Oelbe V^öalrückstrahler ab ^.Oktober'
Nach her neuen Straßenverkehrsordnung und einem Runderlaß des Reichsführers -- und Chefs der deutschen Polizei müssen vom 1. Oktober ab neue Fahrräder, die erstmalig in den Verkehr gebracht werden, an beiden Seiten der Pedale neue gelbe Pedalrückstrahler haben. Der Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei hat aus sportlichen Gründen Rennfahrräder bis auf weiteres von dieser Verpflichtung entbunden, soweit sie nicht während der Dunkelheit auf öffentlichen Straßen benutzt werden. Die näheren Erläuterungen zu diesen Bestimmungen besagen, daß die Rückstrahler an den Pedalen weder verdeckt, noch verschmutzt sein dürfen. Für die alten, schon im Verkehr befindlichen Fahrräder tritt die Bestimmung zu einem späteren, ^och zu bestimmenden Zeitpunkt in Kraft. Bis dahin müssen die alten Fahrrcü>er wie bisher die roten Rückstrahler am Hinteren Ende des Rades führen. Wenn schon vor dem Inkrafttreten der Bestimmung Fahrräder mit gelben Pedalrückstrahlern vorschriftsmäßig ausgerüstet sind, dann brauchen sie nicht mehr mit den roten Rückstrahlern am Ende des Fahrrades versehen zu sein. Auch die neuen Fahrräder, die gelbe Pedalrückstrahler haben, brauchen keinen roten Rückstrahler mehr. Diese Regelung soll es den Fahrrad- besitzern ermöglichen, die Pedalrückstrahler freiwillig anzubringen.
Es ist zu erwarten, daß alle Fahrradbesitzer dieser Auffdrderung ,gerne und freiwillig nachkommen, denn die Bestimmung tritt ja zum Schutz und zur Sicherung des Radfahrers in Kraft. Die Sicherung der Fahrräder mit dem roten Rückstrahler bei Dunkelheit hat sich als nicht genügend erwiesen. Immer wieder passierte es, daß ein Wagen auf ein Fahrrad auffuhr, weil der Kraftfahrer bei abgeblen» detem Licht den Radfahrer nicht oder zu spät sah. Vielleicht lag das auch daran, daß die Wirksamkeit der roten Rückstrahler nicht ausreichend war, auch wenn sie von Prüfstellen genehmigt wurden. •
Um hier nun die richtige Hebersicht und eine ausreichende Gewähr zu haben, darf in Zukunft nur noch die Abteilung für Lichtmessungen der Physika- lisch-Technischen Reichsabstalt Rückstrahler prüfen und Genehmigungen erteilen. Diese Forschungsstelle hat über ein Jahr lang Versuche gemacht, um den wirksamsten Rückstrahler für Fahrräder zu finden. Gelbes Rückstrahlglns wurde deshalb gewählt, weil es weniger Licht absorbiert und daher wirksamer ist und weil die rote Farbe dem Schlußlicht vorbehalten bleiben soll. Die Rückstrahler kommen an die Pedale, weil sie als bewegliche Lichtflecke dem Kraftfahrer weit stärker ins Auge fallen müssen, als ein einzelnes rotes Lichtfleckchen.
Krastfahrunternehmer müssen gegen Hastvflicht versichert sein.
DNB. Nach den Vorschriften des Gesetzes über die Beförderung von Personen zu Lande ist jeder gewerbliche Kraftfahrunternehmer gehalten, sich wegen Ansprüchen aus Betriebsunfällen gegen Haftpflicht zu versichern. In den Dersicherungsbedingun- gen ist dabei regelmäßig vorgesehen, daß der Unternehmer von jedem Schadensfall unverzüglich Mitteilung zu machen hat, widrigenfalls die Versicherung keine Deckung zu gewähren braucht. Es besteht Veranlassung, die Kraftfahrunternehmer auf diese Anzeigepflicht aufmerksam zu machen. Wer sie vernachlässigt und dadurch die Ansprüche Geschädigter, vor ollem geschädigter Fahrgäste gefährdet, handelt gewissenlos und hat in jedem Falle zu gewärtigen, daß die zuständigen Behörden sich mit der Frage befassen werden, ob er noch weiterhin die Eignung besitzt, das Leben und die Gesundheit anderer Volksgenossen anvertraut zu bekommen.
