Ausgabe 
22.10.1938
 
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Nr. 24 8 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

22./25.Gltober 1938

Aus der Stadt Gießen.

Oer Lustballon.

Es war in einem Geschäft, wo ich Zeuge dieses kleinen Vorfalls wurde. Er hatte natürlich nicht viel auf sich, und sicher würde er manchem nicht einmal als erwähnenswert erschienen sein. Schließlich gibt es weit wichtigere Dinge. Aber als ich ihn beobach­tete, lockte er zum Vergleich.

In dem , Geschäft herrschte lebhafter Betrieb. Käufer kamen und gingen, und an den Derkaufs- tischen wurden eifrige Beratungen geführt. Ich hatte eben meine Besorgung erledigt und strebte dem Aus­gang zu, als ich in einer Ecke ein hübsches Bild be­obachten konnte. Ein kleiner Zunge von vielleicht drei Jahren stand dort vor einem Spiegel und be­trachtete sich samt seinem Luftballon, den er fest in der geballten Faust hielt. Es war einer jener Bal­lons, wie sie von den Geschäftsleuten an die Kinder verschenkt werden. Zweifellos machte es dem Kleinen besonderen Spaß, den stattlichen bunten Ball an der Leine zu halten. Dabei glitt sein Blick immer wieder in den Spiegel, als gewähre es ihm großen Genuß, den Ballon gewissermaßen zwiefach zu sehen.

Es war ein reizvoller Anblick, der aber plötzlich wie durch höhere Fügung eine völlige Verwandlung erfuhr. Denn mit einem Male gab es einen ver­nehmlichen Knall, daß die Käufer in der Nähe ver­wundert um sich sahen. Der Ballon war fort, nicht mehr zu sehen. Irgendein tückischer Umstand hatte seinem lustigen Dasein ein Ziel gesetzt. Der Kleine stand völlig verdutzt. Einen Augenblick lang schien er unter der Nachwirkung des Knalles wie ver­steinert. Dann sah er an seiner Hand hinauf, blickte |n den Siegel, und schon begannen sich seine Mund­winkel zu verziehen. Das heulende Elend packte ihn mit der ganzen Gewalt seiner jungen Erdenjahre.

Wenn ein Kind solchermaßen seinem Schmerz Aus­druck gibt, finden sich sofort barmherzige Seelen, die mit tröstenden Worten Balsam auf die Wunden legen. Der Kleine war solchen Tröstungen gegenüber jedoch nicht zugänglich. Je mehr sich die Frauen in seiner Nähe um ihn bemühten, um so lauter ertönte sein Geschrei als bitterer Klaggesang um eine zer­störte Illusion. Die Illusion des anscheinend fest­gefügten bunten Balles war jämmerlich zerplatzt und hatte nichts übrig gelassen als ein zusammenge­schrumpftes buntes Häutchen.

Dem Kleinen wurde indessen geholfen. Eine junge Verkäuferin kam gelaufen und drückte ihm einen neuen Ballon in die Faust. Ein wenig verwundert und nicht ohne Mißtrauen glitt sein Blick darüber hin. Doch dann versiegten die Tränen. Die neue Illu­sion begann ihre Wirkung. Und hier wurde die Sache zum Ereignis. Haben wir uns so überlegen blinkende Erwachsenen nicht auch oft genug solche Illusionen? Stehen wir nicht auch häufig vor der Gefahr, daß sie plötzlich an der Realität des Daseins zerplatzen? Illusion bleibt schließlich Illusion, sei es nun eine romantische Vorstellung oder auch nur ein harm­loser Luftballon ... H. W. Sch.

üornofiaen

Tageskalender für Samstag.

Ortsgruppe Gießen-Süd: Monatsversammlung 20.30 Uhr in der Neuen Aula der Universität: es spricht der frühere Ortsgruppenleiter, Gauhaupt­stellenleiter Holländer (Frankfurt a. M.). Gloria-Palast (Seltersweg):Rote Orchideen": Snätoorstelluna, 23 Uhr:S'chs Frauen und ein König". Lichtspielhaus (BabnboPraße):Die Eiskönigin." Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am B^and. Baugenossenschaft 1894 Gießen: 20 Uhr Burghof" Jahreshauptversammlung.

