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Ilr.271 Erstes Slatt

188. Jahrgang

Samstag, l9./$onnfag, 2tt. November 1958

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DasWeltgewiffen".

An einem grauen Novembertage hat das deutsche Volk einen seiner besten Söhne, den die Kugel eines jüdischen Mordbuben mitten aus der Bahn eines ganz der Arbeit im Dienst für Führer und Reich gewidmeten Lebens gerissen hat, in deutsche Heimat­erde gebettet. Erschütternd standen Tausende am Wege, als der Zug mit den sterblichen Ueberresten Ernst vom Raths über die Reichsgrenze die letzte Fahrt durch das nebelvsrhangene niederrheinische Land antrat, Tausende entboten in stiller Wallfahrt zu dem in der Düsseldorfer Rheinhalle aufgebahrten Sarg des meuchlings Ermordeten dem für Deutsch­lands Ehre und Größe gefallenen jungen Diplo­maten ihren letzten Gruß, und wieder Taufende vereinigten sich mit dem Führer und den Spitzen von Partei und Staat in ernster Trauerfeier zu dem heiligen Gelöbnis, daß Ernst vom Rath nicht umsonst sein junges Leben hingegeben haben soll, daß die Erinnerung an sein Opfer in uns allen für ewige Zeiten lebendig bleiben wird als ein steter Ansporn, es ihm gleichzutun in bedingungsloser Treue zum Führer und zur nationalsozialistischen Idee.Niemals kann ein Volk untergehen", so sagte Reichsaußenminister von Ribbentrop am Sarge Ernst vom Raths,solange es Männer sein eigen nennt, die jederzeit bereit sind zu sterben, damit ihr Volk lebt." Und mit dem Finger wies der Minister auf diejenigen, die auch mit diesem Mord eine furcht­bare Blutschuld auf sich geladen haben, für die sie die Geschichte zur Verantwortung ziehen wird. Eine feindliche Welt, in überlebten Formen er­starrt, glaubt durch Ablehnung alles Jungen und Starken, durch blinden Haß gegen die Gestalten und Träger eines neuen Zeitalters den Gang des Schicksals aufhalten zu können. Lüge und Verleum­dung, Verfolgung, Terror und Mord sind Mittel des internationalen Judentums und der anderen zersetzenden Mächte, die dem nationalsozialistischen Deutschland den Weg in die Zukunft verwehren möchten." Aber das deutsche Volk hat die Kampf­ansage ausgenommen. In Erinnerung an das Mär­tyrertum Ernst voni Raths und aller derer, die vor ihm fielen für Deutschlands Ehre und Größe, wird es nicht schwach und weich werden, wenn es gilt, mit radikalem Schnitt die Trennung zwischen sich und seinem Todfeind zu vollziehen und das Ge­schwür zu beseitigen, das den Keim der Zersetzung und Vernichtung in sich trägt. Die Auseinander­setzung mit dem Judentum muß rücksichtslos fort­geführt werden, bis es für das deutsche Volk keine Judenfrage mehr gibt. Die Maßnahmen,, die die Reichsregierung zur Beseitigung der Juden aus der .deutschen Wirtschaft ergriffen hat, zeigen ebenso wie die reinliche Scheidung auf allen kulturellen Gebieten die Entschlossenheit der- nati-mal'ozialisti- schen Staatsführung, das deutsche Volk von einem Fremdkörper zu befreien, dessen parasitäres Wuchern in der deutschen Geschichte namentlich der letzten Jahrzehnte eine so verderbliche Rolle gespielt hat.

