Nr.M Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, (7. Mai (938
Aus der Stadt Gießen.
Schützt die Tiere des Waldes!
Im Wonnemonat Mai beginnt Feld und Wald sich mit jungem Wild aller Art zu beleben. Während Bäume, Sträucher und Blumen in ihrer großen Mehrzahl ihre hohe Zeit, die Blüte, erleben, regt es sich überall im Tierreich und schenkt jungem Nachwuchs das Leben. Es ist zugleich auch die Zeit, da es den Menschen mit Macht wieder hinauszieht in die Natur.
Es ist nicht selten, daß der Spaziergänger dabei auf Jungwild stößt und ohne jedes Nachdenken und auch ohne böse Absicht das Wild mitnimmt in dem Glauben, das allein aufgefundene Stück Jungwild sei verwaist, da sich die dazu gehörige Mutter nicht sehen ließ. Das ist grundfalsch. Zuerst ist es strafbar, sich irgendwelches Jungwild anzueignen, gan^ gleich aus welchen Motiven. Dann aber ist es meist für das Jungwild der Tod, der ihm von im Grunde gutmütigen Menschen gebracht wird. Man merke sich: Verwaistes Wild ist draußen in der Natur sehr selten. Namentlich beim Rehwild, das am meisten unter mitleidsvollen Menschen zu leiden hat, ist es oft der Fall, daß man die Kitze allein findet. Die jungen Kitzchen erhalten eine sehr gute Kinderstube. Die alte Ricke kann sich nicht den ganzen Tag um sie kümmern; sie legt sie einfach
Unfsre Aufgabe: Dienf! am (eben! Diene mit, werbe Mitglied bei 060.
ab, wie der Jäger sagt, und dann geht sie ihre eigenen Wege. Später nimmt sie dann die Kitze von diesem Platz wieder ab, die sich bis dahin still verhalten und nur selten abspringen, das heißt, die Flucht ergreifen, wenn irgend jemand sich dieser Stelle nähert. Sie drücken sich vielmehr fest an die Erde, und Unzählige sind schon so nahe an solchem Jungwild oorbeigegangen, daß sie es mit der Fußspitze berührten. Die Schutzfarbe, die ihnen von der Natur mitgegeben wurde, machte sie für das Auge des U-kimdigen unsichtbar. Aber wir wollen den Fall setzen, daß irgendwelches Jungwild wirklich verwaist ist. Zum Beispiel wurde die Mutter von einem Auto überfahren, und nun stehen die Jungen bei der überfahrenen Mutter. In diesem Falle ist es jedermanns Pflicht, sofort Nachricht an den Jäger, ober an die nächste Polizei- bzw. Forstbehörde zu senden, die es dem Jagdbesitzer sofort zur Verfügung stellen. Hat man Erfahrung mit jungem Wild, dann kann man es gleich mit zu dieser Stelle nehmen. Aber unter keinen Umständen lasse man sich verleiten, selbst hier Eltern spielen zu wollen. Denn wie schon betont: es ist meistens des jungen Wildes Tod, und dann kommt die Strafe und der Schadenersatz noch dazu.
Ein weiterer sehr wunder Punkt im Kapitel „Schutz der Natur" ist der Schutz der Vogelbruten. Hier sind es in der Hauptsache Kinder, die unter allen Umständen einmal in das Nestchen hineinsehen wollen, und bis zum Mitnehmen solch schönen kleinen Hänschens ist es dann nicht mehr weit. Auch hier ist der Tod sehr schnell im Gefolge, ganz abgesehen davon, daß häufig die andern Jungvögel erschreckt das Nest verlassen und nun fast immer umkommen. Man soll stets überlegen, wie weit man mit dem Entgegenkommen bei Kindern gehen kann. Ein Blick in ein Vogelnest, wenn dies möglich ist, ohne etwas stören zu müssen, kann für ein Kindergemüt höchste Beglückung sein. Mehr aber lasse man unter feinen Umständen zu und bleibe vor allem mit den Fingern davon. Alle Vögel stehen unter Naturschutz, und einem Vergehen gegen die Naturschutzgesetze folgt heute stets noch ein Verfahren wegen Tierquälerei.
Wald und Wild sind ein Teil unseres kostbaren Volksvermögens. Sie zu schützen und zu erhalten, ist jedermanns Pflicht! Nicht Strafen sollen hier erziehend wirken, sondern die selbstverständliche Pflicht, unseren Kindern und Killdeskindern das zu erhalten, was in der Natur kreucht und fleucht. Bi-
Neuer Möbelstil im Geiste der HI.
