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feit waren, sofort wieder aus dem Bewußtsein aus- schaltet. So wird man beispielsweise auch das Alltägliche, das ständig um einen herum ist, und das einem auch in einem Kurort bald zur Gewohnheit wird, wie etwa das morgendliche Kaffeetrinken, die Straßen, durch die man geht, das Haus, in dem man wohnt, erst wenn man wieder zu Hause ist, in seinem Erinnerungswert erkennen.
als ein Dutzend geheimnisvolle Kriminalfälle, deren Inhalt ohne jede Ausschmückung den Berichten der Berittenen Polizei entnommen ist. Wer für Kühnheit, Hartnäckigkeit und scharfsinnige Schlußfolgerung bei der Lösung lebenswahrer Geheimnisse Interesse hat, wird von diesem Buch gefesselt werden.
— Das tapfere Herz. Don Edgar C h r i - stian. (Franckh'sche Derlagshandlung, Stuttgart. Preis 3,80 Mark.) — 131. — Ein ergreifendes Tagebuch eines verlorenen Kampfes, einer erschütternden Tragödie in Eis und Schnee. In dem strengen Winter 1926/27 unternahm John Hornby, ein tapferer und erfahrener Arktis-Forscher, mit seinen Freunden Harold Adlard und dem erst achtzehnjäh-,
In Wellesville im Staate Neuyor-k wütet in der für über 15 Millionen Dollar errichteten Großraffl- nerie der Sinclair DU Company, einer der größten Oelanlagen der Vereinigten Staaten, ein Riesen- feuer. Bisher sind 14 Oeltanks in die Luf g e f l o g e n. Ein größerer Oeltank wurde bei seiner Explosion mit ungeheuerer' Wucht in die L u f 1 geschleudert und landete in einer Zuschauer- menge, die in größerer Entfernung von der Brandstätte sich aufhielt. Drei Zuschauer kamen dabei u m s L e b e n, 50 wurden schwer verletzt. Zahlreiche Feuerwehren aus über 15 benachbarten Orten arbeiten zur Stunde fieberhaft, um ein Uebergreifen der Flammen auf die übrigen 308 Oeltanks zu verhindern. Die Brandursache ist bisher noch völlig
Die erste Ausnahme von Generalfeldmarschall Hermann Göring und Frau Emmy Göring mit ihrem Töchterchen Edda. — (Pressephoto-M.)
Anders ist es beim Mangel an Ausdrucksfähigkeit, den wir als zweiten Grund festgestellt haben. Hier liegen die Dinge so, daß einem zwar die mannigfaltigen Eindrücke, wie etwa die Berge, das Meer, ein Bauwerk oder was es auch sei, zum Bewußtsein ............ --v- v - - - ,r - . .
kommt und wohl auch zum künstlerischen Erlebnis tivarbeit, die von dieser Truppe geleistet wird. Die wird, daß man aber diese Erscheinungen aus man- Außenwelt weiß auch wenig von den erstaunlichen cherlei Gründen, sei es, daß man ihnen zum ersten- Erfolgen der selbstlosen und in der Stille arbeitenden mal qeqenübersteht oder daß einem die Zeit zur Ber- Detektive des Nordens. Dieser Band bietet mehr tiefung fehlt, nicht bildhaft auszudrücken vermag. So 1 d-r-n
wird man gerade klischeehaften Auffassungen von Gebirgslandschaften immer wieder begegnen, wobei man oft den Eindruck hat, als hätten Ansichtskarten zu der Aufnahme Pate gestanden. Denn einem so neuen Eindruck, wie es das Gebirge ist, stehen die meisten zunächst einmal ganz fremd gegenüber. Da ist es also ganz natürlich, daß sich der Amateur Vorbilder sucht, ohne zu bedenken, daß die Ansichtskartenindustrie bei ihren Aufnahmen von ganz anderen Gesichtspunkten ausgeht. Für sie müssen unter allen Umständen die Berge irgendwie sichtbar werden, dem bildhaft eingestellten Amateur dagegen kann sich eine Gebirgslandschaft auch in ihren Ein-
Die Wende des Weltkrieges.
Oie Tankschlacht vom 18. Juli 1918 zwischen Marne und Aisne.
Reisebilder - einmal anders gesehen
Von Auqust Wagner, Lich.
zelheiten, etwa in den Alpenblumen oder in einsamen Gebirgsseen erschließen.
