Oesterreichs
Ehemaliges Bundesheer.
Das österreichische Bundesheer hat nach dem verlorenen Kriege schwere Zeiten durchleben müssen. Im Vertrag von St. Germain hat Oesterreich die gleichen schweren Bestimmungen der Wehrlos- machung erleben müssen wie Deutschland. Unter diesen Bestimmungen entstand das Wehrgeseg vom 18. Marz 1920, eine Wehrverfassung, die geradezu als Musterbeispiel dafür angeführt werden kann, wie man eine Wehrmacht nicht aufbauen kann und darf. Daß es dennoch so geschah, ist freilich nicht zu verwundern. Standen doch diesem Wehrgesetz drei Paten an der Wiege, die da hießen: Ein Friedensvertrag, diktiert von rachsüchtigen Feinden, eine Regierung mit marxistischer Mehrheit, und ein bis zum Extrem getriebener Länderföderalismus. Dieses mangelhafte Heer bedeutete außerdem noch für Oesterreich durch lange Zeit hindurch eine schwere Belastung der Staatsfinan- zen. Dazu kam, daß die Gesamtstärke des Heeres auf höchstens 30 000 Mann festgesetzt war, gemessen an einer Gesamtbevölkerung von fast sieben Millionen, kaum die Hälfte eines einzigen Altersjahrganges der männlichen Bevölkerung. Aus der Tatsache, daß die Mannschaften eine zwölfjährige Dienstpflicht auf sich nehmen mußten, ergab sich als weitere Folge, daß die an sich schon viel zu schwache Wehrmacht noch durch mehr als ein Jahrzehnt über fast gar keine ausgebildeten Reserve n verfügte. Im übrigen wies der Vertrag von Saint Germain genau dieselben schweren Bestimmungen auf wie der Vertrag von Versailles auf Bewaffnung und Kampfmittel. Flugzeuge, Panzerwagen und schwere Geschütze waren dem österreichischen Heer genau so verboten, wie sie dem deutschen Heer verboten waren.
Hinzu kam aber noch weiter, daß der innere Aufbau des Heeres durch politisch-parlamentarische Einflüsse erschwert wurde. Da gab es im Anfang Kompanie-Vertrauensmänner, die mit den früheren Soldatenräten erschreckende Ähnlichkeit hatten; da gab es ein Zivil-Kommissariat im Staatsamt für Heereswesen und ähnliches. Sektionsrat. Dr. Krones vom Bundesministerium für Landesverteidigung hat darüber merkwürdige Tatsachen mitgeteilt. So war im Anfang zum Beispiel ein Ausrücken bei schlechtem Wetter nur nach eingehender Beratung mit dem Vertrauensmann möglich und als Kuriosum sei angeführt, daß die Frage, ob der Befehl, sich die Haare schneiden zu lassen, nicht eine Verletzung des „staatsbürgerlich gewährleisteten Rechts" auf einen Künstlerschopf bedeute, den Gegenstand heftiger Debatten bildete, und erst auf Grund eines ausführlichen Rechtsgutachtens im Bundesministerium für Landesverteidigung entschieden werden konnte.
Das freilich waren Grotesken, die durch den gesunden Sinn der Offiziere und Soldaten des Bundesheeres bald selbst überwunden werden konnten. Schlimmer aber war die Tatsache, daß sich infolge der politischen Streitigkeiten ein Föderalismus breit machte, der die Wehrmacht völlig lähmte. Wurde doch die an sich schon so schwierige Ergänzung der Wehrmacht noch durch Länderkontingente belastet und darüber hinaus jede Versetzung eines Soldaten — damals einschließlich der Offiziere! — in ein anderes Bundesland von der Zustimmung der Landesregierung abhängig gemacht. Auch hier teilt der vorgenannte Sektion^rat im Bundesministerium eine Tatsache mit, die zeigt, bis zu welchen Absonderlichkeiten man gekommen war. Es konnte beispielsweise ein Offizier aus Vorarlberg im Bundesheer ohne Zustimmung einer anderen Landesregierung überhaupt nie Regimentskommandant oder Oberst werden, da das kleine Land ein seiner Bevölkerungszahl entsprechend geringes Kontingent von nur 600 Mann und daher auch kein eigenes Regiment oder höheres Kommando besaß.
