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Einweihung des Deutschen Jan dmuse- ums. Der Schöpfer des Museums, Präsident Chri- stian Weber, teilte mit, daß dem neuen Jagd­museum auch ein Hijchereimuseum angegjie» dert wird, mit dessen Bau schon im nächsten Früh­jahr begonnen werden soll. Der bayerische Minister­präsident Siebert schilderte die Aufgaben des Jagdmuseums als unerschöpfliche Fundgrube für die jaadliche Kunst, als eine Stätte der Natürliche für jeden Volksgenossen, aber auch Lehrschau und wis­senschaftliche Forschungsstätte und stellte namens der bayerischen Landesregierung Zur weiteren Ausge­staltung des Jagdmuseums 50 000 Mark zur Ver­fügung mit dem Wunsche, daß alle, die dazu m der Lage sind, zur weiteren Ausgestaltung die,er scho­nen Sache eine offene Hand zeigen mochtem

Dann bewegte sich der große Festzug -'Tausend Jahre Jagd und tausend Jahre Tracht durch die von unübersehbaren Menschenmassen gesäumten Straßen der Stadt. Den Schutzen des Deutschen Landesschützenoerbandes folgteDie Jagd im Wan­del der Jahrtausende", das angefangen von grauer Urzeit bis zu unseren Tagen die vielgestaltige Ent­wicklung von Jagd und Weldwerk schilderte. Dann zog in fast endlosen Reihen ein farbiges Kalei­doskop von Volkstrachten aus den alten und neuen deutschen Gauen vorüber. Zwischen die schmucken Paare reihten sich die schönen Festwagen der ver­schiedenen Gaue, geschmückt mit den Erzeugnissen und Wahrzeichen, den Wappen und Sinnbildern der Landschaft und besetzt mit Volksgenossen in der Viel­falt und Schönheit deutscher Trachten, die deutsche Ostmark, die Salzburger und Tiroler mit ihren prächtigen Trachten und Uniformen, ihren alten Fahnen und Waffen, die Kärntner und Steiermär­ker in der ganzen Leuchtkraft ihrer Heimatgewänder und heilrufend und Tücher schwenkend die'befreiten Brüder und Schwestern aus dem Egerland, im Schmuck der Trachten, wie sie treu behütetes Volks­tum und heiliger Däterbrauch geschaffen haben. Auf der O k t o b e r f e st w i e s e entwickelte sich bann in den Nachmittagsstunden ein großes Volksfest. Freiwillige für Den Neiwsarbettsdiem«

Berlin, 15. DEL (DNB.) Der Reichsarbeits­dienst stellt bis zum 15. November 1938 noch Frei­willige mit mindestens einjähriger Dien st Verpflichtung ein. Meldungen neh­men alle Dienststellen entgegen. Bewerber müssen sich umgehend bei der Drtspolizeibehörde den Frei­willigenschein beschaffen und diesen und falls sie minderjährig sind, auch die Einverständniserklärung ihres gesetzlichen Vertreters der Dienststelle des RAD. vorlegen. Nach einer Dienstzeit von einem halben Jahre können die Freiwilligen zum Vor­mann, Obervormann und außerplanmäßigen Truppführer befördert werden Neben freier Unter­kunft, Verpflegung, Bekleidung und Heilfürsorge sowie einer freien Heimaturlaubsreise im zweiten Diensthalbjahr erhalten: Vormänner RM. 0,50, Obervormänner RM 0,75 und außerplanmäßige Truppführer RM. 1. tägliches Taschengeld. Bei Ausscheiden wegen Ablaufs der Dienstverpflichtung oder wegen Dienstunfähigkeit erhalten Länger­dienende neben der sonstigen Fürsorge eine Dienst- belohnung. Bei einer Dienstzeit von weniger als ein Jahr RM. 100,, von mindestens einem Jahr RM. 150. und von eineinhalb Jahr RM. 200.