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 19 bis 22 UhrWiener Blut". Gloria-Palast (Seltersweg):Rote Orchideen." Lichtspielhaus (Bahnhofstraße:Die Eiskömgin." Oberhessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr Aus­stellung im Turmhaus am Brand. Zugunsten der Sudetendeutschen: 20.30 UhrEaf6 Leib" Hand- harmonika-Konzert von etwa 80 Spielern.

Preisüberwachung und Preiskontrollen im Kreis Gießen.

Maßnahmen im Dienste des Vierjahresplanes.

tritt, daß Waren in ihrer Qualität verschlechtert wer­den oder ein Geschäft einfachere Waren, die es früher geführt hat, jetzt nicht mehr zum Kauf be­reithält. Schließlich ist bei den Kontrollen auch darauf zu achten, daß auf Lebensmittelmärkten oder in Geschäften keine Koppelungsgeschäfte vorgenommen werden, d. h. eine bestimmte Ware, die vielleicht gerade knapp ist, nur dann an den Käufer abgegeben wird, wenn dieser sich entschließt, andere, marktgängigere Waren, die der Verkäufer gerade in reichem Maße vorrätig hat oder die er gerne los sein will, beim Erwerb der geforderten und vielleicht knapperen Ware mitzukaufen.

Die die Preiskontrolle durchgeführt wird.

Die Preiskontrolle ist in den Landgemeinden des Kreises Gießen schon immer durch die Beamten der Gendarmerie durchgeführt worden. In besonderen Dienstoersammlungen und durch besondere Ver­fügungen werden die Beamten über die einschlägi­gen Vorschriften laufend unterrichtet. Zwei Arten von Preisüberwachungen sind zu unterscheiden: einerseits erhalten die Beamten oft den Auftrag, schlagartig in einer Reihe von Orten und Ge­schäften die Preise für bestimmte Bedarfsgüter nachzuprüfen, anderseits geht nebenher die fort­laufende umfassende Ueberwachung aller ein­

Die Preiskontrollen des Kreisamts Gießen in einer Reihe von Kreisorten vgl. unsere Berichte in Nummer 241 und 244 des Gieß. 2lnz. haben wir zum Anlaß einer Unter­redung mit dem für diese Angelegenheiten zuständigen Dezernenten beim Kreisamt Gie­ßen, Regierungsrat Dr. Fuhr, genommen, um auf Grund dieser Unterhaltung unseren Lesern einen Ueberblick über das wichtige Gebiet des Preisschutzes und die sich daraus ergebenden Aufgaben der Behörde zu vermit­teln. Das Ergebnis dieser Unterredung ist in dem nachstehenden Bericht zusammengefaßt. D. Schriftltg.

Sinn des Preisschuhes und Zweck der Preiskontrollen.

In einem erneuten Erlaß des Reichsführers ff und Chefs der deutschen Polizei vom 10. September 1938 wird die ständige und gewissenhafte Ueber­wachung der Preisbildungsoorschriften allen Polizei- und Polizei-Aufsichtsbehörden zur besonderen Pflicht gemacht. Dabei wird heroorgehoben, daß im Inter­esse einer reibungslosen und erfolgreichen Durchfüh­rung des Dierjahresplanes allen Fragen der Prei» Überwachung von den zuständigen Behörden beson­dere Aufmerksamkeit zuzuwenden ist. Die einschlä­gigen Vorschriften bezwecken, allen Volksgenossen den Erwerb der lebenswichtigen Bedarfsgüter zu ange­messenen Preisen sowohl für den Käu'er, als auch für den Verkäufer zu gewährleisten und dadurch mitzuhelfen an dem vollen Gelingen des Vier­jahresplanes.

