Einzelbild herunterladen

DerMrerbesichtigtdasMdelldesVolkswagens

M

Ä'S

* :X^.2V-

Eine besondere Ueberraschung machte die Deutsche Arbeitsfront dem Führer und Reichskanzler an seinem Geburtstag, indem sie ihm das Modell des künftigen Volkswagens überreichte. Hier erklärt der Konstrukteur des Volkswagens Dr.-Jng. Porsche dem Führer das Modell. Hinter Porsche (halb verdeckt) Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, rechts Korps­führer Hühnlein und Direktor Merlin. (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

Geschichten aus aller Welt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

salomonisches Urteil.

(G.L.L.) Delhi.

Vor ein paar Tagen standen zwei Frauen vor dem Richter in Cawnpore. Ihr Fall war insofern interessant, als es sich bei ihnen um die genaue Wiederholung jenes Falles handelte, durch dessen Urteil der alte Salomo seine weitgehende Popu­larität erlangt hatte. Es handelte sich auch in Cawnpore um den Streit zweier Frauen um ein drei Jahre altes Kind. Jede von ihnen behauptete, die richtige Mutter des Kindes zu sein. Der Richter von Cawnpore mag bei diesem Fall auch an den weisen Salomo gedacht haben, denn er setzte das Kind auf seinen Tisch und rief die beiden streitenden Damen heran. Und siehe, als sie beide an den Richtertisch getreten waren, sprang das Kind mit einem Freudenschrei auf die eine der beiden Frauen zu und schlang die Arme um ihren Hals. Der Richter von Cawnpore brauchte also nicht erst den Scharfrichter rufen zu lassen und das Leben des Kindes zu bedrohen, um die richtige Mutter feft- zustellen. Das Kind hatte selbst das Urteil ge­sprochen. Der Richter sah daher von jeglicher Ver­nehmung ab und sprach der glücklichen Mutter kurzerhand das Kind zu.

Die Eile ist vom Teufel."

G. G L. Bombay.

Die Eile ist vom Teufel", sagt ein altes ara­bisches Sprichwort, das auch der Leitsatz der folgen­den wahren Begebenheit gewesen zu sein scheint, die kürzlich aus einem kleinen indischen Staate im Pundschab berichtet wurde. In einem Orte dieses Staates, dessen Name höflich verschwiegen wird, brach in einem Hause Feuer aus. In Ermangelung telephonischer Verbindung sandte der Hausbesitzer^ einen Eilbrief an die zuständige Stelle mit dem Ersuchen um sofortige Entsendung der Staats- Feuerbrigade. Der Eingang dieses Gesuchs wurde von dem zuständigen Beamten auch prompt be­stätigt, denn Ordnung muß sein, aber die Feuer­wehr kam nicht. Handelte es sich doch um die In­anspruchnahme einer staatlichen Einrichtung, und wenn der Staat noch so klein ist, so hat er doch feineDienstwege". Derzuständige" Beamte ging außerdem gerade in Urlaub. Er machte jedoch dies­

bezüglich einedringende Aktennotiz" für seinen Nachfolger. Als der Nachfolger nach Verlauf von nicht weniger als fünf Monaten auf diese Akten­notiz stieß, wobei er feststellte, daß es sich um eine dringliche Angelegenheit" handelte, gab er die Akte an den höchsten Beamten des Staates, den Dewan, weiter unter Anempfehlung, die notwendigen Schritte zu veranlassen, da die Sache eilig sei. In diesem Staate aber kann, wie in so vielen anderen der zahlreichen indischen Staaten, kein Blatt vom Wege aufgehoben werden ohne die ausdrückliche Sanktion des Fürsten. So tat dann der Dewan, was er mußte, und Eile war ja geboten: er unter­breitete den Fall dem Fürsten mit der Bitte, Seine Hoheit mögen geruhen, seine sofortige Genehmigung zur Entsendung der staatlichen Feuerbrigade zu gewähren. Der Fürst ordnete daraufhin an, daß sich die staatliche Feuerbrigade unverzüglich zu der Brandstätte begebe, um weiteren Schaden zu ver­hindern. Mit diesem Befehl ausgerüstet, erschien nach genau sechs Monaten die staatliche Feuer­brigade zum großen Erstaunen aller Einwohner des Ortes und noch größerem Erstaunen des An­tragstellers vor derBrandstätte", um weiteren Schaden zu verhindern. Es war aber nichts mehr zu verhindern, denn das Gebäude war abgebrannt und an seiner Stelle war inzwischen längst ein anderes, funkelnagelneues Haus entstanden, aus dem der Antragsteller freundlich auf di^ dummen Gesichter der Feuerwehrleute herablächelte. Diese mußten unverrichteter Dinge wieder abziehen, ober der Dienstweg ist jedenfalls eingehalten worden!

