Nr. 46 Erstes Matt
188. Jahrgang
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Frankreich am Scheideweg.
In der letzten Minute hat die französische Regierung versucht, sich dem Rade der politischen Entwicklung in England in den Weg zu werfen. Sie ist dabei überrollt worden, und die Schmerzensrufe der Geschlagenen können diese Niederlage nur noch — unterstreichen. Nach Englands politischem Kurswechsel steht Frankreich vor dem zwingenden Muß, sich zu entscheiden. Wird D e l b o s der Herkules sein, der den schmalen Pfad der europäischen Tugend und Vernunft wählt? Wird er radikal die neue Linie einer Zusammenarbeit der vier europäischen Großmächte einschlagen oder wird er einem zertrümmerten Ideal nachtrauern, den Scherbenhaufen mit französischer Methodik zu leimen versuchen und am Bündnis mit Moskau festhalten, das — kein Geringerer als der ehemalige Ministerpräsident Flandin stellt diese Tatsache fest — in absehbarer Zeit zum Kriege führen müßte? Es ist gerade für die französische Mentalität, die leicht Phantasmagorien einfängt und daran glaubt, recht bitter, den Becher austrinken zu müssen, dessen Inhalt man selbst mit allen diplomatischen Giften zusammenbraute. Der Widerwille ist verständlich. Aber Frankreich läuft andernfalls Gefahr, isoliert zu werden und damit auch den Rest seines Einflusses zu verlieren, dessen Ueberspannung nach dem Kriege Europa gleichsam wie eine umgekehrte Pyramide erscheinen ließ. Daß dieser labile Zustand künstlich war, daß die Romantizismen der französischen Politik aus der Zeit der Bourbonen und Napoleoniden schließlich vor der harten Wirklichkeit zusammenbrechen mußten, wenn Deutschland einig wurde, diese eherne Notwendigkeit und ein französisches Selbstbescheiden werden in Frankreich nicht überall erkannt.
Die dramatischen Vorgänge im englischen Unterhaus haben eins deutlich gemacht: mit Eden zerbarst die Säule einer Politik, welche auf die Zerteilung Europas hinauslief. Eden war ein ideologischer Vertreter der Einkesselungstheorie, die sich auf immer schwächer werdenden Stützen bewegte. In der englischen Regierung gab es eine Gruppe um Lord Cranborne, die mit Eden darin übereinstimmte, das französische Programm bedingungslos zu unterstützen. Dieses Programm bestand in der Genfer Machtpolitik, die das unwirkliche Kind der kollektiven Friedenssicherung gebar, und in der französischen Verbindung dieser Idee mit dem bolschewistischen Bündnis. ES war die Unterstützung alles dessen, was deutschfeindlich ist. Es war die schroffste Ablehnung einer Entwicklung, die sich nicht durch papierne Vorschriften und Diktate aufrecht erhalten läßt. Es war die Verneinung schlechthin.
Frankreich erlebte bis 1931 den Sieg seiner Nachkriegspolitik. England hatte zu viel mit sich selbst zu tun. Es mußte die Scharten auswetzen, die ihm der Krieg geschlagen, und folgte getreulich in Genf und anderwärts den Fußtapfen der Nation, die damals das Heft Europas in der Hand und eine Armee aufgebaut hatte, die die stärkste der Welt war. Aber trotzdem schrie Frankreich nach Sicherung der bereits erhaltenen und mißbrauchten Sicherheiten. Da begann die Wandlung. Der Sieg des Nationalsozialismus einigte Deutschland und machte es militärisch ebenbürtig. Italien wurde erneuert und ließ sich nicht mehr als zweitklassige Nation behandeln. Deutschland und das deutsche Volk in Oesterreich beendeten die Epoche, die in einer künstlichen, auf Befehl der ehemaligen Entente erfolgten Trennung bestanden hatte. Die Alternative rückte für Frankreich heran. Eden versuchte sie mit Paris im überkommenen Sinne zu lösen und gleichzeitig eine englisch-italienische Aussprache mit allen Mitteln zu verhindern. In diesem Bestreben wurde er von der französischen Volksfront-Regierung nachdrücklichst unterstützt. Die Dinge standen also auf Spitze und Knopf. _ w
Da griff Chamberlain ein. Der Rückschlag dieses gänzlich unerwarteten Ereignisses traf mit der weltweiten Wirkung der Führerrede zusammen und verwirrte die Pariser Meinung vollkommen. Chautemps und Dslbos beriefen eine außerordentliche Sitzung des Mmisterrates ein und beschlossen eine „Eröffnung außerordentlicher Kredite für die Landesverteidigung". Unter dem Drucke ihrer Volksfrontparteien konnten sie wohl nicht anderes tun, als zunächst dieses Ablenkungsmanöver zu versuchen. Aber damit sind sie nicht um die Alternative selbst herumgekommen. Wenn sich England mit Italien einigen sollte, wenn Chamberlain zu einer Verständigung über den europäischen Friedenszu- stand mit Italien gelangt — und der Weg dazu führt naturgemäß nicht an Berlin vorbei —, dann muß sich schließlich auch Frankreich entschließen, ob es mit Moskau gegen den Frieden oder mit den europäischen Kulturnationen gegen Da 5 bolschewistische Chaos marschieren roiro.