Wir werden uns in der hartnäckigen Verfolgung dieses Zieles auch nicht irre machen lassen durch die Mobilmachung des Hasses und der Rachsucht, die das Judentum in aller Welt versucht, um alle einer gesunden, auf Achtung und Gleichberechtigung der zu ihrem Nationalbewußtsein erwachten Völker ge­gründeten neuen Friedensordnung in tiefstem Herzen feindlich gesinnten Kreise des Auslandes wieder in einer Front gegen das nationalsozialistische Deutsch­land zusammenzuführen. Diese Front hatte erst vor wenigen Wochen durch das Münchener Abkommen einen Riß bekommen. Jetzt muß die von Deutsch­land beabsichtigte radikale Lösung des Juden­problems dazu herhalten, diesen Riß zu verkleistern. Denn nichts anderes steckt hinter der maßlosen Greuelhetze, die eine gewisse, von Juden gegängelte Presse namentlich in den angelsächsischen Ländern gegen uns in Szene gesetzt hat, als der brennende Wunsch einer sich aus den verschiedensten politischen Lagern und gesellschaftlichen Schichten rekrutieren­den, nur in der Todfeindschaft gegen das durch die einigende Kraft des Nationalsozialismus wieder erstarkte Deutschland sich zusammengefundenenCligue, für den ideologischen Feldzug gegen die autoritären Staaten ein neues Sprungbrett zu bekommen und damit die eben erst von verantwortungsbewußten Staatslenkern kühn und vorurteilsfrei geschaffenen hoffnungsvollen Grundlagen einer den Frieden und den nationalen Aufstieg der Volker sichernden Zusammenarbeit der vier europäischen Großmächte heimtückisch zu zerschlagen und die alten Front­stellungen zwischen Demokratien und autoritären Staaten wiederherzustellen.

Um dies Ziel zu erreichen, das durch die soeben erfolgte Ratifizierung des englisch-italienischen Oster- akkords über die Anerkennung des ostasrikanischen Imperiums für alle Haßapostel und Kriegshetzer in noch weitere Ferne zu rücken drohte, wird gegen Doutschlands Vergeltungsmaßnahmen für die nieder­trächtige Bluttat des jüdischen Mordbuben wieder einmal dasWeltgewissen" mobil gemacht, das aber seltsamerweise stets in tiefem Schlafe liegt, wenn es dem englischen Imperialismus gefällt, für die höhere Ehre Englands und seiner Weltmacht, mit anderen Worten für die Geldsackinteressen der City, der großen Erdöl- und Minenherren, der Gummi- und Opiumhändler, der Baumwollfabrikanten und Bo­denspekulanten in Palästina tausende freiheits­liebender, nur ihr Selbstbestimmungsrecht fordernder Araber in einem mit allen modernen Kriegswaffen äußerst brutal geführten Vernichtungsfeldzug um Eigentum und Leben zu bringen, in Indien durch das rücksichtslose Auftreten der Engländer m ihren religiösen und nationalen Gefühlen zutiefst verletzte Inder einfach niederkartätschen zu lassen oder an der indischen Nordwestgrenze ganze Volksstamme mit Hilfe von Bombengeschwadern skrupellos aus­zurotten, in Aeg'fpten eines der ältesten. Kultur­völker der Erde durch wirtschaftliche Methoden un

der Palästinafehler von England in Kerfcoppelter -tfnterbrü(fen(l). Schon aus menschlichen Erwägun-

gen erheische das deutsche Judenproblem eine eilige

der in Vorbereitung befindlichen allgemeinen Bo« denreform soll demnach vor allem der jü­dische Grohgrund- und pachtbesih in Anspruch genommen werden.

3. Förderung der jüdischen Auswan­derung durch Abschaffung der bestehenden Ver­bote für INassenauswanderung. Mittellose Juden würden ohne weiteres auswandern dürfen, wäh­rend bei den bemittelten Juden die Vermögevsaus- fuhr vielleicht in der weife erfolgen könnte, daß die Aeberweisungen auf dem Wege einer erhöhten unga­rischen Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse er­möglicht werden könnte. Auch dürften die bemittel­ten Juden mit einer Sonder st euer zugunsten der mittellosen jüdischen Auswanderer belegt wer­den.