Geheimnisvolles Frauenbild.

K. Washington.

Ohne eine Ahnung davon zu haben, hat seit 17 Jahren Dr. Louis Dillon, ein Einwohner der Stadt Appleton in Wisconsin (USA.) ständig in seiner Tasche das Bild- einer sehr schönen unbe­kannten Frau mit sich herumaetragen. Er wurde dessen erst gewahr, als ihm dieser Tage ein Silber- dollar, der im Jahre 1877 geprägt war, und den er immer als ein sorgfälttg behütetes Amulett in der Tasche trug, aus den Händen siel. Als die große Münze auf den Boden aufschlug, öffnete sie sich, und auf der Innenseite kam ein entzückendes Frauenbildnis zum Vorschein. Das Geldstück war in zwei Hälften zerschnitten worden, so daß es eine

Art Medaillon bildete, und nach der Einfügung des Bildes waren die beiden Hälften so vollkommen wieder zusammengefügt, daß der Schnitt nicht zu merken war. Dillon erklärte, daß er nicht den leisesten Anhatt hat, wer die schöne Frau sein könnte. Er hat den alten Dollar von einem Patten­ten erhalten, der schon vor einer Reihe von Jahren gestorben ist.

Wieviel Briefe bekommt ein Filmstar?

C. K. Hollywood.

Die Filmwelt von Hollywood, die einander so eifersüchtig beobachtet und alle Schwankungen in der Wertschätzung eines Stars sorgfästig registriert, richtet chre Aufmerksamkeit nicht am wenigsten auch auf die Post, die ein Schauspieler täglich erhält. Je höher der Briefstapel, um so höher auch der Ruhm. Freilich gibt es auch hier Veränderungen, die alle gemeinsam betreffen. Im allgemeinen scheint das Publikum von heute längst nicht mehr so schreibelustig zu sein, wie es noch vor ein paar Jahren war. Dor acht oder neun Jahren zum Bei­spiel erhielt Colleen Moore durchschnittlich 15 000 Briefe in der Woche. Kein Star erreicht heutzutage auch nur annähernd diese Ziffer. Erroll Flynn hat kürzlich Dick P o w e l l ein paar Stufen her­untergedrückt mit einem Durchschnitt von 4000 Briesen monatlich, während Powell durchschnittlich nur 3500 bekommt. Mary Wilson, eine Schau­spielerin, die in Amerika viel volkstümlicher ist als in Europa, hatte v/rigen Dezember einen Brief­eingang von über 3000 Stück, die Mauch- Zwillinge einen solchen von 2500. In der2500- Klasse" sind auch Bette Davis, Anita Louise, Joan Blonde und Kay Francis. Ein neuer Star pflegt in den ersten Monaten, nachdem er berühmt geworden ist, einen ungeheuren Strom von Zuschriften zu erhalten: dann ebbt die Flut all­mählich ab und stellt sich auf einen Durchschnitt ein, der gewöhnlich lange Zeit annähernd, beständig bleibt.

