Nr. 274 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Mittwoch, 23. November M8
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Die politische Propaganda
Deutschlands geistige Waffe im Kampf um seine Weltgeltung.
0r. Goebbels vor den Berliner Propagandisten der Bewegung.
Berlin, 22. Nvv. (DNB.) Am Dienstagabend sprach Gauletter und Reichspropagandaleiter Reichs- Minister Dr. G o e b b e l s auf einer Tagung der Berliner Propagandisten in der Krolloper. Vor 2000 Propagandisten der Bewegung, den Hoheitsträgern der Partei, den Führern ihrer Gliederungen und Verbände des Gaues Berlin, gab der Reichspropa- aandaleiter einen eingehenden Heberblick.über die schwebenden Probleme und die sich daraus ergebenden Aufgaben für die Propagandisten. Die nativ« nalsozialistische Staatsführung habe am 30. Januar 1933 vor ungeheuren Problemen gestanden und stehe auch heute noch vor der Lösung großer Probleme. Und wenn sie immer nur einzelne Probleme heraus- greift und anpacke, die durch die Entwicklung am dringendsten und reifsten geworden seien, dann bedeute das keineswegs, daß sie nun die anderen wichtigen Fragen nicht sehen oder nicht lösen wolle. Es komme in der Politik nicht nur darauf an, daß man das Richtige tut, sondern daß man das Richtige auch im richtigen Augenblick tut.
Deutschland habe in den ersten Jahren nach der Machtergreifung eine gewisse Risiko zone durchschreiten müssen. Das sei für die nationalsozialistische Staatsführung um so schwerer gewesen, als sie bei der Lösung gewisser Aufgaben handeln mußte, ohne das Volk immer über die Tragweite der Probleme ins Bild setzen zu können. Nur alte Nationalsozialisten könnten ermessen, was das bedeute. Primärste Voraussetzung nationalsozialistischer Politik sei es stets gewesen, daß das Volk sie versteht und daß das Volk hinter diese Politik tritt. So sei es z. B. nicht möglich gewesen, etwa das deutsche Volk schon von Anfang an zum Bundesgenossen für hie deut- f ch e Aufrüstung aufzurufen; denn im Augenblick hätte man damals auch die ganze Welt alar« miert. Das Durchschreiten solcher Risikozonen bedinge eine ganze Reihe von Opfern, die nun einmal von der Volksgemeinschaft getragen werden müßten. In solchen Zeiten müsse dann eine Staatsführung den Vorrat an Vertrauen e i n s e tz e n , den sie sich durch ihre Leistungen im Volke erworben habe.
Der Minister kennzeichnete dann Umfang und Bedeutung des nationalsozialistischen Ar Bauwerkes, das man nicht in einzelne Teile zergliedern könne, das vielmehr eine totale politische Gesa mtsch au darstelle. Es sei unmöglich, den einen oder den anderen Wesenszug herauszunehmen und zu sagen: Mit dem Nationalsozialismus im allgemeinen bin ich einverstanden, aber mit diesen und jenen Auswirkungen seiner Tätigkeit nicht, weil ich sie nicht verstehe. Diele Züge im Gesicht des Nationalsozialismus seien im Augenblick dem einen oder dem anderen noch unverständlich, weil ihre Auswirkungen sich eben erst später zeigen würden. Die Lösung jeder einzelnen Aufgabe durch den Nationalsozialismus sei Voraussetzung für die Lösung einer anderen. Der Nationalsozialismus fei also gewissermaßen ein progressives Jn-Funktion-Setzen eines politischen und weltanschaulichen Programms. Aufgabe der nationalsozialistischen Propaganda fei es nun, in steter Rücksichtnahme auf die Schwierigkeit der einzelnen Probleme einerseits und auf die öffentliche Meinung in der Welt anderseits das Volk mit diesen Problemen und ihren Auswirkungen bekannt und vertraut zu machen.
Dr. Goebbels ging dann mit den bürgerlichen Intellektuellen ins Gericht, die die Propaganda für etwas Unfeines, Hnoor- nehmes, Unduldsames und Ungezogenes hielten. Diese Intellektuellen sollten sich einmal die Tatsache vor Augen halten, daß nationalsozialistische Propaganda einen Teil der Erfolge der nationalsozialistischen Aufbaupoli- tik vor allem in psychologischer Hinsicht für sich in Anspruch nehmen könne. Die Abneigung der bürgerlichen Intellektuellen gegen jede Propaganda, das völlige Unverständnis für ihre Notwendigkeit, gehöre zu den trübsten Kapiteln des Weltkrieges. Auf diesem Gebiet seien Deutschland seine westlichen Gegner während des Krieges haushoch überlegen gewesen.
