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Dienstag,l8.Zanuar 1958

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheilen)

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Ein Schiff fährt aus

Von Max Dauthendey.

dien reisen wollten und rote, whiskytrunkene-Ge­sichter aus dem Nachtleben von Marseille mitge­bracht hatten, brüllten im Chor hundertCheers for old England.

Dann bewegte sich wie eine Drehbühne das mäch­tige Schiss vom Ufer weg. Die sich balgenden Leute am Ufer, "die Landungshallen verkleinerten sich, als schrumpften sie in irgendeine Tasche hinein. Erd­bilder, Felsenufer, weiße Kalksteingebirge, graue Dächerreihen drehten sich wie Bilder, gsmalt auf einen Riesenkreisel, vorüber. Das Schiff schien still- zust§hn, aber die Erde wurde zu einer ungeheuren Kugel, die sich unter dem Schiff drehte.

ihre Hüte gebunden. Damen haben sich Arme voll Blumen gekauft, Winterveilchen von der Riviera; und alle Gesichter sehen belustigt aus, als kehrten diese Menschen von einem Volksfest heim. Alle haben sie nur für ein paar Stunden mit ihren Füßen die Erde besucht, die schöne, ruhige, still­stehende Erde'mit ihrem irdischen Staubgeruch, und die hat die Passagiere im Herzen so überschweng­lich gestimmt.

Jetzt müssen alle wieder auf die schwankenden Schiffsbretter, zurück auf das buckelige Meer, in die ftaublofe, unterirdische Seeluft, in der ihnen die Sonne noch treu bleibt, wo aber die Erde mei­lentief in das Wasser sinkt.

Ein blauer, lauer Januarmorgen brach an. Die Lampen am Kai und im Schiffsinnern erloschen. Dafür zündete die Morgensonne tausend Lampen in den tausend Wellenspiegeln an, und die Mcssing- geländer des schneeweißen Schiffes, seine roten Schornsteine und zinnoberroten Ventilatoren leuch­teten wie die künstliche Kulissenwelt eines Theaters, aufgebaut unter dem indigoblauen Mittelmeerhim- mel. ....

Am Kai standen Verkäufer von Bergen von höl­zernen Segeltuchstühlen, die sie an die Passagiere für die weite Seereise nach Asien verkauften. An der Abfahrtshalle vor dem Telegraphenoffice dräng­ten sich die Reisenden, schrieben auf umgestulpten Koffern, Tonnen und Kisten Telegramme, die letzten Abschiedsgrüße aus dem letzten europäischen Hafen nach den Heimatorten.

An den langen Geländern des Promenadendecks standen sie Kopf bei Kopf, Ellenbogen bei Ellen­bogen. Viele kleine Kodaks knipsten und fingen das Hafenbild. x

Auf der nassen Kaimauer vor der Reche der Packträger und Verladet hatte ein Athlet einen braunen Teppichfetzen ausgebreitet. An dem einen Ende des Teppichs tanzte in gelbem Trikot und rosa Tüllröckchen seine zehnjährige Tochter und klap­perte mit Kastagnetten, armselig und ungeschickt.

Auf der andern Ecke' des Teppichs stand der Sohn.des Athleten in blauem Trikot und spielte auf einer dünnen Violine. Auf der dritten Ecke lagen Gewichtsteine und Kugeln, und auf der vier­ten Ecke des Teppichs stand der Athlet selbst in schmutzig-weißem Trikot und stemmte die Gewicht- kugeln Kanonenrohre und eisernen Wagenräder.

Die Schiffssirene hat bereits mehrmals ihre gssl- lenden Abfahrtssignale gegeben. Der Athlet, die kleine Tänzerin und der kleine Geiger rauften sich mit den Packträgern um die 'Kupfersoustücke, die wie ein brauner Hagel vom Schiff auf den Kai regneten. Scharen englischer Clerks, die nach Jn-

konnte die ersten Kolonisten nicht ernähren, weil kaum jemand unter den Sträflingen etwas von Land­wirtschaft verstand. So war denn die kleine Kolonie anfänglich ganz und gar von der Zustellung von Lebensmitteln aus England, Südafrika und Indien abhängig und da die Transportschiffe unregelmäßig ankamen, war oft Schmalhans Küchenmeister, die Lebensmittel mußten rationiert werden und selbst der Gouverneur mußte sich eine solche Rationierung gefallen lassen. Doch verlor Phillip nie seinen Opti­mismus und sagte einmal, er wäre" überzeugt, daß Neusüdwales die wertvollste Erwerbung, die Eng­land je gemacht hat, darstellen würde.

