einer der 1000 ober 2000 Passagiere etwa? weiß- der eiserne Steuermann hitt fernen Dienft an
üben aus der Kommandobrücke itebl em kleiner pulkartiger Apparat Eine endlole Kette verbindet ibn mit dem großen Steuerrad da? von keinem Matrosen bedient wird Aber unablässig dreht sich das Rad nach rechts und links, bald mehr bald weniger und hält den Ozeanriesen baargenau nut dem eingestellten Kurs Am Zeiger über dem Steuerrad kann man die Bewegungen des Ruders beutlid) oerrolQcn und vorn aus der Brücke neben dem Maschinentelegrapben stebt noch einmal ein Kursanzeiger der dem wachhabenden Offizier ieder- zeit zeigt, ob der eiserne Steuermann genau feine Pflicht tut •* /
Alle großen Ozeanschiffe sind beute mit dem Selbststeuerapparai ausgerMet der wie der Krei- selkompaß. mit dem er m Verbindnnci steht, eine Erfindung des deutlchen Ingenieurs Anschütz ift. Soll das Schifi keinen Zickzack Kurs fahren, so muß man daraus achten daß es nicht aus dem Kurs „giert", wie der Seemann sagt Früher mußte der Mann am Ruder unablässig für Einhaltung des genauen Kurses sorgen Heute macht das mühelos und viel genauer der Selbststeuerapparat Nur wenn das Schiff einem entgegenkommenden Dampfer oder Segler ausweichcn muß, wird die Berbindung vom
Steuerrad mit dem Selbststeurer gelöst, und der uöersmami bedient das Rad mit der Hand Der Selbststeuerapparat hängt mit dem Kreiselkompaß zusammen und ist ohne diesen nicht denkbar Als man dazu überging, die Schiffe ganz aus Metall zu bauen arbeitete der bis dahin verwendete Magnetkompaß nicht mehr genau, da er von den Eisentellen abgelenkt wird. Vollkommen frei doti jeder Mißweisung ift der Kreiselkompaß, da er mit Magnetismus nichts zu tun hat, sondern allein auf den Kreiselgesetzen beruht. Diese gehören zu den schwierigsten der ganzen Physik In einem mit Wasserstoff gefüllten Gehäuse dreht sich ein elektrisch angetriebener Kreisel in einer Minute 20 OOOmal Dann hat die Kreiselachfe die Eigenschaft, sich para- lell zur Erdachse einzustellen also nach dem Nord- und Südpol zu zeigen Der Kreisel bildet daher einen Kompaß wie er besser gar nicht gedacht werden kann Ein solcher Kreiselkompaß dient nun beim Selbststeuern als Steuermann. Sowie das Schiff auch nur em klein wenig aus dem eingestellten Kurs abweicht, werden durch den Kreiselkompaß entsprechende elektrische Kontakte betätigt, die einen Elektomotor in Gang letzen, der dann das Steuerrad entsprechend dreht So wird der Kurs genau eingehalten ohne daß eine menschliche Hilfe nötig ist Kreiselkompaß und Selbststeuer-Apparat gehören zu den genialsten menschlichen Erfindungen.
Eine Reise nach Tokio.
23on unserem H. Tr.-Berichterstatter.
III. Expreß Ar. 7...
Nachdruck, aud) mit QueUetiangabe, verboten!