Gießener DochenmarktpreUe.
* G i e ß e n, 22. Sept. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, ausländische 12, Wirsing, % kg 8 bis 10, Weißkraut 8, Rotkraut 10, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 11, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 25 bis 30, gelb 30, Tomaten 20 bis 35, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 45 bis,70, Rhabarber 12, Kürbis 8 bis 9, Pilze 45 bis 50, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,30 bis 4 Mark, Aepfel, % kg 25 bis 40 Pf., Fall-
Gtaatsführung und Bauwirtschast.
Reichsarbeitsminifter Geldte spricht auf der Tagung für wirtschaftliches Bauen.
Fwd Fronlfurt a. !Dt, 22. Sept. Heute, Donnerstag, vormittag sprach auf der 16. Ta- gung für wirtschaftliches Bauen der Deutschen Akademie für Bauforschung der Reichsarbeitsminister Seldte über das Thema ..Staatsführung und B a uw i r t sch a ft". Der Minister sagte u. a.:
Nachdem der Führer st aat gegenüber der $ aft den Anspruch aufgerichtet hat, sie nach seinem allein bestimmenden Willen zu lenken, stehe ihm auch das alleinige Recht zu, der Bauwirt- einem wichtigsten Teile der Gesamtwirt- schast Weg und Ziel vorzuschreiben, ja sich gegebenenfalls selbst schöpferisch einzuschalten. Alles Bauen könne heute nur im Rahmen einer Gesomtverant- wortung geschehen. Die natürlichen Grenzen seien für Stoatssüh'rung und Bauwirtschaft in einer allgemeinen Ordnung des Bauwesens gezogen, die vom Staate in weiser Beachtung gesunder volkswirtschaftlicher Lebensgrundlagen geschaffen wird. Hier liegen für das Reichsarbeitsministerium als dem Städtebau- und Baupolizei-Ressort des Reiches wichtige Aufgaben. Ordnung des Bauwesens umfasse jetzt ganz allgemein die Führung und Lenkung dez Bauwesens auf kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet. Wenn auch gerade die Bauwirtschaft in so bewegten Zeiten, wie wir sie gegenwärtig durchleben, immer wieder außerordentliche Spannungen überwinden müsse, so sei es doch bereits weitgehend gelungen, eine neue Ordnung aufzustellen und durch einen festgefügten Zusammenschluß von Städtebau, Baupolizei, Wohnungs- und Siedlungswesen der Bauwirtschaft den Rahmen zu ziehen. In ihm darf sie sich, der Staatsführung sich willig unterordnend, nach der ihr eigenen natürlichen Gesetzlichkeit entfalten.
Eine staatliche Ordnung des Bauwesens mache drei große Aufgaben deutlich erkennbar. Die alles Gewesene von l^rnnd aus neu gestaltenden Kräfte müssen in den auf festes Ziel gerichteten planvollen Städtebau eingeordnet werden bei gleichzeitiger Beachtung des Zieles, eine allgemeine Hebung der Baukultur zu erreichen. Sodann gilt dem Reichsarbeitsminister in seiner Eigenschaft als Sozialminister des Reiches seine besondere Sorge dem Arbeiterwohnstätten- b a u.
Der arbeitende Mensch steht im Mittelpunkt unseres nationalen Lebens: deshalb stellen wir aus zwingenden Gründen höchste Ansprüche an feine Arbeitskraft, und um fo berechtigter ist daher fein Recht auf eine gesunde, schöne Wohnung, wo er sich nicht nur erholen, sondern auch seine Kräfte erneuern kann.
Schließlich muß der Staat da in die Wirtschaft selbst tätig eingreifen und gegebenenfalls neben seinen sonstigen Machtmitteln auch erhebliche Geldmittel einsetzen, wo sonst große Teile der Volksgemeinschaft wirtschaftlich Not leiden könnten.
