Generalleutnant v. Trotta
kommt zum llöer'Regimenls-Appell nach Gießen.
Wie wir hören, wird neben vielen anderen Offi- zieren der alten Armee zu der in wenigen Wochen stattfindenden 125jährigen Gründungsfeier des Infanterie-Regiments 116 und zu dem damit verbundenen Regiments-Appell am 18./2O. Juni auch der aus der Vorkriegszeit bekannte Regimentskommandeur unserer 116er, Generalleutnant a. D. von Trotta gen. Treyden, Kassel, kommen. Unter Generalleutnant von Trotta feierte das Regiment im Jahre 1913 seinen lOOjäh- rigen Regimentsgründungstag. Dielen alten 116ern werden diese Festtage des Regiments noch in guter Erinnerung sein.
"'aiiif viele Nachfragen nach Plaketten teilt das Regiment mit, daß in Gießen vorsorglich zwei Voroerkaufsstellen für Plaketten eingerichtet wurden. Diese sind: 1. Firma Albold, Gießen, Sel- tersweg 39; 2. Firma C. Röder, Offenbacher Lederwaren, Gießen, Mäusburg 14.
Völlige Sperrung des Kirchenplatzes und Lindenplatzes.
Der Kirchenplatz und der Lindenplatz werden für die Dauer der Bauarbeiten für sämtlichen Verkehr (einschl. Fußgänger), gesperrt. Der Verkehr erfolgt auf den durch Schilder gekennzeichneten Umleitungswegen.
Warnung an alle Schwerhörigen!
NSG. Es besteht Anlaß zur Vermutung, daß auch im Gau Hessen-Nassau in diesen Tagen eine Werbung für die sogenannte Breslauer Hör-Kapsel durchgefuhrt werden soll. Wir weisen deshalb auf die nachfolgende Bekanntmachung des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern hin, durch die vor dem Ankauf des Apparates gewarnt wird: „Auf Grund der Verordnung zum Schutze der Volksgesundheit vom 22. April 1933 warne ich Schwerhörige vor der Anwendung der Breslauer Hör- kapsel. Sie ist nach dem Urteil von Sachverständigen und des Reichsbundes der Deutschen Schwerhörigen völlig wertlos, unter Umständen sogar gesundheitsschädigend und außerdem geeignet, die Schwerhörigen wirtschaftlich zu benachteiligen."
Dreijährige Lehrzeit im Volkswagenwerk.
NSG. Das Jugendamt der DAF. hat unter Mitwirkung der Reichsjugendführung und des Amtes für Berufserziehung und Betriebsführung einen Lehrvertrag für das Volkswagenwerk aus- gearbeitet, der von der Reichswirtschaftskammer genehmigt ist. In diesem Lehrvertrag ist erstmalig eine dreijährige Lehrzeit festgesetzt worden. Maßgeblich hierfür war in erster Linie die Tatsache, den immer stärker austretenden Facharbeitermangel gerade in der Eisen- und Metallindustrie zu überwinden, andererseits aber mit jener Sünde der Vergangenheit aufzuräumen, die bei der Bemessung der Lehrzeit auf vier Jahre den minderbegabten Jugendlichen Rechnung trug, die Arbeitsleistung der durchschnittlichen oder über dem Durchschnitt liegenden Arbeitskräfte aber ausnutzte.
Vortrag im Sparerbund.
Am Samstagnachmittag hielt der Ortsverband Gießen des Sparerbundes im „Burghof" eine Mit- aliederversammlung ab. Ortsverbandsvorsitzender Bankbeamter Lorenz wies die.Annahme zurück, daß die Aufgabe des Sparerbundes nur in der Betreuung der Alffparer und Rentner bestehe und legte dar, wie gerade durch die Förderung des Spargedankens die Verbindung der Interessen der Altsparer und der Neüsparer gegeben ist, die gemeinsam die Erhaltung und Mehrung des deutschen Volksoermögens erstreben.
