Ausgabe 
23.9.1938
 
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arfchau demonstriert für Revision.

Polen zu allen Opfern bereif/'

gegründet worden, um, wie es tn einer halbamt­lichen Verlautbarung heißt, von Worten zu Taten überzugehen.

Oie Slowaken warten ab.

Warschau, 22. Sept. (DRV.) Die zahlreichen Kundgebungen für die Befreiung der polnischen Dolkszugehörigen in der Tschecho-Slowakei erreiche ten ihren Höhepunkt in der polnischen Hauptstadt. Dort fanden sich auf dem Mar- schall-Pilsudski-Platz weit über 100000 Personen aus allen Schichten der Bevölkerung zu­sammen. Der Vorsitzende des Hauptvorstandes des Hilfsvereins für die Polen im Ausland, Dizever- tehrsminister P i a s e ck i, erklärte unter stürmischen Beifallsrufen der riesigen Menge, die ganze Welt solle wissen, daß das Schicksal der Brüder in der Tschecho-Slowakei das aller Polen ist. Ihre Zukunft werde die Zukunft aller Polen sein. Eine Entschließung besagte, das polnische Volk warte auf den Befehl Marschall Rydz-Smi- g l y s und sei bereit, sich ihm zu unterstellen, b e - reit zu allen Opfern, um die Rückkehr der Pol^p in der Tschecho-Slowakei zu verwirklichen. Anschließend begaben sich die Teilnehmer in einem viele Kilometer langen Zug vor das Generalinspek- lorat, dem Amtssitz Marschall Rydz-Smiglys.. Hier brachten sie in stürmischer Weise ihre Bereitschaft zum Ausdruck, sich unter seinem Befehl aktiv für die Befreiung der Polen in der Tschecho-Slowakei ein­zusetzen. Marschall Rydz-Smigly dankte den Ver­sammelten. Die Kundgeber begaben sich dann noch vor die ungarische Gesandtschaft, wo den freund­schaftlichen Gefühlen für die ungarische Nation Aus­druck gegeben wurde. Vor der tschechischen Gesandt­schaft kam es zu stürmischen Protestkundgebungen.

Prag hielt keine Versprechungen.

Der diplomatische Schritt Polens.

Warschau, 22. Sept. (DNB.) Zu dem von der polnischen Regierung in Prag, London und Paris unternommenen Schritt, der die Vereinigung des Gebietes der polnischen Volksgruppe in der Tschechei mit dem polnischen Staat anstrebt, erklärt das polnische Außenamt, daß die polnische Regie­rung seit den von der Botschafterkonferenz 1929 sanktionierten tschechischen Ueberfällen auf polnisches Gebiet mit allen legalen Mitteln danach gestrebt habe, für die polnische Be- völkerung in der Tscheche: normale Bedingungen hinsichtlich ihrer kulturellen und der ihnen 'zukom­menden Rechte sicherzustellen. Aber keine Ver­sprechungen und kein Vertrag, der über diese Frage geschlossen wurde, sei von der tschecho-slowakischen Regierung gehalten wor­den. Trotzdem habe die polnische Regierung mit Ruhe und Maß lediglich den berechtigten und ele­mentaren Grundsatz verteidigt- daß der Pole, auch wenn er Bürger eines anderen Staates ist, in sei­nen Rechten und Existenzgrundlagen nicht einfach deswegen eingeschränkt werden dürfe, weil er Pole sei. Die Anteilnahme der Regierung und der pol­nischen öffentlichen Meinung an dem Schicksal der Polen in der Tscheche! sei um so größer gewesen,

^xeT. um eine geschlossene auto.

° etD 0 J f G r u n 9 * 9 r u P P e handelt, oie seit Jahrhunderten auf diesem urpolnischen Boden wohne.

In der Verlautbarung wird dann bedauert, daß oie polnischen Forderungen in der Londoner Be­sprechung nicht genügend berücksichtigt worden seien. Die heute in Mitteleuropa bestehende Krise werde oue Kräfte zur Lösung der Lage für die Zukunft uek)inen. Diese Bemühungen werden nicht gelingen, wenn die berechtigte Forderung der Selbtbestimmung nicht allen bedeutenden Volks­gruppen innerhalb des tschecho-slowakischen Staats-, oerbandes gegenüber angewandt wird. Diese Krise könne ebenfalls nicht ohne Mitarbeit sämtlicher Staaten gelöst werden, die uralte wohlbegründete Rechte und Forderungen auf diesen Teil Europas haben.

