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Fortsetzung der Führer-Rede

Deutschland selbst hatte zunächst überhaupt kein Recht, in diese erhabene Gemeinschaft der morali­schen ' Verteidigung früherer Gewalttaten einzutre­ten, sondern erhielt diese gnädige Erlaubnis erst unter dem unvergeßlichen Reichskanzler Gustav Stresemann. Sie wissen, meine Abgeordneten, wie sehr nun diese Institution versagt hat. Sie war weder ein Völkerbund, denn es fehlten ihr von Anfang und späteren Austritt zwei der gewal­tigsten Weltmächte, noch war sie eine Institution des Rechts, oder, wie man heute immer mit eiser­ner Stirn' behaupten will, der Prinzipien des Rechts, sie war eine Institution zur Aufrechterhal­tung eines aus tausendjährigem Unrecht entstande­nen Zustandes. Denn: Entweder ist Gewalt Recht oder Gewalt ist Unrecht. Wenn Gewalt aber heute Unrecht ist, dann war Ge- walt auch früher Unrecht. Wenn also der bis­herige Zustand der Welt aber ohne Zweifel durch Aktionen der Gewalt entstanden ist, dann ist dieser Zustand mithin ein Zustand, der durch Unrecht wurde. Es verteidigt daher der Völkerbund auch keineswegs einen Zustand des Rechtes, sondern einen aus tausendjährigem Unrecht ge­borenen Zustand.

Wir hören nun allerdings, daß dies anders wer­den soll. Wir vernehmen sehr häufig, daß z. B. eng- lische Politiker uns mit Freuden unseren kolo- n i a l e n Besitz zurückzugeben wünschten, wenn sie nur dabei nicht so sehr unter dem Gedanken an das Unrecht und an die Gewalt, die dabei den Ein­geborenen zugefügt werden würden, litten. Nach­dem im Jahre 1918 der Völkerbund noch nicht be­stand, konnte man damals ja diese Gebiete ohne Einwilligung der Eingeborenen den neuen Herren praktisch überantworten und sich diese Uebereignung durch den Völkerbund später moralisch testieren lassen. Allerdings wollte man den edlen Grundsatz, daß eine Kolonie nur dann jemandem gehören darf, wenn die Eingeborenen ihren ausdrücklichen Wunsch in dieser Hinsicht äußerten, auf die Ver­gangenheit der kolonialen Erwerbungen aus­dehnen, dann würden die kolonialen Besitze unserer Weltmächte vermutlich bedenklich zusam­menschrumpfen.

Alle diese kolonialen Reiche sind eben nicht durch Abstimmungen, vor allem nicht durch demokratische Abstimmungen der dort lebenden Völker entstanden, sondern durch nackte und brutale Ge­walt. Sie sind heute selbstverständlich unlösbare Bestandteile der in Frage kommenden Staaten und bilden als solche einen Teil jener Weltordnung, die uns besonders von demokratischen Politikern immer als dieWeltordnung des Rechts" bezeichnet wird. JenesRechts", das nun der.Völkerbund in seinen Schutz zu nehmen beauftragt 'ist.

Jd) habe tiefes Verständnis dafür, daß die Interessenten an dieser Rechtsordnung im Völ­kerbund ein angenehmes moralisches Forum sehen für die Aufrechterhaltung und, wenn möglich, für" die Verteidigung ihrer früher durch Gewalt zusammengebrachten Besitztümer. Ich habe nur kein Verständnis dafür, daß der soeben selbst durch einen Gewaltakt Beraubte seinerseits an einer solchen lllustren Gesellschaft t e l l n e h m e n soll. (Heiterkeit und lebhafte Beifallsrufe.) And ich muß mich dagegen ver­wahren, daß daraus gefolgert wird, daß wir nicht für die Grundsätze des Rechts einzutreten bereit wären, weil wir nicht im Völkerbund feien! Im Gegenteil: Wir find nicht im Völker­bund, weil wir glauben, daß er nicht eine In­stitution des Rechts, sondern eher noch eine Einrichtung zur Verteidigung des Versailler Unrechts ist. (Langanhaltende stürmische Zu­stimmung.)