In der Ausstellung von HJ.-Heim-Entwürfen und Modellen, die am Sonntag im Studentenhaus gezeigt wurde, konnten die Besucher auch Möbel sehen, die dem Wollen und Streben her HI. entsprechend gearbeitet wurden. Dabei finden die in der heimischen Landschaft wachsenden Hölzer zweckentsprechende Verwendung. Unser Bild zeigt eines dieser schönen Möbelstücke, das den von der HI. vertretenen neuen und geschmackvollen Stil der Inneneinrichtung dar- stellt. — (Aufnahme slj: Halboth, Dorrn. Photo- Pfaff, Gießen.)
Das geht alle Volksgenossen an!
Wichtige Bestimmungen bei Ausflügen ins Grüne.
DNB. Die Hitzeperiode der letzten Tage hat in vielen Gegenden des Reiches Wald-, Heide- und Moorbrände von gewaltigen Ausmaßen im Gefolge gehabt, bei denen beträchtliche Waldbestände und sonstige Werte ein Raub der Flammen geworden sind. Ein große Zahl dieser Brandkatastrophen sind nachweislich dadurch entstanden, daß Ausflügler beim Rauchen und Umgang mit Feuer es an der erforderlichen Sorgfalt fehlen ließen.
Gerade in der letzten Woche ist die Zahl der Wald- und Heidebrände mit dem zunehmenden Ausflugs- und Wochenendverkehr ungeheuer angestiegen. Der Reichsführer H und Chef der deutschen Polizei nimmt dies zum Anlaß, in einem Runderlaß die zur Verhütung und Bekämpfung von Wald- und Heidebränden erlassenen gesetzlichen Bestimmungen zusammenfassend in Erinnerung zu bringen. Diese Bestimmungen gehen jeden Volksgenossen an, der bei seinen Wanderungen und Ausflügen Wald-, Heide- oder Moorflächen berührt. Ihr Nichtbeachien hat hohe Geldstrafen, sogar Gefängnisstrafen zur Folge.
Wer Wald-, Heide- oder Moorflächen durch verbotenes Rauchen, oder Anzünden von Feuer, oder in sonstiger Weise in Brandgefahr bringt, wird mit Gefängnis bis z u drei Monaten und mit Geldstrafe, oder mit einer dieser Strafen bestraft.. Strafbar macht sich jeder, der in der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober im Wald oder auf Moor- und Heideflächen oder in gefährlicher Nähe ohne Erlaubnis des Grundeigentümers Feuer anzündet, bzw. das mit Erlaubnis angezündete Feuer auszulöschen unterläßt.
Jeder Volksgenosse ist berechtigt, ja sogar verpflichtet, zur Verhütung und Aufklärung von Wald- und Heidebränden einzugreifen und Hilfe zu leisten. Wird jemand auf frischer Tat betroffen, so ist, wenn seine Persönlichkeit nicht sofort feftgeftellt werden kann, jedermann befugt, i h n festzuneh»- m e n und der nächsten polizeilichen Dienststelle z'ü übergeben. Ferner ist jeder, der den Ausbruch eines Schadenfeuers bemerkt, zur Meldung an die nächste Polizei- oder Feuerwehrdienftstelle verpflichtet. Personen, die dieser Pflicht vorsätzlich nicht nachkommen, werden mit Geldstrafen bis zu 150 RM. bestraft.
Es wird unnachsichtlick eingeschritten.
Von der Polizeidirektion Gießen wird uns mitgeteilt:
Alljährlich werden große Werte deutschen Volks
oermögens durch Waldbrände vernichtet. Die beginnende Trockenheit hat bereits im Lande Hessen einige Waldbrände zur Folge gehabt. Die Ursache der Brände ist in den meisten Fällen sträflicher Leichtsinn und Nichtbeachtung gesetzlicher Bestimmungen.
Die Polizeiverordnung zum Schutze des Waldes vom 8. Mai 1937 verbietet das Zelten und Errichten von sonstigen Lager- stätten im Wald und in gefährlicher Nähe von Wäldern ohne besondere Erlaubnis der Forstpolizeibehörde. Weiter verbietet der § 2 dieser Verordnung in der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober das Rauchen im Walde oder in gefährlicher Nähe von Wäldern. Dieses Verbot gilt auch für die öffentlichen Wege.