Frankreichs
Aufrüstungsprogramm.
Erhebliche Mehrausgaben.
Paris, 24. Febr. (DNB. - Funkspruch.) Zur Tagung der vereinigten Senatsausschüsse für Die Fragen der Landesverteidigung, an der ^0 Senatoren teilnahmen, weist „Excelstor" darauf hm, daß Frankreich im vergangenen Jahre rund 23 JJC11* liarden Franken für Die La n d e s verte i d i g u n g ausgegeben habe, davon 12 Milliarden Franken haushaltsmäßig und 11 aus Dem Anleihemeg. Von diesen 23 Milliarden entfielen 11 auf die Bedürfnisse des Landheeres, 7 auf die Kriegsmarine und 5 auf die Luftwaffe. Die Rüstungsausgaben für 1938 würden m i n d e st e n s u m v i e r Milliarden Franken höber liegem Franr- reich habe seit Jahren kaum mehr als 1 Milliarde
Woroschilow droht mit dem chemischen Krieg.
Der Sowjet-Kriegskommiffar über die „Säuberung" der Noten Arme».
Moskau, 23. Febr. (DNB.) Das 20jährige Jubiläumder Roten Armee wurde mit geräuschvollen Festen der militärischen Macht der Sowjetunion begangen. Im Beisein Stalins und der übrigen Sowjetgewaltigen, unter denen natürlich auch der Leiter der Komintern, Dimitrow, nicht fehlte, fand eine Veranstaltung im Moskauer Opernhaus statt. Der Kriegskommissar Woroschilow stellte dabei zwei hauptsächliche Merkmale des roten Heeres heraus: Die enge Verbindung zwischen Roter Armee und Bolschewistischer Partei, sowie die „lebendige Nachwirkung der Traditionen des Bürgerkrieges" im Aufbau der Roten Armee. Die Kriegsräte, Militärkommissare und politischen Gremien bei den Heeresformationen bezeichnete Woroschilow direkt als „Organe der Kommuni- st i s ch e n Parte i". Der politische Kommissar, so sagte Woroschilow unter Berufung auf Stalin, sei die Seele des kommunistischen Militärwesens. Der hysterische Ton, mit dem Woroschilow von den erschossenen Generalen als von „Banditen, Spionen, feigen Hochverrätern" usw. sprach sowie die furchtbaren Drohungen, die er an alle diejenigen Heeresangehörigen richtete, „deren lasterhafte Seelen zum Landesverrat fähig sein könnten", lassen den Rückschluß zu, daß jene furchtbaren Wunden innerhalb der Roten Armee noch lange nicht vernarbt sind. Unter den Spionen und Landesverrätern, die alle mit der „Vertilgung vom Erdboden" bestraft worden seien, erwähnte Woroschilow außer Tuchatschewski, Gamarnik, Eidemann auch den früheren Chef der gesamten roten See- strcitkräfte und Großadmiral Orlow, dessen Stellvertreter, Vizeadmiral Ludri, und den frühen Chef der roten Ostseeflotte, Vizeadmiral 6 i m i ü m. Während bisher lediglich das „Verschwinden" dieser Persönlichkeiten festgestellt werden konnte, ist also nun die Bestätigung dafür erfolgt, daß auch die ehemaligen Leiter der sowjetrussischen Kriegsmarine dasselbe blutige Ende gefunden haben wie Tuchatschewski und die übrigen erschossenen Generale.