Es kommen dazu aber auch noch eine Reihe wei­terer sachlicher Erwägungen:

1. Wir sind aus dem Völkerbund einst ausge­treten, weil er uns getreu seiner ganzen Geburt und Verpflichtung das Recht auf gleiche Rüstung und damit gleiche Sicherheit verweigerte.

2. Wir würden niemals mehr in ihn ein­treten, weil wir nicht die Absicht haben, uns an irgendeiner Stelle der Welt durch einen Mehr­heitsbeschluß des Völkerbundes für die Vertei­digung des Unrechts einspannen zu las­sen. Und

3. glauben wir, damit all jenen Völkern einen Gefallen zu erweisen, die das Unglück verleitet, zu glauben, aus den Völkerbund als einen Fak­tor wirklicher Hilfe bauen und vertrauen zu dürfen.

Denn wir hätten es für richtiger gehalten, im Falle des Abessinienkrieges z. B. er­stens mehr Verständnis für die italienischen Lebens­notwendigkeiten aufzubringen und zweitens weniger Hoffnungen und vor allem weniger Versprechungen an die Abessinier zu geben. Es würde dies viel­leicht eine einfachere und vernünftigere Lösung des ganzen Problems ermöglicht haben.

4. Wir denken aber überhaupt im Ernstfall nicht daran, die deutsche Nation in Konflikte verwickeln zu lassen, an denen sie nicht selbst interessiert ist. Wir sind nicht gewillt, für territoriale oder Wirtschaftsinteressen anderer einzutreten, ohne daß dabei auch nur der geringste Nutzen für Deutsch­land ersichtlich wäre. Im übrigen erwarten wir selbst auch nicht von anderen Völkern eine sollte Unterstützung. Deutschland ist entschlossen, sich in seinen Interessen und in seinen Ansprüchen eine weise Beschränkung aufzuerlegen. Sollten aber irgendwo deutsche Interessen e r n st l i ch au dem Spiele stehen, so werden wir nicht erwarten, von einem Völkerbund jemals eine praktische Unter« stützung erhalten zu können, sondern wir nehmen von vornherein an, daß wir uns der daraus ent­stehenden Aufgäben selb st zu unterziehen haben. Und es ist gut, sich darüber im Klaren zu sein, denn dies wird unseren Wünschen und Hoff­nungen immer jene Mäßigung auferlegen, die wir seitens der kollektiv Beschützten leider nur zu oft vermissen müssen! (Langanhaltende stürmische Zu- stimmungskundgebungen.)

5. Endlich haben wir nicht die Absicht, uns in Zukunft von irgendeiner internationalen Einrich­tung eine Haltung vorschreiben zu lassen, die, indem sie die offizielle Anerkennung unbestreit­barer Tatsachen ausschließt, wenig Aehnlichkeit mit den Handlungen überlegter Menschen als vielmehr mit den Gepflogenheiten eines bekannten großen Vogels besitzt. Ein lOOjähriger Bestand des Völker­bundes würde, da er selbst ersichtlich unfähig ist, geschichtliche oder wirtschaftliche Notwendigkeiten zu begreifen und die daraus resultierenden Forderun­gen erfüllen, umgekehrt aber die Interessen der Völker am Ende, soweit es sich um ihr Sein ober Nichtsein handelt, stärker sind als formalistische Er- wägungen, zu einer komischen Weltlage führen. Denn im Jahre 2036 würden sehr leicht neue Staa­

ten entstanden oder andere vergangen sein, ohne daß eine Registrierung dieser neu eingetreteaen Sachlage in Genf hätte stattfinden können. (Geläch­ter und Beifall.) Deutschland hat einmal durch seine Mitgliedschaft im Völkerbund sich an einer solchen unvernünftigen Handlung beteiligen müssen, es hat, Gott sei Lod und Dank, infolge seines Austritts aus ihm in einem drohenden zweiten Fall der Vernunft und der Billigkeit entsprechend handeln können. Ich will Ihnen aber, meine Herren Abgeordneten, heute bekanntgeben, daß lch mich nunmehr ent­schlossen habe, auch im ersten Falle die notwendige geschichtlich bedingte Korrektur vorzunehmen. Deutschland wird Mandschukuo aner­kennen. (Beifall.) Wenn ich mich zu diesem Schritt entschließe, dann geschieht es, um auch hier einen endgültigen Strich zu ziehen zwischen einer Politik phantastischer Unverständlichkeiten und einer olchen der nüchternen Respektierung realer Tat- achen.

