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Kür den Büchertisch.

Las Lasas vor Karl V

in.

Durch die Keimt und die weite Wett

nur klar

dem Völker-Schmelztiegel der bereinigten Staaten. Dos macht das Land aud) so besonders anziehend für Reisende wie Gerd Düesberg, der ebenso unbe­kümmert wie er einer ihm ins Haus flatternden Jagdeinladung über den Atlantik fast an das an- dere Ende der Welt Folge leistet, nun auch unbc- schwert und voraussetzunaslos sich mit offenen Augen umschaut und das Erlebte mit der frischen Un­mittelbarkeit des Jägers berichtet. Es sind keine romantischen, aufregenden Abenteuer berühmter Nimrode, die er zu erzählen hat, trotzdem sind seine Berichte vom Leben in einsamer Jagdhütte weit ab von ben. letzten Spuren menschlicher Zivilisation, von der Pirsch auf Äch und Bär in der unberühr­ten Großartigkeit des Urwaldes für jeden von gro­ßem Reiz, der sich aus seiner Bubenzeit den Sinn und die ungestillte Sehnsucht für solche Robinsona- den eines primitiven Jägerlebens im Urwald be­wahrt hat. Die weite Fahrt zu diesem idealen Jagdparadies am Kleinen Sklavensee erst auf dem gewaltigen' St.-Lorenzstrom an den kanadischen Großstädten vorbei, dann an den großen Seen entlang durch die unendlichen Weizenfelder Winni­pegs und die gigantische Gebirgswelt der Rocky Mountains nach den Wolkenkratzern Vancouvers, seinen herrlichen Obst- und Blumengärten an der warmen Küste des Pazifik, diese lange Hinfahrt hat ebenso wie die weite Rückreise über Neuyork un­serem Jägersmann Gelegenheit gegeben, in einener Anschauung wie in vielen Gesprächen interessante Eindrücke zu sammeln, die er in fernem Buch zu einem aufschlußreichen und fesselnden Bericht über das kulturelle und wirtschaftliche Leben Kanadas zusammengefaßt hat. eein besonderes Augenmerk hat er auf das Deutschtum in Kanada gerichtet, über dessen Stellung dort er viel beachtenswerte Einzelheiten beizubringen weiß. So gehört dies le­bensnahe Fahrtenbuch mit den vielen interessanten Abbildungen, die der Verfasser nach eigenen Aus- nahmen beigesteuert hat, weit über den Kreis der Freunde der Jagd in die Hand aller derer, die von einem zukunftsreichen auf weite Strecken noch saft unberührten Lande wie Kanada sich ein anschau­liches Bild machen möchten. Fr. W. Lange.

interessanten Karten würden in anderem karto graphischen Verfahren gewiß einprägsamer sein. Fr. W. Lange.

Reinhold Schneider: Las Cosas vor Karl V., Szenen aus der Kvnquistadorenzeit,

Ewiger Schah deutscher Lyrik.