Prokurist Otto König (Berlin) unterstrich dann diese Gedankengänge mit seinen Ausführungen über die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Das Anwachsen des Vertrauens und die Besserung der wirtschaftlichen Lage der arbeitenden Volksschichten lasse sich am deutlichsten aus den steigenden Spar-
einlagen ersehen. Die Ueberzeichnung der Reichs- anlechen sei ein Vorgang, der auch im Ausland nicht unbeachtet bleiben werde. Die Auswirkungen dieses Aufschwunges zeigten sich auch auf dem Effektenmarkt, der von dem Aufbauprogramm der Reichsregierung nicht unberührt bleiben konnte. Auch hier hätten sich gegen früher die Verhältnisse stark gewandelt, so daß weit unter Kurs gesunkene Wertpapiere wieder aufgeholt hoben und vielfach wieder pari stehen. Die Reichsreaierung werde auch der Rentnerfürsorge weiterhin ihre Aufmerksamkeit schenken. Das neue Rentnergesetz sei der beste Beweis dafür.
Vorträge vor Veterinärmedizinern.
Die Veterinärmedizinische Gesellschaft Gießen hielt im Hörsaal des Veterinärhygiemschen und Tierseuchen-Jnstitutes mit ihrer 6. Sitzung die erste wissenschaftliche Veranstaltung des Sommerhalbjahres ab.
Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden der Gesellschaft, Prof. Dr. C. Krause, und geschäftlichen Mitteilungen, ergriff der Leiter des parasito- logischen Laboratoriums der JG.-Farbenindustrie- AG.-Höchst a. M., Dr. med. vet. habil. Oskar Wagner, das Wort zu seinem Vortrag: „Grundsätzliches zur Entstehung und Bekämpfung der Pali- sodenwurmkrankheit der Pferde (Strongcliasis, Sclerostomiasis)". Die durch Parasiten der verschiedensten Art bei unseren Haustieren hervorgerufenen Erkrankungen spielen eine außerordentlich große wirtschaftliche Rolle. Wird doch der alljährlich mittelbar und unmittelbar durch sie hervorgerufene Schaden allein für das deutsche Reichsgebiet amtlich auf 400 Millionen Reichsmark geschätzt. Die wirksame Parasitenbekämpfung setzt die genaue Kenntnis der Ent- wicklungs- und'Lebensweise der einzelnen Parasiten voraus, die für zahlreiche Arten noch nicht, oder erst lückenhaft bekannt sind und der parasitologischen Forschung ein weites Arbeitsfeld bieten. Durch einen selbstaufgenommenen Filmstreifen unterstützt schilderte Dr. Wagner den Bau und die Entwicklung der Palisadenwürmer (Rundwürmer) der Pferde, und leitete daraus die zu ihrer Bekämpfung
Die Feier des Muttertags.
Bei der NSKOV.-Kameradschost Gießen.
Die in Gießen wohnenden Mütter, die durch die NSKOV. betreut werden, kamen am Sonntag im Kath. Vereinshaus zusammen, um den Muttertag zu feiern. Frau jammert, Hinterbliebenen-Be- treuerin bei der Kameradschaft Gießen, und ihre Helferinnen hatten alles für eine würdige Feier vorbereitet.
Kameradschaftsführer Pg. V o n h a r d hieß tn seiner Begrüßungsansprache alle herzlich willkommen. Alljährlich kommen wir zum Muttertag zusammen, um die Mutter zu ehren. An diesem Tage können wir einen kleinen Teil der Dankesschuld an sie abtragen. Zum erstenmal seien auch die Kameradenfrauen mit eingeladen worden, und er freue sich, daß so viele gekommen seien. Er hob hervor, daß es uns vergönnt sei, den Muttertag in so schöner Harmonie und in Frieden feiern zu können, sei unserem Führer Adolf Httler zu verdanken, der um das Wohl eines jeden deutschen Menschen besorgt sei.
