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Nr. 295 Zünsler Blatt

I7./18. Dezember 1938

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Bücher unter dem Weihnachtsbaum

Deutsche Geschichte

mitgegeben.

Hans Thyriot.

Fr. W. Lange.

BUCHER

wird.

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wart stand.

Fr. W. Lange.

Don M und Zern

meiner gesehen zugleich von den zerstörenden wie

von den beharrenden und bewahrenden Kräften in ; ® r 1 n n erungunb G e genwart. Mit zehn

der amüsanten

zu plaudern, die uns

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schnür gewesen, daß an der Geschichte der Enthusias­mus, den sie erregt, das Beste sei. So breitet er vor uns aus die großartige Vergangenheit unseres Volkes von den frühesten Anfängen bis zum Ab­schluß der Völkerwanderung. Wir lernen die Lebens-

bei HOLDERER

Seltarsweg 75 Ruf 2265

bei der Rückkehr aus dem Felde in eine verwirrte und zerbrochene Heimat erlebt ober dunkel empfunden. Darin scheint uns unbeschadet aller ganz subjektiven Eindrücke, die Maaß hier festgehalten hat, die über­persönliche Gültigkeit seiner Erzählung zu bestehen, in der wir eine kleine Gruppe deutscher Soldaten

den apokalyptischen Tagen des zu Ende gehenden Krieges. Hans Thyriot.

männlichen Herzens, in der Beziehung zwischen Vater und Sohn, der härtesten der Beziehungen, die unter Menschen gegeben sind, geigt sich oas männliche Herz stolz und' tapfer, stürmisch und auf­begehrend und doch in allem Haß immer noch lie­bend. Die Jahrhunderte ziehen an uns vorbei: Karl der Große, Menschen des ausgehenden Mittelalters wie Luther und Karl V., Menschen der Klassik wie Klopstock, Hamann, Goethe und Mozart, Männer der Romantik und des 19. Jahrhunderts, Soldaten des Weltkriegs wenden sich im Briefe ihren Söhnen liebend zu und werden von ihren Vätern im Briefe sorglich ermahnt. Unter den mannigfaltigen Zeug­nissen wurden solche ausgewählt, die über die pri­vate Mitteilung hinaus durch sittlichen Ernst und souveräne Lebenshaltung jum Vorbild werden kön­nen. So entstand hier em Buch für die Gegen­wart, ein Buch für die Jugend, daß ihr erregtes Herz bei den Früheren Trost finde, ein Buch für die Alten, daß sie Nachsicht und Milde, Gerechtig­keit und Strenge bei den Vorfahren lernen.

Edmund Finke: Schwarzes Segel­schiff auf rotem,Grund. Kriminalroman. 217 Seiten. Ganzleinen 3,50 RM. Paul Zfolnay, Verlag, Berlin, Wien, Leipzig, 1938. (389) Der Fall, daß jemand sehr gute Gedichte und sehr gute Krimi­nalromane schreibt, kommt unseres Wissens nicht besonders häufig vor. Finke liefert ein vorzügliches

Beispiel für diese literarische Merkwürdigkeit: wir kennen ihn seit Jahren als einen Lyriker von hohem Rang und kaum verwechselbarer Eigenart. Ueberbies barf er als Spezialist für Kriminalromane gelten, die nicht allein von stofflicher Spannung und Sensation leben, sondern überdies kultiviert geschrieben sind. Was deren Lektüre so genußreich macht, ist nicht nur das allgemeine und weitverbreitete Vergnügen an Romanstoffen solcher Art, sondern vor allem die Exaktheit und Schärfe des logischen Denkens, mit dem der Fall angelegt, entwickelt und gelöst wird. Schwarzes Segelschiff auf rotem Grunde das ist dis Bild einer unerhört seltnen und dementsprechend kostbaren Briefmarke: ein Cent Britisch Guyana, Nummer Neun. Um dieses unscheinbaren, winzigen, bunten Papierchens willen ... nein, wir werden uns hüten, von der Geschichte etwas zu erzählen. Man muß sie lesen, und man wird bei dieser Lektüre auf feine Kosten kommen. Wir möchten nur noch be­merken, daß sich das Buch auch durch seine geschmack­volle und solide Ausstattung von ungezählten Kri­minalromanen auf das Vorteilhafteste unterscheidet.