Das Deutsche "Ro<e Krevz

Darmstadt, 15. Sept. (LPD.) Der geschäfts­führende Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, ^-Brigadeführer Dr. Grawitz, sprach vor Füh­rern der Partei und ihrer Gliederungen über die Aufgaben und Ziele des Deutschen Roten Kreuzes, vor den Führern und Führerinnen der Hitler- Jugend des Gebietes Hessen-Nassau im Gausied- lungshos Oberstetten und vor Kreisleitern, Gau­amtsleitern und höheren SA.- und ^-Führern des Gaues im Jakob-Sprenger-Haus in Darmstadt. Er hob hervor, daß das Deutsche Rote Kreuz ein natio­nalsozialistisches sein werde, ober es werbe nicht jein. Unter «dieser Voraussetzung sei ein Abkommen mit dem Reichsjugendführer zustandegekommen, in dem dem Deutschen Roten Kreuz zugesagt wurde, daß im Rahmen des Erforderlichen und Möglichen junge Menschen aus der Hitler-Jugend in das Deutsche Rote Kreuz übergeführt werden. Braune Schwester und DRK.-Schwester haben besondere Aufgaben, die Braune Schwester als Gemeinde­schwester und die DRK.-Schwester als Betreuerin der Verwundeten im Kriegsfälle. Beide hätten das eine Ziel: Ein starkes nationalsozialistisches Deutsch­land. Unter der Schirmherrschaft, des Führers fei das Deutsche Rote Kreuz jetzt ein in sich fest ge­fügter Bestandteil des Dritten Reiches.

Keine jüdischen Rechtsanwälte mehr!

B e r l i n, 15. Okt. (DNB.) In einer Fünften Ver­ordnung zum Reichsbüraergesetz ist bestimmt, daß Juden alsbald im Altreich zum 30. November 1938 aus derRechtsanwaltschaftaus- scheiden. Nach der Gesetzgebung des Jahres 1933 war bereits die Zulassung jüdischer Rechts­anwälte mit Ausnahme der Frontkämpfer und der Rechtsanwälte, die mindestens feit dem 1. August 1914 als Rechtsanwälte zugelassen waren, zurück- genommen worden. Die neue Verordnung schließt nunmehr diese Maßnahmen ab; in Zukunft gibt es keine jüdischen Rechtsanwälte mehr. Auch im Lande Oesterreich scheiden Juden ausnahmslos aus der An­waltschaft aus. Soweit es sich um Frontkämpfer handelt, können den ausscheidenden Rechtsanwälten Unterhaltszuschüsse gewährt werden. Um die recht­liche Beratung und Vertretung von Juden, insbe­sondere in den Fällen, in denen eine rechtliche Ver­tretung gesetzlich vorgeschrieben ist, sicherzustellen, sieht die Verordnung vor, daß in beschränkter Zahl lüdische Konsulenten zugelassen werden, die nur r jüdische Auftraggeber tätig fein dürfen. Nach einer gleichzeitig ergangenen Dritten Verordnung über Anwaltsangelegenheiten im Lande Oesterreich' scheiden dort jüdische Mischlinge aus der Rechtsanwaltschaft in dem gleichen Umfange aus, wie dies die Gesetzgebung des Jahres 1933 i m Altreich bestimmt hatte.

ßin Appell Mottas an die Schweizer presse.

Bern, 16. Okt. (Europapreß.) Der Chef des Eidgenössischen Politischen Departements, Bundes­rat Motta, hielt in Muralto bei Locarno eine Rede, in der er die Schweizer ermahnte, aus den vergangenen Ereignissen die notwendigen Lehren du ziehen. Jeder Staat habe das Recht, sich die Reaierungsform zu geben, die er für die beste Halte. Niemand sei berechtigt, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen. Staaten mit wesentlich verschiedenen Regierungs- formen könnten als Freunde nebeneinander leben. ;2Ius sich entgegenstehenden Ideologien Kriegsgründe .zu machen, sei ein abwegiger Gedanke. Unter Hin­

weis darauf, daß die Pressefreiheit tn der Schweiz unangetastet bleibe, wies Bundesrat Motta darauf hin, daß zwischen Freiheit und Zügel­losigkeit, zwischen Meinung und Beleibt- g u n g ein Unterschied bestehe, der den verantwor­tungsbewußten Menschen sage, was erlaubt und

nicht erlaubt sei. Die Neutralität, die der Schweiz Anerkannt worden sei, lege auch dem Individuum die gebieterische Pflicht des Maß­halt e n s und der Ueberlegung auf.