Es- -ist interessant, daß durch die Ankunft bet Ersten Flotte" ein gleichzeitig unternommener Ver, such der Franzosen, sich gleichfalls in den Be­sitz der östlichen Hälfte Australiens zu versetzen, ver­eitelt wurde. Während die Mehrzahl der britischen Schiffe noch in Botany Bay lag, wurde am Mor­gen des 24. Januar das Herannahen von zwei französischen Schiffen, die unter dem Kommando vom Grafen de Laperouse standen, gesich­tet. Die Franzosen verblieben in Botany Bay bis zum März, führten verschiedene Schiffsreparaturen aus und verließen dann die Bucht auf ihrer letzten Fahrt, auf der sie auf den Korallenriffen von Da- nicoro ihr Ende finden sollten.

Phillip hatte zunächst mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Hinterland von Sydney war durch die undurchdringbaren Gebirgszüge bet Blauen Berge abgegrenzt, die es erst 23 Jahre später gelang zu überqueren und somit Zugang zu den dahinter liegenden fruchtbaren Ge­filden zu erlangen.

Viele der Sträflinge waren für nutzbringende Ar­beit durchaus ungeignet. So forderte denn Philipp, sobald wie möglich, freie Siedler herüberzu­schicken. Er verlor nie seinen Glauben in die Zu­kunft der neuen Kolonie, trotz aller Schwierigkeiten, die durch Absterben des mitgebrachten Viehs, Zu­sammenstöße mit feindseligen Eingeborenen, Krank­heiten, Unzufriedenheit vergrößert wurden. Als er 1792 aus Gesundheitsrücksichten sein Amt aufgebens mußte, waren außer Sydney Niederlassungen in Parrdmatta und auf der Norfolk-Insel gegründet und am Parramatta-Fluß etwa 2000 2Icfer (Acres) Land urbar gemacht. Heute ist Sydney die zweit­größte Stabt im Britischen Weltreich.

Hirne ohnmächtig.

Hunderte von Deckstühlen wurden an die Gelän­der gebunden, daß sie nicht von dem Seegang hin und'her rutschten. Unter riesigen Reisekappen, in ungeheure Reisemäntel und in vielfarbige und ka­rierte Schals gewickelt, lagen die Passagiere, aus- gestreckt in endlosen Reihen, auf dem Promenaden­deck. Die weißgetünchten Eisenwände, die sachlichen Eisengeländer, die alle gerade und senkrechte Li­nien 'zeigten, flößten Sicherheit, aber auch Nüch­ternheit 'ein, als wäre das Schiff ein riesiger, physikalischer Apparat in einem Laboratorium, als wären die Menschen Präparate, die da künstlich aufbewahrt würden, bis zur Landung an einem andern Kontinent.

Allmählich liefen die Bilder immer kleiner, fer­ner und farbloser wie Nebelwische vorüber, und nun nahm der gewaltige Rausch der Seeluft das Schiff in sich auf, und das Ungeheuer, der endlose Himmel, machte die Passagiere still, löste nicht nur die Erde unter den Füßen, sondern nahm auch her. Gedanken jede Festigkeit und Sicherheit, machte das Blut argwöhnisch, die Füße schwankend, die Ge-

Hochschulnachnchten.

Geh.Medizinalrat Professor Dr. Friedrich Mo r i tz, der früher in Greifswald, Gießen, Straßburg und München wirkte, ist im Alter von 75 Jahren in Köln gestorben. Geh. Rat Moritz, der 1930 in den Ruhestand getreten war, hat sich um den Aufbau der Kölner Medizinischen Fakultät große Verdienste erworben. Seine Arbeiten beschäftigen sich u. a. mit klinischer Chemie, mit Herz-, Lungen- und Nervenkrankheiten.

