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Nr. 174) Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhesfen)
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Klick auf den Dom und die Feste Hohensalzburg, -- Msncchmer RDV.-Archio^
bietet sich das Stadtbild dem Beschauer. Man kann ich diesem Zauber nicht entziehen, wenn man durch die mittagsstillen Straßen geht und plötzlich auf dem Marktplatz steht, der reinen Geist der Gotik atmet. Dies sei der Ruhepunkt unserer Städte fahrt, hier verweile jeder länger, denn die Gasthäuser Dinkelsbühls, seine Weinstuben und nicht zuletzt sein reizendes kleines Schwimmbad im milden, ruhig strömenden Wörnitzfluß bietet alles, was man sich zum Ausruhen wünscht.
Aufgefrischt und innerlia; ausgewogen geht man dann schweren Herzens fort, dem stolzen und berühmteren Rothenburg zu, das ein würdiger Abschluß dieser inhaltreichen Wanderfahrt ist. Daß wir die mittelalterliche Schönheiten dieser Stadt so unverändert überliefert bekamen, verdanken wir dem Meistertrunk jenes tapferen ' Bürgermeisters Rusch, der einst die Stahl vor der Zerstörung der Horden des Dreißigjährigen Krieges bewahrte. Herrlich ist der Blick auf die Stadt von der Engelsburg, wenn die Abendsonne ihre Mauern und Türme in flamendes Rot taucht. Einzelheiten aufzuzählen von den Schätzen an Architektur und Kultur würde Seiten füllen. Man muß viele Tage in dieser seltenen Stadt herumwandern, ehe man auch nur eine Ahnung von der Fülle ihrer Schönheiten bekommt. Dr. Buresch.
Zweitägige Wanderung durch den Vogelsberg.
1. Tag: Merkenfrih — Wenings — Ober-Seemen — Harkmannshain.
Mit Sonntagskarte Gedern-Schotten zurück fahren wir über Stockheim mit der Dogelsbergbahn dem lieblichen Niddertal aufwärts bis zu dem anmutig gelegenen Merkenfritz. In anhaltender Steigung führt unser Weg von hier auf teilweise guter Landstraße, teils auf unbequemen Pfaden zunächst nach Wenings, wo wir auf das rot-weiße Band, das den ganzen Vogelsberg von Norden nach Süden durchzieht, stoßen und das nunmehr unser Wegzeichen bildet. Einen reichen Genuß bietet die Begehung dieses Höhenweges. Weite Blicke über die Wetterau bis hin zum Taunus, in die Täler und auf die höchsten Berge des Vogelsbergs, auf Gedern uno die vielfach gewundene Gebirgsbahn entzücken das Auge, lieber die Försterei Wernings, einem ausgegangenen Dorf, von dem nur noch die Reste einer mittelalterlichen Kapelle stehen, steigen wir allmählich aufwärts, abwechselnd durch Wald und über besonnte Triften, an zahlreichen Hutweiden vorbei über Ober-Seemen nach dem hochgelegenen, als Sommerfrische bekannten Hartmannshain, wo wir in einem der guten Gasthäuser Unterkunft suchen. Wanderzeit viereinhalb Stunden.
2. Tag: harkmannshain — herchenhainer höhe — Taufstein — hoherodskopf — Schotten.
Unser rot-weißes Band leitet uns andern Tages weiter über Herchenhain, das höchstgelegene Dorf Hessens, und an der Jugendherberge „Vater-Bender- Heim" vorbei hinauf zur Herchenhainer Höhe (732 Meter). Hier weiden wir unsere Blicke an der prächtigen Fernsicht bis zu den fernen Kuppen der Rhön, des Taunus und Westerwalds und versäumen nicht, dem stimmungsvollen Denkmal für die Gefallenen des VHC. einen Besuch abzustatten. Gemeinsam mit gelben Strichen führt uns das Zeichen durch den schönen Oberwald an der Lauterbacher Hütte vorüber zum Taufstein, dem höchsten Gipfel des Gebirges, von dessen Bismarckturm sich eine herrliche Rundsicht über das weite Land bis zu den sich anschließenden Mittelgebirgen bietet. In kurzer Zeit erreichen wir das Klubhaus des VHC., wo wir gut unterkommen. Der am meisten benutzte Abstieg geht arünen Ringen nach über Breungeshain und Michelbach nach unserem Endziel Schotten. Wanderzeit vier Stunden.
