Sei unserer Marine zu Wasser und zu Land.
Ein interessanter Vortrag vor den „Landratten" in Gießen.
„Unsere blauen Jungens" nannten wir die Angehörigen unserer Kriegsmarine voll Stolz und Liebe bis zu jenen schwarzen Tagen des November 1918. Die gleiche Bezeichnung der Wertschätzung gab unser Volk der jungen Reichsmarine, die in den Nachkriegsjahren in Anknüpfung an die großen Vorbilder unserer einstigen deutschen Kriegsmarine in stiller, aber begeisterter und opferfreudiger Arbeit von vorbildlichen Männern der Tat wieder aufgebaut wurde. Und den gleichen Ehrentitel gibt das deutsche Volk auch heute wieder mit vollem Recht der nach der Großtat des Führers wiedererstandenen deutschen Kriegsmarine auf der Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht. In den drei Worten „unsere blauen Jungens" kommt neben dem Stolz und der Liebe aber auch die innige Ver^ bundenheit zum Ausdruck, die Volk und Kriegsmarine des neuen Deutschland als untrennbare Einheit vor aller Welt zeigen.
Diese innige Gemeinschaft war auch die gute Grundlage des denkwürdigen Abends, der am gestrigen Montag im Saale des Cafe Leib viele Volksgenossen aus Gießen mit. Vertretern unserer Kriegsmarine für einige Stunden zusammenführte. 2sn- laß dazu war ein Vortrag des Kapitänleutnants Birnbaum übe? unsere deutsche Kriegsmarine. Das war ein sehr lehrreicher und zugleich in hohem Maße unterhaltender Abend, den Kapitänleutnant Birnbaum — ein Gießener, der auch durch seine zahlreichen Aufsätze im Gießener Anzeiger unseren Lesern ein guter Bekannter ist — den vielen Besuchern bereitete.
Nach den Begrüßungsworten des Wehrbezirks-' Kommandeurs Major Werner vom Wehrbezirkskommando Gießen und des Kameradschaftsführers L i ch von der Marinekameradschaft Gießen im NS.-Deutschen Marinebund, der zugleich im Namen der Marine-SA. und der Marine-HI. sprach, begann Kapitänleutnynt Birnbaum mit seinen interessanten Schilderungen über das Wirken unserer Kriegsmarine. Zunächst gab er seinen aufmerksam lauschenden Hörern in großen Zügen einen Uebcr- blick über das Werden und Wachsen der deutschen Wehr zur See seit der Zeit des Kriegsendes. Er hob dabei hervor, daß die große Tradition der früheren Kaiserlichen Kriegsmarine auch beim Neuaufbau der jungen Reichsmarine der ersten Nachkriegsjahre das Fundament aller Aufbauarbeit gewesen ist, auf dem sich nun nach der befreienden Tat des Führers unsere heutige Kriegsmarine in stolzer Größe erhebt.. Bei der Schilderung über die Strecke Wegs der Aufbauarbeit zwischen jener Zeit und heute gab Kapitänleutnant Birnbaum in großen Zügen auch einen Ueberblick über die Leistungen unserer „blauen Jungs" bei ihrer Ausbildungsarbeit in der Heimat und bei ihrem Auftreten als Repräsentanten des deutschen Volkes bei den verschiedenen Auslandreisen unserer Kriegsschiffe. In diesem Zusammenhänge erinnerte er an seine Reiseberichte, die er seinerzeit in den Spalten des „Gießener Anzeiger" veröffentlichte, um damit den Volksgenossen in der Heimat zu zeigen, wie unsere jungen Soldaten der Kriegsmarine draußen ausgenommen wurden und was sie als Seesoldaten da draußen erlebt haben. Er ging dann zu einer vergleichenden Gegenüberstellung der deutschen und der englischen Seestreitkräfte nach dem Abschluß des deutsch-englischen Flottenabkommens von 1935 über, und er machte dabei zur Begründung des beiderseitigen Stärkeverhältnisses auf die Weiträumigkeit der Seegrenzen und der Seeverbindungen aufmerksam, die für England bzw. für' Deutschland als Ausgangspunkt für die Bestimmung der Flottenstärken grundlegend waren. Er gab dann in den Hauptpunkten eine Uebersicht über die deutsche Aufrüstung zur See bei der Anwendung
des deutsch-englischen Flottenabkommens, wobei die Hörer die erfreuliche Wahrnehmung machen tonn« ten, daß auch an den Seegrenzen unseres Reiches eine starke Hehr zur Sicherung der Heimat bereits vorhanden und in weiterem Ausbau begriffen ist. Einen guten Blick auf das Arbeitsfeld, dieser Wehr ermöglichte der Vortragende — unter Hinweis auf frühere Aufsätze von ihm im „Gießener Anzeiger" _ dadurch, daß er in den grundlegenden Richtpunkten die Organisation unserer neuen Kriegsmarine schilderte, so daß die '„Landratten" in Gießen, die diesem Vortrag beiwohnten, jetzt über ein erheblich größeres Wissen unuunfere Wehrmacht zur See verfügen, als bisher.
