Ur. 166 Zweiter Blatt
Dienstag, ly.Zuli 1938
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
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um derentwillen alle Lasten und Entbehrungen ertragen werden. Was ist es schon, daß drei Matrosen mr einen Spind haben, daß der Raum hier bis
ju verzichten, die anderswo Selbstverständlichkeiten sird? Jetzt geht es um den ganzen Einsatz.
Knapp, klar und ruhig sind die Befehle des Kom- Mndanten. Und nun ist das Schiff im Ziel. Das UDoot selbst liegt in Zielrichtung, Geschwindigkeit ins Gegners ist mit dem Dorhaltewinkel in Ansatz goracht. Aus 600 Meter Entfernung wird der An, gr ff gewagt. Der Kommandant drückt aut den
Schuhspanner nehmen einem Schuh ein gut Teil seines Charakters. Sie straffen seine Seele in korrekter Spannung aus und leugnen, daß der Schuh einem bestimmten Herrn mit einem bestimmten Charakter gehört — sie möchten es zumindest, daß nichts Persönliches, nichts mehr übrig bleibt, das einen Schuh verrät: keine Beule, keine eingequetschte Kappe, keine Neigung der Schuhspitzen nach öden — Schuhspanner verallgemeinern.
Und wer nicht gern sein ganzes Ich offen vor die Türe stellt, der vergißt es nie, Schuhspanner' mitzunehmen. Er hat ein unangenehmes nacktes Gefühl, wenn er seine Schuhe ohne Spanner draußen vor der Türe weiß, und er hat so unrecht nicht: Unsere Schuhe verraten uns.
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Torpedo — fertig — los'.
Bei Schießübungen unserer ll-Boote in der Ostsee.
Don unserem K. B.-Äerichierstatter.
erfolgreich, zu beenden.
Schon kündet im Osten ein erster Lichtstreif den neuen Tag an: Erst jetzt sind die Angriffe von Deutschlands neuer U-Bootwaffe vorbei. Am Mast steigen drei Flaggen auf, die in der Signalsprache der Kriegsmarine so etwa wie „Anna Ekel Oel" bezeichnet 'werden. Dieses Signal findet überall freudigste Zustimmung, denn es heißt: ,/D i e f e Hebung i st beende t!"
Kunst und Wissenschaft.
Uraufführungen in Frankfurt a. IN.
Die Städtischen Bühnen Frankfurt werden die kommende Spielzeit im erneuerten Opernhaus mit Verdis „O t h e l l o" eröffnen. Der 70. Geburstag von Hans Pfitzner wird mit der Aufführung zweier Opern begangen: „Der arme Heinrich" und „Eh ri st e l f l e i n". Weiterhin sieht der Spielplan an Neuaufnahmen und Neuinszenierungen vor: Paul Graeners „Hanneles Himmelfahrt", Glucks „Iphigenie in Aulis", „Lucia
di Lammermoor" von Donizetti, „Das Mädchen aus dem goldenen Westen" von Puccini, „Die vier Grobiane" von Wolff-Ferrari, die neue Oper von Richard Strauß „Friedenstag" und „pie lustige Witwe" von Lehär. — Im Schauspielhaus bringt der Spielplan an klassischen Werken „Jphi- gerne", „Maria Stuart", die „Nibelungen" (1. Teil) von Hebbel und „Romeo und Julia". Das Schauspiel kündigt bis jetzt zwei Uraufführungen an, und zwar das neue Werk von Friedrich B e t h g e : „Rebellion um Preußen" und ein neues Werk von Wilhelm Müller-Scheid, dem Präsidenten der Filmakademie. Außerdem erscheint Wolfgang Eberhard Möller mit einem Stück im Spielplan, ferner Hans Iohst mit „Thomas P«i n e"> Martin Rabe mit „Der Mantel der Göttin" und als Erstaufführung Hinrichs „Für die Katz". — Das Kleine Haus kündigt als Uraufführung einen neuen Lope de Vega an. . Der Spielplan sieht ferner vor „Sturm" von Shakespeare, „Kabale und Liebe", „Der Revisor" von Gogol, „Candida" von Shaw, „Lauter Lügen" von Schweikart, ein italienisches Lustspiel „Zwei Dutzend rote Rosen" von Benedetti, „Manager" von Niewiarowicz, „Was den Damen gefällt" von Scribe, „Meisterdieb" von Geuke und einige Schwänke.
