Dienstag, 2§. Mai 1938
188. Zahrgang
Nr. 120 Erstes Blatt
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Erklärungen Lhamberlams zur Lage
England begrüßt den Beginn von Verhandlungen
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punkt, als der Polizeiposten den Schuß abgab, der Fahrer das Motorrad bereits zum Halten bringen wollte. Das Begräbnis der beiden Erschossenen findet Mittwoch um 11 Uhr statt, lieber die Trauerfeier finden noch Verhandlungen mit den Behörden statt.
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Der gerichtliche Befand läßt die amtliche tschechoslowakische Darstellung vom 21. in bezeichnendem Lichte erscheinen. In dieser Darstellung hatte es geheißen, daß der betreffende Wachtmann auf den Bord erreifen des Motorrads gezielt haben will. Das dürfte ihm also, da er v o n hinten geschossen hat, schwer möglich gewesen sein. Weiter war in der amtlichen Darstellung unterstrichen worden, daß die Straße an dieser Stelle beträchtlich
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haben, dann liegt darin mehr als das Bewahren kühlen Blutes auf deutscher Seite: es ist auch der Ausdruck der Verantwortung des Reiches für den europäischen Frieden. Von dieser Verantwortung kann man bei den Tschechen indessen keinen Hauch verspüren.
In Frankreich ist man über das Wahlergebnis verwirrt. In England spricht man davon, man habe mäßigend auf die Tschechen eingewirkt, aber wenn die englische Regierung sich schon um das Schicksal der Sudetendeutschen kümmern will, dann hat sie die Pflicht, das sudetendeutsche Recht und die jahrzehntelange Mißhandlung der Sudetendeutschen durch die Tschechen objektiv Obzuwägen.
Der erste Wahlsonntag hat der Welt gezeigt: Die Sudetendeutschen bilden einen unüberwindbaren Block, und ihr gesamtdeutsches Bekenntnis ist unerschütterlich. Das ewige Lebensrecht der^ Deutschen im tschechoslowakischen Staat ist stärker als alle Methoden der Diplomaten, als tschechischer Chauvinismus und rohe Verletzung. Die Lehre daraus ist klar und eindeutig. D. S.
an den Grenzen eine Haltung eingenommen, die den Frieden in Frage stellt. Die polnische und die ungarische Regierung sähen sich genötigt, diplomatische Schritte gegen die ihre Grenzen bedrohenden Truppenbewegungen einzulegen, und das Deutsche Reich wurde durch den Zwischenfall in Südmähren, an der Brücke über die Thaya, die tschechisches Militär zu sprengen versuchte, herausgefordert. In einem anderen Falle sollten zwei Brücken in Brand gesetzt werden. Der dritte Fall bildet das Ueberfliegen eines deutschen Ortes durch ein tschechisches Militärflugzeug, das aber jenseits der Grenze abstürzte und in Flammen aufging. Was derartige -liebergriffe in Zeiten stärkster politischer Spannung zur Folge haben können, liegt auf der Hand. Man stelle sich nur einmal vor, was von tschechischer Seite geschehen würde, wenn deutsche Soldaten in der gleichen Weise vorgingen. Die Tschechen würden unzweifelhaft mit entsprechenden Gegenmaßnahmen antworten. Der Kriegszustand wäre geschaffen. Wenn wir auf diese Herausforderungen der Tschechen bisher nicht reagiert
Eine Erklärung der Sudetendeulschen Partei.
Prag, 23. Mai. (DRB.) Die Pressestelle der Sudetendeulschen Partei teilt mit: Konrad Henlein hat heule den tschechoslowakischen Ministerpräsidenten Dr. H o d z a auf dessen Einladung im Kolowrat-Palais einen Besuch abgestatlet. Hiermit haben die informativen Besprechungen mit Dr. hodza begonnen, die zur Klärung und Beruhigung der politischen Lage dienen sollen.
Die Aussprache zwischen Ministerpräsident Hodza und Konrad Henlein, der auch der Abgeordnete Karl Hermann Frank beiwohnte, findet in der tschechischen Oeffentlichkeit große Beachtung. Die tschechischen Blätter beschränken sich jedoch lediglich auf die Wiedergabe der Tatsachenmeldung, ohne eigene Kommentare zu bringen. Die Aussprache wird von tschechischer Seite als unmillelbarer Auftakt zur Eröffnung der eigentlichen Verhandlungen und daher als sehr bedeutsam angesehen.