Der nb. ao. Professor Dr. Wilhelm Maier an der Universität Greifswald wurde zum Ordi­narius für Mathematik und zum Mitdirektor des Greifswalder Mathematischen Seminars ernannt.

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___ großen Masten ragen ein Dutzend weiße r ektrische Bogenlampen in öle Nacht. Sie beleuch­ten einen Landungskai im $afen von Marseille. 23ie ein langer weißer Kreideblock liegt dort ein tveißer eiserner Orientdampfer mit Hunderten von runden, gelbleuchtenden Kabinenfensterck. Rot, gelb unb weiß beschienene Gesichter und viele beleuch- tite Hände und Arme hantieren in der Nacht auf ter Plankenbrücke und um die klirrenden Ketten ter Verladungskähne, wo Haufen von Koffern, N.eisekörben und Reisekisten verstaut werden.

Lichtspielhaus: Tannenberg-Film.

Im Lichtspielhaus läuft gegenwärtig in einer Reihe von Sondervorstellungen der Film Tannenber g", der vor Jahren schon einmal hier gezeigt und besprochen wurde und auch jetzt wieder ein zahlreiches, interessiertes Publikum an- gezogen hat. Der Film wurde auf Grund zuverlässi­gen Ouellenmaterials von Paul Oskar Höcker und Georg V i e b a t) nz für die Praefens-Film-Gesell- schaft geschrieben und gibt in guten, wirklichkeits­nahen Aufnahmen unter Heranziehung eines großen Aufgebotes von Menschen und Material ein Bild der entscheidenden Ereignisse in Ostpreu­ßen im August 1914, das volkstümlich und zugleich dokumentarisch genannt werden darf. Die wohl­tuend sachliche Darstellung geht von der strate­gischen Gesamtlage aus und schildert zunächst und m den Hauptzügen unter Beigabe einfacher un­klarer Uebersichtskarten den Verlauf der mili­tärischen Ereignisse, die zusammengefaßt unter dem Namen der Schlacht von Tannenberg in die Kriegs­geschichte wie in die Geschichte des deutschen Volkes eingegangen sind. Die ehrwürdige Gestalt des ver­ewigten Generalfeldmarschalls von Hindenburg er­scheint sowohl in eingeschalteten Originalaufnahmen wie in einer taktvoll zurückhaltenden Darstellung im Zusammenhang der Operationen; aus seinem Munde hören wir auch, sein Bild lebendig vor Augen, zuletzt die eindringlich schlichten Worte, die Sinn und Inhalt des Films gleichsam zusammen­fassen. Auch die Gestalten Ludendorffs, des Ober­sten Hoffmann und der deutschen Unterführer, auf der Gegenseite vor allem der Generale Samsonow und Rennenkampf, werden noch einmal lebendig Der Film ist aber nicht nur nach rein militärischen Gesichtspunkten angelegt, sondern formt auch ein Bild von Land und Leuten, er erinnert an die Lei­den der vom Kriege schwer heimgesuchten Provinz und gedenkt der schweren Opfer, die für die Be­freiung Ostpreußens gebracht werden mußten. Eine einfache Spielhandlung durchzieht, eingefügt in den Ablauf des großen Geschehens, das militärisch-stra­tegische Bild der Schlacht; in den schlicht mensch­lichen Szenen heben sich Gesicht und Gestalt einiger bekannten Darsteller Franziska Kinz. Käthe Haack, Hans S t ü w e, Viktor d e K o w a her-- ai».

Im Beiprogramm sieht man einen Kulturfilm vom Schwarzwälder Kunsthandwerk und die Wochenschau der Bavaria mit Aufnahmen von der Trauerfeier für General Ludendorff.

Hans Thyriot

Ein schönes Fräulein spendet...

An der Straßenecke steht ein weißhaariger Herr und schwingt die Sammelbüchse, die bereit ist, auch die kleinste Spende für das WHW. aufzunehmen.

