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Nr. 94 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Z5./24 April!958

Bornoiiren.

Tageskalender für Samstag.

Stadttheater: 20 bis 23.15 Uhr:Clivia". Gloria-Palast (Seltersweg):Frühlingsluit". 23 Uhr, Sonder-Spät-Borstellung:Viktor und Viktoria" undStörenfried". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Rätsel um Beate". Ski-Klub Gießen: 20.30 Uhr, Geselljchaftsverein, Sonnen­straße,Tiroler Ski-Gaudi". VfB.-Reichsbahn: Gemütliches Zusammensein im Vereinsheim. Deutsche Stenografenschaft Gießen: 20.30 Uhr, Karlsruhe, Tanz- und Unterhaltungsabend. Sol­datenbund: 20.15 Uhr, Standortappell im Burghof mit Vortrag von General a. D. Dr. Bethcke.

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr,Esmoreit und Damiet". 19 bis 21.30 UhrDas Land des Lächelns". Gloria-Palast (Seltersweg):Früh-

Gute Bühnenkunst für Orte ohne Theater

Aus der Stadt Gießen.

Der Frühlingsgarten.

Mit dem Frühjahr ist wieder die Zeit gekommen, wo sich der Mann seinenbesten" Anzug anzieht, einen nochbesseren" Hut aufstülpt und zu seiner Ehehälfte die bedeutsamen Worte spricht:Ich gehe in den Garten!"

Von nun an ereignet sich dies öfters, und beim Abendbrot hört man dann, was alles schon geschafft ist und was noch bevorsteht: Es wird gedüngt, ge­graben, gehackt und gerecht.Wo habe ich bloß die Sämereien hingetan?"Weißt du, wo die Steck­zwiebeln geblieben sind?" Die vielfältige Hausfrau aber weiß bekanntlich alles!

Run sind schon die Schwarzwurzeln gesät, auch Salat, die Zwiebeln sind gesteckt. Kleine, bunte Sträuße Veilchen, Aurikeln und Samtröschen werden stolz der Hausfrau überreicht, aber auch grüne aus Petersilie und Schnittlauch, die in die Küche wandern. Und eines Tages kommt der Haus­herr mit der aufregenden Nachricht nach Haufe, daß die Erbsen schon aufgegangen sind.Und du müßt unbedingt mal kommen und dir alles ansehen!"

Die Hausfrau läßt sogar ihren Hausputz im Stich und begibt sich auch einmal persönlich in den Garten, einesteils um die Arbeit ihres Ehegesponses sach­verständig und kritisch zu prüfen, andernteils, um .zu sehen, ob der Garten nicht noch etwas in die Küche liefern könnte. Stolz führt sie ihr Mann umher. Die Blumen werden bewundert: wirklich, do blühen schon die Narzissen, und eine kleine, leuchtendrote Tulpe hebl ihr Köpfchen zur Sonne. Aber, da ist ja auch Sauerampfer! Fein, das gibt morgen eine Suppe!"

Sieh mal, die Pfirsichbäume! Wie große, rosa Sträuße!" sagt er begeistert. Der Hausfrau Blicke aber schweifen weiter nach Eßbarem. Befriedigt wer­den Petersilie und Schnittlauch, Pimpernell und Esdrogon geerntet. Im Geiste bereitet sie schon die grüne Soße". Dann bleiben ihre Blicke an den Stachelbeerbüschen hängen, während er voll Stolz - den Steingarten zeigt, der in Gelb und Lila prangt.

Aber halt! Dort drüben wächst ja so etwas üppig Grünes! Leider stellt es sich als ein Busch Lupinen heraus.Schade", denkt die Hausfrau,daß man davon keinen Salat machen kann!" E. L. St.

Stellt Freiplätze für Kinder zur Verfügung!