Das sudetendeutsche Tageblatt „Die Zeit" schreibt, es müsse festgestellt werden, daß sowohl das Sudetendeutschtum als auch das Ausland große Ruhe und ein außerordentliches Maß von gutem Willen zezeigt hätten, um eine Katastrophe zu vermeiden. Deshalb ergebe sich für die Prager Regierung fehl nach den Beweisen des guten Willens der anderen Seite die Pflicht, auch ihrerseits die Voraus- !e Hungen zur Klärung und Besserung > e r Atmosphäre zu schaffen. Richt durch Ver- iprechungen, sondern durch tatsächliche Erfüllung dieser Voraussetzungen könnten sich die Bemühunzen zur Aufnahme von Verhandluygen in einem Grade bessern, der wenigstens eine teilweise Aus-
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Oer Prager Zensor.
Die Samstagausgabe 'der sudetendeutschen „Z e i t", die in Prag erscheint, wurde dreimal beschlagnahmt und zwar insgesamt an 21 Stellen. Verzweifelt wird der Laser fragen, wie eine Zeitung dreimal beschlagnahmt werden kann? Das geht so zu: Es besteht die sogenannte Präventiv - Zensur, d. h. die Rohabzüge der geplanten Zeitung müssen dem Zensor vorgelegt werden, der nun seinen Farbstift in Rot oder Blau in Bewegung setzt. Die Zeitung kann an den Stellen, wo der Farbstift gewütet hat, einen w e i < ßen Flecken erscheinen lassen. Wenn das Wü- ten des Farbstiftes aber zu arg ist, so soll der Leser doch nicht ganz ohne unterrichtendes Nachrichtenmaterial sein und es wird dann eben eine gestrichene Nachricht durch eine andere Nach- richt ersetzt. Und nun kann sich das Spiel wieder- holen, wenn der Zensor auch die Ersatznachricht für anstößig befindet und streicht. Der Jammer für die Zeitung ist, daß durch dieses Hin und Her der Anschluß an die Postzüge versäumt wird, was naturgemäß einen erheblichen Schaden Hervorruf!. Die am Sonntag erschienene Ausgabe der „Zeit" sieht ebenfalls absonderlich genug aus. Vor allem fehlt die Hauptüberschrift und unter der klaf- senden weißen Lücke findet sich nur d e r Untertitel „Amtlich: Einberufung eines Reservistenjahrganges". Unmittelbar darauf wird über die Ermordung von zwei Sudetendeutschen in Eger berichtet. Dann folgt unter der Überschrift ein langer weißer Flecken, worauf wiederum der Untertitel folgt „Amtlich: Bedauernswertes Ereignis". Dann kommt die amtliche Meldung und anschließend daran nur in Großdruck der Name der Stadt Brünn, aber was aus Brünn gemeldet ist, fehlt einschließlich der Datumsangabe.
Der Völkische Veobachker zur Rede Chamberlains.
Berlin, 24. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der „Völkische Beobachter" schreibt im Anschluß an die Unterhauserklärungen Chamberlains: Seiner Dar, stellung über die Anstrengungen der englischen Regierung fügte der englische Premier die Bemerkung hinzu, daß sie in Berlin willkommengeheißen worden sind. Aber wir bedauern feststellen zu müssen, daß die englischen Schritte noch immer nicht den notwendigen Erfolg aufzuweisen haben. Wenn daher heute abend in London und in Paris mit einem hörbaren »Seufzer der Erleichterung eine „Entspannung der Lage" festgestellt wird, dann freuen wir uns. darüber — nicht so sehr über die „Entspannung", denn tatsächlich hat sich im tschechoslowakischen Staatsgebiet noch nichts entscheidendes zum Besseren gewendet als vielmehr darüber, daß man in den beiden westlichen Hauptstädten wieder sich beruhigt hat. Hoffentlich ist heute die Beruhigung schon so weit fortgeschritten, daß man in London und in Paris jetzt auch fähig ist, weniastens stillschweigend anzuerkennen, welches vorbildliche, um nicht zu sagen, welches beispiellose Maß an Zurückhaltung nicht mjr die Sudetendeutschen, sondern auch wir selbst an den Tag gelegt haben. Man stelle sich zum Beispiel einmal vor, eine deutsche Militärabteilung von zehn Mann hätte irgendwo auf dem Kamm des Böhmerwaldes die tschechoslowakische Grenze überschritten und den Versuch gemacht, eine Brücke zu sprengen. Es gehört wenig Phantasie dazu, sich auszumalen, wie die tschechische Grenzwache auf einen solchen Schritt reagiert haben^ würde: es wäre bestimmt zu einem Gefecht gekommen ... z u einem Gefecht von unabsehbaren Folgen. Grenzzwischenfälle sind im internationalen Leben immer sehr peinliche Vorkommnisse. In einer so gespannten Lage aber wie der gegenwärtigen grenzen sie an internationale Verbrechen.