Ich will zufammenfassend also noch einmal erklären, daß Deutschland, und erst recht nach dem Austritt Italiens aus dem Völkerbund,

überhaupt nicht mehr daran denkt, jemals in diese Institution zurück- z u k e h r en ! Dies bedeutet nicht die Ablehnung einer Zusammenarbeit mit anderen Mächten; im Gegenteil. Dies bedeutet nur die Ablehnung von Verpflichtungen, die unübersehbar und in den meisten Fällen auch unerfüll­bar sind. (Leidenschaftliche Zustimmung.) Für die Zusammenarbeit mit anderen Mächten hat Deutschland viele und, wie wir glauben, wert­volle Beiträge geleistet. Das Reich ist auch heute weder wirtschaftlich noch poli­tisch als isoliert anzusehen. Ich habe mich im Gegenteil bemüht, seit der Aebernahme der Macht im Reiche zu den meisten Staaten das möglichst beste Verhältnis herzustellen. Zu einem einzigen Staat haben wir kein Verhältnis gesucht und wünschen auch, zu ihm in fein engeres Verhältnis zu treten: Sowjetruhland. (Beifall.)

auch nur irgendwie denkbar möglichen Kon­flikt. Das einzige, was das Zusammenleben dieser Staaten vergiftet und damit belastet, ig eine geradezu unerträgliche Presse- Hetze, die in diesen Ländern unter dem Motto:Freiheit der persönlichen Meinungs­äußerung" getrieben wird.

Gegen die internationale preffehetze.

Ich habe kein Verständnis dafür, aus dem Munde ausländischer Staatsmänner und Diplo­maten immer wieder zu vernehmen, daß in diesen Ländern keine gesetzlichen Möglichkeiten bestünden, der Lüge und der Verleumdung ein Ende zu be­reitem Denn es handelt sich hier nicht um Privut- angelegenheiten, sondern um Probleme des Zu­sammenlebens von Völkern und von Staaten. Und wir sind nicht in der Lage, diese Vor­gänge auf die Dauer auf die leichte Schulter zu nehmen. Wir können auch nicht vor den Folgen dieser Hetze die Augen verschließen. Denn es könnte sonst nur zu leicht sein, daß-in gewissen Ländern durch niederträchtige internationale Lügenfabrikanten ein so starker Haß gegen unser Land entwickelt wird, daß dort allmählich eine offene feindselige Stimmung gegen uns entsteht, der vom deut­schen Volk dann nicht mit der notwendigen Wider­standskraft begegnet werden könnte, weil ihm selbst durch die Art unserer Pressepolitik jede Feindselig­keit gegenüber diesen Völkern fehlt. Und dies ist eine Gefahr. Und zwar eine Gefahr für den Frieden. Ich bin deshalb auch nicht mehr ge­willt, die zügellose Methode einer fortgesetzten Begeiferung und Be - schimpfung unseres Landes und unseres Volkes unwidersprochen hinzunehmen. Wir wer­den von jetzt ab antworten, und zwar mit nationalsozialistischer Gründlichkeit antworten. (Lang­anhaltender Beifall.)