Sodann berichtete Kapitänleutnant Birnbaum von dem Nachwuchs und dem Dienst in unserer Kriegsmarine. Man hörte dabei u. a., was der Dienst in der Kriegsmarine von den jungen Soldaten verlangt und welcher Art die jungen Jänner sein müssen, die in der deutschen Kriegsmarine in gedeihlicher Weise ihre Kräfte dem Dienste des Vaterlandes widmen wollen. Aus diesen Schilderungen sei hier hervorgehoben, daß junge Männer, die ganze Kerle sein müssen, als Freiwillige eine Dienstverpflichtung von 4% Jahren einzugehen haben, von denen 2 Jahre als Erfüllung der gesetzlichen allgemeinen Wehrpflicht gerechnet werden, während die übrigen 2% Jahre als freiwillige Dienstleistung auf wesentlich anderen Grundlagen, vor allem hinsichtlich der Besoldung, zu dienen sind. Für junge Männer der technischen Berufe, besonders aus dem Maschinenfach, des Elektriker- und S'chlosserberufs und ähnlicher Handwerkszweige, hat unsere Kriegsmarine fortdauernd Verwendung. Diesen jungen Männern werden aucty, gute Fortkommensmöglichkeiten sowohl im Dienste der Kriegsmarine, als auch später bei der Rückkehr zu ihren technischen Berufen, oder beim Uebertntt in die Handelsmarine geboten. Dabei ist es für diese jungen Männer der technischen Berufe besonders bedeutsam, daß sie beim Dienst auf unseren Kriegsschiffen mit den modernsten Maschinen und mit den technisch in der höchsten Weise vervollkommnetsten Einrichtungen zu tun haben, so daß sie während ihres Dienstes für das Vaterland die in der handwerklichen Lehrlingszeit erworbenen Kenntnisse noch wesentlich erweitern und vertiefen können. Dieser Gewinn wird ihnen im späteren handwerklichen Leben, aber auch beim lieber gang zum Dienst in der Handelsmarine gute Chancen eröffnen, die für den Aufbau und die Sicherung ihrer Existenz von großer Bedeutung sein werden. Es ist also em durchaus verheißungsvoller Schritt, wenn solche junge Männer sich zum Freiwilligendienst in der Kriegsmarine melden. Die erste soldatische Ausbildung erhalten sie in den Marinegarnisonen an Land, in den Orten an der Wasserkante, aber schon ndch etwa einem halben Jahre kommt der junge Seesoldat an Bord, und damit beginnt dann für ihn das interessante Leben auf einem Kriegsschiff,
Der zweite Teil des Abends brachte dann die Vorführung mehrerer Filme von Auslandreisen deutscher Kriegsschiffe und von Hebungen unserer Kriegsflotte in dell Heimatgewäsfern. An Hand dieser Filme konnten die ,Besucher erkennen, wie vielseitig und abwechslungsreich das Leben der jungen Seesoldaten ist und welche reichen Möglichkeiten zu ihrer inneren Bereicherung bestehen, wenn sie an Auslandreisen unserer Kriegsschiffe teilnehmen.