Mit dem Jahre 1933 wurde das freilich dann langsam anders. Dem Heere gelang es, die parteipolitischen Kräfte zurückzudrängen, auch die außenpolitischen Widerstände begannen allmählich zu erlahmen und der Heiligenschein der Friedensdiktate verblaßte. Am 3. September 1933 wurde eine vorläufige Wehrordnung erlassen, durch die kurzdienende Mannschaften a'ngeworben werden tonnten. Es entstand ein Militär - Assistenz- Korps, in der diese Mannschaften vereinigt wurden. Die Wehrgesetznovlle vom Jahre 1934 beseitigte das Wahlrecht der Militärpersonen und machte die Zugehörigkeit zu Vereinen und Der- sammlungen von der Erlaubnis der vorgesetzten Dienststellen abhängig. Am 1. April 1936 wurde dann das Bundesdienstpflichtgesetz er- lassen, das vorsah, daß jeder Bundesbürger verpflichtet ist, einen Teil seines Lebens, grundsätzlich ein Jahr, dem Dienste für die Allgemeinheit zu widmen.
Rach der bisherigen Einteilung gliederte sich die österreichische Wehrmacht in sieben Divisionen und eine Brigade, dazu kommt eine schnelle Division, deren Kommando sich in Wien befindet. Zu dieser schnellen Division gehört die Kraftjägerbrigade Wien, eine Reihe Kavallerie- Regimenter, ein Panzerwagen-Bataillon, ein leichtes Kraftzug-Artillerie-Regiment, eine Kraftfahr- pionier-Kompanie und ein Kraftfahr-Telegraphen- Bataillon. Die Luftstreitkräfte gliedern sich in zwei Flieger-Regimenter, deren erstes in Wien und deren zweites in Graz steht. Daneben gibt es noch eine Reihe heeresunmittelbarer Verbände, so ein selbständiges Artillerie-Regiment, ein Brücken- Bataillon, eine Heeres-Pionierabteilung, eine Heeres-Telcgraphenabteilung und eine Heeres- Remontenahteilung.
Das Bundesministerium für Landesverteidigung bildete den Kopf der österreichischen Wehrmacht. Es gliederte sich in drei Sektionen, von denen die erste die Personalangelegenheiten und die Angelegenheiten der Ergänzung behandelte, der zweiten unterstanden die Geräte- abtellung, die Wirtschastsabteilung und unter anderem das Kriegstechnische Amt, die dritte Sektion des Bundesministeriums für Landesverteidigung war die Generalstabs-Sektion. Sie enthielt alle Abteilungen, die für die Behandlung der einschlägigen Fragen notwendig waren. Der Leiter dieser Abteilung war zugleich der Chef des Generalstabes für die bewaffnete Macht.
Seit dem Frühsommer 1933 trägt das österreichische Bundesheer wieder die Uniform und die Gradabzeichen (Sterne) der alten k. u. k. Armee und der k. k. Landwehr: feldgraue Kappe und Bluse, dazu eisengraue Hose. Jeder Truppenkörper der Fußtruppen und der Kavallerie hat aus Bluse, Mantel und Waffenrock die gleichen Aufschläge wie jenes Regiment des k. u. k. Heeres oder der k. k. Landwehr, das sich aus demselben Bezirk ergänzte. Ebenso haben Artillerie, technische Truppen, Spezialsormalioncn und Sond.idicnste
ihre Aufschlag- und Rockfarben wiedererhalten. Reu geschaffen ist lediglich die Adjustierung der Fliegertruppe und des Panzerwagenbataillons.
General Krauß.