Hans Thyriot.

Theo dorKröger: Kleine Madonna. Erzählung. Propyläen-Verlag. Berlin. Preis in Pappband 2 Mark. (562) In feiner iruen Erzählung gestaltet Kröger die Wandlung und Läu­terung eines Mannes aus der Kriegsqeneratton. Ein bekannter Chirurg findet sich nicht mehr in das alltägliche Leben. Vereinsamt nach dem großen Er­lebnis des Krieges will er sich von Beruf und Pflichten losreißen, will hinübergehen zu den toten Kameraden. Er sucht den Tod und findet das Le­ben. Ein hilfloses, kleines Wesen ruft ihn zur Pflicht des Arztes zurück zeigt ihm, daß das Le­ben niemals Vergangenheit, immer nur Zukunft ist.

burgs, kennen wir als charmante Erzählerin ge­schichtlicher Erinnerungen. Sie ist in der Reichs­hauptstadt groß geworden und den Kreisen der Dorkriegsdiplomatie nach vielen Richtungen hin versippt. Ihre Erinnerungen reichen weit zurück in die letzten Jahre Bismarcks und des Alten Kaisers, aber sie ist dem pulsierenden Leben Ber­lins immer nahe geblieben. Sie kennt auch die ältere Geschichte ihrer Vaterstadt und weiß auf ihrer Wanderung durch die Straßen Berlins in

bebingungen unb die daraus erwachsende Kultur der Germanen kennen, erfahren von ihrem Aufbruch gegen Süden, ihrem Kampf mit Rom um neues Siedlungsland und folgen ihnen auf ihren Zügen durch Gallien, Italien und Spanien an die Gestade des Mittelmeeres und nach Afrika hinüber. In be­geisterter Darstellung erstehen vor uns die Helden dieser Kriegszüge, wahrhafte Kriegsfürsten auch dort, wo sie seßhaft wurden, als Staatsmänner von größ­tem Format ein Reich gründeten und als Diplo­maten mit Rom und Byzanz die Klinge kreuzten. Der letzte Teil handelt von den sieghaften Völkern der Germanen, die anders, als die im Süden zu­grunde gehenden Stämme, zäher, härter und kühler in steter Verbindung mit der heimatlichen Scholle blieben unb Reiche gründeten, die heute noch, wenn auch in abgewandelter Form Bestand haben. Das Buch will ein Volks- und Jugendbuch fein, und wir glauben, daß diese frische, begeisterte und schwung­volle Darstellung sich diesen höchsten Platz erobern

Dem Gedächtnis Vmdings.

Traube Stenner: Rudolf G. "Sin» ding. Leben unb Werk. 198 Seiten mit zahlreichen Silbern bes Dichters. In Leinen RM. 4,80. Rütten & Loening, Verlag, Potsdam 1938. (563) Noch wenige Wochen vor feinem Tode hat Binding mit der Verfasserin den Plan zu dieser ersten Bio­graphie durchgesprochen und das nun vollendet vor­liegende Buch in seiner Entstehung mit hohen Er­wartungen begleitet. Es wird vielen Freunden des Dichters willkommen sein. Wenn man es zunächst durchblättert, um die Photographien zu betrachten, von denen die meisten bisher unbekannt und unver­öffentlicht waren, so wird man in dieser sich chro­nologisch sehr anschaulich ergänzenden Folge vom Bilde des zehn- ober zwölfjährigen Knaben bis zu der Totenmaske des 70jährigen noch einmal sinn- Sben Gestaltwanbel nacherleben, wie er sich in ings eigener Schilderung in bem rounberbaren BucheErlebtes Leben" als geistig-menschliche Ent­wicklung zu einer unnachahmlichen Persönlichkeit höchst schöpferischer Prägung barstellt. Traube Stenner ist ber Daseinslinie bes nun Verewigten beschreibend unb beutend mit Takt und weiblich zartem Gefühl gefolgt. In knappen, gut geordneten Kapiteln baut sich die organische Einheit von Leben und Werk des Menschen, des Dichters, des Edel­mannes vor uns auf. Wenn man übersehen will, daß ein paarmal die fatale Floskelvoll und ganz" stehen geblieben ist, wird man auch sagen dürfen, daß in die Darstellung etwas von der Klarheit und Sachlichkeit in Dindings Prosastil überaegangen zu sein scheint, und man wird, was die Wertung des Werkes betrifft, über eine Fülle ausgezeichneter, den Kern treffender Formulierungen erfreut fein; wir denken etwa an die Abschnitte über Dindings frühe Lyrik, über seine Legenden, dieCoelestina" im besonderen, und über seinfrommes Heiden­tum". Im Mittelpunkt des Ganzen stehen, wie es sein muß, die beiden großen, für Binding ent­scheidenden Erlebnisse: Griechenland unb der Krieg. Mit ber Biographie von Traube Stenner wird ein oft geäußerter Wunsch vieler Leser unb Freunde des Dichters erfüllt: es ist ein gutes Buch geworben, das hohen Anforderungen stanbhält; man stellt es mit Befriedigung zu der langen Reihe von schmalen Bänden, die eine unvergängliche Hinterlassenschaft umschließen. Hans Thyriot.