21 us dem ewigen Schatz deutscher Lyrik" nennt sich eine sorgfältig ausgewählte und liebevoll ausgestattete Buchreihe des Verlages Rütten & Loening in Potsdam, deren erste. Serie bereits vor einiger Zeit herausgekommen und an dieser Stelle angezeigt worden ist. Inzwischen sind eine Anzahl neuer Bändchen erschienen (322), welche die verdienstliche und sehr begrüßenswerte Sammlung ausbauen und fortführen.Das e w i ge Beginnen" enthält Gedichte von Herder, die allermeist auch dem Gebildeten kaum bekannt sein werden. Unter der gemeinsamen ÜberschriftS e - lige Rückkehr" hat der Herausgeber Alfred Gerz Gedichte von Hölderlin, Novalis und Wacken­roder (dem Verfasser derHerzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders") bewußt zusammen- gefaßt: HölderlinsBrot und Wein" und dieHym­nen an die Nacht" von Novalis bilden das Kernstück des Bändchens und erscheinen in beziehungsvoller Nebenanderstellung als bedeutendste Zeugnisse früh- romantischer Lyrik in Deutschland.D a s unend­liche Sehnen" mit Gedichten von Tieck, Arnim und den beiden Schlegels führen die Linie weiter; imRomantischen Regenbogen" finden sich neben so berühmten Namen wie Kleist, E. T. A. Hofsmann und Philipp Otto Runge (den die meisten nur als Maler kennen), neben Fichte und Arndt, Fouque und Chamisso, Jmmermann und Zacharias Werner auch roeiliger populäre Erscheinungen aus dem Kreise der späten Romantik wie D. A. Assing, Feuchtersleben und K. F. G. Wetzel, der vermutliche Verfasser derNachtwachen des Bonaventura". Mancher Leser wird überrascht sein, den Verfassern so bekannter Lieder wieIm Krug zum grünen Kranze",Am Brunnen vor dem Tore" undEs ist bestimmt in Gottes Rat" hier zu begegnen.D a s 3 a über glas" stellt eine Reihe der besten und charakteristischsten Gedichte von Platen und Rückert nebeneinander. Die Schwaben Uhland, Kerner, Schwab, Hauff und Waiblinger begegnen sich in dem BändchenDer S om m e rf a d e n": bemerkens- wert, wie vieles von dieser Lyrik heute zum festen Bestand echter Volksliedpoesie gehört.Das Spie­gelbild" enthält Gedichte der Droste, auch minder bekannte als die in fast allen Sammlungen wieder- kehrenden.Ziel und Grund" endlich bringt eine Auswahl aus der gedankenvollen Lyrik Heb­bels. Jedes der geschmackvollen Bändchen kostet nur 1,20 Mark, jedes ist eine kaum veraltende Be­reicherung auch der kleinsten Bücherei. Die Samm­lung wird fortgesetzt; mir benutzen den Anlaß, nach­drücklich auf sie hinzuweisen: hier finden sich Schätze aus dem ewigen Vorrat unserer Dichtung, die es verdienen, vom deutschen Volke gekannt, bewahrt und geliebt zu werden. fjans/Thynot.

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der Maya und Inka und der westindischen India­ner unter die Herrschaft der Spanier zu Beginn des 16. Jahrhunderts ist eines der dunkelsten Ka- pitel der Menschheitsgeschichte. Denn hier wurden in ihrer Art hochstehende Völker mit ausgeprägter politischer Organisation, starkem künstlerischem Emp­finden und feinausgebildetem religiösem Gefühl unter dem Vorwand, ihnen das Christentum zu bringen und damit der ewigen Verdammnis zu ent­reißen, aus purer Verständnislosigkeit und nackter Habgier nicht nur materiell vernichtet, sondern auch in ihrer Seele getroffen, ein Schlag, den sie niemals mehr verwunden haben. Es hat schon damals Män­ner gegeben, die diesen Mißbrauch des göttlichen Wortes ein Verbrechen naimL'u. Der Dominikaner­mönch Las Casas, der einst selber als junger Ritter im Ausbeuterheer der Konquistadoren mit nach Westindien gezogen war, wurde zum beredtesten

Für unsere Kinder.

Griechische Heldensagen. Neu erzählt von Herbert Kranz. 253 S. mit 8 Tafelbildern. Leinen 5,80 Mark. 1938. Franck'sche Verlagshand- lung, Stuttgart. (413) Sinn für Einfachheit und Größe früher Dichtung und lebendiges Sprach­gefühl bewährt sich in der von Herbert Kranz be­sorgten Neuausgabe der Griechischen Heldensagen. Mit sicherer Hand scheidet er alles philologische Beiwerk und alle spätere Zutat aus, um den ur­sprünglichen epischen Gehalt klar herauszuarbeiten, das Bild der Helden und ihrer Taten rein und un- verfälscht wirken zu lassen. Klar und herb ist die Lust, die um die Gestalten des Prometheus, des Herakles, des Perseus und Thefens weht, kühn und abenteuerlich ist der Zug der Argonauten, voll Leben und Farbe der Kampf um Troja, seltsam un­menschlich ergreifend die Irrfahrt des Odysseus.