Postreisescheckheste.
Die Postreisescheckheste bieten dem Reisenden große Vorteile. Sie können auf alle durch 25 teilbaren Reichsmarkbeträge bis 2500 Mark ausgefertigt werden. Von feinem Reisescheckguthaben kann der Berechtigte bei jeder Postanstalt Großdeutschlands, bei den Bahnhofswechselstuben der Deutschen Verkehrs-Kreditbank, sowie bei den Flugleitungskassen und Reisebüros der Deutschen Lufthansa und der O österreichisch en Luftverkehrs-AG. beliebige durch 25 teilbare Reichsmarkbeträge abheben. Bei einem Höchstbetrag bis zu 1OOO Reichsmark kann sich der Inhaber des Postreisescheckheftes durch eigenhändige Unterschrift ausweisen, die er auf einem vorn Postscheckamt dem Reisescheckheft beigefügten Unterschriftsblatt abgibt.
Residenzplatz und Dom. — (Ausnahme: M. Karnitschnigg, Graz.) RDV.-M.
Salzburg - die Festspielstadt.
Don Sophie Rühou.
Ein geistreicher Mann hat einmal von Salzburg gejagt: „Die ganzen Festspiele kommen her von der Art, wie die Alten ihre Steine aufeinander gesetzt haben." Das klingt auf den ersten Blick paradox. Ader ein anderer hat dieses Wort erklärt: Salzburg ist zu Stein gewordene Naturschönheit, und aus dem Stein ward wiederum Musik und Spiel. Dieser Mann war Hermann Bahr, der zeitlebens in Salzburg verliebt gewesen ist, ein Schicksal, das er mit Ungezählten teilt. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, daß jemand im Salzburger Bahnhof aussteigt, in die Stadt geht, den Fluß, die Brücken, die alten Paläste, die Kuppelkirchen, die Brunnen und die dunkle Kulisse des Mönchsbergs mit der aufragenden Festung sieht und nicht in diese Stadt verliebt wäre.
Und mit dieser Feststellung stehen wir auch schon am Beginn alles Festspielgeschehens. Wir fühlen, es ist wahrhaftig so: der Grund zu allem liegt in dieser bezaubernden, bestrickenden, unnachahmlichen Art, wie die Baumeister der Erzbischöfe die Steine aufeinandergesetzt haben. Wahrscheinlich haben sie schon den Gegensatz zwischen Bergwildnis und Tallieblichkeit, zwischen schneebedeckten Felsenhäuptern und dem Blühen im Talgrund tief empfunden und das Ihrige dazu getan, um den Reiz dieser Gegensätze zu erhöhen. Die ganze Schönheit dieser Natur spiegelt sich wider im steingewordenen Salzburg. Da gibt es Gassenschluchten, die wild und durttel sind wie der Paß Lueg, da gibt es Plätze, so köstlich wie die blühenden Wiesen draußen in der Salzachebene!
Salzburg wirkt, von welchem Punkt aus man es auch beträchten mag, wie eine wundervolle Kulisse. Die Gassen schieben sich hintereinander, ein verträumter Platz öffnet sich, Brunnen rauschen, über einem Palasttor hängt eine alte Laterne, und allem gibt der Festungsberg den prachtvollen dunklen Hintergrund. Wer einigen Sinn hat für ein schönes Bühnenbild, der möchte in dieses Stadtbild sofort irgendein ^Geschehen hineinstellen. So ist hier der Theatergedanke aus der Schönheit der Stadt geboren.
Ebenso ist es mit der Musik. Im Saalbuch des uralten St.-Peter-Klosters lesen wir schon von Minnesängern. Im 14. Jahrhundert glänzt über Salzburg die wunderbare Persönlichkeit des „Mönches von Salzburg", eines der letzten großen Künstler des Minnesangs. Anfang des 16. Jahrhunderts zieht die Harmonie von Natur und Stadt den berühmten Komponisten Heinrich Finck in die Salzachstadt, und etwas später wird Paulus Hofh ay° mer, der berühmte Orgelmeister, hier Domorganist. Das 18. Jahrhundert schenkt dann der Stadt den musikalischen Genius: Wolfgang Amadeus M o - zart. Er gehört zu Salzburg bis in alle Ewigkeit und steht am Anfang des Festspielgeschehens.