Um dieses Ziel mit Sicherheit zu erreichen, müssen auf dem Gebiete des Preisschutzes immer wieder Preiskontrollen vorgenommen werden. Diese Kon­trollen sollen dazu dienen, festzustellen, ob von den Erzeugern von Lebensmitteln bzw. von den Ver­arbeitern, Lebensmittelhändlern, Kaufleuten und Ge­werbetreibenden die Vorschriften preisrechtlicher Art gewissenhaft beachtet und durchgeführt werden. Die Bestimmungen für die Prüfung der Durchführung der preisrechtlichen Vorschriften sind sehr mannig­faltig und bedingen ganz besondere Kenntnisse der mit den Kontrollen beauftragten Beamten. Es han­delt sich für die Kontrollbeamten schon um deswillen um eine schwierige Aufgabe, weil nicht für alle Ver­kehrsgüter gleichartige Bestimmungen bestehen, son­dern bei einzelnen Gütern Höchstpreisvor- s ch r i f t e n in Betracht kommen, bei anderen Waren gewisse Verdien st spannen festgesetzt sind und schließlich für eine andere Warengruppe Fest­preise bestehen. Als Beispiel sei erwähnt, daß Höchstpreise u. a. oorgeschrieben sind für But­ter, Fleisch. Wurst, Eier, Oele, Kartoffeln. Salz: Verdien st spannen bestehen u. a. bei Mineral­wasser, Obst, Gemüse, Fischhändel: F e ft p r e i \ e kommen bei den einzelnen Arten von Verbrauchs- zucker in Betracht. Im Hinblick auf diese verschieden­artigen Vorschriften sind natürlich die Preiskontrol­len besonders schwierig.

Neben der Beachtung dieser Bestimmungen durch Erzeuger und Warenverteiler ist bei den Kontrollen noch besonderes Augenmerk darauf zu richten, daß die oorgeschriebenen Preisverzeichnisse und Preisschilder für die einzelnen Waren mcht nur vorhanden, sondern in jedem Falle auch rich­tig und ordnungsgemäß angebracht sind. Der genauen Durchführung dieser Vorschriften über die Preisverzeichnisse und Preisschilder ist be­sondere Bedeutung beizumessen, weil diese Verzeich­nisse und Schulder der Verbraucherschaft die Möalich- keit geben sollen, von sich^aus die genaue Beachtung der preisrechtlichen Vorschriften durch die Verkäufer kontrollieren zu können.

Ein anderes wichtiges Kapitel in diesem Zusam-. menhanqe ist die Kontrolle, ob nicht eine indirekte Preiserhöhung für bestimmte Waren dadurch ein»1

Alle Volksgenossen Helsen durch das WSW!

An die Handwerker

im Treuhänderbezirk Hessen.

NSG. Landeshandwerksmeister Samer wendet sich nach Beginn des Winterhilfswerks . mit nachstehendem Aufruf an die Handwerker im Treuhänderbezirk Hessen.

Wieder hat der Führer das Winterhllfswerk er­öffnet, dessen große ideelle und materielle Bedeutung jedem von uns längst zur Erkenntnis gekommen ist. Gerade in diesem Jahre sind dem WHW. neue und große Ausgaben gestellt worden.

Nachdem die Arbeitslosigkeit in Deutschland besei­tigt worden ist, gilt es in diesem Winter über die Maßnahmen einer vorsorglich sozialen Arbeit hinaus die Not in der deutschen Ostmark und in dem jetzt heimgekehrten Sudetenland zu überwinden. Damit danken wir dem Führer für seine gewaltige Tat der Schaffung von Großdeutschland.

Ich erwarte deshalb von jedem Handwerksmeister, daß er sich nach bestem Können an den Spenden für das WHW. beteiligt, denn wir sind uns der Verant­wortung, die wir mit allen deutschen Volksgenossen

übernommen haben, voll und ganz bewußt und sehen es als unsere selbstverständliche Pflicht an, freudig zu helfen, wo wir selbst nicht mehr der Hilfe bedürfen. Das WHW. erwartet unsere Opfer, der deutsche Handwerker wird wie immer dazu bereit sein!