90 Jahre Deutsche Geologische Gesellschaft.
Die Deutsche Geologische Gesellschaft trat im 90. Jahre ihres Bestehens zu ihrer Hauptversammlung i n M ü n ch e n zusammen. Die Hauptversammlung wurde durch den Vorsitzenden Geheimrat Dr. Range (Berlin) eröffnet. Die Vorträge des ersten Tages zeigten insbesondere, daß die Geologen aus der Ostmark in der Erforschung der deutschen Alpen außerordentlich erfolgreich tätig gewesen sind. Bereits her erste Tag ließ erkennen, daß die Geologie durch die ihr im Rahmen des Vierjahresplanes gestellten Aufgaben einen verstärkten Aufschwung genommen hat.'Den Vorträgen werden Lehrausflüge in die Umgebung Münchens, die geologisch besonders interessant ist, und die Ostalpen folgen.
Demgegenüber ist die Walnuß nicht etwa eine „große Nuß", zu welchem Namen sie — im Gegensatz zur Haselnuß — botanisch durchaus berechtigt wäre. Es würde sich bei Walnuß und Walfisch ja nicht um echte Doppelgängerei 'handeln, wenn sich die Sprachforscher mit einer solchen Namenserklärung hätten zufrieden geben wollen. Die Sache ist vielmehr die: Bis etwa zum Jahre 1000 kannte man in Deutschland nur die kleine Haselnuß, die man schlechtweg „Nuß" nannte. Dann aber wanderte, vom Westen und Süden, aus Welschland, jene größere Nuß ein. Entsprechend ihrem Ursprung benamste man sie zunächst etwas umständlich „bie welsche Nuß". Allmählich wurde dann daraus Welschnuß und schließlich — Walnuß. Dieser Ent- wicklungsprozeß hatte dann wiederum zur Folge, daß nun auch die andere, kleinere Nuß einen deutlicheren Namen kriegen mußte. Man fand ihn in dem Strauch, an dem sie wächst und der im Althochdeutschen „hasala" hieß. So entstand der Name Haselnuß.
Besonders merkwürdig ist die Wirkung von Wortdoppelgängern, bei denen die wörtliche Heber« einstimmung mit einer begrifflichen zusammenfällt. So wird sicher mancher denken, der Windhund hieße Windhund, weil er fo schnell wie der Wind ist, genau so, wie der Windfang Windfang heißt, weil er den Wind fängt. Aber der „Wind" des Windhunds hat nichts mit dem richtigen Wind zu tun. Vielmehr ist auch der Windhund auf ähnliche Weife zu feinem Namen gekommen wie die Walnuß. Auch hier bezeichnet „Wind" den Ursprung der Hunderasse und hat sich vermutlich aus dem Volksnamen der Wenden gebildet, so daß also Windhund eigentlich „wendischer Hund" bedeutet.
Der Auerhahn schließlich ist insofern ein be- sonders interessanter^ Doppelgänaerpartner, als er, genau wie sein Gegenstück, der Auerochse, zwar aus der gleichen Sprache stammt und doch einen völlig anderen Ursprung hat. Während nämlich beim Auerochsen die den eigentlichen Tiernanren bezeichnende Silbe „Auer" auf das lateinische „urus" und weiter auf die germanische Wortwurzel „ur" (die sehr häufig Tieren männlichen Geschlechts beigegeben wurde) zurückgeht, entstand der Name Auerhahn aus „orrehan", ein Wort, das in seinem ersten Teil den „B a l z g e s a n g" des Vogels treffend nachbildet. Wie bequem, so mochte man sagen, wäre es gewesen, auch beim Auerhahn das „Auer" als Bezeichnung für die männlichen Eigenschaften des Tieres anzusehen. Aber das ist es ja eben: so leicht machen es einem die Sprachdoppel, gänger nicht!