Auch ein polnisches Freikorps gegründet

Warschau, 23. Sept. (DNB.) In Warschau ist Donnerstag ein Freikorps zumKampf um die Befreiung der Polen in der Tschecho- Slowakei gegründet worden. Dieses polnische Freikorps, dessen Werbebüro sich in Warschau be­findet, ist von dem Warschauer Bezirk des Ober» schlesischen Aufständischenverbandes

Prag, 22. Sept. (DNB.) Mit großem Inter- esst verfolgt man in Prag die Haltung der unga­rischen und der slowakischen Minderheiten. An der gestrigen Abendsitzung der H l i n k a - P a r t e i nahmen auch zwei Führer der ungarischen Minder­heit teil. Es wurden in dieser Sitzung aber noch keinerlei Beschlüsse gefaßt. Den Slowaken wurden drei Vorschläge unterbreitet, und zwar bemühen sich die Tschechen, die Polen und die Ungarn um sie. Vorläufig wollen die Slowaken abwarten. .

Oas Kabinett Oaladier.

Puris, 22. Sept. (Europapreß.) Der französische Außenminister Bonnet empfing am Donnerstag-1 nachmittag den sowjetrussischen Botschaster S u r i tz, > mit dem er eine längere Aussprache hatte. Die beiden Minister Paul Reynaud und Mandel,s die der politischen Rechten nahestehen, hatten am i Donnerstagnachmittag eine mehr als einstündige Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Dala = | hier über die französische Außenpolitik. Sie er-> klärten nach dem Verlassen des Kriegsministeriums,! alle Gerüchte über eine bevorstehende Kabinetts-! kriseseienfalsch, ebenso die ihnenchmtergescho- benen Rücktrittsabsichten. Eine gleichlautende Erklä­rung gab Ministerpräsident Dalädier ab.

Oie Legende der tschechischen Legionen

Oie Armee der lleberläufer auf ihrem Zug durch Sibirien 1918/20.

in.

Vorn Dezember 1919 bis zum Februar 1920 voll­endet sich nun in Irkutsk, 100 Kilometer westlich vom Baikalsee, die Tragödie des weißrussischen Hee­res, gipfelnd in einem zweifachen weiteren Verrat der Tschechen an Koltschak und in dem Raub eines großen Teiles des russischen Staatsschatzes. Die Tschechen brauchen die Koltschaktruppen als Rück­zugsdeckung nicht mehr. Im Gegenteil, sie sind durchaus unerwünscht. Von Irkutsk aus gedenkt man in beschleunigtem Tempo nach Wladiwostok zu fahren, die wohnlich eingerichteten Züge der Tschechen sind mit überreicher Beute angefüllt, mehr kann man nicht mitnehmen. Keinesfalls aber wird man sich einen so fetten Happen wie das russische Staatsgold entgehen lassen, das Admiral Koltschak gerade in seinem eigenen Sonderzuge unter leider nur schwacher Bedeckung vor den Bolschewisten nach Osten führt.

Bis jetzt ist die sibirische Dahn mit den endlosen Transportzügen der Tschechen verstopft gewesen, weder Nachschub für die schwer bedrängten weiß­russischen Armeen noch Flüchtlingszüge haben die Tschechen durchgelassen. Jetzt machen sie plötzlich bei Irkutsk die Strecke für den Zug des Admirals Koltschak mit dem Staatsgold frei, lassen ihn nach

Irkutsk einpaffieren und erbieten1 sich sofort zur Uebernahme der Schutzwache für den Zug des Ad­mirals. Als der Admiral auf dem Bahnhof in Ir­kutsk morgens den Salonwagen seines Zuges ver­lassen will, sieht er diesen von tschechischen Maschinengewehren umstellt und sich selbst an jeder Bewegungsfreiheit gehindert!

Koltschak weiß nicht, daß sein Schicksal inzwischen längst in einem der niederträchtigsten Verbrecher­geschäfte zwischen Tschechen und Bolschewisten aus­gehandelt worden ist. Die Tschechen spielen in Ir­kutsk die Regierungsgewalt denSozialrevolutio­nären" in die Hände. Ein kurzer Zwischenakt für die Uebernahme der Gewalt durch die heranrücken- den Bolschewisten. Koltschaks eigene Armee weiß noch nichts vom Schicksal ihres Führers. Als , Ge­rüchte aufkommen, drohen die tschechischen Divisio­nen der Koltschak-Armee, sie würden sofort gemein­same Sache mit den Bolschewisten gegen sie machen, wenn sie auch nur einen einzigen Schuß abgäben. Die Lage der Truppen Koltschaks ist aussichtslos sie haben pro Mann nur noch zehn bis fünf­zehn Patronen.