Arno Reißenweb er: Dem Vater- land will gedienetsein! Dem Leben Ulrichs von Hutten nacherzählt. 192 Seiten. Mit einem Titelband und 30 Bildern im Text von Willy Planck. Ganzleinen 4 Mark. (Herold-Verlag, Stuttgart.1) (447) Der Verfasser gibt mit seinem neuen Buche im Huttenjahr eine wertvolle Darstellung des aben­teuerlichen und wechselvollen Lebens dieses Helden deutscher Ksistesgeschichte, den besonders unsere Ju­gend in seinem schweren Kampfe um die Befreiung der deutschen Seele kennenlernen sollte.

Das Buch vom Weihnachtsfest. Nach einer Idee von Irmgard Kerckhofs. Mit Bildern von Lore Friedrich-Gronau. Verse von Herbert Kranz. 1.85 Mark. Josef Scholz Verlag, Mainz 1938. (433) Ein Weihnachtsbilderbuch, wie wir es heute für die deutsche Jugend wünschen. Frohe Kinderlust strahlt aus den Versen von Herbert Kranz ebenso wie aus den leuchtenden Bildern von Lore Friedrich- Gronau. Die beliebtesten Weihnachtslieder (mit künstlerisch eingeflochtenem Notensatz) beschließen das Buch.

Dies und Das. Ein Bilderbuch voll lust'ger Sachen von Susanne Harzdorf. (Sütterlinschrist.) 1,80 Mark. Verlag Joses Schal,;, Mainz, 1938. (433) Immer wieder werden die Kleinen in die­sem unverwüstlichen Bilderbuch von vorne anfan­gen wollen. Lustig farbig sind 36 Dinge aus dem Lebenskreis der Kleinen humorvoll aneinandergtz- reiht. Die Dreijährigen werden so tun, als ob sie das alles schon lesen könnten, und die Geschwister, die eben zur Schule gekommen sind, werden voll Stolz dieses Buch als erstes Lesebuch benützen.

Anwalt der Unterworfenen. Seine von glühendem Bekennermut getragene Propaganda erzwingt eine Aussprache vor dem Indien-Rat Karls V. und schließlich die Entscheidung des Kaisers, die den Eingeborenen der spanischen Kolonien Freiheit und Menschenwürde wieder geben soll. Für Reinhold Schneider, den Dichter und Geschichtsschreiber, spitzt sich der Kampf zu der Frage des Verhältnisses von Staat und Religion zu. Wir kennen eine ähnliche Problemstellung aus seinen früheren WerkenDas Jnselreich" undKaiser Lothars Krone". Las Easas glaubt, das Christentum dürfe in Westindien nur mit den Mitteln des Glaubens verbreitet werden, feine Gegner wollen die Indios erst mit der Schärfe des Schwertes dem Staat unterwerfen, bevor man ihnen das Kreuz bringt. Las Echos trifft auf der stürmischen Ueberfahrt nach Spanien, wo er vor den Kaiser treten will, mit einem Ritter zusammen, der, von Fieber geschüttelt, ihm die furchtbare Beichte eines verpfuschten Lebens ablegt. Noch einmal findet der Mönch seine eigenen (Erfah­rungen bestätigt von den unmenschlichen Frevel- taten, zu denen sich die spanischen Abenteurer in hemmungsloser Goldgier verleiten ließen unter dem Vorwand, damit ein Gott wohlgefälliges Werk zu tun. Des Las Cafas feurige Beredsamkeit nennt vor dem Jndienrat diese Heuchelei bei Namen und

DeuMe Erzähler.

