Nr. 144 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Donnerstag, 23. Juni 1938
Oie Veranstaltungen zum Kreistag in Gießen und Friedberg.
Für den Kreistag des Kreises Wetterau der NSDAP, liegt nunmehr das endgültige Programm vor. Es bringt eine FiW der verschiedensten Veranstaltungen. die allen Teilnehmerinnen manches schöne und reiche Erlebnis bringen wird.
Für den kommenden Samstag sind Gefallenen- Chrungen in Gießen und in Friedberg vorgesehen. An den Ehrenmalen in beiden Städten werden Kränze niedergelegt. Im Laufe des Vormittags wird dann in Gießen die Einweihung der G a u s ch u l e den großen Auftakt des Kreistages bilden.
Die Reihe "der Veranstaltungen in Friedberg wird am Samstag die Eröffnung der A u s st e l - lung des Dolksbildungswerkes („Das Dorf- und Hausbuch") einleiten. Am Abend wird eine Feierstunde im Burghof stattfinden, anschließend wird der Begrüßungsabend der Stadt Friedberg viele Teilnehmer vereinigen.
Der Sonntag wird (in Friedberg) mit einem Wecken eingeleitet, für das der Musikzug und der Spielmannszug der Standarte 222 musizieren werden. Während im Laufe des Vormittags die SA.-Standarte 222 ihre Sportwettkämpfe austrägt, wird der BDM.-Untergau 254 mit einem offenen Singen aufwarten. Im übrigen ist der Vormittag mit zahlreichen Sondert agun- g e n der einzelnen Aemter der Kreisleitung aus- aefüllt, in denen viele Einzelheiten der täglichen Arbeit besprochen werden.
Die Kreishandwerkerschaft sieht eine feierliche Einführung der neuen Lehrlinge in die Berufsgruppen, die Verpflichtung der fungen Gesellen und eine Ue-berreichung von Gesellenbriefen vor. — Ferner findet eine Tagung der Orts
gruppen- und Stützpunktleiter zusammen mit Kreisamtsleitern statt.
Durch Platzkonzerte an drei verschiedenen Stellen der Stadt wird der festliche Charakter des Tages betont werden. Die Ausführung der Platzkonzerte haben die Musikzüge der Kreisleitung Wetterau und «der SA.-Standarten 116 und 222 übernommen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltuna des Sonntaas steht die Großkundgebung, bei der der stellvertretende Gauleiter e. h., Staatssekretär Reiner, sprechen wird. Den Abschluß der Kundgebung bildet ein Vorbeimarsch.
Do lksfest, Feuerwerk und der Große Zapfenstreich, ausgeführt durch ein Musikkorps der Wehrmacht, werden den Kreistag beschließen.
Oer Nachrichtensturm 222 beim Standartensporttag.
Die SA., als Trägerin der wehrgeistigen Erziehung unseres Volkes, hat in ihren Reihen eine Formation, die die nachrichtöntechnifche Ausbildung von SA.-Männern als Aufgabe erhalten hat. Der Nachrichtensturm der Standarte 222 schult seine Männer im technischen Unterricht und im sogenannten Schulbau. Praktisch war der Nachrichtensturm 222 am vergangenen Sonntag eingesetzt anläßlich einer Hebung des Sanitätssturmes.
Am kommenden Kreistag wird nun der Nachrichtensturm im besonderen Maße bei den Sportwettkämpfen der Standarte 222 sein Können unter Beweis stellen, um durch reibungslose Nachrichtenübermittlung den glatten Verlauf der Wettkämpfe zu gewährleisten.
Untere hessische Trachtengruppe aus hoher See.
Georg Heß schreibt von Bord des „Wilhelm Gustloff".
Trachtenmädchen aus Erxdorf sonnen sich an Bord des „Wilhelm Gustloff". (Aufnahme: Gg. Heß, Leihgestern.)
Ls.
w.
