Kr. 2^5 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
I7./I8. Dezember M8
Aus Der Stadt Gießen
Gesetze der Verwirklichung.
Bon Hans Hartmann.
Es ist morgen der vierte Advent Nicht jeder ist in der Bereitschaft, um Gehalt und S.nn dieser vorbereltenden Tage zu erfassen. Biele gibt es, die wohl vorbereitet in d.ese Tage gehen mochten, aber nicht Ruhe dazu finden. Sie möchten es, aber sie flüchten dann doch lieber zu denen, die vor Eile und beruflicher Belastung nicht zur inneren Ruhe kommen Sie haben dabei häufig mit Recht das Bewußtsein, ein Opfer zu bringen, dam.t es die anderen gut haben. In vielen kaufmännischen Berufen ist jetzt harte Zeit, niemand, vom Chef bis zum Boten, kommt zum Aufatmen.. Und man glaubt vielleicht, die Ruhe in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr nachholen zu können. Möge wenigstens das vielen gelingen!
Wie nötig hätten mir gerade vor den Festtagen einige Stunden der Ruhe und der Besinnung. Es find ja nicht nur die Gefühle und Stimmungen der Erwartung, die uns bewegen. Es sind auch tiefe Weisheiten in den Vorgängen des Wartens und Erwartens beschlossen Es sind die Gesetze der Verwirklichung, die sich, mehr als in alltäglichen Zeiten, in diesen Tagen erschließen. Es ist das Urgeheimnis alles Lebens, daß das Mögliche wirklich wird. Wenn wir jetzt ein Samenkorn legen, so w ssen wir: nach unverbrüchlichen Gesetzen kann sich daraus etwas entwickeln, was uns einst Freude und Nutzen bringen, aber auch Andacht und Bewunderung erwecken wird. Es kann sein, es muß nicht fein. Es handelt sich um eine besondere Art von Gesetzen. Es sind biologische Gesetze, und die sind anderer AVt als die der Physik und Chemie; es sind Gesetze, nach denen sich innere, geistige und seelische Dinge verwirklichen. In Biologie und Geschichtsforschung handelt es sich immer wieder darum, diese feineren, oft geheimen Gesetze der Ver- w rklichuna zu erkennen. Sie fügen sich nicht in e;n formelmäßiges, mathematisches Gesetz, sondern sie vollziehen sich gemäß dem Wesen des Lebens, einer höheren Wirklichkeit und Weisheit.
Die Anwendung auf die vorweihnachtliche Zeit ist dreierlei Art: Bed'ngung, Behütung und Vollendung. Es muß zuerst etwas da sein: eine Substanz, ein Wert, ein Samenkorn. Es muß eine Unruhe, ein Sinnen und Trachten, ein Wille zur höheren Lebensform in uns fein. Andernfalls bleibt Weihnachten eine liebe, aber tote Gewohnheit. Dann aber muffen wir während des Keimens, Wachsens und Sichvollziehens diese Prozesse mit der Wachheit e'ner „bereiten" Seele verfolgen. Wir müssen mit Geist. Gemüt und Willen ständig „nft dabei fein", es , behüten". Nur bann werden wir das Dritte. die Vollendung, die wahre, innige Weih- nachtsfreude, erleben. Das, was der Sinn aller Erwartung ist, wird sich dann verwirklichen und erfüllen.
Vornolizen.
Tageskalender für Samstag.
Stadttheater: 15 bis 17.30 Uhr „Frau Holle"; 20 bis 22.30 Uhr „Fidelio". — Gloria-Palast (Sel- tersweg): „Kautschuk". — Lichtsvielhaus (Bahnhofstraße): „Verlegenheitskind". — Oberhessischer Kunst- vereiN: 17 bis 18 Uhr Weihnachtsausstellung im Turmhaus am Brand. — Weihnachtsmarkt auf Oswald sgarten. — Gesangverein Frohsinn-Quartettverein 1884: 20 Uhr im Katholischen Vereinshaus Weihnachtsfeier.
