Aus der engeren Heimat.
10 Güterwagen im Bahnhof Wetzlar entgleist.
Am TNontag um 16.15 Uhr entgleiste im V a h n h o f Wetzlar auf der Strecke Dillenburg— Gießen vor der Lahnbrücke bei der Ausfahrt nach Gießen ein G ü t e r z u g mit dem vorderen Zugteil. Es find etwa 10 Güterwagen entgleist, wodurch großer Sachschaden entstanden ist.
Zunächst waren für einige Stunden beide Gleise gesperrt. Der Verkehr wurde auf dem Gleis der Strecke Köln—Gießen aufrechterhalten, die Züge der Strecke Koblenz—Gießen mußten über den Wetzlarer Verschiebebahnhof umgeleitet werden.
Um 1.50 Uhr war das Gleis Gießen—Wetzlar wieder befahrbar. Das Gleis Wetzlar—Gießen bleibt vorerst noch für etwa 24 Stunden gesperrt.
Die Ursache der Entgleisung muh die Untersuchung ergeben. Es steht aber jetzt schon fest, daß Mängel am Oberbau oder an der F a h r - straß-enprüfung nicht vorgelegen haben.
Schwerverletzt
am Bahnkörper aufgefunden.
* Usingen, 16. Mai. In der Nähe des Eisenbahntunnels bei Grävenwiesbach wurde Montag früh von einem Streckenwärter ein 18 Jahre altes Mädchen aus Naunstadt (Kr. Usingen) m i t schweren Verletzungen neben dem Bahnkörper ausgefunden. Das Mädchen mußte mit Beinbrüchen, einem Beckenbruch und einer Gehirnerschütterung in die Klinik zu Gießen gebracht werden. Bisher war noch nicht festzustellen, ob es sich um einen Unglücksfall oder um ein Verbrechen handelt, da das Mädchen noch keine Aussagen machte. Es unterhielt ein Verhältnis mit einem jungen Manne, das von den Eltern nicht gebilligt wurde. Dieser junge Mann hat sich Montag früh der Polizei in Ufingen zur Verfügung gestellt.
Gemeinsamer Selbstmord geplant?
Wie wir aus Anfrage bei der Gendarmeriebehörde iw Usingen hören, handelt es sich bei dem jungen Mann um den 19 Jahre alten Albrecht Geiß aus Frankfurt a. M., der als Fürforgezögling der Fürsorgeanstalt in Idstein anvertraut und zur Arbeitsleistung bei einem Einwohner von Ramstadt untergebracht war. Geiß will mit dem Mädchen in der Nacht zum Montag zechend in einer Wirtschaft in Grävenwiesbach gesessen haben, von wo sich beide gegen Mitternacht aus den Weg machten, um — wie Geiß bei der Gendarmerie angab — gemeinsam aus dem Leben zu schei
d e n. Sie begaben sich an die obengenannte Stelle des Bahnkörpers, wo sie versteckt warteten, bis der e r st e Zug non Grävenwiesbach nach Wetzlar gegen 4.30 Uhr die fragliche Stelle passierte. Als die Lokomotive vorbei war, wollten beide — so sagt Geiß — vorgesprungen sein, um sich unter den Zug zu stürzen. Dabei sprang das Mädchen voran, und es wurde von dem Zug zur Seite geschleudert. Geiß, der das Mädchen an der Hand hielt, verlor nun den Mut und ließ das Mädchen los. Er machte sich davon, ohne sich um das bedauernswerte Mädchen zu bekümmern. Unterwegs traf er einen Mann, dem er den Vorfall erzählte. Darauf stellte er sich der Polizei in Usingen, die chn der Gendarmerie übergab, von wo er heute dem Amtsgericht vorgeführt wird.
Autobrand auf der Landstrabe.
ch Großen-Linden, 15. Mai. Am Samstagnachmittag geriet auf der Straße nach Klein- Linden, am sogenannten „Lindener Eck", ein auf der Fahrt nach Gießen befindlicher Transportwagen der Veterinärklinik Gießen während der Fahrt in Brand. Die beiden Insassen, der Fahrer und der Beifahrer, konnten noch schnell die beiden jungen Pferde aus dem Wagen herausholen und in Sicherheit bringen. Die Tiere erlitten nur leichtere Verbrennungen und dürften kaum Schaden davontragen. Der Transportwagen brannte, trotzdem die Motorspritze von Gießen in kurzer Zeit zur Stelle war, völlig zusammen. Die Reste wurden später abgeschleppt. Wegen des an der Unfallstelle sich befindlichen Waldes war die Gefahr sehr groß, daß. sich das Feuer auf den Wald ausdehnen konnte. Infolge des Eingreifens der Motorspritze war diese Gefahr aber bald behoben»
40 ZahreKonitzkystist in Bad-Nauheim.
Lpd. Bad-Nauheim, 16. Mai. Das K o - n i tz k y st i f t in Bad-Nauheim ist die größte moderne Herzklinik Deutschlands. Im April konnte das Konitzkystift auf ein 4 0 j ä h r i g e s B e st e h e n zurückblicken. Das gab dem Verwaltungsrat der Anstalt Anlaß, der Stifterin und der Gründung durch eine Feier zu gedenken, die am 17. Mai stattfindet und bei der der Chefarzt Professor Dr. W. L u e g die Festrede halten wird.
