Iir.271 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Oberheffen)
10./20. November 1938
ten kann man sie haben. Die Christus-Legenden wurden sogar ins Grönländische übertragen, wobei sich die Schafe der bethlemitischen Hirten in Seehunde verwandelten. Alle Ehren, die die Welt zu vergeben hat, häufte man auf die schlichte, weißhaarige Frau. Sie ist Mitglied der Schwedischen Akademie und Ritter der Französischen Ehrenlegion. Als erste Frau erhielt sie den Nobelpreis, für „edle Idealität, Reichtum der Phantasie und seelenvolle Darstellung".
So konnte sie den Wunsch ihres Lebens sich endlich erfüllen: sie kaufte Marbacka zurück. Sie hat einmal geschildert, wie sie in Italien von namenlosem Heimweh gepackt wurde durch den Duft eines Astrachan- Apfels. Er gemahnte sie an den verwilderten Garten von Marbacka, an die alten Apfelbäume, die in der Blütezeit leuchteten „wie eine große Schneewehe im Morgenglanz" — nein, es gibt nichts Besonderes an Marbacka! Der blaue See mit den Floßwäldern, die von den Bergen kommen, ist weit entfernt: das Haus ist einfach und nicht so reich und vornehm wie Rottneros mit seinem Kavalierflügel, das Ekeby der Göfta-Berling-Saga. Aber dennoch wird sie immer fühlen wie die kleine Selma Ottilie Lovisa Lagerlöf, als sie 1873 bei ihren Verwandten in Stockholm ihrem Tagebuch anvertraute: „Dort werde ich alles vergessen, was mich betrübt hat, dort werde ich wieder froh und glücklich sein, denn auf Marbacka gibt es keinen Kummer und keine Sorgen."
Walther Schwerdtfeger.
Zeitschriften.
— „Der Bergsteiger." Deutsche Monatsschrift für Bergsteigen, Wandern und Schiläufen. Herausgegeben vom Deutschen Alpenverein. Alpenverlag F. Bruckmann K. G. & Holzhausen, München-Wien. Die Zeitschrift, die ihren 9. Jahrgang beginnt, ist durch die Beigabe der neuen „Mitteilungen des Deutschen Alpenoereins" umfangreicher geworden, während gleichzeitig der Bezugspreis gesenkt wurde auf 4,80 Mark für Alpenvereinsmit- glicder. bzw. 7,20 Mark für Nichtmitglieder. Das Oktoberheft bringt einen Beitrag: Nanga Parbat 1938, mit einem faksimilierten Brief, den die Expedition bei dem seit vier Jahren im ewigen Eis des Berges ruhenden Willi Merkl gefunden hat. Anschließend erzählen die Erstersteiger der Eiger-Nordwand ihre Erlebnisse. Fahrtenschilderungen, Volkskundliches, Erzählungen, Novellen, Gedichte, Meisteraufnahmen und ein farbiges Bild von Sepp Jnnerkofler als Standschütze runden den Hauptteil ab, während die „Mitteilungen" viel Praktisches für Bergsteiger und Schiläufer enthalten.
Aus der Stadl Gießen.
Totensonntag.
Trübe, graue Novembertage. Die Herbstnebel brauen über dem Land und zaubern gespenstische Formen hervor. Die Blätter gleiten zur Erde nieder. Die Natur schickt sich an, den Winterschlaf zu halten: Bilder des Welkens und Sterbens treten uns entgegen.
In diese Zeit fällt die Feier des Totensonntags. Ein Tag des Jahres ist dem Gedächtnis unserer Toten gewidmet. Ehe das alte Kircheniahr zu Ende geht, sammeln wir uns an seinem letzten Sonntag, um das Gedächtnis unserer Toten lebendig werden zu lassen. Tagelang vorher schon und am stärksten am Totensonntag selbst ziehen unabsehbare Scharen au den Ruhestätten der Verstorbenen, um sie zu schmücken. Lebendig wird im Herzen die Erinnerung an die, mit denen wir zusammenstanden, die im Leben mit uns verbunden waren und uns nun entrissen sind. Ehrfürchtig neigen wir uns vor der Macht des Todes.