Kapitänleutnant Birnbaum konnte für seinen fesselnden Vortrag, der die Liebe und Begeisterung für unsere Kriegsmarine besonders bei unserer Jugend stark vertieft haben wird, reichen Beifall als äußeres Zeichen des Dankes ernten. Der Wehrbe- zirkskommandeur Major Werner schloß sodann den Abend mit dem Gruß an den Führer.
Spielplanänderung im Sladllhealer.
Am Freitag, 21. Januar,, findet infolge Erkrankung statt „Enoch Arden" die Ausführung der Oper „Martha" von Fr. von Flotow statt. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr und endet 22.45 Uhr. Freitag-Miete. 16. Vorstellung.
Vortrag im Oberhessischen Geschichtsverein.
Die Wälder der Heimat und ihre Geschichte sind am nächsten Donnerstag. im Forstinstitut Gegenstand eines Vortrags von Forstassessor Dr. Imme l, der die Freunde unseres Waldes in einem frischen Streifzug durch den grünen Forst führen wird.
Militärische Beförderungen.
Der Kommandeur unseres früheren Gießener Infanterie-Regiments Oberst Dierow, Chef des Ge- neralftabes des. XI. Armeekorps in Hannover, wurde vom Führer und Reichskanzler zum Generalmajor befördert.
Ferner wurden in der Luftwaffe beim Luftgaukommando XII befördert: Zum Oberst (E.) Oberstleutnant (E.) Scheffer, zum Oberstleutnant (E.) Major (E.) W o l k e n h a u e r.
WSW. Ortsgruppe Gießen-Süd.
Am Montag, 17., Dienstag, .18. und Mittwoch, 19. Januar findet im Bereich der Ortsgruppe Gie- ßen-Süd die Pfundsamwlung durch die NS.-Frauen- schaft statt. Es wird während der Dauer des WHW. 1937/38 nicht nur bei den Mitgliedern des Lebensmittel-Opferringes, sondern bei allen Volksgenossen die Pfundsammlung durchaesührt. Als Spenden sind vorwiegend Mehl, Hülsenfrüchte, Graupen, Nudeln, Zucker, Grieß, Wurstwaren, Konserven erwünscht. Selbstverständlich werden auch alle andern Pfund- spenden entgegengenommen. Die Einwohnerschaft wird gebeten, die Spenden bereitzuhalten.
WHW. Ortsgruppe Gießen-Ost.
Die Pfundsammlung wird Mittwoch, 19., und Donnerstag, 20. Januar, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Alle Volksgenossen, die in der Lage sind, bas WHW. zu unterstützen, werden dringend gebeten, sich nicht auszuschließen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben. Es sind in erster Linie zll spenden: Mehl, Hülsenfrüchte, Graupen, Nudeln, Makkaroni, Zucker, Grieß, Wurstwaren und Konserven.
WHW. Ortsgruppe Gießen-Mitte.
Vetr.: Pfundspende. .
Am Mittwoch, 19. Januar, werden die Pfund- spenden durch die NS.-Frauenschaft eingesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt auf der Umhüllung kenntlich zu machen. Die Pfund - fammlung erstreckt sich während der Dauer des WHW. auf alle Volksgenossen.
BNM.- u.ZM.-Untergau 116, Gießen
Vetr.: Appelle.
In dieser Woche finben folgende Appelle burch bie Untergauführerin statt:
am 18.1. um 20 Uhr im Standort Daubringen, am 19.1. um 20.30 Uhr im Standort Lich.
Vetr.: HI.-Arbeilsgemeinschafi.
Am 21. d. M. findet nochmals eine HI.-Arbeitsgemeinschaft im MHI.-Heim statt. Beginn 20.15 Uhr. Es treten an: alle M.-Gruppensührerinnen, alle JM.-Gruppenführerinnen, alle Stabsmitglieder. Eventuell können von jeder Gruppe noch 1 bis 2 Scharführerinnen mitgebracht werden.
Vetr.: Werkscharabend.
Der Werkscharabend muß leider am Dienstag, 18. d. M., ausfallen. Dafür findet er am F r e i t a g, 21. b. M., in ber Dienststelle des Untergaues statt.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach mittag geschloffen
Siamantrn-Komödie
Roman von Horst Biernath.
33 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sie zögerte: „Ich habe nur geahnt, daß Sie mir Martlnis Namen nennen würden."