4. Revision des im ersten Iudengeseh fest­gelegten zwanzigprozentigen Verhältnisses für die Beschäftigung jüdischer Ange sk eilten in der Privatwirtschaft.

Behandlung auf internationalem Gebiet. Man könne versichert sein, daß die britische Regierung diesem

Auflage wiederholt würde, denn ebensowenig wie England mitsamt dem Weltjudentum völkerrechtlich

V u d a p e st, 18. Rov. (Europapreh.) Das Re­gierungsorganEsti lljsag", dessen Redakteur Ab­geordneter M a k k a i Vorsitzender des zur Verschär­fung der Judengesehgebung gebildeten Sonderaus­schusses der Regierungspartei ist, will die Richtung dieser Verschärfung nach folgenden vier Punkten augeben können.

1. Revision der jüdischen Staatsbürgerrechte zum Zwecke der Abschiebung der gesetzwidrig eingewanderten Juden. Ferner Regelung des jüdischen Ansiedlungsrechtes im Sinne einer Verhinderung des jüdischen Zustroms nach den Städten im Wege einer Sehhaft- machung, wobei die Wohnsitze der Juden in drei Regionen eingeteilt werden würden:

a) Hauptstadt und Umgebung,

b) Provinzstädte:

c) Land.

2. Verminderung des jüdischen Uebergewichts i m Vodenbesih entsprechend dem Grundsatz, daß der Vodeu denen zufällt, die ihn bebauen. Bei

eines ganzen Volkes", und zwar nicht nur des eng­lischen, sondern derganzen zivilisierten Welt" zu

gewissen legte sich einfach auf die andere Seite, um weiter zu schlummern. Es schlief auch, als in Oester­reich deutsche Männer getötet oder wirtschaftlich rui­niert wurden, weil sie nichts anderes wolUen als Deutschland, es rührte sich nicht, als die Schächer des Herrn Benesch im Sudetenland plünderten, raubten und mordeten. Es handelte sich ja nur um Deutsche und deutsches Eigentum ...

London, 18. Nov. (DNB.) Der britische Jn- dienminister Lord Z e t l a n d erklärte, in völliger Verständnislosigkeit gegenüber der spontanen Ab­wehraktion des gesamten deutschen Volkes gegen die neue Herausforderung des Weltjudentumes, daß feine im Anschluß an München gehegten Hoffnun­gen durch die Ereignisse der letzten Wochen in Deutschland stark erschüttert worden seien.(l) Zwar muß auch er zugeben, daß man nur Abscheu für das scheußliche Verbrechen empfinden könne, das der polnische Jude begangen habe, der einen un­schuldigen deutschen Diplomaten ermordet habe. Dann aber mischt sich deb Lord unbekümmert in die deutsche Innenpolitik und lamentiert,man stehe bestürzt vor den Vergeltungsmaßnahmen, die Deutschland gegen Tausende von unschuldigen Per­sonen ergriffen habe". Dr. Goebbels habe er­klärt, daß die Reichsregierung es nicht wünsche, daß England daran Interesse nehme, wie Deutschland die Judenfrage löse. Für diese eindeutige und in jeder Weise gerechtfertigte Erklärung findet der bri- tisä>e Minister eine im höchsten Grade erstaunliche E/widerung. Der einzige Kommentar, den er dazu abgeben wolle, so erklärte er, sei lediglich der, daß selbst ein solcher Wunsch einer so hoch gestellten Persönlichkeit, wie der des Reichsministers für Dolksaustlärung, nicht imstande sei, dasGewissen

und moralisch befugt war, in Palästina einzudrin­gen, die Araber zu enteignen, zu verfolgen, zu töten oder zu terrorisieren, ebensowenig kann es über die deutschen Kolonien verfügen.