Schimon osekl, Ende Dezember 1937
Organisieren können die Japaner — das muß ihnen der Neid lassen! Da ist also zum Beispiel nach 48stündiger Fahrt die „Kitsurin-Maru" eines Morgens in Moji angekommen, einer Hafenstadt, deren einziger Vorzug darin besteht, daß sie gegenüber von Schimbnoseki liegt. Um nach Schimonoseki, von wo der Schnellzug nach Tokio abgeht, zu gelangen, muß man eiligst erst durch die halbe Stadt Moji rennen, sich durch einen verbauten Bahnhof hindurchwinden, ohne sich aber anhand der vielen Wegweiser zu verirren, dann muß man irgendein zweistöckiges Fährboot besteigen, das genau so aussieht, wie die Hamburger Hafen-Fährboote und das einen dann durch das Gewimmel der in der Bucht liegenden Truppen-Transportdampfer ans andere Ufer bringt. Truppentransporter — sie find nacht- schwarz angestrichen und einer trägt die Nummer 326. Auch ein paar Lazarettschiffe anfern im Hafen ... alle grün gestrichen, was wohl die Sichtbarkeit wenig erhöht. —
Auf dem Bahnhof Schimonoseki, den man dann nach einem kleinen Irrgang durch allerlei Unterführungen jeder Art erreicht, steht der Schnellzug nach Tokio bereits unter Dampf und vor dem Schnellzug, das heißt genau vordem auf der Fahrkarte verzeichneten Abteil das gesamte Gepäck! Wie hingezaubext! Man zeigt dem „Porter" bloß die Nummer vor, er verfrachtet die Ladung im Abteil und der Fall ist ausgestanden. So etwas nennt man eben im Hinblick auf die Tausende von Mensd)en, die wie in einer „City" nach Büroschluß von einem Ufer zum andern dauernd herüberwechseln, Organisation — genau so organisiert ist aber — horribile dictu! — auch der „Aschen-Urnen-Trans- port". Das ist eine ganz eigenartige Sache: Die gefallenen japanischen Soldaten werden bekanntlich auf dem Schlachtfeld verbrannt und ihre Asche in einer Urne verschlossen und in die Heimat überführt Auf allen Heimatbahnhöfen ist nun eine Art Ehrendienst eingerichtet, blte Frauen in weißen Trauerüberkleidern, die von Gruppenstärke an auf jedem Bahnhof stationiert sind und die die ankommenden Aschenurnen au$ dem Gepäckwagen holen und sie den Angehörigen aushändigen Gerade marschiert so eine Gruppe dieser urnentragenben Frauen vorbei, sie drängen sich in Doppelreihe unter Vorantragung einer Art Opferschale mit ihren weißverschnürten Urnen durch das Gewühl der hastig eilenden Menschen. die aber kaum Notiz von dem traurigen Zuge nehmen Denn es ist eben halt Krieg und Aschen-
urnen auf den Bahnhöfen sind ein alltägliches Bild geworden
Sonst aber nichts was auf diesem Bahnhof an Krieg erinnert. Nur auf der Reede guaünen die schwarzen Truppen-Transporter Da der Zug schwach besetzt ist. macht man es sich bequem und schlendert nach hinten in den Aussichts- wagen, der allen japanischen Zügen angehängt ist Und hier entdeckt man auf dem Schreibtisch ein kleines Heftchen, das wiederum Zeugnis ablegt von der japanischen Organisation oder von dem. was wir „Dienst am Kunden" nennen Das bunte Heftchen ist ein Zug-Prospekt und auf der ersten Seite steht: „Bitte, mein Herr, stellen Sie Ihre Uhr genau nach Bahnzeit, denn die Pünktlichkeit der japanischen Bahnen hat Weltruf!^ — Das stimmt: alle Züge, — fogar in der „wilden Mandschurei — gehen nicht etwa auf die Minute, sondern auf die Sekunde genau ab und kommen ebenso genau an. es fei'benn, höhere Gewalt in Gestalt der mandschurischen Banditen hätten die Schienen ein-, mal irgendwo aufgerissen. — Und bann heißt es im Prospekt weiter: .'.Blättern Sie nun um, und vergleichen Sie die eingedruckte Zeittafel, lesen Sie den danebenstehenden Tert, und Sie werden immer im Bilde fein!"