Aber über dem Abschiedsschmerz um die Vollendeten und Heimgegangenen wird uns die Lichtgestalt dessen lebendig, „der dem Tode die Macht genommen und Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium". Im Glauben fassen wir die Hand des allmächtigen Gottes und sind gewiß: er ist der Herr über Leben unb Tvd. Das Ende dieses Erdenlebens ist dem gläubigen Christen der Anfang eines neuen, des wahren Lebens. Der Tod ist nicht mehr der mächtige Herrscher .wie ehedem, Gewalt und Stachel sind ihm genommen, seit Christus ihn überwunden hat, seitdem dürfen wir getrost singen: Kann uns doch kein Tod nicht töten, sondern reißt unfern Geist aus viel tausend Nöten.
Stätten des Friedens sind die Ruheplätze unserer Toten, wie Eingangspforten zum ewigen Leben, schon hier in dieser Welt errichtet. Jahrhunderte hindurch legte man den „Friedhof", den Gottesacker, dicht um die Kirche herum an. Ein wunderbarer Friede, etwas wie Ewigkeitsluft liegt über manchem unserer oberhessischen Kirchhöfe, fo schon über unferm alten Gießener Friedhof, der mit der Kapelle in der Mitte wie eine Insel des Friedens daliegt. Viel mehr gilt das aber von allein liegenden Friedhöfen mit ihren Kapellen, allen voran dem Toten- köppel bei Meiches im hohen Vogelsberg, Oberrod unweit Liederbach bei Alsfeld mit seiner trotzigen Wehrkirche oder dem Friedhof von Aulendiebach im Kreis Büdingen. Unwillkürlich kann den Besucher hier der Gedanke befallen: „Sieh' da, eine Hütte Gottes bei den Menschen. Wie ein Hauch aus einer andern Welt weht es uns da an heiliger Stätte entgegen, die Ahnung dieser künftigen Welt, in die unsere Entschlafenen uns vorangegangen sind, hat frommen oberhessischen Sinn Worte prägen lassen, wie jenes, das sich als Hausinschrift im Hüttenberg findet:
Wir bauen hier so feste und sind doch fremde Gäste. Doch, wo wir sollen ewig sein, Da bauen wir gar wenig ein.
Heilige Stätten sind uns Kirchhöfe und Begräbnisstätten. Die Liebe, die uns über Tod und Grab hinaus mit den Heimgegangenen verbindet, gilt auch ihren Ruhestätten, und unsere besondere Liebe gilt der Erde, in der die Gefallenen des großen Krieges ruhen und die Toten der Bewegung bis hm zu dem noch frischen Grabhügel des jüngsten Opfers, das nun in heimatlicher Erde bei Dü'seldors ruht. Ihr ungeheures Opfer steht lebendig vor uns am Totensonntag, der ja nach den Befreiungskriegen als Gedenktag für die Kriegsopfer ent-and. Nie darf ein in Glück und Glanz neu erstandenes Großdeutschland der ungeheuren Opfer blühenden lungen Lebens vergessen.
Sie haben überwunden, sind uns den Weg zur Ewigkeit vorangegangen. So gilt von ihnen, was einer von ihnen, der Dichter Walter lex, im „Wanderer Mischen beiden Welten" lagt: „Großen Seelen ist der Tod das größte Erleben. Wenn der
Lahrestagung des Volkshallenvereins
In den nächsten Wochen wird Gasheizung in die Volkshalle eingebaut
Am gestrigen Freitagnachmittag fand im Sitzunys- faal des Stadthauses. Bergstraße, die diesjährige Generalversammlung des Volkshallenvereins Gießen unter Leitung des Vereinsführers, Bürgermeister Professor Dr Hamm statt.
Zunächst erstattete der Dereinsführer den G e - schäftsbericht für das Jahr 193 7. Darin wird u. a mitgeteilt, daß die Inanspruchnahme der Volkshalle während des Geschäftsjahres 1937, wie in den vorhergehenden Jahren, zufriedenstellend war. Alle größeren Veranstaltungen der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht, der Verbände und großen Vereine fanden in der Dolkshalle statt. Die Ausgaben für das Gebäude wurden auf das Notwendigste beschränkt und Aufwendungen nur für seine Instandhaltung und für die der Einrichtungsgegenstände gemacht. Der in Aussicht genommene Außenputz des Gebäudes konnte noch nicht hergestellt werden Der Besuch der einzelnen Veranstaltungen im Laufe des Berichtsjahres war befriedigend, so daß die Volkshalle, im verkehrstechnischen Sinne gesehen, einen neuen Erfolg zu verzeichnen hat. Sowohl die städtischen Betriebe, als auch das übrige Geschäftsleben hatten durch die vielen auswärtigen Besucher einen erhöhten Vorteil zu verzeichnen.