'Neben und in Verbindung mit diesen großen Aufgaben des Reichsarbeitsministeriums auf den Gebieten des Städtebaues, der Baupolizei und der Sozialpolitik gibt es drei neue Abschnitte, in die sich gegenwärtig der besonders Auftrag der Bauwirtschaft eingliedert: Die Wieberaufrich- tung der deutschen Wehrhoheit mit ihren umfangreiches Aufgaben, die Verkündung des zweiten Vierjahresplans, die Neu- geftaltung deutscher Städte. Zu allen Zeiten standen Städtebau und Landesverteidigung in engster Wechselbeziehung. So war es selbstverständlich, daß die Wehrhaftmachung des deutschen Volkes auch dem Städtebau eine neue Richtung gab, und zwar gleicherweise auf dem Gebiete der städtebaulichen Planung, wie auch auf dem engeren der Wohnungsfürsorge. Gleichzeitig hat sich der bau» l i ch e Luftschutz entwickelt. Seine Forderungen beginnen sich im Städtebau, bei der Baupolizei und im Wohnungswesen auszuwirken. Dann aber war es der Befehl zur Inangriffnahme des zweiten Vierjahresplanes, der.für uns ein doppeltes Zugreifen bedeutete.
Seine Durchführung bedingt die völlige Verlagerung ganzer großer Siedlungseinheiten, neuer Ge- mcinschaftssiedlungen, ja die Gründung ganzer neuer Städte. Mit fester Hand muhte der Staat auch hier wieder die Führung übernehmen, wobei erneut dem Reichsarbeitsministerium eine bedeutsame Rolle zufiel und zufällt, nicht zuletzt die Perpflichtung, daß diese Planungen den Stempel einer hohen künstlerischen Verantwortung tragen, und die Auffassuna, daß es sich darum handelt, Stadtgebilde neu wachsen zu lassen, die lebendigen Gebilde einer vom deutschen Schicksal zusammengeführten Gemeinschaft deutscher Menschen sind.
„Es erfüllt mich", so fuhr der Winlster fort, „mit ganz besonderer Genugtuung, gerade der Bauwirtschafs mitteilen zu können, daß wir von selten des Reichsarbeitsministeriums in neuester Zeit auch zur tätigen finanziellen Förderung solcher neuen Gemeinschaftssiedlun- gen und ihrer Einrichtungen mit Reichsbeihilfen haben übergeben können."
Neben dieser Tätigkeit auf städtebaulichem Gebiete mußte die Baupolizei stark in den Dienst des Dier- jahresplanes eingespannt werden. So mußte 1937 die Baupolizei mit der Durchführung der Maßnahmen zur Einsparung von Bau st off en betraut werden. Wir stehen auch in diesen Dingen an einer Wende, denn wir sehen uns, aus lange Sicht betrachtet, einfach vor der Notwendigkeit, das gesamte Bauwesen umzustellen auf die nun einmal gegebene Rohstofsgrundlage.
Dabei reichen sich auf dem Boden ernster wissenschaftlicher Forschungstätigkeit hier Staat und Wirtschaft die Hand, um nach gemeinsamer Zielsetzung neue Wege zu finden.
Zu yll diesem Neuen tritt seit etwa Jahresfrist
noch die nach dem Willen des Führers.begonnene Neugestaltung deutscher Städte hinzu. Die Staatsführung beschränkt sich auch hierbei nicht mehr auf Leitung und Lenkung, sondern sie schreitet zur Tat und reißt durch das eigene Schaffen und durch eigenes selbstschöpferisches Gestalten die Baukunst aus ruhiger Beschaulichkeit zu stürmischem Vorwärtsdrängen. Die Bauwirtschaft selbst leistet hier oft zunächst unmöglich Erscheinendes, weil der Ruf des Führers sie dazu befähigt. Es ist sesbftver- stündlich, daß wir dabei unsere stete Sorge um den Wohnungsneubau nicht vernachlässigt haben. Vielmehr ist es bisher gelungen, die Linie der Reichswohnungspolitik zu halten und zu vertiefen.