Man richtet sich nach dieser Instruktion und stellt zunächst fest, daß der Zug tatsächlich Punkt 9.15 Uhr abfährt. . nun, das ist schließlich kein Wunder. Das „Kleine Wunder" beginnt nämlich erst jetzt: In dem Heftchen ist auf sechs Teilkarten nach Art der Pharus-Pläne (wie wir es etwa auf der Rhein- dampferstrecke kennen) die ganze Streckt Schimonoseki—Tokio „ansichtsmäßig" dargestellt. Am rechten Rande dieser Karten ist wie ein Thermometer eine „Zeittafel" eingedruckt, während auf der gegenüberstehenden Seite in gleicher Höhe mit den einzelnen Zeitangaben der erläuternde und bebilderte Text verzeichnet steht Man braucht also — laut Vorschrift — um 9.27 Uhr nur links aus dem Fenster zu schauen um zu wissen, daß das alte Gemäuer am Berge ein „very old castle" aus dem „15 centuri)/ ist und wenn man — wieder laut Vorschrift — um 9.32 Uhr rechts herausblickt, sieht man „the biggeft Salzgewinnungsanlage of the world" ober von Fall zu Fall andere und ebenso erstaunliche Dinge Fabelhaft gemacht und zur Nachahmung empfohlen'
Natürlich sind diese alten Kastelle die Salzgewinnungsanlagen die die neuen Eifenbahnabzweigungen und was auf so einer „gewöhnlichen" Eisen- bahnfahrt noch alles zu sehen ist. nicht so wichttg, viel wichtiger ist der erste beherrschende Eindruck, den wohl jeder .Foreigner" auf feiner ersten Eisen- bahnfahrt durch Japan gewinnt und den wohl noch
jeder in den fassungslos-erstaunten Ausruf zusammengefaßt haben wird: „Herr°du°meine°Güte! Ist das eine Enge! Kein Wunder, wenn unter diesen Umständen die Leute aufs Festland ziehen und dort Krieg um Raum und Luft führen, alldieweilen man in dieser Enge des Landes ersticken muß!" 12 Stunden lang fährt man immer am Meere, an der Küste des Inlands-Meeres bis Kobe und auf der ganzen 12ftünbigen Schnellzugsfahrt Dorf an Dorf und Haus an Haus dazwischen große Städte und Industrieanlagen jeder Art, alles a u f eng ft en Raum zusämmengepreßt
Jeder Acker und jedes Fleckchen Erde ausgenutzt wie im montenegrinischen Hochgebirge, und immer wieder fragt man sich: Fährt man hier eigentlich durch ein 300 Kilometer langes Riesendorf ober durch eine ebenso lange Riesenstadt? Denn hier bilden die Dörfer die Randsiedlungen der Städte und gleichzeitig wieder Uebergang und Vororte für neue Städte — phantastisch das Menschengewimmel in den engen Gassen und Straßen dieser Städte und Dörfer, winzige Holzhäuschen, alle federleicht gebaut, ineinander verschachtelt hier und da von Mini^turgärten umgeben — selbst d'e Schnellzugsstrecke ist als Schmalspurbahn (!) gebaut, beinahe möchte man annehmen, um kostbaren Acker- und Reisboden zu schonen ober zu „sparen" — 1000 Politiker können 1000 gelehrte, zustimmende ober ablehnende Untersuchungen und Betrachtungen über den „japanischen Imperialismus" ober wie man es gerade nennen will, anstellen — eine kurze Eisenbahnfahrt durch dies übervölkerte Land sagt mehr als ein dicker Wälzer und mag er auch noch so gelehrt sein . die „Leute" haben eben einf ach keinen Platz und keinen Lebensraum und müssen „raus" ins Freie bas ist ein einfaches Gesetz ber Natur. Denn jeber Topf, in ben man zuviel Wasser schüttet muß einmal überfließen'
Ja — richtig! Und noch etwas! Im „Reiseführer des Zuges" sind auch — dick rot umrandet — die „b e f e ft i g t en Zonen" eingetragen, durch die ber Zug an ber Küste hindurchrast. Infolgedessen erscheint kurz darauf der Zugführer und bittet mit abgezogener Mütze und vielen Entschuldigungen den „ehrenwerten Fremden", weder zu photographieren noch zu zeichnen, noch „hinzuschauen" sondern sich ins Innere des Wagens zu begeben „Aber selbstverständlich!" — alle Fenstervorhänge werden her- untergezogen und selbst die Japaner saßen so schweigend und besorgt da, als führen sie über einen Vulkan Nur in der Wasch-Toilette hatte man die Fenster zu schließen vergessen ... man „riskierte also een Oooge" . . und tatsächlich: die ganze Bucht lag wieder voller Truppentransporter mit unwahrscheinlich hohen Nummern. Das ist ber Krieg ..