Die erst, kürzlich von Stalin verkündete Losung von der „ständigen Mobilmachung des gesamten Sowjetvolkes" sei, so erklärte Woroschilow, das „politische Evangelium" und Aktionsprogramm für den bolschewistischen Staat. Aus der Rede Woroschilows verdienen vor allem die Erklärungen über den chemischen Krieg allergrößte Beachtung. Woroschilow führte aus:
Die Sowjetunion habe wohl im Jahre 1925 das Genfer Protokoll unterschrieben, das die Anwendung der chemischen und bakteriologischen Waffen im Kriegsfälle verbiete. Die Sowjetunion werde diese Verpflichtung von sich aus auch einhalten, jedoch hätten leider andere Staaken darüber „gefähr- l i ch e Ansichten". Deshalb sei in der Roten Armee das Programm der Ausbil
dung der chemischen Truppenteile in dem Sinne erweitert worden, daß diese nicht alle in in der Abwehr eines chemischen Angriffes geschult würden. „Wir haben", so sagte Woroschilow wörtlich, „das Programm der Ausbildung der ch:mischen Truppenteile durch Sekloren ergänzt, die über den Rahmen der Abwehrausbildung gegen einen chemischen Angriff hinausgehen. Wem? ein aggressiver Feind die Sewjettruppen mit chemischen Mitteln angreifen wird, so werden als Antwort darauf dieselben fürchterlichen chemischen Kampfmittel den Gegner treffen."
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Woroschilow mußte mit einigen neuen interessanten Tatsachen herausrücken: der Erschießung weiterer führender Offiziere, von denen bisher nur bekannt war, daß sie von der Bildfläche verschwunden waren. Auf einen Schlag des Feindes sollen die Rotgardisten mit einem „tödlichen Schlag" antworten, war das Kernstück der Rede Woroschilows an eine Armee, die in den letzten Monaten, wie die
Moskau, 23. Febr. (DRV.) Die auffallende Tatsache, daß der Sowjelmarschall Jegorow, bisher erster Stellvertreter des Kriegskommissars, bei den Jubiläumsfeierlichkeiten der Roten Armee vermißt wurde, hat zu pessimistischen Rückschlüßen über das Schicksal des Marschalls Anlaß gegeben. Diese Vermutungen werden bestätigt: Die„Prawda" bringt einen Artikel aus der Feder des bisherigen Oberbefehlshabers des Kiewer Militärbezirks, des Armeekommandanten F e d k o, der überraschenderweise als „Stellverkreler des Kriegskommissars" bezeichnet wird. Marschall Jegorow dürfte demzufolge „verschwunden" und Armeekommandant Fedko als stellvertretender Kriegskommissar an dessen Stelle getreten sein.
Jegorow, der im alten russischen Heer bereits den Rang eines Obersten bekleidete, hatte sich den Bolschewisten zur Verfügung gestellt und manche Schlacht des Bürgerkrieges für Moskau gewonnen. Erst 1930 als Generalstabschef der Roten Armee trat Jegorow auch in die bolschewistische Partei ein. Zweifellos verbanden ihn persönliche Freundschaft und gleichgerichtete militärische Ansichten mit dem erschossenen Tuchatschewski, an dessen Seite er Entwicklung und Aufbau des Sowjetheeres während der letzten Jahre maßgebend mitbestimmt hat. Uebrigens unterschied sich Jegorow dadurch wesentlich von Tuchatschewski, daß er sich niemals um aktive Politik gekümmert hat. Vielleicht darf man die sehr aktiven Bestrebungen |
„Times" feststellt, um viele tausend Offiziere, vor allem um ein ganzes Drittel des Bestandes an älteren und erfahrenen Offizieren, ärmer geworden ist. Tatsachen, die sich nicht durch Phrasen überschatten lassen und die nicht dazu berechtigen, von der Armee zu behaupten, sie sei zu tödlichen Schlägen fähig. Und will man das Ganze abrunden, so bleibt eine weitere, höchst aufschlußreiche und bezeichnende Tatsache: die Amnestierung aller Offiziere, die wegen Dienstvergehen eingekerkert worden sind. Freigelassen werden alle bis zu drei Jahren Gefängnis Bestraften. Man braucht sie wie das tägliche Brot, weil man das Offizierskorps bis zum Weißbluten ausgekämmt hat. Einstige Gefängnisinsassen sollen nun auf die freigewordenen Posten treten, eine höchst bedenkliche Sache. Aber vielleicht spekuliert der Bolschewismus heute wieder so wie in den Jahren des kommunistischen Bürgerkrieges, daß diejenigen, die hinter Gefängnisgittern saßen, für die roten Zwecke am brauchbarsten sind. Was also auf den Kehrichthaufen geworfen worden ist, soll nun nach den unerwünschten Folgen einer blutigen „Säuberung" wieder zurück. Eine feine Armee!
