Ausgabe 
22.10.1938
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

M. 248 Zweites Blatt

Das SLMebewerk Rochensee am Mittellandkanal

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Die führende Rolle, die erst Portugal und Spa­nien, dann Frankreich und die Niederlande, schließ­lich England bei der Erschließung und Ausbeutung überseeischer Kolonialländer spielten, ließ den Bin­nendeutschen jahrhundertelang nicht zu neuer Welt- aeltung kommen; der Grenzdeutsche blieb sich des Primates deutscher Kultur in Mittel- und Osteuropa bewußt, behauptete seine Ueberlegenheit an geisti­ger Beweglichkeit und Zielstrebigkeit, sowie im be­sonderen an Arbeitsdisziplin gegenüber den fremd­rassigen Völkerschaften, in deren Mitte oder Nach­barschaft er lebte, konnte aber nicht verhindern, daß die Führung in politischen und Volkswirtschaft- lichen Angeleaenheiten mehr und mehr an Ange­hörige der Völkerschaften überging, deren ältere Bodenständigkeit und überlegene Vermehrungskraft die deutsche Ostwanderung zum Stillstand und Ab­ebben gebracht hatten. Dennoch blieb das Deutsch­tum an der Machtgestaltung im Donauraum im Rahmen des Habsburgerreiches noch iahrhunderte- lana weit über seine zahlenmäßige Stärke hinaus ausschlaggebend beteiligt, und selbst im alten Ruß­land konnte man bis zur letzten Jahrhundertwende den Eindruck gewinnen, als ob die herrschenden Kreise sich ans dem Banne einer seit Jahrhunderten auf sie einwirkenden deutschen Kultur-Hypnose nicht r) war es denk-

Südrußland und anderwärts Hunderttgusende deut­scher Kolonisten in blühenden Gemeinwesen seit 100 bis 150 Jahren in fast voller Selbstverwaltung un­gestört Wohlstand über Wohlstand anhäufen konnten

Binnen- und Grenzdeutschtum konnten jahrhun­dertelang getrennt ihre besondere deutsche Sendung erfüllen. Nach dem großen Kriege hätten sich bei­derlei Ausrichtungen deutschen Kulturbewußtseins abgesondert nicht auf die Dauer behaupten können. Im Dritten Reich verband sich grenzdeutsches und binnendeutsches Nationalgefühl zu einer höheren Einheit, die in der nunmehr erreichten großdeutschen Gestaltung alle Vorzüge grenzdeutscher Sonderent­wicklung mit denen binnendeutscher Arbeits- und Wehrdisziplin vereinigt.

deutschland bis zum kleinsten Kind herunter möchte einmal sieben bis acht Kisten, jede einen Zentner schwer, verschicken. Dazu würde man falls es per Schiff geschieht, denn mit der Post und auch mit der Bahn ist das immerhin ziemlich kostspielig eine Kette der allergrößten Schleppkähne brauchen, die durch das ganze Mittelmeer hindurch von Gi­braltar bis zur Nilmündung, oder auch dreimal von Königsberg bis Basel reicht. Jetzt gewinnt die tote Zahl' schon etwas Leben. Und diese wirklich kaum

Die Bildhauer sind diesmal an der Gauaus­stellung ungewöhnlich zahlreich und durchgehend- höchst qualitätvoll beteiligt. Neben Der Führerbüste von Phil. Becker hebt sich die hervorragende Por­trätplastik Mussolinis von A n t h e s (Darmstadt) nicht nur durch ihre monumentalen Ausmaße her­vor. Hub, Flettner, Viering er, Harald Winter, v. Beckeratb, Schwarzbeck und Schiffers zeigen vorzügliche Arbeiten, fast durch­weg aus den letzten beiden Jahren. Besonders be­merkenswert ist die große Zahl höchst individuell

lichen Komposition des vorjährigen Gaukulturpreis­trägers Poppe seien die stimmungsvolle Gruppe Mutter mit Kindern" von H. v. Beckerath, Bildnis eines alten Kriegers von Runze, Kai­sers IndustrielandschaftAusbau", der charakter­volle Kops einer Jungbäuerin von Hoffer- - berth, HermannsDreschmaschine im ober­hessischen Dorf" und das sehr einfache, großartig durchsonnte Erntebild Mulots genannt; neben Dielrnanns ausladender FigurengruppeErster Spatenstich" das Porträt Sprengers von Viel­meier. Endlich ein feines kleines AquarellAbend in Frankfurt" von Agnes Ernst.