Der Strom der Fußgänger rauscht vorbei, und lustig klappern die großen und kleinen Münzen in die Büchse des unermüdlichen alten Herrn, der jedem Spender mit einem freundlichen Lächeln oder mit einem Scherzwort dankt. Bald geht es auf den Abend, der Verkehr hat nachgelassen, jeder hat sein Scherflein gespendet, aber der alte Herr im weißen Bart schwingt weiter seine Büchse und kann nicht genug bekommen.

Da kommt ein entzückendes junges Fräulein die Straße herauf, mit den frohen Schritten ihrer un­bekümmerten Jugend. Vielleicht hat sie den ganzen Tag hinter der Schreibmaschine gesessen oder hinter dem Ladeptisch ^gestanden. Nun schlendert sie froh und guter Dinge durch die Straßen, ein heiteres Lächeln auf den Zügen...Eine kleine Spende für das WHW., meine Dame?" Der alte Herr steht vor ihr und hält ihr die Sammelbüchse ent­gegen.

Sie bleibt stehen und sucht in ihrer Handtasche, aber, o Schreck! sie sucht und sucht und sucht noch einmal, dann legt sie den Kops ein wenig schief und sagt bedauernd:Jetzt habe ich doch keinen Pfennig Geld bei mir, es ist zu dumm!" Der Sammler lächelt.-

Schade", sagt er,und ich hätte doch zu gern

ISO Jahre Australien

Don Arnold von Gkerst, Sydney.

Durch die langen, schneeweißen Korridore drin- ltisn im Dampfer eilen schneeweiß gekleidete Indier init schwarzen Gesichtern und schwarzen Händen, aas prächtigen Küchen, in denen üppiges Kupfer lachtet, in die prächtigen Speisesäle, die von rotem Mahagoniholz und blanken Messingsäulen, von Vunf «md Gediegenheit strotzen, darinnen alles l'-Stsam stille steht, indessen die bittere, bewegliche Seeluft durch die glühlampenhellen Räume und b-ird) die Korridortüren wie ein unruhiges Fluidum siceicht. Diese Seeluft, die in dem Schiffspalast, auch wenn er am Kai still steht, immer noch allen Daumen quecksilberhafte Ungeduld gibt, wie der Säst einer Pflanze, die man vom Wald ins Zim- n er geholt hat. Ein ruhiges Schiff ist kein ftilb sehender Gegenstand, denn die Wanderlust, die auch in Hafen noch um seine Räume streicht, läßt es |ni rf)t schlafend und nicht tot erscheinen. Die Offi­ziere, Matrosen und Bedienungsmannschaften be- hilten auf dem ruhigen Schiff immer noch das bit= ture Fieber der Seeluft in der Brust, und allen e scheint Ruhe als ein Unglück und Wandern als dis alleinige Glück. v

Das Schiff legt nachts in Marseille an und soll iwrgen.um neun Uhr früh feine Weiterfahrt nach Wen und Japan antreten. Die meisten Passagiere faben für ein paar Nachtstunden das Schiff, das icion aus London kommt, zu einem kurzen Aufenthalt in Marseille verlassen, um wieder ein- TTcnl Abendbrot an Land zu essen, denn das Schiff isi schon seit mehreren Tagen unterwegs und hat !e t London keinen Hafen angelaufen.

.Jetzt neigt sich die Nacht ihrem Ende zu. Die elektrischen Lampen brennen noch, aber der Himmel w> rd schon blau, und Scharen von lachenden und etwas kindisch heiteren Passagieren kehren aus den Üiichttheatern und Nachtcafds der Stadt zurück. Junge bi ute haben rote und blaue Kinderluftballons an