D. 5.
des neuernannten Armeeoberkommissars und stellvertretenden Kriegskommissars Mechlis, die auf die völlige Durchdringung der Armee mit bolschewistischem Parteigeist hinauslaufen, als treibende Kraft beim Sturz Jegorows vermuten.
Jegorow ist nunmehr der fünfte stellvertretende kriegskommisfar und der zweite Sowjetmarschall unter den im Lause weniger Monate Hingerichteten oder verschollenen Armeeführern. Die durch die jüngsten Erklärungen Woroschilows ergänzte Liste der „liquidierten" Armeeführung sieht demnach folgendermaßen aus:
Tuchatschewski (Marschall und Erster
Stellvertreter des Kriegskommissars): erschossen;
Gamarnik (Armeekommissar Ersten Ranges und Chef der politischen Verwaltung der Roten Armee): erschossen;
Orlow (Dritter Stellvertreter des Kriegskommissars, Großadmiral und Chef der Seestreitkräfte): erschossen;
A l k s n i s (Vierter Stellvertreter des Kriegs- kommifsars, Armeekommandanf Ersten Ranges und Ehef der Luftstreitkräffe): verschollen;
Jegorow (nach Tuchatschewski Erster Stellvertreter des Kriegskommissars und Chef des Landheeres): verschollen.
Auch Sowjeimarschall Zrgorow „verschWOen"
für den Ankauf neuen Materials der Luftwaffe verausgabt, davon 850 Millionen für Landflugzeuge und 150 Millionen für Wasserflugzeuge. Die französischen Jagd - Aufklärungs - und Bombenflugzeuge seien z u a l t und verfügten über keine ausreichende Fluggeschwindigkeit, weil zwischen der Annahme eines neuen Modells durch die Behörden und der Herstellung und Indienststellung einer solchen Flugzeugserie zu viel Zeit verstreiche.
Für den angekündigten Bau zweier neuer Panzerkreuzer von 3 500 0 Tonnen und für einen Kreuzer I. Klasse seien 4 Milliarden Franken notwendig. Bei den Ausgaben für das Landheer müsse man nach der Betonung der
Delbos muf
Stammte der „Baseler" Bei
Das große Pariser Matt „Le T e rn p s" mußte nach dem 4. Februar für Deutschland verboten werden, weil es einen beispiellos verlogenen und verleumderischen „Bericht" über angeblich wilde Zustände in Deutschland gebracht Hatte, den ein „aus Berlin kommender Reisender" einem Gewährsmann des Blattes in Basel gegeben haben sollte. Der frühere französische Ministerpräsident F l a n d i n, der ja vor einigen Wochen einen kurzen Besuch in Deutschland machte, hat den Außen- ministe.r Delbos nach der Herkunft jenes Greuelberichtes gefragt. Jetzt stellt sich heraus, daß Flandin vor dem Auswärtigen Ausschuß der Kam- mer Herrn Delbos auf Den Kopf zugesagt hat, Daß Der Lügenbericht des „Temps" nirgends anders ipoher als aus einem Ressort Des — französischen Außenministeriums selbst stamme. Flandin ist ein Mann, der m Frankreich beträchtliches Ansehen genießt und bellen politische Laufbahn keinesfalls schon abgeschlossen sein dürfte. Er ist auch in letzter Zeit politisch immer stark hervorgetreten, vor allem als Bekämp'er der sowjetgebundenen Volksfrontpolitik. Wenn ein Mann feines Ansehens vor dem Kammerausschuß eine derartig schwere Anschuldigung gegen das : Außenministerium erhebt, und es damit indirekt Der gröbsten Völkerverhetzung anklagt, Dann muß man annehmen, Daß eine so ernste Anklage nicht aus der Luft gegriffen ist. Es ist bemerkenswert,
belgischen Neutralität eine Verlängerung der französischen Grenz-Befestigungen nördlich und südlich Der Maginot-Linie nach Belgien, Luxemburg und der Schweiz ins Auge fassen. Allerdings dürften auf Grund des günstigeren Geländes Die Befestigungsarbeiten an diesen Grenzen bei gleicher Sicherheit mit derjenigen der Maginot- Linie hinsichtlich der Kosten sich niedriger stellen. Man müsse auch an die Ergänzung veralteter bzw. verbrauchter Kampfwagen und Traktoren für Die schwere Artillerie denken, ferner an die Verstärkung des Materials an Maschinengewehren und leichten Geschützen.