„Ich möchte Ihnen einen charakteristischen Vorgangs — so fuhr der Minister fort — „ins Gedächtnis zurückzurufen, um Ihnen zu zeigen, wie es um die psychologische Führung damals eigentlich bestellt war. Am 10. August 1918 schrieb der be- kannte Dichter Max halbe an das Große Hauptquartier einen Brief folgenden Inhaltes:
„Es fei einem schwer besorgten Vaterlandsfreund, der auch selbst zwei Söhne seit vier Jahren im Felde stehen hat, in dieser furchtbarsten Stunde unseres Volkes gestattet, auf eine große Gefahr Yin- zuweifen. Es ist dies der auffallende, weist als Leitartikel und ohne Kommentar erfolgende Ab d ruck von Reden der feindlichen Staats- männer durch unsere eigenen o e ui - scheu Zeitungen. So brachten gestern die hiesigen „Neuesten Nachrichten" ein Rede von Balfour, vorgestern eine von Lloyd George, ohne em Wort der Wiederlegung dazu zu schreiben.
Ich erlaube mir, die beiden Blätter beizulegen. Ich habe daraufhin in einem Brief an die Redaktion meine ernsten Bedenken über diese Praxis zum Ausdruck'gebracht. Nur ein Wort sei noch hinzugefügt. Unsere Feinde führen diesen Krieg vor der Oesfentttchkeit vor allem auch als einen moralischen Krieg, und hierin beruht ihre Stärke vor ihren Völkern. Sie führen diesen Krieg nach Art der Kreuzzüge oder der Religionskriege. W i r führen i h n nur militärisch. Wäre es nicht hoch an der Zeit — so schreibt Max halbe — auch di e geistigen Waffen zu benutzen in einem Augenblick, wo es aufs Ganze geht und das Schick-
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Und Sie können sich auch vorstellen, warum die propagandistische Seite der nationalsozialistischen Politik anderen Mächten heute ein Dorn im Auge ist. Die anderen werden sich allmählich darüber klar, daß in Berlin mitgespielt wird. (Stürmische Heiterkeit.) Auch wir haben uns die technischen Mittel der Propaganda zugelegt und wir haben findige köpfe genug, die die Intelligenz und Tatkraft besitzen, diese Mittel zur Anwendung zu bringen. Früher konnte man mit diesem deutschen Volke umspringen, wie man wollte. Man hatte es sich angewöhnt, dauernd in innerdeutsche Dinge nach Art von Gouvernanten hereinzureden und so gewissermaßen die innerdeutsche Politik zu beaufsichtigen. Was auf diesem oder jenem Gebiet vor sich ging, das wurde z. V. in England von den politischen Sittenrichtern abgeurteill und abgebeckmessert. Aber wehe, wenn sich einmal ein Deutscher in eine innerenglische Angelegenheit hineinmischte. Das i ff nun nicht mehr so. Denn Engländer sich in unsere Dinge hineinmischen, dann könnten wir uns auch erlauben, hin und wieder mal in die englische Politik hineinzuleuchlen!
Die nationalsozialistische Propaganda stehe — so führte der Gauleiter weiter aus — dem Volke in der Rolle eines praktischen Arztes gegenüber. Wie
An englische p
Reichsminister Dr. Goebbels wandte sich dann dem zweiten wichtigen Thema des Abends zu, der Judenfrage. Jeder Parteigenosse sei sich im klaren darüber geroefen, daß der Mord an Wilhelm G u st l o f f in der Schweiz eine Kampfansage des internationalen Judentums gegen das deutsche Volk war. Er habe genaue Nachrichten darüber, daß jeder Zug des Mordes an Parteigenossen vom Rath auf das haar dem entsprechenden Zuge des Mordes an Parteigenossen Gustloff gleiche. Es gebe für ihn keinen Zweifel darüber, daß beide Morde von langer Hand vor- bereitet waren, um das deutsche Volk zu provozieren. Deutschland habe damals bei dem Attentat auf Wilhelm Gustloff geschwiegen. Das internationale Iudentum habe wahrscheinlich dieses Schweigen falsch ausgelegt und Langmut für Schwäche gehalten. Nun habe sich in Paris derselbe Vorgang wiederholt. Da aber sei die deutsche Regierung mit harten Gesehen und Verordnungen einge- schritten.
