Ausgabe 
17.9.1938
 
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Nr.2 8 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

l7./l8. September (938

Schwere Kreuzer.

Von Konteradmiral a. D. Gadow.

Am 22.August ist in Kiel'in Anwesenheit des ungarischen Reichsoerwesers, Admiral o. Horthy, der neue 10 000-Tonnen-KreuzerP r i n z E u g e n" oo>m Stapel gelaufen, der Dritte einer Reihet von c derB lüche r" undAdmiral Hipper" be­reits schwimmen und der Fertigstellung entgegen­gehen. Die Bewaffnung dieser Schiffe ist mit acht 20,3-Zentimeter- und zwölf 10,5-Zentimeter-Geschüt- zen angegeben. Der neue Kreuzer stammt von Krupp-Germania in Kiel, die beiden anderen von Blohm & Voß, Hamburg, bzw. Deutsche Werke, Kiel.

Die Kreuzer dieser Art, bei uns alsSchwere Kreuzer" bezeichnet, in den Flottenverträgen als Leichte Ueberwasserfahrzeuge, Unterklasse A", haben in den internationalen Verhandlungen eine bedeutende Rolle gespielt. Im ersten Flotten - v ertrage, Washington 1922, hatte man die Größengrenze für Kreuzer auf 10 000 Tonnen und ihr größtes Geschützkaliber auf 20,3 Zentimeter fest­gesetzt, und zwar auf den Wunsch Eng- l a n d s, das einige Kreuzer etwa dieser Größe

Der Hochverräter.

Der Beschluß des Prager Kabinetts, gegen Konrad He nie In den Haftbefehl zu er­lassen, ihn also für vogelfrei zu erklären und samt der ganzen sudetendeutschen Führerschaft der tschechi­schen Haßjustiz auszuliefern, zeugt von einer so weitgehenden Verwirrung aller Rechtsbegriffe, daß es notwendig erscheint, den größenwahnsinnigen Ur­hebern dieses Erlasses einmal den Spiegel' vorzu- halten. Darüber, daß die ' Proklamation Konrad Henleins mit ihrer Anschlußforderung keinen Hoch­verrat, sondern die Aeußerung eines un­abdingbaren Lebensrechtes darstellt, brauchen wir uns mit den tschechischen Geschichts­fälschern nicht erst zu unterhalten, denn alle Welt weiß, daß die Sudetendeutschen nur durch mili­tärische Gewalt in den Tschechenstaat hinein­gezwungen wurden, daß sie seit Zwanzig Jahren unentwegt dagegen protestieren bzw. vergeblich ver­sucht haben, wenigstens bis Prager Gewaltherrscher zur Einlösung ihres Autonomieoersprechens zu be­wegen. Die Haltung der Sudetendeutschen ist also immer die gleiche geblieben, und wo nichts zu ver­raten ist, kann es auch keine Verräter geben.

Dagegen ist das Jonglieren mit dem Hochoerrats­paragraphen gerade für Herrn Bene sch und Kon­sorten höchst gefährlich. Die ganze Geschichte des Tschechentums besteht ja nur aus einer einzigen Reihe von Vorrats- und Rohheitsakten, angefangen von dem Zeitpunkt, da die Tschechen nicht etwa als Herren und Eroberer, sondern als botmäßiges Troß- volk der asiatischen Avaken um 600 in das vordem germanisch besiedelte Böhmen eindrangen und dort nach Abzug der avarischen Horden h'ängenblieben, bis zu den Hussitenkriegen, den berüchtigten Doku­mentenfälschungen des vorigen Jahrhunderts (- niginhofer Handschrift), den Massendesertionen in der alten österreich-ungarischen Armee, dem Ver­trauensbruch der tschechischen Legion an dem russi­schen General Koltschak, den auf Lügen aufgebauten Memoranden" an die Versailler Friedenskonferenz bis zu den gebrochenen Zusagen an die unterdrück­ten Völker der Deutschen, Slowaken, Ungarn und sonstiger Minderheiten.