In der Graphik ist unsere engere heimatliche Landschaft erfreulich vertreten: Ernst Eimer mit einem bäuerlichen Familienbild, Felix Klip st ein mit demGroßen Hirschkäfer" und einem charakter­voll vertieften Selbstbildnis. Eimer ist auch mit dem Gemälde einer Vogelsberglandschaft zur Stelle. Ferner sahen wir aus unserem engeren Umkreise noch folgende Arbeiten. Otto Seitz (Homberg) zeigt einen farbigen Krug im hessischen Bauernstil, die Handwebermeisterin Helene Jung (Lich) einen Bettvorleger und Kostümstofs aus handgewebter Schafwolle, Gustav Rohrbach (Gießen) eine graphisch gestaltete Zigarrenkistenauflage.

Deutschenhasses aufziehen und nach Kriegsausbruch konnte nur der Ausbruch der bolschewistischen Re­volution die Ausführung jener Liquidationsgesetze hindern, die das Deutschtum in Rußland so gut wie vernichten sollten. Daß der Bolschewismus dieses Vernichtungswerk, das in Wolhynien, wo der An­fang gemacht wurde, schon mehr als zehntausend deutsche Kolonisten von Haus und Hof vertrieben hatte, nach kurzer Atempause Übernahm und mit einen Methoden um so gründlicher durchführte, braucht kaum betont zu werden.

Bildhauer.

In der Abteilung für Gebrauchsgraphik findet man geschmackvolle Entwürfe für Schokoladen­packungen, Etiketten für Weinflaschen, Plakate, Prospekte und Modezeichnungen.

Hans Thyriot.

GauaussteUung für bildende Künste. Im Nassauischen Landesmuseum zu Wiesbaden.

der handwerklichen C. , , schäft, zumal der engeren Heimat, ist noch immer von unerschöpflichem Reiz und vielfältiger An­ziehungskraft. Aus der beträchtlichen Fülle von Werken und Künstlern können bei einem Ueber- blick wie diesem nur einige wenige bezeichnet wer­den. Für die reine Landschaft beispielsweise der begabte Hanauer Ewald (Pfälzer Landschaft, Wasserfall), Happ, Hanni Franke (ein zartes Dorfrühlingsbild), Sauter (Maintal). Karl Lenz (Erdhaufen) ist mit einer abendlichen Landschaft Dämmerung" vertreten, deren stiller, pastellhafter Farbton wie ein neues Element im Schaffen des hessischen Künstlers wirkt, während dieDorf­straße in Mardorf" an den Stil seiner bekannten Bauernbilder anklingt. Neben einer großen figür-

Das binnendeutsche Nationalgefühl erholte sich erst nach den napoleonischen Krieaen, die selbst nur ein kurzes Auftlammen starken Einheitsbewußtseins bei den deutschen Stämmen bewirkten, allmählich von all den Erschütterungen und Zerrüttungen, die es seit dem Reformationszeitalter erfahren hatte. Es blieb indes selbst nach der Reickisgründung im 70er Kriege allzufehr von äußeren Machterscheinun- aen abhängig. Es rankte sich wie Efeu an dem Gerüst Bismarckfcher Machtvolitik empor und osten- barte folgerichtig feine Hilflosigkeit, als das Kaiser­reich im" aroßen Kriege zusammenbrach. Dieser Kriea entfesselte eine Weltverschwörunq aeqen alles Deutschtum, die für das Deutschtum in Mittel- und Osteuropa alle Schleusen in Jahrhunderten ange­stauten Hasses Öffnete. In dem Augenblick, wonach dem rufsisch-iavanischen Krieae das zaristische Ruß­land den Ring der Deutschland einkreifenden Mächte schloß, war die Uhr deutschfreundlicher Tradition in Osteuropa abgelaufen. Die panslawi­stische Propaganda durfte alle Register ungezügelten

Magdeburg, Oktober 1938.