Was allein in den letzten Wochen an geradezu irrsinnigen, dummen und drei st en Be­hauptungen über Deutschland ausge­streut wurde, ist einfach empörend. Was soll man dazu sagen? Wenn Reuter Angriffe auf mein Leben erfindet und in englischen Zeitungen von unge­heuren Verhaftungen in Deutschland geredet wird, von Schließung der deutschen Grenzen gegenüber der Schweiz, Belgien, Frankreich usw. Wenn wieder andere Zeitungen berichten, daß der Kronprinz aus Deutschland geflohen sei, oder daß ein militärischer Putsch in Deutschland gewesen wäre, daß man deutsche Generale gefangengenommen hätte und um­gekehrt wieder deutsche Generale mit Regimentern vor die Reichskanzlei gezogen seien, daß zwischen Himmler und Göring ein Streit über die Juben- frage ausgebrochen fei und ich mich deshalb in einer schwierigen Lage befände, oder daß ein deutscher General durch Vertrauensleute Fühlung mit Dala- dier genommen habe, daß in Stolp ein Regiment gemeutert hätte, daß 200 Offiziere aus der Armee ausgestoßen worden sind, daß die gesamte deutsche Industrie soeben ihre Mobilmachungsorder für den Krieg erhielt, daß zwischen der Regierung und der Privatindustrie schärfste Gegensätze bestehen, daß 20 deutsche Offiziere und drei Generale nach Salz­burg geflohen waren, daß 14 Generale mit der Leiche Ludendorffs nach Prag geflüchtet seien (schal­lende Heiterkeit) und daß ich keine Stimme mehr besäße, so daß der umsichtige Dr. Goebbels soeben Umschau halte nach einem Mann, der meine Stimme zu imitieren in der Lage sei (erneut stürmische Heiterkeit), um mich in Zukunft von Platten spre­chen zu lassen. Ich nehme an, daß dieser journali­stische Wahrheitsfanatiker morgen entweder die Identität meiner Person am heutigen Tage be­streiten oder behaupten wird, ich hätte nur Gesten gemacht, während hinter mir der Herr Reichspropa­gandaminister das Grammophon bediente (erneute Heiterkeit) usw. usw. Mr. Eden hat neulich in einer Rede von den verschiedenen Freiheiten seines Landes geschwärmt. Es ist nur eine besondere Freiheit darunter vergessen worden, die Freiheit nämlich für Journalisten, unbeanstandet und un­begrenzt andere Völker, ihre Einrichtungen, Männer und Regierungen beschimpfen und ver­leumden zu dürfen! Allerdings könnte man sagen: Das ist ja alles zu dumm, um ernst ge­nommen zu werden. Denn endlich sehen es doch Millionen von Ausländern in Deutsch­land, daß daran kein wahres Wort ist. Denn zum Unterschied des fowjetrussischen Völker­bundsmitgliedes, das in seinem Lande alle Fremden entfernt und sogar die Konsulate schließt, kann in Deutschland jeder in voller Freiheit an Ort und Stelle seine Erfahrungen sammeln.

Allein auf die Dauer ist dies doch eine schwere Belastung internationaler Beziehungen. Ich will gerne feststellen, daß ein Teil der ausländischen Presse sich an diesen niederträchtigen Angriffen gegen die Ehre anderer Völker nicht beteiligt. Allein der Schaden, der durch eine solche Hetzkampagne angerichtet wird, ist trotzdem so groß, daß wir von jetzt ab nicht mehr gewillt sind, dies ohne stärksten Widerspruch noch länger hinzu- nehmen.

Besonders schlimm wird dieses Verbrechen aber dann, wenn es sich ersichtlich das Ziel gesetzt hat, die Völker in einen Krieg zu treiben. Und ich darf hier nur auf ein paar Tatsachen Hinweisen. Ich erinnere Sie, meine Abgeordneten, wie im ver­gangenen Jahre plötzlich gelogen wurde, Deutsch­land hätte 20 000 Mann in Spanisch - M a - r o k k o gelandet. Es war ein Glück, daß diese in­famste Fälschung sofort widerlegt werden konnte. Allein was würde wohl geschehen, wenn einmal eine solche Widerleaung in der notwendioen kurzen Zeit nicht gelingen könnte? In die Reihe der Kapitalverbrechen gehören auch die Behauptungen, daß Deutschland und Italien sich geeinigt hätten, Spanien aut"zuteilen oder eine ganz junae niedertrcichtiae Fälschung, daß Deutschland und Ja- pan eine Abmachung getroffen hätten, den nie­derländischen Kolonialbesitz sich ge­meinsam anzueignen. Kann man hier noch von einem ehrbaren Gewerbe sprechen ober kann man noch von Freiheit reden, die es solchen internatio­nalen Verbrechern ermöglichen, die Welt fortgesetzt in Unruhe zu verletzen?Sind dies nicht Kriegs­anstifter und Kriegshetzer schlimmster Art? Die britische Reaierung wünscht, Rüftungs- begrenzungen ober ein Verbot bes Bombenobwur's. Ich habe bas einst selbst vorgeschlagen. Allein ich I schlug damals auch schon vor, daß es das wich­tigste sei, die Vergiftung der öffentli­chen Meinung der Welt durch nie­derträchtige Presfeartikel zu verhin­dern.