General der Infanterie Alfred Krauß, der durch den Führer und durch Reichsstatthalter Seyß-Jnquart ausgezeichnet wurde, ist einer der bekanntesten österreichischen Heerführer aus dem Weltkrieg. Der General, der am 26. April 1937 75 Jahre alt wurde, hat im Februar vergangenen Jahres an der Gefallenengedenkfeier und an dem Tag der Ritter des Ordens Pour le merite in Berlin teilgenommen. Im Weltkrieg war er zunächst Kommandant der 29. Jnf.-Truppen-Division und bestätigte schon als solcher den ausgezeichneten Ruf, den er sich bereits in der Friedenszeit als Truppenführer erworben hatte. Infolge seiner hervorragen-
den Leistungen wurde er dann Generalstabschef des Erzherzogs Eugen. Januar 1917 wurde er Führer des k. u. k. I. Korps. Seine berühmt gewordene Leistung war der Durchbruch von Flitsch im Feldzug gegen Italien im Oktober 1917, den er im Verband der 14. deutschen Armee ausführte. Der General ist seitdem Träger des Ordens Pour le merite. Vom Mai 1918 ab war er Oberbefehlshaber der österreichischen Ostarmee in der Ukraine. General Krauß hat sich nach seiner Verabschiedung unermüdlich in Wort und Schrift für die gesamtdeutsche Sache eingesetzt, was ihm Haß und Verfolgung durch die Träger des Systems zuzog. Auch als Militärschriftsteller hat er sich einen klangvollen Namen erworben, so durch seine Bücher „Die Ursachen unserer Niederlage", „Das Wunder von Kar- freit", „Der Jrrgang der deutschen Königspolitik" und zuletzt durch das Werk „Theorie und Praxis in der Kriegskunst".
Geschichten aus aller Welt.
Rauch am Wasserwerk.
(ot) Bombay.
Zuerst sah man einen feinen blauen Rauch- streifen aus der berühmten Floraquelle aufsteigen. Aus der Floraquelle bezieht das Wasserwerk von Bombay den größten Teil des köstlichen Nasses, das in Indien noch weniger entbehrt werden kann als anderswo. Seit wann aber war die Floraquelle heiß, seit wann schickte sie Rauch gen Himmel? Man alarmierte die Polizei, die vorsichtig durch die Kanäle bis zu der eigentlichen Quelle vordrang. Hier ergab sich nun, daß drei Bettler an der Quelle auf einer erhöhten Plattform ihre Wohnung auf- geschlagen hatten. Sie hausten dort schon seit vielen Wochen, aber sie waren bisher immer so vorsichtig gewesen, kein Feuer anzuzünden und keinen Rauch und kein Licht nach oben dringen zu lassen. Erst als einem von ihnen ein Zündholz auf ein paar Lumpen fiel, entstand ein Brand und verriet die Wohnung der Vagabunden, die sich ausgerechnet an der einst für heilig gehaltenen Floraquelle von Bombay angesiedelt hatten.
Die Frau, die in die Schule will.
(th) Neuyork.
Im Laufe des vergangenen Jahres sind-in Ame- rika zahlreiche Personen verschwunden, von denen freilich die meisten von selbst wieder nach Hause zurückkehrten. Aber unter den schwierigen und merkwürdigen Fällen, die entweder gar nicht oder nur mit vieler Mühe von der Polizei aufgeklärt werden konnten, verdient der Fall der Mrs. Edwards besondere Erwähnung. Mrs. Edwards ist nicht weniger als fünfmal aus ihrem eigenen Haus da- vongelaufen. Sie ist sehr klein und ganz unentwickelt. Sie zog sich als kleines Mädchen an, nahm eine Puppe auf den Arm und lief in die nächste Schule, wo sie sich einfach unter die Schulkinder mischte und sogar am Unterricht teilnahm, ohne daß die Lehrerin etwas merkte. Der Gatte ist ein angefehner Kaufmann, der ein Radiogeschäft hat. Wenn seine Gattin bei seiner Heimkehr verschwunden ist, dann alarmiert er die Polizei, die ihrerseits sofort wieder in den Schulen Umfrage hält, wo Mrs. Edwards denn auch regelmäßig ausfindig gemacht werden kann.
Die Mine des John Swift.
(th) Cincinnati (USA.).