Die Bluttat von Eger.
Die beiden Sudetendeutschen von hinten erschossen.
Prag, 23. Mai. (Europapreß.) Am Montag fand in Eger die gerichtliche Obduktion der beiden am Samstag in Eger von einem Polizeiposten erschossenen Landwirte Hofmann und Böhm statt. Sie ergab, daß der tödliche Schuß aus unmittelbarer Nähe abgegeben wurde, was daraus hervorgeht, daß der Einschuß beim zuerst Erschossenen Verbrennungsmerkmale zeigt. Daraus ergibt sich eine Schußentfernung von höchstens zehn Meter. Der Schuß wurde, wie der Obduktionsbefund zeigt, von hinten in der Fahrtrichtung abgegeben. Böhm und Hofmann wurden durch das
Grenz brücken, die zur Hälfte dem Reich gehören, van tschechischen Soldaten, die dabei auch den deutschen Teil der Brücke und damit deutsches Gebiet betraten, ntit Stroh umwickelt und mit Benzin übergossen. Beim Herannahen deutscher Grenzorgane zogen sich die Soldaten wieder auf tschechisches Gebiet zurück.
Grenzverletzung tschechischer Mitarflieger.
Die Maschine auf tschechoslowakischem Gebiet abgestürzt.
Annaberg (Erzgebirge), 23. Mai. (DNB.) Am Montag gegen 9 Uhr erschien ein tschechoslowakisches Militärflugzeug über der an der deutschen Grenze liegenden, zur Tschechoslowakei gehörenden Stadt Weipert und überflog dann die deutsche Grenze bei Bärenstein. Es wurde von vielen Bärensteiner Einwohnern gesichtet und einwandfrei als Militärflugzeug erkannt. Die Maschine war mit zwei Piloten besetzt und mit einem Maschinengewehr bestückt. Sie flog so niedrig, daß man befürchtete, sie werde gegen einen Bärensteiner Fabrikschornstein stoßen. Nachdem das Flugzeug längere Zeit über Bärenstein gekreuzt hatte, flog es in Richtung Preßnitz, das auf tschechoslowakischem Gebiet liegt, davon. An der Straße van Bärenstein nach Preßnitz kam es, schon auf tschechoslowakischem Gebiet, an der Gaststätte „Grünsr Wald" ins Trudeln und stürzte ab. Das Flugzeug geriet beim Aufschlagen sofort in Brand. Tschechoslowakische Grenzbeamte und Soldaten eilten zur Hilfeleistung herbei, konnten jedoch, soweit von deutschem Reichsgebiet her zu erkennen war, die Piloten nicht mehr bergen.
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In vorbildlicher Weise hat die sudetendeutsche Bevölkerung auf die Provokationen und den Chauvinismus der Tschechen geantwortet: sie hat bei der ersten Etappe der Gemeindewahlen zu 90 v. H. sich iür die Henleinbewegung ausgesprochen und die Sozialdemokratie sowie den Kommunismus in den deutschen Gebieten zur Wesenlosigkeit zusammengedrückt. An den drei Sonntagen des 22. Mai, des 29. Mai und des 12. Juni sind die Gemeindewah- li>n, die von der tschechischen Regierung immtr wieder unter allen möglichen Vorwänden bereits hinausgezögert worden. Bisher erfolgten die Wahlen in rund 2800 Gemeinden, also in einem knappen Drittel. Die Sudetendeutsche Partei hat sich um 54,5 v. H., also fast um die Hälfte verstärkt. Das Wahlergebnis stellt also ein Bekenntnis zum Gesamtdeutschtum dar, wie es gar nicht eindrucksvoller sein kann. Es beweist zudem aufs neue die von Prag so gern bestrittene Tatsache, daß Henlein im Namen des gesamten Sude- tendeutschtums spricht und daß die Sudeten- Leutsche Partei allein autorisiert ist, das Deutfch- ium im Rahmen des heutigen tschechoslowakischen Staatsgebietes zu repräsentieren. Wenn es um die großen nationalen Fragen des Deutschtums geht — das bewiesen bereits die Abstimmungen an der Saar und im wieder zum Reiche zurückgekehrten Oesterreich —, gibt es nur ein gemeinsames Bekenntnis. Mit dem überwältigenden Sieg des volksdeutschen Gedankens in 177 Gemeinden aber hat die Jewegung recht gehabt, die gegenüber mißgünstigen unb kritisierenden Stimmen das Ziel genau so wie «Ile Volksgruppen in dem Gemengselstaat der Tschechoslowakei klar umriß: Die Sudetendeutschen bild^i nicht nur eine zusammenhängende Einheit, sondern verlangen in dem Staate für sich Autonomie und Verzicht auf den zentralistischen Tschechenkurs der Frager Regierung. Durch Blut und Tränen ist das .sudetendeutsche Volk seit dem Zusammenbruch sei- res alten österreichischen Staatsgebäudes gegangen; es ist wirtschaftlich verelendet worden, seine besten Kräfte lagert brach, aber um so glorreicher hat sich die gesamtdeutsche Idee durchgesetzt, um so stärker bewies sich die eherne Disziplin der Deutschen in der Tschechoslowakei. Der Sudetendeutsche Ordnungs- -ienft hat vorbildlich gearbeitet, und die Staatsmänner der Prager Regierung haben eine Lehre ^halten, die sie sich hätten ersparen können, wenn sie vorurteilslos die Kräfte des Sudetendeutschtums jlubiert und in Rechnung gesetzt hätten.