„So...?" sagte er gedehnt und schob das Kinn vor.
„Oder wundern Sie sich vielleicht darüber, Humphrey? Haben Sie nicht, von der ersten Minute unserer ersten Begegnung an, ihn aller möglichen Dinge beschuldigt, die allesamt aus ber Luft gegriffen waren? Also, bitte, weshalb soll ich Ihnen gerade jetzt Glauben schenken?"
„Gewiß", gab er ruhig zu, „ich habe Martini mehrmals falsch beurteilt, aber nicht in seinem Wesen und — wenn man so sagen kann — in seinen Bestrebungen, sondern "nur im Maß seiner Handlungen. Ich habe meine Fehlgriffe vor ihm und auch vor Ihnen fast in ber gleichen Stunde zugegeben, in ber ich einsehen mußte, daß ich mich vergaloppiert hatte. Den ersten Fall kennen Sie. Es handelte sich um meinen Irrtum, daß Martini etwas mit dem Ueberfall auf den Scheintransport gehabt hätte. Später, bei dem Raub der echten Steine, der den Mitreisenden glücklicherweise noch immer unbekannt ist, habe ich angenommen, Martini sei der Mann gewesen, der bie Wachter des Transports, Ferguson unb Hooten, niedergeschlagen und betäubt hat — bis ich belehrt wurde, daß er mit dieser Tat nichts zu tun hatte..." x
„Sondern wer?" fragte sie rasch und gespannt.
„Ein Kerl, der sich unter dem Namen Dieren- brook auf der .Catharina' eingenistet hat."
„Der Farmer, der das Jagdunglück hatte?"
„Weder Farmer noch Dierenbrook!" erw'derte er überlegen. „Jedenfalls ein Kerl", fuhr er, leicht gereizt, fort, „der sich in allen möglichen Berufen versucht hat und schließlich beim Diamantenschwindel hängengeblieben ist. Ich überraschte ihn an dem Abend, als der Raub entdeckt wurde, dabei, wie er meine Kabine — ober vielmehr unser-e Kabine — nach den gestohlenen Diamanten durchsuchte. Er wußte nicht, daß ich den Raum mit Martini teilte. Da cs stockdunkel war, verwechselte er mich mit Martini und forderte mich in der sichern Meinung, Martini vor sich zu haben, auf, bie geraubten Diamanten mit ihm zu teilen. Er verbanb bamit bie Drohung, im Weigerungsfälle rücksichtslos anzuzeigen, wer ber Diamantendieb sei. Als Stilprobe kann ich Ihnen den köstlichen Satz mitteilen, daß er mir erklärte, als Außenseiter und Einzelgänger sei ich ohnehin so etwas tofe unlauterer Wettbewerb .. Martini hatte nämlich das Pech gehabt, bei seinem Einbruch in ber
Kabine ber Minerva-Detektive von Herrn Dierenbrook beobachtet worden zu sein." Er nickte. „Mehr habe ich Ihnen eigentlich nicht zu sagen."
Sie schloß die Augen. Vielleicht vor Erschütte- rung. Vielleicht, weil sie mit aller Anspannung, deren sie fähig war, eine Lücke in diesem Gitterwerk zu finden hoffte.
Humphrey ließ ihr Zeit.
„Unb das ist die Wahrheit?" fragte sie schließlich tonlos.
„Glauben Sie etwa", brach er gereizt los, „ich hätte diese Geschichte erfunden, um mich interessant zu machen? Oder ich hätte geträumt?"
Sie hob abwehrend die Hände: „Nein, nein, nein!"
„Also?"
„Sind diese Tatsachen Zanten, den Offizieren, kurz gefagt' allen Mitwissern des Geheimnisses bekannt?"
Er zog die Lippen durch die Zähne. „Nein. Ich bin der einzige, der sie kennt."
„Weshalb schonen Si^ dann Martini? Ihre schmalen dunklen Brauen verschoben sich leicht gegeneinander.
Humphrey trommelte auf fein Knie. „Ich schone ihn nicht. Ich werde reden, wenn ich die Zeit für gekommen halte."
Sie sah ihn mißtrauisch an. „Weshalb dieser Aufschub?"