5 t Prozent mehr als im Vorjahr.

NSG. Die erste Reichsstraßensammluna des Win» terhilfswsrkes am vorigen Samstag und Sonntag, von der DAF. durchgeführt, gestaltete sich im Gau Hessen-Nassau zu einem gewaltigen Erfolg. Die Sammlung brachte 343 110,90 RM., das sind 51 v. H. mehr als bei der gleichen Sammlung des WHW. 1937/38, bei der nur 223 924,12 NM. eingingen.

Diese Sammlung beweist, wie sehr die Bevölke» rung des Gaues Hessen-Nassau den Ruf des Führers verstanden hat und nun alles daranfetzt, dieses größte soziale Hilfswerk, dem durch die Befreiung der Ost­mark und des Sudetenlanoes gewaltige Aufgaben gestellt sind, in diesem Jahre zu einem beispiellosen Erfolg zu führen. Diese großartigen Summen frei­williger Spenden sind der schönste und sprechendste Dankesbeweis der deutschen Volksgemeinschaft an den Führer Adolf Hitler.

Gießen ehrt bedeutende Wissenschaftler.

phil. Wilhelm Oncken, Ge-

18411889: Dr. phil. Hugo von Ritgen, Ge­heimer Baurat, Professor der Baukunst und der Baugeschichte, Wiederhersteller der Wartburg und des Gleibergs. Geb. 3. März 1811 zu Stadtberger in Westfalen, geft. 31. August 1889 in Gießen. (Haus Frankfurter Straße 19.)

18841920: Dr. theol. h. c., Dr. phil. Hermann Siebeck, Geheimer Hofrat, Professor der Philo­sophie. Geb. 28. Septcmebr 1842 zu Eisleben, geft. 22. Februar 1920 zu Gießen. (Haus Wilhelmstraße Nr. 14, Balsersche Stiftung.)

lieber eine weitere Tafel, die am Hause Frank­furter Straße 10 für Geheimrat Stade angebracht wurde, berichteten wir bereits.

n e r t, der die Archive der Stadt verwaltet, wurde diese Ehrung vorbereitet und ausgearbeitet. 'Ins­gesamt wurden bisher sieben derartige Tafeln ge­schaffen, die aus Muschelkalk (Blaubank) bestehen und in goldener Aufschrift das Wissenswerteste über diese bedeutenden Männer zu lesen geben. Die Ge­staltung und Ausführung der Tafeln geschah im Auftrag des Städtischen Hoch- und Tiefbauamtes durch den Bildhauermeister Ehrhardt.

Die Tafeln sind folgenden Wissenschaftlern gewid­met und tragen folgende Aufschriften:

18791885: Dr. phil. Wilhelm Konrad Rönt­gen, Professor der Physik, Entdecker der nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Geb. 27. März 1845 zu Lennep, geft. 10. Februar 1925 zu München. (Tafel am Haus Hindenburgwall 17.)

18991903: Dr. phil. Albrecht Dieterich, Pro-

unserer Gießener Universität wirkten, geehrt wird. Heimer Hofrat, Professor der Geschichte. Geb. Unter der Jnitiativie und Leitung von Dr. Leh- 29. Juli 1838 zu Heidelberg, geft. 11. August 1905 zu Gießen. (Haus Hindenburgwall 12.) .

In den vergangenen Tagen wurden an verschie- .vember 1804 zu Niederftorstadt, geft. 30, Juni 1878 zu denen Häusern Gedenktafeln angebracht, durch die Gießen. (Haus Hindenburgwall 21.)

das Andenken bedeutender Wissenschaftler, die an I 18721905: Dr. phil. Wilhelm Oncken, Ge-

fcsior der klassischen Philologie. Geb. 2. Mai 1866 zu Hersfeld, geft. 1908 zu Heidelberg. (Haus Hin­denburgwall 17.)