Bei Kaffee und Kuchen und fröhlichen Liedern der Jungmädelgruppe 1/116 vom Untergau Gießen unter der Führung von Elisabeth Schunk ging die Zeit schnell dahin. Herr Seitz vom Stadttheater bereitete durch kleine Erzählungen viel Freude und Frohsinn.
In einem Schlußwort dankte der Kameradschasts- führer allen Mitwirkenden, besonders Herrn Seitz und den, Jungmädels, daß sie alle in so schöner Weise zum Gelingen der Feier bei getragen haben. Mit dem Gruß an den Führer fand die Feier ihren Abschluß.
Bei den Westerwäldern.
Vom Westerwald-Verein, Ortsgruppe Gießen, wird uns berichtet: Als Auftakt des Muttertages
.spielte die Zupfmusikabteilung, und der Gemischte Chor sang Ständchen in der Frauenklinik und auf Iben Frauenstationen der Medizinischen und der Chirurgischen Klinik. Zu Beginn dieser Ständchen sang man unter Begleitung der Zupfmustk „Die Ehre Gottes" von Beethoven. Gesang und Musik wechselten ab. Dankbare Worte der Pattenten und des Personals wurden gesprochen. Man hatte die deutschen Mütter, die nicht zu Hause sein konnten, nicht vergessen, kein Wunder, daß auch Tränen des Dankes rollten.
Abends traf man sich im Saale des Vereinslokales. Maiengrün und festtich dekorierte Tische, an denen den Müttern besondere Ehrenplätze hergerichtet waren, schmückten den Saal. Junge und alte Mütter, aber mit dem Herzen noch jung, saßen hier zusammen. Die Hausmusik eröffnete den Abend, und wieder erklangen von Chor und Zupfmusik „Die Himmel rühmen" unter Stabführung von Wander- famerab Barke. Herzliche Begrüßungsworte des Dereinsführers Gg. Mader hießen alle Mütter und Angehörige willkommen. Sodann sprach Dieb wart Pg. K. Holzel. Er ging näher auf die Ehrung der deutschen Mütter,ein und erwähnte besonders, daß die deutsche Mutter im neuen Deutschland unter unserem Führer Adolf Hitler wieder besondere Ehre und Wertschätzung genieße. Volkstänze, Zupfmusik und Vorttäge in oberhessischer Mundart von Inspizient Hs. Seitz, der sich im Sinne der guten Sache zur Verfügung gestellt hatte, wechselten miteinander ab. Sodann wurde jeder Mutter mit herzlichem Händedruck ein kleines Geschenk überreicht. Anschließend tanzte die Jugend einen Ehrentanz, dem eine Polonaise mit den lieben Müttern Doranging. So ging der herrlich verlaufene Muttertag zur Neige, und noch lange wird man der schönen Stunden der großen Wällerfamilie, die ganz im Sinne der Volksgemeinschaft stand, gedenken.
erforderlichen, namentlich betriebstechnischen Maßnahmen ab.
Den zweiten Vortrag hielt Stabsveterinär Dr. Dittmar (Mansbach) über: „Seuchenbekämpfung in einem modernen Remonteamt unter besonderer Berücksichtigung der Druse". Die der Veterinär- inspektton unterstellten Remonteämter bienerr der sachgemäßen Erziehung des Truppenpferd-Nachwuchses und sind die Orte, an denen die jungen Heerespferde ihre Kinderkrankheiten durchmachen. Die zielbewußte Anlage und Betriebsweffe dieser neuen Remonteämter tragen letzterem Umstand nach den neuesten.Grundsätzen der Tierhygiene und Seuchenbekämpfung Rechnung. Die wichtigste Erkrankung der Remonten ist seit jeher die Druse, eine Infektionskrankheit, die durch einen eiterigen Katarrh der Schleimhäute des Atmungsweges, insbesondere der Nasenschleimhaut, und die nachfolgende Vereiterung der zugehörigen Lymphknoten gekennzeichnet ift? lieber ihre Entstehung und Behandlung konnte der Vortragende aus seinem^ Wirkungsbereich zahlreiche aufschlußreiche Erfahrungen mitteilen, wobei er namentlich auf den eindeutigen und unmittelbaren Einfluß hinwies, den Witterung und Klima auf die Entwicklung und den Verlaus der Druse ausüben.