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Am 26. Januar 1788 landete der von der eng­lischen Regierung mit der Gründung einer Kolonie in Australien beauftragte Kapitän Arthur Phil- lip mit Schiffsmannschaften und Sträflingen in einer Bucht des wunderschönen Hafens Port Jack­son, dieser nach dem britischen Minister Lord Syd­ney, Sydney Cove, benannte. Damit wurde die erste dauernde weiße Niederlassung auf dem bis dahin nur wenig bekannten südlichen Erdteil ge­schaffen, die sich 'im Laufe von ivO Jahren zu der heute über 1,3 Millionen Einwohner zählenden modernen Weltstadt Syoney entwickelt hat. Der 26. Januar wird alljährlich in allen australischen Staaten, besonders jedoch im Mutterstaat Neu- siidwales, alsGründungstag" begangen und |ilt als offizieller Feiertag. Im Januar 1938 wer- en anläßlich der ISOjäßigen ^Wiederkehr dieses Iründungstages in Sydney und in verschiedenen nberen Städten von Neusüdwales große Feiern eranstaltet werden. Nachdem in Gestalt von Dör­fern der Ankunft von Kapitän Phillip in Bo- my Bay und Port Jackson gedacht worden ist, eginnen die Hauptfeiern am 26. Januar 1938 mit er historisch-getreuen Wiederholung d e r rsten Landung in der Sydney-Bucht, wozu in alter Segler als die BrigSupply" rekonstru. ?rt wurde. Anschließend folgen historische Umzüge, tegatten, Rennen und sonstige sportliche Veranstal- ungen jeglicher Art, militärische Paraden, musi- alische Wettkämpfe, offizielle Empfänge und Bälle, lusstellungen, wirtschaftliche und wissenschaftliche , ongresse, Komerte, Ausflüge usw. Das offizielle Programm schließt mit der großen alljährlichen- stoyal East er Show (landwirtschaftliche Ans­tellung) im April und der Feier desAnzac- a g es" (Landungstag der australischen Truppen uf.der Gallipoli-Halbinsel 1915) am 25. April. Ins ganz Australien, Neuseeland und auß aus 'eberfee werden viele Besucher, darunter Vertreter ieler Regierungen, nach Sydney kommen. Die Stadt selbst wird während der drei Monate dau­ernden Feiern im Festschmuck prangen.

Wie ist es nun zur Gründung Aust ra­ten s , das heute mit fast sieben Millionen einer u neun Zehnteln britischen Bevölkerung, zu einem er wichtigsten Bollwerke des Britischen Weltreiches nd ganz allgemein der weißen nordischen Rasse cuf der südlichen Halbkugel geworden ist, gekom- Tien? Obwohl Australien, als großes unerforschtes 5üdland, den portugiesischen Seefahrern des 6. Jahrhunderts wahrscheinlich bekannt war und an verschiedenen europäischen Schiftstellern erwähnt >irb, finb erst von 1606 ab dokumentarische Nach­weise über Besuche europäischer Seefahrer feststell­ar. So über bie Durchfahrt von Torres durch ie nach ihm benannte Straße im Norden Austra- ens und die erste Erkundungsfahrt der Holländer den Carpentaria-Golf und die Nordküste Austrä- ens im selben Jahr. Es reihten sich dann wüh­lend des ganzen 17. Jahrhunderts viele Fahrten Anderer holländischer Seefahrer, die wertvolle Ent- teckungsarbeiten an der nördlichen, nordwestlichen, restlichen und teilweise selbst der südlichen Küste des krdteils, den sie Neu-Holland nannten, leisteten. Der tefanntefte ist wohl Abel Tas man, der, ganz Australien umsegelte, ohne überhaupt das Festland euch nur einmal zu sichten und bie Insel Tas­manien entbeckte. Die hollänbische Periobe in der vntdeckungsgeschichte Australiens wurde im Jahrhundert durch die britische abgelöst; es möge nwähnt werden, daß deutsche Seeleute unb Sal- . toten, zum Teil in führenden Stellungen, die Ent- 'terfungsfaßten ber Nieberlänber mitmachten.

Nachdem ber Englänber William Dampler, ten Spuren ber Holländer folgenb, zu Beginn bes H Jahrhunderts ben Westen unb Narben Austra- lens ausgesucht hatte, blieb es Kapitän James o o k, einem ber größten Seefahrer aller Zeiten, rarbehalten, im Laufe einer feiner brei großen Ent- eckungsreisen die bisher unbekannte Ostküste des

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von so einem reizenden Fräulein auch noch eine Gabe gehabt!"