Helene von Nostitz: Berlin,

ganzseitigen Farbtafeln. Preis in Ganzleinen geb. RM. 5,80. Verlag Otto Beyer in Leipzig. (521) Helene von Noftitz, eine Nichte Hinden-

praktisches für die ssrau.

Alexander von SBernus: Urgroß - Mutters Hausmittel. Auszüge aus dem Hausbuch der Frau Ral Schlosser. Preis gebunden RM. 1,60. Verlag Eugen Salzer in Heilbronn. (528) Auf dem schönen Stift Neuburg im Neckartal etwas oberhalb Heidelbergs hat der Dich­ter Alexanher von Bernus im Hause seiner Groß- mutter ein Kochbuch aus dem Nachlaß der Frau Rat Sophie Schlosser, der Gattin Friedrich Schlos­sers aus dem engeren Frankfurter Freundes- und Verwandtenkreise Goethes, fennengelernt und aus ihm uns eine Fülle erprobter Hausmittel mitgeteilt. Es sind nicht nur Kräuter gegen Husten, Fieber und Kolik, Brandsalben und Gesundheitswässerchen, sondern auch Schönheitsmittel unb alle möglichen guten Ratschläge, die heute noch jeder Hausfrau willkommen fein werden. Das Büchlein ist mit einem Exlibris der Schlofferfchen Familie und amüsanten zeitgenössischen Stichen reizend aus«' gestattet worden, lieber seine Geschichte, die uns fast in die' Welt Goethes zurückführt, weiß Alexan­der von Bernus höchst vergnüglich zu plaudern. Sv ist das Büchlein eine entzückende kleine Gabe für den Weihnachtstisch unserer Hausfrauen, ein Beispiel, wie man auch praktische Dinge in ästhetisch vollendeter Form barbkten kann.

Fr. W. Lange.

Gau-Kochbuch. Herausgegeben von Ge­werbe-Oberlehrerin Elisabeth Karthaus im Auftrage des Deutschen Frauenwerkes, Abteilung Volkswirtschaft - Hauswirtschaft, Gaustelle Hessen- Nassau. 2. Auflage. 80 Seiten. RM. 1,00. Breiden- stein Verlagsgesellschaft (Brönners Druckerei), Frankfurt a. M, 1938.(431) Das Gau- Kochbuch liegt nun bereits in zweiter Auflage vor: das beste Zeichen dafür, daß es feinen Zweck erfüllt. Es ist aus reicher praktischer Erfahrung geschrieben, zeitgemäß und abwechslungsreich. Es enthält neben vielen erprobten Rezepten eine Menge praktischer Hinweise, die namentlich der jungen Hausfrau willkommen sein werden. Die rhein-mainischen Spezialitäten und Eintopfgerichte sind gebührend berücksichtigt.