Der japanische Bormarsch in Güdchina.

Tokio. 17. Oft. (DNB. Funkspruch. Ostasien- dienst.) Das japanische Hauptquartier gibt bekannt, daß die in Südchina gelandeten japanischen Trup­pen ihren Vormarsch nach Worben in schnellem Tempo fortsetzen Sie erreichten bereits Hsiayung, bas 10 Kilometer süblich vom Ost- fluß unb etwa 40. Kilometer nörblich vorn Lan­dungsplatz liegt. Gleichzeitig rücken japanische Trup­pen auf dieser 40 Kilometer langen Front west­wärts in Richtung auf Kaulun zur Kanton- Eisenbahn vor. Bisher machte sich nur ein ge­ringer Widerstand bemerkbar. Allerdings ist ein stärkerer Widerstand in den tiefgeglieberten chine­

sischen Verteidigungsstellungen östlich der Eisen­bahnlinie zu erwarten. Um die Chinesen zu hin­dern, den japanischen Landungstruppen ernsten Widerstand entgegenzusetzen werden von japanischen Flugzeugstaffeln die Straßen und Bahnen Süd- chinas außerordentlich stark mit Bomben be­legt; desgleichen werden chinesische Truppenzusam- menziehungen und Transporte bombardiert. Ein Teil der Ortschaften steht in Flammen. Ein Strom chinesischer Flüchtlinge, die vor den heranrückenden japanischen Truppen fliehen, bewegt sich auf Kan­ton zu.

An der Jangtse-Front haben Angriffe der japanischen Land-, See- und Luftstreitkräfte auf die sog. zweite chinesische Vertetdigungs- tinie stattgefunden, in der sich die Orte Schi- weiyao und T a y e h befinden. Durch Sprengung der von den Chinesen angebrachten Sperren in der Weyuangkee-Bucht ist diese für die Schiffe wieder befahrbar geworden. Die Japaner konnten dadurch bei ihrem Vordringen die starken chinesischen Verteidigungslinien zwischen Schiweiyao und Hwangshikang unter Feuer nehmen. Japanische Minensucher befinden sich bereits in acht Kilometer Entfernung von Schiweiyao, während die Lanb- truppen noch etwa 16 Kilometer entfernt sind. Neun Seemeilen (18 Kilometer) unterhalb von Schiweiyao haben die Japaner weitere Truppen gelandet.

Prags neue Außenpolitik

Chvalkovsky berichtet Dem Ministerrat. - Die tschechische presse fordert ehrliche Zusammenarbeit mit Deutschland.

Prag, 16. Oft. (DNB.) Außenminister Dr. C h o a l k o o s k y erstattete dem Ministerrat Bericht über seine Besprechungen in Berlin unb M ü n ch e n. In be^ nächsten Woche sollen bie Be­ratungen ber einzelnen Fachkommissionen in Berlin fortgesetzt werben. Der Ministerrat beschloß, als Delegierte für bie Verhanblungen Finanzminister Dr. Stalfis, Minister für Jnbustrie, Hanbel unb Gewerbe, K a r v a s, Lanbwirtschaftsrninister Feier- a b e n b unb Minister ohne Portefeuille, Waw- r e ck a , zu bestellen