Um diese beiden eben festgestellten Mängel zu beseitigen, bedarf es einer gewissen Schulungs- und Erziehungsarbeit. Man zucke nicht spöttisch die Achsel, wenn ich behaupte: Es gibt auch eine Erziehung zur Erlebnisfähigkeit. Zweifellos muß, um einen Gegenstand künstlerisch erleben zu können, eine gewisse natürliche Veranlagung vorhanden sein, aber diese Erlebnisfähigkeit nach einer bestimmten Richtung hin I zu vervollkommnen und zu vertiefen, ist von je her das Ziel aller großen Künstler gewesen. Auf unseren Fall angewandt, hieße das, sich schon vorher auf die geplante Reise einzustellen und mit allen Möglichkeiten vertraut zu machen. Man wird also zunächst einmal aus den Reisen, die man bereits hinter sich hat, lernen können, bann aber wird man die bevorstehende Reise im Geiste an Hand eines Atlasses oder eines Reiseführers schon einmal vorerleben. Zur Unterstützung der Phantasie möge dabei eine reiche Bildersammlung, die man sich aus Photozeitschriften und Illustrierten Zeitungen beliebig zusammenstellen I kann, helfen. Auch ein Kulturfilm vermag einem I manche Anregung zu geben.
Im großen und ganzen wird man dabei folgende I Punkte zu beachten haben: An- und Abreise (Bahnhof _ Reisekoffer); Aufenthaltsort (Alltag, Straßen, I Morgenkaffee); die Landschaft und ihre Bewohner (Fischer, Bauern, Feste); Bauwerke (Kirchen, Klöster,
Büchertisch.
— Ein gesegneter Lügner. Don Karl Friedrich Kurz. Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg. Kart. 4,80 Mk., geb. 5,60 Mk. — (87) — Als fesselnder Erzähler führt der Autor seine Leser in diesem Buche weit hinauf an den nordischen Strand. Er läßt den Leser dort im Geist erleben, wie die verheerende europäische Nachkriegszeit selbst an diesen einsamen Gestaden ihre tollen Auswirkungen zeigt. Ein Mann, der „gesegnete Lügner", wird von Kurz in den Mittelpunkt der Handlung gestellt, und was dieser Kunde nun alles „dreht', das wird in dem Buche anschaulich, oft mit einem Abstecher in den Bereich des Humors, erzählt. Was dieser Magnus Wind, der „geborene Lügner", da anrichtet, geht oft auf keine Kuhhaut. Kurz versteht die Erzählung dem Leser so interessant zu machen, daß er sich gerne diesem aus Erfahrung und einem heiteren Weltwissen entstandenen Roman überläßt.
Ernst Blumschein.
Trier erhält Omnibusbetrleb.
Die Stadtverwaltung T r i e r hat sich entschlossen, den Straßenbahnbetrieb auf Omnibus« betrieb urnzustellen. Zunächst soll eine fünf Kilometer lange Teilstrecke mit fünf Omnibussen befahren werden, die schon in Auftrag gegeben sind. In zweb bis drei Jahren werden zehn weitere Omnibusse in den Straßenbahnbetrieb eingereiht, und in etwa zehn Jahren soll die völlige Umstellung durchgeführt und die elktrische Straßenbahn aus dem Verkehr verschwunden sein.
Schweres Verkehrsunglück.
Bei Weißenburg (Bayern) ereignete sich ein furchtbares Verkehrsunglück. Bei Markhof in der Nähe von Dettenheim stießen auf der Reichs- straße Augsburg — Nürnberg, wahrscheinlich beim Ueberholen, ein Personenwagen und em Lastzug zusammen. Der Lastzug, der aus dem Allgäu stammt, bestand aus Kraftwagen und zwei Anhängern. Der Lastkraftwagen drehte sich bei dem Umfall herum und stürzte auf das Personenauto. Es entstand eine Explosion, so daß das Personenauto sowie der Lastkraftwagen im Nu in Flammen standen. Auch die beiden Anhänger, die sich inejn- anderschoben, brannten aus. Während sich die beiden Fahrer des Lastzuges durch Abspringen retten konnten, fand der Fahrer des Personenautos den Tod in den Flammen. Die Fahrer des Lastzuges erlitten Verbrennungen an Händen, Füßen sowie am Kopf und wurden schwer verletzt in das Krankenhaus nach Weißenburg eingeliefert. Ihr Zustand ist nicht lebensgefährlich. Bei dem Getöteten handelt es sich um einen Hutgeschäftsinhaber aus Augsburg.