Immer wieder springen die typischen Eigenschaf­ten des tschechischen Volkscharakters ins Auge: Eine liebedienerische Unterwürfigkeit, wenn der Tscheche in der Minderheit ist, und eine hemmungslose Bru­talität, sobald er sich in der Mehrheit fühlt oder irgendeine Staatsmacht hinter sich glaubt. Bei jeder Gelegenheit schlägt die unehrliche Kriecherei in einen wütenden Fremdenhaß um. Das war so bei den Hussitenkriegen vor 500 Jahren, die unter dem Deckmantel einer religiösen Reform doch nichts anderes bedeuteten als Raub, Verwüstung, Mord, Brandschatzung und Vernichtung des Deutschtums in einem Unvorstellbaren Maße. Das war auch so 1918, als die österreich-ungarische Doppelmonarchie zusammenbrach und dem vorher von den Habsbur­gern verhätschelten Tschechentum Gelegenheit gab, seine Undankbarkeit zu beweisen und wahre Orgien der Brutalität zu feiern. Des Tschechen größte na­tionale Kraftanstrengung, der Hussitensturm, hat lediglich z e r st ä r t, er hat zahllose blühende deutsche Städte in Böhmen vernichtet, aber nur ein einziges tschechisches Städtchen selber gegründet. Menn trotzdem die heutigen tschechischen Politiker und offiziellen Geschichtsschreiber diese Hussitenkriege als dieGlanzzeit des tschechischen Volkes" rühmen, dann ist das nur ein weiterer Beweis dafür, daß der Ungeist der Anarchie in den Tschechen des zwanzigsten Jahrhunderts lebendiger ist denn je zuvor.

Hätten deshalb die Tschechen allgemein schon alle Ursache, bei der Anwendung von Begriffen wie Hu­manität, Demokratie, Staatsautorität und Hochver­rat sich höchster Zurückhaltung zu befleißigen, so ist dies insbesondere Herrn Eduard Benesch anzu­raten. Denn er ist es ja, der in seiner Person dem tschechischen Volke das beste Beispiel eines Hochverräters vorgelebt hat. Er mar es, der 1908 mit feiner Doktordissertation über Das öster­reichische Problem und die tschechische Frage" für die Erhaltung des alten Oeltereich ckls Föderativ-

Chamberlain auf -em Obersalzberg

Unser Bild zeigt den Führer und den britischen Premierminister Chamberlain, der eben den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generaloberst Keitel begrüßt. (Presse-Jllustrationen-Hoffmann-M.)

I ^at eintrat, um dann neun Jahre später, als er sm ""oe des Verrats gekommen sah, mitten im

1 it16^ PropagandaschriftZerstört Oester­reich-Ungarn!" zu veröffentlichen. Er suchte das L i nv e r n e h m e n mit dem Feinde, um den langen Monaten schwer ringenden österreichi- u11- ~ruPPen aus dem Hinterhalt seine Zersetzungs­arbeit entgegenzusetzen. Aus seinen Erinne- r n 9 e n , die im Jahre 1928 unter dem Titel: * -15 ^ufflanb der Ration" auch in deutscher Sprache Mäzenen, brauchen wir nur folgende Stellen als Beweise exquisiten Kriegs-, Hoch- und Lan­desverrats wiedergeben: Benesch schreibt: ,,Jch hatte (vor der Flucht in das Ausland) ermit- telt, daß bei der Besatzung in Asch Dr. Amerling, eitLj?iubien.r°^e von mir, Militärarzt war, und entschloß mich, ihn aufzusuchen und zu bitten, mich unter demSchutze seiner Militäruni- i o r m über die Grenze zu geleiten. Ich wollte den österreichischen Behörden den Paß, den ich bei mir führte und der auf Miroslav Sicha, Geschäftsreisen­der in optischen Apparaten, lautete, nicht vorlegen, da ich fürchtete, mich zu verraten, dagegen nahm ich an, daß die deutschen Behörden bei meinem Ueber- gang in die Schweiz den falschen Paß mit gc= ringerer Wahrscheinlichkeit erkennen würden. Meine Annahme war richtig."