Ernst Adolf Dreyer: Hans Fried­rich B l u n ck. Sicht des Werkes. 352 Seiten. Geb. 7,80 RM. Im Alemannen-Verlag, Stuttgart. (474.) Der Dichter Hans Friedrich Blunck, der vor kurzem fünfzig Jahre alt und aus diesem An­laß mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet wurde, ist unfern Lesern seit vielen Jahren als ständiger Mitarbeiter am Feuilleton und an der Unterhal­tungsbeilage wohlbekannt; manche werden sich auch der persönlicheren Begegnung mit ihm entsinnen, als er im Goethe-Bund bei uns zu Gast war. Bluncks Werk breitet sich, da er auf der Höhe des Ledens steht, mit einer imposanten Vielfalt und dennoch allenthalben spürbaren inneren Geschlossenheit vor uns aus. Dem, der es kennt, und dem, der es sich er chließen möchte, wird ein Buch wie das hier vor­liegende erwünscht sein, bas die Vielfalt aus der Einheit der Persönlichkeit begreift, überschaut und erschließt; die Ausgabe stellt eine neu bearbeitete und erweiterte Fassung der 1933 zuerst erschienenen Schrift dar. Dreyer ist seit Jahren mit dem Wesen und Wirken des Dichters vertraut; in der Verbin­dung einer Darstellung und Deutung von Bluncks Werk mit charakteristischen Beispielen daraus wird das Buch seiner zwiefachen Aufgabe gerecht: den Leser einzuführen und dem Dichter seinen Standort im Raume des deutschen Schrifttums.anzuweisen. Die eingestreuten Bilder und eine umfängliche Bibliographie am Schluß sind willkommene Bei­gaben Hans Thynot

_ Gottfried Rothacker: Bleib stet! 14 Volksgeschichten. 168 Seiten. Leinen 3,50 9RarE. Verlag Albert Lanaen-Georg Muller, München, 1938 (406) Äit jeder dieser Geschichten lernen wir das Land und Volk der Sudetendeut. fchen besser begreifen und heben; fie erschließen uns in Sage, Geschichte und politischen Ereignissen der jüngsten Vergangenheit Geist und Seele dieser deustchen Stammesgemeinschaft. Da geht die Rede von dem Riesen-Dan, der vor Zeiten in den un­ergründlichen Wäldern hauste, und von dem trotzi­gen Knecht Jonas, dek als

tums feinen Mann stand, da ist das $cIöenI.1 oon dem Opfertod der Brüder Gorenz und den rühmlichen Taten der letzten 3a^r5^nte' aUeb samt unvergängliche Beispiele deutscher Kraft uno Größe sind/So erweisen sich'diese ®e$^eit den Worten dessen, der fie lA^b ln Wahrheit Geschichten, die man erzählt bei den Deustchen, weit draußen im Osten, wo em Ramges Schicks fQf her Drang des eigenen Blutes Jie ginge Mt bat in @«to4tertr«6 ihr«- Volkes".

heftigen innerpolitischen Kämpfen feines Landes als klar blickender Politiker bewähren müssen, bis der Zusammenbruch ihn vor den kühnen Entschluß stellte, sein Volk gegen das Diktat von Sevres noch einmal hochzureißen und nach dem Sieg über Grie­chen und Ententetruppen den Neubau des türkischen Staates zu beginnen. Undurchsichtig, wie die Welt des Ostens überhaupt, ist auch die Persönlichkeit Tschiangkaischeks. Daher ist der kurze Aus­schnitt aus dem Werden des großen chinesischen Führers, den der Verfasser an den Schluß seines Buches stellt, besonders interessant und aufschluß­reich, seine Laufbahn als Offizier, sein Weg zu Sunyatsen und sein Kampf gegen Moskaus Emis­säre in der Kuomintang. Mit der Niederwerfung Tschangtsolins, dem Diktator des Nordens, schließt die Skizze. Der Verfasser hat es verstanden, nicht die politische Idee dieser Kampfer für ihr Volk herauszustellen, sondern bringt uns auch die