Die Rechnung für 1937 schließt in Einnahme mit 20 032,36 Mark, in Ausgabe mit 19 932,36 Mark ab. Die Rechnung ist von den Rechnungsprüfern, Ratsherren Graylmann und Dr. W o l k e w i tz, geprüft und in Ordnung befunden worden.
Hierauf erfolgte die fatzungsgemaße Auslosung der alljährlich fälligen 50Anteilscheine. Das Ergebnis der Auslosung wird in den nächsten Tagen in der Presse zur öffentlichen Kenntnis gebracht werden.
Sodann wurde ein für die Dolkshalle bedeutsamer Entschluß gefaßt. Es- soll in den nächsten Wochen eine Gasheizanlage in die Volkshalle eingebaut werden. Diese Gasheizung soll noch im Laufe dieses Winters, voraussichtlich etwa im Januar, betriebsfertig sein, so daß dann die Heizung der Dolkshalle stets in ausreichender Weise erfolgen kann. Ferner wurden einige Jnstand- setzungsarbeiten in der Wohnung des Hausmeisters beschlossen.
Als Rechnungsprüfer für die Rechnung 1938 wurden die Ratsherren Grahlmann und Dr. W o l k e w i tz wieder bestimmt.
Familienwapprn.
Vortragsabend im Oberhessischen Geschichtsverein.
Klub Gießen: 10.30 Uhr, vom Universitäts-Sportplatz Waldlauf.
Spielplan des Sladltheaters vom 20. bis 27. November.
Am Sonntag, 20. November (Totensonntag) findet die 5. Morgenveranstalkung des Stadttheaters statt. Die Morgenfeier bringt von Johann Sebastian Bach „Konzert für zwei Violinen und Streichorchester in d-moll", Lieder aus der Kantate „Gottes Zeit" und die Kantate Nr 56 .Hch will den Kreuzstab gerne tragen". Die Leitung hat Kapellmeister Heinz Markwardt. Pünktlich 11.30 lihr Beginn. Ende der Morgenveranstaltung 12.30 Uhr. — Am Abend findet eine Wiederholung des großen Erfolges „Fidelio", Oper in zwei Aufzügen von Ludwig van Beethoven statt. Musikalilche Leitung Daul Walter, Spielleitung Hermann Schultze-Gries- heirn. Leitung und Einstudierung der Chöre Heinz Markwardt. Die Vorstellung findet außer Miete statt und beginnt um 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr
Dienstag, 22. November, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr': „Fidelio", Oper von Ludwig van Beet- Hoven. Musikalische Leitung Paul Walter. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim. Dienstag- Miete, 8. Vorstellung.
Mittwoch, 23. November, Anfang 19.30 Uhr, Ende geaen 22 Uhr: Uraufführung in Anwesenheit des Uebersetzers „Das Weib des Andern", Schauspiel in drei Akten von Lope de Vega, deutsche Nachdichtung von Hans Schlegel. Mittwoch-Miete. 9 Vor-
Der Oberhefsische Geschichtsverein in Gießen und die Hessische familiengeschichtliche Vereinigung hatten ihre Mitglieder und'Gäste für den gestrigen Freitag zu einem Vortragsabend in die Aula des Gymnasiums eingeladen. Eine stattliche Anzahl Zuhörer fand sich ein.
Studienrat Dr. Glöckner eröffnete den Abend mit einem Hinweis auf die Ziele des Vereins, der der Förderung der Heimatliebe dienen will. Er würdigte die selbstlose Arbeit der Mitglieder im Dienste der Herausgabe der „Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins" und die Mitarbeit im Dienste unserer Universitäts-Bibliothek, der der Geschichtsoerein mit seinem Werk einen ansehnlichen Tauschverkehr ermögliche. Nachdem Dr. Glöckner noch auf einige Neuerscheinungen, insbesondere auf den Band „Die Kunstdenkmäler in Hessen" (Kreis Gießen, nördlicher Teil) hingewiesen hatte, sprach er noch kurz über das Winterprogramm des Vereins.