An anderer Stelle heißt es:Ich trachtete daher, Wege zur Beschaffung von Pässen ausfindig zu machen. Redakteur Hajek weihte mehrere seiner tfreunbe in unsere Arbeit ein. Dem Gymnasialpro­fessor Dr. Butter in Reu-Bydschow gelang es, in der Bezirkshauptmannschaft mehrere P a ß b ü ch e r zu ergattern, die er nach Prag sandte. Außer­dem wurden an verschiedenen Orten alte öster­reichische und fremde (bulgarische) Pässe ge­kauft. Aus diesem Material wurden neue Pässe her gestellt und dazu Visa beschafft." Und' schließlich:Eines Tages im Anfang No­vember (1914, also vor der eigenen Flucht von Benesch) erschien Professor Masaryk plötzlich bei mir. £r teilte mir mit, das es nötig fei, sofort z u

Machar- nach Wien zu reifen und von ihm Nachrichten zu übernehmen. (Josef Svatopluk Ma­char war von Haus aus Dichter und wurde nach 1918 Kriegsminister der neuen tschechischen Armee.) Ich fuhr am selben Tage. Am folgenden Tage kam ich mit Machar in seiner Wohnung zusammen. Er erzählte mir, roie Kovanda des Nachts die S ch r i f t st ü ck e a b s ch r i e b , die der (öster­reichische) Innenminister H einold täglich zu s e i- ner Information über die Ereignisse und die politische Lage nach Hause zu bringen pflegte. Machar machte mich mit Kovanda (Ko- oanda war Diener Heinolds und nützte seine Dienststelle zur Spionage aus) bekannt, damit wir unter Umständen auch persönlich Zusammenarbei­ten konnten. Seit jener Zeit holte ich die Schriftstücke in Wien ab. Dabei erfuhr ich manches, was mir später im Ausland vorzüglich zustatten kam. Das dauerte eine Reihe von Monaten. Die Gefahr, in der Kovanda schwebte, veranlaßte chn im zweiten Kriegsjahr, eine andere Stellung zu suchen. Aber wir hatten in einzigartiger Weise Gelegenheit er- chalten/ Einblick zu nehmen in die Plane, Ziele, Anschauungen und politischen Methoden der Wiener Regierung, was uns bei unserer Arbeit von gro­ßem Nutzen war."

Hier sprach Benesch, der heutige Staatspräsi­dent der Tschechei, der heute mit dein Hochverrats­paragraphen gegen Konrad Henlein winkt. Benesch hat im Kriege heimlich das Einvernehmen mit dem Feinde gesucht; Konrad Henlein hat im Frieden das S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t seines Volkes proklamiert und nur an ein unerfülltes Versprechen erinnert, das Benesch gegeben, aber gebrochen hat. Ein Mann, der eines so schnellen Gesinnungswandels fähig ist und der heute die alten Hussitengreuel wieder aufleben läßt, sollte sich hüten, die deutsche Dolkstreue irgendwie zu diskreditieren. Der Hochverräter Benesch hat kein Recht, die von ihm belogenen und betrogenen Völ­ker und ihre Führer als Verräter anzuklagen.

D. S.

L 'M

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(Hawkins"-Klasse, 9 800 Tonnen, sieben 19-Zenti- meter-Geschütze) besaß und mit ihnen einverstanden war. Die Folge dieser Größenregulierung war aber, daß die Seemächte begannen, da die Menge ihrer Schlachtschiffe durch den Vertrag gebunden war, in der Kreuzerklasse mehr und mehr Schiffe zu bauen. Es entstand ein W e 11 r ü ft e n , das man 1927/28 vergebens zu beschwichtigen versuchte, besonders da England und Amerika verschiedener Mei­nung über ihren Bedarf an solchen Schweren Kreuzern waren.

Amerika wünschte darin einen möglichst hohen Bestand, da es mangels auswärtiger Stützpunkte eine zu langen Reisen befähigte Flotte von starken Einheiten braucht. England dagegen legte mehr Wert auf eine möglichst große Zahl von Kreuzern, auch leichterer Art, zur Bewachung feiner aus­gedehnten Handelswege und sah das Anwachsen der fremden schweren Kreuzerflotten ungern. Nach einer vorübergehenden Hochspannung von 1928, die zu- scvmmenfiel mit englisch-amerikanischen Oel- und Gummikämpfen und verstärkter Handelskonkurrenz, gab es dann im Flottenvertrag von 1930 eine Einigung, die Amerika 18, England 15 und Ja­pan 9 Schwere Kreuzer zusprach,'während Frank­reich und Italien ihre Unabhängigkeit wahrten. Zur Zeit besitzen beide je 7 Schwere Kreuzer. Nach dem deutsch-englischen Flottenvertrag vom 18. 6.1935, der uns rechnungsmäßig 35 v. H. der britischen Schiffs­stärke zur Verfügung stellt, in dieser Schiffsklasse also fünf, verkündete die Reichsregierung am 9. 7.1935, daß zunächst folgende Schiffe auf Stapel gelegt seien bzw. würden: 2 Schlachtschiffe zu je 26 000 Tonnen mit 28-Zentimeter-Geschützen, 2 Kreu­zer zu je 10 000 Tonnen mit 20,3-Zentimeter-Ge- schützen, 16 Zerstörern und 28 U-Boote.