Was unsere Sympathie wenn es irgend mög­lich wäre für Italien noch verstärkt hat, ist bk Tatsache, daß dort Staatsführung mib Prejjei

M dem Bolschewismus gibi es kein Verhältnis.

Wir sehen im Bolschewismus mehr noch als früher die Inkarnation bes menschlichen Zerstörungstriebes. Wir machen für diese grauenhafte Ideologie der Vernichtung auch nicht bas russische Volk als solches verantwortlich. Wir wissen: es ist eine kleine jüdisch - intellektuelle Oberschicht, die ein großes Volk in den Zustand dieses Wahnwitzes gebracht hat. Wenn sich diese Lehre nun territorial auf Rußland begrenzen würde, ließe sich auch dar­über am Ende noch reden, denn Deutschland hat nicht die Absicht, dem russischen Volk etwa Auf- assungen unseres Lebens aufzuzwingen. Leider aber >erfucht der jüdisch-internationale Bolschewist von einer fowjetrussischen Zentrale aus die Völker der Welt innerlich auszuhöhlen, die Gesellschaftsordnun­gen zum Einsturz zu bringen und das Chaos an die Stelle der Kultur zu fetzen. Nicht wir suchen eine Berührung mit dem Bolschewismus, sondern er versucht fortgesetzt, die andere Mensch­heit mit seinen Gedanken und Ideen zu verseuchen und sie damit in ein Unglück ungeheuersten Aus­maßes zu stürzen. Und hier sind wir unerbitt­liche Feinde. So wie wir im Inneren in Deutschland selbst die kommunistischen moskauischen Versuche erledigten, so werden wir auch nicht von außen her Deutschland durch die materielle Gewalt des Bolschewismus vernichtest lassen!

Denn nun Großbritannien sehr off durch den Wund feiner verantwortlichen Staatsmänner versichern läßt, daß es an der Aufrechterhaltung des status quo in der Welt interessiert fei, dann sollte dies auch hier gelten. Jede Bolsche­wist e r u n g eines europäischen Landes be­deutet eine Verschiebung dieses 3 u- standes. Denn diese bolschewisierten Gebiete sind dann nicht mehr selbstherrliche Staalen mit einem nationalen Eigenleben, sondern Sek­tionen der Woskauer Revolutions­zentrale. Wir ist es bekannt, daß Wr. Eden diese Auffassung nicht teilt. Herr Sta­lin feilt sie und gibt das offen zu, und in meinen Augen ist zur Zeit noch immer Herr Stalin persönlich ein glaubwürdigerer Kenner und Interpret bolschewistischer Auffassungen und Absichten als ein britischer Winister! (Lang- anhaltender Beifall!) Wir stehen daher jedem Versuch einer Ausbreitung des Bolschewismus, ganz gleich, wo er auch stattfindet, mit Abscheu und dort, wo er uns selbst bedroht, in Feind­schaft gegenüber!

Daraus ergibt sich auch unser Verhältnis u Japan. Ich kann mich nicht der Auffassung jener Politiker anschließen, die glauben, der euro­päischen Welt einen Dienst durch eine Schädigung Japans erweisen zu können. Ich befürchte, daß eine japanische Niederlage in Ost - asten niemals Europa oder Amerika zugute käme, sondern ausschließlich dem bolschewistischen Sowjetrußland. Ich halte China nicht für seelisch oder materiell gekräftigt genug, um aus eigenem einem bolschewistischen Ansturm standhalten zu können. Ich glaube aber, daß selbst der größte Sieg Japans für die Kultur und den allgemeinen Frieden der Welt unendlich weniger gefährlich ist, als es ein Sieg des Bolschewismus sein würde. Deutschland hat mit Japan einen Vertrag zur B^ kämpfung der Komintern-Bestre- düngen. Es besaß zu China immer freund­schaftliche Beziehungen. Ich glaube, daß wir viel­leicht am ehesten als wirklich neutrale Zuschauer dieses Dramas gelten können. Ich brauche nicht zu versichern, daß wir alle den Wunsch hatten und haben, daß zwischen den beiden großen ostasiatischen Völkern wieder ein Zu st and der Beruhi­gung und endlich des Friedens eintreten möge. Allein wir glauben, daß es zu einem Frieden viel­leicht längst gekommen sein würde, wenn nicht g e -