Namentlich das Baujahr 1937 Hal trotz mancherlei Schwierigkeiten einen Rekordzugang an Wohnungen gebracht. Besonders erfreulich ist dabei, daß überwiegend Arbeilerwohnftätten errichtet und somit die öffentlichen Wittel dem Zweck zugeführt wurden, der im Sinne der von der Reichsregierung verfolgten Wohnungspolitik liegt.
Dabei ist der G e s ch o ß b a u auch heute noch am Platze, wo es aus städtebaulichen Gründen, oder zur Schließung von Baulücken angezeigt erscheint, wenn auch die Kleinsiedlung, wo es nach Lage der Dinge möglich ist und geeignete Siedler vorhanden sind, nach wie vor als die in allgemein- politischer, gesundheitlicher, ernährungswirtschaftlicher und sozialer Hinsicht wünschens werte st e Behausungsart bevorzugt gefördert werden muß. Wenn auch kleinere Wohnungen noch gebaut werden müssen, so muß man doch darauf achten, daß immer die Möglichkeit offen bleibt, sie bei Bedarf durch Aus. und Anbau, Zusammenlegung usw. zu vollen Vierraumwohnungen zu erweitern.
Da wir uns in den letzten fast sechs Jahren mit grundstürzenden Kräften im Bauwesen auseinanderzusetzen hatten, konnten wir eine umfassende Neuordnung des gesamten deutschen B a u r e ch t s noch nicht vollends durchführen. Wir sind aber dabei, das schrittweise zu tun, und haben wichtige Dinge schon geregelt. Dabei wird für die schrankenlose Baufreiheit eines überwundenen Zeitalters im kommenden Reichsbaurecht kein Raum sein. Die Norm dieses Rechtes wird vielmehr die Rücksichtnahme auf das Wohl des Ganzen sein müssen.
Jedenfalls umfassen die beiden Begriffe Staatsführung und Bauwirtschast, unter einer einheitlichen Schau gesehen, schon ein gewaltiges Zusammenspiel lebendigster Kräfte, und das Band zwischen Führung und Wirtschaft müsse die gemeinsame Verantwortung vor Führer und Volk sein. Den wirklichen und nachhaltigen Erfolg können nur die unbedingte lautere Wahrhaftigkeit, auf welche sich das gegenseitige Vertrauen zwischen Staat und Wirtschaft zu gründen hat, verbürgen.
äpfel 14 bis 15, Birnen 30 bis 50, Pfirsiche 50, Brombeeren 40 bis 55, Preiselbeeren 40, Haus- zwetschen 21 bis 25, Edelzwetschen 35 bis 40 Pf., junge Hähne 1,10 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf., Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 2 bis 6, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 12, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel. 8 bis 10 Pf.
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** Unterrichtsverlegung. Wie das Stadtschulamt bekanntgibt, haben die Schülerinnen der Schillerschule am Freitag, 23. September, in der Goetheschule zum Unterricht zu erscheinen.
** Forts chritte der Straßenbaugr- beiten in der Kaiserallee. Die umfangreichen Straßenbauarbeiten in der unteren Kaiserallee machen gute Fortschritte. Insbesondere auf der — von Stadtmitte bus gesehen — rechten Straßenseite
läßt sich die neue Aufteilung der Straße schon gut erkennen. Nunmehr wurde mit der Verlegung der Platten für den Bürgersteig begonnen. Der Radfahrerweg, von schmalen Steinen gefaßt, ist nahezu fertig, und die Straßenbahnschienen, die am Lud- wigsplatz schon weiter nach rechts verlegt wurden, werden bald wieder eingebettet werden können. Wann die Derkehrssperre aufgehoben werden wird, kann jetzt allerdings noch nicht abgesehen werden.
** E r h a t sich in der Zeit geirrt. In einem Garten in der Nähe der Eisenbahnhäuser Am Wartweg/Schlangenzahl kann man gegenwärtig einen Apfelbaum sehen, der vollständig in Blüte steht. Der blütenfreudige Baum hat sich sehr in der Zeit geirrt.