„Ich will Ihnen die Sache erklären! Dierenbrook weigert sich, gegen Martini auszusagen. Das ist nicht weiter verwunderlich, da seine Rolle bei diesem Spiel ihn selbst schwer belastet. Ich kann ihn natürlich nicht mit Gewalt zur Aussage zwingen. Unb Zanten ist kein Richter ... Beim ersten polizeilichen Verhör im nächsten Hasen aber werbe ich diese Dinge unter Eid vorbringen. Unb wenn auch Dierenbrook wie Martini natürlich alles abstreiten werben, irgend etwas mit dem Diamantenraub zu schaffen gehabt zu haben, so wird man meinem Zeugnis doch etwas mehr Bedeutung zu- messen als den hartnäckigsten Unschuldsbeteuerungen dieser beiden fragwürdigen Herren."
Sie nickte.. Ihre Hände lagen matt und welk in ihrem Schoß. „Sie haben ein auffallendes Interesse daran, Martini zur Strecke zu bringen ..." Was wollte sie noch sagen? Ihn vielleicht bitten, von seinem Wissen keinen Gebrauch zu machen? Martini laufen zu lassen? He? Aber sie brach unvermittelt ab.
„Erlauben Sie!" widersprach er verletzt. „Das klingt geradeso, als ob Sie sagen wollten, ich hätte ein persönliches Interesse daran, gegen Martini vorzugehen. Er ist mir völlig gleichgültig. Was allein mich treibt, diese böse Geschichte nach bester Möglichkeit aufzuklären, ist der Wunsch, ber Gerechtigkeit zu bienen unb Zanten, einem alten Freund unseres Hauses, aus einer unverschuldeten Patsche zu helfen."
„Ich verstehe Sie durchaus. Ich würde an Ihrer Stelle gewiß nicht anders handeln." Sie erhob sich und stützte sich auf den Tisch — nicht, um sich zu halten, sondern, um ihre Hände unterzubringen. „Ich will Sie nicht an ber Ausübung Ihrer Pflicht hinbern! Ich habe Sie ohnehin recht lange aufgehalten." Sie nickte ihm verabschiebenb zu, ohne bie Hänbe vom Tisch zu lösen.
„Carola ...!" stammelte er.
„Ich möchte jetzt arbeiten, Humphrey!" Sie beutete auf den halbbeschriebenen Bogen. „Wir sehen uns vielleicht beim Diner roieber... Falls ich nicht bie Zeit vergesse." Als ob sie fähig wäre, jetzt auch nur eine Zeile zu schreiben! Auch nur einen Gedanken zu denken!
„Unb Ihre große Möglichkeit?!" fragte er ftockenb. „Da! Die Funkbepesche aus Berlin?"
,^Jch verzichte barauf! Der Fall interessiert mich nicht. Ein gewöhnlicher Diebstahl — nichts weiter. Ich sehe im Verbrechen roeber etwas Abenteuerliches noch etwas Romantisches. Es ist eine Angelegenheit für Gerichtsberichterftatter." Sie brehte sich um unb nahm ben Feberhalter zur Hanb. Es war sehr deutlich, daß sie die Zeit für Humphreys endgültige Verabschiedung für gekommen hielt.
Er bewegte hilflos die Arme. Für einen Augenblick sah es fast so aus, als wolle er zu ihr hin- laufen und sie an sich reißen, den geliebten Körper an sich pressen, den geliebten Mund küssen... Er ließ die Hände sinken und ging. Mit der Trauer der Gewißheit im Herzen, Carola verloren zu haben. Nicht an Martini. Darüber hatten ihre letzten Worte ihm jeden Zweifel genommen. Aber ebenso war er sich dessen bewußt, daß sie nicht zu den Frauen gehörte, die ihre Enttäuschung im Arm des nächsten Bewerbers ausweinen... v
Im Gang begegnete er Zanten. Er wäre diesem Zusammentreffen gern ausgewichen. Aber es war unvermeidlich. Der alte Herr hatte ihn bereits entdeckt und rief ihn an. Es ging nicht gut an, sich schwerhörig zu stellen.