NSG. Kinder sind ein unersetzlicher Neichlum unserer Nation. Sie sind die Zukunft Deutschlands und haben einmal alles Unvollendete derjenigen, die vor ihnen waren, zu erfüllen. Um diesen Auf­gaben gewachsen zu sein, muß dieses Geschlecht ge­sund und stark sein. Noch aber sind nicht alle Eltern in der glücklichen Lage, ihren Kindern, die das ganze Jahr über in den Mauern der Stadt leben, einen Aufenthalt auf dem Lande zu ermöglichen, um )w an Körper und Geist stärken zu können.

Hier greift die NS.-Volkswohlfahrt ein. Sie sorgt dafür, daß die Kinder zur Erholung auf das Land kommen. Seit Wochen schon hat sie wieder alle Hönde voll zu tun, um Tausende von Anträgen zu erledigen, Transporte zusammenzustellen und Freiplätze zu werben. Die Kinderlandverschickung erfolgreich durchzuführen, daran müssen alle Volks­genossen mithelfen. Die NSV. im Gau Hessen- Nassau wendet sich deshalb wiederum an alle, die dafür in Frage kommen, mit der Bitte, Freiplätze zur Verfügung zu stellen. Wem die Gesundheit und Kraft unserer Jugend am Herzen liegt, der sieht in der Kinderlandverschickung das Mittel, das den Kindern unseres deutschen Volkes Freude, Erholung, Liebe und Begeisterung zu schenken vermag. Mel­dungen von Freiplatzspenden an die Ortsgruppen oder Blockwalter der NSV. erbeten.

SOM -Untergau 116.

Alle M - und JM.-Gruppenführerinnen von Gie­ßen kommen am Montag, 25. April, um 19 Uhr auf die Dienststelle zu einer kurzen Besprechung.

Gründung eines Rhein-Mainischen Gemeinde-Kutturverbandeö. Neuordnung auf dem Gebiete der Wanderbühnen.

Bei allen Volksgenossen in Stadt unh Land er­freut sich das Theater der guten Bühne n- tu n st besonderer Wertschätzung. Das kommt für unsre engere Heimat beispielsweise in dem starken Besuch des Gießener Theaters durch die Volksgenossen aus den umliegenden Orten überzeugend zum Ausdruck. Nicht minder eindrucksvoll ist der Beweis dafür in den vonKraft durch Freude" veranstalteten und von guten Kunstinstituten durchgeführten Theater- Abenden zu erblicken. Es ist heute erfreulicherweise so, daß die Bevölkerung in Stadt und Land sich weit stärker in den Jähren vor der Machtüber­nahme durch den Führer zu dem Theater überhaupt bekennt, dabei aber die sehr berechtigte Forderung erhebt, auf der Bühne nur gute K u n st und keinen Kitsch zu sehen.

So begrüßenswert die Theaterfreudigkeit der breitesten Kreise unserer Volksgenossen in Stadt und Land ist, so sehr muß man bedauern, daß für die meisten Orte bisher nicht die Voraussetzungen zur Befriedigung des Bedürfnisses nach wahrer, guter Bühnenkunst gegeben sind. Beispielsweise würden sicherlich noch viel mehr Volksgenossen aus den benachbarten kleinen Städten und aus den Dör­fern die Vorstellungen des Gießener Stadttheaters besuchen, wenn nur die Bahnverbindungen für die Hin- und die Rückfahrt günstiger wären, als heute. Gleiches gilt für die Gemeinden, die noch weiter draußen in derProvinz" liegen, also unter noch ungünstigeren Zuqoerbindungen stehen. Umgekehrt liegen die Dinge so, daß natürlich ein Institut, wie zum Beispiel das Gießener Stadttheater, nicht alle kleinen Städte und Dörfer besuchen kann, um dort den Volksgenossen gute Bühnenkunst darzubieten. Zwar sind Gastspiele in anderen Städten möglich, aber sie können sich immer nur auf eine kleine Zahl von Städten und auf einen engbegrenzten Umfang von Aufführungen beschränken.