Landkreis Gießen.
* Lei*hgestern,22. Sept. Unser Mitbürger Heinrich Velten kann am heutigen Donnerstag, 22. September, in voller geistiger und körperlicher
Frische seinen 7 7. Geburtstag feiern. Dem alten Herrn, einem langjährigen treuen Bezieher des Gießener Anzeigers, unseren herzlichen Glückwunsch.
<£ Leihgestern, 22. September. Seinen 7 9. Geburtsta g kann am Freitag, 23. September, der Rentner Peter Arnold in guter Gesundheit begehen. Der noch- rüstige, mit gutem Humor ausgerüstete Mann hat früher jahrzehntelang täglich die Milch von hier nach Gießen gefahren. Beiden Iubilaren unseren herzlichen Glückwunsch.
Kannst du zurück, Dore?
Vornan von Hedda Lindner.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
(Nachdruck verboten!)
21. Fortsetzung.
„Der Mann verdankt Ihnen sein Leben. Ihm nachzuspringen — bei dieser See — Donnerwetter, \aV sagte der Kapitän in grenzenloser Hochachtung.
„Als ich erst mal vom Schiff ab war, war es nkcht so schlimm", meinte Hilger. „Die Strömung wär günstig. Wäre er mehr abgetrieben, hätte ich iljn niemals finden können. Im übrigen bin ich ein sicherer Schwimmer." .
„Gegen die Haie nutzt auch das beste Schwimmen nichts", bemerkte der Zweite Offizier, der im Boot gewesen war. „Ich hatte auf alle Fälle die Pistole in der Hand, aber ob das viel geholfen hätte ..."
„Wir sehen", sagte der Kapitan, „daß der alte Herr da oben für tapfere Kerle immer noch etwas übrig hat, darum wollen wir uns nicht weiter ausmalen, was alles hätte geschehen fönen, sondern uns lieber klar werden, was nun zu geschehen hat. Vernehmungsfähig ist Ihr Patient noch nicht, Doktor?"
Der Doktor schüttelte den Kopf. „Abgesehen von dem Schlag hat er auch erheblich Wasser geschluckt. Es bauert mindestens noch ein paar Stunden, bis ich ihn einigermaßen klar habe."
„Wenigstens kann inzwischen niemand aussteigen", warf Merzmann ein. „Aber wissen mochte ich doch, welche Halunken es auf diesen ruhigen Doktor abgesehen hatten. Der Mann tut doch keiner Fliege was ^Gerald wußte nicht recht, wie er sich verhalten sollte. Ob er die Unterredung mit Kesten als vertraulich betrachten mußte oder nach diesem Ueberfall darüber sprechen durfte. Er entschloß sich zu einem Mittelweg. „Ich hatte den Eindruck, als ob der Doktor sich in Gefahr fühlte." c .
»Ohne sich an mich zu wenden?" warf der Kapitän ein, mehr überrascht als gekränkt.
Gerald hob leicht die Schultern. „Sein Verdacht war wohl zu unbestimmt, als daß er Ihnen davon hätte Mitteilung machen können. Aber ®enn tu) heute darüber nachdenke, habe ich den Eindruck, oatz es irgendwie mit den Chinesen zusammenhängt.
Merzman stieß einen Pfiff aus. „Jetzt geht mir eine Tranlampe auf. Ich besinne mich doch, daß ich mich über das Interesse des Doktors für die Wäscher
gewundert habe, weil er sonst niemals nach etwas fragte. Ein sehr angenehmer Fahrgast", fügte er aus tiefster Ueberzeugung hinzu.
Die andern mußten über diesen Stoßseufzer unwillkürlich lächeln, sie alle wußten „nicht fragende" Fahrgäste gebührend zu schätzen.
„Ganz richtig", antwortete Gerald, „und am Abend nach dieser Unterhaltung machte er mir die Andeutung, einer möglichen Gefahr; darum glaube- ich jetzt auch an einen Zusammenhang."
„Auf alle Fälle werden wir uns die Brüder langen", erklärte Merzmann energisch. „Aber wenn das so ist, dann ..." Er zögerte.