Der mit großem Beifall aufgenommene Vortrag regte zu lebhafter wissenschaftlicher Aussprache an.
Gießener Wochenmarktpreffe.
* Gießen, 17. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12/4, Klasse B 12, Klasse C ll1/», Klasse D 10^, gelbe Rüben und Karotten, % kg 12 bis 15, rote Rüben 12, Spinat 5 bis 10, Spargel, 1. Sorte, 50 bis 60, 2. Sorte 45, 3. Sorte 30 bis 35, Unterkohlrabi 8, Erbsen 28 dis 30, Zwiebeln 20, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Rhabarber 15 bis 18, Kartoffeln, alte, % kg 5 Pf., '5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, neue, Vt kg 20 Pf., Aepfel 15 bis 40, amerikanische Aepfel 50 bis 60 Pf., Suppenhühner — ...............MHI ■
1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 60 bis 65 Pf.» Salat 5 bis 25 , Salatgurken 40 bis 70, Oberkohlrabi 20 bis 25, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 40, Rettich 10 bis 15, das Bündel 30, Radieschen, das Bündel 5 bis 8 Pf.
*
»* 88 Jahre alt. Am morgigen Mittwoch, 18. Mai, wird die Wttwe des in Königsberg i. Pr. verstorbenen Profesiors der Geographie Dr. Zöppritz, Frau Sophie Zöppritz, Liebigstraße 39 wohnhaft, in Frische und Gesundheit 88 Jahre alt.
** Straßensperrung. Wegen Durchführung von Kanalbauarbeiten wird die Marburger Straße zwischen der Sttaße Am Rodtberg und der Bückingstraße in einer Länge von ungefähr 10 Meter für etwa acht Tage halbseitig gesperrt.
*♦ Der Hessische Landesverband zur Bekämpfung der Tuberkulose veran- ftattet am kommenden Samstag, 21. Mai, anläßlich des 25jährigen Bestehens der Lupusheilstätte in Gießen im Hörsaal der Hautklinik eine Feierstunde.
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NichtimmeristderStrumpf an der Lauf mosche schuld! Meist ist es das falsche Waschen - mit zu scharfem Waschmittell Ja-Strümpfe wäscht man eben wie alle zarten Sachen aus Kunstseide, Wolle, Zellwolle, wie alle empfindlichen Farben mit dem alkali- freien FEX. FEX wäscht in jedem Wasser - ob warm, kalt, hart oder weich - und ist billig: 40 Liter Waschlösung kosten nur 28 Pf.
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Dabei wird der Leiter der Lupusheilstätte, Professor Dr. Schultze, die Gedenkrede halten. Anläßlich dieser Jubiläumsfeier findet am 21. und 22. Mai die 64. Tagung der Vereinigung südwestdeutscher Dermatologen hier statt. Die Tagung wird eine Reihe von Fachvorttägen bringen.
** Balke nbrand. Am Sonntagoormittag ent- stand in dem Hause Kaplansgasse 17 infolge eines schadhaften Kamins ein Balkenbrand, der von der schnell Herbeigeeilten Feuerwache rasch gelöscht wer- den konnte. Durch dieses tatkräftige Eingreifen unserer Feuerwehrmänner war sofort alle Gefahr befestigt.
Rundfunkprogramm
Mittwoch, 18. Mai:
5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gym- nastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Wertpause. 9.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. 11.40: Volk und Wirtschaft. 11.55: Offene Stellen. 12: Aus dem Ueberlandwerk Friedberg: Wertskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Tänzerische Suiten. 15: Kleines Konzert. 15.30: .^Hauptsächlich dient der Mund zum Essen." 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 18.45: Fliegendes Deutschland. 19: Nachrichten. 19.10: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 21: Stunde der jungen Nation. Im Maien, im Maien. 21.30: Klang der Landschaft. „Wagner am Rhein." 22: Nachrichten. 22.30: Unterhaltung und Tanz.
