Ausgabe 
23.11.1938
 
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Nr. 274 Zweites Blatt

Mittwoch. 25. November 1958

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen)

Aus dem Reiche der Frau.

Wir binden unfern Adventskranz

23on Irmgard von Stein

Einen Arm voll tiefgrüner Tannenzweige tragen wir heim als die Vorbotest des Lichterbaums und kaufen die schmückenden Dinge für unseren Advents­kranz voller Liebe ein. Die Rolle mit feinem Draht ist heute kein einfodjer Gegenstand des Gebrauchs aus dem Werkzeugkasten. Sie ist Mithelfer am Werk beim Tannenkranz. Das Goldband schmückt flim­mernd die Krone aus Ziveigen, die dann vom Lich­terglanz überstrahlt wird.

Es ist eine unvergleichlich schöne Sitte, unser Ad­ventskranz. Er erhellt die dunklen Wintertage mit seinem Lichterglanz. Und wenn die Kerzen flackern, versinkt die Prosa des Alltags, die Poesie der Feier­stunde erwacht. Es ist ein schönes Werk für Frauen­hände, den Adventskranz zu binden. Bei seiner Aus­schmückung kann viel Phantasie mitspielen. Tief­gelbe Wachskerzen sehen schön zu roten Beeren­büscheln aus, die sich in grüne Nadeln schmiegen. Ein Netz von goldenem Lametta glitzert im Licht­schein, und silbernes Engelshaar schlingt sich über die Tannenkrone.

Fedes Fest ist ^nlaß für die Frau, ihre leichte Hand, ihre freudeschaffende Phantasie und ihre Liebe zum Heim und den Mitmenschen zu beweisen. Aber keine Feiertage geben so viele Möglichkeiten zu liebenden Werken und Gedanken wie die weih­nachtliche Zeit. Die Adventswochen sind eine Spanne voll Stimmung, die weich und versöhnlich macht eine Atempause im Jagen des Jahres, die von Schönheit alter, ewig junger Bräuche ausgefülll wird. Kirchen und Altäre, hohe Säle und niedrige Stuben, städtische Häuser und ländliche Heime

Teebrett kann dazu gemacht werden, wenn wir ein Stückchen Pappe mit Silberpapier beziehn. All­zulange halten natürlich bei den winzigen Kinder- ingerchen diese Gläschen nicht, aber das ist auch gut, denn das Kind hatte ja eine ansteckende Krank­heit, und wir knüssen die Spielereien, die wir ihm jetzt geben, so einrichten, daß der Jammer nicht zu groß wird, wenn etwas von den Sächelchen ins Feuer kommt.

Die Kleinsten sind wohl nun befriedigt, aber, die Buben verlangen mehr. Muttel, wenn wir wenigstens auf den Sandhaufen könnten!"Na wartet, ich hole euch den Sandhaufen ins Zimmer", agt die erfinderische Mutter. Sie bringt ein großes Teebrett und darauf etwa zwei Liter Sand. Dazu aus dem Garten abgefallene Blüten, Ebereschen­beeren, kleine Zweigelchen, Steinchen und Schnee­beeren. Was wollen wir bauen?Natürlich den Stadtpark mit einem Denkmal!" Also der feuchte Sandberg wird festgeklopft. Auf die Spitze kommt ein dunkler Stein als Hintergrund, davor ein wei- 3er als Denkmal. Rundherum grüne Aestchen als Gebüsch. Ein schräger Weg führt hinauf. Die Rän­der bezeichnen kleine Steinchen. Am Außenrand entlang stehn Laternen, weiße, dicke Schneebeeren, auf kleine Stöckchen gesteckt.£) Mutti, sieh bloß, ist das nicht sehr hell?", jauchzt das dreijährige Pünktchen. Die Blütenblätter werden in Mustern