Gestern erreichte uns ein Brief von Georg Heß, dem Leiter der hessischen Trachtengruppen, ein Brief mit dem Stempel der Deutschen Schiffspost von Bord des KdF.-Schiffes „Wilhelm Gustloff"! Mit einer von Begeisterung beschwingten Feder schreibt er von Eindrücken und Erlebnissen, die ihm und den Hessen - Burschen und -Mädchen im Anschluß an die ereignisreichen Hamburger Tage beschie- den waren. Dem Brief sei einiges entnommen:
Schon em Dienstag, 14. Juni, nahmen unsere Hessen (eine Gruppe Burschen und Mädchen aus Erxdorf) ihre Schiffskarten in Empfang, fuhren in Omnibussen, zusammen mit dreihundert
anderen Trachtenträgern und -trägerinnen,zum Hafen, bestiegen den Dampfer und richteten sich auf dem wundervollen Schiffe häuslich ein. Um die Mittagsstunde verließ dann der „Wilhelm Gustloff" den Hafen. An Bord waren 1500 KdF.-Fahrer und 200 Mann Besatzung. Zahlreiche ausländische Diplomaten, die am „Weltkongreß für Arbeit und Freizeit" in Rom teilnehmen werden, befanden sich an Bord. Jedermann ist hervorragend gut unterge-
bracht. Allen stehen Schwimmbad, Brausebäder, Sportsaal und sechs große Säle als Aufenthaltsräume zur Verfügung.
Zu Tisch, so schreibt Georg Heß, sitzen alle in bunter Reihe durcheinander, Mädchen und Burschen, In- und Ausländer! Gerne nimmt man am Frühsport teil; es wird reichlich von den Badegelegenheiten Gebrauch gemacht und — angeregt von der
frischen Seeluft — schmeckt es allen zu jeder Mahl- zeil besser als je zu Hause.
Groß war die Freude unter unseren hessischen Burschen und Mädchen, als Gauleiter Sprenger zusammen mit dem Gauwart der NSG. „Kraft durch Freude", v. R e s k o w s k y, und beip Gau- obmann der DAF., B e ck e r. zu abendlicher Stunde im Trachtensaal auftauchte und sich zu unseren Hessen setzte, um mit ihnen den Abend zu verbringen. Die Erxdorfer zeigten dann auch ihre Tänze und fanden starken Beifall.
Anderen Tages gab es dann einen offenen Tanz aller Dolkstumsgruppen auf dem Sonnendeck und wieder an einem anderen Abend zeigten die Volkstumsgruppen abwechselnd in den sechs Sälen Tanz und Brauchtum. Auch unsere Hessen waren immer mit dabei!
Die Fahrt war von gutem Wetter begünstigt. Selbst in der Biskaya herrschte schönes Wetter und so gab es kaum Seekranke. Dann sah man Kap Finisterre und schließlich wurde Lissabon angelaufen, daß die Fahrtteilnehmer in einer dreistündigen Stadtrundfahrt kennenlernten. Das weitere Programm der Reise sieht auch einen kurzen Aufenthalt auf Madeira vor.
Oie Quartiere für das Gängerfest sichergestellt.
Die Vorbereitungen für das 3. Hessische Gau- sängerfest sind in vollem Gange. Nachdem Ende der Woche eine Gauführerbesprechung stattgefun
den hatte, kamen anfangs dieser Woche die einzelnen Wirtschaftsausschüsse zusammen, die alle noch schwebenden Fragen einer Klärung mführten. Im Vordergrund dieser Beratungen stand die Verpflegung der Gäste. In Zusammenarbeit mit dem Gaststättengewerbe wird ein Mittagessen ausgegeben, das so verabfolgt werden wird, daß der Verlauf der Festveranstaltung keine Unterbrechung erleidet. Der Tätigkeit des Wohnungsausschusses unter der Lei-
Sie können stärker bräunen
indem Sie 3bre Haut durch Nivea auf das Sonnenbad vor- bereiten. Damit verstärken Sie deren natürliche
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tung von A. Uhrhahn ist es zu danken, daß jetzt schon die Quctrtierfrage geklärt ist. Es stehen rund 3400 Quartiere zur Verfügung. Der Standort Gießen der Wehrmacht hat allein 800 Quartiere in den Kasernen zur Verfügung gestellt. Weitere 1000 Quartiere werden in Den Schulen errichtet, die restlichen sind von der Bevölkerung Gießens in freundlicher Weise zur Verfügung gestellt worden. Am Mittwoch fand unter der Leitung des Gau-Chor- meisters Professor Dr. Temesvary die zweite Probe des Massenchors der Gießener Gesangvereine statt, an der alle Gießener Gesangvereine be- tciligt sind.