auch den längsten historischen Exkurs lebendig und fesselnd macht. Die Provinzler kennen von der Neichshaupstadt meist nur die repräsentativen Straßenzüge im Zentrum, die Geschäftsoiertel und bevorzugten Wohngegenden des Westens. Helene von Noftitz wandert mit uns in die ältesten Teile der Stadt. So manches alte Haus wird uns durch eine bezeichnende Anekdote lebendig. Das Schloß, die alten Kirchen und Friedhöfe, bas Opernhaus und bie Palais ber Wilhelmstraße lernen wir mit ganz anderen Augen betrachten. Der kühle, herbe Charakter Berlins bekommt neue eigenartige Lich­ter, wenn die Erinnerung an bie galante Zeit bes Barock und Rokoko wieder wach wird. In den Bauten der Schlüter und Eosander, der Knobels­dorff und Gontard, der Gilly, Langhans und Schinkel wird uns die baugeschichtliche Entwicklung Berlins gegenwärtig, die gerade jetzt nach dem großartigen Plan des Führers in einen ganz neuen Abschnitt eintritt. Sehr gute Wiedergaben alter Buntstiche eignen sich vortrefflich zur Illustrierung dieses hübschen Buches, das jeder gerne auf feine nächste Reife nach der Reichshauptstadt als unter­haltsamen und höchst gepflegtenBaedeker" mit­nehmen wird. Fr. W. Lange.

W. Langheld und H. von Chamier- Glisczinski: Leben und Sterben um Afrika. Zweite, neubearbeitete Auflage. Mit 27 Abbildungen auf Kunstdrucktafeln und 9 Karten. Ganzleinen 4,20 Mark. Verlag A. Anton & Co.

ten und Erkundigungszügen seines 3agb« und F! gerkameraden Gerd Kahle. Deutscher Verlag, Ber­lin. Mit 94, zum großen Teil unveröffentlichten Bil-

Karl Alexattder von Müller: Vom altenzumneuenDeutschland. Aufsätze und Reden 19141938. Preis in Leinen gebunden 6,75 Reichsmark. Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart. (532) Wir kennen den Verfasser als einen Meister des historischen Essays. Aber er hat es immer ab­gelehnt,lebensferne Wissenschaft" zu treiben und sich vor den Nöten seines Volkes in die Studierstube Des Gelehrten zu flüchten. Diese Sammlung feiner Aufsätze und Reden aus den Jahren 1914 bis 1938 zeigen ihn als Kämpfer für Wahrheit, Recht unb Freiheit mitten im Ringen bes deutschen Volkes stehend. Immer zeigen sie den Versuch, aus der Kenntnis großer geschichtlicher Zusammenhänge den Dingen auf den Grund zu kommen und die einheit­liche Linie zu finden, die unserem Volke aus schwer­stem Kamvf den Weg nach vorwärts weisen könnte. So sind seine Aufsätze und Reden aus der Kriegszeit, später das Suchen nach neuen Grundlagen und dann das frohe Erkennen der Selbstbesinnung seines Vol­kes Stationen einer politischen Entwicklung, die für eine aan;e Generation charakteristisch ist. Das ist vielleicht die beachtenswerteste Seite dieses Buches. Wir wollen nicht einzelne Aufsätze und Reden her« ausarellen. Sie zeigen im ganzen gesehen die Diel- seitiakeit eines deutschen Gelehrten, der in diesen Jahrzehnten größten geschichtlichen Werdens mit hellen Augen und Heißem Herzen ganz in her Gegen-

Vorläufige Anzeigen.

Im Verlag Sttecker und Schröder in Stuttgart er­schien aus der Feder des Engländers D. Erskine M u i r unter dem Titel ,,M a ch i a v e 11 i" ein MannundseineZeit (Preis in Leinen gebun­den 5,80 RM. mit 16 Bildtafeln) eine Biographie des berühmten Renaissancediplomaten.

Väter und Söhne.

Wolter G. Oschilewski: Väter und Söhne, Briefe deutscher Menschen, mit 11 Fak­similes und Schriftproben. Preis in Leinen geb. 5,60 Mark. Verlag L. C. Wittich in Darmstadt. (541) Aus neun Jahrhunderten find in diesem Buche Briefe gesammelt, in denen Väter und Söhne miteinander sprechen. Das alte Gespräch, das in jeder Generation neu geführt wird, wurde hier durch die Jahrhunderte hindurch verfolgt. Zugleich schreibt dieses Buch eine Art Naturgeschichte des

Der große Krieg.