Sodann sprach Reg.-Rat Schäfer (Darmstadt) in grundsätzlichen Ausführungen über „Familienwappen". Nach einleitenden Bemerkungen über die Entstehung der Wappen, die erstmalig als Erkennungszeichen bei mittelalterlichen Turnieren von den Rittern getragen wurden, machte der Vortragende zunächst "mit den Bestandteilen der Wappen (Schild mit Schild'bild, Helm mit Helmdecken und Helmzier) und mit den heraldischen Regeln und Stilarten bekannt. Sodann gab er viele interessante Beispiele von Annahme, Veränderung und Auffindung insbesondere hessischer bürgerlicher Wappen und nannte Literatur über das Wappenwesen. In ein
gehenden Darlegungen hörte man weiter über den Erwerb und die Berechtigung zur Führung von Familienwappen, wobei der Vortragende besonders hervorhob, daß niemand kurzerhand das Wappen einer fremden Familie, wenn auch gleichen Namens, annehmen dürfe. Das Familienwappen hafte nicht am Namen, sondern am Geschlechte. Zahlreiche bürgerliche Familien führten in früheren Jahrhunderten Familienwappen, die aber im Laufe der Zeit verlorengingen. Um sie wieder zu finden, bedürfe es eifriger familiengeschichtlicher Studien, denn durch Nachforschung in Archioalien, an Grabsteinen der Vorfahren und durch Nachfrage bei Seitenoerwandten könne manches früher geführte Familienwappen ermittelt werden. Erst wenn diesen Bemühungen der Erfolg versagt sei, empfehle es sich, ein neues Wappen anzunehmen. Dabei sei aber zu beachten, daß nicht ein bereits von einer anderen Familie geführtes Wappen gezeigt, sondern ein neues gefunden werde. Selbstverständlich sei Voraussetzung, daß die heraldischen Grundregeln beachtet würden. Es erscheine deshalb zweckmäßig, wenn sich Laien auf diesem Gebiete von zuverlässigen Familienforschern, von Heraldikern ober von einem kamiliengeschichtlichen Verein berufen lassen. Zum Schluß wies der Redner aus die Bedeutung der Familienwappen hin, die darin bestehe, den Familiensinn zu fördern und zu vertiefen, das Familienbewußtsein und damit das Volksbewußtsejn zu verstärken.
Dem Redner dankte lebhafter Beifall für feine interessanten Darlegungen.
stellung. "
Freitag, 25. November, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr: „Dichter und Bauer", Operette von Franz von Suppe. Musikalische Leitung Joachim Popelka. Spielleitung Gert Buchheim. Freitag-Miete, 9. Vorstellung.
Sonntag, 27. November, Anfang 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr: Erstaufführung „Frau Holle", ein Märchen von Walter Osterspey. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim. Musikalische Leitung Heinz Markwardt. Außer Miete. — 19 bis 22 Uhr „Dichter und Bauer", Operette von Franz von Suppe. Außer Miete.
Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde.
Nächsten Donnerstag Lichtbildervortrag von Dr. Helbig über das Thema „Auf Fußpfaden quer durch Borneo".
Das wahre Gesicht der Weltfreimaurerei.
In einem am Dienstag, 22. November, um 20.30 Uhr in der Aula der Universität stattfindenden Vortragsabend der Volksbildungsstätte und des NSD.- Dozentenbundes spricht Richard Scherer über das obengenannte Thema.
Zwei sudetendeutschc Dichter lesen in Gießen.
Ans Einladung des Goethe-Bundes und Kaufmännischen Vereins, sowie des VDA., Ortsgruppe Gießen, werden, wie man uns schreibt, am kommenden Montaa abend die beiden sudetendeutschen Dichter Gottfried Rothacker und Friedrich Boden- re uth aus eigenen Werken lesen. Rothacker und Bodenreuth sind zwei hervorragende Vertreter des sudetendeutschen Schrifttums.
Erdentag zur Rüste geht und sich die Fenster der Seele, die farbenfrohen Menschenaugen, verdunkeln wie Kirchenfenfter am Abend, blüht in dem verdämmernden Gottestempel des sterbenden Leibes die Seele wie das Allerheiligste am Altar unter der ewigen Lampe in dunkler Glut auf und füllt sich mit dem tiefen Glanz der Ewigkeit".