Der Artikel 36 des Hessischen Forststrafgesetzes verbietet u. a. das Anzünden von Feuer ober Licht und das Mitführen unverwahrten Feuers oder Lichtes im Wald oder in gefährlicher Nähe desselben. Auch dürfen Waldflächen oder Grundstücke, welche an Waldflächen grenzen, ohne Erlaubnis der Forstpolizeibehörde nicht abgebrannt werden.
Wer durch verbotswidriges Verhalten Waldflächen in Brandgefahr bringt, wird nach § 310a des Reichs- ftrafgefetzbuches mit Gefängnis bis zu drei Monaten und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft.
Die Beamten sind angewiesen, gegen Verstöße unnachsichtlich einzuschreiten. Zur Ueberwachung sind besonder Streifen eingerichtet.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 20 bis 22.10 Uhr: „Versprich mir nichts". — Gloria-Palast (Seltersweg)- „Frau Syl- velin". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Es leuchten die Sterne". — Wettbewerb HJ.-Heim, Gießen, Ausstellung der Entwürfe in der Volks- Halle (Empore) von 16 bis 18 Uhr.
Lladltheater Gießen.
Heute abend findet eine Wiederholung der Komödie „Versprich mir nichts" von Charlotte Rißmann statt. Spielleitung Hermann Schultze- Griesheim, Bühnenbilder Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 31. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20, Ende 22.10 Uhr.
Balthasar Nuhn f.
Am Sonntagnachmittag verstarb in Lollar der Zimmermeister Balthasar Nuhn im 84. Lebensjahre. Mit ihm ist ein Mann heimgegangen, der sich als Handwerksmeister durch unermüdlichen Fleiß und durch berufliche Tüchtigkeit aus kleinen Anfängen zu einer weithin geachteten Stellung im Handwerk emporgearbeitet hatte.
Am 16. Dezember 1854 in Treis a. d. Lumda geboren, erlernte Balthasar Nuhn das Zimmerer* Handwerk. Nach mehrjähriger Wanderschaft und nad),feiner Militärdienstzeit beim Jns.-Regt. 115 in Darmstadt machte er sich am 20. Januar 1883 durch Eröffnung seines Zimmerergeschäfts in Lollar selb- tänbig. Im Laufe ber Jahre verbanb er mit bie- em Betrieb eine Sägewerk mit Schreinerei und Glaserei. Dieses Unternehmen betrieb er bis 1922 unter seinem Namen. Dann mürbe bie offene Han- belsgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, beren Vorstcmb Balthasar Nuhn bis zum! Jahre 1932 war. Wegen seines hohen Alters legte er bieses Amt nieber und würbe Vorsitzenber beS Aufsichtsrates.
Diele Jahre lang stanb Balthasar Nuhn als Vorsitzenber an ber Spitze bes Ortsgewerbevereins Lollar, zu besten Ehrenvorsitzenben er im Jahr 1923 ernannt würbe. Sein Wirken als Hanbwerksmeister unb für die Gesamtheit bes Hanbwerks in seinem Lebenskreise würbe öffentlich daburch anerkannt, baß ihm im Januar 1933 von ber Hess. Hanbwerks- kammer ber Ehrenmeisterbrief bes hessischen Hanbwerks für 50jährige Meisterschaft verliehen rourbe^
Der Heimgegangene war ber richtige Typ beS echten Hanbwerksmeisters von bestem Schrot und Korn. In Hessen war er ber älteste Zimmermeister. In Lollar unb in Gießen, aber auch barüber hinaus war Balthasar Nuhn als tüchtiger Hanbwerks* meister unb als Mensch von vorbilblicher Gesinnung, ber auch in sozialer Hinsicht bas Herz auf bem rechten Fleck hatte, geschätzt unb beliebt. Das Anbeuten an biefen vortrefflichen Mann bes heimischen Hanbwerks wirb in Ehren fortleben.
3um Beichösporiwettkampf schulfrei.
RJP. Am 21. unb 22. Mai finben bie Reichs- sportwettkämpfe ber HI. unb bes Deutschen Jungvolks unb am 28. unb 29. Mai bie Reichssport«
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Mein« Xubc
wettkämpfe des BDM. und der Jungmädel statt. Auf Antrag des Jugendführers des Deutschen Reiches find bie .an biefen Wettkämpfen beteiligten Schüler und Schülerinnen im Alter von 10 bis 14 Jahren sowie bie Führer unb Führerinnen an den in Betracht kommen Samstagen vom Unten richt befreit.