zu Teppichbeeten gelegt. Eine kleine Kaule, die mit Silberpapier ausgelegt ist, wird der Schwanenteich. In Schneebeeren werden rechts und links als Flü­gel winzige Stöckchen gepickt, eins als Schwanz. Die Großen Beeren sind die Schwcme, die ganz kleinen grünen die Entchen. Ihr Schwanz wird ent­sprechend eingesteckt, denn es heißt: Schwänzchen in die Höh! Der Hals ist bei den Schwänen lang, bei den Enten kurz. Als Köpfchen kommt eine win­zige, grüne Beere dranf. Stehn können diese Tiere natürlich nicht, aber sie sollen doch auch nur schwimmen und sich füttern lassen. Ein Ruderboot aus Papier belebt ebenfalls den See. Rund herum pflanzen wir Gras als Schilf. Eine Streichholz­schachtel gibt eine Bank im Grünen. Zum Denkmal fichrt natürlich die Reichsautobahn. Eine rote Ziga­rettenschachtel chird zum Auto gebogen. Die Räder sind daran gelegte Schneebeeren. Fritz will gleich das Auto fahren lassen, aber es Hut sofort eine Panne.Siehst du", sagt der große Hans,warum muß du auch gleich alles mit den Fingern betrach­ten» dazu sind die Augen da."

Noch oft haben die Kinder so mit dem Sand­haufen gespieU und immer Neues erfunden. Als sie abends alle froh einschliefen, sagte Christel glück- lich: Mutteli, spielst du morgen wieder mit uns: Vergnügter Sandhaufen?

Vas füllen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

alle sind um die Adventszeit mit dem grünen Kranz geschmückt, und alle die graue Mühe des Lebens wird eine Zeitlang überstrahlt vom Lichteralanz.

Wir schaffen uns unser Fest daheim, in Kranken­stuben und Arbeitsstätten. Adventskerzen erleichtern Schmerzen, erhellen' dunkle Stunden und schlagen eine Brücke von Herz zu Herz.

WassangeichmttdenMdernan?

23ori Frida Aisch.

In der Schule und im Kindergarten ist unsere kleine Gesellschaft gut untergebracht. Und die Mut­ter atmet auf. Wenn nun aber Ferien kommen, auf die niemand gerechnet hat, und die kleine Gesell­schaft ist ans Haus gebunden, dann liegt bald alles Spielzeug im Winkel, und trostlos drückt sich Christel das Näschen an der Fensterscheibe platt. An hinausgehn in das Herbstwetter ist bei der kaum überstandenen Krankheit nicht zu denken. Auch die Buben wissen nicht mehr, was sie anfangen sollen. Alles sind lebhafte Kinder, die im Garten und auf der Straße ihren Sport- und Kletterliebhabereien nachgegangen sind. So ist Kranksein für sie eine ganz besondere Geduldsprobe. Für Muttchen aber auch.

Langeweile ist etwas, was ein Kind nie zu lernen braucht. Alle Drei sind wieder so weit, daß sie nach Beschäftigung verlangen. Zuerst werden sie ein bißchen , beehrt". Gleich sind sie in gehobener Stim­mung. Für gewöhnlich heißt es: Kinder sollen sich nicht so wichtig machen, aber nun/ em findet die kleine Sl^ar es mit Genugtuung, daß sich alles um sie dreht. Da alle eine schlimme Magenverstim­mung hatten, ist es mit dem, was sie essen dürfen, noch nicht weit her. Da legen wir das Hauptgewicht auf den niedlichen Teller, daß Täßchen mit dem Blumenrand, das verzierte Löffelchen. Da schmeckt der trockene Zwieback noch einmal so gut, oder die unvermeidliche Hafergrütze. Muttchen ist auch ein Weilchen ganz allein für die kleine Gesellschaft da und erzählt esnd kleine Geschichte. Es :ft eine ganz alte, ganz bekannte Geschichte. Die Kinder haben sie schon oft gehört. Aber alles überwiegt die Selig­keit: Muttel ist ganz allein für uns da! Wenn die Mutter noch so wenig Zeit hat, wenn draußen die Arbeit brennt, das Kind darf nie die Ungeduld der Mutter spüren. Sie braucht nur kurze Zeit am Bettchen zu sitzen, aber mit allen Gedanken. Dann bleiben die Kinder auch gern wieder ein Weilchen allein. Kommt Muttchen dann wieder, spielen sie das Täubchenspiel. Muttel klebt auf-die Zeigefingernägel von sich und den Kindern mit Wasser kleine weiße Papierstreifchen nur m der Mitte an. Das sind die Täubchen. Mutter und Kinder legen ihre Täubchenfinger auf die Bett­kanten. Dazu sagt Mutter: Es sitzen die Täubchen auf einem Dach. Da kam der Regen und -machte sie naß. Die eine fliegt fort (Mutters Zeigefinger hebt sich bis zur Brüst). Die andre fliegt fort (der zweite Zeigefinger hebt sich). Jetzt fliegen bei Kind­chen die Täubchen auch fort, Die erf