Schon Richard Wagner, dem Naturschönheit, Stadtbild und Musik sich sofort zum lebendigen Bild einer Festspielstadt verbanden, sah in den Vierziger Jahren in Salzburg einen Ort, an dem einstmals sein Festspielhaus erstehen könne. Nach ihm tarnen andere, und immer lauter wurde der Ruf, die Schönheit Salzburgs mit dem Erlebnis festlichen Theaters zu krönen. Dieser Wunsch nahm etwas wieder auf, was die Erzbischöfe des 16., 17. und 18. Jahrhunderts bereits versucht hatten, indem sie Theater in Salzburg spielten. Marcus Sitticus ließ zu Beginn des 17. Jahrhunderts i m Schloßpark von Hellbrunn eine Freilichtbühne errichten, auf der 1617 bis 1619 drei Opern aufae- führt wurden; im selben Jahrhundert spielt die «Salzburger Universität mehr als 300 verschiedene «Stücke. 1631 wird unter Erzbischof Paris Lodron »ein Ballhaus am Mirabellgarten ge- lbaut, wo schon Schauspielertruppen in einem ent- • zückenden Heckentheater ihre Kunst zeigten. Im 18. Jahrhundert zieht in dieses Theaterhaus Schikaneder, der Dichter der „Zauberflöte", als Direktor ein. Er macht die Bekanntschaft einer üheaternärrischen Familie, die an jedem Abend in üne Vorstellung läuft: das waren die Mozarts...
Das war echt Salzburg! Ein rechter Salzburger ?war auch immer ein Theaterfreund. Wie sich der Erzbischof bei Ritterspielen^ und Türkenstechen in seiner Felsenreitschule vergnügte, so mußte das Volk seinen Hanswurst! haben — den Mozart in seiner „Zauberslöte" zum federngeschmückten Papageno gewandelt hat. Auf solchem Boden wuchs der. Festspielgedanke. Schon zu Beginn des Jahrhunderts hat die „Internationale Stiftung Mozarteum" festliche Musikwochen veranstaltet, und 1926 ist auch das Festspielhaus Wirklichkeit geworden, das aus den Musikwochen den Salzburger Festspiel
ommer gemacht hat. Von Mozart ging man aus. Heute spielt man dort Wagner, Strauß, Mozart und Verdi. Am 23. Juli wird das neugestaltete Festspielhaus mit Richard Wagners, „M eist erinnern" eröffnet werden; außerdem werden die diesjährigen Festspiele den „Tannhäuser" bringen, der bisher noch nicht in Salzburg gegeben worden ist.
Hinter dem Festspielhaus — das heißt zwischen Festspielhaus und dem hier senkrecht abstürzenden Festen des Mönchsbergs — liegt eine zweite Bühne, die vielleicht die interessanteste ist. Hier war früher die Felsenreitschule der Erzbischöfe, die für ihre Gäste zwei Arkadenreihen mit 96 Logen in die Felswand hauen ließen. In diesem Sommer wird man auf dieser Freilichtbühne Goethes „E g - m o n t" mit der Musik von Beethoven ausführen.
Neben dem Festspielhaus mit seinen beiden
Wer von uns hat nicht schon oft den halben Entschluß gefaßt, die breiten Straßen des Massen- verkehrs, die großen D-Zuglinien an bestimmten Stellen einfach zu verlassen und da auszusteigen, wo man sonst — vermeintlich aus Zeitmangel — meistens schweren Herzens durchfährt. Wie oft halten wir etwa in Augsburg, wenn wir auf der Reife nach München und ins Oberbayrische begriffen sind, und sehen die alten Giebel in der Sonne glänzen, empfinden den Zauber des historischen Namens und — reifen weiter. Nun also, jetzt ist gerade die rechte Zeit, um hier wirklich einmal auszusteigen und in aller Geruhsamkeit die alte Reichsstraße entlangzufahren. Lauter Köstlichkeiten- sind wie auf einer Perlenschnur auf dieser Straße aufgereiht, die sich von Schwaben gegen Franken zieht. In diesem Jahre brennt uns die Sonne nicht erbarmungslos auf den Scheitel, wenn wir über die ehrwürdigen Marktplätze von Dinkelsbühl und Rothenburg gehen. Gemächlich strömt das idyllische Leben der Städte dahin, die jede für sich Schatzkammern der Kultur sind und von urdeutschem Leben zeugen.