Was steht »nun in dieser Masse von Briefen? Ann Harding, eine der wenigen Filmschau­spielerinnen, die sich um ihre Post persönlich küm­mert, erklärt, 80 v. H. der Zuschriften enthielten Bitten um Autogramme, um Photos mit Unter­schrift und Komplimente. Ein weit kleinerer Pro­zentsatz krittsiert oder lobt die Stücke, in denen der Star auftritt, während eine hübsche Anzahl ganz einfach Bettelbriefe sind, sehr oft Bitten um Kleider. Die meisten Huldigungsbriefe kommen von Kindern und Jugendlichen, und das Auf und Ab des Schul­jahres macht sich deutlich bemerkbar. Zur Zeit, wo die Schule anfängt, wird die Post spärlicher, aber sobald die Ferien da sind, schwillt sie an. Natürlich schreiben Kinder viel an kindliche Stars, aber grade die hervorragendsten unter ihnen, Shirley Temple, Freddie Bartholomew, Jane Withers, Jackie Cooper, bekommen auch sehr viele Briefe von Erwachsenen. Aufregende Zeitereignisse, die die öffentliche Meinung stark beschäftigen, bedeuten für die Filmschauspieler verminderten Posteingang. Es kommt auch vor, daß hervorragendeKassen-Stars", die die Kinos am meisten füllen, eine verhältnis­mäßig schmale Post haben. So bleiben Leslie Howard und Edward G. Robinson unter tausend Briefen im Monat. Die Filmgesellschaften bezahlen die Schauspieler nicht nach der Zahl der Briefe, die jeder bekommt. Aber auf lange Sicht bedeutet die Beliebtheit, die sich in einem großen Briefeingang ausdrückt, doch einen wichtigen Faktor in der Laufbahn eines Filmstars.

Streit um einen Hahn.

B. London.

In der Stadt Brighton ist ein heftiger Kampf um einen Hahn entbrannt. Die Tierschutzgesellschaft ist mit einem lebhaften Protest bei den Behörden eingeschritten, um einen jungen Hahn von der Todesstrafe zu erretten, die über ihn verhängt worden ist, weil er mit feinem Krähen die Nacht­ruhe gestört hat. Das Todesurteil wurde von einem Polizeibeamten ausgesprochen, als eine alte Dame bei ihm erschien und erklärte, sie könnte wegen des ständigen Kikeriki des Hahnes nicht mehr schlafen. In jeder Nacht beginne er um drei Uhr im Nach­barhof zu krähen und höre bis 15 Uhr nicht mehr auf. Die Klägerin war völlig nervös geworden und hatte der Besitzerin des sangeslustigen Hahnes ein Ultimatum gesandt: entweder solle sie d^m Tiere den Hals umdrehen, und zwar binnen zwei Wochen, oder sie würde mit allen gesetzlichen Mitteln gegen sie vorgehen. Die Besitzerin des Hahnes hatte auf diese Forderung nicht einmal geantwortet, aber auf

die Klage der alten Dame mußte sie nun erscheinen und sich verteidigen. Es nützte ihr aber nichts, bie Klage wegen des ruhestörenden Lärms wurde an« erkannt und der Verklagten aufgegeben, den Hahn zu beseitigen. Die Tierschutzgesellschaft setzt nun alle Hebel in Bewegung, die Rettung des Verbrechers im letzten Augenblick doch noch durchzusetzen.

Gesalzene Rechnung

für den ungetreuen Bräutigam.

B. P a r t s.

In der Kirche Saint-Denis vor den Toren von Paris war eine große Zahl von Hochzeitsgästen zusammen, um der Trauung der reizenden Tochter des Kapitän F. beizuwohnen. Statt des Bräutigams traf aber, als man schon einige Zeit gewartet hatte, ein Telegramm ein:Anderer Meinung geworden. Unnütz zu warten. Tut mir leid für dich. Gustave." Während die junge Braut in Tränen ausbrach und ich nicht trösten lassen wollte, hatte der Brautvater ich bald gefaßt. Das großartige Hochzeitsessen, das ertig vorbereitet war, wurde an bedürftige Ein­wohner verteilt, aber dann setzte er für den wankel-

Steinhäger

Urquell

würzig mild - mit dem bekannten Schinkenbild! l

wütigen Gustave eine Rechnung auf, die sich sehe»; lassen konnte, und ging damit zu Gericht. Da war aufgeführt: ein Schadenersatz von 10 000 Franken für den moralischen Schaden, Wiedererstattung aller Ausgaben, die für die Hochzeit gemacht worden waren: ein Hochzeitskleid 500 Franken, Schuhe, weiße Handschuhe, Schleier und Myrthenkranz 200 Franken, ein hellblaues Kleid für die Hochzeitsreise 350 Franken, 25 Flaschen Schaumwein und so weiter. Die Rechnung wies noch viele Kosten auf, so daß dem braven Gustave die Augen überge­gangen sein werden.

Ein Smaragd ^iel ins Wasser.