kam wieder (der Finger mit demi Papierchen liegt wieder auf der Bettkante). Kindchens auch. Dann kommen alle Täubchen wieder. Dann geht das so noch ein paarmal hin und her. Auf einmal sag Mutter: Die .eine bleibt fort und die andere kam auch nicht wieder. Mutter hat, ohne daß es Die Kinder merken, die unbeklebten Mittelfinger aufs Dach" fliegen lassen. Das Täubchen Nebt ge­borgen auf den Zeigefingern, die in Mutters Hand eingeschlagen sind. Christel will ihr Täubchen. nun auch verschwinden lassen und versucht hinter ihrem Rücken, das Papier abzustreifen, was tl)r aua^ nach einiger Mühe gelingt. Da kommt auf einmal Muttchens Täubchen wieder. Das Verwundern und die Freude ist groß. Auf die Dauer kann einem klugen Kind die Sache dicht verborgen bleiben, aoer gleich kommt es nicht dahinter, und Mutter und Kind haben ihren Spaß.

Ein andermal macht die Mutter mit den Kindern aus Silberpapier von Zigaretten ober Schokolade kleine Trinkgläser für die Puppen. Ein Streifen Silberpapier wird wie eine lose Rohre über den Zeigefinger gewickelt. Er muß reichlich herumgeyn und ein wenig oben Überstehn. Jetzt hilft Mutter dem Kind, den oberen Rand nach innen einzuMa- gen. Das ist die Kante vom Becher. Nun drucken wir die Rolle in der Mitte zusammen, zieyn sie vom Finger und machen dieTaille" noch enger, damit der Becher einen schönen dünnen ®iel be= kommt. Mit dem übriggebliebenen offenen Ende setzt Kindchen den Becher fest auf, und dasGlas steht Rund herum wird es noch ein wenig m per Form verbessert und abgerundet, wo es noch nicht ganz schön ist. In dies Becherchen kann man sogar Flüssigkeit gießen, und sie bleibt drin! Auch em

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Allerlei praktische Wäsche zum Selb st anfertigen schlagen wir heute vor.

Skizze 1 zeigt einen warmen Hausmantel aus hellgelbem Flausch mit dunkelbraun pafpe- lierten Kanten. Der Mantel ist sehr einfach in drei Teilen (von denen die beiden vorderen weit über­einandergreifen) geschnitten und wird mit drei brau= nen Stoffknöpfen geschlossen. Die Taschen sind schräg eingeschnitten und ebenfalls paspeliert; der Gürtel ist ein schmales, braunes Röllchen.

Das Unterkleid (2) aus sechs Bahnen mit dem eingelesenen Brusttell und den schmalen D a -

lenciennespitzen am Vorderteil ist aus haut­farbenem Mattkrepp.

Der Schlafanzug (3) mit der auf drei Perl­muttknöpfe geschlossenen Bluse ist wie die schmale Gürtelschärpe aus hellblauem Krepp-Cavable.