— „Gesetz in der Wildn is." Nach Berichten der kanadischen Polizei. Von T. Morris Langst r e t h und Henry Vernon. Aus dem Englischen übersetzt von Erich Liebermann von Sonnenberg. Verlag Scherl, Berlin SW 68. Geh. 2,50 Mark, Leinen 3,80 Mark. — (122) — Die Königlich Ka- nadische Berittene Polizei ist eine der berühmtesten Polizeitruppen der Welt. Aber nur roeniae Außen- | stehende kennen den aewaltigen Umfang der Detek-
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Bauernhäuser, Denkmäler); die Reisegesellschaft (Schnappschüsse vom Strand und von Wanderungen). Darüber hinaus wäre noch denkbar, daß einer besondere Interessen hätte, wie Freude an Blumen und Tieren, an einheimischem Handwerk usw., die er natürlich in seinen Plan einbauen müßte.
Diel einfacher ist es nun, sich im künstlerischen Ausdruck zu schulen, denn darin hat der Amateur ja i schon zu Hause die Möglichkeit. Nur wird er sich über das grundsätzlich Neue, das ihn vielleicht auf der Reise erwartet, schon vorher seine Gedanken machen müssen. Sein Ziel muß immer sein, das Wesen eines Gegenstandes zu erkennen und herauszustellen. Dann wird er es am ehesten vermeiden, auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln. Freilich wird ihm dabei die Beherrschung der technischen Fertigkeiten ein unschätz- barer Helfer sein können. So wird manchmal, insbesondere bei Bauwerken, die Blickrichtung ein wich- tiges Gestaltungsmittel sein können, anderseits wird zur Wiedergabe einer charakteristischen Stimmung ein bestimmtes Negatiomatenal oder ein bestimmter Filter, gegebenenfalls auch Gegenlicht dienen müssen.
Als eine besondere Art der Formgebung, die aller- dings heute noch viel zu wenig beachtet wird, sei zuletzt auch noch der Bildschnitt bei Vergrößerungen erwähnt. Wo eine Erfassung des Charakteristischen eines Gegenstandes etwa durch Isolierung nicht mög- lich ist, läßt sich an der fertigen Vergrößerung durch Ueberbetonen und starkes Vergrößern eines bild- richtigen Ausschnittes und nachträglichem Wegschneiden alles Nebensächlichen noch manche überraschende Wirkung erzielen. Ich denke da z. B. an einen Kirchturm, den man nur aus der Ferne photographieren kann, wie überhaupt an alle Gegenstände, die eine unnatürlich Länge oder Breite haben. Man sieht es neuerdings oft in illustrierten Zeitungen, daß solche schmalen Bildstreifen die ganze Länge oder Breite der Zeitung einnehmen. Natürlich muß man in diesem Falle auf die herkömmlichen Maße 9 X 12„ 13X18 verzichten. Dies ist aber an und für sich nicht etwa ein künstlerischer Mangel, im Gegenteil, der aufmerksame Besucher von Gemäldeausstellungen wird immer wieder beobachten können, daß die äußere Form der Länge und Breite eines Gemäldes nicht geometrisch zu errechnen ist, sondern mitunter ganz bestimmten künstlerischen Gesetzen zu dienen hat (wie z. B. starke Betonung der Himmelspartie).
Wenn wir so unter Ausnutzung aller Möglichkeiten auch nun unserem Reisealbum durch wirkungsvolle Anordnung der Bilder ein künstlerisches Gepräge geben, bann bietet sich uns biesmal eine geschlossene Leistung bar, mit ber wir sicher zufrieben sein . bürfen.
Dierftünbiger Fahrt glatt bei Thurau in ber Nähe von Koethen.
Bertram von Bagdad nach Karachi unterwegs.
Der deutsche Flieger Hans Bertram, ber am Freitagfrüh 0.30 Uhr mit ber planmäßigen Maschine ber Lufthansa von Berlin zu seinem „W e l t f l u g auf die Minute" startete, ist am Freitag um 22.50 Uhr in Bagbab eingetroffen. Das Flugzeug erreichte Bagbab eine Stunde 50 Minuten vor ber planmäßigen Zeit. Damit ist bie erste Etappe bes Weltfluges gewonnen. Am Samstag 9.40 Uhr startete Bertram mit einem Flugzeug der französischen Linie Air France nach Karachi.