Im Auslande spreche man von den „armen Jicklen", und behaupte wider besseres Wissen, daß geplündert worden sei. Einen dieser sogenannten Plünderungsfälle könne er, der Minister, genau rekonstruieren. In der Sttaße Unter den Linden sei das jüdische Juweliergeschäft Markgraf & C o. angegriffen worden. Man habe dabei für über eine Million Juwelen gestohlen. Nun sei man der (5ad)e auf den Grund gegangen, und da habe sich zur allgemeinen Heber« raschung folgendes herausgestellt: Bei der Aktion raffte der in diesem Geschäft angestellte Jude Iwan Bloch aus dem Safe des Geschäftes Juwelen in einem Verkaufswert von etwa 1 130 000 Mark zusammen. Er stellte diese Juwelen ohne Wissen seines jüdischen Chefs in einem Berliner Hotel sicher. Das Ganze nennt sich dann „Plünderung". So sind die Juden!
Man sagt: Ihr habt die Juden in den letzten fünf Jahren schlecht behandelt. Die Juden besitzen fetzt noch 60 v. h. des Berliner Haus- be fitz es. Die Juden nennen jetzt noch ein Kapital von rund 8 Milliarden ihr eigen. Das würde bei gleicher Kapitalhöhe etwa 900 Milliarden Mark für das deutsche Volk ergeben, während das deutsche Volk nur 200 Milliarden Mark Nationalvermögen besitzt. Das heißt also, die Juden haben es ferttqgebracht, nach 5Ve Jahren nationalsozialistischer Regierung immer
sal von unserem inneren seelischen Widerstand der nächsten Minute abhängt."
Was wurde auf diesen Brief eines besorgten Vaterlandsfreundes geantwortet? „Im Sinne Ew. hochwohlgeborenen Anregung, die Reden feindlicher Staatsmänner nicht ohne Kommentar in der deutschen Presse abzudrucken, sind Erwägungen im Gange, desgleichen um im Sinne Ihrer Ausführungen den Krieg nicht nur mit den militärischen, sondern auch mit politisch-geistigen Waffen zu führen." So geschrieben 19. August 1918. (Große Bewegung.) Sie können sich jetzt vorstellen, warum wir den Krieg verloren haben.
ge köpfe genug."
der Arzt den Körper, so betreue die Propaganda die Seele desVolkes und gebe ihm die Mitel an die Hand, in schweren politischen Spannungen sich gegen Bedrohungen und innere und äußere Versuchungen und Gefahren zur Wehr zu setzen.
Dr. Goebbels behandelte dann das Entstehen und die Entwicklung der tschechischen Krise und zeigte auf, nach welchen wohl erwogenen Gesichtspunkten die Taktik der nationalsozialistischen Volksaufklärung in den Spannungswochen ausgerichtet worden sei. Daß man ganzbewußtz. B. während der Besprechungen in Berchtesgaden, Godesberg und München auf jede Verbreitung von Gerüchten verzichtet habe, um dann am schnellsten Tatsachen bringen zu können, während die anderen in jeder Stunde ein anderes Gerücht erfanden und dann ebenso wie ihre Hörer den Tatsachen fassungslos gegenüberstanden.
Der Unterschied in der Handhabung von Presse und Rundfunk ergebe sich daraus, daß in Deutschland Presse und Rundfunk der I n st r u k t i o n , der engen Verbindung zwischen Führung und Gefolgschaft diene, während bei den anderen die aus Gerüchten schließende Information sich nicht nach den Interessen des Volkes richte, sondern lediglich nach dem Sensationsbedürfnis und den Verdienstmöglichkeiten von Zeitungsverlegern oder Konkurrenznotwendigkeiten von Rundfunksendern, soweit hier nicht noch andere Momente ausschlaggebend waren.
noch den 4V- fachen Wert des deutschen Nationalvermögens zu besitzen.