C. K. Venedig.

Im August vorigen Jahres nahm m Venedig die Principessa Henriette Hartford an einem Empfang teil, der von einer vornehmen Familie der Stadt dem Prinzen von Piemont gegeben wurde. Sie trat auf einen Balkon hinaus, der sich über dem Canale Grande befindet, und lehnte sich an die Brüstung. Nach einiger Zeit bemerkte sie zu ihrem Schrecken, daß von der reichen Halskette, die sie trug, sich ein Brillantanhänger gelöst hatte, an dem in einem Platinring ein prächtiger Smaragd be­festigt war. Der kostbare Stein wog 30 Karat und war für 600 000 Lire bei einer ausländischen Ge­sellschaft versichert. Da man nicht anders annehmen konnte, als daß das Schmuckstück in den Canals Grande gefallen war, wurde mit Hilfe von Tau­chern eine eingehende Untersuchung des Kanal­grundes Dorgenommen, und diesen gelang es auch nach einigen Tagen, den Anhänger zu finden, aber nicht den Smaragden. Die Versicherungssumme wurde daher der Familie ausgezahlt, nur mit dem Vorbehalt, daß sie zurückerstattet werden müßte, falls der kostbare Stein doch noch wiedergefunden würde. Vor einigen Tagen wurden die Nachfor­schungen wieder aufgenommen, und diesmal wurde der Smaragd, der in einer Schlammschicht ver­borgen war, aufgefunden. Jetzt aber kam das Ge­rücht auf, daß der Stein von einigen Juwelieren ür gefälscht erklärt worden sei. Eine Bestätiaung ehlt noch, aber der Smaragd wurde von der Ver- icherungsgesellschast bei einem venezianischen Notar hinterlegt.

Ein rüstiger Greis.

(kr) Smyrna.

In der griechisch-orthodoxen Kirche von Smyrna hat sich der uralte Sava zu seinem 106. Geburts­tag mit der 40 Jahre alten Stella trauen lassen. Diese Stella ist seine 7. Gattin. Alle anderen hat Sava überlebt. Uebrigens versichert Stella, daß das Alter ihres Gatten keine Rolle spiele. Sie weist darauf hin, daß er vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein in seinen Gemüsefeldern arbeite, um zweimal in der Woche mit drei Eseln in die Stadt zu ziehen, um auf dem Markt feine Pro­dukte abzusetzen. Für Smyrna war Sava auf jeden Fall der älteste Bräutigam, der sich je dort trauen ließ.

portugiesische Bilder.

Von W. E. Freiherr von Medern.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Lissabon, April 1938.

Es gibt im deutschen Sprachgebrauch Rede­wendungen, die einem von Kind an bildhaft be­stimmte Vorstellungen einprägen:Stolz wie ein Spanier" zum Beispiel. Ich fand diesen Stolz beim ärmsten Spanier, der nicht lesen und nicht schreiben kann, immer wieder als Merkmal seiner Haltung bestätigt. Oder:Das kommt mir etwas spanisch vor" will sagen unbegreiflich, anders als orts­üblich. Auch das ist richtig, in Spanien war vieles so anders, daß es nur schwer für die deutsche Mentalität anfänglich begreiflich war.

AberPortugiesische Wirtschaft", als Vorstellung von Neooluttonen am laufenden Bande, von einem aufgeregten Durcheinander, das stimmt nicht. Denn das Bild des Straßenlebens in Lissabon ist Ruhe, Ordnung, Sachlichkeit. Wäre nicht der blaue Himmel und die Palmen auf den Plätzen, die steilansteigen­den Straßen und die südlichen Häuser mit den stachen Dächern, so erinnerte mich die Atmosphäre etwa an Magdeburg. In Magdeburg würde der Karneval verlausen wie in Lissabon: Viele ruhige Frauen und Männer auf den Straßen, einige Masken, sachlich von den andern betrachtet-, lautes Lachen und ähnliche Temperamentsausbrüche wür­den gegen den üblichen Ton verstoßen. Nur, daß in Magdeburg doch wohl einige alkoholisch schwan­kende Gestalten gegen Morgen zu sehen sein wür­den, wenn die Polizeistunde unbegrenzt wäre, wie beim Fasching in Lissabon und drei Feiertage ohne Arbeit dem Fasching von Staats und Volks wegen gewidmet würden. Aber in Lissabon sah ich keine Beschwipste, geschweige denn Betrunkene. Auch nicht im Hafenviertel, wenigstens keine Portugiesen.