Zuchthaus für Dartehnsfchwindler.
In Duisburg ging ber große „Darlehnsschwindel- prozeß Hackenbroichs zu Ende. Hackenbroich erhielt wegen 66 vollendeter und 9 versuchter Betrugsfälle eine Zuchthausstrafe von zehn Jahren sechs Monaten und 17 000 RM. Geldstrafe, Helene Muensberg sechs Jahre Zuchthaus und 4600 RM. Geldstrafe, Frau Schulte vier Jahre Zuchthaus, ber Angeklagte Otterbach brei Jahre Zuchthaus. Auf äußerst raffinierte Art hatten es bie Angeklagten verstanden, nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch im Ausland für rund 665 00 RM. Darlehen zu erschwindeln. Zwar wurde ein Teil der Darlehen mit hohen Zinsen zurückgezahlt, um neue Opfer zu ködern, aber immerhin blieb noch rund eine Viertelmillion Mark in den Händen der Schwindler. Kostbar eingerichtete Wohnungen in Köln und Duisburg, Autos und eine Keksfabrik waren mit den erschwindelten Geldern angeschafst worden. Das alles sollte auch dazu dienen, die Dar- lehnsgeber sicher zu machen. Gefälschte Bescheinigungen über Aufträge großer Firmen und des Staates, ein „Major von Hill", ber über angebliche Heeresaufträge berichten mußte, waren weitere Mittel, mit benen bie Schwindler arbeiteten. Aber auch Heiratsbetrügereien mußten zur Beschaffung von Geldern, mit denen die Angeklagten em großzügiges Leben führten, herhalten. Bereits vor 13 Jahren waren die Angeklagten Hackenbroich und Helene Muensberg wegen ähnlicher Schwindeleien zu hohen Strafen verurteilt worden. Schon ber damalige Prozeß hatte wegen der Gerissenheit und Skrupellosigkeit der Betrüger und wegen der Leichtgläubigkeit, mit der ihre Opfer auf die Schwmde- leien hereingefallen waren, größtes Aufsehen erregt.
wütender Elefant tötet feinen Wärter.
Im Münchener Tierpark Hellabrunn wurde der Elesantenwärter Hans Werner ohne jeden erklärbaren Anlaß von seinem Lieblingselefanten Wastl auf der Plattform angegriffen, zu Boden geworfen und mit den Stoßzähnen schwer verletzt. Der Rettungsdienst brachte den Schwerverletzten in die Chirurgische Klinik. Eine Operation konnte ihn nicht mehr retten. Der Elefantenwärter verschied innerhalb kürzester Zeit. Der Unfall ist um so unerklärlicher, als der in Hellabrunn geborene Wastl von Werner aufgezogen wurde und an seinem Wärter mit großer Liebe hing.
Riesiger Oelbranb in den Vereinigten Staaten.
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Es ist eine bekannte Tatsache, daß die meisten Photoliebhaber von ihren Reisebildern irgendwie enttäuscht sind. Und meistens auch dann, wenn sie zu Hause schon beachtliche Leistungen in ihrer Kunst erzielt haben. Wohl wird man immer eine große Auswahl Bilder von der Reise mitbringen, und doch genügen nur wenige den hohen Anforderungen, die man gewöhnlich an ein Photo zu stellen pflegt. Woran liegt das?
Wenn man den Dingen dann einmal auf den Grund geht, wird man erkennen, daß diese auffallende Erscheinung vorwiegend zwei Ursachen hat, die einmal im Mangel an Erlebnis- und zum andern im Mangel an Ausdrucksfähigkeit liegen.