Bei Koltschak, der in seinem eigenen Zuge G e - fangener der tschechischen Legionen ist, geht ein Telegramm des militärischen Führers

der Tschechen, des französischen Generals Janin, ein, er solle sich ins Unvermeidliche (!) fügen und sich dem Schutz der Tschechen anvertrauen", zumal dieserja durch die Großmächte garantiert" sei. Und nun erreicht das politische Verbrechertum der Tschechen seinen Höhepunkt: Admiral Koltschak wird auf Befehl der tschechischen Legionsführung an die eben erst errichtete bolschewistischeRegierung" in Irkutsk ausgeliefert. Die Tschechen erklären, die Auslieferung des Admirals fei die unerläßliche Bedingung der Bolschewisten für den freien Abzug der Tschechen nebst ihrer riesigen Beute. Der Aus- lieferungsbefehl ist unterzeichnet von dem tschechi­schenGeneral" S y r o w y , dem heutigen General- inspekteur der tschechischen Armee. Das ganze ist ein Zusammenspiel übelster Art zwischen der Entente (Janin) und den Tschechen es erhielt im Mai 1938 eine Parallele durch die sog.Dermittlungs- aktion". Auf das nach Moskau gerichtete Tele- gramm der Irkutsker Bolschewisten in Sachen Kolt- Ichak kommt die Rückantwort mit dem Befehl zu sofortiger Erschießung des Admirals. Das Telegraphenamt in Irkutsk ist noch in der Hand der Tschechen. Die Legionärsführung hätte das Te­legramm zurückhalten und vernichten können. Sie leitete es beschleunigt an die Bolschewisten weiter! Am 7. Februar 1920 wird der Admiral von bol­schewistischen Henkern über den Haufen geschossen. Sofort erhalten die Tschechen den Judaslohn. Aus Moskau erging ein Telegramm an den Zolldirektor in Wladiwostok:Wegen Verdienste um Ruß­land (!) sollen Tschechen ungehindert und ohne jeg­liche Revision ihrer Bagage auf die Schiffe ge­lassen werden mit der Erlaubnis, alles auszuführen, was ihnen beliebt.". Das tschechisch-bolschewistische Gangstergeschäft von Irkutsk und dieses Telegramm gehören zu den wichtigsten äußeren Grundlagen des tschechischen Staates.

Als wir in Rußland unsere Armee aufstellten, waren wir Kriegsgefangene und, wie Semjonow richtig sagt, ,nackt und ohne Hosen'", schreibt der Leiter der tschechischen Evakuierung in Wladiwostok, Dr. Rasche. Als die Tschechen in Wladiwostok sind, kaufen sie einen großen Ozeandampfer für die besonderen Kostbarkeiten ihres Raubzuges, müssen für ihr übrige fyabe zwölf weitere Seedampfer mie­ten und erhalten von der Entente noch 24 Dampfer gestellt! 37 Schiffe also bringen den tschechischen Raub nach Europa. Außer den bereits genannten Gütern werden in Wladiwostok auf die Tschecben- schifse gebracht: 70 Millionen Goldrubel aus dem russischen Staatsschatz, 30 Dampfpflüge, 100 Näh­maschinen, 80 000 Sensen, eine 22 Werst lange Drahtseilbahn, einfach aus Küstenforts abgebaut. Die englische OstasienzeitungJapan Advertiser" vom 1. Mai 1920 schreibt: Der DampferPresident Grant" führt außer 5500 Tschechen Hunderte von Tonnen Gold, Silber, Kupfer, Maschinen, Zucker, andere Produkte und geraubtes Gut aus Sibirien mit sich. Unmittelbar vor der Abfahrt von Ir­kutsk nach Wladiwostok hat ein Mann der tschechi­schen Führung noch den beschämendsten Judaslohn erhalten. Eine Ordonnanz hat dem tschechischen Ge­neral S y r o w y ein kleines Päckchen mit 30 Silber- münzen überbracht. In Gegenwart feines Adju­tanten liest der Herr General erblassend das Be-

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