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr Weihnachtsmorgenfeier; 15 bis 17.30 Uhr „Frau Holle"; 19 bis 22 Uhr „Dichter und Bauer". — Gloria- Palast (Seltersweg): „Kautschuk". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Verlegenheitskind". — Heimatvereinigung Schiffenberg: 17 Uhr, Schif'enberg, Weihnachtsfeier. — Heimatvereinigung Staufenberg: Burg Staufenberg Nikolausfeier. — Ober-
Weihnacht auf„Burgen'anv".
Bon Gertrrd Aul ch.
Die „Burgenland" ist ein Schiff, einer der großen Oftafiensahrer. lieber Weihnacht liegt sie weiß und warm und gewaltig an der Reede von Surabaja, unter der glühenden Tropensonne Javas.
Nachmittags, als der letzte Passagier von Bord war, hieU der Kapitän die Weihnachtsansprache an seine Leute. Keiner der wettergebräunten Jungen hatte ein richtiges Feiertagsgesicht, und das machte dem Alten seine Rede schwer und unbeholfen. Denn so dicht unterm Aeguator ist es nichts mit der Weihnachtsstimmung. Wenn einem der, Schweiß unter dem Polohemd vorbricht und wenn einer feinen Blick über die weißen Shorts und die nackten Waden feines Nebenmannes wandern läßt, kann er unmöglich an Weihnacht denken, ohne dumm drein- zulchauen.
Richtige Weihnachtsbäume gibt es nicht auf Java, und auch die „Burgenland" hat Feinen an Bord; ober am Abend gibt es in der Offiziersmesse und in jeder Mannschaftskoje einen geputzten und brennenden Baum. Eine riesige Agave mit Watte zu betupfen, mit Telephondraht Wachslichte auf die steifen Blatter zu heften und mit geschnittenem Silber aus Zjgarettenschachteln dem „Christbaum" seinen festlichen Glanz zu verleihen, ist für die Offiziere keine Kunst. Was aber in den Mannschaftsdecks aus alten Besenstiölen, Holz, Papier, Glasscherben. Farbe und Lichtstümpfen an Pracht hervorgezaubert wurde, hätte manchem unbefangenen Beschauer den Atem verschlagen.
In Deutschland fegt jetzt vielleicht der Schneesturm durch die Straßen, und Knecht Ruprecht geht in den Häusern um. Es wäre gelacht, wenn nicht auch die „Burgenland" ihren Weihnachtsmann aufbrächte. Er besteht in der Hauptsache aus Papier und Watte, und sein falscher Bart sitzt gräßlich schief auf dem bemehlten Gesicht. Aber beim Verteilen der Pakete und Päckchen, die von den Lieben daheim stammen, macht er es schön und feierlich.
Der Agaven-Christbaum leuchtet mit krummgeschmolzenen Lichtern, der Heiligabend-Tisch ist reich bestellt, Gänsebraten, Pfefferkuchen, Nüsse, Aepfel, alles, was den deutschen Weihnachtsschmaus ausmacht, ist da. Klaus Forck, der fünafte Offizier, sitzt am Klavier und svielt: „O du fröhliche!" Und weil ihm etwas die Kehle hochsteigt, hämmert er so unsinnig auf die Tasten, daß die Punschgläser zu fingen anfangen. Niemand hat rechten Appetit, es wird hauptsächlich getrunken, die eine und die andere Hand wischk das blanke Wasser von Sftrn und Wangen, vielleicht auch eine verschämte Träne, wer weiß!
Reichsstrahensammlung der HL. in Gießen.