Allerdings, Matrosen mit der Mützenbandinschrift H. M. S. (Bis Majesty Skip) waren rudelweise be­soffen. Es lagen gerade ein paar englische Kriegs­schiffe im Hafen, und die portugiesischen Gastgeber sahen diese Bilder nur mit bitteren Gefühlen an. Auch auf mich machte es einen gewissen Eindruck wie da am Faschingsdienstag in der vornehmen traditionellsten Weinprobierstube Poriuools am elegantesten Teil der Avenue zwei englische Ma­

trosen bei der Portweinflasche ihr gesamtes Lieder­inventar, angefangen mitit is a Iong way to Tipperary, sich gegenseitig zubrüllten, daß Hun- derte von Menschen vor der Eingangstür stumm und betroffen stehen blieben. Der blonde Junge hatte noch einen leidlichen Tenor, dem schwarzen wäre ich ungern allein begegnet. Für diese Matrosen war offenbar das kleine feine Lokal mit feinen Damen und Herren im Abendanzug und den 125- jährigen alten Weinen ein Dreck. Sie soffen, was die anderen, durch die sie sahen wie durch Luft, vornehm nippten.We have the men, we have the ships, we have the money too. Ich betrachtete hinter meiner Zeitung mit dem feierlichen Photo Die englische Militärmission bei Portugals Staats­präsidenten^ die traurigen Gesichter meiner portu­giesischen Nachbarn. Laut gesagt hat keiner etwas, nur der Kellner machte hilflos verlegene Gesten. Als nach dem zehnten Song, jeder Song zu min­destens fünf Versen, noch immer keiner diese Zierden" der englischen Flotte aufforberte, die wirklich kultivierte Weinstube zu verlassen, bin ich wieder hinausgegangen auf die Straße, wo die guten Lissaboner mit stillerer Fröhlichkeit ihren be­dächtigen Faschingsbummel machten.

In dem großen Cas6 am Hauptplatz, mit modern­ster Innenarchitektur, großen Glasscheiben, Spiegel­wände, Stahlmöbel mit rotem Leder, sitzen an den schwarzen Marmortischen die behüteten Lissaboner und trinken ihren schwarzen Kaffee. Es gibt keine Musik in einem portugiesischen Cafe, auch keine Frauen. Die Herren sind unter sich, bereden ihre Geschäfte oder das Neueste vom Tanzkabarett Arkadia, wo sich Ungarinnen, Tschechinyen und Französinnen tänzerisch produzieren. Viele sagen gar nichts und werfen die Asche ihrer Zigarette auf den marmornen Boden. Aschenbecher sind kaum gebräuchlich und Marmorplatten ein billiges Pro­dukt des Landes. Billig ist überhaupt fast alles in Portugal, das Feinem Diktator Salazar einen geordneten Staatshaushalt verdankt, der sogar freie Devisenwirtschaft erlaubt. In den Cafes geht es ruhig zu, trotzdem sie alle überfüllt sind. Die Parteipolttik, die ja gerade an aufgeregten Kaffee­

hausgesprächen in manchen Ländern zu registrieren ist, hat in Portugal einer ständischen Verfassung Platz gemacht. Seitdem ist es friedlich im Lande.

Es gibt sehr viele gut ungezogene Menschen in den Restaurants und Bars, viele Luxusautos. Aber auch Armut und bettelnde Kinder. Man empfindet im Straßenbild den Abstand zwischen Wohlhaben­heit und Armut, man sieht wenig Mittelschicht. Die soziale Frage ist noch immer das Problem des Landes, aber da man keine verbitterten proleta­rischen Gesichter sieht, weiß man, daß an dieser Frage gearbeitet wird. Von heute zu morgen kann sich der Neuaufbau eines Volkes nicht vollziehen, das noch vor 1914 80 v. H. Analphabeten hatte. Wenn die ftaatsautoritäre Regierung Salazars diesen furchtbaren Hundertsatz bereits auf 40 v. H. heruntergedrückt und die zweijährig^ Schulpflicht eingeführt hat, dann ist das eine gewaltige Leistung, und man spürt auch die systematische Erziehung des breiten Volkes überall. Das breite Waschbecken mit fließendem Wasser in der Rotunde auf dem Hauptplatz, benutzt von einem ärmlichen Straßen­arbeiter, hat mir mehr gesagt als mancher propa­gandistische Zeitungsaufsatz. Denn eine Stadtver­waltung, die so hygenisch baut, wirkt nach sozialen Grundsätzen. Man kann ja überhaupt so vieles aus den gesehenen Bildern herauslesen.