Die ZremidHast mif Italien.

Wir sind daher glücklich, daß unsere antibolsche- wisttsche Einstellung auch von einem dritten Staat noch geteilt wird. Das deutsch-ita­lienische Verhältnis basiert auf dem Vor­handensein gemeinsamer Lebens- und Staatsauf­fassungen sowie auf einer gemeinsamen Abwehr der uns bedrohenden internationalen Gefahren. Wie sehr diese Empfindung in Deutschland Gemeingut des Volkes geworden ist, wurde am schlagendsten erwiesen durch die freudige Begeisterung, mit der der Schöpfer des faschistischen Staates im Reiche begrüßt wurde. Eine Erkenntnis, müsse allen euro« päischen Staatsmännern zu eigen sein: Hätte Mussolini im Jahre 1922 nicht durch den Sieg seiner faschistischen Bewegung Italien erobert, dann würde dieses Land vermutlich dem Bolschewismus verfallen sein. Die Folgen eines solchen Zusammen- braches wären für die abendländische Kultur aber nicht vorstellbar. Schon der bloße Gedanke an eine solche Möglichkeit wirkt auf einen Mann mit histo­rischem Blick und geschichtlichem Verantwortungs. bewußtsein grauenhaft! Die Sympathie, die Benito Mussolini in Deutschland ge^ßt, gehört daher einer Erscheinung von saekularem Ausmaß. Die Lage, in der sich Italien befindet, ist in mancher Hinsicht ähnlich der deutschen. Es war unter solchen Um­ständen selbstverständlich, daß wir, die wir unter einer gleichen Ueberbeoölferung zu leiden haben, Verständnis aufbringen für die Handlung eines Mannes und eines Reaimes, die nicht gewillt waren, ein Volk den phantastischen Idealen des Völkerbundes zuliebe zugrunde gehen zu lassen, son­dern vielmehr entschlossen waren, es zu retten, Dies

wisse Kräfte genau so wie im Falle von Abes­sinien auch in Ostasien ihren Rat und vielleicht das Versprechen moralischer Hilfeleistung zu sehr in die Waagschale der einen Seite gelegt hätten. Dieser Stellungnahme konnte wie die Dinge liegen* nur eine rein platonische Bedeutung zukommen. Wer iedoch am Ertrinken ist, greift nach jedem Strohhalm. Es wäre besser gewesen, China auf den vollen Ernst seiner Lage aufmerksam zu machen, statt, wie so oft, den Völkerbund als den sicheren Garanten des Friedens und der Sicherheit zu zitieren!

Ganz gleichgültig, in welcher Zeit und wie die Ereignisse in Ostasien ihre endgültige Lösung finden werden, Deutschland wird in feiner Abwehrstellung gegen den Kommunismus Japan stets als ein Element der Sicherheit betrachten und werten, und zwar der Sicherung der menschlichen Kultur. Denn es gibt für uns keinen Zweifel, daß selbst der größte japanische Sieg die Kulturen der weißen Völker nicht im geringsten berühren wird, ebenso aber auch keinen Zweifel darüber, daß etwa ein Sieg des Bolschewismus gerade der heutigen tausendjährigen Kultur der weißem Rassen ein Ende bereiten würde! (Stürmische Zustimmung.)