Den Auftakt zur Reichsstraßensammlung bildete wieder der Eröfsnungsappell, der» am Abend des 16. Dezember gleichzeitig an allen HI.-Standorten des Großdeutschen Reiches abgehalten wurde; auf chm wurde der Tagesbefehl des Reichsjugendführers verlesen. •
Mit dem Einsatz der Pimpfe und der Jungmädel begann heute vormittag die Sammelaktion: am Nachmittag sammeln sämtliche Einheiten einschließlich der Sonderformationen. Ebenso sind am Sonntag, wo die Sammlung um 17 Uhr mit der Ablieferung der Büchsen ihren Abschluß findet, sämtliche Einheiten an der Aktion beteiligt. Selbst bann, wenn sämtliche Abzeichen, wie zu erwarten ist, schon am Samstag verkauft sind, wird die Sammlung fortgesührt, da die Jungen und Mädel nach den Erfahrungen der früheren Jahre auch noch ohne Abzeichenverfauf beträchtliche Sammelergebniffe erzielen können.
Unterstützt wird die Reichsftraßensammlung der Hitler-Jugend durch den Einsatz sämtlicher Werbemittel. Rundfunk, Presse, Spruchbänder über den Straßen, Schaukästen, Musik-, Spielmanns- und Fanfarenzüge, Werbetrupps und die Spielscharen der Hitler-Jugend rufen die Volksgenossen auf, ihr Opfer für das WHW. zu bringen. ,
Die von der Hitler-Jugend vertriebenen Abzeichen bilden eine Serie von zwölf hübschen Holzfiguren, kunstgewerblichen Heimarbeiten aus der Eifel, deren Entwürfe, wie die vorjährigen Abzeichen, aus den Ateliers der Heller-Schule stammen. Sie eignen sich gut als Schmuck für den Weihnachtsbaum, so daß sicher mancher die ganze Serie erwerben will; sie symbolisiert das Leben der Jugend in den einzelnen Monaten des Jahres.
Der Januar ist durch einen Schlittschuhläufer, der Februar durch einen kleinen Prinzen Karneval, der März durch einen jungen Sämann dargestellt. Den April verkörpert ein winbzerzausfts Mädelchen mit Rmenschirm, den Mai ein fröhliches Kind im hellen Sommerkleid, der IuNi zeigt ein Mädchen bei der Gemüseernte, der Juli wird durch ein Ferienkind dargestellt. Symbol des August ift die Juaenb mit dem Erntekranz, der September ist durch einen klungen bei der Obsternte, der Oktober durch einen Wanderer im Herbststurm versinnbildlicht, während ein frierendes Kind auf einem Blatt den November und ein kleiner Weihnachtsmann den Dezember verkörpern.
9fm 17. Dezember 1938
werden von 17 bis 19 Uhr der Musik- und der Spielmannszug 116 der HI. auf dem Kreuzplatz spielen.
Der Spielmannszug der Marinegefolgschaft wird von 17 bis 19 Uhr vor dem Bahnhof Gießen spielen.
Der Spielmannszug der Hitler-Jugend Großen-
Bufeck spielt von 17 bis 19 Uhr auf dem Marktplatz vor dem Kriegerdenkmal.
Der Spielmannszug und Fanfarenzug des Deutschen Jungvolks wird von 17 Uhr bis 19 Uhr am Selterstor spielen.
Es sammeln:
Arn Selter stör: Iungbannführer Ta es- l e r, Adjutant und Oberfähnleinsührer Wiegandt, Hauptstellenleiter G e i l f u s.
Auf dem Kreuzplatz: Stammführer Völ- zing, Derwaltungs - Gefolgschaftsführer Thierse l d t, L=Steüenleiter Weerth , Gefolgschafts- sührer Z u l a u f.
Auf dem Marktplatz: Stammführer Dr. Schneider, Gefolgschastsführer Körner, Ge- folgschaftsführer Jüngst.
Am Stadttheater: Stammführer Nickel, BDM.-Werk - Gruppenführerin Inge Jensen, Gefolgschaftsführer G e r b i g.
Am Hauptpostamt: Gefolgschastsführer Röhrsheim, Fähnleinführer Wagner, JM.- Gruppenführerin Gisela Schäfer.
Am Hotel Schütz: Gefolgschaftsführer Nuppel, Fähnlein'ührer B e 11 o f f, Gruppenführerin Marianne Eger.