Der Bau dieser Schiffe begann danach planmäßig. Im Jahre 1936 gab es aber in London einen neuen Flottenvertrag, als Ersatz für den abgelaufenen von 1930, nur wurde diesmal nicht wieder versucht, den Mächten Verhältnisstärken vor­zuschreiben. Statt dessen wurden die oberen Größengrenzen fürbie Schiffsklassen erneuert. Schlachtschiffe 35 000 Tonnen mit 35,6- bzw. 40,6-, Flugzeugträger 23 000 Tonnen mit 15,5-, Unterseeboote 2000 Tonnen mit 13-Zentimeter-Ge- schützen. Bei dieser Gelegenheit wurde der Schwere Kreuzer au's geschaltet. Denn die künftige Grenze soll fein fürLeichte lieber- Wasserfahrzeuge": 8000 Tonnen und 15,5-Zenti- meter-Geschütze, und bis Ende 1942 soll fein

Rückzug ins Männerabteil.

Von Peter Bamyi.

(Nachdruck verboten.)

Die Fähigkeit des Menschen, das Auftreten von irgend etwas zu bemerken, ist weit entwickelter als feine Fähigkeit, das Verschwinden von irgend etwas zu bemerken. Daß auf einer Gesellschaft ein neuer Gast auftritt, findet stets allgemeine Aufmerksam­keit. Aber wenn einer verschwindet, wird es fast nie von irgend jemandem wahrgenommen. Neue Groschen bemerken wir alle. Aber daß der alte Taler nicht mehr da ist, das ist uns nie bewußt ge­worden. Tausende der großartigsten Bärte, Ehren­biber, die man mit der Gartenscheere schneiden konnte, sind verschwunden. Niemals haben wir uns die Veränderung, die die Welt dadurch erlitten hat, vollständig klargemacht. Aber wenn jetzt ein junger Mann es auf der Wange sprießen läßt, dann blei­ben wir auf der Straße stehen und nehmen Notiz.

Wenn wir also jetzt die Tatsache ins Auge fassen wollen, daß die amerikanischen Eisenbahngesellschaf­tenMännerabteile" auf ihren Strecken eingeführt haben, so können wir das erst tun, nachdem wir uns darüber klargeworden sind, daß auf unseren Eisenbahnen dieFrauenabteile" verschwunden sind.

Die Philosophen haben sich von Alters her damit beschäftigt, die unübersehbare Menge der Menschen in einer Weise einzuteilen, die sie ein wenig über­sehbarer macht. Sie teilten sie in Fröhliche und Traurige, oder m Bürger, Freigelassene und Skla­ven, oder in Griechen und Barbaren. Ungezahlte Arten der Einteilung haben sie abgelöst im Lause der Jahrhunderte. Eine der merkwürdigsten von allen diesen Einteilungen ist zweifellos die, die die Eisenbahnoerwaltungen aufgestellt haben. Die Ellen­bahnmenschheit zerfällt in Raucher, Nichtraucher, Reisende mit Hunden, Frauen und Reisende mit Traglasten. Diese Einteilung wird den Forderungen der Philosophie natürlich ebenso wenig gerecht wie denen der menschlichen Würde. Aber in der Prclxis hat sie sich offenbar bewährt.

Vor einiger Zeit unkr niemand von uns ver­möchte zu sagen, wann das eigentlich gewesen ist find die Frauenabteile abgeschafft worden. In der Tat waren sie einer Vorstellung von der Welt ent­sprungen, die eher ins 13. als in 20. Jahrhundert gehörte, die Vorstellung nämlich, daß die Frauen in der Welt eine besondere Stellung einnähmen, die eines Schutzes sowohl durch die Männer als vor den Männern bedürfte.