In Kentucky hat ein alter Goldsucher aus Alaska, ein gewisser John Kopf, ein großes Landgebiet für sich abstecken lassen. Er behauptet, den größten Goldfund von Kentucky gemacht zu haben. Schon vor Jahrzehnten ging die Rede von Goldminen in Kentucky. Aber die verschiedenen Expeditionen, die zur Auffindung des Goldes ausgeschickt wurden, kehrten ohne Ergebnis zurück. Jener John Kopf entdeckte eines Tages in einer alten Hütte in Kentucky die Aufzeichnungen eines gewissen John Swift, der von Indianern vertrieben worden war. Als Kopf der Affäre weiter nachging, ergab sich, daß jener Swift irgendwo einen Goldschatz von 40 000 Dollar vergraben hatte, ehe ihn die Indianer in die Flucht schlugen. Nun weiß man nicht in Kentucky, ob John Kopf diesen Goldschatz des alten Swift fand oder die Mine, die einst von den Rothäuten bewacht wurde, und aus der der alte John Swift seine Schätze an das Tageslicht holte.
Die allerdicksten Männer.
K. London.
Unlängst wurde von einem Mann berichtet, der 250 Kilogramm wiegt und für den der Titel des „dicksten Mannes auf Erden" in Anspruch.genommen wurde. Wie weit dies für die Gegenwart stimmt, ist nicht leicht festzustellen. In der Vergangenheit aber hat es dicke Männer gegeben, die ihn bei weitem übertrafen. In einem Buche über „Anomalien und Merkwürdigkeiten der Medizin" führt der Engländer Gould mehrere Fälle von allerdicksten Männer an. Im „Kingas Lynn Museum" kann man die Jacke des berümten Daniel Lambert aus Leicester, von dessen Dicke man in der ganzen Welt redete, noch bewundern; durch ihre Aermel konnte ein kleiner Mann bequem hindurchschlüpfen. Aber mit seinen 327 Kilogramm Gewicht wurde auch er noch übertroffen, und zwar von einer Negerin in Maryland, die angeblich 387 Kilogramm wog, und von einem Mann in Nordkarolina, der 2,30 Meter groß war und angeblich 450 Kilogramm wog. Ihm wird der Ruhm des allerdicksten Mannes auf Erden vielleicht nicht streitig gemacht werden können.
Ueberraschendes Kümmelblättchen.
(—) Portsmouth.
Auf den englischen Bahnen machen sich, genau , wie auf dem europäischen Festland, neuerdings die berühmten Reisenden mit dem „Kümmelblättchen" breit und finden auch häufig ihre Opfer. Spezialbeamte reifen jetzt häufig in den Zügen mit, um den Gaunern das Handwerk zu legen. Einer dieser Beamten wurde Zeuge des folgenden lustigen Vorfalls. Ein kleiner, fröhlich lächelnder kugelrunder Mann stieg in ein Abteil ein, in dem sich drei mit dem Kümmelblättchen befanden. Kaum war der nette Herr auf feinem Platz, als auch schon einer der Männer ein Kartenspiel heroorholte und zu „reizen" begann. Er zwinkerte dem Herrn mit dem dicken Bäuchlein zu. Der zwinkerte zurück. Er war damit einverstanden, daß man ein Freundschafts- spielchen machte. Aber er bat darum, ein eigenes, frisches Kartenspiel benutzen zu dürfen. Und was dann geschah, ließ diesen alten Gaunern die Augen übergehen. Der Herr mit dem Bäuchlein rift sein Kartenspiel auf, mischte die Karten, ließ sie durch die Luft fliegen, fing sie wieder auf, schlug die Volte, ließ alle Assen zusammenmarschieren, zeigte auf Wunsch in jeder beliebigen Reihenfolge die
Könige vor. Den Männern mit dem Kümmelblättchen wurde heiß und kalt. Und dann sagte der kleine dicke Mann, während er die Spielkarten wie Soldaten aufmarschieren ließ: „Ich habe diese Kartenspiele gern. Das ist nämlich mein Geschäft. Sie werden es nicht glauben, aber ich kenne alle Tricks... und wenn den Herren jetzt noch ein Spielchen angenehm ist — Ihr alten Spitzbuben — dann könnt Ihr es haben. Im anderen Fall laßt mich in Ruhe, damit ich meine Zeitung lesen kann."
Auf dem Eis oder auf dem Wasser?
(tr) Amsterdam.