Am Bahnhof : Untergauführerin Käthe Pfeffer, IM.-Untergauführerin Trudi Samper, Ringführerin Hilde Fink und BDM.-Werk- Beauftragte Hilde Adolph.
Unsere Lugend kam
Die Hitler-Jugend seht sich, wie in allen Jahren, mit ihrer gesamten Führerschaft und mit ihren Einheiten für das große Werk der Volksgemeinschaft, für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes, ein und wird am 17. und 1Z. Dezember im ganzen Reich für den Sieg über hunger und Kälte kämpfen. Die I Sammlung b°r Hitler->—e??d. d e im Serben der jüngsten großen geschichtlichen Geschehnisse, der Heimkehr der Ostmark und des Sude^enlandes in das Reich, stehen wird, trägt die Parole:
„Die Jugend dankt dem Führer."
Die hüb'chen bunten Abzeichen und die stärkere Gebefreudigkeit der Erwachsenen gegenüber der Jugend werden auch in diesem Jahre baiu beifragen, das Sammeleraebnis wieder zu einer Spiheu- teiftung zu machen.
Unser Sammeleifer und reftlo'er Einsatz soll alle Volksgenossen mitreißen, daß sie nicht nur neben, sondern, wie der Führer auf der Sportpalastkundgebung forderte, daß jeder in diesem Jahr sein Opfer iur Linderung d^r Rot in der Ostmark und im Sudetenland verdoppeln möge.
Am Cafe Arnend: Gefolgschastsführer Rahn, Fähnlein'ührer Kraft, Gruppenführerin Lydia Bär und IM.-Gruppenführerin Helga Neumann-Spenge l.
Seltersweg - Goethe st raße: Fähnleinführer Adolph, JM.-Gruppenjührerin Gertrud Hochstätt er, Grupvensührerin Magret Seim, BDM.-Werk-Gruppenführerin .Herta Brüning.
Seltersweg - Gloria-Palast : Fähnleinführer P e t f ch , Gruppenführerin Ev. B ende r o t h , Gruppenführerin Erna Mähler und L=SteUenieiterin Liefe! F u h r y.
Stabtpoft: Gefolgschaftsführer Wißner, BDM.-Gruppenführerin Gertrud Hübner, BDM.- Werk-Gruppen'ührerin Friedel K r e u d e r.
Babnho f ft raße - Neustadt: ©'folg* schastsführer Berghöfer, Gefolgschaftsführer Rheim, BDM.-Gruppenführerin Luise Fleischmann. 9
Sondersammlung:
Iungbannführer Taesler, Stammführer 23 ö zing, Stamnvü'byer Dr. Schneider, Stammführer Ferdi Nickel, Stammführer Baur, ■ Gefolgschafts'ührer Weerth, Oberfähnleinsührer Wiegandt, Gefolgschaftsführer Körner, Gefolgschastsführer Jüngst, Oberjungzugführer G e i I f u s.
pst für das WHW.
Die Forderung des Führers ist auch für uns Verpflichtung und Ansporn zugleich zu verstärktem Sammeleifer. Unser Ziel ist es, die früheren Spitzenleistungen in diesem Jahre weit zu übertreffen.
Führer, w i r erfüllen dein Worts
heil Hitler!
Der Führer des Jung- Der Führer des Vannes bannes llö (Wetlerau): 116 (Wetterau): 3. 23.:
gez.: Taesler, gez.: Völzing,
Iungbannführer. Stammführer.
Ausruf der Oberaausützrerin.
2Heine Kameradinnen! Am Samstag und Sonntag werden wir unsere HI.-Straßensammlung durchführen. Ich erwarte von euch allen, daß ihr euch mit derselben Freude für den Erfolg der Sammlung einseht, wie ihr für die sudetendeutschen Kinder gearbeitet habt.
Else Riese,
Obergauführerin.
hessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr Weihnachts- Ausstellung im Turmhaus am Brandplatz. — Weihnachtsmarkt auf Oswaldsgarten.
Gießener Stadttheater.
