Hr.46 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 24. Februar 1938
Oie Ausbildung des HL -Führerkorps.
Berufung in die Akademie für Lugendführung. — Verpflichtung auf eine Mlndefldienstzeii von zwölf Jahren. — Lugendführer-Patent nach Abschlußprüfung.
Oie Erfüllung des Parteiprogramms. Zum Griindungstag der NSDAP.
am 24. Februar.
Wieder einmal jährt sich der Tag, an dem vor 18 Ihren Adolf Hitler das Programm der Partei verkündete, das seitdem zukunftweisend und richtunggebend den Weg der Nation bestimmt. Die ältesten und getreuesten Mitkämpfer des Führers werden in der Hauptstadt der Bewegung bei den Veranstaltungen, die die Partei durchführt, ihre Gedanken zurückschweifen lassen in jene Zeit, da hinter dem Hakenkreuz eine kleine, aber entschlossene Schar von Männern marschierte, die, beseelt von dem gleichen Geist und von dem gleichen Willen, ihre ganze Kraft und ihren ganzen Einsatz dem Manne verschrieben hatten, dem sie blindlings vertrauten: AdolfHitler!
Lassen wir die Gedanken zurückschweifen in jene Zeit vor 18 Jahren, vergegenwärtigen wir uns, welche Entwicklung dieser in der Geschichte unseres Volkes so überaus bedeutungsvolle Abschnitt nahm. Niemand kann uns über diesen Tag besser und eindrucksvoller Aufklärung geben, als' d e r Führer selbst, der in seinem Werk „Mein Kampf" eingehend und ausführlich den Ablauf dieses Tages schildert. Er besaß damals, wie er schreibt, nur eine einzige Sorge: „Wird der Saal des Hofbräuhauses gefüllt sein oder werden wir vor gähnender Leere sprechen? Ich hatte die felsenfeste innere Ueberzeugung, daß, wenn die Menschen kommen würden, der Tag ein großer Erfolg für die junge Bewegung werden müsse. So bangte ich dem damaligen Abend entgegen." Und nun legt der Führer dar, wie der gewaltige Raum mit einer fast 2000 Menschen zählenden Masse überfüllt war, wie, nachdem der erste Pedner geendet hatte, er selbst das Wort ergriff, wie es zu heftigen Zusammenstößen kam, wie durch den Einsatz seiner Kameraden die Ruhe hergestellt wurde.
Und dann kommen jene Worte des Führers, die uns, so oft wir sie lesen, stets von neuem ergreifen und erschüttern, jene Worte, die er in „Mein Kampf" über die erstmalige Erläuterung des Programms niedergelegt hat: „Und nun ergriff ich das Programm und begann zum ersten Male zu erläutern. Von Viertelstunde zu Viertelstunde wurden die Zwischenrufe mehr und mehr zurück- gedrängt von beifälligen Zurufen. Und als ich endlich die fünfundzwanzig Thesen Punkt für Punkt der Masse oorlegte und sie bat, selber das Urteil über sie zu sprechen, da wurden sie nun eine nach der andern unter immer mehr sich erhebendem Jubel angenommen, einstimmig und immer wieder einstimmig, und als die letzte These so den Weg zum Herzen der Masse gefunden hatte, stand ein Saal voll Menschen vor mir, zusammengeschlossen von einer neuen Ueberzeugung, einem neuen Glauben, von einem neuen Willen. Als sich nach fast vier Stunden der Raum zu leeren begann und die Masse sich Kopf an Kopf wie ein langsamer Strom dem Ausgang zuwälzte, zuschob und zudränqte, da wußte ich, daß nun die Grundsätze einer Bewegung in das deutsche Volk hinauswanderten, die nicht mehr zum Vergessen zu bringen waren. Ein Feuer war entzündet, aus dessen Glut dereinst das Schwert kommen muß, das dem germanischen Siegfried die Freiheit, der deutschen Nation das Leben wiedergewinnen soll. Und neben der kommenden Erhebung fühlte ich die Göttin der unerbittlichen Rache schreiten für die Meineidtat des 9. November 1918. So leerte sich langsam der Saal. Die Bewegung nahm ihren Lau f."