Der Kirchenplah vor -er Vollendung.
Die großzügige Umgestaltungsarbeit des Kirchenplatzes tritt nun in das letzte Stadium ihrer Entwicklung. Ein großer Teerzug aus Westdeutschland ist eingetroffen und hat auf dem Kirchenplatz Aufstel- lung genommen. Vier mächtige Kesselwagen, in denen Teer heiß gemacht wird, bereiten die Masse vor, die die obere Schicht der Fahrbahndecke bilden wird. Heute morgen wurde nun mit dem Auftrag der Teer- und Asphaltmasse begonnen. In kräftiger Schicht wird das heiße Material aufgebracht und gfnttgeftri- chen. Unsere Bilder zeigen drei Wagen des 'Teerzuges und die Arbeit der Herstellung der Fahrbahndecke. (Äufn.: [2] Neuner, Gieß. Anz.)
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Gießener Stadttheater.
Gastspiel Agnes Straub: „Schauspielerin" von Roland Schacht.
Der Referent hat, wenn er sich recht erinnert, Agnes Straub zum ersten Male vor zwölf Jahren in Berlin gesehen: als die widerspenstige, am Ende lieblich bekehrte Katharina bei Shakespeare; zuletzt im vorigen Sommer bei den Nibelungen- Festspielen in Worms in der Riesenrolle der Heb- belschen Kriemhild; dazwischen ein paar Mal, aber leider sehr selten, im Film: nächst der Zarin im „Fridericus" ist ihm und gewiß vielen andern Besuchern die wundervoll menschliche Erscheinung der Kneipenwirtin Sinaida im „Panzerkreuzer Se- bastopol" unvergeßlich im Gedächtnis. Diese wenigen Namen mögen gleich einen Begriff von der Vielfalt künstlerischer Möglichkeiten geben, vom darstellerischen Aktionsradius, über den die Schauspielerin Agnes Straub verfügt.
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Jetzt kommt sie mit einem Stück dahergereist, das in der letzten Saison wochen- und monatelang im Berliner Renaissance-Theater gelaufen ist — Abend für Abend, ein richtiger Serienerfolg. Dieses Stuck von Roland Schacht heißt „Schauspielerin" und es verdient den Erfolg, denn es ist tatsächlich das, als was es ausgegeben wird: eine Komödie, also eines jener seltenen Stücke, die ach so häufig mit dem Lustspiel oder in hartnäckigen Fällen sogar mit dem Schwank verwechselt werden. Der Autor muß ein gescheiter und begabter Mann sein und jedenfalls vom Bau, einer, dex das Theater kennt und aus der Nähe erlebt hat: das "Theater, die Kulisse, den Direktor, die Rolle, den Vertrag, die Garderobe, die Schminke und den Krach ... mit einem Wort das Theater rundherum, von vorn und von hinten. Es stehen eine ganze Menge Satze dann, die man als Äphorismen der Lebensweisheit herausheben und als goldene Worte ins Stammbuch schreiben kann. *
Eine Komödie, ein Komödiantenstück, ein Rollenstück. Die Straub hat aenau gewußt, warum sie damit auf die Reise gegflkgen ist: so eine Rolle, wie sie da zu spielen hat, kann man suchen. (Manche behaupten sogar, die Rolle sei für sie geschrieben worden.) Wie dem auch sei: sie spielt sie herrlich. In dieser Rolle ist sie Liebhaberin und Mutter und Komödiantin .. und dies alles zusammen an jener gefährlichen Grenze, wo man beim Theater und
beim Film still und unauffällig das Fach wechselt. (Im Leben kann man das Fach nicht wechseln: Mutter ist man und bleibt man ohne lieber- gänge sein ganzes Lebenslang.)