Vermutlich am 30. Oktober wird das Hauptstück des sogenannten Mittellandkanals dem all­gemeinen Betrieb übergeben. An dem gleichen Tage findet auch die Eröffnung des gewaltigen Schiffs­hebewerkes Rothensee statt, das den Ueber- gang vom Mittellandkanal zur Elbe darstellt. Der Mittellandkanal verbindet in einer Länge von 475 Kilometer Duisburg und Magdeburg und schafft damit eine billige Großfrachtmöglichkeit zwi­schen dem rheinisch-westfälischen Jndustrierevier und dem neuen großen Jndustrierevier, das sich in Mit­teldeutschland, mit Magdeburg als Mittelpunkt, in voller Entwicklung befindet. Das Schiffshebewerk von Rothensee befördert die Lastkähne von der Elbe in den Mittellandkanal, dessen Wasserspiegel 18 Meter über der Elbe liegt. Es wird noch größer sein als das berühmte Schiffs­hebewerk von Niederfinow, das den Uebergang von dem Hohenzollernkanal zur Oder üarstellt. Das rie­sige Decken, das die Schiffe hebt und senkt, ist 85 Meter lang, 12 Meter breit und 2,5 Meter tief; es enthält 2700 Tonnen Wasser. Der vollständige Aus­bau des letzten Bauabschnittes des Mittellandkanals, über die Elbe hinweg, wird noch drei Jahre be­anspruchen. Aber schon heute ist mit den bestehen­den natürlichen und künstlichen Wasserstraßen der unmittelbare Verkehr zwischen Rhein, Ems, Weser,

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Hochschulnachrichten.

Don den amtlichen Verpflichtungen wurden ent­bunden die ordentlichen Professoren Dr. H. Ste­phan (systematische Theologie) an der Universität Leipzig und Dr. Hermann Brüning (Kinder» hellkunde) an der Universität Rostock.

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mert, weil er sich auch kein seidenes Gewand mit seiner Kunst verdienen konnte, nur Schlüge und Verachtung.

Wieder nach einer Weile stand er vor dem Haus des weisen Mannes. Der war so weise, daß davon ringsumher die Bäume kahl und die Vögel stumm geworden waren; trotzdem dachte er noch immer­fort nach und rechnete" aus, wieviel Tropfen Master im Meere schwammen. Die Leute sagten, er hatte es beinahe herausgebracht.

Da meinte der Jüngling, dem Weisen fiele das Höhlen gewiß leichter, wenn er ihm unter dem Fenster "auf der Rindenpfeife vorbliese; vielleicht konnte er sein Schüler und selbst so weise werden, daß die Vögel vor Ehrfurcht verstummten.

Allein der gelehrte Mann fuhr zornig ans Fen­ster und schalt den Jüngling einen nichtsnutzigen Buben. Es hätten eben noch die letzten Tropfen in seiner Rechnung gefehlt, und nun sei er irre geroor« den und müsse wieder von vorn anfangen.

Da lief der Jüngling fort und war arg traurig. Alles schlug ihm fehl, Reichtum, Macht und Weis­heit waren ihm versagt und verleidet; wozu also taugte eigentlich seine Kunst? Er irrte lang in der Fremde umher, die Pfeife verbarg er vor den Leu­ten, und niemand kannte ihn mehr, denn es wuchs ihm ein Bart um das Kinn.

Zuletzt wendete er sich doch und gedachte heimzi^ kehren, damit er wenigstens die alte Mutter noch anträfe, ehe sie am Herzweh gestorben war. Auf den Weiden vor dem Dorf fand er ein fremdes Mädchen, das hütete die Schafe, und war schön wie ein Bild. Er bat um einen Trunk Milch, und weil er nichts in der Tasche fand als seine Rindenpfeife, zog er sie noch einmal hervor und blies eine Weise um Dank darauf. Die klang wie ein Vogellied m dem freundlichen Tal, und auch der Jungfrau ge- ^^JchEweiß'nicht, sagte sie, warum deine Weise mir so 3u Herzen geht, sie macht mich auf einmal wie­der fröhlich. Vor langer Zeit kannte 'ch einen im Dorf, der war so wie du, nur nicht bärtig. Uno er fonnte auch so wunderbar blasen, aber dann zog er fort, und seither bin ich keinen Tag mehr froh gewesen.

