dern auch b i e anderen Minderheiten das gleiche Recht erhalten müßten. „Wir werden nicht zum Kriege schreiten, nur jim die Tschechen rn den Stand zu setzen, mit Gewalt die protestierenden Kräfte niederzuhalten, die ein Drittel der Bevölkerung der gemischten Republik ausmachen. Die Verhältnisse liegen derart, daß selbst ein siegreicher Krieg nicht die Tschecho- Slowakei in ihrer gegenwärtigen Form erhalten kann."
Bezeichnend für die Haltung der Oppositionspresse ist der „People", der sich vor einer Woche noch völlig ablehnend gebärdete. Dieses marxistische Blatt schreibt, Selbstbestimmung sei ein Wort, das sehrvernünftigklinge. Es scheine nur fair zu sein, daß 3,5 Millionen Deutsche das Recht hätten. chre Nationalität selbst zu wählen, und es sei ebenso wahr, daß die tschechische Regierung die Sudetendeutsche viele Jahre lang unfair behandelt habe. Auch habe sie die seit langem versprochenen Verbesserungen bis zur letzten Grenze der Sicherheit verzögert. Selbst auf Runci- mons zwingende Ueberredungen hin habe Pragoersucht, weiter abzuhandeln. In diesem Sinne lauten auch die Mehrzahl der übrigen Kommentare, die ohne Ausnahme die Frage der Volksabstimmung und die Rückgabe der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland behandeln. Besonders bezeichnend ist „News of che World", das fragt: „Sollen die Tschechen und Sudetendeutschen sich für immer trennen und j e d e r s e i n en eigenen Weg in Frie- d e n g e h e n , oder sollen E u r o p a und seine Städte zu Ruinen werden, bevor mensch-
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„Kein Zweisel mehr möglich."
Starker Eindruck der Rede Musso inis
ht Paris.
. ? r * 5 , 18. Sept. (Europapreß.) Die Rede Mus-
sollnis IN Triest hat hier starken Eindruck gemacht, ^swei Stellen der Rede werden besonders hervorgehoben: die Erklärungen, in denen sich Mussolini sur die Volksabstimmung einsetzte und die Aeuße- rung, daß Italien im Falle eines allgemeinen Konfliktes feine (Stellung bereits gewählt l)abe. In Paris erklärt man, diese Worte des Duce ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Sie könnten damit zur Klärung der Lage wesentlich beitragen. Der „Temps" schreibt, nach der Versicherung, daß Italien seinen Platz gewählt habe, sei kein Zweifel mehr mög- l i ch. Wenn ein Konflikt ausbreche, werde Italien gegen Prag, das heißt auf der Seite Deutschlands sein. Der „Jntransigeant" schreibt, besonders bemerkenswert sei, daß der Duce hinsichtlich der Frage der Volksabstimmung in der Mehrzahl gesprochen habe. Er denke also nicht nur an eine Volksabstimmung der Sudetendeutschen, sondern auch der Magyaren, Ukrainer und Polen. Tatsache sei, daß auch England geneigt sei, die Lösung der Volksabstimmung zu wählen, ja es scheine, daß England diese Lösung bereits gewählt habe.
Bekenntnis zu Volk und Heimat.
Sozialdemokratische Arbeiter wenden sich von den fatschen Parolen Prags ab.