Gerade das ehemalige Deutsch-Ostafrika ist eine brennende Anklage gegen englische Heuchelei. Die Beschlagnahme des deutschen Privateigentums wäh­rend des Krieges wurde nach dem Kriege ergänzt durch eine geradezu verbrecherische Verschleuderung dieses deutschen Eigentums durch die Briten. Nach einer sehr vorsichtigen Schätzung betrug der Wert des enteigneten deutschen Besitzes im Jahre 1914 mindestens 125 Millionen Mark. Nach einer amt­lichen Aufstellung sind bis zum 30. Juni 1924er­worben" worden: von Engländern 301 Unterneh­mungen, von Indern nicht weniger als 210 Pflan­zungen, von Griechen 112, von Goanesen 29, Syrern 10, Arabern 4; die ehemals deutsche Tanganjika­bahn wurde zum Schandpreis von 600 000 Pfund losgeschlagen. Die für das ehemalige deutsche Eigen­tum in Deutsch-Ost erlöste Summe entsprach nicht einmal einem Achtel des wirklichen Wertes.

Das gleiche war in allen ehemaligen deutschen Kolonien der Fall. Der Deutsche war rechtlos, fein Eigentum wurde ihm nach dem Friedensvertrag gestohlen. Und nicht nur in den Kolonien. Sofort nach dem Waffenstillstand wurden die Deutschen, deren Väter nach 1871 ins Land gekommen waren, von den Franzosen aus Elsaß-Lothringen vertrie­ben. Sie mußten innerhalb 24 Stunden Haus und Hof und alles Eigentum verlassen und durften nur 60 Kilogramm pro Kopf mitnehmen. Unter Der-

Hände weg von den deutschen Kolonien!

Deutsch-Osiafnka ist kein Giedelungsland für jüdische Auswanderer.

Vor Verschärfung der Mengeseße in Ungarn.

Oie Auswanderung soll gefördert werden. Weitgehende Enteignung des jüdischen Grundbesitzes im Zuge der Bodenreform geplant.

Einmischung verbeten!

Der Lndienminister Lord Zetland als Kritiker deutscher Zudenpolitik.

London, 18. Nov. (DNB.) In einer Rede vor Regierungsanhängern in Rhyl (Nordwales) glaubte auch Schatzkanzler Sir John.Simon zur Lage der Juden in Deutschland Stellung nehmen zu müs­sen. Er teilte mit, daß die Regierung sich mit einer Reihe von Kolonien in Verbindung gesetzt habe, um festzustellen, ob es möglich sei, dort Emi­granten aus Deutfchland anzusiedeln. Die Regie­rung sehe die Frage dieser Emigranten als äußer st dringend an und wolle den denkbar größten Beitrag zu ihrer Ansiedlung außer­halb Deutschlands erbringen. Gleichzeitig be­tonte der Minister jedoch, daß man die Unterbrin- gunasmöglichkeit von Flüchtlingen in den Kolonien nicht überschätzen dürfe. Simon warnte vor übertriebenen Hoffnungen und verwies auf die un­günstigen klimatischen Bedingungen sowie auf die Rechte der Eingeborenen, die dabei gewahrt wer­den müßten.

Problem seineernstesten Erwägungen" widme. Dabei soll es aber offensichtlich wie stets bis­her im wesentlichen bei denErwägungen" blei­ben, denn der Lord fügt hinzu, daß die britische Regierung bereit sein werde, eine Freistätte inner­halb des britischen Imperiums füreinige" von ihnen zu finden. *