Fäden hin und her.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
24. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Da wandern die hübschen Hände von den Ohren zu den Augen, und zwischen den Fingern hindurch tropfen doch wahrhaftig schon wieder die Tränen.
Tante Martha steht ratlos und kopfschüttelnd.
Was hat nur Marga Montwill diesem Kind getan? Was könnte sie ihm nur getan haben?
„Erst fährt sie mit ihrem alten Klapperkasten beinahe den Seppl über den Haufen, beschimpft mich hierauf auf offener Straße und tut, als wenn ich eine dumme Gans wäre, und dann spielt sie sich sogar hier im Hause auf, als ob sich alles nur um sie drehen müßte. Papa ist auch schon nicht mehr ganz normal, und Lenzsch tänzelt um sie herum wie ein verliebter Auerhahn, und überhaupt und wenn sie nicht bald abfährt, gibt’s einen Mordskrach, einen Krach sage ich dir, und der alberne Lenzsch fliegt gleich mit raus."
Tante Martha traut ihren Ohren nicht. Ist das die hochmütige, verschlossene Monika, die da so aus sich herausbricht? Das klingt ja, als ob sie ...
„Aber, Kind, du bist ja eifersüchtig!" flüstert Tante Martha nach einer Weile. „Du s-tirbst ja vor Eifersucht!"
„Ich? Eifersüchtig?" Monikas Hände fallen von ihrem verweinten Gesicht, als hätten sie Feuer berührt. Noch rollen ihre Tränen in runden hellen Kügelchen, aber in ihren Augen blitzt hellste Empörung: „Ich? Eifersüchtig? Tut mir leid, daß" du mich so mißverstanden hast. Aber woher sollst du auch begreifen, um was sich's handelt, wo du ... Und außerdem bist du ja selber ganz verschossen in diese Dame Montwill, du kuppelst ja schon zwischen den beiden! Ja, laß mich nur ausreden. Bitte, hast du mich vielleicht jemals mit Lenzsch allein gelassen, wenn die Gelegenheit dazu nur von dir abhing? Nie! Im Gegenteil, du hast so eifern dabeigefessen, daß es direkt... Aber ich sage ja nicht, daß ich mit diesem Lenzsch jemals allein fein wollte. Pöh, von mir aus kann er... Ich meine nur, wenn ich mit ihm aUeutbätte Jein wollen, so hast immer du mir cirviii' Strich^urch die Rechnung gemacht. Aber jetzt, da Fräulein Äpntwill es ge;n so einrichten wollte, daß sie mit ihm^llein ist, und schon fast zwei Stunden mit ihm allein ist, da hast du plötzlich im Haus zu tun und finPeft es nicht nötig, dabeizusitzen. Und warum? Weil du die beiden miteinander ver
kuppeln willst, und weil du mir den Lenzsch... Doch das hat ja gar keinen Zweck, darüber zu reden. Macht was ihr wollt---"
Und ehe die noch vollkommen fassungslose Tante Martha, der verschiedenes dämmert, Zeit hat, ihr Erstaunen und noch einiges andere zu äußern, hat Monika, deren Hände kräftiger sind, als sie aussehen, sie schon beiseitegeschoben, um an der Tante vorbei die Treppe zu gewinnen.
Erst als Monika schon unten in der Diele steht und hinter der Kellertür ihr Rad hervorzerrt, hat Tanta Martha oben ihren Geist wieder so weit in der Gewalt, daß sie die Nichte anrufen kann.
Monika schaut ärgerlich hinauf. „Ja doch? was denn? Gib dir nur keine Mühe! Ich hab's satt, ich gehe."