Die entscheidende und für die theaterlosen kleinen Städte, wie auch für die Dorfgemeinden einzig ge­gebene Möglichkeit zur Darbietung guter Bühnen­kunst liegt nach der ganzen Sachlage nur bei der Wanderbühne. Nach dieser Richtung hin sind aber bisher Erfahrungen gemacht worden, die in den weitaus meisten Fällen vom Standpunkt der wahren Kunst aus durchaus unbefriedigend gewesen sind. Wenn man dem Verlangen der Volksgenossen nach guter Bühnenkunst entsprechen will, so muß man den Weg über eine grundlegende Wand­lung und Erneuerung auf dem Gebiete der Wanderbühne beschreiten. Dann wird die Bevölkerung der theaterlosen .Orte nicht mehr so mancherlei Kitsch-Aufführungen preisgegeben sein, die man dort npn den mannigfaltigen Veranstal­tern aus auf die örtlichen Vühnen bringt. Daß es nach dieser Richtung hin in angestrengter Ar­beit noch viel zu reformieren gibt, ist jedermann klar, der seinen Blick auf die großen und schönen Dinge des Lebens richtet und der sich insbesondere der guten geistigen Kost erinnert, die heute in den Kunstinstituten der Städte geboten wird.

Seit Jahren ist dieses Problem akut. Bisher fehlten die Möglichkeiten, cs mit Aussicht auf eine annehmbare Lösung anpacken zu können. Nunmehr ist aber durch den Nationalsozialismus auch hier eine entscheidende und mit besten Erfolgsausstchten verbundene Wendung zu erwarten. Am heutigen Samstagnachmittag findet in Frankfurt a. M. die Gründung des Rhein -Mainifchen G e - meindekulturverbandes statt, hinter dem die Mitglieder des Deutschen Gemeindetages, Lan­desdienststelle Hessen/Hessen-Nassau stehen. Von die­sem Rhein-Mainischen Gemeindekulturoerband, des­sen Führer der stellv. Gauleiter Linder ist, darf man eine gedeihliche Neuordnung auf d e m Gebiete d e r W a n d e r b ü h n e n und da­mit die Erschließung guter Bühnenkunst für die Städte und Dörfer ohne Theater im Rhein-Main-

Gebiet erwarten. Stellv. Gauleiter Linder wird in der heutigen Gründungsversammlung grund­legende Ausführungen über die große kulturelle Be­deutung dieser Aufgabe machen, die zweifellos in der Oeffentlichkeit in Stadt und Land stärkstes Inter­esse finden werden.

Nach allem, was man bisher über die Pläne des Gemeindekulturoerbandes hören konnte, darf man mit gutem Grund auf eine Lösung der Aufgabe rechnen, die den Erfordernissen eines gedeihlichen Ausbaues in vollem Umfange gerecht wird. Unsere Volksgenossen in den kleinen Städten und in den Dörfern werden damit durch eine neue, gute Auf­baumaßnahme des Nationalsozialismus den Wunsch sich erfüllen sehen, den sie mit ihrem Verlangen nach guten Theaterdarbietungen seit Jahren gehegt haben. Und sie werden die Erfüllung ihres Sehnens sicher­lich mit aller Dankbarkeit begrüßen, die bei der Durchführung der Pläne des Rhein-Mainischen Ge- meindekulturoerbandes am rechten Platze ist. B.

Ermäßigte heutfdie Rundreiseheste.

20 v. f). Ermäßigung bei 600-Kilometer-Fahrten.

DNB. Dorn l.Mai ab werden von den Ausgabe­stellen des Mitteleuropäischen Reisebüros für Reisen, die sum Ausgangspunkt zurückfüssren (Rundreisen, Hin- und Rückfahrten), ermäßigte Fahrscheinhefte für alle Züge ausgegeben. Die Ermäßigung beträgt 20 v. H. des Personenzugfahrpreises. Der Schnell­zugzuschlag wird nicht ermäßigt. Die ermäßigten Fahrscheinhefte müssen Fahrscheinstrecken von min­destens 600 Kilometer enthalten: sie gelten zwei Monate mit beliebiger Fahrtunterbrechung inner­halb der Geltungsdauer.