Am Sonntag, 18. Dezember, findet eine Weihnachtsmorgenfeier statt. Die Programmfolge sieht vor: Heinrich Schütz „Herr, nun lassest du deinen Diener in Friede fahren", Solokantate für Baß, Zwei Violinen und Continuo; Christoph Bernhardt „Fürchtet euch nicht", Solokantate für Sopran, zwei Violinen und Continuo; Peter Cornelius „Weihnachtslieder"; Hugo Wolf „Schlafendes Jsfukind", „Nun wandre Maria", „Epiphanias". — Hermann Schultze-Griesheim lieft Weihnachtliches von Jean Paul und Hilde Kneip, „Der Tannenbaum" von H. C. Andersen. Anfang Punkt 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr. — Abends der große Erfolg „Dichter und Bauer", Operette von Franz von Supve, einmalige Vorstellung zu kleinen Preisen. Musikalische
Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Gert Buchheim, Tanze Thea Maaß. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Anfang 19 Uhr, Ende 22 Uhr.
Montag, 19. Dezember, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr: Theaterring der Hitler-Jugend, 3. Vorstellung, „Ein Sommernachtstraum" von Shakespeare.
Dienstag, 20. Dezember, Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr: „Wiener Blut", Overette von Johann Strauß. Muiikali'che Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Gert Buchheim. Dienstag-Miete 12. Vorstellung.
Donnerstag, 22. Dezember, Anfang 15 Uhr. Ende 17.30 Uhr: „Frau Holle", Märchen von Walter Osterspey. Außer Miete! / Heimatvereinigung Schiffenberg feiert Weihnacht.
Am morgigen Sonntagnachmittag veranstaltet die Heimatoereinigung Schiffenberg eine Weihnachtsfeier auf dem Schiffenberg. Dr. Kaufmann
(Gießen) wird dabei über „Deutsche Weihnachten im Ausland" sprechen.
Bei Erkältung, Grippegefahr:
trinken viele aus alter Gewohnheit arößere Mengen Alkohol. Das ist dem geschwächten Organismus nur selten zuträglich und strengt rast immer das Herz unnötig an. Unschädlich und dock wirksam ist dagegen folgende Schnellkur: Kurz vor dem Zubett- oehen möglichst heiß Zweimal ie einen Eßlöffel Klosterfrau-Melissengeist imb Jucker mit etwa der dcwvelten Menge kochenden Wassers gut verrührt trinken; Kinder die Hälfte. Zur Nachkur nehme man noch einige Tage die halbe Menge oder füge dem Tee ieroeite einen Schuß Klosterfrau-Melissengeist zu. Sie erhalten Klostersrau-Melissenaeist in der blauen Original-Packung mit den drei Nonnen in Avotheken und Drogerien in Flaschen zu NM. 2.80,. 1.65 und -.90.
Ausschneiden und aufbewahren. 77siV
Man denkt an daheim, singt die guten Weihnachtslieder und dazwischen alte kernige Seemannsgesänge. Klaus Forck mit voller Lungenkraft voran, man hört seine helle Knabenstimme aus allen heraus. Er feiert das erstemal Weihnacht nicht bei Muttern ... aber es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn er dieses brennende Heimweh, das ihm das Herz abdrücken will, nicht unterkrieaen sollte. Auch er bekam ein kleines Paket und hält es die ganze Zeit kramvfhaft auf den Knien fest. Es hatte feinen weiten Weg von der kleinen pommerfchen Stadt her, er will es ganz für sich haben und allein fein, wenn er es auspaeft.
Morgen wird er an Land gehen. Es gibt auch in diesem fremden Ort, der am weitesten entfernt von der Heimat liegt, Landsleute, die sich ihre deutschen Sitten in der Erinnerung treu bewahrt haben und mit offenen Armen blaue Jungs bei sich aufnehmen.
Heute aber trifft es ihn. daß er mit einigen Kameraden als Wache an Bord zurückbleibt, und das ist gut so. Er hat es nicht eilig, die Stadt kennenzu- iernen, er trägt auch kein Verlangen nach den glutäugigen Mädchen Javas.