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September 1937
Knopf, der den Torpedo aus feinem Druckluft-Gefängnis entläßt. Der blanke Aal springt ins Wasser und eilt auf den Gegner zu. Treffer oder Versager? Im Kriege wird der Treffer durch ein Loch von der Größe eines Scheunentores sichtbar fein, das der Torpedo in die Schiffswand reißt. Jetzt bei den Hebungen wird das Ergebnis als Signal vom Zielschiff bekanntgegeben. „Vorn 20". Der Signalgast meldet es, und alle hören es mit. Vorn 20 — das bedeutet, daß der Gegner schwer angeschossen ist. Bei einem Versager, einem Fehlschuß, hätte im Ernstfall U 36 jetzt die Geschütze des Gegners zu spüren bekommen.
Vielleicht hätte man sich durch weiteres Tauchen diesen Angriffen entziehen können. Vielleicht aber hätten die Granaten oder Wasserbomben auch Löcher in die Eisenhaut des H-Bootes gerissen, und das Wasser wäre 'n di? Zellen geströmt. Dann war nur noch eine Rettung möglich: Ausstei - gen! Aussteigen unter Wasser ist aber keine Kleinigkeit; es muß sorgsältiig geübt werden, und es wird sorgfältig geübt. Jeder nimmt feinen Tauchretter, ein Sauerstoffgerät zur Hand und in den Mund, einer ergreift den Fuß des andern, gleichzeitig wird das Einstiegrohr geöffnet, und dann geht es aus der Waffertiefe zur Oberfläche, die allein noch Rettung bieten mag. Was im Ernstfall Wirklichkeit werden farm, das wird in der H-Boot- fchule in Neustadt in Holstein wirklichkeitsnah in einem Tauchtopf geübt. Bei diesem Uebungsgerät ist alles so konstruiert, daß es weitgehend den tatsächlichen Verhältnissen angepaßt ist.
Bei den heutigen Schießübungen in der Ostsee braucht das angreifende H-Boot auf keine Gegenwirkung zu rechnen. Dem Boot U 36 werden vom Flottillenchef neue Schießaufgaben gestellt, immer wieder gibt der H-Bootskommandant sein Kommando: „Torpedo — fertig — los!" Bis endlich der
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diesem Zwecke muß sich das H-Boot so unsichtbar wie möglich machen und in der sogenannten „H u-n d e k u r v e" anlaufen. Leuchtsterne vom H- Boot aus melden beim Hebungsschießen den Abschuß, und bei dem erneuten „Diererfächer" künden vier leuchtende Bahnen, hervorgerufen durch elektrische Lampen im Torpedokopf, die Wege der Geschosse an. Wieder gehen die Bahnen unter dem Zielschiff hindurch, und vier Feuer auf der Meeresoberfläche zeigen den Torpedofängern die Stellen, wo die zur Ruhe gekommenen Aale sich, zur Abholung bereit, befinden.
T 155.
Aalfänger sind keine Walfänger, aber ihre Aufgabe ist nicht weniger wichtig. Denn so ein stählerner Aal mit seiner kunstvollen Maschinerie kostet rund seine 30 000 Mark, und solche Summen darf eine sparsame Kriegsmarine nicht auf dem Ostsee- qrunde nutzlos verrosten lassen. Darum ist es die Aufgabe von T 155, sich dieser Torpedos anzunehmen und sie zu vereinnahmen. T155 ist ein Torpedoboot, das gerade in diesen Tagen seinen dreißigsten Geburtstag erlebte, ein Ereignis, das der Kommandant Kapitänleutnant Langner mit seiner Mannschaft bei Bier und Braten mit Recht gebührend feiern konnte. Dieses Torpedoboot hat wie sein Kommandant eine lange und pflichtenreiche Laufbahn hinter sich. Im Weltkriege sicherte es die Geleitzüge, die Erz aus Schweden nach Deutschland brachten, und nach dem Kriege hatte T 155 die gefährliche Arbeit des Minensuchens übernehmen müssen. Jetzt geht es also auf den Aalfang aus, und auch dabei heißt es höllisch aufpassen. Diese Stahlaale wollen nämlich nicht immer so, wie die Kriegsmarine es will. Da gibt es störrische Torpedoaale, die als Heißläufer oder Kaltläufer ihren Weg machen. Da gibt es Kreisläufer, die immer in der Runde fahren und die sogar, wie berichtet wird, im Kriege ein H-Boot, das einen Kreisläufer abfeuerte, selbst getroffen haben sollen. Da sind auch bte Oberflächenläufer, dje vorzeitig, weil die Steuerung falsch arbeitete, an die Oberfläche kommen und mit ihren allzu munteren Sprüngen nicht immer gefahrlos find. Alle diese unbotmäßigen Gesellen aus dem Geschlecht der Torpedos muß T155 mit einem Käscher geschickt einfangen und an Bord sicher verstauen.