Mit der Einführung der ermäßigten Fahrschein­hefte kommen auch die Reisenden in den Genuß einer Ermäßigung, die bisher bei größeren Rund- und Zickzackreisen von den bestehenden Urlaubs­karten keinen Gebrauch machen konnten.

Dem Auge das Beste!

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lingsluft". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Rät­sel um Beate". Gießener Rudergesellschaft: An­rudern.

Skadtthealer Gießen.

Heute abend findet die letzte Aufführung der er­folgreichen OperetteClivia" von Nico Dostal statt. Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spiel­leitung Karl-Ludwig Lindt. Einstudierung und Lei­tung der Tänze Irmgard Zenner. Die Vorstellung findet gleichzeitig für die KdF.-Miete Gruppe lk (14. Vorstellung) statt. Anfang 20, Ende 23.15 Uhr. Freier Kartenverkauf.

Sonntag, 24. April, 11.30 Uhr, findet die 14. Mor­genveranstaltung des Stadttheaters statt. Sie bringt als UraufführungEsmoreit und Damiet", ein sehr schönes Spiel nach dem Altflämischen, frei bearbeitet von Bruno Loets. Musik und musikalische Leitung Joachim Popelka, Spielleitung Günter Winkel, Büh­nenbild Liselotte Erler. Es wird gebeten, die vorbe-

Das -IIOer-Negimenisappell-Abzeichen.

Wenn vom 18. bis 2 0. Juni 1938 die ehe­maligen Angehörigen des Infanterie-Regi­ments 1 16 mit den ehemaligen Angehörigen der Kriegsaufstellungen des Regiments sich wiederum in Gießen zu einem Regimentsappell, verbunden mit der Feier des 125jährigen R e - giments-Gründungstages zusammenfin- den, werden dies Großkampftage kameradschaft­licher Freude werden.

Jedes große Geschehen hat ein Zeichen, das sym­bolhaft seine Bedeutung kennzeichnet. So hat auch jeder 116er Regimentsappell sein Ab­zeichen besonderer Art. Mit Stolz tragen noch heute die Teilnehmer früherer Regimentsappelle ihr Ab- zeichen.

Vor uns liegt das diesjährige Regi­me n t s a p p e l l - Abzeichen in Wappenform und Altsilber, schlicht und einfach, wie es der An­schauung des Soldaten entspricht, aber in seiner Ge­staltung einprägsam, gleichsam ein Stück Re­gimentsgeschichte. Im Kopf des Wappens befindet sich ein Hinweis auf den 125jährigen Gründungstag des ruhmreichen Regiments. Darunter, breit gelagert, das machtvolle Hoheits­zeichen des Reiches. Ein Adler, der sich mit sei- Klauen auf einen Kranz, in dessen Mitte das Hakenkreuz prangt, stützt. Es ist die Kraft, die deutsche Männlichkeit und deutsche Stärke versinnbildlicht. Darunter befin­den sich die Schulterklappen des alten und jungen Infanterie-Regiments 116. Es ist ein Abzeichen, das in feiner Einfachheit und schlichten Größe immer wieder die Blicke auf sich

zieht und begeistert. Man darf annehmen, daß es schnell verkauft sein wird.

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KMtztF!«

8.

Zoiicm und die fünf Räuber.

Eine Anekdo'e aus M-llngaru van Karl Lerbs.