Auf Deck ist es leer und still, Klaus Forck geht abseits und sieht von der Reeling weit über das Meer hin, wo am Hori'onf die Sonne rot und golden untergeht. Schnell bricht die Tropennacht herein, man kann unter ihren weichen Flügeln wunderbar ' träumen.
Er gehört nicht zu jener Art von Seemann, der ’n jedem Hafen eine flüchtige Liebe hat und überall in der Welt daheim ist. Er ift blutjung, und einer guten, wundervollen Mutter einziger Sohn ... und an diese Mutter denkt er jetzt. An ihren lieben sorgenvollen Brief, der obenan im Paket lag, an die braunen Honigkuchen, die daheim immer auf seinem Kopfkissen liegen, er lächelt gerührt über die selbstgestrickten Händschuhe, eine pünktliche und unabwendbare Weihnachtsgabe.
Das Meer, dieser unermeßliche Indische Ozean, liegt dunkelblau und schimmernd unter dem besternten Himmel. Klaus Forck blickt darüber hinweg, Tausende von Meilen weit... wo im flachen Lande ein Häuschen steht, ein Garten darum, winterlich eingeschneit. - -
Er denkt zurück an eine Weihnacht- im Gebirge. Weiße Bergkuppen, ein lautloser Aufstieg zum Gipfel, dickverschneite Tannen, silberne Schneefelder im Son« nenglanz. Abends pfiff der Sturm um den Kamm, die Baude sah mit hellen Lichtaugen ins Tal, drinnen saß unter einer kleinen schimmernden Fichte ein Mädel und fang zur Laute Weihnachtslieber. Sie hieß Christine, ihre Stimme war voll und klar, sie hatte dichtes, Helles Haar. Außer Gott waren nur er und sie In der Hütte ...
Der Monsun weht seinen heißen Atem über das Schiff, der frostig klare Gebirgswinter schmilzt dahin. Was gäbe man jetzt dafür, wenn man wieder einmal frieren dürfte.
Gegen Mitternacht schlägt Klaus Forck sein Bett auf Oberdeck auf, obwohl es unmöglich ist, in dieser Bruthitze zu schlafen. Zwischen Traum und Wachen erlebt er eine winterliche Weihnacht, mit viel braunen Honigkuchen, einer Stimme zur Laute und ein Meer von Schnee. Und es geschieht doch wohl nur im Traum, daß in seine Ohren Posaunen und Hörner „O. Tannenbaum!" blasen.
Nein, es ist fein Traum, die Bordkapelle schmettert zur Feier des Tages Weihnachtslieder, immer noch eins. Das Messing blitzt in d'er Sonne, mit den weißen Hosen und den vollen Pausbacken sieht jeder wie ein leibhaftiger Weihnachtsengel aus.
Hahn und Huhn im Volksglauben.
Es gibt sicher nicht viele Bauernhöfe in Deutschland, die keine Hühner und keinen Hahn aufzuweisen haben. Huhn und Hahn sind geradezu Sinnbilder ländlichen Lebens geworden und haben auch im deutschen Volkstum, im Brauch und Spruch eine wichtige Stellung. Als Wetterprophet gilt der Hahn trotz allerlei scherzhaften Verdächtigungen immer noch häufig beim Landmann. Fliegt er über den Zaun oder kräht er vom Zaun herab, so gilt das fast allgemein als Zeichen, daß gutes Wetter zu erwarten sei, während es Regen anzeigt, wenn er abends viel und sehr lebhaft kräht. Gehen die Hennen früh schlafen, so soll das bedeuten, daß der nächste Tag schön sein werde.