Das volkssozialeCesko S l o v o" fchreibt: Der Reichskanzler hat bie Versicherung des tschechi­schen Außenministers mit Befriedigung zur Kennt­nis genommen, baß bie Tschecho-Slowakei zu Deutschlanb eine loyale Haltung einnehmen wolle. Das ist ein hi st arischer Meilenstein in ben Beziehungen unseres Staates zu ben großen Nachbarn, benn burch biefe Erklärung finbet bie 20jährige Epoche unserer Politik nach bem Welt­kriege ihren Abschluß. Wir haben die schweren Feyler bezahlt, von benen diese Epoche in­nenpolitisch erfüllt war, wie wir auch ben Irrtum in ben Berechnungen unserer außenpolitischen Kon­zeption bezahlt haben. Von bem mannhaften^Be- fenntnis zu biefen Irrtümern führt ein ebenso auf­richtiger Weg zur Ernüchterung, beren Ergebnis bie Erklärung unseres neuen Außenministers war: Durch bas Anbahnen eines guten Verhältnisses zu Deutschlanb wünschen wir auf neue Wege zu gelan­gen." Auch bas LegionärsblattNarobny Dsvo- d o b z e n i" fchreibt:Als ber Prager Außenmini­ster Abolf Hitler gegenüber erklärt hat. baß bie Tschecho-Slowakei mit bem Dritten Reich ehrlich zusammenarbeiten will, sagte er keine diplomatische Phrase, sondern brachte offen die Neuorientierung unseres Staates zu Deutschland zum Ausdruck. Es scheint, daß sich bie Atmosphäre etwas bessert, und wir können unserer­seits trachten, baß sie sich rasch bessert. Unsere bringlichste Aufgabe ist bie Zusammenarbeit an ber wirtschaftlichen Erneuerung. Sodann müssen wir aber auch bestrebt sein, Deutschland und bie Deut­schen besser kennenzulerne n." In berNa- robny Listy" schreibt ber Gegenkandibat Dr. Be- neschs bei ber letzten Präsibentenwahl, Nemec: Wir hatten jahrelang kein rechtes Bilb vom neuen Italien unb vom neuen Deutschlanb. Wir kannten nicht bie wirklichen Porträts Hitlers unb Mussolinis, fonbern nur beren Karikaturen. Die erste Forderung ist, unseren Nachbarn, von bem uns eine Chinesische Mauer getrennt hatte, richtig zu verstehen. Wir müssen verstehen, was biefe Füh­rer, von benen wir abhängen, wollen. Wenn wir sie richtig verstehen, werden wir auch ihr Verständ­nis für uns erreichen. Es ist eine Ironie bes Schick­sals, baß wir biefe Weisheit, bie wir bis vor kur­zem in kleinerem Maßstäbe unseren subetenbeutschen Staatsangehörigen geprebigt hatten, jetzt in erhöh­tem Maße auf uns selbst anwenden müs­sen: Deutsche und Tschechen müssen zusammen­arbeiten. Sie schädigen sich gegenseitig, wenn sie es nicht tun."

Der Versassungsumbau.

Prag, 15. Oft. (DNB.) Mit der neuen Ver­fassung befaßt sich derSlowenski Hlas". Sie wird sich teils an ben österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 unb teils an bie Verfassung ber schweize­rischen Bunbesrepublik anlehnen. Der neue Bun- besftaat wirb aus b r ei neuen ßänbern bestehen. Der ber Tschecho-Slowakei verbleibenbe Teil Böhmens, Mährens unb Mährisch-Schlesiens wirb zu einem Böhmisch-Mährischen ßanb vereinigt werben. Die brei ben Staat bilbenben ßänber, bas Böhmisch-Mährische ßanb, bie Slowakei unb bie Karpatho-Ukraine werbe eigene ßanbtage unb eigene Regierungen haben. Der g e- samtstaatliche Wtini ft errat wirb aus allen brei Regierungen zusammen bestehen, zu benen noch bie brei gemeinsamen Minister ber Außenminister, ber Heeresminister unb ber Fi­nanzminister hinzukommen. Der gemeinsame Mi­nisterrat soll immer bann tagen, wenn gesamtstaat­liche Fragen zu besprechen sinb. Das g e f a m t ft a a t= 11che Parlament wirb aus Delegatio­nen ber brei ßanbtage gebilbet werben. Es wirb ein- ober zweimal im Jahre zusammentreten, um gesamtstaatliche Gesetze zu beschließen. Es wird erwogen, bas Amt bes Präsidenten ber Re­publik mit bem bes Ministerpräsidenten de r Zentralregierung zusammenzulegen, wie dies z. B. in ben Vereinigten Staaten ber Fall ist.