18681878: Dr. phil. Friedrich Ludwig Karl Weigand, Direktor der Realschule, erster In­haber der Professur für deutsche Sprache an der Universität, Freund Jakob Grimms. Geb. 18. Na-

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Eines Tages sagte die Göttin: Die Frist ist heute

Johannes sagte also aus, daß er schon geahnt1

du.

ihn stutzig. Er sagte sich, etwas voreilig: Bestimmt

ist, mie 21m W

alaubft? ... "Hl?1irf, «uf das. Pf ast-r zu legen, wenn er .hm nicht Herbert mit. b,

en Tage, beim Mittagessen, teilt mir

Herbert mit, daß es zu seinem Leidwesen wieder

Die Prügelei unterblieb somit für diesmal. Die

vergangen fein wird,

habe, daß es nicht ohne Prügelei abgehen würde Er hatte richtig vermutet, denn auf dem halben Wege zwilchen Schule und Haltestelle übergab mein Sohn Herbert ihm seine Büchertasche mit der Bitte, er möchte sie ihm einen Augenblick halten. Das war

Der weil umschritten die beiden Kampfhähne den langen Häuserblock. Immer noch stoßend und rem­pelnd kehrten sie nach einiger Zeit zu den Anlagen vor der Haltestelle zurück. Herbert merkte jetzt, daß Johannes nicht mehr auf der Bank saß. Das machte

mit den Schultern stießen. Dies war noch Vorspiel. An der Haltestelle bogen sie in eine Nebenstraße

verstrichen, das Jahr ist um.

So darf ich, fragte er, bleiben?

Die Göttin versetzte: Nein.

Er stammelte zu Tode erschrocken: Was sagst was sagst du? Habe ich etwas versäumt?

Ist das Liebe, fragte die Göttin, indem sie

an­biß

mir neulich folgendes:

I Diesmal handelte es sich um meinen zweiten, um

' Artt-horf IT eher hnro irh nnn Qpit 211 Qpit

| samt der Abonnement-Kart^ herausgeben.

I Die beiden vertragen sich bann wieber und be­steigen bie nächste Straßenbahn. Franz, Herberts Ta|che im Arm, zeigt ganz kühl bie Karte meines Sohnes vor, was ja verboten ist: bem Schaffner entgeht es.

zu einer Rauferei gekommen fei. Diesmal habe fraglos ber Franzangefangen". Als Herbert ihm bas Gelb übergab, hatte er geäußert, baß ich. der Vater, rechtes Glück gehabt hätte, als der Schaff­ner ihn, den Franz, nicht mit der falschen Abonne­ment-Karte erwischte: wäre ber Schaffner aufmerk­sam gewesen, so müßte ich bie Strafe bezahlen ober gar einen Tag Gefängnis absitzen.

Herbert hat gemeint, ihn wegen biefer Ansicht recht stark verdr-ftchen zu müssen. Hoffentlich geht es diesmal ohne Gelb ober Strafzettel ab!

Wir sind eben beim Mittagessen. Herbert hat mir gebeichtet, daß er sich zwanzig Pfennig habe leihen müssen und auch weswegen, er sagt bie Wahrheit: komisch aber wäre nun, baß Johannes

zu f

du glaubst?

Er sagte zitternd: Ich weiß es nicht. Darauf wieder die Göttin:

staunen?

Ich war, stammelte der Prinz, geblendet!

Auch die Wolke verschwand, und auch den Kö­nigssohn sah niemand mehr, da er sich, aus bem Garten ins Freie gelangt, im Meer ertränkte.

Heibert macht Schulden.

23cm Georg von der Dring.

Ein Vater von brei strammen Söhnen erzählte

| nes. Johannes besucht dieselbe Klasse und hat, da einen Stoß vor den Bauch und weiß nicht einmal er in unferm Viertel wohnt, die gleiche Straßen- weshalb: zweitens^ muß er Herberts Büchertasche bahn zu benutzen wie Herbert. i samt der Abonnement-Kart^ herausgeben.