Das Nachthemd (4) ist aus blaßgrunem Chinakrepp. Vorder- und Rückenteil sind je zweimal in vier durchgehende Falten gelegt, die in der Hüfthöhe abgesteppt sind. Schmale, schwarze Bändchen schließen den Halsausschnitt und bilden den Gürtel. H.

Koche mit Verstand und Liede!

Ich frage mich oft:Wonach schmeckt das eigent­lich?" Zum Beispiel, wenn ich irgendwo zu Gast geladen bin, ein hübsches Gericht angeboten be­komme und irgendeine undefinierbare Soße alles überbietet, was sich eine Köchin an Einfallslosigkeit leisten kann. Sagen Sie bitte nicht, daß es unpas­send sei, über angenommene Einladungen und ihre etwaigen Mängel zu reden. Das beabsichtige ich keineswegs. Aber ich finde, daß angebotene Erfri- schungen und Mahlzeiten in ihrer Zudereitungs- meife nicht in ihrer .Kostbarkeit". die Kultur und den guten Geschmack der Hausfrau verraten. Und wenn Sie nun noch sagen, daß ein Gericht wie Pellkartoffeln und Hering keinerlei besondere Kul­tur in Zubereitungsweise und der Art, sie anzu­richten, verraten können, so beweisen Sie nur, daß es unbedingt nötig ist. Sie ein wenig über Das aufzuklären, was ich mit meiner kleinen Anklage beabsichtige. . ,

Wollen wir doch gleich einmal bei den geringen bleiben. Natürlich, es scheint ganz einfach: die He­ringe werden mit Zwsebelringen, Gewurzkornern, Milch ober etwas Sahne, einigen kleinen Gurken- unb Apfelftreifchen und anderen beliebigen Gewür­zen zu diesem beliebtenAllerweltsgericht verbun­den - aber das Wie -, das ist das Kunststuck. Und darin liegt die Beherrschung des Kochloftels, alles auch das Alltägliche im Kochtopf, zu etwas Besonderem zuzubereiten. Dazu ist penaw? Kennt- nis der Eigenart und des Eigengeschmacks eines jeden Kochguts nötig. Das eignet

fnielenb mit gutem Willen unb Geschmack, mit toas Mtanb und sehr viele Liebe an -, unb bann wird gekocht, daß es allen eine Freude des Auges und des Gaumens wird.

Dann gibt es nicht zu zartgebratenem Fleisch, ro­sig und weich, einenMehlblubber" als angeblich unbedingt nötige" Soße: der junge, grüne Spinat wird einem nicht durch seinen unangebrachten Pfefterreichtum zu höllischem Feuer auf der Zunge, Tomatensoße wird richtig nach Tomaten schmecken, und Makkaroni sind auch kein teigiges Gemisch mehr, sondern schmecken herrlich, glatt und nicht glitschig, mit geriebenem Käse. Auch wird nicht zu jedem Fischgericht die weiße Soße mit grünen Kräutern mehr auf den Tisch kommen, sondern zahlreiche verschiedene Zubereitungsarten werden der findigen Köchin verlockend sein, die hungrigen Esser zu erfreuen. Die Allerweltsoße bei den meisten Fleischgerichten wird auch durch liebevollere und sparsamere Benutzung der beiden sehr delikaten Geschmacksverbesserer Sahne und Soßenwürze ge­winnen, und man wird entdecken, daß manches Fleischgericht in eigenem Saft erheblich schöner schmeckt. Suppengrün wird, mit Hulsenfrüchten zusammengekocht, als angenehme Geschmacksbeein­flussung Geltung behalten, aber daß blaugefodjte Fische oder gedämpfte Fischfilets nur noch mit der Lupe als Fischgericht erkennbar Hnb und im übrigen wie einSuppengrüntopf" schmecken, wird uns dann wie ein Märchen aus alten Zeiten berühren.