Das Reisephoto ist — das muß besonders hervor- qehoben werden — mehr als andere Erinne - rungsphoto, das, heißt also ein Bild, das auf Grund ganz persönlicher Erlebnisse gewonnen wird. Nun haben zwar alle Amateure auf einer Reise irgendwelche Erlebnisse; sie erzählen später davon oder schreiben sie auch in ihren Briefen nach Hause, aber damit ist noch lange nicht gesagt, daß sie ihnen auch als bildhaft-künstlerische Erlebnisse.zum Bewußtsein kommen. Man spricht auch auf Reisen gern von einer gesteigerten Empfänglichkeit ber Seele, bie für bie vielfältigen Einbrücke besonbers aufgeschlossen sein soll, aber gerabe burch bie Ueberfülle ber Eindrücke stellt sich auch sogleich eine gewisse Mubigkeit ber menschlichen Psyche ein, bie manche Dorgange ober Einbrücke, von denen man vielleicht erst spater sagen kann, daß sie für einen persönlich von Wichtig-
Am 18. Juli sollte sich zeigen, daß General Fach gegen bie schwächste Stelle der ganzen deutschen Front zwischen der Nordsee und den Alpen einen Angriff richtete, in, dem sich mit der ganzen Erfahrung der alliierten Führung aus vier Kriegsjahren der ganze Vernichtungswille eines Feindes, der seine Stunde endlich gekommen sah, zu der entscheidenden Operation des Krieges summierte.
Die deutsche Oberste Heeresleitung stand dem Ereignis bes 18. Juli nicht ungewarnt gegenüber. Sie hatte baraufhin Abwehrmaßnahmen angeordnet, aber Anträgen aus den Armeeoberkommandos auf Bewilligung von Verstärkungen hatte sie sich versagen müssen. Als dann der 14. Juli, der französische Nationalfeiertag, für den man auf Grund der Gefangenenaussagen den Angriff erwartet hatte, verstrichen war, empfand die Führung bie Lage als gebessert und sah einen Großangriff nicht mehr als wahrscheinlich an. Zudem zog bas AOK. 9 einen Antrag auf Ueberweisung von vier Divisionen zurück. Dann war am 15. die deutsche Führung selbst zum Großangriff um Reims geschritten. Am frühen Morgen bes 18. Juli erreicht bie Truppe in der vordersten Linie ein neuer Ruf bes Schicksals, aber er kommt zu spät, um noch dorthin zu dringen, wo das Hirn der deutschen Kriegführung seinen Sitz hat: ins Große Hauptquartier in Aoesnes. Gegen 4.15 Uhr morgens laufen beim 3. Bayerischen Infanterie-Regiment zwei französische Infanteristen über. Sie sagen aus, baß zwischen 5 und 6 Uhr auf breiter Front ein großer Angrif zwischen Marne und Aisne erfolgen werde. Sie sind kriegsmüde und wollen „ nicht mehr mitmachen". An dieser Stelle ist das Feldtelephon an diesem Morgen gestört. So erfährt das Bataillon erst um 4.45 Uhr, das Regiment um 4.50 Uhr, die Brigade um 5 Uhr, die Division um 5.10 Uhr, was der Kompanieführer um 4.30 Uhr gehört hat. Und ehe das Gruppenkommando, das Armeeoberkommando und bie Heeresgruppe auch nur eine Ahnung haben, kracht es vorn an der Front aus Tausenden von Geschützen, sind die feindlichen Sturmbataillone, hinter Hunderten von Tanks her, denen die Feuerwalze vorauseilt, über die deutschen Vorposten, über die Hauptwiderstandslinie hinweg, tief in die Stellungen der 9. und der 7. Armee eingebrochen.
„Wie ein hungriger Leopard", schreibt später Winston H. Churchill, hat General Mangin auf den Augenblick dieses Angriffes gewartet. Seit dem 11. Juli haben seine Truppen und die des Generals D 4 g o u 11 e sprungbereit in ihren Gräben gestanden. Jetzt ist es so weit. Sie haben für diesen Tag ein neues A n g r i f f s v e r f a h r e n erdacht, das auf den Erfahrungen der Tankschlacht von Cambrai im November 1917 und des Panzerwagenangriffs auf Hamel vom 4. Juli 1918 beruht. Es gibt fein Trommelfeuer mehr. Die Schlacht be
ginnt mit der Feuerwalze. Mit ihr zusammen stürmen die Tanks nach vorn und mit den Tanks die Infanterie. Mit dem ersten Kanonenschuß soll die angreifende Infanterie dem Gegner bereits am Halse sitzen, und das neue technische Angrifss- mittel des Panzerwagens, das hier zum erstenmal in ungeahnter Menge auftritt, soll auf feiten des Feindes alles überrennen. Was Foch jetzt tut, wird Hindenburg nie tun können; ihm fehlt die Panzerwaffe zum überraschenden Abschluß.