Da wußte er, wer das Mädchen war, und gab fick der Gespielin zu erkennen. So brachte der Jüng­ling also nicht Ruhm und Reichtum heim, sondern eine Braut, die er liebte. Und vielleicht hatte er dann Kinder mit ihr, die auch alle auf der Rinden­pfeife blasen konnten, zum Trost der ftrflen Leute, wenn sie am Herzweh litten.

3u den bedeutendsten Bauwerken des Mittellandkanals gehört das Schiffshebewerk Rothensee in der Nähe von Magdeburg. Mit dem 87 Meter langen und 12 Meter breiten Schiffstrog wird ein Höhenunterschied von 18,50 Meter überwunden. Unser Bild zeigt links einen Teil des Schiffshebewerks und rechts im Hintergrund den weiteren Verlauf des Kanals. (Scherl-M.)

Wasserweg für 30 Millionen Tonnen

Der letzte Bauabschnitt des Mittellandkanals vor seiner Vollendung.

Don unserem Dr. El.-Korrespondenten.

Oie Nindenpfeife.

Von Karl Heinrich Waggerl.

Die Geschichte von dem Jüngling, der so. säM auf der Rindenpfeife blasen konnte, die will ich mir ausdenken. Was geschah also mit ihm.

Seine Mutter hatte ihn die Kunst gelehrt weil sie arg am Herzweh litt, nichts anderes wollte hel­fen. Und zuletzt blies der Jüngling wirklich wunder, bar. Es klang wie ein Vogellied, man wurde gleich fröhlich und vergaß allen Kummer.

Indessen war aber der Jüngling in die Jahre ge­kommen, und die Wanderlust packte ihn er memte auch, daß ein Mensch wohl fein ®

machen müsse, wenn er eine so köstliche Kuns

fÜ®ie'Mutter riet ihm frei«* ab. Ä

Welt sagte sie gelte dergleichen wenig, die yore Mt auf9 eine armselige WnbeijRote; nur wo em Mensch heimlich litte, hätte sie Macht. Urck> ermg doch bleiben, damit sie nicht verlassen am Herzweh ^yber der Jüngling verschloß sich allen Bitten.. Er Äst? rtÄS'S

Der war so reich, daß er immerfort F Mujik scholl aus den Fenstern. >°ut und melstmi mig rote der Jüngling nie eine flrtori baU*_

da war sie wie verzaubert, !>- pnff ^mpi und und jämmerlich, dah man ihn mit Schimp, Gelächter aus der Tur jagte.

Da sank ihm der Mut ein wenyt m l er Spott statt den flut voll Dukaten verdient hatte

Ueber eine Weile kam %a"nc,"Soa"Sifmir ^ribna6roOÄpeCtrenmuo*rt,ibrn her schmetterten, wenn

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Mann hielt es für einen Schimpf, vay m einer elenden Rindenpfeife nor ihm 0« wollte statt mit Fanfaren: er ließ den Sunglmg durch seine Prügelknechte benagen.

giun war der Spielmann noch viel mehr verum

Grenzdeulsches Kullurbewußlsein

Von Otto Corbach

Warum gingen die großen Scharen, die im Laufe des 17., 18 und 19. Jahrhunderts aus Deutschland nach überseeischen Ländern auswander- ten, dem Deutschtum größtenteils verloren, und warum gibt es ostlich der alten Reichs- grenzen noch heute Millionen in geschlossenen Siedlungen lebende Deutsche, die zäh an deutscher Art, Sitte und Sprache festhalten, obgleich nicht sel­ten Jahrhunderte oerslosseii, seitdem die Vorfahren ihre deutsche Heimat verließen? Diese Ostwande- rung, deren Quellen schon im 11. Jahrhundert zu sprudeln begannen, bahnte sich Wege bis zum Stil­len Ozean und machte in neuerer Zeit selbst vor diesem nicht Halt. Der ferne Westen der Union wie West-Kanada wurden großenteils von deutschstäm­migen Pionieren erschlossen, die aus Sibirien über den Großen Ozean kamen. Zehntausende solcher deutscher Kolonisten" flüchteten wiederum seit Aus­bruch der bolschewistischen Revolution aus Rußland über den Fernen Osten nach den Ländern der Neuen Welt.