Fast 13 Jahre vergingen seit dieser denkwürdigen Versammlung, bis der Tag der Machtübernahme kam, an dem die Bewegung daran gehen konnte, ihr Programm unter Zuhilfenahme der staatlichen Machtmittel zu verwirklichen. In diesen 13 Jahren jedoch war das Programm der Partei bereits das unverlierbare Gedankengut einer nach Millionen zählenden Anhängerschaft geworden, die bis zum Letzten davon überzeugt war, daß nur die Erfüllung dieses Programms der Nation wieder den Weg zum Aufstieg und zum Aufbau ebnen könnte. Für die Durchsetzung dieser Ziele waren Hunderte
Berlin, 23. Febr. (DNB.) Der Jugendführer des Deutschen Reiches hat folgende Verfügung über eine Ausbildung für das Führerkorps der Hitler-Jugend erlassen:
Die großen Aufgaben, die der Führer seiner Jugend gestellt hat, erfordern ein Führerkorps, das nach Charakter und Leistung höchsten Anforderungen genügt. Der Heranbildung dieses Führerkorps dient die Akademie für Jugendführung in Braunschweig. An diese Akademie kann jeder Hitlerjunge berufen werden. Voraussetzung hierfür ist: 1. Nachweis der deutschblütigen Abstammung, 2. einwandfreier gesundheitlicher und erbgesundheitlicher Untersuchungsbefund, 3. einwandfreie nationalsozialistische Haltung, körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, 4. abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur.
Der Anwärter nimmt an einem Vorauslese- Lehrgang teil. Nach Abschluß dieses Lehrganges wird entschieden, ob er den gestellten Anforderungen genügt. Nach erfolgreicher Ableistung der A r - beitsdienst- und Wehrdienst pflicht wird vom Führeranwärter die Erfüllung folgender Ausgaben verlangt: 1. viermonatige Tätigkeit als Mitarbeiter in einer Gebietsführung, 2. achtwöchiger Lehrgang in der Reichsjugendführerschule in Potsdam, 3. einjährige Ausbildung auf der Akademie für Jugendführung, 4. dreiwöchige Ausbildung in der Industrie des Inlandes und sechsmonatige Ausbildung im Ausland, 5. Abschlußprüfung.
in den Tod gegangen, waren Zehntausende verwundet worden und hatten Arbeit und Brot verloren.
Jetzt sind es fünf Jahre her, daß die Partei daran gehen konnte, die einzelnen Punkte ihres Programms in die Tat umzusetzen. Vor fünf Jahren noch erging sich der Marxismus in hämischen Glossen darüber, daß die Regierung Adolf Hitlers binnen kürzester Zeit werde zurücktreten müssen, da dieses Regime unfehlbar zum Kriege führen müsse und die Nichtdurchführung des Parteiprogramms einen Verlust der gesamten Anhängerschaft bedeuten würde. Wer spricht heute, im Jahre 1938, noch von diesen Unkenrufen, von diesen Prophezeiungen die eitel Lug und Trug geblieben sind und sich ins Nichts verflüchtet haben? „Die Führer der Partei versprechen, wenn nötig, unter Einsatz des eigenen Lebens, für die Durchführung der vorstehenden Punkte rücksichtslos einzutreten." Diese Schlußworte des Programms zeigen, daß schon damals der Führer nicht gewillt war, das Programm auch nur irgendwie abzuändern und sich „den Tatsachen anzupassen". Wir wissen es, wir merken es jeden Tag von neuem, daß nun in die Tat umaesetzt wird, was der Führer vor 18 Jahren verkündet hat.