Die meiste Arbeit über machen die Grund- gänger, die ihren Weg absolut auf dem Grund der See suchen wollen. Wenn die Torpedoboote mit ihrer Sucharbeit nicht zum Ziele kommen, wird ein Arsenalschiff, der „Dona r" beordert, nachdem die Stelle, wo der Torpedo zuletzt gesehen wurde, mit . Gundgängerbojen bezeichnet wurde. Die Besatzung des ,/Donar" hat an dem Fang dieses teueren
Fisches ein besonderes Interesse, weil in solchen Fällen die Marineverwaltung eine Prämie aussetzt, die an die gesamte Besatzung, vom Kapitän bis zum Koch, ehrlich und gerecht verteilt wird. Wer den Grundgänger zuerst entdeckt, erhält eine Sonderbe- lohnung, und deshalb steht die gesamte Besatzung des „Donar" an Deck, um die Stelle zu erkunden, wo der Grundgänger liegt. Hat man den Liegeplatz entdeckt, wo der dunkle Bursche sich verborgen hält, so steigt ein Taucher hinab, um das Suchwerk, meist
Doppelgänger im Lexikon.
Don Hans Knoche.
Welch ein Hnterschied zwischen einer Stechmücke und einer Grasmücke! Hier erscheint die , Frage berechtigt: 'Wie kommt eigentlich unsere Sprache dazu, einem Insekt und einem Vogel die gleiche Artbezeichnung zu geben? Vielleicht ist man zunächst versucht, diese merkwürdige Namensver- wandtschaft damit zu erklären, daß die Grasmücke ein reichlich klein geratener Vogel sei, daß er übrigens im Grase lebe und also diesen beiden Um- ständen seinen Namen verdanke. Jedoch: es ist nicht an dem. Grasmücken find immerhin so groß, daß sie nicht nur Stechmücken, sondern auch noch um einiges fettere Insekten verspeisen können. So erscheint es einigermaßen gewagt, eine unmittelbare Namensbeziehung zwischen Vogel und Insekt, zwischen dem Beutemacher und feiner Beute, Herstellen zu wollen.
Nein, Stechmücken und Grasmücken sind kerne Namenszwillinge, genau so wenig, wie zum Beispiel Walnuß und Walfisch, Windhund und Windfang, Auerhahn und Auerochse und noch manche andere Wörter die wir im Lexikon nebeneinander finden. Man muß solche Wörter als — Doppelgänger bezeichnen, als Doppelgänger, wie sie die Natur eben gelegentlich hervorbringt. D<enn wie die lebendige Natur menschliche Lebewesen mit Armen, Beinen und einem Gesicht formt und dann in einer spielerischen Laune ihre Bausteine einmal so zu- ammenfügt, daß wir plötzlich zwei Menschen vor uns sehen, die nicht im Entferntesten miteinander verwandt sind und doch in Größe, Haltung und Gestalt, ja bis in die feineren Merkmale des (9e= sichtes hinein einander ähneln, genau so bildet auch der natürliche Wachstumsprozeß einer Sprache (ein „Naturvorgang" höherer Art) feine Wort-
5taq.
das Licht der Welt wieder erblickt hat, fommt der erjte wuchtige Nordseebrecher und löscht den lange entbehrten Glimmstengel wieder aus. Da gibt es Dge, ja Wochen im Herbst und im Winter, an denen überhaupt kein Aufenthalt an Deck möglich ist Da muß man unten in den engen und schmales Räumen hocken, am Tiefenruder, in der Fun- tebuve oder die wenigen Stunden in der Koje, die br Dienst frei gibt. H-Bootfahren, das ist ein Hroisrnus ohne Sensationen, ohne große Worte, bas ist ein ständiges Bereitsein, das ist jener Mannschaftsgeist, aus dem im Ernstfall die großen Taten uni schnellen Entschlüsse wachsen.