E. G. Kolben Heyer: Das gottge­lobte Herz. Roman aus der Zeit der deutschen Mystik. 537 Seiten. In Seinen 7,50 Mark. Albert Langen/Georg Müller, München, 1938. (317) Kolbenheyers neuer großer Roman schließt inner­lich folgerichtig an die früher erschienenen Werke an, welche den Gestalten des Paracelsus und des Jakob Böhme gewidmet waren, obwohl diese beiden zeitlich viel später in der deutschen Geschichte auf­tauchen und ihre Spuren hinterlassen. Gemeinsam erscheint aber, daß sich der Erzähler hier wie dort an- gezogen fühlte von einer Zeit höchst merkwürdiger Spannungen sozialer, politischer und vor allem geistig-religiöser Art. Dem durchschnittlich Gebilde­ten werden, wenn oon deutscher Mystik die Rede ist, die Namen des Meisters Eckhart, Taulers und Susos einfallen; er wird aber mit diesen Namen kaum mehr als die Vorstellung einer eigentümlichen reli- giäfen Steigerung, Entrückung und Verzückung ver­binden, die den heuttgen Menschen gemeinhin fremd und jedenfalls sehr historisch anmuten wird ... chon deshalb, weil ihm kaum noch die inneren und äußeren Voraussetzungen gegenwärtig sein werden, welche zu einem derartig gesteigerten Lebensgefühl, einer so leidenschaftlich hingegebenen Vergeistigung und Verinnerlichung führte, daß körperliche Existenz und tägliche Umwelt am Ende nur noch als lästige Bürde und peinlicher Erdenrest empfunden wurden. (Hier deuten sich schon das ungesund Ueberhitzte, die ans Krankhafte grenzenden Auswüchse der Be­wegung an.) Kolbenheyer stellt in den Mittelpunkt feines breit angelegten, figuren- und bilderreich aus­ladenden Romans die Gestalt der Margarete eb­ner, die zu den bedeutendsten Frauengestalten der Mystik gehört. Aus einem Donauwörther Patrizier- Hause stammend und schon in zarter Kmdhett der Kirche angelobt, nimmt sie nach dem jähen Tode, des Vaters den Schleier und tritt in das Nonnen- klafter zu Maria-Medingen ein. In der stufenweisen, schmerzlich-verzückten Entwicklung, welche die Schwe­ster Margarete in der klösterlichen Einsamkeit, ab­seits und ausgezeichnet vor ihren Mitschwestern,

durchläuft, steigert fie sich zu jenem mystischen Er­lebnis der Einswerdung mit Gott, das für die Be­wegung charakteristisch genannt werden darf. Wenn auch die entscheidenden Stationen dieses Lebens­laufes das eigentliche Thema Kolbenheyers bilden, so liegt für einen größeren Leserkreis, wie uns scheint, das Schwergewicht feines Buches doch wohl in der Schilderung eines sehr viel breiteren Lebens- raumes, innerhalb dessen sich die (schon damals mit Recht als ungewöhnlich und außerordentlich emp­fundene) Erscheinung der Ebnerin entfalten konnte: hier lesen wir zwar die äußere und innere Ge­schichte ihres irdischen Wandels, zugleich aber auch einen Roman aus dem deutschen Mittelalter schlecht­hin, das sich überaus plastisch, farbenreich und wirk­lichkeitsnah vor uns auftut. Die Zeit des ausgehen­den dreizehnten Jahrhunderts in ihrer politischen, sozialen und religiösen Bewegtheit und Erregung, mit ihren weltlichen, geistlichen, bürgerlichen Sorgen, Händeln und Kämpfen wird lebendig, und es gibt eine Reihe von Szenen und Bildern in dem Ro­man, welche die Phantasie des Lesers mit einer ganz unmittelbar überzeugenden Kraft der Gestal­tung bewegen und anregen: Brand und Berennung einer Stadt; bürgerliche Abendmahlzeit vor dem Osterfest; nächtliche Liebesszene; eine Kinder schul- stunde; Gespräch und Streit der Bürger in der Schenke; die feierliche Einkleidung im Kloster; könig­liches Hoflager; die Ritterschlacht bei Mühldorf; das Zwiegespräch zwischen Papst Johannes und Mei­ster Eckhart: dies sind nur einige von zahlreichen Szenen, in denen dem Leser eine sehr ferne Ver­gangenheit um so näher gerückt wird, je mehr er sich ' mit der oberdeutsch - mittelalterlich getönten Sprache vertraut macht, deren sich Kolbenheyer vor allem in der direkten Rede bedient, und die dem Ganzen auch stilistisch eine eigentümliche Geschlos­senheit gibt. Man muß sich hineinlesen, was nicht jedem ganz leicht fallen mag: doch wirb man sich vielfältig angeregt und bereichert finden, wenn man sich auf' den' ersten paar Dutzend Seiten die Mühe nicht hat verdrießen lassen. Hans Thyriot.