Franz merkt es auf ber Rückfahrt. Da er bie zwan- zig Pfennige bem Schaffner geben muß, so ist seine Lage wie zuvor: bie zwanzig Pfennige ist er los. Zum Glück komme ich noch am gleichen Tage barauf. Um*zu verhüten, baß es am nächsten Morgen mit Sticheleien und Kampf feinen Fort­gang nimmt und um dem Lehrer nicht einen neuen (Brfinb zur Kl-m? zu geben und überhaupt aus Gründen ber Billigkeit unb Gerechtigkeit händige

fing, zu einer goldenen Wolke zu werben nichts weiß unb begehrt, als in ein Antlitz zu

begehre als ihren Anblick.

Darauf versetzte die Göttin:

Du bist ber Erste nicht. Und wie gedenkst du nur c. O * L . f A nmiAhn MT HIT P

liche nicht vor ihm war, und seine einzige Beschäs-s worden wäre. Ein dritter Knabe, ber hinter ben! sich fort. In biefem Augenblick kommt Johannes tigung war, Hymnen an bie Geliebte auf große beiben Kampfhähnen herging, ist von Anfang an mit den beiden Büchertaschen vom Fußballplatz Blätter zu ritzen, die er fand, und mit ihnen ver- vom Gegenteil überzeugt gewesen. Er heißt Johan- herübergeschlendert. Erstens bekommt er von Franz welken unb vergehen zu lassen. 1 <?,'t r * -1

.... --------------- ! ich Herbert noch einmal zwanzig Pfennige ein mit

Vorige Woche war wieder einmal einc | Herbert würde also zu Fuß laufen müßen: Geld der Weisung, sie Franz zu übergeben. Alsdann feret im Anz-ge, diesmal auf bem Heimweg von ^tte er nicht bei sich. Er scheint seinen Geaner W mir burch ben Kopf: Hoffentlich kommt er ber Schule. Hervorgerufen wurde Jte (wie Herbert $rana inzwischen so weit eingeschüchtert zu haben, morgen nicht angereist, um sich zu bedanken, denn behauptete) von seinem Gegenpart. Jener^ Knabe tiefem nicht mehr besonders viel an einer dann wird es noch einmal 40 Pfennige kosten.

Libesprobe.

23 n A»brecht Schaeffer.

Ein junger Königssohn in lange vergangenen Zei­ten hatte schon viele Frauen begehrt und genossen, wurde aber ber Liebe überdrüssig, indem er sagte, es scheine auf der Welt kein weibliches Wesen zu geben, das seine Ansprüche auf Schönheit ober auf Herz ober auf Geist befriedigen könne. Er wurde schwermütig davon und erst wieder froh, als ihm von einem Fremden gesagt wurde, in einem ge­wissen Lande jenseits des Meeres wohne die Göttin ber Schönheit und Liebe selbst, und es fei möglich, sie zu erblicken. Ja, es, habe solche gegeben, die in die Mauer des Gartens, in dem sie wohne, Einlaß gesunden hätten: Auskunft über das, was ihm darin widerfahren fei, habe freilich keiner gegeben.

Sofort brach der Prinz auf und kam über bas Meer in bas Land unb zu der Stadt, wo ihm auch ber Weg zu bem Garten ber verheißenen Gottm gezeigt würbe. ,,, ,

Eine Mauer von unabsehbarer Hohe umschloß ihn rundum im Kreise, jedoch ohne Tor und Tur, so oft der Prinz sie umging. Endlich kam ihm oer Gedanke, an die Mauer zu pochen, unb siehe da, eine Tür sprang auf, unb er trat in ben schonen

Selig finb, sprach eine Stimme aus ber Wolke, Streitenden nebeneinanber weitergingen und sich bie Geblendeten wenn sie sehend werden! ~ ~ ' ' '

und die Büchertasche inzwischen nicht in dessen Hause eingetroffen wären. Ich bin im Begriff, Stellung . du nehmen, da klingelt es. Franz erscheint. Er