Jeden auf Erden nur erdenklichen Grund hatte Herr Zoltan von Sarkäny, Großgrundbesitzer und Oberstuhlrichter, sich behaglich in die Polster seines Reisewagens zurückzulehnen und den genletzerilch eingesogenen Rauch seiner Zigarette durch lächelnd gespitzte Lippen hervorzukrauseln: denn Vergangen­heit, Gegenwart und Zukunft schienen sich gefällig zu verbinden, um ihn mit Heller und beschwingender Zufriedenheit zu erfüllen. Vergangenheit: das war eine erfolgreiche Verhandlung in Großwardein und die längst erstrebte Abrundung seines Besitzes durch eine stattliche Anzahl schöner Walder und Felder danach ein bekräftigender Umtrunk mit neuem Menes-Magyaraf, dessen junges Feuer er noch jetzt als lindes knisterndes Sausen irn Blute spurte Ge­genwart: das war eine fliegende tfafjrt m trefflich gefederter Kalesche, dahingerissen von der ungestü­men Kraft eines landauf landab berühmten Vler- aefpannes aus eigener Zucht vier schlanker Omaner Hengste, die der alte Tibor mit geübter Hand ^ ugttich bändigte und entfesselte Zukunft: das war heute eine Festnacht mit "tauchten Gästen, die nun wohl schon aus dem Herrensitz der sar- känys einzutreffen begannen, freudig bereit d edelsten Gewächse seiner Weingarten in ihren er­probten Mägen sachverständig mit französischem Schaumwein'zu mischen. Heiliger^Norbert- dacht fierr Zoltan von sarkäny denn Der zscrirag über den durchaus vorteilhaften Weinhandelden er mit dem Abt der Prämonstratenser abgeschloisen hatte, knisterte freundlich in der Brusttasche eines Pelzes. Heiliger Norbert, den mochte ich> sehen, ' der es fertigbrächte, mir heute die Laune zu ver­

derben. ,

Das Schicksal, Herrn Zoltan von Sarkäny। mit wohlwollender Aufmerksamkeit ^wandt schien diesen übermütigen Gedanken irrtümlich als WunstY u, beuten: aus dem Gebüsch zur Seite der Schneise schnellte mit verwegenem Sprung elN ^e'chm i g Kerl und warf sich den beiden vordersten l^rDen ins Geschirr, daß sie wild aufbaumten und der atte Tibor entsetzt die Zügel hochriß; fast in der­selben Sekunde s'pieh das Gebüsch noch zwei andere Burschen aus, d e mit kundigen Griffen den sch u- dernden Wagen vollends ^rn Halten brachten und den bissigen Peitschenhieben des Kutschers geschickt auswichen: ein vierter holte den alten Tibor unsanft vom Bock und traf ihn mit zielsicherem H^b an die Kinnspitze, so daß er sich ohne weitere Widerrede

im winterdürren Grase zur Ruhe legte: und noch ehe der Oberstuhlrichter seine Pistole aus dem Pelz hervorgeholt hatte, sah er zwei trompetensormig ge­schweifte Mündungen auf seine Brust gerichtet, und eine schnapsrauhe Stimme forderte ihn unhöflich zum Aussteigen auf.