Ja: der Tod ist verschlungen in den Sieg. —P-
Vornotizen
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Stärker als die Liebe". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „grau
Sixta". — Oberhessischer Kunstverein: 16 bis 18 Uhr Ausstellung „Das alte und meue Gießen" im Turmhaus am Brand.
Tageskalcnder für Sonntag.
Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr, „Johann Sebastian Bach": 19 bis 21.30 Uhr „Fidelio". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Stärker als die Liebe". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Frau Sixta". — Johanneskirche: 17 Uhr, 30. Musikalische Abendfeier. — Oberhessischer Kunftverein: 11 bis 13 Uhr und 16 bis 18 Uhr, Ausstellung „Das alte und das neue Gießen" im Turmhaus am Brand. — Schi-
WHW., Ortsführung Gr'eßen-Süd.
Am Montag, 21., Dienstag, 22. und Mittwoch, 23. November findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd die Pfundsammlung für den Monat November durch die NS.-Frauenschaft statt. Die Einwohnerschaft der Ortsgruppe wird gebeten, die Pfundpäckchen bereitzuhalten.
WHW. Ortsgruppe Gießen-Mitte.
Detr.: Pfundspende.
Am Dienstag, 22., und Mittwoch, 23. November, werden die Pfundspenden durch die NS.-Frauen-
Marbacka.
Z« Telma Lagerlöfs 8V. Geburtstage am 20. November.
Marbacka ist ein bäuerlicher Herrenhof oben m Värmland, an einem ausgetrockneten Bett der Frykenseen. Zwischen hundertjährigen Ahornbaumen steht das moosgedeckte Herrenhaus mit Jemen meb« rigen Stuben. SchMall und ®ermb^auier Haben noch alte Feldsfeinmauern von zwei Ellen Dicke, die einer Belagerung Stand halten konnten. Hmter dem Garten dehnen sich Roggenfelder und ^sche Kleeweiden: zwischen den Weckern stehen Birken, Ickmeeleucktend in der Sonne Schwedens. /Reuen weit entfernt ist die eben gebaute Eisenbahnstrecke und die Landstraße mit den schwerfälligen Fuhr- werken. Marbacka ist Stille und Gluck.
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts sitzt hiec der Leutnant a D. Lagerlöf: aber an größeren Liebe, die man hier zu Studlen und Buchern hat, merkt man noch immer, daß Marbacka einst em Pfarrhof gewesen ist.
Das ist die Welt, in der die kleine Selma Lagerlöf aufwachst. Es ist eine Welt, in der Traum u Wirklichkeit unmerklich memanderfließen. In kwn Arm der verschlossenen Kindermagd Back Kasia ge duckt hört das kleine Mädchen der Großmutter zu, die von Nixen, Trollen und der Jreg aählt Sväter kennt es auch all die tollen Gelcyicyre fö M. der Bater «
Värmland in jedermanns Munde sind. Noch eben einige der Helden, mit schwofen Pensionen bet Bauern eingemietet: und manchmal fahr s^ ihren ausgedienten Chaisen mit den uralten Hiep pcrn über Land auf die großen Herrenhose. Gespenster^einernerfunfenen Zeit. Auf dem Dachboden in Marbacka hängt das Bildnis emer schonen Dame mit npnuherfem Haar, tue im Mittelpuntl meier Geschichten stund. Noch dem Bilde steht man.esi an, daß die Ratsherrn, das Domkapitel und alle chutten besttzer Därmlands Polka tanzten au dem Markt- platz von Karlskrona, wenn sie nur mit dr F g winkte. _
Bücher aber sind das Schönste. Da fein heißt „Oceola". Wochenlang erlebt das k eme Mao chen in der Stille von Marbacka Gluck und O W ren edelmütiger Helden und kalter Sch • dieser Stunde an steht es unwiderruflich fest für, ' daß sie Schriftstellerin werden muß. Eines xages -sie war schon die graste Lagerlöf ~ es in einer Bahnhofsbuchhandlung wieder.
Erwartung begann sie in diesem Buch zu lesen, das einst ihren Lebensweg bestimmt hatte. Aber der Zauber der Kindheit war verflogen. Es blieb ein kitschiger, schlecht übersetzter englischer Jndianer- schmöker. .