t aniworten.
icht aus dem Quai d'Orsay?
daß der angegriffene Delbos nicht in der Lage war, den schweren Vorwurf Flandins sofort als haltlos zu dementieren. Herr Delbos beschränkte sich darauf, eine Untersuchung zuzusagen. Nach den Er- , fahrungen, die man mit solchen „Untersuchungen" in Frankreich beispielsweise gegen die Massenschie- ' bungen Cots mit modernen Armeeslugzeugen nach Rotspanien oder mit den Serien von GPU.-Morden in Paris gemacht hat, versprechen wir uns von einer solchen Untersuchung nicht viel. Aber Delbos wird die Frage nach der Urheberschaft jenes ordinären Greuelberichtes schon um seiner selbst willen sehr bald ohne alle Umschweife und Vertuschungen beantworten müssen, da er sonst j selbst in einen sehr eindeutigen Verdacht — mm- ' bestens der Mitwisserschaft oder der wohlwollenden Duldung — kommen würde. B. R.
EDensRachsolgenochunqeklar t
„Ein neues Gefühl der Hoffnung und des Vertrauens."
London, 24. Febr. (DNB. Funkspr.) „Times" stellt fest, daß die Nachfolge Edens noch nicht geklärt fei. „Daily Tclegraplf" meint, Lord Halifax werde während der Dauer Der englisch- italienischen Verhandlungen als Außenminister fungieren. Der Premierminister werde die Ober
leitung dieser Verhandlungen führen. Der britische Botschafter in Rom, Lord Perth, treffe heute nachmittag in London ein. Man nehme an, daß Earl Winterton, Der jetzige Kanzler Des Herzogtums Lancaster, einen Sitz im Kabinett erhalten solle, Das roürDe bedeuten, daß dem Premierminister eine Persönlichkeit für Sonderausgaben zur Verfügung stände.
Die „Daily Mail" stellt fest, die Aussprache im Parlament habe gezeigt, daß die Minister geschlossen hinter dem Premier- mi nist er ständen. Die Abstimmung sei ein großer persönlicher Triumph Chamberlains gewesen. Jetzt, wo England aus Dem gefährlichen Jrrgang herausgekommen fei, um einen Direkten Weg in Der Außenpolitik zu verfolgen, gebe es roieDer e i n neues Gefühl Der Hoffnung auf Die Zukunft im ganzen Lande. Das zeige sich bereits in einem größeren Vertrauen in der Geschäftswelt. Die Hauptlehre Der jüngsten Krise sei aber Die, Daß England schnell und entschlossen bis zur Grenze seiner Lei- stungsfähigkeit aufrüsten müsse. .Daily Expreß" nennt Die Linksparteien ausgesprochene Kriegsparteien, Die keine Gelegenheiten verpaßten, irgendwo in der Welt Krieg zu machen. Demgegenüber vertritt das Blatt die Politik einer „splendid Isolation".
Neue Rückschläge für das deutsche Schulwesen in Westpolen.
Bromberg, 24. Febr. (DNB.) Nach der Schließung der dreiklassigen privaten deutschen Volksschule in Neutomischel hat das deutsche Schulwesen in Westpolen erneut schwere Rückschläge zu verzeichnen. So wurde jetzt die zwei- klassige deutsche Prioatschule in O st b u r g bei Jno- wroclaw gezwungen, den Unterricht einzustellen. Die hier im Jahre 1926 verpachteten Unter» tunftsräume im ehemaligen staatlichen Schulgebäude sind ihr gekündigt worden. Der Pachtvertrag wurde nicht mehr erneuert, so daß die deutsche Pn- vatschule in diesen Tagen geschlossen wurde. — Im Kreise Jnowroclaw ist demnach innerhalb von zwei Jahren die Dritte Deutsche Privatschule geschlossen worDen. Im Kreise SolDau wurDe Die Deutsche Klasse Der Volksschule in Soldau geschlossen.