Die Ueberraschung gelingt, wie Foch sie geplant hat, sie gelingt nur zu gut. „Am Morgen des 18. Juli", schreibt Hindenburg, „gehen Teile der nicht in den Verteidigungsstellungen liegenden Kampftruppen zur Erntearbeit in die Kornfelder. Sie sind überrascht, als plötzlich ein heftiger Granathagel in das Gelände schlägt ... Das Knattern I der Maschinengewehre beginnt auf breiter Front und zeigt, daß es sich um mehr handelt, als um einen Feuerübersall. Ehe man sich darüber völlig I klar ward, tauchen in den hohen Kornfeldern feindliche Panzerwagen auf." Wie ein Tornado rast der Feuersturm von Westen kommend über die deutsche Front dahin, hinter ihm rasseln die Tankgeschwader über die deutschen Gräben, die nicht einmal Gräben sind. Nie wieder wird der deutsche Grabenstürmer den Angriff nach Westen tragen. I
Tief ein brechen Mangins Tankgeschwader in die I deutsche Front. Sie tauchen überraschend auf aus Wäldern und Bachgründen und Getreidefeldern, zerreißen alle Hindernisse, walzen jeden Widerstand nieder, überrennen die erste Linie, durchbrechen die zweite, nehmen die Artilleriestellung und tragen | den Sturm ins freie Feld. Die ausgebrannten Divi-1 fionen, seit langem numerisch und körperlich geschwächt, kämpfen wie die Löwen, aber es hilft ihnen nichts, die Maschine ist stärker als der Mensch. In wenigen Stunden ist die ganze Angriffsfront vom Einsturz bedroht. Bis zu 9 Kilometer Tiefe steht der Feind in der deutschen Abwehrflanke. In Gewaltmärschen eilen die Hilfskorps herbei und springen in die Bresche. So gelingt es, gegen die ganze Größe der Gefahr einen vorläufigen Wall zu errichten, aber was an diesem Tage geschehen ist, kann nie wieder gutgemacht werden. Der taktische Erfolg des Feindes ist nicht einmal groß, aber der Feind hat feinen Stoß in entscheidender strategischer Richtung angesetzt, mit einem Schlage alle Pläne der deutschen Führung zunichte gemacht: „Der Angriffsgedanke ist zum zweitenmal in der Marne ertrunken!" General Fachs neue Ueberraschungskaktik gegen ein geschwächtes Heer hat gesiegt. ,^Daß dies möglich war", schreibt General v. Kuhl, „ist nur der Verwendung von Tanks zu verdanken. — Die Ueberraschung des Gegners vermittels eines Tankanariffs zu erreichen, waren wir leider nicht in der Lage"
Johannes Moeller.
unbekannt.
Große Waldbrande In den Vereinigten Staaten.
Seit mehreren Tagen, wüten in zahlreichen Gegenden des pazifischen Nord w e st e n s der Vereinigten Staaten etwa 200 hauptsächlich durch bie Hitzewelle verursachte große Waldbrände. Sie haben bereits einen riesigen Schaden in den Staaten Washington, Süd-Oregon und NordKali- fornien angerichtet. Etwa 3000 Farmer und zahlreiche Hilfskräfte versuchten bisher vergebens, bie Brände einzudämmen.
Zwei Todesopfer bei einem Scheunenbranb.
In Großröhrsdorf bei Pulsnitz in Sachsen brach in einer neuerbauten Scheune, vermutlich durch Funkenflug aus einem Elektromotor, Feuer aus, dem der mit Vorräten gefüllte Heuboden zum Opfer fiel. Aus den Trümmern ist die Leiche einer aus Polen stammenden Landarbeiterin geborgen worden Eine zweite polnische Landarbeiterin zog sich beim Sprung aus dem Fenster des brennenden Gebäudes schwere Verletzungen zu, denen sie alsbald erlegen ist. Der Besitzer der Scheune liegt mit schweren Brandwunden im Krankenhaus.
Unwetter in Ostgalizien fordert sieben Todesopfer.
In Ostgalizien wütete ein Unwetter, das sieben Todesopfer forderte. In einem Dorf wurden vier Personen, die vor dem Sturm in einem Heuschober Zuflucht gesucht hatten, durch einen Blitzschlag getötet. Unweit dieser Stelle wurden weitere drei Personen durch Blitzschlag getötet.