Hoch, blond und schlank steht sie da, die Vollblutschauspielerin, der große Star, die aroße Komödiantin. Das Theater ist ihre Welt, ihr wirkliches Leben — das Privatleben ist darin eine Rolle (keine sehr schöne, aber manchmal sehr aufregende) wie andere auch. Die Grenzen laufen verwirrend ineinander und verwischen sich, und manchmal ist es schwer zu unterscheiden, wo das gespielte Gefühl aufhört und das wahre Gefühl beginnt. Nur eine echte Schauspielerin wie die Straub kann diese Rolle so ausschöpfen, wie wir es gestern sahen, diese Rolle, die eine schonungslose Demaskierung des Schauspielertyms und zugleich eine triumphale Bestätigung der ewigen Magie des Theaters enthält ... Niemand oder nur ganz wenige neben ihr: mit dieser Ueberlegenheit und dieser Einsicht, mit soviel Ironie, soviel Beherrschung, soviel Humor und, wahrhaftig, soviel Gefühl ...
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Die Komödiantin auf der Höhe und an der gefährlichen Grenze ihrer Kunst und ihrer Glorie spielt mit ihrem Direktor ebenso wie mit ihrem fürstlichen Geliebten; sie wird mit beiden fertig, virtuos und scharmant. Aber sie hat auch eine junge Tochter, eben siebzehn, geliebt, aber verheimlicht — bis sie eines Tages ankommt und sich als echtes Kind ihrer Mutter legitimiert: sie will auch zum Theater. Mutter ist entsetzt, behauptet, das Kind habe kein Talent (aber es hat), und es soll überhaupt dieses ganze gräßliche Komödiantenleben nicht auch führen müssen. Ein Schauspieler ist genug in der Familie... Abez^ die Kleine müßte nicht ihre Tochter sein... Kurz und gut: eines Tages steht sie als Rivalin neben der Mutter, Rivalin in doppeltem Sinne: als Schauspielerin und als Liebhaberin. *
Welche Möglichkeiten ergeben sich aus dieser Situation. Die große Paradeszene kommt schon im zweiten Akt; die Tochter spielt der Mutter vor: Grillparzers Hero. Es ist ein erlesener Genuß, zu erleben, wie die Straub hier in dieser einen Szene, umspringend vom Wirklichen zum Visionären und wieder zurück, aus kühlem „Privatleben" und selbstvergessener Gestaltung eine faszinierende Vorstellung macht, wie sie der Kleinen das Stich- roort bringt, unterbricht, korrigiert, Hilfen gibt, die Phantasie anregt und am Ende — das ist ja viel zu schwer für dich: Anfänger wollen immer gleich
das Schwerste — ihr gleichsam mit leichten Händen die Rolle abnimmt und» selber zu Ende spielt... das ist großarttg.
Schade, daß diese Szene so früh kommt, sie ist der absolute Höhepunkt, der nicht mehr zu überspielen ist, obwohl danach noch manche große Szenen kommen... wenn sie mit dem Direktor das neue Stück durchspricht, einen herrlichen Theaterkrach macht und alsbald geschmeidig wieder einlenkt ... wenn sie dann der Tochter zum ersten Male als Partnerin gegenübersteht, die ihr im unpassendsten Moment auch noch ganz unschuldig und ahnungslos ihre Liebe zu jenem fürstlichen Liebhaber der Mutter beichtet, wie sie in der ersten schrecklichen Enttäuschung die Tochter an die Wand zu spielen droht und ihr dann doch so mütterlich und kameradschaftlich hilft, daß es ein großer Erfolg wird ... wie sie zwischen zwei Auftritten dem Direktor einen glänzenden Vertrag für das Kind abpreßt ... und zu allerletzt in einem wilden Ausbruch die ganze Misere und auch den vollen Triumph des Komödiantentums ausspielt —: das ist eine virtuose und mehr als virtuose Leistung. (Vielleicht darf man schnell noch daran erinnern, mit welcher sprachlichen Variabilität und Ueberlegenheit diese erstaunliche Skala echten und unechten Gefühls beherrscht und bewältigt wurde: vom leisen gutturalen Lachen beim zärtlichen Abschied bis zum entfesselten Klageschrei der Tragödin, vom theatralischen Schluchzer bis zur kühlen Klarheit des Stimmklanges, welche die illusionslose Einsicht in den „Betrieb" und der unbestochene Blick in den Spiegel gewährt.)*
Das Ensemble, unter der Regie von Alfred Bernau, spielte sichtlich beschwingt und angeregt ... vom Stück wie von der vorbildlichen Leistung der Straub: Grete Bibi mit dem schönen, unbesiegbaren Enthusiasmus der Jugend, der Anfängerin im ersten Glück des Erfolges und 6er Liebe; Irmgard Nowack, „die Fuchs" mit der hoffnungslosen Theaterleidenschaft und dem Zungenfehler; H. I. Schoelermann ein Direktor von bestrickender Natürlichkeit; Kurt von Russin der gepflegte und diskrete Liebhaber zwischen Mutter und Tochter; Jeanette Bethge als Garderobiere; Carl ßambertin als Generalkonsul; Werner Siegert, der Inspizient. „Wie der Sterne Chor um die Sonne sich stellt..."