©er Sieger im Afrika-Sternflug.
Oberleutnant Goetze, ber auf seiner Messerschmttt- Taifun-Maschine mit Argusmotor in überlegener Weise ben Internationalen Sternflug zum Hoggar-Massiv in Norb-Afrika gewann. (Scherl-Bilberbienst-M.)
L.
Wettniarkidämmerung am oberen Amazonas. . 23on unserem Wp.-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Lima, im Januar 1938.
Wenn ber Panamakanal für Peru. Ekuador und in geringerem Maße auch für Kolumbia die Seewege nach ben Atlantischen Häfen der Neuen und Alten Welt erheblich verkürzte, so hatte bas für die Erschließung der unermeßlichen natürlichen Reichtümer dieser Länder doch nicht allzuviel zu bedeuten. Zwischen der pazifischen Küste und den meisten und wichtigsten Lagerstätten dieser Reichtümer richtete die Natur die gewaltige Verkehrsschranke ber Küstenkorbllleren auf, die mit ihren Gipfeln vielfach in bie Region des ewigen Schnees emporragen, und deren Pässe noch in einer mittleren Höhe von 4000 Meter liegen. Die Schwierigkeiten, die weiten Räume hinter diesen Pässen von der Küste aus verkehrspolitisch aufzuschließen, gingen im allgemeinen weit über die Kräfte ber Republiken hinaus, bie sich aus bem spanischen Kolonialreich im pazifischen Sübamerika bildeten. Wohl entwickelten sich in ben fruchtbaren Tälern zwischen den Gebirgsketten mit ber Zeit zahlreiche Siedlungen, aber diese Siedlungen fuhren großen-
Leistungsfähi« sein, vorankommen, mehr verdienen dazu braucht man y;ntes Sehen! Oder die tadellos angepaßte Brille von (
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teils noch heute mangels guter Straßen, geschweige Eisenbahnen, ein ziemlich weltabgeschlossenes Dasein, da auch von den Flußhäfen ttn Stromgebiet des Amazonas auch bisher wenig geschah, für landeinwärts gelegene Gegenden Anschlüsse an ben großen Verkehr herzustellen.
Run rühren sich aber neuerdings die Nordamerikaner, beizeiten die Schlüsselstellungen für bie Schätze ber Quellgebiete bes Amazonas in bie Hand zu bekommen unb burch Bau von Autostraßen unb Anlage von Flugzeuglinien bie Voraussetzungen für eine planmäßige Ausbeutung von Rohstoffquellen zu schaffen, die Ersatz für diejenigen Südostasiens bieten sollen, sofern man von diesen über kurz ober lang burch einen japanischen Sperrgürtel abgeschnitten werben sollte. Der archimedische Punkt, von dem aus nordamerikanisches Finanzkapital das ostanbische Peru gewissermaßen aus ben Angeln zu heben droht, ist die Stabt I q u 11 o s , bie, obgleich 4 5 0 0 Kilometer von ber Münbung bes Amazonas entfernt, von bort aus noch mit, 5000 - Tonnen ° Dampfern erreichbar ist-
Die maßgebenden Kreise in Lima fühlen sich durch diese Vorgänge wie aus einem langen Dornröschenschlaf wachgerüttelt. Man ist von bem Dollar- Prinzen, ber bas zuwege brachte, keineswegs entzückt. So wenig man feiner Hilfe für bie Lösung ber gewaltigen Probleme, vor bie man sich gestellt sieht, entraten kann, so fühlt man boch die Notwendigkeit, jeden Nerv anzuspannen, um nach hundertjährigem Schlendrian eigene nationale Tatkra*st zu entwickeln und ber Gefahr bie Stirn zu bieten, in eine unüberwindliche Abhängigkeit von bem „Koloß bes Norbens" zu gelangen.