Friedrich Kapp arbeitet in der Einleitung zu seinerGeschichte der Deutschen im Staate Neu- vork" meisterhaft den Gegensatz zwischen der deut­schen Auswanderung im 18. Jahrhundert und der deutschen Ueberlandwanderung vom 11. bis 15. Jahrhundert heraus. Damals drangen die Söhne Deutschlands als Bezwinger, Lehrer und Zucht- meister der Nachbarn in die Fremde und schufen deutschem Handel und Gewerbefleiß, deutscher Sitte und deutschem Recht in den Gebieten jenseits der Elbe, Oder ober Weichsel, ja über das deutsche und baltische Meer hinaus eine heimische Stätte.Alle nordischen Meere, Buchten und Eilande wurden von ihnen durchspäht, bei den Wenden und Preu­ßen, Finnen und Russen, in Schweden und Nor­wegen, in Dänemark und England waren diese tapferen Ritter und mutigen Bürger zu Hause... als stolze und gebietende Herren zogen sie aus und wußten überall verlassene Landstriche zu kolonisie­ren oder unterlegene Volksstätnrne der eigenen Bil­dung zu gewinnen."

Dann aber verblutete Deutschland fast in den

Reformationskämpfen, und während die Nachbar­völker sich konsolidierten, zerstörte der Dreißigjährige Krieg den letzten Rest seiner früheren Weltstellung. Der deutsche Mittelstand und mit ihm die Kraft und Energie der Nation ging zugrunde. Schüchtern und verkrüppelt erhob sich aus dem Schutt und den Ruinen ehemaligen Wohlstandes eine zahme Bevöl­kerung, deren knechtische Gesinnung Fürsten geflis­sentlich ausnutzten. Jedes Aufbäumen neu sich re­genden Bürgerstolzes gegen ein Menschenunwürdiges Untertanenverhältnis wurde brutal niedergeschlagen. So konnte es kommen, daß Demut, Derzagcheit und duldende Ergebung die Einwandernmg kenn­zeichnete, die die "überseeischen Kolonialländer aus Deutschland erhielten.Die deutschen Auswanderer", float Friedrich. Kapp,sind die Kulis des acht­zehnten Jahrhunderts, sie spiegeln das Elend, den Jammer und Verfall der einst fo mächtigen Heimat wider." Es ist England, das infolge gegluckter Revolutionen sich zur Weltmacht aufschwingt und zum Bannerträger germanischer Tatkraft und gcr= manischen Geistes "über See wird. Der deutsche Einwanderer begnügte sich mit einer bescheidenen Nebenrolle: er wurde in der Regel vom angel­

sächsischen B"völkerungskem aufqesogen.

Bis zur Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert verschob die seit Mitte des 12. Jahrhunderts andau­ernde Massenbewegung auch die Schwerpunkte deut­scher Machtgestaltung immer weiter ostwärts, bis sie in Böhmen und dem Ordensland Preußen festen Halt gewannen. In Prag konnte 1348 nicht umsonst die erste deutsche Universität entstehen die für einige Jahrzehnte zum Mittelpunkte deutschen geistigen" Lebens überhaupt wurde. Schon 60 ^ahre später sedoch wurde sie unter dem schwachen Nach- folaer Karls IV eine Beute der von Johann Hus entfachten religiös-nationalistischen Bewegung. Gleichzeitig gerieten die Bollwerke, die der deutsche Orden im" Norden gegen die slawische Flut autae- richtet hatte, ins Wanken. 1408 wanderten 20 000

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deutsche Studenten mit ihren Lehrern aus Protest gegen die Tschechisierung der Prager Universität aus Böhmen aus. 1410 kämpfte der Hussitenführer Ziska auf feiten der Polen in der Schlacht bei Tannenberg, die der Macht des deutschen Ordens in den Ostseeländern einen Stoß versetzte, von dem er sich nicht wieder erholte.