Wenn man aus Spanien kommt muß es einem auffallen, daß man überhaupt keine geistliche Tracht auf den Straßen trifft. Seit der Revolution 1910 ist tatsächlich in Portugal den Priestern und Orden der Kirchen das Tragen ihres geistlichen Gewandes in der Öffentlichkeit außerhalb ihrer Amtshand­lungen nicht gestattet. Die Trennung von Kirche und Staat ist auch im ständischen Staate geblieben, der sich trotzdem weltanschauttch auf der religiösen Ethik aufbaut. Es ist also ein Zustand, der 1910 nach der Absicht der heute in Portugal verbotenen Freimaurerei damals ein Gegensatz sein sollte, im ständischen Staat Salazars zu einem inneren Aus­gleich geworden.

Dieses grundsätzliche Streben nach Ausgleich, Be­friedung und Ruhe spürt der Fremde, der durch portugiesische Orte geht, und das ist gewiß die höchste Anerkennung, die der Regierung Salazars gezollt werden kann. Denn vor der autoritären Staatsführung dieses großen Mannes soll es in Portugal anders gewesen sein. Politisch' Befriedung und ein gesunder Staatshaushalt wden immer weitere Möglichkeiten auch zu dem erstrebten sozia­

len Ausgleich geben. Daß Portugal sich diese hoff­nungsvolle Entwicklung nicht durch ein bolschewisti­sches Spanien stören lassen wollte und mit seinen Sympathien bei General Franco steht, ist selbst­verständlich. In den Schaufenstern der Buchhand­lungen sieht man denn auch die Bilder des national­spanischen Staatsführers und viel Literatur über den spanischen Bürgerkrieg und das Wüten des Bolschewismus in Spanien. Auch das Eintreffen der englischen Militärmission in Lissabon wurde in den portugiesischen Blättern überschattet von den Berichten über die nationalspanischen Erfolge.

In einem Lande, das unter zielsicherer Staats­führung am Aufbau eines gesunden Volkstums ar­beitet, soll man sich vor allem auch die Jugend ansehen, die auf den Straßen oder den Sport­plätzen spielt oder aus den Schulen kommt Portu­gal muß großen Kinderreichtum haben Es wimmett nur so vom kleinen Völkchen, und alles Gesehene zeigt die große Liebe, die der Portugiese zu seinen Kindern hat, übrigens auch zu Tieren. Umhegte Kinder: gutgepflegte Maultiere und Esel, Hunde und Hauskatzen geben dem Bilde des portugiesischen Volkslebens einen besonders sympathischen Zug. (Sana reizend waren in der Karnevalszeit die vielen maskierten Kinder, für die am Nachmittag überall besondere Veranstaltungen gegeben wurden, und ich habe oft die Miniatur-Rokokodämchen und Bäue­rinnen bewundert, die an der Hand ihrer stolzen Mutter auf die Straßenbahn ober auf das väter­liche Auto warteten.

In einem mit breiten Straßen angelegten neuen Viertel oberhalb der Altstadt liegt das in einer palastähnlichen Villa eingerichtete schönste Hotel Lissabons. Der Stil des Privathauses ist in den alten geschnitzten Möbeln, den köstlichen Fayence­kaminen und wertvollen Bildern gewahrt. Ich sitze einem deutschen Wirtschaftler gegenüber. Er zeigte mir Proben eisen-, silber-, selbst goldhaltigen Erzes, alles aus dem Lande Portugal, das noch manche unerschlossene Werte birgt. Wir sprechen über die Zukunft des Landes und sind von ihr überzeugt

Es sind gewiß keine sensationellen Bilder, die Portugal dem Beschauer bietet Es sind Bilder der Ruhe, der Ordnung und der Staatsdisziplin, über« strahlt von Sonne und der genügsamen Heiterkeit eines Volkes, das sich von dem führen läßt, der zu führen versteht Und Portugal hat in Sala­zar heute seinen Führer.