em, unb Johannes sah sie bann nicht mehr. Ob, wolle Herbert die Büchertasche bringen. Alles klärt es in ber Nebenstraße zu Tätlichkeiten gekommen sich auf. Franz wirb zum Mittagessen eingeladen ist, konnte er mir nicht sagen. Er hatte bie Der- J und bekommt feinen Teller Suppe unb Pr'ann. Mästung übernommen, mit ber Büchertasche aus, suchen. Er strahlt, als ich ihm die entliehenen zwanzig Herbert zu warten Dieser blieb bann ziemlich lange Pfennige in die Hand drücke; er zieht befriedigt aus. Es wurde 5Zohanres lanawe. m. Als er sah ' ab, denn Herbert ober ich, wir haben ihm somit baß in ber Nahe Fußball gespielt würbe, stand Genugtuung gegeben. (Wir haben ebenso wenig wie er von seiner Bank auf und ging hinüber. | der Franz bedacht, daß die Sache ja nicht stimmte.)

~ , "O ' ' er - re £ c- ' uu UU3 431U c i zu wenn er UJTTI Nlllll

Herbert noch von Franz m Erfahrung bnngen1* $fenni für bie Straßenbahn gäbe, rückt- Franz nehme an, daß es um °m Mädchen gmg, denn ^fachlich mit dem geforderten. Seide heraus - | leihweise, wie er mir später sagte.

ein sicheres Anzeichen.

Johannes setzte sich in der Nähe ber Haltestelle I auf eine Anlagenbank. Er sah, baß bie beiben

Darauf wieher die Eomn. «Ieibe bcnn hier, bie Knaben sind bereits zwölf Jahre alt. |

Also muß ich es wohl wiss . stunde lang in I Es wurde alsogestichelt" unb zwar auf bem - unb ich erlaube dir, leben T a . Jahr Wege ber Schule unb der Haltestelle ber Straßen- - .

meinem Anblick zu weilen Wenn dann em Y y an >cr mein Sohn einsteigen muß. Der Geg- Beiden standen noch emen Augenblick zusammen an vergangen sein wirb werde ich dir sagen, f Schule und gebt der Haltestelle. Gesprochen wurde nicht Herbert

die Prüfung bestanden hast. heim. Die Entfernung von der Schule bis klingelte mit bem Gelb seines Gegners. Dann kam

Und er konnte nur bie Lippen bewegen, um m ^"^Mestelle beträgt zweihunbert Meter; und da die Straßenbahn, und er stieg em.

311 banfen. mnrh?n von ben Herbert nach Schulschluß Hunger hat, so wäre! Franz steht da unb schaut ben gelben Waaen an.

Unb s° lebte r denn n dem arten eiaentIirf) 3U erwarten gewesen, daß bie Ai'sem- Schon ärgert er sich, baß er bie zwanzig Pfennig

^da chr Bilb vor ihm lebte wenn bie Wirk-1 andersetzung beigelegt ober wenigstens verschoben. herausgegeben hat. Er spuckt Feuer unb wendet!

I». . I aj l c Dlliui tyuiiuc uc will meinen

»r »iniflo verschlungene Wege duvchwan- Herbert, lieber Herbert höre ich von Zeit zu Zeit hÄnTfnnh er9fi(h aus Xm Myrthen-Dickicht von seinem Lehrer, haß er recht rauflustig ist; in bett hatte fand er. sich, aus einem ^iyr , pflege er meistens auf einem feiner

nnnDOirhr7mC:SJnbrJ geblendet die Augen schloß. Sie Mitschüler zu liegen. Der Lehrer mußte ihn mehr- ist er inzwischen eingestiegen, der gemeine Kerl, und am Stamm eines Stilen belaubten ®au= rnals deswegen verwarnen. Nun, Sie werden sich fäf)rt nun mit meiner Büchertasche heim. Wieso laß am «lamm » fie in9 Auge denken, daß es mir immerhin lieber ist, er liegt hinein? Nun, in der Bück-ertasche befand sich die

laa.- « ttamm °nd nur daß -r si- an- oben, als daß er unten läge und Senge bezöge. Lbonnement-Karte für die Straßenbahn. ' Let/und v!m Leben u7d von der Welt nichts mehr «« -'"mol e.ne Rami . ...... ......--------- ....