„Nun, mein Junge", fragte der Alte, „hat sie sich gefreut? Haben Sie ein Bussi zur Belohnung bekommen, he?"
„Es ist aus, Onkel Paul!" antwortete Humphrey schwermütig. „Sie will von der ganzen Geschichte nichts wissen. Der Fall interessiere sie nicht — hat sie gesagt..."
„Machen Sie keine Witze!"
„Ich mache keine Witze, Onkel Paul! Mir ist überhaupt noch nie in meinem Leben so wenig nach Witzen zumute gewesen, wie in diesem Augenblick."
„Also, ich verstehe überhaupt nichts mehr!" murmelte der alte Herr bestürzt.
Humphrey trompetete heftig in sein Taschentuch.
„Nun, so reden Sie doch endlich!" drängte Zanten.
An alle Volksgenossen im Einzelhandel.
NSG. Die Gaudienststelle Hessen-Nassau „Der Deutsche Handel" in der DAF. erläßt gemeinsam mit der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel folgenden Aufruf:
„Wir künden deutsche Leistung." Im Rahmen des kommenden Berufswettkampfes aller schaffenden Deutschen wird erstmalig für alle Arbeitskameraden und Arbeitskameradinnen im deutschen Einzelhandel ein Schaufensterwettbewerb in ber Zeit vorn 13. bis 20. Februar burchgeführt. Es ist Aufgabe bes Wettbewerbs, alle Schaufenster in ben Dienst ber wirtschaftspolitischen Zielsetzung unserer Zeit zu stellen.
Das Schaufenster ist Künder ber Kultur und ber Leistungsfähigkeit ber ganzen Nation. Seine Gestaltung muß baher geschmackvoll, wahr und vor allem schöpferisch sein.
Wir rufen Betriebsführer und Gefolgschafts» Mitglieder des deutschen Einzelhandels zu diesem Leistungskampf auf! In ber Woche bes Wettbewerbes müssen alle Schaufenster unter der einheitlichen Parole „Wir künden deutsche Leistung" stehen.
Wir vertrauen darauf, daß der deutsche Einzelhandel seine Leistungsfähigkeit und seinen Willen zur Mitarbeit auch in dem Schaufensterwettbewerb erneut unter Beweis stellen wird.
Ein lustiger Abend beim Fähnlein 3/116.
Das Werben und Trommeln für ben Volks- gemeinfchaftsäbend der Pimpfe vom Fähnlein 3/116 am Sonntag im Caf6 Leib brachte ein übervolles 5)aus". So eifrig die Buben bei ber Sache waren, so pünktlich 'setzte auch bie Spielfolge ein.
Mit ihren Marsch- unb Liebweisen schufen sie sofort eine gute Verbindung zu ihren Zuhörern. So fanden auch die Worte bes Fähnleinführers Kuhl einen guten Widerhall, der kurz unb schlicht von dem Ernst der Arbeit im Jungvolk sprach und die vielen Mühen aufzählte, mit denen sich ber Junge ben Ehrentitel eines Pimpfes zu erringen sucht. Unb daß er dies gern tut, bewies dieser Abend. Für die Mithilfe zu dieser Aufgabe ber Charakterschulung des kleinsten Hitterjungen warb der Fähnleinführer um die Unterstützung ber Eltern, unb er zeigte ihnen, wie all bie Kleinarbeit und
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* Gießen, 18. Jan. Auf dem
markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Vi kg
1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter
1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, ausländ. Kühlhauseier B 12, ausländ. Eier A 12% Pf., junge Hähne, % kg 1,10 bis 1,30
Mark, Suppenhühner —,90 bis 1.— Mark, Wirsing
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Zanten faßte Humphreys Arm. Er schüttelte ben Kopf. „Das ist kaum zu glauben", sagte er. „Aber was gäbe es Unglaubliches, was ein Weibsbild nicht fertigkriegte? Ich zum Beispiel hatte im Jahre sechsundachtzig eine Braut — kein Flitscherl, Jon« bern eine Braut auf Ernst. Sie hieß Antje und stammte aus besseren Kreisen. Jawohl: Antje hieß sie... Unb wenn Sie diesen Namen so ganz langsam, auf der Zunge zergehen lassen, bann hören Sie Stricknadeln klappern und riechen knusprige Brat- gänfe, mit Aepfeln und Majoran gefüllt. Können Sie sich überhaupt einen Namen denken, der schöner für eine Seemannsbraut wäre als Antje? Ich jedenfalls bin fromm und rein geworden, wenn ich ihren Namen im Verlobungsring las..."