Gewisse Teile des Auslandes könne man über diese Frage nicht belehren, so vor allem nicht die jüdische Oefsentlichkeit. In Neuyork z. B. gebe es zwei Millionen Juden. Wie wolle man sie überzeugen, daß Deutschland recht habe. Man brauche sich über das Echo aus Neuyork deshalb nicht zu wundern. Im übrigen fei Neuyork nicht Amerika. „Der Anttsemitismus ist in allen Völkern latent vorhanden. Die Juden selbst wecken ihn. Es ist nicht unsere Schuld, daß die Judenfrage heute ein Weltdiskussionsthema ist; das haben die Juden durch ihre eigene Hysterie verschuldet. Sie überschlagen sich im'haß i*i) machen deshalb nur Dummheiten. Die jüdische Presse überschätzt im übrigen ihren Einfluß auf die deutsche Staatsführung. Meistens liest man ihre weisen Ratschläge überhaupt nicht.
In Unserer Kampfzeit haben die Juden denselben Fehler gemacht. Sie haben solange über uns geschimpft und gezetert, sich vor Wut überschlagen und die Nerven verloren, bis wir nach einigen Jahren d i e populärste Bewegung in Deutschland waren. Eine ähnliche Parallele lasse sich zwischen der täglichen Verleumdung Deutschlands draußen und der Verleumdung z. B. der SA. in der Kampfzeit durch die Kommunisten ziehen. Wer tkunate seine Kenntnisse über die SA. nur aus der „Roten Fahne" geschöpft habe, dem sei manchmal angst und bange geworden. Das habe der Bewegung zuerst sehr geschadet, später aber genützt. (Stürmischer Beifall.) So steige auch trotz der jüdischen Hetze draußen täglich der Respekt und die Achtung vor Deutschland und dem nationalsozialistischen Aufbauwerk.
Reichsminister Dr. Goebbels behandelte dann die englische Unterhausdebalte über die Iudenfrage. Dabei habe sich der Labour- Abgeordnete Baker in einer längeren Ansprache an das Unterhaus mit Deutschlands antisemitischer Politik im allgemeinen und mit seiner — Dr. Goebbels — Person im besonderen auseinandergeseht. „Ich fühle mich deshalb veranlaßt, ihm einige Antworten herüberzureichen." Der englische Abgeordnete sagt: Man könne die Verzweiflunastat des Judenjungen ein wenig besser verstehen, wenn nicht sogar entschuldigen. Er, Dr. Goebbels, versuche seit Jahren, den Antisemitismus in anderen Ländern aufzustacheln, um die Unordnung in der Welt zu vermehren, „höher geht der
blühende Unsinn nicht mehr. Für den Antisemitismus in der Welt habe ich noch nie Propaganda gemacht. Das besorgen die lieben Juden s e l b st. Wir haben nur alle unser Teil dazu beigetragen, die Juden aus dem öffentlichen Leben in Deutschland zu beseitigen." Der Labour-Abgeordnete Baker sagt: Wenn Dr.
Goebbels feine Drohungen gegen die Juden verwirklicht — wo habe ich überhaupt Drohungen ausgesprochen? —, könne man dann wenigstens hoffen, daß es bei Deutschland sein Bewenden habe? Würden nicht Polen und Rumänien vielleicht auch ihre viereinhalb Millionen Juden herauswerfen? Lord Zetland habe Recht, wenn er sagt, daß alles, was das Gewissen der Menschheit aufrüttele, eine internationale Angelegenheit« sei. Dr. Goebbels fuhr hier fort: Der Meinung sind wir auch. Deshalb interessiert das Gewissen der Menschheit sich in Deutschland z. B. fo sehr für das P a l ä st i n a p rodle m , für die Araber und viele andere Völker.
Baker erklärt schließlich, man müsse leider klarmachen, daß herzliche Beziehungen zwischen England und Deutschland unmöglich seien, solange das „Martyrium" der Juden, Katholiken, Protestanten und Sozialisten — hier wäre man versucht einzuschalten: und der Radfahrer — andauere. Mache Deutschland etwa seine Beziehungen zu England von Englands Verhältnis zu-den Aradern, Indern und Negern im englischen Weltreich abhängig?
