zum zweiten Male die Tür auf und der Doktor Hammerbacher kommt heraus. Auch er schaut zuerst auf Marga. Es sei nun so weit, sagt er leichthin, die Notschiene sei angelegt, Lenzsch sei transportfertig. Er werde jetzt zum Sanatorium telephonieren, damit man das Auto herschicke.
Marga sieht auf und schiebt dabei Tapsys Kopf von ihrem Knie. „Aber ich bitte Sie, wo ich meinen Wagen doch hier habe! Die Garage wird ja wohl auch Sonntags offen sein, nicht wahr? Na also, dann laufe ich jetzt schnell hinüber und hole den Wagen. Inzwischen kann Fräulein Monika vielleicht Doktor Lenzschs Sachen zusammenpacken. Ich bin in zehn Minuten wieder da."
Der Doktor nickt. Margas rasche Art gefällt ihm. Warum sind andere Frauen nicht so rasch und vernünftig?
Also gut, abgemacht. Marga läuft nach dem Wagen, Monika und Tante Martha packen Lenzschs Siebensachen zusammen, und Kahl wird den Sanitäter spielen, Lenzsch zum Sanatorium begleiten und für sein weiteres Schicksal sorgen.
Eine halbe Stunde ist Marga mit ihrer traurigen „Fuhre" schon unterwegs. Lenzsch hockt mit bösem Gesicht in Kahls langen Armen und ruckt nur ärgerlich mit dem Kops, wenn Kahl seine dummen Witze darüber macht, daß ihn das Schicksal verurteilt hat, in einem so hübschen Auto zu einer so anheimelnden Stunde lediglich seinen dicken Kollegen im Arm halten zu dürfen.
„Ueberhaupt", sagt Kahl, „ist das eine äußerst unsinnige Verteilung der Personen hier im Wagen. Konnte nicht ebensogut Fräulein Monika hier neben dir sitzen und dich vor Stoß und Anprall schützen? Aber nein, sie muß vorn bei Fräulein Montwill sitzen. Und wir dürfen die schonen Rücken unserer Damen bewundern und in (grimmiger Wut unsere Leiber aneinanderpressen. Verstehst du das, daß Fräulein Monika es sich hat entgehen lassen, hier zu sitzen? Du mußt sie mal — irgendwann —
schlecht behandelt haben, Lenzsch. Eine andere Erklärung gibt es nicht. Und was mich betrifft, ich hätte, wie schon bemerkt, auch lieber Fräulein Monika im Arm oder säße vorn neben Fräulein Montwill. Aber da kann man nichts machen, die Damen haben ihren eigenen Kopf."
#rS)ör doch endlich auf mit deinem Gequatsche."
„Gequatsche nennst du das, Lenzsch? Wilde Anklagen ans Schicksal find es! Ja, im Emst. Denn mir zittert die Empörung bis in die Fingerspitze^, daß ich ausgerechnet dich hier im Arm halten muß. Wenn es dir in deinem Leben etwa noch einmal einfällt, in meiner Gegenwart Springerkunststücke von dir geben zu wollen..."
„Herr von Kahl", ruft Monika plötzlich dazwischen, „hat Papa Ihnen gesagt, daß er die Röntgenaufnahme gern mal scheu möchte?"
Kahl neigt sich etwas vor. „Nein, davon hat er nichts gesagt. Aber ich kann sie ihm ja gelegentlich bringen."
Monika nickt zufrieden. „Ja, tun Sie das. Vielleicht heute abend noch?"
„Nein, das tut mir leid, da habe ich Dienst."
Monika wendet sich ein wenig zu den beiden Herren herum. „Schade. Aber wissen Sie was? Dann komme ich morgen mal mit dem Rad vorbei und hole mir die Ausnahme."
Eine kleine Stille entsteht. Nanu, denkt Kahl, gilt das mir? Oder will sie sich jetzt doch einen Weg zu Lenzsch zurückbahnen?
So eine Unverschämtheit! denkt Lenzsch und versetzte am liebsten Kahls Brust, die der seinen so unsympathisch nahe ist, einen heftigen Stoß. So eine Unverschämtheit, jetzt benutzt sie doch wahrhaftig mein Malheur, sich an Kahl heranzumachen! Aber warte, mein Kind ...
„Liebe Marga", fagt Lenzsch und schlägt unwillkürlich den sanften Ton eines Leidenden an, „darf ich hoffen, daß Sie mich mal besuchen? Und bald?"
Marga lächelt und wirst durch den Spiegel einen raschen Blick auf die beiden Gesichter hinten im Auto. „Natürlich! Vielleicht komme ich schon morgen. Ich würde dann Fräulein Monika gleich im Auto' mitnehmen und mit dem Besuch eine nette Spazierfahrt verbinden. Wären Sie einverstanden, Fräulein Monika?"
Monika verbeugt sich kaum merklich. „O ja, vielen Dank."
Und das Gespräch, von dem niemand so recht weiß, ob es Hintergründe hat oder nicht, schläft wieder ein.
(Fortsetzung folgt.)