Woran es babei vor allem mangelt, kommt in der peruanischen Presse oft brastisch zum Ausdruck. Da jammert z. B. bie Zeitung „El Oriente" beweglich über bas Fehlen privater Initiative bei den Einheimischen: „Dreiviertel unserer lieben Lands- leute leben vom Staat Der Staat ist das große Tränentuch für alle Schmerzen, öffentliche und private, vergangene, gegenwärtige und zukünftige ... Diejenigen, bie gar nichts mit den öffentlichen Ausgaben zu tun haben, kann man an den Fingern einer Hand aufzählen... Unsere Industrien brauchen Hände zur Arbeit. Die Montana
Schwarze Oanie «m roten Kleid
Oder: das 6)1 üd tm Winkel.
Manche sammeln Briefmarken, Schmetterlinge ober Exlibris, das ift nichts Besonderes Manche sammeln venezianisd)e Gläser alte Tabaksdosen oder Südsee-Masken: das ist schon seltener und aud) kostspieliger. Aber dann gibt es die ganz ausgefallenen Sachen: Hosenknöpse, Streichholzschachtel- Bilder ober die abgelegten Kleider berühmter Film schauspieler. Das gehört bereits in die Bereiche des Spleens; die klassische Heimat des Spleens ist England. und die Kosten solcher Sammelleidenschaft sind je nachdem.
Sd)ließlich gibt es auch noch die ausgefallenen Sad)en, welche man ohne Spleen sammeln Fann, und es kostet nichts ober fast nichts Zum Beispiel Zeitungsausschnitte; aber weder Romanfortsetzungen noch Kochrezepte, roeber Kinoberichte noch Wcmder- vorschläge: bas kann man alle Tage haben In ben großsiäbtischen Blättern kann man viel schönere und interessantere Dinge finden, gar nicht alle Tage zu haben. Man muß sich nur Mühe geben unb mit Lust und Liebe bei der Sache fein, dann kann man, mit ber Zeit, eine Sammlung zusammenbekommen, um bie ber Kenner einen schmunzelnd unb äugen« rollend beneidet Neulich habe ich eine gesehen, eine hübsche, kleine, etliches daraus will ich hier zum besten geben.
„In Milchstube Hauptbahnhof, Sonntag 17.30 Uhr, kommt Herr mit weißer Nelke, setzt sich an Nebentisch von Dame, bie Notizen schreibt Herr bittet Dame um Nachricht unter . " Ober: „Schwarze Dame im roten Kleib, 9. 1 6-Uhr-Abenb- vorstellung Rathauslichtspiele, wirb von Herrn mit Augengläsern, welcher hinter ihr gesessen, um Wiede^ehen gebeten..." Das gibt es; bas kann man finben in den großen Blättern, ganz klein, verstreut, versteckt, mit vielen Abkürzungen, mitten unter ben Anzeigen ber Theater, ber Kinos, der Pelzhändler. Masseure unb Autovermietungen. Do hat nian’s, ba sieht man's: so fängt das also an ober so Fann es jedenfalls anfangen Dabei ist es noch verhältnismäßig einfach unb erfolgverfprechenb. wenn die allererste Begegnung im Kino ober in der Milchstube am Hauptbahnhos ftattgefunöen hat; viel schwieriger, ja nahezu hoffnungslos ist etwa folgender Fall.: „Jene oroße schlanke blonde pinge Dame, bie in Nurn Here, >n O Zua nach München um 16 Uhr zustteg ünb sich mit Herrn aus Zittau
unterhielt, w'rd hrinnenh um -'N Lebenszeichen gebeten " * ।
In öen rneiiten' Fallen icheini aber doch Der winzige, stumme Anruf, unscheinbar und versteckt zwischen ben Ankündigungen sehr alltäglicher und gegenständlicher Dinge,' unter Tausenden oder Millionen von Menschen gerade den einen oder die eine zu erreichen, an die er, von weither und gleichsam ins Blaue hinein, gerichtet war. Die Leute müssen die Zeitung doch viel gründlicher lesen, als man gemeinhin denkt; oder nur d > - Leute, die es angeht9 Wer Fann das sagen