Gespannte Lage an der ungarischen Grenze.

B u b a p e st, 17. Dkt. (DNB. Funkspruch.) Nach ber Unterbrechung ber ungarisch-tschecho-slowakischen Verhanblungen setzten in Komorn Demonstra­tionen ber ungarischen Bevölkerung ein, bie von ber Oenbanmerie zerstreut würben. Durch das Vor­gehen der tschechischen Gendarmerie sollen zahlreiche Ungarn darunter Frauen unb Kinber, verletzt wor­ben sei. Wie bas Ungarische Telegraphenbüro wei­ter meldet, hätten sich in vielen Orten bes ungarisch- tschecho-slowakischen Grenzgebietes die Angehörigen ber ungarischen Volksgruppe offen gegen M i - litär unb ©enbarmerie erhoben. In Mukaceva (Munkacs) unb anderen Stäbfen bemon- ftrierten bie Ungarn vor ben geschlossenen Grenzen. Vielerorts seien Panzerwagen in die An­sammlungen hineingefahren. Zahlreiche Personen seien verletzt worben. Die Polizei nehme überall Verhaftungen vor. Auch in Preßburg kam es zu blutigen Ausschreitungen vor ber Franziskanerkirche. Zum Schluß der Festmesse fangen bie Ungarn, bie bie Kirche bicht füllten unb auch noch vor ber Kirche in großer Zahl standen, bie ungarische Nationalhymne. Darauf entwickelte sich vor der Kirche ein Handgemenge zwischen der tschechischen Polizei unb den Demonstranten, bei bem zahlreiche Ungarn verletzt würben, barunter elf schwer.

Frankreichs neuer Botschafter in Rom

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Berlin, 15. Oft (DM.) Wie die französische Regierung amtlich mitgeteilt hat, ist der französische Botschafter in Berlin, Andre Aranxois-pon- cet, nach Rom verseht worden, um in der gleichen Eigenschaft die französische Republik beim König von Italien und Kaiser von Aethiopien zu vertreten.

Das diplomatische Revirement in Frankreich er­folgt diesmal im Zuge einer gewissen außenpoliti­schen Umstellung, deren Umfang mit Sicherheit noch nicht abzuschätzen ist. Bei diesem Revirement wird der bisherige Botschafter Frankreichs in Berlin, Andr6 Francois-Poncet, den nach langer Zeit wieder zu besetzenden Po st en in Rom über­nehmen. Wenn die französische Regierung ihren zur Zeit zweifellos bedeutendsten Vertreter im Ausland

von Berlin nach Rom dirigiert, nachdem er acht Jahre lang mit unverkennbarem Erfolg der diplo­matischen Mission Frankreichs in Berlin vorgestan- den hat, dann geht daraus hervor, daß die fran­zösische Regierung ihrer Ankündigung einer Rege­lung bes Verhältnisses zu ben autoritären Staaten bie Tat folgen lassen will.

Francois-Poncet, am 13. Juni 1887 in Provins geboren, erschien seinerzeit für ben Berliner Bot­schafterposten wie geschaffen. Der frühere Professor an ber Pariser Sorbonne hatte seine Stubien außer in Paris selbst nur an deutschen Universi­täten, in München, Heibelberg und Berlin absolviert, hatte ein gescheites Buch über Goethe und ein Buch Ce que pense la Jeunesse allemande Was die deutsche Jugenb denkt" geschrieben und hatte Deutsch­land während seiner Stubienzeit auf zahlreichen Reifen kennengelernt Wer jemals mit Francois- Poncet ins Gespräch gekommen ist, staunt nicht nur über bie völlige Beherrschung ber beutschen Sprache, wie man sie bei einem Ausländer selten hört, son- bern auch über bie außergewöhnliche Belesenheit in ber beutschen ßiteratur unb über die Kenntnis bes deutschen Geisteslebens bei einem Mann, ber seinem späteren Hauptarbeitsgebiet nach eigentlich Wirtschaftspolitiker war.