Von Augsburg selbst wollen wir nur wenige Schönheiten herausgreifen. Zwei Jahrtausend hält das Mauerwerk diese Stadt umschlossen. Rom schmeichelt sich, Augsburgs Mutter zu sein, und wahrhaftig, heute noch steht Kaiser Augustus als einer der mächtigen Schutzpatrone, die einst dieser Stadt zur Blüte verhalfen, auf dem Brunnen vor dem Rathaus. Kirchliche und weltliche Fürsten haben die Stadt mit Kathedralen, Palästen und Türmen
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Bühnen ist auch der Domplatz eine Stätte feierlicher Aufführungen. An dieser Stätte spielt alles mit: die Wolken, die über den Festungsberg herüberziehen, die Tauben, die aufgeschreckt über den Platz fliegen, die vielen Turmuhren der Stadt... Auch im Dom ist Festspielgeschehen. Hier hört man wundervolle alte Kirchenmusik, Mozart, Haydn, die alten Salzburger Meister. Und drüben im uralten Münster von St. Peter wird man Mozarts c-moll= Messe hören, an derselben Stelle, an der sie ursprünglich aufgefühxt worden ist. Aus allen Ländern kommen die Festspielgäste, kommen Menschen, die der Ruhm der Kunststadt, die Schönheit des Salzburger Landes, des Salzkammergutes, anzieht. Wer an einem solchen leuchtenden Sommertag auf der großen Salzachbrücke steht, die die beiden Stadtteile hüben und drüben verbindet, der begegnet einem wahrhaft internationalen Publikum.
geschmückt. Reiche Handelsherren, unter ihnen die Fugger,' schufen eine hohe Bürgerkultur. Weltberühmt ist das Rathaus des großen Baumeisters Elias Holl, mit dem feierlich-prachtvollen „Goldenen Saal", weltberühmt auch, neben allen anderen herrlichen Bauten, die „Fuggerei", diese erste soziale Kleinsiedlung der Geschichte. Tagelang durchstreifen wir die Stadt, ohne uns an ihrer Schönheit satt machen zu können, bis es uns weiterzieht und wir als nächstes Reiseziel das alte Donauwörth an der Wörnitz und von da im Tal der Wörnitz hinauf an der Feste Harburg vorbei, die wunderschöne mittelalterliche Stadt Nördlingen erreichen.
Der Ruhm Nürnbergs und Rothenburgs hat Nördlingens Ruf etwas überschattet. Dem Kenne» wird diese, heute noch im Schutz ihrer vollerhaltenen Stadtmauern eingefriedete Stadt besondere Reize offenbaren. Gewaltig überragt der massige Turm der Georgskirche, der „Danieldas Gewirr verschachtelter Giebel, riesig erhebt sich das Hafenhaus, Deutschlands ältestes Messehaus, über das krause Gewinkel der Gäßchen. Die Kleinodien und Schätze ihrer zahllosen mittelalterlichen Bauten sind Quellen immer neuen Erstaunens und Genusses.
Weiter verfolgen wir nun das Wornitztal, bis die Stadt auftaucht, die man die Perle deutscher Städteromantik genannt hat, Dinkelsbühl, lieblich und heiter. 400 Jahre sind an diesem Städtchen anscheinend spurlos vorübergegangen. Noch heute ist es zugänglich nur durch eines seiner vier alten Stadttore, und in seltener Geschlossenheit
Tor des St. Petersfriedhoss. — (Aufn.: W. Roßmanith, Wien.)
Perlenkette aller Slädle.