Am 17. September 1895 stiftete Frau F. Th. K o - nitzky, geborene de Voß, aus Bremen gebürtig, damals in Antwerpen wohnend, Witwe des 1895 gestorbenen Fr. Wilh. Konitzky, 25 000 Mark als Grundstock für den Neubau des Kurhospitals in Bad-Nauheim zum Andenken an ihren Mann, der eine Reihe von Jahren in Nauheim als Kurgast Linderung seines Leidens gefunden hatte. Weitere erhebliche Zuwendungen Frau Konitzkys sicherten die Finanzierung des Baues. Am 29. April 1898 fand die Einweihung des neuen Kurhospitals statt.
Es erhielt den Namen Konitzkystift der Stadt Bad- Nauheim. Frau Konitzky, die heute noch in Bremen lebt, wurde vom damaligen Großherzog von Hessen das Ritterkreuz 2. Klasse des Hessischen Lud- wigsordens verliehen. Bei der Feier des 25jährigen Bestehens ernannte die Stadt Bad-Nauheim Frau Konitzky zur Ehrenbürgerin.
Im Laufe der Jahre war das alte Haus den erhöhten Anforderungen nicht mehr gewachsen. Nachdem eine Anzahl von Landesversicherungsanftalten, denen sich noch die Reichsbahn-Arbeiterpenfionskasse in Berlin zugesellte, die Gewährung von Darlehen zu Vorzugszinsen zugesichert hatte, beschloß der Stadtrat 1930 den Erweiterungsbau und stellte dafür den Kredit von einer Million Mark zur Verfügung. Der Neu- und Erweiterungsbau ist ein besonderes Verdienst des damaligen Bürgermeisters Dr. Ahl. Am 10. Mai 1932 wurde das-Konitzkystift in seiner heutigen Form mit einer würdigen Feier, der auch die Ehrenbürgerin Frau Konitzky beiwohnte, seiner Bestimmung übergeben.
Landkreis Gießen.
£ Wieseck, 17. Mai. Gestern starb im Alter von fast 75 Jahren unser früherer Polizeidiener Georg Wilhelm Weller. Während des Krieges, im Juli 1915, wurde ihm der Polizeidienst übertragen, den er bis zum August 1929 ausübte. Während dieser langen Zeit lerrite man in Weller einen gewissenhaften Beamten kennen, der durch sein stets zuvorkommendes Wesen sich die Wertschätzung seiner Vorgesetzten, aber auch darüber hinaus der ganzen Gemeinde erwarb.
OO Klein-Linden, 16. Mai. Die Jung- mädelgruppe 17/116, zu denen die Jungmädel von Klein-Linden und Allendorf (Lahn) zählen, hatte für Sonntag Eltern und Freunde zum Besuch einer Werkschau im Hitlerheim eingeladen. Die Jugend zeigte die Arbeit des verflossenen Winters, die in Heim- und Werkabenden gemeinsam geleistet worden war. Man sah Hand- und Bastelarbeiten mannigfacher Art, die alle An-' erfennung der Besucher fanden. Auch die oft künstlerisch ausgestatteten Berichte von gemeinsamem Erleben auf froher Fahrt fanden gebührende Beachtung. Die Ausstellung war gut besucht.
A Daubringen, 15. Mai. In einer Kurve am Ausgang des Hanget st ei ns ereignete sich am Samstagnachmittag ein Unglücks fall, der leicht schwere Folgen hätte nach sich ziehen können. Ein junger Mann aus Alten-Bllseck befand sich mit seinem Motorrad, aus Richtung Gießen kommen auf dem Wege zu feiner Arbeitsstätte. Kurz vor Daubringen verlor er in 'einer Kurve die Gewalt über feine Maschine und fuhr einen vor ihm herfahrenden Radfahrer an. Der Radfahrer kam dadurch auf das Vorderrad des Motorrads zu sitzen, und beide stürzten. Glücklicherweise erlitten sie nur leichtere Hautabschürfungen und Prellungen. Nach Anlegung von Notoerbänden konnten die Verunglückten ihre. Fahrt fortsetzen.
§ Climbach, 16. Mai. Der weithin bekannte Gastwirt und Schreinermeister Johannes Römer
wurde dieser Tage zu Grabe getragen. Der fortschrittliche Mann zählte zu den ersten Geschäftsleuten in unserer Gegend, die die Elektrizität in den Dienst des Handwerks gestellt hatten. Von der großen Wertschätzung, deren sich der im 68. Lebensjahre Verstorbene zu Lebzeiten erfreute, legte die große Beteiligung an seiner Beerdigung Zeugnis ab.