Kreisarbeitsgemeinschast des VeichSmütterdiensteS.
Die Kreisarbeitsgemeinschaft des Reichsmütter- dienstes, zu ber bie Vertreter aller ©lieberungen ber Partei, Wehrmacht unb Behörben geloben waren, fand am Montagmittag im Hotel Schütz statt. Nach herzlichen Grußworten ber Kreisfrauenschaftsleiterin, Frau Wrebe, sprach bie Kreisabteilungsleiterin für den Reichsmütterbienst, Schwester Emely G o b b e r s, über bie Aufgaben unb Ziele bes Reichsmütterbienstes und die von ihm geleiteten fünf Kurse. Für den verhinderten Kreisleiter, Pg. Backhaus, sprach zum Schlüsse der Kreisgeschäftsführer, Pg. Wagner, und betonte, wie wichtig bie Zusammenarbeit aller Gliebe- rungen und Verbänbe in biefer Sache sei. Eine rege Aussprache schloß sich an.
„Frau Sylvelin."
Gloria-Palast.
Ein aparter Name, Sylvelin, unb bie Frau, ber fer gehört, stellt man sich, zum minbeften äußerlich, genau so vor, wie ber Film sie zeigt: sie trägt diesen Namen, heißt es einmal, wie ein schönes Kleib. Sie trägt viele schöne Kleiber, Frau Sylvelin, ober sie könnte sie tragen, wenn sie wollte, benn sie ist die Gemahlin eines großen Herrn, Präsidenten eines gewaltigen Konzerns; den hat er selber aufgebout: sein Werk, feine Arbeit, ber Inhalt seines Lebens. Dieses Werk, dieser Konzern, bieses Geschäft mit den großzügigen Mitteln und Projekten, füllt ihn ganz aus. Tag und Nacht, immer denkt er daran, immer lebt er darin. Ja, und dann ist da noch bie Frau, Sylvelin, schön unb still, behutsam unb leise, eigentlich paßt sie nicht recht zu einem Mann ber Tat, bes Willens, ber Projekte unb ber Realitäten. Liebt er sie überhaupt, braucht er sie wenigstens? Nur wenn er nicht bamit fertig wirb, sich bie Krawatte zum Frack zu binben, bie sie ihm bann mit leichten Hänben unb einem halben Lächeln richtet. Unb eines Tages ist es so weit, m Denebig, am Libo, baß bie Frau nicht mehr ba ist. abgereist, verschwunben, zu einem anbern Mann, der auch Geschäfte macht unb auch Verträge unterschreibt, ber aber auf Sylvelin eingeht, sie zu nehmen unb zu behanbeln versteht, unb bei dem sie die geheime Sehnsucht ihres Lebens erfüllt zu finben glaubt: fährt also zu ihm unb schreibt ihrem Mann einen Abschiebsbrief. Der bricht fast zusammen, als er ihn erhält, benn siehe, er hat Sylvelin wirklich geliebt, auf seine Weise freilich, unb nicht immer so, wie eine Frau von Sylvelins Art es erhofft unb erwartet unb sogar oerbient hätte. Man erlebt nun auf einmal, wie sehr er an dieser Frau hängt, was sie für ihn bebeutet, nicht nur für ihn persönlich, fonbern auch für feine Arbeit, fein Werk, sein Geschäft: nicht nur ein kostbares, verwöhntes, gehütetes Spielzeug, besten Bilb auf bem wuchtigen Schreibtisch steht, fonbern ein wichtigerer Besitz, eine ßebensnotroenbigfeit schlechthin. Der große, starke Mann broht an solchem Verlust zugrunbe zu gehen unb mit ihm bas Werk, ber Konzern, an bem taufenb Existenzen hängen. Aber Sylvelin müßte nicht bie Flau sein, bie sie ist, wenn sie nicht zu ihm zurückkehrte, als sie erfahren hat, wie es mit ihm bestellt ist. Diese Heimkehr unb bie Wieber- begegnung ber beiden gehört zu den besten Szenen des Films, den Herbert Maisch nach einem Vornan von SÄünttzan jnjzeniertei mit tiin