Politik und Geschichte.

fort. 4 80 in Ganzleinen geb. 6,50 IWt. ®erlag Emil Roth in Gießen (369.) Daß Manner die Geschichte machen, ist keiner Zeit so «

gewesen als der unfrtgen. So ift aud) jeberöe such zu begrüßen, der unternommen wird, das Le benswerk der Männer uns nahezubnngen die der politischen Welt von heute 'hr Gestch: geb^en. D Verfasser hat sick) darauf beschrankt, die Kampfzeit von fünf bedeutenden polittschen^ersönlichketten d Gegenwart in scharf umrittenen Skizzen sch'lberm S° s-h-n wir M u s, o l i n i, den Sch°pl°r d-s faschistischen Italiens, in jenem dunklen Fruhiahr 1919 den Entschluß fassen, gegen her. brobenten Bolschewismus die Frontkämpfer mobil zu ma^en wir begleiten ihn in die ©rünbungsoer amirüung der faschistischen Partei, sehen das Wachsen seiner Organisationen und schließlich k>en Psycholog sth Augenblick, in dem der Marsch auf Rom den 4m

an die Macht bringt. Weit mehr von den Verhält­nissen gedrängt, als durch eigenen bewußten Ent- schluß wurde Franco der Führer des nationalen Spaniens. Wir erleben in der hier gegebenen Skizze seinen Ruhm als Offizier der marokkanischen Trup­pen, eindrucksvoll ist die Schilderung feines zu­wartenden Verhaltens in den Jahren der politischen Umwälzung bis er schließlich die Zeit für gekom­men hält, wo nur die Erhebung aller Gutgesinnten Spanien vom bolschewistischen Abgrund zurückzurei- ßen vermag. Als sozialer und politischer Verschwö- rer beginnt Josef P i l s ud s k i, der Begründer des modernen polnischen Staates, seinen Lebensweg, fast ohne Hoffnung, jemals sein Ziel, ein freies Polen, zu erreichen. Der Kampf gegen Rußland führt ihn ins Gefängnis und Irrenhaus. In Gali­zien stellt er bann die erste Organisation auf die Beine, aus der die polnische Legion erwächst, mit der er 1914 in den Krieg gegen Rußland zieht. Die Auseinandersetzung mit den Mittelmächten und der letzte Kampf mit dem russischen Bolschewismus um Polens Freiheit finden eine packende Darstel­lung. Auch Kemal Atatürk, der Begründer der modernen Türkei, hat sick) immer wieder in den

Josef Hofmiller: Wanderbilder und Pilgerfahrten: Preis geh. 5,50 Mk. Verlag Karl Rauch in Leipzig-Wollte man Hof- miller ganz kennenlernen, so müßte man mit ihm eine Wanderschaft machen', so schreibt em guter Freund von ihm, und wer in diesem schönen Buch- lein blättert, wird bald festgehalten werden von der Liebe zur Landschaft, vor allein zu seiner baye­rischen Heimat, die aus jeder Zeile dieser Wander- ahrten spricht. Es ist nickst bloß das immense ge­schichtliche und kunsthistorische Wissen dieses Man­nes, sondern vielmehr die Art, wie er sich dieses Wissen selbst erarbeitet und seine Leser an dieser Arbeit teilnehmen läßt. Wir kennen Hofmiller als Meister des Essays aus feinen vielen literarischen Skizzen. In diesen Wanderbildern erschließt er uns mit dem gleichen Feingefühl die oft auch nur be­scheidenen'Schönheiten seiner bayrischen Heimat die fernab vom großen Fremdenverkehrssttom wirklich erwandert werden wollen. Es ist besonders dankens­wert, daß der Verlag durch diese Neuausgabe das schöne Buch wieder bekannt macht

* Fr. W. Lange.