$ Steinbach, 16. Mai. Am gestrigen Sonntag feierte Frau Elisabetha Becker, geb. Haas, in guter Gesundheit ihren 7 4. Geburtstag. Voriges Jahr konnte sie mit ihrem Manne Ludwig Becker II. die goldene Hochzeit feiern.
D Lich, 16. Mai. Auf Grund einer Verfügung des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung sollen die öffentlichen Büchereien, soweit sie noch vom Volksbildungsverein unterhalten werden, in Gemeindebesitz überführt werden. Der hiesige Volksbildungsverein hat daher seine Auflösung beschlossen. Die Bücherei wird nach Neuordnung den Lesern wieder zugänglich sein.
Kreis Friedberg
* Gambach, 15. Mai. Im Dachstuhl des Hauses des Schuhmachermeisters Karl Fenchel I. entstand am Samstagabend ein Brand, der von der schnell herbeigeeilten Ortsfeuerwehr rasch niedergekämpft werden konnte. Der Schaden ist glücklicherweise nicht groß. Die Entstehungsursache ist unbekannt.
Oer Arbeitseinsatz in Hessen im Monat April.
Fwd. Während im Monat März der Beschäftt- gungsanstieg im wesentlichen noch von den Saisongruppen getragen war, trat im Berichtsmonat der Arbeitseinsatz in den mehr von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung abhängigen Wirtschaftszweigen in den Vordergrund. Die Arbeitslosenzahl konnte — nach Ueberwindung der winterlichen Saisonarbeitslosigkeit — wiederum um rund 4000 oder 12,2 v. H. gesenkt werden, davon entfiel nur noch ein Drittel auf die eigentlichen Saisonaußenberufe. Die Zahl der Arbeitslosen ist mit 28 778 Volksgenossen (21751 Männer, 7027 Frauen) auf einem bisher nicht erreichten Tiefstand angelangt, wobei jedoch in den kommenden Monaten noch mit weiterem Rückgang zu rechnen ist. In der Landwirtschaft konnten bisher rund 1400 Italiener eingesetzt werden, womit jedoch der Kräftemangel noch nicht restlos behoben ist. Im Baugewerbe, das im April eine weitere Abnahme um 260 Arbeitslose zu verzeichnen hatte, standen nur noch rund 600 Fachkräfte zur Verfügung, davon 100 nicht voll- einsatzfähige. Das Gastwirtsgewerbe hatte wegen der nahe bevorstehenden Kursaison eine beträchtliche Abnahme der Arbeitslosenzahl (—462) aufzuweisen. Von der Gesamtzahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen entfällt über ein Drittel (rund 9800) auf die Gruppe der ungelernten Arbeiter, nach einer Abnahme um rund 1400 im Monat April. In den Angestelltenberufen hat die Beschäftigungslage sich gleichfalls weiter gehoben,
Herr
Balthasar Nuhn, Zimmermeister
Ehrenmeister
Wieseck, den 16. Mai 1938.
im Alter von 83 Jahren.
3404D
Lollar, den 16. Mai 1938.
3394D
Herr Wilhelm Grau, Reichsbahnwerkmeister i. R
im Alter von 68 Jahren von uns gegangen.
3405D
<s
Der Aufsichtsrat, Vorstand und die Gefolgschaft der Firma Dampfsägewerk Lollar B. Nuhn AG.
Am 15. Mai verschied nach langem schweren Leiden der Gründer unserer Firma
Wir verlieren in dem Entschlafenen den langjährigen Chef unserer Firma, der seine hervorragenden Fachkenntnisse und reichen Erfahrungen uns stets zugute kommen ließ.
Er erwarb sich unser aller Achtung und Wertschätzung. Sein Andenken werden wir in hohen Ehren bewahren.
Nach kurzem schweren Leiden ist am Montagnachmittag mein lieber, guter Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater
Nach kurzer, schwerer Krankheit entschlief sanft mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Pate und Onkel
Die trauernden Hinterbliebenen:
Marie Weller nebst Angehörigen.
Einspaltige Kleinanzeigen werden zum er» mäßigten Grund» preis von s Pf. für die Millimeter» teile veröffentlickl
Gießen (Liebigstraße 89), Friedberg, Heuchelheim, den 17. Mai 1938.
GeorgWilh. Weller, Polizeidiener i.R,
im 75. Lebensjahr.
In tiefer Trauer:
Elisabeth Grau, geb. Schneider
Fritz Grau und Frau Kätha, geb. Dauber Adolf Schleenbecker und Frau Else, geb. Grau Otto Biedenkopf und Frau Johanna, geb. Grau und Enkelkinder.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 18. Mai, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause, Gießener Straße 132, aus statt.
Die Tratierfeier findet Donnerstag, den 19. Mai, nachmittags um 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt
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