reichen Mitteln, welche bie Ufa für bie Verwirklichung ber großen Welt zur Verfügung zu stellen pflegt, aber auch mit empfinblichem Tastsinn für bie inneren Gewichte unb bie seelische Konstellation, welche bie Voraussetzung zu ber Geschichte bilben. Den befonberen Reiz macht bie Darstellung ber beiben Charaktere aus, bie im Schwerpunkt ber Fabel erscheinen. Maria von Tasnaby ist Frau Sylvelin: ber Name paßt zu ihr, sie ist genau bie Frau, beren Bilb wir mit ein paar flüchtigen Umrißlinien anzubeuten versuchten. Sie trägt ihren Namen wie ein Kleib, still, zart, kultiviert, wartet wie Nora „auf bas Wunberbare" unb finbet es ba, wo sie es nicht zu vermuten hat. George ist ber Mann, ber Herr, ber Präsibent. Auf ihn paßt bie zwar alte, aber schöne und lehrreiche Geschichte von ber auf ber Straße gefunbenen Stecknabel — Sie kennen bie Geschichte sicher? —, man kann sich gut benfen, baß sie ihm passiert ist; bie Mischung {ebenfalls, aus ber er bas Porträt bieses Mannes aufbaut, ist mit einer höchst fpürfinnigen Menschenkennerschaft zusammengesetzt: er hat bie aktive unb impulsive Energie, bie einen Konzern aus bem Boben stampft unb sich burch Rückschläge nicht umwerfen läßt; bie kerngesunbe Zähigkeit bes Selfmabeman, bie einen schwierigen Verhanblungs- partner an bie Wanb brückt; bas ejrplobierenbe Temperament unb bie entroaffnenbe Knabenhaftigkeit unb auch Hilflosigkeit in manchen Augenblicken, baß eine Frau wie Sylvelin mit einer- mütterlichen ©ebärbe barüber lächeln muß; ...man begreift sehr gut ben völligen Zusammenbruch, als ihm biefe Sylvelin eines bösen Tages schreibt: ich komme nicht mehr zu bir zurück. Allein um Georges willen sollte man ben Film gesehen haben; er gibt hier ungleich mehr als neulich im „Biberpelz", unb es sinb auch sonst noch ein paar Darsteller babei, um bie es sich lohnt: Paul Otto vor allem, bann ber verstorbene Alfreb Abel, Paul Richter unb Carla Rust. — (Ufa.)
Aus bem Beiprogramm sinb bie eingehenben Bilbderichte vom Nationalfeiertag unb von ber Jtalienfahrt bes Führers hervorzuheben.
Hans Thyriot.
Hochschulnachrichten.
Der Dozent Dr. phil. habil. Hans Jeschke von der Universität Königsberg wurde beauftragt, an ber Universität Tübingen die durch den Weggang von Prof. Rohlfs nach München frei gewordene Professur für romanische Sprachen ver- tretungsmeije zu übernehmen, ___
Sonntag an der Donau.
Von Marie Grengg.
Zwei, die sich gemhaben seit dem Winter, möchten endlich einen herrlichen, langmächtigen, glücklichen ganzen Sonntag im Grünen, in recht viel Luft und Freiheit sein. Die ganze Woche hocken sie> beide irgendwo in einem Büro oder Geschäftshinterzimmer bei künstlichem Licht, Ausblick: Licht- Hos, Luft: Gestank aus hundert Fenstern, Küchen, Höfen. Grün: ein paar blasse Pelargonienstengel in irgendeinem dieser Fenster.
Beide haben die Sehnsucht, den Staub und Schweiß der Woche gründlich in kaltes frisches Wasser unb Sonne einzutauschen. Also bie Donau. Jrgenbwo. abseits unterhalb ber Lobau aber bei Albern, wo man ein stilleres Platz! hat für sich.
„Glaubst bu, baß es aushalten wirb mit bem Wetter? Der im Radio sagt: unsicher, aber was weiß benn ber!" Es hält aus, es wirb sogar ber heißeste, sonnigste Tag, ohne auch nur ben Gedanken einer Wolke am italienisch blauen Himmel. Also ziehen sie los; tausend tobsichere Hoffnungen auf eine Unmenge Glück und Liebe und Vergnügen im Rucksack, den Schwimmanzug unter bem Stra- ßengewanb; leudjtenbes Ziel: bas stille Platz! irgenbroo am Donauufer.