Inzwischen ist die 20-Meter-Grenze erreicht, und d« H-Boote kommen in das Ostseegebiet, das ihnen bas Tauchen gestattet. Da kommt auch schon vom Fbttillenchef der Tauchbefehl. Der Turm wird ge= räumt, die Luken geschlossen, und eine Druckprobe miß erweisen, daß alles in Ordnung ist. Eine Zittlang fahren die Boote noch über Wasser: Ein selrsamer Anblick, die Flottille ohne einen Menschen ar Deck so geisterhaft dahin fahren zu sehen! Dann örben im Innern die Hebel herumgerissen, es wcd geflutet und das Tiefenruder gesteuert. Fast a^enblicklich beginnen die Boote zu sinken. Wenige Stunden vorher sind die Sehrohre ausgefahren, ttb nun sitzt der Kommandant am Periskop, um, selbst ungesehen, den Feind zu erspähen.
Im getauchten H-Boot geht der Dienst genau so Miter, als ob über Wasser gefahren würde. Die K:mpressoren arbeiten und ebenso die starken Perdekräfte der Dieselmotoren. Die Spannung ivrd erst verstärkt, wenn das H-Boot in dem ihm Mcher angegebenen Quadrat seine Anfangsposition biogen hat. Jetzt muß der Kommandant auf fein Schußziel warten, auf den günstigsten Augenblick und bi- günstigste Lage, um fein Torpedo in bas Ziel ji bringen, das fern am Horizont sichtbar wird. Dr junge Kapitänleutnant blickt mit letzter Konzentration in fein Sehrohr. Dies sind die Sekunden, bi im H-Bootleben unvergeßlich' sind, Sekunden,
5 ändert den A
gestalten. Sv begegnen wir einzelnen Wörtern, die sich nichts angehen, die aus ganz verschiedenen Wortfamilien stammen, also durchaus nicht miteinander „verwandt ober verschwägert" find und doch Ähnlichkeiten aufweisen, die manchmal bis in die Schreibweise hinein reichen, sodaß sie nur als Doppelgänger bezeichnet werden können.
Völlig gleiche Wortgestalten zeigen z. B. der Römer, der Bürger des alten Rom, und der- Römer, aus dem man trinkt. Während in älteren Lexika zu lesen stand, der Name des Weinglas- Römers fei „nicht mit Sicherheit zu erklären", stellt die neuere Sprachwissenschaft fest, daß jenes grüne, bauchige Weinglas schon seit dem Jahre 1501 „Roemer" heißt und daß es unzweifelhaft von dem Zeitwort „roemen" = rühmen herkommt. Ein Römer war also ursprünglich ein „Prunkglas, mit dem man einen Trinkspruch zu jemandes Ruhm ausbrachte", eine Sitte, die sicherlich genau so deutschen Ursprunges ist wie der Name des schönen Weinglases, das heute als „Sammelrömer", Stück für Stück erworben, in bunten Farben leuchtend und durch köstlichen Schliff verziert, in der Vitrine ober auf ber Anrichte steht, als Rühmer einer gepflegten Häuslichkeit.
Bei der Grasmücke steht die Sache folgendermaßen: Die erste Silbe bezieht sich tatsächlich auf den Bestandteil einer Wiese, das Gras, oder überhaupt auf grünes Blattwerk. Dann aber ist durch Weglassen eines einzigen Buchstabens jener Effekt entstanden, der jetzt Grasmücke und Stechmücke zu Sprachdoppelgängern gemacht hat. Die Grasmücke hieß im Althochdeutschen nämlich ursprünglich „grafamuefa". Der zweite Wortteil „smucka" ist eng verwandt mit „smiegen" = schmiegen, schlüpfen. Der kleine Vogel schlüpfte, das hat man schon früher beobachtet, durch das grüne Blattwerk von Hecken und Gebüschen. Dann aber kam der Sprachgebrauch: er sorgte dafür, daß, als aus „grasasmucka" „Grasesmucka" geworden war, jenes „s" am Anfang von „smucka" verschluckt und schließlich auch noch das blasse „e" verflüchtigt wurde. Schließlich war dann aus „smücke" Mücke geworden.