Ich möchte mich hierbei schärfstens verwahren gegen jene geistlosen Angriffe, die gegen Deutsch­land den Vorwurf erheben, wir würden durch unsere Haltung im ostasiatischen Konflikt gegen bie Interessen ber weißen Rasse ver­stoßen. So etwas in französischen ober englischen Zeitungen lesen zu müssen, regt uns wahrhaftig nur zum Staunen an. Daß ausgerechnet der wegen feinem Raffestanbpunkt fo heftig bekämpfte natio­nalsozialistische Staat nun plötzlich die Ehre erhal­ten soll, für Rassenideale, sprich besser Rasseninter­essen, vom Leder zu ziehen, ist auch ein Witz ber Weltgeschichte. (Heiterkeit.) Deutschlanb hat in Ost­asien keinerlei territoriale Interessen. Es hat ben begreiflichen Wunsch, Handel und Geschäfte zu be­treiben. Dies verpflichtet uns nicht, für die eine oder andere Seite Partei zu ergreifen. Wohl aber ver­pflichtet dies uns, zu erkennen, daß ein Sieg des Bolschewismus auch hier die letzten Möglichkeiten vernichten würde. Im übrigen hatte Deutschland einst s e l b st in Ostasien Besitzungen. Es verhinderte dies gewisse Mächte nicht, durch eine Koalition von Völkern weißer und gelber Rasse das Deutsche Reich von dort zu vertreiben. Wir wünschen heute wirklich nicht mehr eine Einladung zu erhalten, etwa nach Ostasien zurückzukehren!

Ebenso besitzt Deutschland keinerlei ter­ritoriale Interessen, die irgendwie Bezug haben könnten auf den furchtbaren Bür­gerkrieg, der zur Zeit in Spanien tobt. Die Lage ist dort ähnlich, wie wir sie in Deutsch­land selbst einmal erlebten. Der von Woskau aus personell und materiell inspirierte und durchgeführte Angriff gegen einen national unabhängigen Staat führt zum Widerstand der sich nicht abschlachten lassen wollenden nationa­len Bevölkerung. Und genau wie In Deutsch­land steht auch in diesem Fall die demo­kratische Internationale auf der Seite der bolschewistischen Brand- stifter. Die deutsche Regierung würde in einer Bolschewisierung Spaniens nicht nur ein Element der Beunruhigung Europas, sondern eine Störung des europäischen Gleichgewichts erblicken, denn so wie erst dieses Land zu einer Sektion der Woskauer Zentrale werden würde, bestände die Gefahr einer weiteren Ausbreitung dieser Seuche der Zerstörung und Vernichtung mit Folgen, denen roir-bann unter keinen Umständen gleichgültig gegenüberstehen könnten.

um so mehr, da ohne Zweifel diese scheinbaren Ideale des Völkerbundes sich ohnehin zu sehr decken mit den außerordentlich realistischen Interessen seiner Hauptmächte. Auch im Spanienkon­flikt haben Deutschland und Italien gleiche Auf­fassungen und daher auch eine gleiche Stel­lungnahme bezogen. Ihr Ziel ist es, ein nationales Spanien in vollkommener Unabhängigkeit sicherzustellen. Die deutsch­italienische Freundschaft hat sich aus bestimmten Ursachen heraus allmählich zu einem Element der Stabilisierung des europäischen Friedens entwickelt. Die Verbindung beider Staaten mit Japan stellt das gewaltigste Hindernis für ein weiteres Vor­dringen der russisch-bolschewistischen Gewalt dar.

Es wurde in den letzten Jahren sehr oft von Gegensätzen zwischen Frankreich und Eng­land einerseits und Deutschland andererseits geredet und noch mehr geschrieben. Es ist mir im einzelnen nicht klar, worin diese Gegen­sätze genauer substanziert liegen sollen. Deutsch­land hat in Europa, wie ich schon öfter als einmal betonte, an Frankreich keine terri­torialen Forderungen mehr zu stel­len. Wit der Rückkehr des Saargebiets hoffen wir, ist die Periode französisch-deutscher terri­torialer Auseinandersetzungen endgültig abge­schlossen. Deutschland hat auch mit (Eng- land keinerlei Streitigkeiten, es seien denn unsere kolonialen Dün- fdje, Es fehlt jeder Anhaltspunkt für einen