Im Weltkrieg kämpfte er als Kompanieführer, würbe bann wegen seiner bebeutenben Sprachkennt­nisse in basZweite Büro", bie Abteilung für Spio­nage im französischen Generalstab, versetzt, war De­legationsmitglied auf der Konferenz in Genua, ab November 1928 unter Poincars Unterstaatssekretär für schöne Künste und im zweiten Kabinett Dar- bieu Unterstaatssekretär für Volkswirtschaft. Im Mai 1931 trat er bei den Ratssitzungen in Genf in wirtschaftlichen unb außenpolitischen Fragen so in ben Vorbergrunb, baß er als Nachfolger Briands am Quai b'Orfay genannt wurde. Am 22. August 1931 wurde er jedoch als Nachfolger de Margeries

auf den Berliner Botschafterposten gesandt. Schon damals betonte er in einer Ansprache seinen auf­richtigen Wunsch nach einer Zusammenarbeit zwi­schen Deutschland unb Frankreich.

Andrs Francois-Poncet, Dollblutfranzose bis in bie Fingerspitzen, ist während seiner Berliner Amts­zeit in anerkennenswerter Weise bemüht gewesen, für jenen Wunsch praktische Arbeiten zu leisten. Der Botschafter hat gerabe in ben letzten Jahren sehr bebeutfame Missionen zu erfüllen gehabt. Wir erin­nern nur an bas berühmte Gespräch zwischen dem Führer und dem Botschafter vom 11. Januar 1937 nach dem Neujahrsempfang bes Diplomatischen Korps, als Abolf Hitler mit einer knappen Erklä­rung bie wüste Hetze gewisser französischer Blätter wegen einer angeblichen Besetzung Spanisch-Marok­kos zu Fall brachte. Der Botschafter setzte sich sofort mit seiner Regierung in Verbinbung unb trat nach­drücklich für die Erklärung des Führers ein. Der Botschafter gehörte seit ben Münchener Besprechun­gen bem Internationalen Ausschuß für bie Rege­lung ber Subetenfrage als Vertreter Frankreichs an.

Die Aufgabe, bie ber neue Botschafter in Rom erwartet, wirb nicht leicht (ein, nachbem bie Unter­brechung geregelter biplomatischer Beziehungen zwi- schn ben beiben ßänbern tiefe Wunben in das fran­zösisch-italienische Verhältnis geschlagen hat. Seit über zwei Jahren ist in der Tat kein französischer Botschafter in Rom, und seit etwa einem Jahr kein italienischer Botschafter in Paris. Die Volksfront­regierung Blum glaubte im Sommer 1936, ber ita­lienischen Regierung ihre Feinbseligkeit baburch aus- brücken zu müssen, baß sie ben bamaligen Botschaf­ter b e Chambrun wegen Erreichung ber Alters­grenze das war damals die offizielle Begrün­dung aus Rom a b b e r i e f. Sie ernannte zwar etwas später Herrn St. Quentin zum Botschaf­ter in Rom, aber nur der Form halber, denn man konnte sich in Paris nicht entschließen, bas ita­lienische Imperium anzuerkennen. Anberseits wußte man, baß ber Duce auf ber Abfassung bes Beglau­bigungsschreibens im Sinne ber Anerkennung bes italienischen Königs als Kaiser von Abessinien be­stehen würbe. Nun soll Francois-Poncet bas roieber gut machen, was eine zweijährige Volksfrontpolitik gegenüber Italien gefünbigt hat. Die französische Regierung hat offensichtlich mit Absicht ben bisheri­gen Botschafter in Berlin gewählt, dem seine in Deutschland gesammelten Erfahrungen mit der Po­litik der eng befreunbeten unb oerbunbenen Staaten in Rom zugute kommen werben. Darum hat bie französische Negierung auch bavon abgesehen, für sechs Monate einen Parlamentarier nach Rom zu entfenben, ber, so sehrDiplomat" er auch gewesen wäre, boch die ßuft bes französischen Parlaments mitgebracht haben würbe. Der Duce selbst hat den Wunsch geäußert, boß ein Berufsdiplomat ernannt werde, und er hat bannt sicherlich zum Ausbruck bringen wollen, baß es sich nicht lebiglich barum hanbeln dürfte, daß Frankreich durch eine Persönlichkeitim Botschafterrang" in Rom vertre­ten ist.