Wir erwähnten eingangs den Walfisch. Daß es sich Hei diesem Tier nicht um einen Fisch, sondern — zoologisch ausgedrückk — um einen Säuger handelt, ist bekannt. Ein» Walfisch ist demnach eigentlich ein Wal. Die Wortform „Wal", bie, uns in ber gleichen Bedeutung auch in „Walroß" begegnet, kommt au5 dem Altnordischen und heißt so viel wie „großer Fisch", so daß also auch das Walroß einen zoologisch „falschen" Namen hat und der Walfisch eigentlich einen „großen Fisch-Fisch oe- t zeichnet — ein zoologischer Doppelirrtum.
sie läuft, wie der Torpedo selbst, unter dem Schiff hindurch, um an Backbord den geraden Strich auf der Ostsee fortzusetzen. Aller Augen verfolgen die helle Linie, bis plötzlich weißer Qualm auffteigt. Die Maschine im Torpedoinnern ist abgelaufen, der Aal ist an die Oberfläche gekommen, und die Füllung mit Kalciumkarbid zeigt den Ort an, wo der Torpedo nun kraftlos in der Ostsee herumschwimmt.
Uni) weiter geht das Schießen. Es gibt nichts Interessanteres, als diese U-Boot-Angriffe zu verfolgen, auch wenn sich das alles ohne Geknall und Schlachtendonner abspielt. Auf den Bugschuß des ersten folgt ein Heckschuß des zweiten Bootes, und das dritte, U 31, wartet sogar mit einem „Viererfächer" auf. Das heißt, daß U 31 vier Torpedos nahezu gleichzeittg auf die „Saar" abfeuert. Vier Blafenbahnen steuern auf das Zielschiff zu. Das U-Boot ist mit diesen vier Schüssen zugleich aufs Ganze gegangen, und es hat recht daran getan, wie das Ergebnis anzeigt. Von den vier Schüssen haben zwei getroffen, und wenn jetzt Ernst wäre, dann läge wenige Augenblicke später bte „Saar" wohl auf bem Grunde der Ostsee.
U-Boot-Schießen ist ganz sicherlich keine Kleinigkeit, schon nicht am Tage und ganz gewiß nicht i n der Nacht. Da muß U 36 aufgetaucht aus 2400 Meter Entfernung angreifen, und zwar möglichst so, daß es vom Gegner nicht gesehen wird. Zu
Flottillenchef auf dem Zielschiff den „Tannenbaum" zeigen läßt. Das ist eine ganze Reihe von Signalflaggen aller Art, bunt wie ein Tannenbaum und deshalb fo auffallend, damit dieses Signal vom Sehrohr auch erkannt werden kann. Dieses Signal beendet die Spannung ber entscheidenden Minuten, denn es bedeutet: Austauchen!
!l-Bootbegleitschiff „&aar".
Der Flottillenchef hat fein Quartier auf dem U-Boot-Begleitschiff „Saar" aufgeschlagen, das der Flotttlle „Saltzwedel" zur Verfügung steht. Don diesem Schiff werden diesmal auch die Schießübungen geleitet, die zum festen Ausbildungsprogramm der U-Boot-Fahrer gehören. Das Interesse an den Schiebergebnissen ist auf der „Saar" kaum geringer als auf den U-Booten selbst. Die Signalgäste haben über Mangel an Beschäftigung auch nicht zu klagen; da wird gewinkt, gefunkt und gemorst, daß es nur so eine Art hat, denn außer den Befehlen an die U-Boote gibt es Befehle für die Geleitschiffe, die zur U-Boot-Sicherung mitfahren, sowie für die Torpedoboote, die die Aufgabe haben, die abgeschossenen Torpedos der U- Boote aufzunehmen. Vorn am Bug stehen die Matrosen, die, zu diesem Dienst eigens ausgebildet, die Aufgabe haben, die gefährlichen U-Boote zu sichten. Die Arbeit geübter Augen wird durch beste Doppelgläser und Entfernungsmesser unterstützt. Ist diese Aufgabe schon am Tage nicht leicht, so ist sie noch viel schwerer und zugleich wichtiger in der Nacht.
„Angriff von Steuerbord" wird signalisiert, und meist meldet gleich darauf das U-Boot auch den abgegebenen Schuß. Nun heißt es die berühmte Blasenbahn zu suchen, die den Lauf des Torpedos anzeigt. Da ist sie auch fchon im Süd- often entdeckt und läuft in schnurgerader Bahn auf. das Schiff zu. Mittschiffs trifft sie auf die „Saar";
Warnemünde, Juli 38.