Und angerichtet werden die Speisen sein! Herr­lich, glauben Sie es mir! Sie selber werden die Erste' sein, die den Spinat nicht mehr in einer topfähnlichen Schüssel auf den Tisch setzt, sondern er wird als grünleuchtender Farbileck, umgeben von einem Kranz goldschvmmemder gebratener ober Pell-Kartoffeln, vielleicht noch mit vier Scheibchen roter Tomate geziert, ein lukullisches Gemälde fein. Auch weiße Bohnen sehen viel luftiger unb appetit­anregender aus, wenn sie mit dem saftigen Grün von etwas gehackter Petersilie bestreut werden. S. Fr.

pfleee deine Nähmaschine!

Es macht sich bezahlt.

Endlich ist der langersehnte Wunsch in Erfüllung gegangen, und man hat sich eine neue Nähmaschine getauft. Aber plötzlich der Kauf ist noch gar nicht einmal so lange her, reißen beim Maschinennähen die Fäden. Diese Himerlist der Nähmaschine ist leicht abzuftellen. Beim Fadenreißen, das besonders neue Maschinen so gern an sich haben, hat meistens die Spannung des Obergarns etwas nachgelassen. Durch Regulierung der Spannschraube an der Spule ist der Schaden behoben.

Läßt die Maschine oftmals Stiche aus, eines der gefürchteten Uebel, dann sitzt die Nadel zu hoch. In einem solchen Fall muß sie heruntergeschraubt wer­den. Macht sich beim Nähen dagegen ein unheim­liches Klopfen bet jedem Stich bemerkbar, ober bringt die Nadel schwer in den Stoff ein und zieht sogar Fäden aus dem Stoff, so ist die Nadel stumpf geworden und muß erneuert werden. Die gleichen Merkmale zeigew sich infolge der schlechten' Ange­wohnheit junger Hausfrauen, den Faden unsach­gemäß abzureißen.

Bei hauchfeinen Seiden ist es angebracht, mit dem dünnen Stoff ein Stück Seidenpapier mitzu« steppen. Das verhütet das Zusammenziehen des Stoffes, das sonst unvermeidlich ist. Das Seiden­papier läßt sich hinterher leicht entfernen.

Jede Maschine will sachgemäß behandelt werden. Erst dann wird sie durch tadellose Arbeit das lei­sten, was sie leisten kann. Zur sachgemäßen Pflege gehört, daß man seine Nähmaschine in gewissen Abständen schmiert und alle Jahre einmal überholt. Gönnen wir auch unserer Nähmaschine einmal eine Erholungskur. Sie ist bescheiden und braucht nicht etwa vier Wochen dazu, sondern nur eine halbe Stunde. Allerdings ist es eine Radikalkur: man schraubt die Maschine vom Gestell, staubt sie ab und stellt sie zehn Minuten in reines Petroleum. Dann reibt man jedes Maschinenteilchen mit einem faser- freien Lappen trocken. Zum Schluß werden sämt­liche Schmierstellen mit feinflüssigem Nähmaschinen­öl getränkt. Bei einer solchen Behandlung ist die Maschine erstaunlich verjüngt.

Neben der sachgemäßen Pflege, kann man sich durch die Kenntnis verschiedener Hilfsvorrichtungen die Arbeit an der Nähmaschine erleichtern und er­weitern. Wer beispielsweise eine gesteppte Decke selbst nähen möchte, aber die Mühe fürchtet, alle Steppnähte mit Lineal und Zentimetermaß vor­zuzeichnen, kann sich helfen. Es gibt ein Heinzel­männchen in der Nähmaschine, ein kleines Füßchen, das man anschraubt. Dieses punktiert beim Biesen­oder Karosteppen die nächste Linie automatisch vor, jo daß man kein Lineal braucht. Auch zum Ein­kräuseln gibt es Hilfsvorrichtungen, ebenso wie für Säume und Kappnähte, die automatisch umgeschla­gen werden. Auch die Hohl- unb Schmucknähts brauchen nicht mehr mühsam mit ber Hand gemacht zu werden, Für alles gibt es kleine Maschinenteile.