„Du kannst ja auch ruhig gehen", ruft Tante Martha spitz über das Geländer hinunter. „Vielleicht ist es sogar gut, wenn du dich draußen ein bißchen austobst. Aber sagen will ich dir nur noch eins: Ich bin zwar eine alte Frau, und zu meiner Zeit hat ein Mädchen überhaupt nicht gezeigt, wenn es verliebt war — aber eins haben wir schon damals gewußt: daß man dem Mann gegenüber, auf den man sein Auge geworfen hat, nicht so lächerlich launisch und s-pröde sein barf. Sieh dir nur mal Fräulein Montwill an! Warum sind sie denn alle so begeistert von ihr, dein Vater und Doktor Lenzsch und wahrscheinlich auch viele Herren in Berlin? Weil sie es glänzend vers-teht, so ein Mannsbild zu nehmen. Sie ist lustig und immer liebenswürdig und ganz gleichmäßig^ freundlich und unterhaltend und amüsant. Und du? Du sitzt herum wie ein S°tock, wie ein S-tock. Laß- dir das nur einmal gesagt sein!"
Tante Martha hat in fliegender Hast gesprochen, denn während ihrer Rede hat Monika unten, ohne sich stören zu lassen, in ebenso großer Hast ihre Ausfahrt weiter vorbereitet, und daß sie „wie ein S-tock" herumsitzt, erfährt sie gerade noch zwischen Tür und Angel, dann schlägt die Tür zu, und beide Damen, Tante Martha oben auf der Treppe und Monika draußen auf der Straße, geben einen tiefen und abgrundschweren Seufzer von sich.
Hach, bas Kinb! denkt Tante Martha. Und bann packt sie eine empörte Verachtung für sich selbst. Da ist sie boch buchs-täblich zwei Jahre lang blind um» bergegangen! Unb was jetzt? Wenn sie sich dem Pärchen Marga unb Lenzsch hindernb in ben Weg stellt, macht sie Marga unglücklich. Wenn sie aber Lenzsch nicht wieder mit Monika zusammenbringt, macht sie Monika unglücklich. Gott, wie schrecklich schwierig ist doch das Leben!
Und Monika tritt indes grimmig ihre Pedale:
Na schon, dann sitz' ich eben wie ein S-tock mnher. Aber wartet nur, der S-tock kann vielleicht eines Tages auch anders!
Und auch ihr erscheint das Leben schrecklich kompliziert und schwierig.
17. Monika lieft einen Mann vom Boden auf.
Monika trampelt also ziemlich verbittert auf ihrem Rad durch die sonntäglich belebten Straßen, und die Einwohner von Eigelstein schütteln hinter ihr her die Köpfe. Diese Aufmachung, dieses Gesicht zu einer Stunde, da andere sich frieolichen Gemüts um die Kaffeekanne gruppieren! Ein sonderbares Fräulein, das Fräulein Hammerbacher. Man wird nicht klug aus ihm.
Aber warum sollten auch die Eigelsteiner klug aus einer jungen Dame werden, die nicht einmal selbst aus sich klug wird? Und die, während sie nun dahinfährt, ums Leben gern selber wissen möchte, ob sie ben Lenzsch wirklich zum Teufel wünscht, oder ob sie ganz im Gegenteil...
Nein, sie wünscht ihn zum Teufel, Ehrensache, sie wünscht ihn zum Teufel. Sie hat ihn nie gern gehabt, noch weniger war sie verliebt. Er ist ihr völlig gleichgültig, nein, sogar verächtlich ist er ihr, mit seinem spärlichen Haar und dem albernen Getue um alle Damen herum. Wenn sie es genau bedenkt, hat sie ihn ja schon immer abgelehnt, und nur, weil er manchmal so drängte, hat sie ... ist sie ... konnte es passieren, daß sie bann wieder weich wurde und ihm einen Blick zu viel und einen zu innigen Händedruck oder ein zu zärtliches Wort zukommen ließ!