Gerd Düesberg: Zur Wildnis fer­ner Wälder, eine Ferienfahrt nach Kanada, mit 59 Abbildungen nach eigenen Aufnahmen. Preis m Leinen geb. 4,80 Mark. Hugo Bermühle-r Verlag, Berftn-Lichterfelde. (483) Der bekannte natur­kundliche Verlag stellt eine neue Bücherreihe unter das MottoDeutsche sehen die Welt". Daß nicht die "Welt der Globetrotter und Gesellschaftsreisen ge­meint ist, dafür spricht.schon dieser erstt Band von einer Ferienfahrt nach Kanada. Das britische Do­minion, das zu einem guten Teil schon weit in die Region des ewigen Eises hineinragtz aber banf war­mer Meeresströmungen an seiner Westkulte eine falt südländische Vegetation entfaltet, hat lange im Schatten der beispiellosen Erschließung ^und wirt- Ichaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten ge­standen. Dem mehr patriarchalischen Zug ^r franzö­sischen Kolonialpolitik ist Kanada auch nach der Er­oberung durch die Engländer treu geblieben. Das Nebeneinander von Romanen unb Mngelfad}|en m ihren ausgeprägtesten Formen ist für ftanaba Ijeufe nach eigentümlich und unterscheidet es wesentlich von

siegt über die von rein politischem Denken einge­gebenen Gegengründe des Rechtslehrers Sepulveoa. Reinhold Schneider zeigt sich auch in diesem Buch

wieder als ein Meister der Sprache, der in knapper Erzählung die Atmosphäre eines ganzen Zeitalters einfängt. Das verzweifelte Ringen der von den Konquistadoren bedrängten Indios um ihren Glau­ben an das Gute in des Menschen Seele ist er­schütternd erzählt in der Lebensgeschichte der jun­gen Lucaya. Ungemein packend ist die auch dialek­tisch formvollendet gestaltete Gegenüberstellung der beiden Meinungen in der Disputation vor dem Indien-Rat und schließlich zeigt der nächtliche Be­such des Mönches bei Karl V. noch einmal Glaube und Skepsis im Abwägen der neuen Zukunft.

Fr. W. Lange.

Menschen nahe, die oft in hartem Ringen mit den Auffassungen ihrer Umgebung den großen Ent­schluß faßten, für ihr Volk auch den letzten Einsatz zu wagen. Fr. W. Lange. . , _ u , , v .

Vitalis Pantenburg: Rußlands Preis in Leinen geb. RM. 5,00, Insel-Verlag, Leip- Griff um Nordeuropa mit 32 Lichtbildern -jg. (302.) Die Unterwerfung der alten mittel- und 4 Karten im Schwarzhäupter-Verlag, Leipzig, nsid südamerikanischen Kulturvölker der Azteken, Preis geb. RM. 5,60. (271.) Wir wissen we- ~ '

nig von den steten Bemühungen des Bolschewis­mus, auf der Bahn der traditionellen Politik der russischen Zaren sich im äußersten Norden den Zu­gang zum eisfreien Meer zu sichern, der ihm im Süden durch den Ausgang des Weltkrieges versagt geblieben ist. Pantenburg verfolgt in knappen an- schaulichen Darlegungen die Vorgeschichte dieser Be­mühungen bis zu ihren Ursprüngen, die die An­fänge der russischen Geschichte selbst sind, wenn auch erst Peter der Großedas Fenster nach Europa" öffnet und erst im Weltkrieg der Blick Rußlands auf die Murmanküfte fällt, wo an schmaler Küste die Eisfreiheit lockt, die man seit Jahrhunderten für das ungeheure Reich vergebens sucht. Der Bolsche­wismus hat hier angelnüpft und mit den gleichen brutalen Methoden wie der Zarismus im Weltkrieg diese Küste erschlossen. Da die Sowjets die Grenzen hermettsch geschlossen haben, ist es schwer, authenti­sches Material über die wirtschaftliche Ausschließung des Landes und die Rüstungsanlagen zu erhalten. Pantenburg Hot allen Nachrichten darüber nachge­spürt und versucht ein zutreffenden Bild von dem zu erhalten, was dort vorgeht. Sicher ist, daß der Bolschewismus hier mit großer Energie und Zähig­keit ohne Rücksicht auf die furchtbaren Opfer an Menschenleben eine strategische Ausfallpforte schafft, die gegebenenfalls der roten Armee, Luftwaffe und Marine den Weg nach Nordeuropa bahnen soll. Finnland ist hier das äußerste Bollwerk des Abend­landes. Pantenburgs fesselndes Buch ist von höch­ster Aktualität. Mit seinen ausgezeichneten Bildern verdient es durchaus Beachtung. Die beigegebenen