Zehntausenbe wollen basfelbe stille Platz! an ber Donau, unb so ziehen bie zwei im bichten Strom biefer zehntausenben Wasser- unb Lufthungrigen mit, halten sich bei ber Hanb unb sinb schon jetzt trotz bes Schwarmes um sie allein für sich auf einer Insel. Der Weg heraus aus ben Steinschluchten ber ©assen ist weit, aber enblich sinb sie boch ba, bie turmhohen Silberpappeln unb Weiben, burch bie es burchfunkelt, als blenbe bahinter einer mit einem Riesenspiegel hervor. Das Mäbel rennt bie letzten Schritte burch bie Au wie ein Kinb: ba ist sie, bie Donau, steigt zum Wasser hinunter, taucht bie Hanb hinein, schreit bem jungen Menschen zu: „Bacherl- roarm ist sie!" Dann wirft sie sich oben auf bie Böschung ins Gras, bas spärlich aus ber grauen silbersamtenen Donaulette ber Ufer herauswächst. Er wirft sich neben sie unb streckt sich unb sagt: „Herrgott, ist's ba heut fein". Zehn Schritte rechts fitzt ein altes Paar, bas feinen Hunb unb sogar ben Kanarienvogel mitgenommen hat, zehn Schritte links sitzt wer, ohnebies auch nur ein Liebespaar. Man kann also ben Kopf bes Herzliebsten ganz ungestört auf ben Schoß nehmen, ihm bie Haare ^5 bei Stirne streichen und was man halt jonst
noch tut an einem so gottsherrlichen freien Tag, ben man mitsammen verbringen kann.
Das Wasser, bas Wasser! Wie es einen mitzieht, wie es einem ben leibigen Kummer unb bie Mühsal einer ganzen verhackten und versorgten Woche mitnimmt. Das Mäbel hat ben Kopf bes jungen Menschen im Schoß, steckt ihm ein Stück Schokolabe in den Mund, aber mit ben Augen ist sie braußen auf bem großen roanbernbtn Strom, und richtige schöne Träume, wie sie einem niemals sonst kommen, steigen auf in ihrem von ber Not ber Zeit verängstigten Herzen. Ein Floß zieht vorbei, nur ganz leise hört man bie Ruder im Wasser, die Möwen wirbeln über den Sandbänken, Zillen fahren herüber unb hinüber unb stromab, Faltboote gleiten herunter unb Schwimmenbe. Die grauen Aubäume plauschen hinter einem unb aus dem Wirtshaus unter den Pappeln kommt Musik her.
Ein bayrischer Schlepper stampft und qualmt bergwärts. Das weiße schnittige Eilschiff kommt glitzernd herunter und wirft einen saumgesäumten sausenden Schwall Wasser längs der Ufer hin. Die zwei stürzen sich ins Wasser, schreien vor Vergnügen und lassen sich mitnehmen und treiben. Der Himmel spiegelt blau, so daß es wirklich die schöne blaue Donau ist, die sie mit sich trägt auf ihrer Wanderschaft in die blaue Ferne. Niemals hat es elektrisches Licht und Lichthofe und Angst vor dem Abbau gegeben, niemals — nur das falte gute Wasser gibt es, die Sonne, daß man jung ist und einen neben sich hat, den man gern hat.
Affen im Schiffbruch.
Mit einer Ladung von mehreren hundert Asfett und Vögeln aus Indien, die für die Zoologischen Gärten Amerikas bestimmt waren, war der Frachtdampfer „Stadt Salisbury" an der Küste vor Boston angekommen, als er in der Nacht auf ein Riff stieß und, buchstäblich in zwei Teile geteilt, schnell zu sinken drohte. Mit größter Schnelligkeit ging die Mannschaft, unterstützt von ben berbeb. geeilten Rettungsbooten ber Küstenstation, baran, bie kostbare Labung, beren Wert auf zwei Millionen Dollar geschätzt wirb, zu bergen. Alle Käfige mußten einzeln in bie Rettungsboote hinabgelassen werben. Wenn es auch sonst bei Schiffbrüchen nicht ruhig zugehen wirb, so kann man chch nicht vorstellen, unter welchem furchtbaren Lärm bie Ret* tung ber Affen, bie aufs Aeußerste erregt waren, burchgeführt würbe. Als ber letzte Käfig von Bord gekommen war, ging bas Schiff mit großem Ge« löse unter.