Wer heute die Stellung Deutschlands in der Welt betrachtet, der weiß wie geachtet wir dastehen, eine wie bedeutende Rolle wir im Leben der Völker spielen. Heute wagt es niemand mehr, mit uns Schindluder zu treiben, heute ist jene Gleichberechtigung unseres Volkes durchgeführt, die als unabänderliche Forderung im Programm der Partei festgelegt ist, heute verfügen wir wieder über eine starke Wehrmacht, die die Grenzen des Reiches schirmt und jeden militärischen „Spaziergang" un- ! möglich macht. Die Forderung des Punktes 22 des Parteiprogramms, die Abschaffung der Söldncrtruvpe und die Bildung eines Volksheeres, ist schon vor fast drei Jahren, am 16. März 1935, erfüllt worden. Wir denken an die Rassengesetz- g e b u n g , an die Ausschaltung des Judentums aus dem öffentlichen Leben der Nation und wissen, daß auch dies nur die Erfüllung einer im Programm der Bewegung niedergelegten Forderung ist. Nur Staatsbürger haben das Recht, über Führung und Gesetze des Staates zu bestimmen, und Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist, Volksge-
Mit der (Einberufung zur Akademie ist der Anwärter auf eine Mindest zeit von zwölf Jahren für den Dienst in der HI. verpflichtet. Nach Bestehen der. Abschlußprüfung erhält der Führeranwärter das Jugendführer- Patent des Jugendführers des Deutschen Reiches unter gleichzeitiger Ernennung zum Bannführer und Berufung in das Führerkorps der HI. Noch während seiner Ausbildungszeit auf der Akademie hat er sich entschieden, ob er in Partei ober Staat nach seiner Dienstzeit in der HI. Weiterarbeiten will. Er wird dementsprechend während seines Einsatzes als HI.-Führer einmal im Jahre einer Dienststelle der Bewegung oder deren Gliederungen für die Zeit von drei bis vier Wochen zu- geteilt. Sein endgültiger Einsatz jedoch wird von mir entschieden. Diese Ausbildungsordnung für das Führerkorps der HI. ist als Richtlinie zu werten, in deren Rahmen die Führerauslese von meinen Beauftragten durchgeführt wird. Ich beauftrage den Chef des Personalamtes mit der Durchführung meiner Anordnung. Er erläßt die Aus- führungsbeftimmungen.
Der Jugendführer des Deutschen Reiches: gez. Baldur von Schirach.
♦
Der Reichsjugendpresse dien st schreibt zu der Verfügung u. a.: Die Verfügung gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der nationalsozialistischen Jugenderziehungsarbeit. Eine planmäßige Auslese der fähigsten Führeranwärter für die Akademie für Jugendführung in Braunschweig
noffe nur der, der deutschen Blutes ist, kein Jude kann daher Volksgenosse sein (Punkt 4 und 6).
Vorbei sind die Zeiten, da sieben, ja acht Millionen Deutsche zum Nichtstun verdammt waren, weil ihnen die damaligen Machthaber kein Brot mehr geben konnten. „Wir fordern, daß sich der Staat verpflichtet, in erster Linie für die Erwerbs- unb Lebensmöglichkeit ber Staatsbürger zu sorgen!" Ist biefe Forberung nicht heute gleichfalls in bie Tat umgesetzt worben? Wir benken weiter an bas sozialistische Werk ber NS.-Volks- wohlfabrt und bes Winterhilfswerks, wir benken an bie Hebung ber Volksgesunbheit burch den Schutz ber Mutter unb bes Kinbes, an bie Maßnahmen zur körperlichen Ertüchtigung usw. usw. Wir wissen, baß heute jebem fähigen unb tüchtigen Volksgenossen ber Weg zu ben höchsten Stellen offen steht, baß nicht mehr wie früher Staub unb Herkommen ben Ausschlag geben. Das Schulwesen ist — wir verweisen nur auf ben vor einigen Tagen herausgekommenen Erlaß bes Reichsministers Rust unb auf die Grünbung ber Abolf-Hitler-Schulen — einer grunbsätzlichen Neugestaltung unterzogen worben (Punkt 20 unb 21). Der deutsche Bauer läuft nicht mehr Gefahr, von Halunken meist jüdischer Rasse betrogen unb um Haus und Hof gebracht zu werden. Das Reichserb- hofgesetz hat diesen Machenschaften ein für alle Mal
Um ben empsinblichen Mangel an weiblichen Arbeitskräften auf bem Laube unb in ber Hauswirtschaft zu beheben, hat ber Beauftragte für ben Vier- jahresplan, Generalfelbmarfchall Göring, für bestimmte Gruppen ber berufstätigen weiblichen Ju- genb ben Nachweis einereinjährig en Tä- tigfeit in ber Laub- ober Hauswirtschaft zur gesetzlichen Voraussetzuugfürbie spätere Berufstätigkeit gemacht. Es ist da