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Wenn es nun aber, wunderbarerweije, gelungen ist. ben zarten Faden einer Verständigung oder ersten AnFnüpfung zu spinnen dann ist auch noch lange nicht immer alles gut. Denn es gibt, wie man sich durch einen Blick in die kleine Sammlung leicht überzeugen kann, allezeit viele Menschen auf der Welt viele Liebesleute, die sich aus wer weiß welchen Gründen auf gar Feine andere Weise verständigen wollen oder Fönnen als durch diese schmalen unauffälligen Rechtecke im Anzeigenteil, ba wo man die Heiratslustigen findet, die Gelegen- heitsFäufe, die entflogenen Kanarienhähne und die zugelaufenen Hunde. Hier mitten im grauen Alltag, blüht, bescheiden wie ein Veilchen, bas Glück im WinFel Hier ist dieser merFroürbige, kleine Briefkasten der Liebenden, das verschwiegene Postamt ber hoffenden und erwartungsvollen, ber enttäuschten und der glücklichen Seelen. Zuweilen ist es luftig, zuweilen lächerlich, oft ist es rührend zu lesen, was sie sich zu sagen haben in ihrer abgekürzten. geheimnisvollen, manchmal nur aus ein paar Buchstaben, Zahlen unb Zeichen bestehenben Geheimsprache Wer den Blick dafür hat, Fann hier im Spiegel einer brausenden Gegenwart, die zärtlichsten Hieroglyphen entziffern
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„Kann ich Sie auf ber Straßenbahn sprechen? Es ist bringenb" — „Walter, ich geh weg, muß bich bringenb sprechen " — „Durch Aussprache Mut verloren, hab dich so lieb, bitte hilf " — Untröstlich, bin breimal an Ihnen oorbetgegangen und wieder nicht erfannt." — „Willy, es tut mir so leid!" — „Ich hab vor Freude gemeint, die Welt ist wunderschön, 1000 innige Grüße." — „Strauß roter Rosen, hab dich von Herzen lieb." — „Innige Glückwünsche, bin so traurig.' — „Ich muß verachten möge Dir die andere alles Glück fchenFen." - So geht dos hin und her unb bies ist nur eine Heine Sammlung . . . Sorgen, Tränen, Glück
wünsche, Grüße, Bitten. Wieviel Liebe gibt es auf der Welt, muß man denken, wenn man in all den Ausschnitten blättert und lieft. Wieviel Geschichten, wie viele Komödien und kleine Trauerspiele des täglichen Lebens verstecken sich hinter ein paar Buchstaben, Zeichen unb Zahlen. Wie viele gehen nicht nur dreimal, sondern immer, am Ende ihr Leben lang stumm und unerkannt aneinander vorüber
Selbst hier, wo man bie Handschriften nicht zu Gesicht bekommt, lernt man bald, an winzigen Merkmalen der Stilisierung, die Temperamente unterscheiden, die Heftigen und die Sanften, die Zaghaften und die Leidenschaftlichen — „Warum willst du mich vermeiden? Wir gehören zusammen. Fernsein ist Qual. Komm zu mir. " — „Warum quälen mir uns? Solche Liebe Fann nicht sterben " — „Daß ich dir doch alle Sorgen abnehmen und am andern Ende der Welt mit dir leben und sterben Fönnte "
Welch em Ausbruch in bie OeffentllchFeit! Aber man finbet aud) anbere Töne, schneidenbe, messerscharfe. sarkastische unb pathetische. — „Ihr Wille, mich zu besiegen, mar ftärFer als.. " — „Von dem Wahn. Ihnen mehr zu sein als ein Spielzeug, haben Sie mich gründlich geheilt 22 6" — Also im Juni mar bas.