„Dann ist der Doktor wohl kein harmloser Privat- gelehrter", fiel der Kapitän ein. „Auch das werden wir feststelle-n."
Es bedurfte dazu keiner sonderlichen Anstrengungen. Als der Doktor so weit war, um reden zu können, gab er selbst die nötigen Aufklärungen. Er hieß mit seinem richtigen Namen Dr. Fiedler, war Kriminalrat am Polizeipräsidium in Berlin und mit einem Sonderauftrag unterwegs.
Seit längerer Zeit waren in den Mittelmeerlän- dern und in Südafrika ausfallend viel deutsche Banknoten im Umlauf, die bei den strengen Deoisen- gesetzen nur durch Schmuggel ins Ausland gekommen sein konnten. Da sie immer zahlreicher auftauchten und allmählich eine Gefahr für die deutsche Handelsbilanz in diesen Ländern zu werden begannen, beauftragte man Dr. Fiedler — einen der fähigsten Beamten und außerdem Spezialisten auf diesem Gebiet — mit der Verfolgung der Angelegenheit. Der ebenfalls auffallende Umlauf von Pfundnoten erweckte gleichzeitig das Interesse der englischen Behörden, wodurch seine Arbeit wesentlich erleichtert wurde; denn nun bekam er weitgehende Unterstützung überall. Er stellte zunächst fest, daß die Mark- ebenso wie die Pfundnoten zum großen Teil in ausgeklügelter feiner Weise gefälscht waren, und seine Ermittlungen führten allmähl.ch darauf hin, daß die Zentrale der Bande nicht — wie anfänglich vermutet — in Kapstadt, sondern in Kairo war. Die Beweise '.n dem Geralds Obhut übergebenen Umschlag reichten aus, einen bis dahm sehr ' angesehenen und einflußreichen ägyptischen Finanzmann auf das schwerste zu belasten.
Seine letzten Zweifel, auf der richtigen Spur zu sein wurden behoben, als man zweimal in Kapstadt den Versuch machte, ihn zu beseitigen Beide Male gelang es seiner Wachsamkeit in Derblndung mit der Aufmerksamkeit der dortigen Behörden, diese Anschläge zu vereiteln. Nun er seiner Sache sicher war, handelte es sich für chn nur nod) dar
um, sein Material den englischen Behörden in Aegypten zu übergeben, die das weitere zu erledigen hatten. Er wagte nicht, diese wichtigen Papiere einem Transportwege anzuvertrauen. Er kannte die Machtmittel seiner Gegner ebenso wie ihre Skrupellosigkeit. Deshalb entschloß er sich, sie persönlich zu überbringen. Er wählte ein deutsches Schift, weil er sich dort am sichersten fühkke, und er wählte die Maske eines etwas weltfremden Gelehrten, weil er hoffte, so am unauffälligsten in der Menge unterzutauchen.
Die Kapstadter Polizei hatte feine Einschiffung sorgsam Überwacht, auch sämtliche Fahrgäste der „Kenya" durchgeprüft, ohne Verdächtiges festzustel- len. Fiedler war zu erfahren, um sich durch diese anscheinende Untätigkeit seiner Gegner einwiegen zu lassen. Er wußte nur zu genau, mit was für Leuten er es zu tun hatte. Als er darum von der merkwürdigen Art hörte, wie die chinesischen Wäscher an Bord gekommen, wurde sofort sein Mißtrauen rege, und er versuchte, vor allem das Material zu sichern. Dieses Pflichtbewußtsein, das ihn wie stets zuerst an seine Aufgabe denken ließ, rettete zugleich sein Leben; denn nur dadurch war es Gerald möglich, die Zusammenhänge rasch genug zu erfassen.
Die chinesischen Wäscher leugneten entschieden ihre Täterschaft. Beweisen konnte man ihnen vorläufig nichts. Fiedler war von hinten niedergeschlagen worden und hatte seine Angreifer nicht zu Gesicht bekommen. Er hatte aber keinerlei Zweifel, daß die richtigen Wäscher in Mombassa eingeschüchert waren und diesen Werkzeugen seiner Gegner Platz machen mußten. Die beiden Leute wurden festgesetzt, die Behörden in Aden konnten das übrige tun.