Die Frauenabteile sind deshalb eingegan'gen, well

sie von den Frauen nicht mehr benutzt wurden. Da­mit haben die Frauen sich ein ebenso schönes Zeug­nis ausgestellt wie uns. Sich haben sie das Zeugnis ausgestellt, daß sie eines Schutzes durch uns nicht mehr bedürfen. Und uns haben sie das Zeugnis ausgestellt, daß sie eines Schutzes vor uns nicht mehr bedürfen. Offenbar also macht die Welt doch Fortschritte, und wir sind zivilisierter geworden.

Die Einführung derMännerabteile" in Ame­rika nun zeigt, daß dorten die Männer eines Schutzes vor den Frauen bedürfen. In der Tat, die amerikanischen Männer haben es nicht leicht. Einige Lustren wurde ihnen der sanfte Knabe vorgeführt von der Art Ramon Novarros oder Robert Taylors. Und auf alle Weise wurde ihnen beigebracht, daß man so sanft und so schön sein müßte, um dem Ideal zu entsprechen, das die Frauen von den Männern haben. Und dem Ideal zu entsprechen, die Frauen von den Männern haben, ist ja unser aller ebenso streng geleugnetes wie streng befolgtes Ziel im Leben. Die harten Amerikaner, tüchtige Leute, ener­gisch, arbeitssam und fröhlich, gaben sich also alle Mühe, sanft und-schön zu werden.

Nachdem sie darin einige Fortschritte gemacht hatten, wechselte unglücklicherweise das Ideal der amerikanischen Frauen, und was sie sich nun von den Männern wünschten, waren Clark Gable und William Powell. Möglicherweise haben einige ame­rikanische Männer sich entschlossen, umzuschalten. Aber Männer tun das ganz im allgemeinen nicht sehr gerne. Ja, sie neigen dazu, an ihren Idealen um so hartnäckiger festzuhalten, je weiter das Leben sie davon entfernt. Je dicker der Bauch wird, um so fester wird der Vorsatz, mit Turnen anzufangen. Und je schwieriger es wird, Robert Taylor ^u fein, um so dumpfer ist der Wille, es zu werden. Wenn man einem schlanken Jüngling sagt, er sei schlank, wird er gar nicht wissen, was man meint. Wenn man aber einem dicken Herrn sagt, er sei schlanker geworden, wird er sanft und glücklich lächeln.

Zwischen Robert Taylor und Clark Gable, zwischen dem Ideal von gestern und dem Ideal von morgen, haben die amerikanischen Männer sich grollend, ins Männerabteil zurückgezogen. Das Männerabteil ist das Symptom einer Kulturkrise, von der wir noch nicht wissen können, wie sie ausgehen wird. Wenn die Frauen die Ideale wechseln, werden mir un­ruhig. Doch haben wir bei aller Sorge noch eine Hoffnung. . ,

Niemand nämlich kann auch nur im allergering­sten voraussagen, wie lange die Frauen an Clark Gable und William Powell festgehalten werden. Eines schönen Tages werden sie ihr Ideal von neuem wechseln. Und vielleicht kommen sie dann auf

den Einfall, Gable durch Falstaff zu ersetzen. Dann wäre es unsere Aufgabe, dick und witzig zu werden. Und mancher bekäme die eine Chance, deren Vor­züge heute nur von einer stillen Kneipe geschätzt werden.

Hoffen wir auf diesen wünschenswerten Wandel. Und indem wir auf die Hoffnung einen Vorschuß nehmen, wollen wir uns noch einen genehmigend

Un nous pouvons encorel Einen könn' wir noch!

Sven HedinS letzte Expedition . nach Zentralasien.