Räuber", folgerte Herr Zoltan von Sarkäny logisch und sah den oermetterten Kerlen, die sich nun, da die Pferde zitternd und dampfend stillstanden, um ihn sammelten, in die durch Beruf und Ruß geschwärzten Gesichter.Fünf Räuber und das eine knappe Meile von meinem Schlosse entfernt Und er fügte laut einen Fluch hinzu, der mitbassa anfängt und in nördlicheren Breiten leider ohne Kenntnis feiner wahren Bedeutung oft unverkürzt wiedergegeben wird, um Vertrautheit mit der un­garischen Sprache oorzutäuschen. Die Räuber grin­sten dazu, soweit aus dem Zahngefletsch in ihren schwarzen Gesichtern Schlüsse auf ihr Mienenspiel gezogen werden konnten, und zwei von ihnen plün­derten Herrn Zoltan von Sarkäny wie einen aus­gedienten Christbaum, indessen Die anderen aus­drucksvoll mit ihren Pistolen wedelten, und der Magnat alle Brennstoffe der Hölle, insbesondere den Schwefel, auf ihre struppigen Köpfe hernieder­wünschte. Mit geübter Hand ordneten dis beiden Plünderer die Beute Ringe, Tuchnadel, Uhr, Börse, Brieftasche und schüttelten unzufrieden die Köpfe: denn der Oberstuhlrichter hatte sein Bargeld zum größten Teil in Genußmittel umgesetzt. Die er nun an einer Stelle bei sich trug, wo sie den Räu­bern nichts mehr nützen konnten. Nicht genug, sag­ten sie längst nicht genug. Damit wagten sie ihrem Hauptmann ja kaum unter die Augen zu gehen. Aber sie würden ehestens mit der ganzen Bande zum Schlosse kommen und sich selber holen, was man ihnen jetzt vorenthalten habe. Sekunden später hatten sie die Kalesche gewendet und jagten iohlend und winkend in ihr davon: io daß sie die Bemerkungen, die ihnen der alte Tibor beim Er- -wachen nachschickte, und die nur durch die besondere Sachlage entschuldbar waren, nicht mehr vernahmen.

Als Herr Zoltan von Sarkäny m durchnäßten Lackstiefeln frierend und fluchend in den Schloßhof hinkte, Durfte er sich glücklich preisen daß ihn eine Schar erst besorater, dann entrüsteter, schließlich kampfbegieriger Gäste umringte: denn er wäre mit seiner Dienerschaft gewiß in arger Minderzahl ge­wesen, wenn die Räuberbande noch m derselben Nacht den angekündigten UeberjaU machte. Jetzt aber rüsteten die Magnaten sich,zum Kamp wie zu einem langentbehrten Männerspah. Flinten, Pi­stolen, Säbel und Dolche wurden schlochtbereitge­macht die Halle mußte die treuherzigen Waffen

hergeben, mit denen längst in die Geschichte ein- gegangene Ahnherren ihren Feinden die Knochen zerwalkt hatten, Pechpfannen und Fackeln flammten auf und füllten den Hof mit roter Helle, und zwei Diener warteten drinnen am geschlossenen Tor: denn man wollte den anrückenden Feind in den Schl o ß - Hof lassen, um ihn dann, wenn er drinnen verblüfft und geblendet stockte, mit einem wuchtigen Angriff aller Waffengattungen zu zermalmen.

Nach Mitternacht erst, als die mit wärmenden Ge­tränken immer wieder entfachte Kampfbegier schon in höhnische Enttäuschung umzuschlagen drohte, klang von draußen Hufge'ttappel herein, und ein grober Schlag dröhnte gegen das Tor. Die Flinten, Pistolen, Säbel, Dolche' lind sonstigen Kampfgeräte hoben sich, Augen glühten, grimmig gesträubte Schnurrbärte zitterten dem großen Augenblick ent­gegen. Das Tor fing auf.

Die erhobenen Waffen sanken herab, die zum Schlachtgebrüll geöffneten Münder klappten zu. Durch das Tor rollte langsam Herrn Zoltan von Sarkänys Reisewagen, gezogen von vier^ müden Hengsten, üe ihn gewissenhaft und voll Stallsehn­sucht ablieferten. Auf dem Bock schwankte, gehüllt in des Oberstublrichters Pelz, dje Zügel in schlaffen Händen, ein Mann, der, als der Wagen hielt, roie ein Sack auf die Seite fiel. Hinten lagen in den Polstern vier andere, und es hätte des Dunstes, der ihren geschwärzten Gesichtern im Takte barbarischen Schnarchens entquoll, nicht bedurft, um den herzu­drängenden Verteidigern den sachverhalt zu er­klären. Es war keine Räuberbande: es waren nur Die Fünf, Die den Oberstuhlrichter ausgeplündert hatten, und sie waren so fundamental besoffen, wie es irgendein Mensch, sei er Räuber oder Staats­bürger, nur sein kann.