Damit begann die Aufspaltung des deut­schen Nationalbewußtseins in ein bin­nendeutsches und ein grenzdeutsches. Das Bin­nendeutschtum geriet in den Strudel der jahr­hundertelangen Machtkämpfe, die sich aus dem durch die Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Ostindien eingeleiteten ozeanischen Großver­kehr ergaben. Das Grenzdeutschtum suhlte sich des politischen Rückhaltes beraubt, den es an den Stammlanden bis dahin gehabt hatte. Es er­hielt immer noch von dorther wertvolle Blut­zufuhr, aber der Strom der Ostwanderung ebbte doch zusehends ab, und die Zeiten waren für immer dahin, wo der deutsche Westen und Süden der Ost­kolonisation seine wertvollsten Elemente zur Ver­fügung stellte. Man mußte sich nun darauf ein­richten, von der Masse des deutschen Volkstums abgesondert, mit fremden, im besonderen slawi­schen Völkerschaften politische Lebensgemeinschaf­ten zu bilden, so wenig man sich darin beirren ließ, kulturell zu ihnen Distanz zu hatten. Im Binnen­deutschtum erlosch mehr und mehr die Erinnerung an die ruhmvolle Epoche deutscher Ost-Kolonisation, im Grenzdeutschtum blieb sie lebendig und wurde als kostbarstes Erbgut deutscher Kultur gehütet.

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Elbe, Oder gewährleistet, ja, die Kähne können so- gar durch den Weichselkorridor bis nach Königs­berg i. Pr. gelangen. *

Was sind 30 Millionen Tonnen? Eine leere Zahl, bei der man sich nichts rechtes vorstellen kann. Aber rechnen wir nach: jeder Mensch in Groß-

Eine Brille mit Zweistärkengläsern empfehle ich jedem, dem beim Blickwechsel (Ferne/Nähe) das Auf- und Absetzen der Brille lästig ist. Die fachgemäße Anpassung ist meine ..Spezialität! 6.33A

_______der Optiker am Bahnhof.

Die nunmehr zum dritten Male stattfindende Gauausstellung für bildende Künste wird heute nachmittag durch Gauleiter Reichsstatt­halter Sprenger im Nassauischen Landesmuseum in Wiesbaden feierlich eröffnet. Der Presse war schon gestern Gelegenheit zu einer Vorbesichtigung gegeben. Landesleiter Prof. Dr.-Jng. Lieser be­tonte die doppelte Absicht der Veranstaltung: zu­nächst in einer Leistungsschau den künstlerischen Standort des Gaues dem Reiche gegenüber aufzu­zeigen; zweitens der öffentlichen Hand wie dem Privatpublikum die Anregung zu geben, sich mit der Kunst und vor allem auch die Kunst zu beschäf­tigen. Die Ausstellung umfaßt im einzelnen Ma­lerei, Plastik, Graphik, Kunsthandel und Kunstblatt­handel, während die Architektur (im Hinblick auf die soeben beendete Bau- und Siedlungsausstellung) diesmal nicht vertreten ist.

Der Kunsthandel zeigt, wie im vorigen Jahre, in einem repräsentativen Raum wertvolle Antiqui­täten aus dem Gaugebiet, alte Möbel, alte Plastik, Gobelins, Kunsthandwerk, dazu einige Bilder.

Die Malerei nimmt, wie stets, auch diesmal den breitesten Raum ein. Will man, an Stelle einer ermüdenden Aufzählung von Namen, zunächst einen allgemeinen Eindruck zu geben versuchen, so kann man vielleicht von einem wiedergewonnenen Blick für die Wirklichkeit der umgebenden Welt, von einer ^eftigung, unt)^ru^ ^D5re^nm92)^ ßan^ I geformtes Porträtbüsten. Rein technisch interessieren Sicherheit sprechen. Die Lano^ | $erfud)e mit neuen Werkstoffen für den

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