Auch sonst beschäftigt sich die Volksphantasie viel mit dem Hühnervolk, und es dürfte sich mancher Aberglaube um Hahn und Huhn daraus erklären, daß diese in heidnischer Zeit beliebte Opfertiere waren. So scheinen sie besonders für die sogenannten „Bauopfer", die dem neu erstellten Heim der Familie Segen bringen oder Unsegen fernhalten sollten, gedient zu haben. In Ostpreußen, Franken, Baden und anderorts ist es noch in nicht ferner Zeit üblich gewesen, beim Einzug ins neue Haus einen Hahn — oder ein schwarzes Huhn — vorausgehen zu lassen. Noch deutlicher wird der Anklang an das Hausopfer, wenn festgestellt wird, daß ehedem nicht selten unter die Hausschwelle ein Topf eingegraben wurde, der Kopf, Herz und rechten Fuß eines schwarzen Hahnes enthielt. Solches Zaubermittel (ehedem Opfer) sickert dem Haus und dessen Bewohnern Glück und Gedeihen. Beliebt ist auch ein weißer Hahn afa ,.Hofbeherrscher", weil er feindliche Unholde und Dämonen vertreibt: ja. selbst die Mäuse sollen vor seinem Krähen fliehen. Läuft
einem ein Hahn über den Weg, so soll das Unheil bedeuten; es scheint sich da um einen verwaschenen Aberglauben zu handeln, denn gewiß wurde ehedem dieses unvermutete Vorüberlaufen verschieden gedeutet, je nachdem, ob es von links nach rechts geschah oder umgekehrt. Sckaut ein Hahn ins Haus oder laufen die Hühner hinein, so bedeutet es, daß Besuch kommen werde.
Blut vom Hahnenkamm erleichtert angeblich Kindern das Zahnen, und wenn ein Bursche die Liebe eines Mädchens gewinnen will, so empfiehlt ihm altes Brauchtum, ihr heimlich die Zunge eines jun= gen Hähnchens ins Essen zu tun. — Schnurrig schreibt ein alter Enzyklovädist über den schönen Doael: „Der Hahn ist des Tages Vorboth. Wenn er frühen will, so wecket und sckläget er sich vorher dreymal mit seinen Flügeln. Allo soll ein Weiser, ehe er redet, sich auch wohl besinnen. Der Löw fürchtet den Hahn und allermeist den weißen... Vielleicht hat der allweife Scköpfer dem armen Landmann zum besten das Krähen anaeorbnet, theils daß er, romn er feinen Zeiger tUhr) ober Glocken in ber Nähe hat, ungefähr wissen mochte, wann ber Morgen anbrechen würbe, theils auch, daß mancher, wenn etwann Diebs-Rotten ober böte Leute einbrechen, bie sich öfters noch bis um diese Zeit aufhalfen, durch das Krähen des Haus-Hahnes zur Munterfeit gebracht werde." Werner Lenz.
Wer war Herr pökel?
Pökeikamm mit Erbsbrei und Sauerfraut ist e'n Gericht, bas von vielen geschätzt wird. Aber faum jemand, der sich's dabei wohl sein läßt, wird auf den Gedanken fommen, daß sich in dem „Pöfel" der Name eines Mannes verbirgt, der tatsäch'ich einmal gelebt und seine Verdienste um dieses Verfahren, Fleisch haltbar zu machen, hat. Das Wort soll zurückzuführen sein auf den Holländer Willem Beukelsz aus Vieroliet, einen Fischer, der nach einem von ihm ersonnenen Verfahren Heringe c'n- salzte. Er starb 1394, und sein Ruhm muß n'cht gering gewesen sein. Noch in einer nord deutsch en Chronik aus dem Jahre 1642 findet man ihn erwähnt, da wird gesagt, „daß er der erfte in ganz Nied erlaub gewesen, ber gezeigt habe, w'e man b:c Heringe salzen imb - im Lak behalten sollte." Und es heißt bann weiter: „Diese Erfindung hat Kaiser Karl V., ber sehr gern gesalzen Fisch aß. so hoch gehalten, baß er im Jahre 1556. als er mit ft'ner Schwester Maria. Königin von Ungarn, gen Bier- vliet kam, sich in Person zu dieses Fischers G^ab, ber anno 1397 verstorben, begeben imb ihm noch unter der Erbe g-banket hat. nachdem der gute Willem schon 159 Jahre im Lak gelegen hatte."