Der vergangene Winter hat den Schlittschuhläufern eine recht schöne Saison beschert. Im Anschluß an diese vergangenen Winterfreuden legt nun ein holländischer Physiker Wert auf die Feststellung, daß es entschieden falsch sei, vom Eisläufen zu sprechen. Auf dem Eis könne sich kein Mensch mit Schlittschuhen fortbewegen. Es handele sich um ein Gleiten auf Wasser. Durch die Reibung und durch den Druck schmelze nämlich unterhalb der Metallstreifen des Schlittschuhs das Eis. So entstehe eine ganz dünne Wasserschicht, die es dann ermögliche, auf dem Eis fortzugleiten. Je größer das Gewicht einer Person sei, um so stärker entwickele sich jene Wasserschicht. Und wenn der Schwergewichtler dann noch über die nötige Geschicklichkeit verfüge, müsse er besonders gut imstande sein, auf dem Eis bzw. auf dem Wasser zu laufen.
Eine gute Natur.
K. Paris.
Während des Weltkrieges, am 26. September 1915, wurde der damals 21jährige französische Flieger Marcel Bailleul verwundet in ein Feldlazarett ein geliefert. Obwohl er ein großes Loch in der Brust hatte, wurde er geheilt. Nachdem er aus dem Kriegsdienst entlassen war, ließ er sich als Mechaniker in der Nähe "von Cambrai nieder, verheiratete sich und hatte drei Kinder, die heute 17, 16 und 13 Jahre alt sind. Dor einigen Tagen hatte nun Bailleul an einem Herzanfall zu leiden, und man machte eine Röntgenaufnayme von ihm. Da stellte es sich heraus, daß die Kugel, die er im Jahre 1915 erhalten hatte, immer noch verkapselt dicht am Herzen saß! Das Geschoß, das 17 Gramm wiegt, scheint den Patienten nicht besonders zu stören, „Ich lehne jede Operation ab", erklärte er, ,-das wird dauern, so lange es dauert."
„Meine Mutter ist Millionärin."
(ob) Amiens.
Auf der Chaussee nach Amiens griften Gendarmen einen Vagabunden auf, dessen Papiere aber in Ordnung schienen. Er nannte sich Alberic Ritecher und gab an, aus Peronne zu stammen. Die Poli- zeikonttolle wäre nun ja in Ordnung gewesen. Auf die Frage nach seinem Geldbestand mußte er zugeben, daß er zwei Sous bei sich trug, mit welcher Summe man aber auch nicht als Vagabund zu leben vermag. Man setzte Alberic in Polizeihaft und wollte ihn einige Franken verdienen lassen. Er zeigte sich aber sehr ungehalten über den Zeitverlust und behauptete, daß seine Mutter Millionärin sei. Man hielt das für einen schlechten Scherz, mußte aber erfahren, daß Alberic recht hatte. Seine Mutter hatte vor einem Jahr in der französischen Lotterie eine Million Franken gewonnen. Weshalb nun der Sohn als Vagabund durch das Land zieht? Die Polizei erfuhr seltsame Familienverhältnisse. Alberic war ein Kind aus der ersten Ehe und wurde von dem zweiten Gatten der millionenschweren Mama nicht anerkannt. Der zweite Gatte erreichte sogar, daß nur eine Derpflegungsverfügung zugunsten des Alberic in das Testament ausgenommen wurde, wonach er von einer alten Tante bis zu deren Ableben zu essen bekommensollte. Das wuroe Alberic eines Tages zu dumm. Er wollte sich auf eigene Füße stellen, kam aber nur 150 Kilometer weit. Dann fragten ihn die Gendarmen nach Geld. Seine Mutter hat sich geweigert, Alberic auch nur einen Franken zukommen zu lassen. Nun interessiert sich ganz Frankreich für dieses seltsame Mutterherz und für den jungen Mann auf der Landstraße. Der nervöse Herr und die Ziehharmonikas
(sh) Gens.