Aussig, 17. Sept. (DNB.) In den Bezirken Aussig, Brüx, Reichenberg, Gablonz, Warnsdorf haben heute große Teile der deutschen Sozialdemokraten und ihrer Jugendorganisation eine Entschließung gefaßt, die als Flugblatt von Hand zu Hand geht und größtes Aufsehen hervorgerufen hat. In ihr heißt es: Wir Funktionäre und Mitglieder der Deutschen Sozialdemokratischen Partei in der Tschecho-Slowa- kei erklären in dieser Stunde höchster Not unserer Heimat, daß wir unserer deutschen Volksgenossen über alle bisherigen Gegensätze hinweg die Hand reichen wollen in dem festen Willen, uns in der Stunde der Gefahr der Stimme des Blutes nicht zu versagen und mit ihnen gemeinsam um die Freiheit unserer Heimat und unser Selbstbestimmungsrecht zu kämpfen. Wir haben 20 Jahre lang unser Ideal darin gesehen, dem werktätigen deutschen Menschen in der Tsche- cho-Slowakei sein Lebensrecht und seinen Lebensraum zu sichern und ehrlich darum gerungen, im Sinne der Völkerversöhnung eine Gemeinschaft aller Schaffenden in der tschecho-slowakischen Republik zum Wohle des Landes hbrzustellen. Genossen! Ihr wißt alle, wie schwer uns die Erfüllung dieser Aufgabe gemacht worden ist und wie gering auf Seiten der tschechischen Chauvinisten aber auch auf Seiten unserer tschechischen Genossen das Verständnis für unser Volkstum und unsere Sprache war. Zu der gleichen Zeit, in der immer wieder auf unseren Parteitagen die tschechischen Genossen von der Solidarität aller Werktätigen sprachen und uns ihrer brüderlichen Gefühle versicherten, nahm uns das Tschechentum Arbeitsplatz um Arbeitsplatz, mußte Werktor um Werktor geschlossen werden, weil man es in Prag so wollte, weil wir dur ch H un g e r auf die Knie und zur Aufgabe unseres Dolksturnes gezwungen werden sollten. Man behandelte uns nicht als gleichberechtigte Bürger der Republik, die auch wir mit unserem Blute zu verteidigen bereit waren, sondern als geduldete Fremdlinge auf unserem eigenen Heimatboden Drüben im Reich vollzog sich eine Entwicklung, die viele von uns nachdenklich machte. Als ehrliche deutsche Arbeiter müssen wir heute zugeben, daß im Deutschen Reich zumindest die Arbeitslosigkeit beseitigt ist und die soziale Lage her Werktätigen einen Stand erreicht hat, del auch wir hoch anerkennen müssen. Heute ist u n f e r e Hei -
matinhöchsterNot. Ein Kamps ist entbrannt, der heute alle Völker unserer Republik erfaßt hat. In diesem Kampf kann heute keiner von uns mehr abseits stehen. Jetzt heißt es, sich zu entscheiden, Stellung zu beziehen. Genossen! Wir sind der Meinung, daß in diesem Augenblick die Entscheidung für jeden deutschen Arbeiter gefallen ist. Folgt darum nicht mehr den falschen Parolen ehrgeiziger Streber, die für einen Ministersessel in Prag unser aller Zukunft aufs Spiel zu setzen bereit sind. Bekennt euch mit uns um unseres Landes und unserer Kinder Zukunft willen als werktätige Deutsche feierlich zu Volk und Heimat, und — wie vor 20 Jahren — zum großen gemeinsamen Reich allerDeutschen mit unserer alten Parole: Für Frieden, Freiheit, Arbeit und Brot! Es lebe unser deutsches Volk!
Vereits 84000 Flüchtlinge in Deutschland.
Berlin, 18. Sept. (DNB.) Der Flüchtlingsstrom aus Sudetendeutschland ist auch am Sonntag nicht abgeebbt. Immer wieder treffen in fast allen Erenzorten lange Züge von verzweifelten Menschen ein, meist Frauen, Kinder und Greise, während die Männer, brutal von ihren Familien gerissen, in Gefangenentransporten in das Innere des Landes geschafft werden. Durch das Anhalten des Flüchtlingsstromes war es in den letzten Tagen notwendig, die in den Grenzgebieten eingetroffenen Flüchtlinge, nachdem man sie dort versorgt hatte, weiter in das Reich zu transportieren, wo sie in von der NSV. schnell hergerichteten Lagern ausgenommen und betreut werden. Eine Zählung der Flüchtlinge am Samstag hat ergeben, daß sich bis Samstagabend in den endgültigen Lagern, ohne die Grenzdurchgangslager, bereits über 8 4 0 00 Flüchtlinge befinden, eine Zahl, die sich infolge des Zuganges am Sonntag noch erhöht hat. Das sudetendeutsche Flüchtlingshilfswerk und die NSV. haben Vorsorge getroffen, daß auch den noch jetzt ins Reich strömenden flüchtenden Sudetendeutfchen der herzlichste Beistand des ganzen deutschen Volkes zuteil wird.
Auch die Ungarn fordern Selbstbestimmung.
Militär der Minderheitengruppen flüchtet über die Grenze.
Stärkster Widerhall in Vudavest.