Heber seine größte, und an wissenschaftlicher Aus­beute reichste Expedition nach Zentralasien, die sich über einen Zeitraum von acht Jahren erstreckt, er­stattet Dr. Sven Hedin, der berühmte schwe­dische Forschungsreifende in der MonatsschriftAt­lantis" Bericht. Das Unternehmen bestand in einer ganzen Reihe von Forschungsreisen, die von ver­schiedenen Mitgliedern seines Stabes durchgeführt wurden und ein Gebiet von Zentralasien umfaßten, das siebenmal größer ist als Großdeutschland. Der äußere Ablauf der Expeditionen gestaltete sich durch die ständigen Bürgerkriege zwischen den verschie­denen Generalen in China und durch die politischen Umwälzungen oft sehr dramatisch. Die anfänglichen Schwierigkeiten, die zunächst die Lage hoffnungslos erscheinen ließen, lösten sich jedoch, die Expedition kam ohne besondere Abenteuer nach Paolo, und von dort aus gelang es auf gemieteten Kamelen nach den Teilen der inneren Mongolei zu kommen, wo der Bürgerkrieg sie nicht erreichte. Die Behinde- ! rungen, die ein mit den Gelehrten in Peking ge- fchlosfener Kontrakt enthielt, nach dem nur Karten in kleinem Maßstab gezeichnet werden durften und alle Sammlungen in China bleiben sollten, erwiesen sich bald bei der Art der Chinesen als nicht so schwerwiegend, und auch die Zusammenarbeit mit den chinesischen Gelehrten selbst verlief zufrieden­stellend.

Erst als Sven Hedin 1934 die Provinz Slnkiang erreichte, in der voller Kriegszustand herrschte, wurde die Lage der Forscher ernster. Sven Hedin wurde dreimal gefangen genommen, und er war mit zwei anderen Schweden und einem Chinesen nahe daran, erschossen zu werden. Es war dasselbe Gebiet, in dem zwei deutsche Expeditionen, die des Freiherrn von G ablenz und Dr. Filchners, 1937 ebenfalls gefangen genommen wurden. Es war aber ein Glück für die Expedition Sven He- dins, daß sie ihre Arbeiten und Abenteuer zum

Schluß führen konnte, bevor der Japanisch-Chine­fische Krieg seinen Anfang nahm. Sie erreichte es auch, daß ihre Sammlungen und wissenschaftlichen Ergebnisse in Sicherheit kamen, und einige Samm­lungen, die nach Uebereinfommen von chinesischen Gelehrten bearbeitet werden, find außer Gefahr.

Bemerkenswert ist ein Urteil Sven Hedins über die Wandlungen, die die Forschungsreisen heute erfahren haben:Gleich so wie der Krieg, im blühenden Zeitalter der Maschinen und der Tech­nik, seinen malerischen Glanz und seine Ritterlich- keit verloren hat, die durch persönlichen Einsatz ge­schaffen wurden, so fängt auch der romantische und für die Phantasie bezaubernde Moment bei den Entdeckungsreisen zu bleichen an. Die Kamele und die Pferde weichen mehr und mehr den Automo­bilen, und unbekannte Gebiete, die man früher unter Mühen und Gefahren mit Karawanen durch­zog, fönneij nun aus der Luft kartographisch auf­genommen werden, lieber die Gebiete in Hindu­kusch und Pamir, wo ich vor 24 Jahren Monate brauchte, um vorwärts zu kommen, flog v. Gablenz in wenigen Stunden! Jedoch hat der'Kontakt mit der Exde, die vertrauliche Berührung mit den Men­schen und die gründliche Erforschung von schwer zugänglichen Gebieten doch nichts von den Maschi­nen zu fürchten. Die wissenschaftliche Arbeit im Felde ist ihrer Natur nach langsam und bedarf nicht der nervösen Eile der Neuzeit."

Sven Hedin gibt eine Uebcrsicht über die um­fassende Reihe von Spezialwerken, von der bis­her neun Bände herausgekommen find und deren Zahl wohl vierzig erreichen wird. Alle wissenschaft­lichen Ergebnisse der großen Reisen werden dann von Sven Hedin und seinen Mitarbeitern zusam­men eine eingehende Schilderung des Lop-norGe- bietes und arbeitet an einer fortlaufenden Schilde­rung des Verlaufes und der Geschichte der Erpedi- tion, die als orientierende Einleitung zu den Sve- zialwerken dienen soll. Der schwedische Reichstag hat für das umfassende Werk eine große, wenn auch noch nicht ausreichende Summe bewilligt.

Hochschulnachrichten.

Die Königs. Gesellschaft der Aerzte in Buda­pest hat die Professoren Dr. Heinrich Martims (Frauenheilkunde), Dr. Hermann Rein (Physio­logie) und Dr. Theodor Lochte (gerichtliche Medi­zin) an der Universität Göttingen zu korrespon­dierenden Mitgliedern ernannt.

Professor Dr. Theodor Döring, Ordinarius für angewandte Chemie, an der Bergakademie Frei­berg, ist wegen Erreichung der Altersgrenze von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.