Edgar Maaß: Im Nebel der Zeit. Roman. 500 Seiten. Brosch. RM. 4,80, Ganzleinen RM. 5,80. Propyläen-Verlag, Berlin. (496.) Diele werden sich gewiß noch an den RomanVer­dun" von Edgar Maaß als an eines der besten deutschen Kriegsbücher erinnern. Etwas von ber dokumentarischen Haltung dieses Buches ist auch dem neuen Roman eigen, der, obwohl ganz selb­ständig, doch zeitlich unb menschlich-entwicklungs­mäßig ungefähr ba anschließt und fortfährt, wo je­ner abbrach, und bie5 ist, wie wir glauben, bas Beste, was man bappn jagen kann: was hier er­zählt wirb, hat jeher von uns, ber im großen Kriege an der Front stand und in den nebligen Herbft- . tagen des Jahres 1918 nach Deutschland heimkam, auch erlebt. Das ist natürlich nicht wörtlich zu ver­stehen; jeder von uns wird dafür andere Namen, einen anderen Schauplatz, andere Erlebnisse und Eindrücke im einzelnen vorzubringen haben, wenn er sich jener trüben und Dunklen Wochen erinnert: aber das Allgemeine, die Stimmung der Hoffnungs­losigkeit, Ratlosigkeit und Hilflosigkeit, die Atmo­sphäre von Au lösung, Chaos und Weltuntergang, eben dies, was Maaß mit den WortenNebel der

Josef Pfitzner: Kaiser Karl IV. Preis gebunden RM. 4,80, mit neun Abbildungen. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion in Pots­dam.(371) Der um die volkstümliche Dar­stellung wissenschaftlicher Ergebnisse, namentlich der Geistesgeschichte, in allen ihren Zweigen verdiente Verlad beginnt eine neue BuchreiheDeutsche Könige und Kaiser" mit einer Biographie Karls IV. aus der Feder des Prager Universitäts- Professors Josef Pfitzner. Daß die Wahl für den Gegenstand dieses ersten Bandes gerade auf diesen Kaiser gefallen ist, mag ein Zufall fein; rückt jedoch das Buch in eine durchaus aktuelle Beleuchtung. Denn niemand in der Reihe der deutschen Könige und Kaiser hat Böhmen und das jetzt zurück- geroonnene Sudetenland enger mit dem Reich ver­bunden als Karl IV. Er ist gewiß eine der proble­matischsten Gestalten der deutschen Geschichte und auch in der Geschichtsschreibung eine der meist um­strittenen. In ihm verbanden sich die rassischen Eigentümlichkeiten seines ganz der westlichen Kultur verhafteten luxemburgischen Hauses mit denen seiner böhmischen Mutter, der letzten Przemyslidin. Und so zwiespältig wie seine Ahnenreihe war auch das Wes.n und die Politik dieses deutschen Kaisers. Ein kühler, verschlagener Diplomat, auf Vermehrung seiner Hausmacht bedacht, wie es in der Zeit lag, ohne kriegerischen Ehrgeiz, aber mit dem ganzen Erwerbssinn des Kaufmanns, so schildert ihn Psitz- ner als einen ganz der Staatsauffassung des aus­gehenden Mittelalters zurückgewandten Herrscher, der für die neuen Gedanken des heraufkommenden Zeitalters der großen Umwälzungen kein Verständ­nis zeigt. Pfitzner beweist auch, daß Karl IV. sich fpineswegs als nationaler Böhmenkönig oder gar als Führer und Förderer des Tfchechentums gefühlt hat. Er hat Böhmen immer als Kern feiner Haus- macht betrachtet unb biefe Hausmacht, wie es den tatsächlichen Verhältnissen entsprach, als unumgäng­liche Voraussetzung der kaiserlichen Herrschaft an­gesehen. Die knappe Darstellung Pfitzners, die auch eine interessante Aufhellung des Charakters und der politischen Motive Karls IV., vom Rassischen her, versucht, ist höchst lesenswert, wenn auch der kom- pkizierte Stil die Lektüre gelegentlich erschwert. Karls Wirken in der Mark Brandenburg (Tanger­münde) scheint uns etwas kurz weggekommen. Im ganzen ist jedoch das Buch, namentlich im Hinblick auf die letzten großen politischen Ereignisse, von höchstem Interesse. ' Dr. Fr. W. Lange.