Der edle Lord täte besser daran, im Buch der englischen Kolonialgeschichte sich Anschauungsunter­richt darüber zu holen, wo eigentlich Vergel­tungsmaßnahmen angewandt wurden, die die ganze zivilisierte Welt als empörende Kulturschande emp­finden mußte. Als Minister, dem die Fürsorge für Indien besonders anoertraut ist, weiß er ja selber, mit welch brutalen Mitteln die britischen Truppen dort Englands Herrschaft aufrechterhalten haben. Aber Deutschland hat dafür nicht das geringste In­teresse. Es wünscht weiter nichts, als in Frieden und Freundschaft mit dem englischen Volk zu leben und wird sich zu irgendwelcher Kritik an englischen Me­thoden so lange nicht berufen fühlen, wie englische Minister und englische Zeitungen auch Deutschland mit ihrer Kritik verschonen. Auf dieser Basis, aber auch nur auf dieser, wird man sich glänzend ver­stehen können. So lange aber die englische Öffent­lichkeit und sogar führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sich bemüßigt fühlen, zu rein innerdeutsch en Angelegenheiten Stel­lung zu nehmen, gilt für das deutsch-englische Ver­hältnis das Wort:Wie man in den Wald hinein­ruft, so schallt es wieder heraus!".

Engländer und Amerikaner verfechten jetzt den Gedanken, die deutschen Kolonien, insbe­sondere Deutsch-Ostafrika, mit Juden zu be­siedeln. Die bösartige Absicht ist offenbar, voll­zogene Tatsachen zu schaffen. Darüber hinaus aber ist der Plan der deutlichste Beweis jener krassen Ueberheblichkeit und Großmannssucht, die im Ver­sailler Friedensdiktat ihren Niederschlag gefunden hat. Schlimmer noch ist die völlige Verwirrung jedes Rechtsaesühls der Leute, die heute als Hu- manitätsavostel auftreten. Nach ihren eigenen feier­lichen Proklamationen wie nach den Beschlüssen des Völkerbundes sind ihnen die deutschen Kolo­nien als Mandate zu treuhänderischer Verwaltung anvertraut. Die skrupellose Ver- ügung über die deutschen Kolonien ist die Fort- etzuna aller jener Bestrebungen, das Mandat tat» ächlich in uneingeschränktes Eigentum umzufälschen und über die deutschen Kolonien aus dem Handge­lenk zu bestimmen, als ob es sich um Gebiete han­delte, die Engländer und Franzosen im Laufe ihrer höchst anfechtbaren Kolonialgeschichte invölker­rechtlich" gültiger Weise erworben haben, womit

nichtung ihrer Existenz mußten damals rund 112 000 Elsaß-Lothringer über die Grenze gehen. Dann kam die schwarze Schmach am Rhein, dann der Ruhr­einbruch, der selbst nach dem Gutachten englischer Kronjuristen direkt dem Versailler Diktat wider­sprach. Die ungeheuren leiblichen und seelischen Schäden sind nie wieder gutgemacht wor­den. Das so sehr empfindliche demokratische Welt-

Schutz englischer Truppen auszusaugen bis aufs Blut, in Südafrika 20000 Frauen und Kinder eines freien Bauernvolkes, das rassisch den Englän­dern in nichts nachstand, in Konzentrationslagern elend umkommen zu lassen. Die Reihe ähnlicher Beispiele aus der britischen Kolonialgeschichte ließe sich beliebig verlängern, aber sie genügt schon, um festzustellen, daß niemals das im Falle Deutschland so zartbesaitete Weltgewissen sich gerührt hat. Um so weniger wird man in England erwarten können, daß wir die Empörung ernst nehmen, die eine uns in den Motiven ihrer Politik ja zur Genüge bekannte Clique im Mantel reiner Nächstenliebe^ in der ihr zur Verfügung stehenden Presse zur Schau stellt. Daß man die Debatte über die Rückgabe der Deutsch­land geraubten Kolonien mit der Judenfrage ver­quickt, läßt allzu deutlich den Pferdefuß dieser selbst­losen Menschenfreunde herausgucken, die schon froh­locken, ein neues Argument gegen den deutschen Kolonialanspruch gewonnen zu haben, wiewohl ihnen die eigene Kolonialgeschichte, aus der wir eben einige dunkle Kapitel gestreift haben, den guten 9?at eingeben sollte, daß niemand mit Steinen werfen soll, der selbst im Glashaus sitzt.