Bis Zuletzt setzten die Tschechen aber dieser srdetendeutschen Volksbewegung die Lüge und den Terror entgegen. Das Blut der Sudetendeutschen, die in Eger einer Kugel der tschechischen Staatspolizei zum Opfer fielen, ist noch ungesühnt. Die zchllosen Provokationen durch Tschechen und tschechisches Militär, das Wüten der Soldateska gegen oiles, was deutsch sprach, zeigte sehr deutlich, daß nan Zwischenfälle Hervorrufen wollte, um, die Sudetendeutschen ins Unrecht zu setzen. Die Zensur triitete mit dem Rotstift, die Einberufung eines Jahrganges Reservisten bewies, daß man in Prag gmeigt war, alles auf die Spitze zu treiben. Nun: bt-e Spitze ist abgebrochen worden. In tiefstem Ernst sind die Sudetendeulschen ihrer Urpflicht gegenüber d?m deutschen Volkstum yachgekommen. Es zeigt : sich, daß'die starken tschechischen Truppenbewegungen eienjo iiberflüssig waren wie die Einberufung der H-eservisten. Aber die tschechischen Mllitärs haben
britischen Regierung darin bestanden, ihren ganzen Einfluß, wo auch immer er wirksam war, für eine Mäßigung in. Wort und Ta t einzusetzen, während sie zugleich den Weg für eine friedliche Aushandlung einer befriedigenden Regelung offen hielt. Sie hat bei der tschechoslowakischen Regierung Vorstellungen erhoben, jede Maßnahme zu ergreifen, damit Zwischenfälle vermieden würden und eine dauernde Regelung durch Verhandlungen mit der Sudetendeulschen Partei zu erreichen. Hierbei hat sich die britische Regierung der vollen Unterstützung der französischen Regierung erfreut". Die tschechoslowakische Regierung hat geantwortet, sie sei fest.entschlossen, eine baldige und vollständige ßöfttng zu suchen. Die britische Regierung hat ferner bei der deutschen Regierung auf die Wichtigkeit hingewiesen, daß eine Regelung erreicht wird, wenn der europäische Frieden gehalten werden soll, sie hat ihrem ernsten Wunsch Ausdruck gegeben, daß die deutsche Regierung mit ihr zur Erleichterung eines Abkommens Zusammenarbeiten möge. Die britische Regierung Hal zur gleichen Zeit die deutsche Regierung von' dem Ratschlag unterrichtet, den sie in Prag gegeben hat und - von den Zusicherungen der tschechoslowakischen Regierung. Der deutsche Außenminister erklärte, daß'.er die Anstrengungen der britischen Regierung willkommen heiße, und voll ihren Wunsch teile, daß die Verhandlungen ihren Fortgang nehmen möchten. Im Augenblick scheint es, daß die Lage sich etwas entspannt, und, wie ich höre, sind die gestrigen Wahlen ahne jeden unvorhergesehenen Zwischenfall abgelaufen.