Es war ganz selbverständlich, daß sich nun zwischen Fiedler und seinem Retter eine Freundschaft entwickelte, die selbst Gerald mehr aus sich heraus- gehen ließ, als er es sonst einem Fremden gegenüber getan hätte. Und so ergab es sich, daß er auch von seinem Schicksal erzählte und ebenso von seiner Absicht, die Angelegenheit wieder aufzurollen.
Fiedler entsann sich dunkel, gelegentlich über die Sache unterrichtet worden zu sein. Er hörte mit dem Interesse des Fachmannes zu, aß und zu knappe Fragen dazwischenwerfend. Als Gerald geendet hatte, ging er lange schweigend, die Hände auf dem Rücken, neben ihm die Deckpromenade auf und ab. „Wer hatte einen Vorteil davon, wenn Ihr Onkel starb?" fragte er schließlich.
„Dem damaligen Testament nach — ob es heute noch vorhanden ist, weiß ich nicht — war ich sein Erbe", antwortete Hilger, ,
„Hm. Und wer hatte Vorteil davon, wenn Sie ausschieden?" fragte der Doktor nach einigem Heber« legen weiter.
„Mein Vetter Petry, bter aber als Täter niemals in Betracht kommt. Er ritt an dem Tage des Heberfalls auf meinen Onkel ein Rennen in Düsseldorf und wäre auch einer solchen Tat nicht fähig", erklärte Hilger entschieden.
„Wessen manche Leute fähig sind, zeigt sich oft erst, wenn eine entsprechende Sage an sie herantritt", meinte Fiedler skeptisch. „Aber daß man nicht gleichzeitig in Düsseldorf Rennen reiten und in Rehwaldau^schießen kann, das steht fest. Komische Sache, diese törichte Scheckfälschung, und nachher dieser Schuß. Wenn der Schütze hätte töten wollen, hätte er bei der knappen Entfernung kaum vorbei- geschossen."
„Meinen Sie, er wollte meinen Onkel gar nicht ermorden?" fragte Gerald überrascht.
„Ich komme immer mehr zu der Ueberzeugung, daß er es tatsächlich nicht wollte. An den Landstreicher glaubt fein Mensch", begann Fiedler seine Ansicht zu erläutern. „Auch die Kollegen nicht, die sicher den Fall im Auge behalten. Wer geschossen hat, hat mit Heberlegung geschossen, aus Ihrer seitdem verschwundenen Pistole, und konnte schießen, sonst hätte er eine andere Waffe, Messer oder Gift ober sonst was, genommen. Unsichere Schützen knallen nur im Affekt, in Liebssdramen und so. Wenn aber der Mann Ihren Onkel gar nicht töten wollte.."
„... bann sollte ich baburch kompromittiert werben", fiel Geralb erregt ein.
„Ein bißchen reichlich kompromittiert", meinte ber Kriminalrat mit trockenem Humor. „Unb jebenfalls genügenb, um Sie als Erbe auszuschalten."
„Merkwürbig", sagte Gerald nachdenklich. „Mein Onkel Ashton drüben in Afrika, der doch die ganze Sache auch nur aus meinen Berichten kennt, hat denselben Gedanken, nur ich bin nie darauf gekommen."
„Die Behörden dort anscheinend auch nicht, sonst wäre die Untersuchung wahrscheinlich ganz anders aufgefaßt worden. So hat sich der. Verdacht von Anfang an nur gegen Sie gerichtet. Aber ich habe es in meiner Praxis oft erlebt, daß jemand, der Abstand hat, viel klarer sieht. Ich versuche auch bei meinen Fällen immer nach Möglichkeit, den großen Heberblick nicht zu verlieren. Ist Ihnen eigenllich nie etwas ausgefallen, was auf eine Feindschaft gegen Sie schließen ließe?"
„Nie", jagte Gerald überzeugt.
Fortsetzung folgt!).