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Großer Beifall. Die Gäste, vor allem die Straub, wurden nach Gebühr gefeiert.
__Hans Thyriot
Oer Hordenpott.
Seht, da naht er, der Hugi, vorsichtigen Schrittes, verklärten Blicks. Was trägt er so bedachtsam? Ah — einen Kochpott. Was wird da wohl drin sein? Vorläufig enthält der Topf nur reines, frisches Quellwasser. Die Herrlichkeiten sollen erst entstehen. Was in so einem Pott alles gekocht wird, ist fast unbeschreiblich, vom einfachen Kartoffel» stampf bis zum herrlichsten Kaiserschmarrn. Aber nicht nur zum Kochen dient der Kessel. Während des Marsches z. B. lassen sich eine Menge Gegenstände in ihm verstauen. Er ist der treueste Begleiter auf Fahrt und Lager. Was wäre man ohne ihn? Die allermeisten Vertreter der Hordenpotte zeichnen sich durch eine sehr eigenartige, auffallende Form aus. Man wird nämlich vergeblich nach dem sonst bei Töpfen üblichen Rund suchen. Er ist weder rund noch oval, zumeist ist er etwas „verzogen" oder, besser gesagt, „aus der Form geraten". Wenn man einen solchen Kessel genauer betrachtet, wird man auch die sonst bei anständigen Töpfen übliche glatte Oberfläche vermissen, denn bei einem so unentbehrlichen Fahrtengesell reiht sich Beule an Beule. Diese Erscheinung erweist sich besonders bei dem „beliebten" Pottputzen als weniger angenehm. Woher nur die vielen Beulen? Ja, das bringt nun einmal das Lagerleben so mit sich, denn daß es Da nicht gerade zart zugeht, läßt sich ja denken. Entsteht da so von ungefähr eine der üblichen Seilereien unter den Pimpfen. Wo raufen sie? Natürlich da, wo sie nicht sollen. Zuerst einmal tüchtig über das zerbrechliche Zelt gewälzt — Krach, ist auch schon prompt der. Zeltstab ab. Etwas schwungvoll werden die Raufenden durch die Lagerwache getrennt, dabei läßt es sich aber wohl nicht immer vermeiden, daß einer von ihnen auf dem Hordenpott landet — der hat natürlich seine Dulle weg. Es dauert nicht lange, da beginnt in der unmittelbaren Nähe des Lagerplatzes ein „Hockeyspiel" mit aufgegriffenen Aesten und einem Lederball. Wenn da nun einer in der Hitze des Gefechts den armen Pott für den Ball ansieht und ihn mit gewaltigem Schlag über den Platz hinjagt, so läßt sich an Der Tatsache, daß der Pott nun wieder um einige Beulen reicher ist, nichts mehr ändern. Und da wundern sich die Leute noch, woher wohl unsere Pötte so viele Beulen und Dullen haben. L.
Hocksckulnackrichien.
Der ao. Professor Dr. Rudolf Jglisch an der Technischen Hochschule Braunschweig wurde zum ordentlichen Professor für Mathematik ernannt.