Der Abgeordnete Hammersfield sagte: Ich habe vorgeschlagen, daß, da den Juden in Großbritannien große Finanzmittel zur Verfügung stehen, diese aus aller Welt herangeholt werden sollen, um einen Teil der Umsiedlungskosten zu bezahlen. (Stürmische Zustimmung.) Was die Juden nicht selbst bezahlen, dafür wird das britische Volk einspringen. Damit sind wir absolut einverstanden. Ich bin der Ueberzeugung, auch das britische Volk wird zweifellos große Genugtuung darüber empfinden, mit seinen gewaltigen Finanzmitteln für die in England so sehr verehrten Juden einspringen m dürfen.
Der linksradikale Abgeordnete M a x t o n da« gegen macht einen sehr witzigen Vorschlag: Die 500 000 deutschen Juden sollten in Schottland auf genommen werden. Dazu sollen sich nun die Schotten äußern. Der Innenminister Sir Samuel Hoare sagt: Es gibt eine Tatsache, die ich ganz offen behandeln muß. Unter der Oberfläche gibt es auch in England — das weiß ich aus Erfahrung — eine entschlossene antijüdische Bewegung, die im Entstehen begriffen ist. Ich tue mein Bestes, um dieses Hebel auszurotten. Diese Feststellung ist auch für uns sehr interessant. Immerhin möge man in England ausrotten soviel man will, das geht das englische Volk an. Was wir tun,das ist unsere Sache!
Als letztes Problem behandelte Dr. Goebbels vor den Berliner Propagandisten dann das des Wohnungsbaues in Berlin.
Einmal herrsche in Berkin ein chronischer Wohnungsmangel, zum anderen gebe es trotz aller Hilfsmaßnahmen aus der Systemzeit noch viele Familien in Berlin, die in unzulänglichen Quartieren und Wohnlauben untergebracht feien. Zur Beseitigung dieses Mißstandes würden in Berlin etwa 30 000 Wohnungen im Jahr neu erbaut. Diese Zahl solle in absehbarer Frist auf 35 000 erhöht werden. Die vom Führer geplante Errichtung der Großbauten im Zuge der Neugestaltung Berkins solle 1950 abgeschlossen fein. Es sei die Absicht, bis zu diesem Zeitvunkt auch die Wohnunasfrage in Berlin endgültig einer Lösung zuzuführen. Bis zum Jahre 1950 müssen dann über 400 000 neue Wohnungen errichtet werben. In diesem Jahre allerdings seien infolge der Westmaßnahmen und der dadurch bedingten Arbeiterknappheit nur 10 000 Wohnungen fertiggestellt und weitere 20 000 Wohnungen zur Hälfte errichtet fborben, ■ obwohl für die Neugestaltung Berlins nur über ein Fünftel von dem, was an Arbeitern und Material benötigt wurde, zur Verfügung gestanden habe. Ferner fei bereits in diesem Jahre eine Senkung des Quadratmeter-Mietpreises für die Neubauwohnungen von 12 auf 10 RM. erreicht worden, die bei gleichem Mietpreis einer Vergrößerung des Wohnungsgrundriffes zugutegekommen sei. Darüber hinaus aber ergebe sich die Notwendigkeit, neue Methoden beim Wohnungsbau einzuschlagen. Zunächst werde nach diesem neuen System ein Block erbaut, um dort die notwendigen Erfahrungen über den Arbeitsvorgang sammeln zu können. Die beteiligten Fachleute seien sich darüber einig, daß durch das neue System ein Drittel bis zur Hältte der jetzt benötigten Arbeitskräfte erfoarf werden könnten und voraussichtlich eine Verbilligung des Wohnungsbaues eintrete, die wiederum bei gleicher Miete zu der dringend notwendigen Vergrößerung der Wohnfläche führen werde.
Mit einem Bekenntnis zum Führer, mit dessen Person und dessen Werk wir uns alle in Leben und Arbeit verbunden fühlen, dessen Sorgen wtt mittragen und dessen Verantwortung auch unsere Verantwortung ist», schloß Dr. Goebbels feine zweistündigen Ausführungen. Minutenlange Beifallsstürme dankten dem Gauleiter.
D«'e Unterbringung der Juden
Auch „News Chrouicle" hält Ostafrika für unzweckmäßig.
L o n d o n , 22. Nov. (DNB.) Die Londoner Presse verweist darauf, daß England allein die Frage der Unterbringung jüdischer Emigranten nicht lösen könne, sondern daß hierzu die „Mitwirkung anderer Staaten", insbesondere die von'Amerika, notwendig sei. Bezeichnend ist der sehr deutliche Hinweis der