Die belgischen Gemeindewahlen.

Im allgemeinen

keine großen Veränderungen.

Brüssel, 17. Okt. (DNB.) Die ersten Ergebnisse der belgischen Gemeindewahlen lassen annehmen, baß in Der Zusammensetzung ber neuen Gemeinbe- räte im allgemeinen keine großen Umwäl­zungen eintreten werben. In ben meisten Ge­meinden scheinen sich die bisherigen Mehrheiten ber Regierungsparteien Katholiken, ßi b e rate, Sozialbemokraten mit geringen Verärgerungen gehalten zu haben. Die R e x i- st en konnten in verschiebenen Gemeinben runb 10 v. H. ber Stimmen auf sich vereinigen. Dieses Er­gebnis entspricht ungefähr bem ber Parlaments­wahlen von 1936, wobei zu berücksichtigen ist, baß bei ben Gemeindewahlen im Gegensatz zu den Par­lamentswahlen auch die Frauen stimmbe­rechtigt sind. Dem Gewinn der Rexisten stehen im Vergleich zu ben letzten Kommunalwahlen im Jahre 1932, an benen bie Rex-Bewegung nicht be­teiligt war, in vielen Fällen entfpredjenbe Verluste der Katholischen Partei gegenüber. Auch die liberalen haben in einigen Gemeinden an Stimmen eingebüßt. Die flämischen Ratio- nalisten scheinen ihre Stellung ungefähr gehal­ten zu haben. Die in zahlreichen flanbrischen Ge­meinden aufgestellten Gemeinschaftslisten von Katholiken, flämischen Nationalisten unb Rexi­sten konnten in mehreren Fällen über 50 v. H. der Stimmen auf sich vereinigen. Die Kommuni- ft e n haben vielfach starke Verluste erlitten. In Ar- lon haben die Kommunisten z. B. drei Sitze im Ge­meinderat verloren.

Kleine politische Nachrichten.

Der polnische Ministerpräsibent Sklab kowski empfing die ehemaligen beutschen Senatoren H a s - bad) unb Wiesner, bie bem Ministerpräsibenterr eine Reihe von Forberungen für bas Schulwesen, bie Anwenbung bes Grenzzonengesetzes, gleiche Be- hanblung ber beutschen Arbeiter auf bem Arbeits­markt sowie laufenbe kirchliche Fragen oortrugen. Der Ministerpräsibent sagte eine wohlwollenbe Prüfungzu.

Zum erstenmal seit bem Weltkrieg stattete ein beut- sches Geschwaber in langer einen Besuch ab. Das PanzerschiffGrafSpee" unb brei Torpeboboots- zerstörer trafen unter bem Dberfommanbo eines Ab- mirals in Tanger ein. Ein beutsches U-Boot ist wie- ber ausgelaufen.

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Die Verhanblungen zwischen ber Türkei unb Italien mit bem Ziele, bie wirtschaftlichen Be­ziehungen zwischen beiben ßänbern zu regeln, haben zu einem Hanbels-unbZahlungsabkom- m e n mit einer Reihe von Zusatzabkommen geführt, bie am 1. November 1938 in Kraft treten unb bis zum 30. Juni 1940 laufen werben.

Hauptschnftleiter Dr. Friebrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bes Hauptschriftleiters: Ernst Blum­schein. Verantwortlich für Politik unb für bie Biiber: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für ben übrigenTeil.ErnstBlumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber An­zeigen: Theobor Kümmel. D. A. IX. 38: 9143, Druck unb Verlag: Brühlsche Universitätsbruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM.' 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illu­strierten 15 Pf mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.