U 36, zur Unterfeeebootflottille „Saltzwedel" gehörig, hat es in sich. Das gilt für die Männer, die in den Monaten ernsten und harten Dienstes zu e^er Einheit geworden find. Das gilt auch für die glanzenden Aale, die als schußbereite Torpedos in ihren Rohren bereit liegen und auf ein lockendes Ziel rourten. Für diesen Julitag und die kommende Nacht hat der Flottillenchef, Korvettenkapitän I b« bei en, der nach vor Monaten als Kommandant selbst U-Boot fuhr, Torpedofchießen ange-- scht: Da gibt es über und unter Wasser alle Hände 0(6 zu tun. Den schönen Mädchen von Warnemünde gilt ein letzter Gruß, dann geht es durch den engen Einstieg an die Maschinen, an die Tauchstationen, jeder an seinen Platz. Dom Flotttllenchef kommt der Abfahrtsbefebl und hinaus geht's mit den grauen Ungetümen m die morgendliche Ostsee. Der Wind macht keine dicken Backen heute morgen, 0 daß man auf Deck und am Turm noch eine Zi- jarette rauchen kann. Das geht aber längst nicht mmer so gnädig zu. Oft, allzu oft muß man sich am Turm feftschnallen, um sich überhaupt halten zu können und wenn man nach 15ftünbiger Tauchfahrt
Schuhe im Hotel.
Von Christian Bock.
Ja, stellt man nicht, wenn man nachts im Hotel seine Schuhe vor die Türe stellt, ein Stück seiner selbst auf den Korridor hinaus? Oder mehr noch: dcn ganzen runden Charakter, den man hat. — Dian stellt sich bloß, fo ist es!
Schuhe auf dem nächtlichen Korridor verraten ch:e Träger: sie verraten den Mann, der nüchtern idion um 22 Uhr zu Bette ging, mit Sorgfalt und püantischer Genauigkeit fein Aeußeres auf einem Suhl zusammenlegte, die Zähne und die Seele putzte, seine Schuhe so nach Millimetern ausgerichtet nuch draußen stellte, und dann gerecht, ungeheuer grrecht, sich schlafen legte.
»Sie verraten den soliden Glanz des Mannes, der ir: 5 Dingsda kam und sonst am Abend Filzpan- icft'eln trägt, der um vierundzwanzig Hhr nach oben £ng, aber vorher feiner Frau in Dingsda eine orte schrieb: Ich bin gut an gekommen.
Sie verraten den Zecher, der mit himmelhoch be» ärvingten Geistern um - drei die Klingel draußen briKfte, um die im Kreis die schwankenden Buch- stcben endlich sich rundherum zum Wort „Nacht- gbitfe" formten. Er zog sich oben aus in feinem 3mmer und weiß am nächsten Morgen nicht mehr Mz, wieso und wie — und feine Schuhe, als Jütten sie zusammen mit ihm gezecht in dieser Men wilden Nacht, liegen mitsamt den Socken bunten vor der Tür.
And bann die Schuhe, die zu vereinten Paaren Dir einer Türe stehn. Sie verraten das Paar, das hinnen schläft, den Mann, der seine Schuhe forg» jom schützend um ihre stellt und damals an einem ipiten Abend unter dem glänzenden Mond schwor, ti liebte sie und möchte nur mit ihr durchs Leben > ft^en. Nun geht er neben ihrem zierlich leichten Sraßentrab mit großen festen Schritten und ist /h" Mann, der ihre Schuhe keinen Zoll nach links Mb rechts seitenfpringen läßt: sein Schuh bleim te und rechts vor ihren gediegen und beharrlich M)en.
And steht da nicht vor der nächsten Tür ein Mberes Paar — ein ganz anderes? Sie stehen li'sig nebeneinander da und ohne alle dumme Cifer- H)t. Im leichten Winkel seine Lackschuhe und Een ihnen sie mit leichten Abendschuhen, die sehr Joie tanzen. Sie kommen in eleganten Romanen Dir, solche Schuhe und solche Paare. „Ach, Baby!" legt er zu ihr, und „my dear!" sagt sie zu ihm. — 8 chelnd kommen sie um 10 zum Frühstück nach ; ^ten.
täglich Frau gesucv 1 Reinigen der BetnebsrauM. j
G^DameSe*1
■ Nüronrb. uertr.' . S tott« W
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