hat bereits begonnen. Der Bau ber Akobemie selbst ist soweit gebieheu, baß bie feierliche (Eröffnung am 20. April 1939, am Geburtstag bes Führers, wirb stattfinden können. Die natürliche Führerbefähigung, die nicht anerzogen ober erlernt werben kann, sonbern angeboren sein muß, wirb bie erfte Voraussetzung aller charakterlichen, geistigen unb körperlichen Fähigkeiten bes Führeranwärters sein müssen. Die Verpflichtung bes zur Akobemie einberufenen Führer- anmärters auf eine M i n b e st z e i t von zwölf Jahren sei hier befonbers hervorgehoben. Das DienftaUer bes zukünftigen Jugeubführers wirb bemnach etwa zwischen bem 23. unb 3 5. Lebensjahr liegen. Das bebeutet keine Abkehr von bem Prinzip ber Selbstführung ber Jugenb, bas Abolf Hitler selbst ber Führerschaft ber HI. gegeben hat. Jugenb ift feine Frage bes Alters, sonbern eine Frage b er Haltung. Wenn man beachtet, baß biefe 23- bis 35jährigen Führer aus ber Gemeinschaft ber Jugenb s e l b st als bie Tüchtigsten unb Befähigtsten hervorgehen unb biefer Gemeinschaft stän- big auf bas engste oerbunben finb, so wird diese Verfügung im Rahmen der Ausbildungsordnung für bas HJ.-Führerkorps als eine hervorragend Verquickung von Reife unb Jugenb gewertet werden. Das Wort „Beruf", in vergangenen Jahren im Alltagsleben jo oft verfälscht, findet hier seine Erfüllung in idealster Weise. Innere und äußere „Berufung" unb ber „Beruf" bes Jugenbführers finb keine in Idee unb Wirklichkeit getrennten Begriffe.
einen Riegel vorgeschoben. „Die Forberungen einer unserer nationalen Bebürfnissen angepaßten Babenreform", wie es in Punkt 17 heißt, hat Verwirklichung gefunben.
Es würbe zu weit führen, hier in allen Einzelheiten bie Erfüllung bes Parteiprogramms aufzuzeigen. Nur Einiges fei hier kurz gesagt. Schon setzt ist bie Gewinnbeteiligung ber Gefolgschaft bei zahlreichen Betrieben burchgeführt (Punkt 14), ist vor kurzem ein großzügiger Ausbau ber Altersversorgung beschlossen (Punkt 15) und eine wahrhaft beutsche Presse geschaffen worben (Punkt 23). Wenn ber eine ober anbere Programmpunkt noch nicht verwirklicht werben konnte — wir benken nur an bie Rückgabe ber uns roiber alles Recht unb Gesetz geraubten Kolonien — bann wissen wir, baß er boch einmal in bie Tat umgesetzt werben wirb. Niemanb, selbst nicht bie größten Optimisten unter uns, hatte vor fünf Jahren geglaubt, baß in so kurzer Zeitspanne alle bie hier in großen Umrissen gestreiften Forberungen verwirklicht werben könnten. Daß es trohbem geschah, verbauten wir allein bem Mann, ber am 24. Februar 1920 biefe Forberungen zum ersten Mal der^Oeffentlichkeit bekannt gab. Die ungebrochene Kampfbereitschaft ber Bewegung bürgt auch weiterhin für ben Vollzug ber 25 Thesen. D. S.
mit eine Einrichtung getroffen worben, bie ihrem Sinn unb Charakter nach zu vergleichen ist mit ber Einreichtung ber Notstanbsarbeiten, nur mit bem Unterschieb, ba ßber Notstanb bamals in ber Arbeitslosigkeit, heute im Mangel an Ar- beitsfräften in ber Laub- unb Hauswirtschaft besteht. Ebenso wie wir seinerzeit einen scharfen Trennungsstrich gezogen haben zwischen ber Not- ftanbsarbeit unb bem bamals noch freiwilligen
Arbeitsdienst der weiblichen Jugend und land- und hauswirlschastliches Pflichtjahr.
Äon Reichöarbeiisführer Hierl.
Oer Haube-künMer.
(SHne Geschichte von Peter Matiheus.
Mr. Wilberforce hatte es eilig. Er ließ seinen kleinen Wagen tüchtig laufen. Um so menschen- sreunblicher war bas, was er tat, als er vor sich auf ber Straße einen ältlichen kleinen Mann erblickte, ber sichtlich mübe bahinfchlich. Er hielt an unb beugte sich zum Fenster hinaus.
„Hallo! Wohin?"
„Nach Chikago."
„Dahin fahre ich. Wollen Sie mit?"
Das zerknitterte Gesicht bes kleinen Mannes strahlte. „Sehr liebensroürbig — wirklich sehr liebensmürbig!" sagte er unb batterte eilig auf ben Wagen zu. Mit einem zufriebenen Seufzer ließ er sich auf ben gepolsterten Sitz sinken.