Still und friedlich lebte in einem Mietshaus an der Peripherie von Genf der Rentner Jean Baudry. Er erfreute sich einer gewissen Wohlhabenheit, und alles wäre gut gewesen, aber Herr Baudry ging die Wände hoch, wenn draußen einer eine Ziehharmonika zu spielen begann. Er schickte sein Hausmädchen mit einem Schweizer Franken hinunter und forderte den Musikanten auf, schleunigst das Feld zu räumen. Der Musikant verschwand. Dann kehrte er am anderen Tage wieder und versicherte, daß ihm mindestens zwei Schweizer Franken entgingen, wenn er auf dem Hof jenes Hauses nicht weiterspiele. Er bekam denn auch seine zwei Schweizer Franken. Offenbar haben die Genfer Straßenmusikanten einen geheimen Trust. Jedenfalls wurde der Tip von dem nervösen Jean Baudry, der die Musik des Schifferklaviers nicht vertragen kann, weitergegeben. Tag für Tag, mitunter zweimal oder sogar dreimal, fanden sich die Musikanten vor dem Hause des Jean Baudry ein und machten Musik. Eines Tages riß Jean Baudry die Geduld, er erschien auf dem Balkon seiner Wohnung mit einem Gewehr in der Hand und gab einen Schuß in der Richtung des Musikanten ab. Dieser ließ sein Instrument fallen und rannte zur Polizei. Baudry behauptete zwar, er habe nur mit einer Platzpatrone geschossen, um sich Luft und dem Musikanten Angst zu machen. Aber da man in der Mauer einen Einschlag feststellte, mußte man mit einem scharfen Schuß rechnen. Jean Baudry wird Genf vermutlich verlassen, nachdem die Polizei ihre Untersuchung abgeschlossen hat. Vor seinem Hause werden hundert Genfer Ziehharmonikas in Zukunft vergeblich meinen.
Aus aller Welt.
Der Führer verleiht Gustav Freussen die Goethemedallle.
Der Führer und Reichskanzler hat dem Schriftsteller und Dichter Gustav F r e n s s e n in Barlt (Holstein) in Anerkennung seiner Verdienste um das deutsche Schrifttum die Goethemedaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. — Frenssen, der ursprünglich Pfarrer war, ist einer der namhaftesten Vertreter norddeutscher Dichtung. Von seinen Romanen war „Jörn Uhl", der voriges Jahr im 428. Tausend erschien, der größte Erfolg. Frenssens Schrift „Der Glaube der Nordmark" (1936) begründete seine Hinwendung zur Deutschen Glaubensbewegung.
Liu Franz-Seldke-Instiluk der Deutschen Akademie für Bauforschung.
Auf der Jahreshauptversammlung der Deutschen Akademie für Bauforschung erfolgte die feierliche Einweihung des neuen Forschungsinstituts in Magdeburg. Das Institut wird den Namen „Franz- Seldte-Jnstitut der Deutschen Akademie für Bauforschung" tragen. Reichsarbeitsminister Seldte stellte fest, daß seit 19 3 3 nahezu anderthalb Millionen Wohnungen geschaffen worden seien. Neben den Bedürfnissen der Wehrhaft- machung, des Vierjahresplanes und der repräsentativen Umgestaltung der vom Führer ausgewählten Städte habe auch weiterhin die Befriedigung des allgemeinen Wohnbedarfes und die Behebung de», noch aus den früheren Jahren stammenden Wohnungsnot zu erfolgen. Die Mitarbeit der Deutschen Akademie für Bauforschung sei dabei von besonderer Bedeutung. In Zeiten der größten Baustoffnot vor 18 Jahren gegründet, habe die Akademie die
wdrzig'mild - mit dem bekannt en Schinkenbild!
Bearbeitung wichtiger Bau frag en durchgeführt. Die Schaffund des Forschungsinstituts gebe ihr jetzt einen wetteren Unterbau, um die großen Aufgaben der Zukunft planmäßig dui^chzuführen.
Dänische Arktis-Expedition mit Dornier-Dal-Flugboot
Zur Kartierung des bisher unbekannten Landes zwischen Nordgrönland (Pearys-Land) und dem Nordpol wird der dänische Grönlanüforscher Dr. K o ch im April eine Expedition antreten. Die Kartierung soll von dem Dornier-Wal-Flugboot „Samum", das die dänische Luftwaffe von der Deutschen Lufthansa gekauft hat, ausgeführt werden. Außer dem Expeditionsleiter Dr. Koch und zwei dänischen Marinefliegern nimmt ein deutscher Radiotelegraphist an dem Forschungsslug teil.