„Sie scheinen ben Ring häufig abgenommen zu haben?" bemerkte Humphrey ziemlich unpassend.
„Ja, ich konnte den geliebten Namen nicht oft genug lesen", meinte Zanten arglos. „Aber was soll ich Ihnen erzählen, mein Junge? Als ich von Surabaja zurückkarn, da war Antje, dieses rei- zendq Geschöpf, so auffallend freigebig mit Zirkusbilletten ..."
urner tonnte Menten. Die tereingegeben i
der Dienst sinnvoll ineinanbergefügt sind, um ben Pimpf zu einem gesunden, frohen und tüchttgen Menschen heranzubilben. Er wies auch auf das Fahrtenprogramm hin, das die Pimpfe in diesem Jahre in einer Hessen-Nassau^Fahrt nach Limburg. und in den Ferienfahrten in die Nordmark unb an die See führen wird, und" erbat dazu die Mithilfe der Eltern, damit kein Pimpf dabei fehle und jeder zu den schönsten Erlebnissen gelangen kann, die für ihn eine wertvolle Erinnerung bedeuten werden.
Mit ihren Kanons und dem heiteren Auftreten einer Hofkapelle zeigten die Kleinen, wie Frohsinn und Lachen zum festen Bestand ihrer Ausrüstung gehören, und davon versuchten sie ihren Gästen einen Anteil zu vermitteln, womit sie Erfolg hattest. Damit gewannen sie sich neue Freunde, und ber luftige Pimpfenfport wirb auch erheblich dazu beige tragen haben, daß die Eltern stolz auf ihre Sprößlinge sind. Daß sie sich zu helfen wissen, zeigten die heiteren Ansagen in den Kunstpausen unb die Musikeinlagen, und schließlich ließen sie | mit dem Rüpelspiel „Peter Squenz" all ihrem Jungenübermut freien Laus, so daß der Abend recht luftig unb heiter verlief und bewies, wie man mit einfachen Mitteln wertvolle Unterhaltung pflegen kann.
Humphrey bitter. „Ich glaube, sie liebt Kerl."
„Martini?" rief der Alte verblüfft.
Humphrey drehte das Gesicht zur Wand antwortete nicht.
„Was soll ich da viel erzählen?" antwortete
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„Aha!" stieß Humphrey mit unverkennbar schadenfroher Neugier aus.
„Nein, Sie ahnen nicht das Richtige. Es war viel schlimmer! Nicht der Schulreiter ober ber Jongleur versorgte sie mit Freikarten, fonbern der Clown! Ein ganz blödsinniger ,Dummer August' mit der uralten Nummer: Mit dem Wassereimer >ine Leiter herauf und, bums, auf ber andern Seite holterdiepolter im Eimer hinunter... Und darüber wollte sich Antje halbtot lachen ..."
Humphrey zog die Brauen hoch und machte bedauernd: „Tatata!" Zu mehr Mitleid fühlte er sich nicht verpflichtet, da die Geschichte ja immerhin schon fünfzig Jahre zurücklag. „Clown? Na ja!" sagte er schließlich grimmig unb kam damit wieder auf bas Wesentliche. „Aber Martini...!"
„Ach, mein lieber Junge", nickte Zanten ernst, „damals war ich zwar etwas -jünger als Sie, obwohl ich schon die ersten Streifen trug, aber in der Dämlichkeit gab ich Ihnen nichts nach. Heute sieht man mir's nicht mehr an, daß auch ich einmal erbarmungswürdig zart war,, zart unb schüchtern, jedenfalls Frauen gegenüber ... Aber Martini — bas ist so ein Kerl, ber fragt nicht lange, ob es erlaubt ist: ber küßt bas Mäbel eben mitten auf den Mund ..."
I „Haben Sie das gesehen?" ächzte Humphrey.
(Fortsetzung folgt.)
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