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Die seltensten unb tastbarsten Stücke ber sonber- baren Sammlung, auf die ihr Besitzer mit begründetem Stolz hinmeist, sind jene, aus denen sich das Bruchstück eines Dialoges zusammensetzen läßt, Rede und Antmort, durch mindestens vierundzwan- zig Stunden von einander getrennt, von ber räumlichen Scheidung der beiden Partner ganz zu schweigen — „Verzichte' Aber ich fahre im Traum mit dir nach Garmisch, du Seele, von Eis umgeben." — Was für ein leidenschaftlicher Mensch, man hort ihn förmlich schnauben Unb mas antwortet sie, zierlich. Fühl, überlegen unb dennoch zärtlich9 „Don Eis Feine Spur' Warum nie ein Wort? Meine Gedanken sind stets bei Ihnen Tausend innige Grüße und viel Vergnügen für Gar- mifd)" — Ist das nicht ein scharmantes Fräulein?
Es gibt alle Tonarten, alle Schattierungen des Spiels herüber und hinüber, das merkt man bald Besonders apart ist die musikalische Einkleidung.— Er, elegisch: „Herzmunben von Grieg. Kennen Sie bas?" — Sie, in ber nächsten Nummer, schlagfertig unb auf ben Flügeln bes Gesanges- „Kenn' ich gar nicht. Ich weiß nur das eine: .Ich liebe Dick/ von Grieg." Die Nennung des Komponisten war
hier ja mohl eigentlich nicht mehr notroenbig, bloß so, ber Ordnung unb Abrundung halber. Eine Fortsetzung bes Duetts mar nicht aufzutreiben. Es ist anzunehmen, baß tiefes Pärchen von nun an auf eine minder umständliche unb zeitraubende Weise miteinander musizieren wird. hth.
Wenn ein Fesselballon sich losreißt.
Als ein gefährlicher Ausreißer erwies sich ein Fesselballon, dessen Haltetaue auf bem englischen Militärflugplatz von Manston in Kent brachen unb ber, fast 3000 Meter Kabel mit sich schleppenb, auf weite Strecken hin überall ben größten Schaben anrichtete. Er zerstörte fast zwei Bombenflugzeuge unb eine Anzahl Autos auf ben Straßen, ehe er aus England verschwand, ben Kanal überquerte unb nun in Frankreich als Störenfried auftrat- ®r zerbrach die Hochspannungsleitungen an der Küste in der Nähe von Boulogne und versetzte Calais. Boulogne, St. Omer und eine Reihe anderer Städte plötzlich in völlige Dunkelheit. Eine Sekunde nachdem die Schlepptrosse des Ballons die Hoch- leitungsfabel getroffen hatte, befanden sich über eine Million Menschen in finsteren Räumen und düsteren Straßen. Die Straßenbahnen hörten auf Zu fahren, bie Zeitungsbruckmaschinen standen still, die Lifts ftiegen nicht mehr hoch ber Runbfunk verstummte. unb in den Werkstätten hörte bie Arbeit auf In vielen Bergwerken ber Gegenb kam bie Maschinerie gleichfalls zum Stillftanb. Ein Kurzschluß hatte bie große Kraftstation der Elektrizitätswerke bei Bethune völlig gelähmt. In Audriucq geriet bas Postgebäube in Branb Merkwürbiger- weise mürbe der Ballon selbst durch das Zusammentreffen mit Hunderttausenden von Volts nicht beschädigt, sondern man sah ihn in der Richtung auf die belgische Grenze forttreiben
Zeitschriften.
— Modische Spezialitäten bilden in ber Hauptsache ben Inhalt bes neuesten Heftes ber „Neuen Mobenme11" (Deutscher Verlag, Berlin). Braut- und Festkleiber findet man da, Entzückendes für die Konfirmation unb Kommunion, Taufkleidchen unb Sonstiges fürs Baby, Moden von Größe 3 aufwärts, Wasche, Berufs- und Trauerkleidung unb außerdem bie ersten Frühjahrsmodelle. Die „Kleine Zeitung" bringt interessante modische Plaudereien, allerlei nützliche Tips und einen neuen Roman: die bekannten praktischen Beilagen vervollständigen das bunte neue Heft.