Ach, dieser verflixte Märzwind! Er treibt einem richtig die Tränen in die Augen. Man kann gar nicht ordentlich sehen, und wenn man sich erst mal herbeiläßt, bas Taschentuch zu ziehen und über die Augen zu fahren, bann wird es nur noch schlimmer; dann sieht es beinahe aus, als heule man. Aber so ist der Märzwind, so scharf und so ...
Monika zieht nicht das Taschentuch. Monika fährt sich mit dem Handrücken energisch über die obere Gesichtshälfte unter besonderer, allerdings verstohlener Berücksichtigung der Augen unb wirft bann energisch ben Kopf nach hinten: Mal an wys anberes benfen. Mal die Sonnenstreifen zwischen ben Bäumen genießen, mal die süßen Kätzchen, die in wenigen Tagen aus der Hülle brechen, betrauten, mal ben feuchten Erbgeruch einatmen unb sich vorstellen, daß in wenigen Wochen wirklich schon wieder Frühling ist.
Monika hat die letzten Dillenstraßen nun hiitter sich und biegt in einen stillen, von Birken um
säumten Waldweg ein. Hier hinunter ist sie erst heute früh ntit dem Vater unb mit Lenzsch gelaufen, unb Lenzsch sah so nett aus in feinem Trainings- anzug unb war auch soo nett zu ihr und sie war so glücklich ...
„Blöde Gans", sagt Monika plötzlich halblaut zu sich selbst und haut dabei so heftig mit der flachen Hand auf die Lenkstange, baß das Rad einen wilden Schlenker nach links hinüber macht. Mode Gans! Gibt's beim wirklich gar nichts anderes mehr als Lenzsch und Lenzsch und nochmal Lenzsch? Muß man an die Sterne am Himmel ober ben letzten Hallentennisbericht benfen wollen und doch wieder bei Lenzsch landen?
Und übrigens, da man schon wieder bei diesem leidigen Thema ist: Tante Martha hat eigentlich recht. Gekämpft um ben Lenzsch, bas hat man ja eigentlich wirklich noch nicht getan. Noch nie. Und es käme vielleicht wirklich auf den Versuch an, ob man, wenn man um ihn kämpfte, diese Marga Montwill nicht boch noch aus bem Felbe schlagen könnte. Man müßte sich zu dieser Unternehmung eine Frist setzen, zum Beispiel bis heute abend um zwölf Uhr — früher wird Lenzsch ja wohl nicht in sein Sanatorium zurückkehren. Und wenn bis dahin Walter Lenzsch nicht reftlos kapituliert hat, bann soll ihn in Gottes Namen die anberc...
Aber was tut benn1 der Herr da drüben im Wald? Warum hockt er benn so komisch verbogen auf der Erde unb legt ben Kops so schief? Neugierig verlangsamt Monika ihre Fahrt. Aah, der Mann photographiert! Jetzt legt er sich wahrhaftig ber Länge nach hin, stützt die Ellenbogen gegen die feuchte Erbe unb preßt ben Apparat vor die Augen! Was mag er benn mir ba unten an der Erde knipsen wollen? Uebrigens, ber gute Mann wird ja entzückend aussehen, wenn er wieder auffteht. Wo ber Boden noch so schneefeucht und klebrig ist... unb bie halbverfaulten Blätter. Der wirb ja Saures bekommen, zu Hause, von seiner Frau. Aber wahrscheinlich hat er keine. Nein, natürlich, sich zu bieser Jahreszeit mit bem Sonntagsanzug auf bem Boden umherkugeln, das getraut sich nur ein Junggeselle!
Monika steigt ab und schiebt ihr Rad etwas näher zu der Stelle hin, wo der eifrige Photograph liegt So was muß man sich doch aus ber Nähe betrachten, nicht wahr?
In diesem Augenblick hebt der am Boden ben Kopf.
Monika fährt heftig erschrocken zusammen. Wie fatal, wie gräßlich unangenehm — ber eifrige Photograph ist Robert von Kahl.
(Fortsetzung folgt.)