Lin Hamburger Dampfer gesunken.
Der Dampfer „Claus Boege" (2300 Bruttoregistertonnen) ist in der Nacht zum Samstag 15 Seemeilen nordwestlich von Hornsriff b e i Esbjerg gesunken. Angeblich ist der Dampfer auf eine alte Treibmine gelaufen. Die 20 Mann starke Besatzung konnte von einem schwedischen Dampfer gerettet werden. Der Kapitän wird jedoch vermißt. Er ist anscheinend ertrunken. Dyr untergegangene Dampfer gehörte der Hamburger Reederei Johannes M. K. Blumenthal.
Zwölf Personen von religiösen Fanatikern ermordet.
Nach einer Meldung aus Bahia (Brasilien) wurde eine Bande religiöser Fanatiker verhaftet, die im Innern des Landes eine einsam gelegene Farm überfallen und dabei zwölf Personen, darunter ein siebenjähriges Mädchen, ermordet hatten. Die Opfer waren grausam verstümmel worden.
Dücheriisch.
— Gutes Tanzen — eine Freude für jedermann. Ausführliche Anleitungen für Anfänger und Fortgeschrittene von Fred D i s e I • h o rst. Leipzig, Hesse & Becker Verlag. 165 Seiten mit 23 Bildern und 20 Zeichnungen. In Steifdeckel 2,— RM., in Seinen geb. 3,— RM. — (5.) — Der Tänzer Fred Diselhorst hat ein kurzweiliges Lehrbuch geschaffen. Er führt den Anfänger in Die Tanzkunst ein und gibt dem Fortgeschrittenen allerlei nützliche Ratschläge. Das Merkchen lehrt alle modernen Gesellschaftstänze. Bilder und Zeichnungen veranschaulichen den an sich schon lebendigen Text.
— Clausewitz-Katechismus. Von Generalleutnant a. D. Horst von M e tz s ch. Preis 0,90 RM. Buchholz & Weißwange, Verlag, Char- lottenburg 2. — (19.) Das Gedankengut, Das uns Clausewitz hinterlassen hat, ist heute — trotz seiner 14 Auflagen des klassischen Werkes „vom Kriege" nur einem verhältnismäßig kleinen Kreise unseres Volkes vertraut. Man hat gesagt, Clausewitz habe als Meister für .Meister geschrieben. Das heißt, für Leser, die selbst Könner sind und keiner Erläuterung bedürfen. Da das Studium der Clausewitzschen Schrift Zeile um Zeile bei weniger Erfahrenen eher Verwirrung bringen kann, hat General von Metzsch eine Auswahl Clausewitz-Thesen erläutert. Als Meister des Wortes und Kenner der Weisheiten Clausewitz', hat der Verfasser in diesem Büchlein ein kleines Werk geschaffen, das unserer heutigen Zeit angemessen ist.
Briefkasten der Bedaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
Zur Anfrage £. DL Gießen. Die in der Miete enthaltenen 17 Prozent für Instandsetzung sind nicht allein für Instandhaltung der Wohnung, sondern auch für die Instandsetzung des Hauses zu verwenden.
L. TL in G. Gemäß den §§ 566, 581 BGB. bedarf ein Pachtvertrag über ein Grundstück, der für länger als ein Jahr geschlossen wird, der schriftlichen Form. Wird die Form nicht beobachtet, so gilt der Vertrag als für unbestimmte Zeit geschlossen. Für den Quadratmeter können Sie je nach der Güte des Landes 5 bis 10 Pfennig verlangen.
Ct. St H. Da Sie nicht Anlieger der Sttaße sind, haben Sie diese auch nicht zu reinigen. Wer die Straße in dem gegebenen Falle zu reinigen hat, ist in den Ortsstatuten niedergelegt; sehr wahrscheinlich hat der Anwohner, dessen Haus sich an der rechten Straßenseite befindet, für die Reinigung der ganzen Straße Sorge zu tragen. Unter diesen Umständen liegt für Sie kein Grund vor, den Graben und die Gleise zu überfchreitei^ \o daß ein Haftungsgrund nicht gegeben