Hermann Eicke: Kämpfer und Hel-

auf ihrem Wege von der Front durch die letzten Rückzugsgefechte, durch die Etappe nach Deutschland begleiten; die Heimat heißt Diesmal Lübeck, und die Schilderung handelt von den Erlebnissen einer Ver­wundetenkompanie in der alten Hansestadt, allge-

häuschen, Bakterien und Bazillen. Eine auch für die meisten großen Leute wunderbare Welt erjchließt uns ihre Geheimnisse, für die Kinder aber ist hier eine vielleicht sie ansprechende Form gefunden, in der ihnen zum erstenmal die Ergebnisse naturkund­licher Forschung nähegebracht und verständlich ge­macht werden können. F. W. L.

Deutsche Erzähler.

ßeni W ü st: DerZauberervon Wien. Roman. 299 Seiten. Geb. 4,80 Mark. A. H. Paine, Verlag, Leipzig. (557) Ferdinand Raimund, eigentlich Raimann, als Sohn eines Drechslermei­sters 1790 in Wien geboren, mit 14 Jahren ver­waist,^kommt zu einem Zuckerbäcker in bie Lehre, will Schauspieler werben, beginnt bei der Wander­schmiere, wird Komiker am Theater in der Joseph- stadt und am Leopoldstädter Theater in Wien, bringt 1823 sein erstes Theaterstück heraus, ist höchst unglücklich verheiratet und endet 1836 in Potten­stein in Niederösterreich, von einem tollen Hunde gebissen, qualvoll durch einen Schuß von eigener Hand. Seine StückeDer Barometermacher auf der Zauberinsel",Der Diamant b'es Geisterkonigs", Der Bauer als Millionär",Die gefesselte Phan­tasie",Der Alpenkönig und der Menschenfeind" undDer Verschwender" haben eine neue Form bes Wiener Dolksstückes begründet, in der sich romantische Phantasie, österreichische Heiterkeit und natürlicher Theatersinn auf eine liebenswürdig-un­nachahmliche Weise verbinden. ßeni Wüst ist in ihrem Roman den ßebensfpuren Raimunds, der im Grunde seines Herzens, seinem Komikerberufe zum Trotz, ein unglücklicher Mensch war, mit liebevoll eindringendem Verständnis gefolgt; im wechselvollen Auf und Ab der Handlung wird nicht nur die Stim­mung des Wiener Biedermeier beschworen, sondern vor allem die menschliche Gestalt und die künst­lerische Bedeutung Raimunds dem ßefer nahege­bracht, der nach der ßettüre vielleicht sogar Lust hat, das eine oder andere feiner heute auf dem Theater nahezu vergessenen Stücke zu lesen. Der Verlag hat dem Buche eine freundliche Ausstattung

in Leipzig. Mit den ungeheuren Fortschritten der Technik rücken die Kontinente immer näher an­einander. lieber Gebiete, die noch vor wenigen Jahrzehnten große weiße, unerforschte Flecke auf der ßanbfarte waren, brausen fahrplanmäßig mäch­tige Verkehrsflugzeuge dahin, Eisenbahnen unb Autostraßen burchziehen die Wüsten, Funkstattonen und Telegraphenlinien verbinden das entlegenste Negerdorf mit den Hauptstädten der Erde. Wer denkt da noch an jene kühnen Männer, die ein ft, ganz auf sich gestellt, unter Entbehrungen, Hunger, Durst unb Verzicht auf jebc Bequemlichkeit bes kultivierten Menschen, in ftänbigem Kamps mit ber Natur unb kriegerischen Eingeborenen denSchwar­zen Erbteil" burchforschten und eroberten? Neben verbienstvollen Ausländern waren es in hervor­ragendem Maße deutsche Männer, durch deren Mut, Tatkraft und selbstlosen Einsatz bie Durch­bringung, Erforschung unb Erschließung Afrikas erst möglich würbe. Ihren ßebensroeg als leuchtenbes Beispiel eiserner Pflichterfüllung unb wahren Hel- bentums allen deutschen Volksgenossen vor Augen zu führen, ist die Aufgabe dieses Buches, das die heroische Geschichte deutscher Pioniertättgkeit in Afrika der Nachwelt überliefert, ein Ehrenbuch deut­schen Fleißes und deutschen Forschergeistes, das na­mentlich der Heranwachsenden Jugend Ansporn und Vorbild sein wird.