„Zigarette?" fragte Mr. Wilberforce unb hielt ihm ein angebrochenes Päckchen unb eine odjadjtel Zünbhölzer hin. ,
„Gerne, taufenb Dank", sagte ber kleine Mann unb bebiente sich.
Mehr würbe nicht gesprochen Mr. Wilberforce brachte ben Wagen roieber in Gang unb achtete sorgsam auf bie Straße, unb ber kleine Mann rauchte seine Zigarette unb blinzelte behaglich in bie sinkenbe Sonne.
Etwa eine Stunbe waren sie unterwegs unb eine weitere Stunbe von Chikago entfernt, a Mr. Wilberforce, aus einer Kurve fommenb, feinen Wagen jäh zum Stehen brachte. Quer auf ber Fahrbahn lag eine junge Fichte. Was immerhin merkwürdig war, ba es an diesem Tage roeter einen Tornabo noch sonstige starke Wmbe gegeben ^Donnerwetter!" sagte Mr. Wilberforce unb sah sich mißtrauisch nach allen Seiten um.
„Teufel — sieht nach Falle aus", brummte ber flC,2)a5™tuf5! Wahrhaftig! Aber es nützt nichts.
. Äüte der Heine Mann und streckte ^'°„Glauben^S!esdaß Sie’s alleine schäften?" fragte Mr. Wilberforce.
„Na klar."
Der kleine Mann stieg aus unb wälzte mit einiger Mühe ben nicht sehr dicken Stamm beiseite. Dann richtete er sich puftenb auf unb kehrte zum Wagen zurück.
In diesem Augenblick tauchte neben bem Aüto urplötzlich ein anderer Mann auf. Ein gefährlich aussehender, ungeschlachter Kerl, ber einen großen Revolver in ber Hanb balancierte.
„Holla — nicht rühren!" sagte er mit kratziger Baßstimme. „Nur keine plötzlichen Bewegungen! Das mag ich nicht."
Er blickte grinfenb erst Mr. Wilberforce an unb bann ben kleinen Mann, ber stumm vorne neben bem Kühler ftanb. Als er sich roieber Mr. Wilberforce zuwanbte, war sein Grinsen höchst gering= jchähig.
„Von bem ba vorne will ich nichts", knurrte er mit einer verächtlichen Kopfbewegung. „Der hat sicher keinen ganzen Dollar bei sich. Aber Sie — hm — Sie können mir mal ihre Brieftasche geben. Na, los — nicht lange gefackelt!"
Mr. Wilberforce griff mit einem Achselzucken in ben Rock unb überreichte ihm die Tasche. Der Revolver war bie ganze Zeit über auf feine Brust gerichtet.
Der Mann mit ber kratzigen Baßstimme klappte bas Portefeuille geschickt mit einer Hanb auf unb warf einen Blick in bas Fach, in bem bie Banknoten lagen. Ein breites Schmunzeln ging über fein Gesicht.
„Oh! Oho!" sagte er. „Das genügt. Sie können weiterfahren."
Er schob bas Portefeuille in bie Tasche unb trat einen halben Schritt zurück. „Dann barf ich wohl erlauben Sie bitte.. ", sagte ber kleine Mann, ber bie ganze Zeit über stumm neben bem Kühler gestanden hatte. Damit quetschte er sich hastig an ihm vorbei auf ben Sitz unb schlug bie Tür zu.
„Los — abfahren!" sagte ber Baß mit rauhem Lachen. „Unb lassen Sie sich nicht einfallen anzuhalten. Wenigstens nicht, so lange ich sie sehen kann. Konnte sehr unangenehm für sie werben:
Der Revolver wackelte bebrohlich hin und her. Mr. Wilberforce schaltete und gab Gas. Der Wagen glitt davon.
Als sie etwa fünfzig Meter fort waren, sagte Mr. Wilberforce:
„Ich habe kein Schießeisen bei mir. Hat wohl keinen Zweck anzuhalten, wie?"
„Nein", sagte der kleine Mann unb schüttelte hejtig ben Kopf. „Ganz zwecklos. Fahren Sie ruhig weiter."
Dies war wieberum alles, was gesprochen würbe. Der Rest bes Weges würbe schweigenb zurückgclegt.' Mr. Wilberforce dachte ergrimmt an den Verlust von zwohundertsiebzig Dollar. Woran der kleine Mann dachte, war nicht festzustellen.