Das reizende Fräulein schaut einen Augenblick bedauernd und nachdenklich vor sich hin, dann fliegt ein Lächeln über ihr Gesicht, sie beugt sich vor und gibt dem weißhaarigen Herrn einen Kuß!Das kostet fünfzig Pfennig", sagt sie lustig,genügt das?" (

Schmunzelnd nickt der Sammler, zieht seine Börse und wirst ein Fünfzigpfennigstück in seine Sammel­büchse. Das schöne Fräulein aber schlendert weiter, lustig und guter Dinge... E. H.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Staditheater: 20 bis 22.30 UhrLady Winderme» res Fächer". Gloria-Palast (Seltersweg):Aben­teuer in Warschau". Lichtspielhaus (Bahnhofstr.): Tannenberg". Oberhessischer Kunstverein, Turm­haus am Brand: Frankfurter Künstler der Gegen­wart, Ausstellung von 11 dis 13 Uhr.

Stadttheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die erste Wiederholung der Ko­mödieLady Windermeres Fächer" von Oscar Wilde, in der Bearbeitung von Karl Lerbs statt. Spielleitung Intendant Schultze-Griesheim. Die Vorstellung findet als 16. Vorstellung der Dienstag- Miete statt. Beginn 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.

bis zum südlichsten Punkt des Festlandes und im Westen bis zum 135. Längengrade erstrecken sollte, wurde der Kapitän zur See, Arthur Phillip, ernannt; Phillip war 1738 in London als Sohn eines deutschen, aus Frankfurt a. M. ein - gewanderten Sprachlehrers Jakob Phillip ger boren. Die unter das Kommando von Kapitän Phillip gestellte, sogenannteErste Flotte" bestand aus den KriegsschiffenSirius" undSupply", drei Proviantschiffen und sechs Transportschiffen mit Sträflingen. Die Zahl der Offiziere Mann­schaften, Seesoldaten und anderer Angestellten mit ihren Familien stellte sich auf 290. Diejenige der Sträflinge auf 717, davon 520 Männer. Im gan­zen wurde also der Grundstein zur neuen Kolonie von etwas über tausend Menschen gelegt.

Die Schiffe verließen England am 13. Mai 1787 und trafen am 18. Januar 1788 in Botany Bay ein. Es stellte sich sofort heraus, daß die Bucht nicht genügend Schutz für eine neue Siedlung bot, auch die Bodenverhältnisse erschienen für Landwirt­schaft ungeeignet. Ohne Zeit zu verlieren, begab sich Kapitän Phillip zu der nördlichen von Botany Bay gelegenen, bereits von Kapitän Cook entdeckten Port-Jackson-Bucht. Er fand, daß hier alles vor­handen war, um das Gedeihen der neuen Kolonie zu gewährleisten:Der ausgezeichnetste Hafen in der ganzen Welt, in dem taufend Linienschiffe in voll­kommenster Sicherheit liegen Minnen" und dessen Tiefwasser «Anlegemöglichkeiten eine Länge von 188 Meilen haben. Als Siedlungsart wurde eine kleine Nebenbucht, in die ein Frischwasserstrom sich ergoß und die zu Ehren des Innenministers Lord Syd­ney, den Namen Sydney Cove erhielt, ge­wählt. Sträflinge und Marinesoldaten wurden vom SchiffSupchy" am 26. Januar 1788 gelandet, die Bestallungsurkunde, in der Kapitän Phillip zum ersten Gouverneur von Neusüdwales ernannt wurde, wurde verlesen, die britische Nationalflagge (damals noch ohne das schräge rote Kreuz von Irland) ging nm Mast hoch, die Truppen feuerten das auch heute noch im englischen Heer bei festlichen Gelegenheiten üblicheFeu de Joie", woraus die anwesenden Offiziere und Beamten auf das Wohl des Königs Georg III., der Königin und des Prinzen von Wa­les tranken.