Selma Lagerlöf geht die Malmskillnadsgatan m Stockholm herunter. Sie kommt aus einem Kollo- quim über Literaturgeschichte im Seminar; seit eim-
(Scherl-Bilderdienst-M.)
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gen Monaten bereitet sie sich auf den Beruf einer Volksschullehrerin vor. In ihren freien Stunden aber schreibt sie Novellen von edelmütigen Helden und kalten Schurken, von romantischen Abenteuern in einer Walter-Scott-Welt. Und sie wartet, dah wie in Andersens Märchen jemand m den Mao- dien aus Marbacka die wirkliche Prinzessin entdeckt. Doch während sie grübelt, warum niemand ihre Geschichten drucken will, geschieht in der nüchternen Stockholmer Geschäftsstraße das Wunder. Don der herbstlich verschleierten Norrbro her kommen die Gestalten der Heimat auf sie zu: der gichtbruchm, Fähnrich, der aus dem Bett kriecht, um die Ca- chucha zu tanzen, der sanfte Lövenborg, der auf dem Holztisch in Verzückung Beethoven fp'elt ipr ift, al« schwankten die grauen Häuser der Malmskillnadsgatan. „3n dieser Stunde beschloß das junge
Mädchen, die Geschichte der Därmlandkavaliere zu schreiben, und sie gab diesen Gedanken nie mehr auf. Aber viele lange Jahre währte es, bis der Entschluß zur Ausführung kam."
Viele, lange Jahre versucht sie das Unmögliche: in der photographisch realen Prosa der Zeit — es ist die Zen Ibsens und Zolas — jene „Geschichten von Gespenstern und wilder Liebe, von wunderschönen Damen und abenteuerlustigen Kavalieren" zu schreiben. Das Epos von Värmland. Sie ist inzwischen dreißig geworden. Der Vater ist gestorben, Marbacka in andere Hände übergegangen. Und als sie eines Tages den väterlichen Herrenhof wieder- sieht, mit brüchigen Umfassungsmauern und unkrautüberwucherten Gräben, da nimmt sie Abschied von ihrem Traum. Es ist der schwerste Verzicht ihres Lebens. In aller Demut will sie nun ihr Buch schreiben, „die alten Geschichten, den Frieden der sorglosen Tage und der schönen Landschaft mit den langen Seen und den blauen Bergen zu bewahren". Sie bemüht sich nicht mehr, Carlyles ehrfürchtig bewunderten Stil nachzuahmen. Sie schreibt — eine namenlose Schullehrerin in Landskrona — nun „mit ihrer ganzen Kindlichkeit und allen ihren Träumen". Und so schenkt sie, in Enttäuschung und Verzicht, der Welt ein klassisches Werk: die Gösta- B e r l i n g - Saga.
Kränklichkeit, Ehelosigkeit, weite Reisen und lebenslange Arbeit mit Büchern hafte die Pastorin- Großtante Wennervik an einem Novemberabend 1858 für das neugeborene kleine Mädchen des Leutnants Lagerlöf geweisfagt, und sie hatte ein wenig gekränkt die Karten wieder in ihrem Ridikül verstaut, als man sich von dieser Zukunft nicht besonders entzückt zeigte. Die Karten der Pastorin haben nicht gelogen. Voll von unermüdlichem Schaffen ist das Leben der Selma Lagerlöf. Sie schrieb den Roman der dalekarlischen Bauern, die von einem Wanderprediger erweckt nach dem Heiligen Lande als Siedler ziehen und sich doch vor Sehnsucht nach den roten Holzhäuschen am Dalülv verzehren. Sie erzählte die innig-zarten Christus-Legenden und die unheimliche Ballade von Herrn Arnes Schatz. Sie zeigte die Schönheiten ihres Vaterlandes, indem sie den kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen durch Schweden reifen ließ. Mit der Reife des Alters und der Kraft der Jugend vollendete sie die Reihe der Lövenskjöld- Romane mit dem „M ä.dchen von Dalarn e". Immer wieder ist ihr Herz bei den Menschen und den sagenumwobenen Herrenhöfen der Heimat. Ack Värmeland, du sköna, du härhga land!
Ihre Bücher sind in die seltensten Sprachen übersetzt. In Bengali sowohl wie in armenischen Dialek-