Und wo ist denn bei aller gut gespielten Ent­rüstung über dieTragödie der Menschheit" und dieSchande des Zwanzigsten Jahrhunderts" in England sowohl wie in Amerika, wo die Wogen der Greuelhetze wieder einmal besonders hohe Wellen schlagen, auch nur das geringste Zeichen einer prak­tischen Hilfe für diearmen, verfolgten Juden ?

Es hagelt zwar Proteste, Kundgebungen werden veranstaltet und Hilfsausschüsse werden gegründet, man spricht sogar in London schon von internatio­nalen Verhandlungen, um für die Juden eine Zu­fluchtsstätte zu suchen. Aber auf das Nächstliegende will man in England nicht kommen. Daß im briti­schen Weltreich, das mit seinen 41 Millionen Quadrat­kilometern mehr als ein Drittel des festen Landes der gesamten Erdoberfläche einnimmt, sich weite Gebiete finden, die fast menschenleer sind wir brauchen nur an Australien zu erinnern, für das mit seinen 1,2 Menschen auf den Quadratkilometer gegen 144 im übervölkerten Deutschland das Problem des leeren Raumes geradezu eine politische Gefahr barstellt und sich für die Aufnahme und Ansied- hing der Juden, die Deutschland und mit ihm Italien, Polen, Ungarn und andere Staaten lieber heute als morgen ziehen lassen würden, hervorragend eignen würden, auf diesen Gedanken verfällt es nicht. Jrn Gegenteil, je lauter das Geschrei über deutsche Judenverfolgungen", desto nachdrücklicher machen sich überall und besonders in den angelsächsischen Ländern die Bestrebungen bemerkbar, die eigenen Grenzen gegen jeden unerwünschten Zustrom von Juden abzuschließen. In England ist es sogar das Judentum selber, das die Einwanderung von Juden aus den Staaten des Festlandes höchst ungern sähe, well es davon ein Anwachsen der antisemitischen Bewegung und eine Erschütterung seiner Stellung in Politik und Wirtschaft Großbritanniens befürchtet.

Während in Amerika Präsident Roosevelt feinen

Berliner Botschafter zwar zur Berichterstattung nach Washington beordert hat, aber im übrigen die schamlose Greuelhetze amerikanischer Judenblätter unbekümmert als Auftriebsywment für neue- stungspläne benutzt, scheint die englische Regie­rung doch irgendwie die Verpflichtung zu spüren, zur Lösung der Judenfrage ihrerseits einen positiven Beitrag zu leisten, wenn man auch sich über sehr schüchterne und vage Andeutungen nicht hinaus- gewagt hat. Die Flüchtlingskonferenz von Evian, die im Sommer ohne Ergebnis vertagt worden ist, hat einen Ständigen Ausschuß, dem unter englischem Vorsitz Vertreter Amerikas, Frankreichs, Hollands und Brasiliens angehören. In Besprechungen mit dem amerikanischen Botschafter Kennedy hat der britische Kolonialminister Malcolm Macdonald diese Flüchtlingskonferenz wieder zu beleben versucht und gleichzeitig bei Amerika die vermehrte Aufnahme von jüdischen Emigrantei? angeregt, aber ohne Er­folg, denn der Botschafter hat sich auf die gesetzlich festgelegte Einwanderungsquote berufen, die für 1938/39 bereits voll ausgenutzt sei. Nun soll ein Plan int Vordergrund stehen, aus Deutschland aus­gewanderte Juden in größeren Mengen in Britisch- Guayana anzusiedeln, da anscheinend weder die britischen Dominions noch die südamerikanischen Staaten, an die man in London freundlicherweise gedacht hatte, große Neigung verspüren, Juden bet sich aufzunehmen. Guayana, seit 1814 eine britische Kronkolonie an der Nordostküste Südamerikas, an Oberfläche fast jo groß wie das Mutterland, aber