Die neue Siedlung war vollkommen isoliert. Die Verbindung nach der englischen Heimat bean­spruchte durchschnittlich acht Monate. Das Land

australischen Festlandes, die sich später a/s einzig mögliches Siedlungsgebiet erwies, zu entdecken und beschreiben. Nachdem Cook am 29. April 1770 in Botany Bay gelandet war, hißte er am 22. August die britische Flagge auf der Possession-Jnsel bei Kap Pork im hohen Norden und nahm damit Besitz vom jämtlichen östlichen Teil des australischen Festlandes für die britische Krone. Wegen der Aehnlichkeit eines Teiles der Küste mit derjenigen von Wales gab er dem neuen Land den Namen Neusüdwales. Auf feiner zweiten Fahrt wurde Cook von den deut­schen Naturforschern I. R. F o r ft e r und dessen Sohn I. F. A. Forster begleitet.

Um. die Zeit, als die Ergebnisse von Cooks Ent­deckungsreisen in England bekannt wurden (2ln- fang der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts, hatte Großbritannien gerade den Krieg gegen Frankreich und die aufständischen nordamerikanischen Kolonien verloren, deren Unabhängigkeit England im Frieden von Versailles 1783 zugestehen mußte. Das unglück­liche Ergebnis des Krieges für England brachte un­mittelbar zwei -Schwierigkeiten für die Londoner Regierung mit sich. Einmal entstand das Problem der sogenanntenamerikanischen Loya- l i st e n", d. h. solcher Leute, die während des Bür­gerkrieges treu zu England gestanden hatten und nunmehr nicht bloß ihr Hab und Gut verloren, sondern sich auch des Landes verwiesen sahen. Während etwa 50 000 dieser königstreuen Briten nach Kanada und Britisch-Westindien zogen, kehrte der Rest zusammen mit den heimkehrenden briti­schen Truppen nach England zurück, wo die Regie­rung nicht wußte, was sie mit den Bedauerns­werten, die in Massenlagern untergebracht waren, anfangdn sollte.

Andererseits war das System der englischen Ge­richtsführung durch den Verlust der enalischen Ko­lonien aus dem Gleichgewicht geraten. Die bis da­hin übliche Deportierung von Verbre­chern nach Amerika (oft bei ganz geringfügigen Vergehen gegen die Gesetze) mußte zwangsläufig aufhören, die Gefängnisse waren überfüllt, und die Richter fuhren fort, nach altem Brauch, Leute bei­derlei Geschlechts zur Deportation (in England nannte man esTransportation") zu verurteilen. Tausende von Sträflingen waren auf alten Schiffs­hulks in den Häfen zusammengepfercht, auf denen die Verhältnisse jeder Beschreibung spotteten. Im ganzen sollen in ben 80er Jahren des 18. Jahrhun­derts nicht weniger als 100 000 Verbrecher, in Er­wartung der Deportation, die nicht kam, well man nicht wußte, wohin sie verschickt werden könnten, in Gefängnissen und Schiffen geschmachtet haben. Seit 1779 wurden den Londoner amtlichen Stellen Vor­schläge für die Gründung von Sträflings­kolonien in Botany Bay, in Neusüdwales, ge­macht. Ein entsprechender Beschluß wurde vom Ka­binett aber erst 1786 gefaßt. In der königlichen Er­öffnungsrede im Parlament im Januar 1787 wurde bekannt gegeben, daß eine Anzahl von Sträflingen nach Neu-Holland verschickt werden sollte. Es ist nicht ganz verständlich, aus welchem Grunde von der Möglichkeit, eine neue Heimat für Freie, d. h. die amerikanischen Loyalisten, denen gegen­über die Regierung eine Ehrenschuld abzutragen hatte, in Australien zu schaffen, abgesehen wurde. Ueberhaupt scheint den damaligen englischen Staatsmännern, selbst einem Mann wie Pitt, nichts ferner gelegen zu haben als der Gedanke^ im fern­sten Süden den Grundstein zur Entstehung eines neuen britischen Volkstums zu legen. Ausschlag­gebend für die Regierung war vielmehr der Um­stand, daß Deportation den billigsten Weg darstellte, sich der Sträflinge zu entledigen. So ist tatsächlich eine der wichtigsten Handlungen der Regierung von William Pitt, die Gründung von Neusüdwales, vor sich gegangen, ohne daß irgend jemand in Lon- , bon bamals von ber Bebeutun'g gewahr wurde.

Zum ersten Gouverneur ber neuen Kolonie von Sübwales, bie sich von Kap York im Norben

spricht-