Es war schon dunkel, als sie Chikago erreichten. Am Westpark, am äußersten Rande der Stadt, zupfte ber kleine Mann Mr. Wilberforce am Aermel.
„Darf ich hier aussteigen?" fragte er höflich.
„Gewiß, felbsfoerstänblich", sagte Mr. Wilberforce unb hielt ben Wagen an.
Der kleine Mann stieg aus, schloß die Tür hinter sich und beugte sich ein wenig vor.
„Sie waren sehr liebenswürdig", murmelte er. „Wirklich sehr liebenswürdig. Es freut mich, baß ich Ihnen nützlich sein konnte. Nehmen Sie bies als kleines Zeichen meines Dankes."
Ein bunkler Gegenstanb flog burch bas offne Fenster herein unb lanbete auf ben Knien von Mr. Wilberforce. Er knipste überrascht bas Licht an unb sah zu seinem fassungslosen Staunen seine eigene Brieftasche vor sich. Dieselbe Brieftasche, bie er vor einer Stunbe...
Der kleine Mann braußen war verschwunben. Mr. Wilberforce riß bie Tür auf unb sprang aus bem Wagen.
„He! Sie!" rief er aufgeregt. „Mann — wie ist bas möglich?"
„Es ist mein Beruf", tönte es sanft aus ber Dunkelheit. „Ich bin — nennen wir es — Zauberkünstler."
„Aber", sagte Mr. Wilberforce verblüfft, „ber Kerl hatte sie boch in bie Tasche gesteckt! In bie Tasche!"
Ruhig unb freunblich, aber schon aus einiger (Entfernung klang bie Stimme bes kleinen Mannes:
„Mein lieber Herr — gelernt ist gelernt!"
Edisons erste Erfindung.
In seinen jungen Jahren war Ebison, ber große amerikanische (Erfinber, vorübergehenb als Telegraphist in Boston tätig. Sein unb feiner Kame- raben Arbeitsraum befanb sich in einem kleinen Saal, in bem früher ein Restaurant untergevracht war, bas als unangenehme Erbschaft Bataillone von Küchenschaben hinterlassen hatte. Sie führten unter ben Fußleisten ber Wänbe ein beschauliches Dasein unb eröffneten in jeber Nacht, wenn bie Telegraphisten eine kurze Pause einlegten, einen Angriff auf Kuchen unb Butterbrot.
(Ebifon würbe es zu bumm, bie lästigen Gäste mit ben Fingerspitzen fortzuschnipsen. Er brachte an ber Wanb, vor ber fein Tisch ftanb, zwei Blechstreifen in geringem Abstand voneinander an, verband ben einen mit bem positiven, ben anbern mit bem negativen Pol ber Batterie, die die Tele- graphenbrähte mit Strom speiste, unb wartete ruhig ben Angriff ber Tierchen ab. Sobalb eine Schabe bie beiden Streifen zugleich berührte, gab es Kurzschluß unb in Feuer unb Blitz ging sie in ein besieres Jenseits ein.
Ebison würbe wegen seiner „(Erfinbung" stark bewundert, sogar ein Journalist befaßte sich in einem längeren Artikel mit ihr, nur bie Direktton ber Western Union, bie Ebison beschäftigte, zeigte wenig Verstänbnis für solche Hinrichtungsmethoben unb untersagte bem Schöpfer bes elektrischen Sttchls für Schaben biefe Art ber Sicherung seiner Butterbrote. ' ka.
Zeitschriften.
— Wie sieht bie Frühsahrsmobe aus? Das neueste Heft ber „Neuen Modenwe 1 t" (Deutscher Verlag, Berlin) zeigt es an über hunbert, meist bunten Mobellen. Man bemerkt baran viel Bänder, Schleifen unb Schärpen unb bie Freube an Streifen, fontraftierenber Farbigkeit unb einseitiger Drapierung. Schon ber erste Blick zeigt, baß die Frühlingsmobe für jebe Frau unb jeben Geschmack reizvolle Mobelle geschaffen hat. Das Heft bringt außerbem verschiedene praktische Beilagen, neue Strickkleidung, viel für Kinder, frühlingsmäßige Änderungsvorschläge und andere nützliche Tips.
s t
t r e
e r d
5 e
n i«
n > r f-
#