Schulz-Kampfhenkel:Rätsel der U r w a l b h ö l l e". Vorstoß in unerforschte Ur­wälder des Amazonasstromcs. Mit Tagebuchberich-

bern. Preis Ganzleinen 5,80 Mark. (568) Im Frühjahr brachte bie Ufa den KulturfilmRätsel der Urwaldhölle" heraus. Schulz-Kanwfhenkel läßt bem Film jetzt ein Buch mit dem gleichen Titel folgen. Es erzählt viel mehr, als was im Film ge­zeigt wurde. Gerade die spannendsten, lebendigsten Szenen dieser kühnen Urwaldexpedittonen konnten nicht gefilmt werden, denn es war immer wichtiger, das nackte ßeben zu retten, als nach der Kamera zu greifen. So kann man das Buch als eine fes­selnde Ergänzung des Films ansehen.

Mm und Technik.

Walter Ackermann: Fliegt mit! Erlebnis unb Technik bes Fliegens. Reichsausgabe. Bearbeitet von Wolfgang Merkel. Verlag Knorr & Hirth, München. Mit 105 Zeichnungen unb 44 Photos aus Tafeln. Preis in Leinen 4,80 Mark. Hier ist einmal das großeWie" der Fliegerei von den Grundbegriffen über das Fliegenlernen vis zur Kunst des Blindfluges klar und packend dar- gestellt für alle, die wißbegiemng und heißen Her­zens an einer der größten Taten unseres Jahrhun­derts teilnehmen, an der Eroberung des Luftmee- res! Ackermann, Flugkapitän der Swissair, hat mit seinem ursprünglich für die Schweizer Jungmann­schaft geschriebenen Buch dort solche Begeisterung erweckt, daß der Lufthansakapitän Wolfgang Mer­kel das Buch für dieseReichsausgabe" durchge­sehen und dazu den Bilderteil neu gestaltet und er­weitert hat. Der Flugpionier Freiherr von Gablenz sagt in seinem Geleitwort:Ein rechtes Jugendbuch soll allen zwischen sieben und siebzig Freude berei­ten. Das ist Ackermann gelungen. Hier der Beweis: daß ich selbst dieses Buch mit wachsendem Inter­esse las, daß meine Kinder sich mit wahrer Begei­sterung darüber hermachten unb unbemerkt viel lernten. Unb als meine Frau es gelesen hatte, sagte sie: ,Da ist man nun mit einem Flieger verheiratet und muß dach feststellen, wie wenig man eigentlich von dieser Fliegerei weiß!'"

Herbert Paatz: Doktor Kleiner­macher führt Dieter in die Welt. Mit 21 Zeichnungen. Preis kart. 2 Mark, in Seinen geb. 2,85 Mark. Deutscher Verlag Berlin. (554) Unter Führung des großen Zauberers Dr. Kleiner­macher erforschen die Kinder die Märchenwelt der kleinen und kleinsten Lebewejen, von Bienen, Amei­sen, Schnecken und Heuschrecken, Fliegen und Spin­nen bis zu dem tausendfältigen Gewimmel in einem Wafsertropfen/ der Algen, Uhrglastierchen, Sand-

----- ------ - , .. . den Germaniens. Preis in Leinen gebunden Zeit" sehr treffend zusammenfatzt, das haben wir alle; 3 80 RM. Verlag Quelle und Meyer in Leipzig CI. hom Kotho in oino normtrrtp itnh (Z90) _ Dem Verfasser ist das Wort Goethes Richt-