Herr Zoltan von Sarkäny hatte den Vorgang mit ungläubigem Staunen betrachtet: aber erst, als man die' leblosen Räuber aus dem Wagen zog und ein leeres Fäßchen, von ihren schleifenden Füßen heraus­gerissen, hüpfend und bumsend über Die Kopfsteine des Hofes kollerte, begriff er. Branntwein, ächzte er; und er gurgelte es prustend hervor mehr noch als Branntwein: Opium. Der Apotheker in Groß­wardein hatte ihm den Betäubungstrank für Die Ratten gemischt. Die in Ställen und Scheuern Über­handnahmen. Die Ratten im Schlosse sollten ihn saufen, aber Herr Zoltan von Sarkäny brüllte vor Lachen, daß ihm das blanke Wasser aus den Augen schoß die Ratten im Walde hatten ihn gekriegt.

Im ungeheizten Keller des Schlosses schnarchten alsbald die Räuber, traulich umspielt von den Rat­ten, denen sie einstweilen das Leben gerettet hatten.

friedlich lächelnd dem Erwachen entgegen: aber es war mehr als ungewiß, ob sie am anderen Morgen noch so viel Humor besitzen würden, um in die Heiterkeit, die während der ganzen Nacht durch die Banketthalle des Schlosses brauste, mit rechtem Der« ständnis einzustimmen.

Zeitschriften.

Das April-Heft voy Westermanns Mo­natsheften beginnt mit einer Bettachtung von Herbert Grynhagen über den Ostermond. Ein Auf­satz des Hauptschriftleiters,Otto August Ehlers über das Werden des jungen ostdeutschen Malers Fritz Heidingsfeld in der Kunst der Gegenwart hat grund­sätzliche Bedeutung. Freunde deutscher Geschichte finden einen aufschlußreichen Beitrag über die Neu­gestaltung der preußischen Armee nach dem Frieden von Tilsit 1807. Mit Zeichnungen und Holzschnitten von Felix Timmermans ist eine Erzählung seines Zusammentreffens mit dem Dichter von Numme Numsen ausgestattet. Hervorragende Wiedergaben von Bildern von Adolph von Menzel, Georg Ehmig, Wilhelm von Kügelgßn, O. M. Amorbach, Ernst Schaumann, eine Plastik von Fritz Röll, Erzählun­gen von Carl Mandelartz, Maria von Ribbentrop, E. G. Zwahlen, Wilhelm Sauer und viel andere Beiträge vervollständigen den reichen Inhalt des Heftes?

Hochschulnachrichten.

Professor D. Dr. (Sari Schmidt, em. Ordi­narius für Kirchengeschichte und koptische Literatur an der Universität Berlin, ist im 70. Lebens­jahre in Kairo g e ft o r b e n. Carl Schmidt, aus Hagenow (Mecklenburg) gebürtig, war ein Schüler des Aegyptologen Erman und des Kirchengeschicht- lers Adolf Harnack; von feinen Arbeiten feien Die über Die Petrus- und Paulus-Akten, dieAltchrist­liche Texte" und dieGespräche Jesu mit feinen Jüngern" genannt.

Ein Lehrstuhl für polnische Geschichte wurde an der Universität Berlin errichtet. Die Vertretung dieses Lehrstuhls wurde dem nb. ao. Professor Dr. Manfred Säubert an der Universität Bres­lau übertragen; er ist Spezialist für die Geschichte Polens und Schlesiens.

Professor Dr. Ferdinand Hencke nkamp, der em. Ordinarius für romanische Philologie an der Universität G r e i f s w a l d , ist am Tage vor der Vollendung seines 76. Lebensjahres gestorben; er hat mehr als drei Jahrzehnte in Greifswald ge­wirkt und wurde 1927 entpflichtet.