Nach Beendigung der Erklärung führte der Fraktionsvorsitzende der Arbeiterpartei; Attlee, aus, er wolle im Hinblick auf die allgemeine Span-
London, 24. Mai. (Europapreß.) Der Beginn tschechisch-sudetendeutscher Verhandlungen wird in englischen Kreisen begrüßt, weil man sich hiervon die Einleitung formeller Gespräche zum Zwecke der endgültigen Regelung der sudetendeutschen Frage verspricht. Daß die Verhandlungen zwischen Henlein und. Hodza nahezu vier Stunden dauerten, wird als ein gutes Vorzeichen hingenommen. Die Ansicht, wonach „die Lage in Europa sich aufklärt", fetzt sich infolgedessen heute weiter durch und bildet den Inhalt fast sämtlicher Morgenblätter. „Daily Mail" rechnet damit, daß die Prager Regierung den acht Mindestforderungen, die Konrad Henlein in Karlsbad aufgestellt hat, nachkommen werde. Dies aber sei schon nicht mehr Englands Angelegenheit. Die Form der Einigung sei völlig eine Sache, die die beiden Partner allein angehe. „Times" bezeichnet die Lage als „viel besser", mahnt aber vor unzeitgemäßem Optimismus. Der Berliner Korrespondent des „Daily Telegraph" sagt, obschon die Gefahren beträchtlich geschwunden seien, blieben doch ihre Hauptursachen bestehert. Im Augenblick seien lerne Anzeichen einer versöhnlicheren Stimmung vorhanden. Man vertrete die Ueberzeugung, daß das,, Wahlergebnis die Gewähr einer vollen V e-r - roaltungsautonomie für d i e deutsche Volksgruppe zur Folge haben müsse. Im Leitartikel sagt der „Daily Telegraph", daß die zeitweilige Ruhe jeden Augenblick gestört werden könne, und zwar nicht nur durch einen Zusammenbruch der Verhandlungen in' der Tschechoslowakei selbst, .sondern auch durch Grenzzwischenfalle.
Tschechische Grenzverletzung nördlich von Linz.
Linz, 23. Mai. (DNB) An der deutsch-tschechischen Grenze wurden heute morgen nördlich von Linz in Ulbrichsberg und Hohenfurch die
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London, 23. Mai. (DNB.) Auf eine Anfrage über die Tschechoslowakei erklärte Chamberlain im Unterhaus: Am 19. Mai begannen Gerüchte über deutsche Truppenbewegungen in Richtung auf die tschechoslowakische Grenze sich xu verbreiten. Die deutsche Regierung unterrichtete den britischen Botschafter am folgenden Tage davon, daß diese Gerüchte in keiner Weise begründet waren, sie gab der tschechoslowakischen Regierung eine gleiche Versicherung. Am 20. Mai kam es zu einer Anzahl schwerer Zwischenfälle in der Tschechoslowakei. Am Morgen des 21. Mai gab die tschechoslowakische Regierung zu verstehen, daß sie einen Jahrgang auf* rufe, um ihn auszubilden und um die Ordnung in den Grenzgebieten aufrechtzuerhalten. Am gleichen Tage ereignete sich ein bedauerlicher Zwischenfall, bei dem zwei Sudetendeutschebei einem* Zwischenfall in der Nähe der Grenze i h r Leben verloren. Der tschechoslowakische Außenminister hat der deutschen Regierung mitgeteilt, daß disziplinarische Maßnahmen gegen die Verantwortlichen ergriffen würden. Am gleichen Tage, dem 21. Mai, 'erhielt der britische Botschafter in Berlin eine weitere Zusicherung der deutschen Regierung, wonach die Gerüchte über deutsche Truppenbewegung sämtlich unbegründet seien.
Der tschechoslowakische Außenminister teilte dem britischen Gesandten in Prag mit, daß Henlein eine Einladung übersandt worden sei, über das National i 1 ä t e n st a 1 u t zu verhandeln, das am 19. Mai von der tschechoslowakischen Regierung gebilligt worden war. Aber am gleichen Tage wurde in der sudetendeulschen Presse angekündigt, daß die Partei nicht in der Lage sep das Nationa- litätenftatuf zu erörtern, solange nicht Frieden und Ordnung in den sudetendeulschen Gebieten herrsche. Ich erfahre nun jedoch, es sei abgemacht worden, daß Henlein beh tschechoslowakischen Ministerprä- finbenten sehen wird.
nung davon absehen, den Ministerpräsidenten um weitere Angaben zu bitten; er mochte lediglich der Hoffnung Ausdruck geben, daß die englischen Bemühungen um Herbeiführung einer Lösung „die Rechte der tschechischen Nation" nicht beeinträchtigen würden. Während der Ministerpräsident im Unter- . . haus sprach, gab Außenminister Lord Halifax
Angesichts dieser Lage hat die Hauptsorge der im Oberhaus eine gleiche Erklärung ab.
|| Besprechung Henleins mit Hodza.
Auftakt zu eigentlichen Verhandlungen.-Beitrag zur Klärung und Beruhigung der Lage
Sietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühlsche Universitätsdruckerei R. Lange In Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulfttatze 7
aufführung