Nähmaschine nähen macht Spaß nur muß man seine Nähmaschine ein klein wenig lieb haben, sie gut halten und pflegen. L.

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Allerlei von der Rode.

Wenn auch eine vernünftige Frau es ablehnen wird, den extremen Modelaunen zu folgen, die wir jetzt bei der Rückkehr zum Stil unserer Großmütter hie und da beobachten können: kleinen modischen Augenblickslaunen wird sie zugänglich fein, sind sie es doch, die das Bild abwechslungsreich machen und der Frau immer einen neuen Reiz geben.

Sehr beliebt sind für Nachmittagskleider tief ausgeschnittene SB e ft e n in lebhaften Farben Weinrot, Steingrün, Senfgelb mit schönen Schmuckknöpfen geschlossen. Mit Hilfe solcher Westen kann man einem älteren Kleid ein neues Aussehen geben.

Reizvoll ist auch die wieder stärker auftretende Fransenmode. So waren z. B. bei^ einem ganz glatten, erdbeerroten Kleid aus Cloque als einzige (Stornierung die beiden Täschchen am Rock mit lan­gen schweren Fransen in etwas dunklerem Ton befetzt. Ein schwarzes Seidenkleid zeigte einen vorn und rückwärts geschlitzten flach aufliegenden Kra­gen, von dessen vier Ecken weiße Seidenfransen fielen.

Häkeleien als Garnierung, vor allem in der so plastisch wirkenden irischen Technik geben ein­fachen Seidenkleidern eine besondere Note. Sehr hübsch wirkt eine Garnitur gehäkelter Knöpfe aus weißem oder farbigem Seidengarn in Irish-Technik.

Die Halsgarnierungen betonen das Leichte und Gefällige. Man sieht viel zu Maschen gebundene Garnierungen oder schalartig endende Halsbekleidungen. Allgemein wird für solche Kra­gen der Rückenfchluß bevorzugt.

Nicht nur an Kleidern, sondern auch an Män­teln sieht man häufig den sogenannten Bana- nenärmel, der an Handgelenken und Schultern schmal verläuft und in der Ellbogengegend seine größte Weite hat. Die verbreiterten Schultern unb der hochgestellte Aermel verschwinden mehr und mehr und machen der natürlichen Schulterlinie Platz. Längsfalten und Nahtbetvnungen verstärken den Charakter eines solchen Bananenärmels.

Sehr praktisch für die Verwertung älteren Pelz­materials ist die Mode des Mantelbesatzes durch mehr ober weniger breite Pelzstreifen, die geringelt den Unterarm emporlaufen. Taschenartig aufgesetzte Pelzstücke, schmale hochstehende Pelz­kragen ober Pelzrollen, die Revers und Mantel­schluß umranden, sinb kleidsam und auch für den schmaleren Geldbeutel erschwinglich. Auch Pelz wirb gern zu maschenartigen Halsgarnierungen ver­arbeitet.

Auf einer Modeschau in Italien war ein schwar­zes Samtkleid zu sehen, an das aus gleichem Stoff ein Tuch angearbeitet war, das nach Belieben als Kopfbedeckung getragen oder als Cape um die Schulter gelegt werden konnte. Es gehört viel Grazie dazu, eine solche Extravaganz zur Schau zu tragen.

Noch ein Ausblick in die Zukunft: Wie das Deut- sche Modeinstitut mitteilt, bringt die neue Mode­farbenkarte der deutschen Textilindustrie für Frühjahr unb Sommer nicht weniger als 96 Far­bentöne. Vor allem sind die Kunstseidenstoffe durch neue Farben bereichert. So wird jede Frau den zu ihr paffenben Farbton finden. D.S.