Budapest, 19. Sept. (DNB.) Die Budapester Presse bringt ohne Unterschied der Partei in großer Aufmachung und schärfster Kommentierung die Forderung der Ungarn in der Sl o wa- kei nach Selbstbestimmung und Volksabstimmung sowie die Erklärung der ungarischen Regierung, daß sie sich mit allen Mitteln f ü r die Geltendmachung dieser Forderungen einsetzen werde. „Pester Lloyd" schreibt, es hinge ausschließlich von den heutigen Prager Machchabern ab, wie sich die weitere Entwicklung in dem von Ungarn bewohnten Teil der Tschecho-Slowakei gestalten werde. Allem Anschein nach beabsichtige Prag aber auch hier} b i e Gewaltmi11el des Staates schonungslos anzuwönden. „Wir warnen die Verantwortlichen — so ruft das Blatt — vor den Folgen ihres leichtsinnigen und herausfordernden Vorgehens. 20 Jahre tschechischer Unterdrückung haben die Ungarn in der Tschecho-Slowakei nicht zu zerbrechen vermocht. Sollte ihr Appell ungehört verhallen, dann werden die Magyaren der Slowakei in dem bann unvermeiblich merbenben Kampf um bas Recht ihren Mann stellen." Auch »Pesti Hirlap" unterstreicht bie Kraft ber Ungarn in ber Slowakei, die in der unbeirrbaren Entschlossenheit liege, mit ber bas 20 Jahre lang vorenthaltene Recht ber Selbstbestimmung geforbert werbe Wenn bie Tschechen glaubten, burch Terror ihren Staat vor bem Untergang zu retten, so irrten sie. Die Gerechtigkeit, nicht bie Unterbrückung, werbe den Sieg bavontragen.
5000 Flüchtlinge, darunter Militär, ungarischer, slowakischer, polnischer unb ruthenischer Volkszugehörigkeit, die aus motorisierten Truppeneinheiten geflohen sind, schilbern bie sinnlosen Roheiten unb brutalen Drohungen, benen sie ausgesetzt waren. Slowakische Flüchtlinge erzählen, bie tschechischen Offiziere haben allen Solbaten ber Minberheiten damit gebroht, man würbe sie im Ernstfälle i n den vorder st en Linien einsetzen und dafür sorgen, baß sie weder zurückweichen noch überlaufen könnten Nach weiteren Flüchtlingsberichten bereiten sich die tschechischen Behörden bereits auf eme Flucht in die alttschechischen Gebiete vor, oa sie emzusehen beginnen, daß ihre Lage angesichts
der immer drohender werdenden Haltung der von ihnen geknechteten Minderheitenbeoölkerung sehr bald, unhaltbar werden wird.
Polen fordert Wiedergutmachung. Warschau, 18. Sept. (DNB.) Die Regierungsblätter erheben die Forderung, die Gewalttat endlich wieder gut zu machen, die bie Tschechen bem polnischen Staat im Jahre 1919 burch den rücksichtslosen Raub polnischen Gebietes zufügten, als Polen alle seine Kräfte zur Abwehr ber bolschewistischen Truppen einsetzen mußte. Gazeta Polska schreibt, die Umstände, unter benen das Land an ber Olsa in tschechische Gewalt kam, seien niemals in Polen vergessen worden. Jetzt, wo der geschichtliche Augenblick für die Wiedergutmachung des nationalen Unrechts, das bie Tschechen verübt haben unb bas ben Frieben Europas bebroht, gekommen sei, jetzt müsse an bie historische und politische Lage des Gebietes an ber Olsa erinnert roerbqi. Vor 18 Jahren hätten bie Tschechen Polens Freiheitskampf gegen die Bolschewisten ausgenutzt unb ein Plebiszit in di e- f e m Gebiete verhinbert. Heute setze bie polnische Öffentlichkeit dieses Problem auf bie Tagesordnung. Die polnische Nation sei heute stärker als jemals, einig in bem Verstänbnis für bie Lösung dieses Probiemes und für die Notwendigkeit der Regelung des Schicksals dieses polnischen Landes, da; vom Mutterlande abgerissen wurde. Das Militärblatt Polska Zbrojna schreibt, keine der Verpflichtungen, die die Tschechen den verschiedenen Nationalitäten im Staate gegenüber übernommen hatten, hätten sie jemals erfüllt. Es gebe keine Nationalität, die mit den Tschechen in einem Staate leben wolle. Dieses Argument überzeuge durch seine unerschütterliche Logik. Die Zeit für Teilkompromisse unb taktische Manöver sei zu Ende. Heute gilt di^e Politik der Selbstbestimmung.
Sudetendeutsche Massenkundgebung in Dresden.
Dresden, 18. Sept. (DNB.) Die Sudetenbeut- sche Partei veranstaltet fürbieaufreichsbeut-


