Ur. 40 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Donnerstag,17. Zebruar 1938
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Budenko den GPLt.-Häschern entgangen.
Oer ehemalige Gowjetdiplomat aus Bukarest nach Italien geflohen.
Rom, 16. Febr. (DRV.) Der frühere forojel- russische Geschäftsträger in Bukarest, Budenko, der vor einiger Zeit überraschend aus der rumänischen Hauptstadt verschwunden war, und von dem allgemein angenommen wurde, dah er mit den üblichen Methoden der GPU. nach Sowjetruhland verschleppt und ermordet worden sei, ist in Wirklichkeit aus Rumänien geflohen, um den Zugriffen Moskaus zu entgehen. Budenko hat Zuflucht in Rom gefunden.
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Das halbamtliche „Giornale d' Italia" veröffentlicht ein Interview über die Geschichte seiner Flucht. Es hat folgenden Wortlaut:
„Nach dem Besuch verschiedener Hochschulkurse habe ich mich der Literatur und dem Journalismus zugewandt. Aber das immer grausamere und unruhigere Leben in Sowjetrußland hat in mir den Wunsch nach einer Flucht wachgerufen. Ich habe eingesehen, daß ich jedoch Sowjetruhland als Literat niemals hätte verlassen können. 1935 bin ich deshalb in die höhere Diplomatenschule eingetreten, als erster Posten wurde mir eine Stelle im sowjetrussischen Pavillon auf der Pariser Weitaus st ellung anvertraut. Der Kontakt mit der Kultur der europäischen Völker war für mich eine Offenbarung. Ich habe festgestellt, daß alle im s o w se t ru s s i s ch e h Pavillon aufge- st e l l t e n Statistikcn über „Die großen kommunistischen Verwirklichungen" Fälschungen waren, die in keiner Weise die tatsächliche Lage in Sowjetrußland wiedergeben. Ich habe den großen Abgrund ermessen, der die Welt der Kultur und die Lebenden vom Lande der Barbarei und der Unwirklichkeit scheidet, zu dem Sowjetrußland geworden ist. Diese tiefen Eindrücke, die mein Denken und Fühlen völlig gewandelt haben, haben sich noch auf meinen Reisen in Polen, Deutschland und Pelgien gewaltig gesteigert. Von Paris bin ich nach Moskau berufen morden, um als Geschäftsträger zur Leitung der sowjetrussischen Gesandtschaft i n ® u • k a r e st vorbereitet zu werden für den Fall, daß der Gesandte Ö st r o w s k i die rumänische Hauptstadt verlassen würde. In Rumänien habe ich festgestellt, daß das Land, das in Sowjetrußland als das „verfluchte Land des Faschismus" bezeichnet wird, ruhiger, besser und zufriedener lebte, als das sowjetrussische „Paradies".
kaum war ich in Bukarest angekommen, halle ich das deutliche Gefühl, aufs schärfste von sowjetrussischen Agenten der GPU. überwacht und wie in einem eisernen kreis eingeschlossen zu fein. Inzwischen habe ich erfahren, daß man in Moskau über meine Vergangenheit Nachforschungen anstellte und entdeckt hatte, daß ich als Vierzehnjähriger an einer' Nationalist Ischen Erhe
bung feilgenommen hatte, als die Wrangelarrnee ihren Vormarsch in Südrußland Frau und mein sechsjähriges Töchterchen, aber ich habe auch erfahren, dah sie in Leningrad zurückgehatten wurden und nicht abreifen konnten; heute find sie sicherlich verhaftet. Ich habe den bestimmten Eindruck gewonnen, daß mein Leben bedroht und gefährdet ist.
Der fowjetruffifche Gesandte Ostrowski hat Bukarest am 4. Februar verlassen. Aber am Vormittag war aus Wien ein verdächtiges Subjekt in Bukarest eingetroffen, das in der sowjetrusfischen Gesandtschaft abgestiegen war und sich im dritten Stock isoliert hatte. Niemand hat mir sagen wollen, warum es gekommen war. Am 5. Februar hat dieses Subjekt — offenbar ein f o ro j e t - russischer Agent — zusammen mit zwei weiteren Agenten der GPU., die in der Ge
sandtschaft wohnten, mich gerufen und dreimal unternahm. Ich erwartete in Bukarest meine darauf gedrungen, dah wir alle zusammen Bukarest verlassen und nach S i n a j a gehen. Ich lehnte jedoch ab, weil ich mich krank fühlte. Die Agenten bestanden jedoch auf ihrer Forderung. Ich sprach daraufhin von meinem Chauffeur, worauf mir geantwortet wurde, dah man ihnnicht brauche, da der Mann, der aus Wien gekommen war, sehr gut selbst das Auto steuern könne. Aus alledem verstand ich, dah man mir eine Falte stekl en wollte, um mich zu ermorden oder zu verschleppen. Daraufhin habe ich am 6. Februar die fowjetruffifche Gesandtschaft verlassen, aber erst am 10. Februar bin ich von Vukare st abgereist, wo ich mich vier Tage lang verborgen gehalten habe, und dann schließlich die Grenze überschreiten konnte."
Budenko meldet der rumänischen Regierung seine Flucht Eine unerhörte Lügenkampagne zusammengebrochen.
B u k a r e st, 16. Febr. (DNB.) Die Nachricht von Budenkos Eintreffen in Rom hat in Bukarest größtes Auftehen erregt. Am Mittwochabend ist folgende amtliche Erklärung erschienen: „Auf Grund der von den Gerichtsinstanzen der Hauptstadt geführten Untersuchungen wurde ohne jeden Zweifelfest- ge stellt, daß der Geschäftsträger der UdSSR, in Bukarest, Herr Theodor Budenko, auf bem Gebiete Rumäniens keinem Anschlag zum Opfer fiel. Herr Budenko befindet sich nicht mehr im Lande und hat, wie aus seiner an das Außenministerium gerichteten Erklärung hervorgeht, Rumänien freiwillig verlassen."
Budenko bedankt sich in einem vor etwa 8 Tagen aus Budapest an den damaligen Außenminister M i c e s c u gerichteten Brief für die Unterstützung, die er während seiner kurzen Amtszeit von der rumänischen Regierung erfahren habe. Er erklärt weiter, daß er sich in Ungarn aufhalte und von dort nach Italien fliehe, um der GPU., zu e n t g e h en , vor der er sich in Rumänien nicht mehr sicher fühle. Budenko hat mit seinem falschen Paß die ungarische Grenze überschritten. Dieser falsche Paß ist ihm von der Buka- rester sowjet spanischen „Gesandtschaft zur Verfügung gestellt worden, die er unter Benutzung einer Ausrede darum ersucht hatte!
Damit ist eine Lügenkampagne z u - sammengebrochen, die in Rumänien von der Sowjelgefandlschast und ihrem Anhang planmäßig betrieben wurde, um die Atmosphäre zu vergiften. Bis in die letzten Tage haben diese kreise sich nicht gescheut, das Märchen zu kolportieren, Budenko fei von einer „faschistischen Organisation" verschleppt oder gar getötet worden. Auch die unverschämte sowjetrussische Protestnote an die rumänische Regierung hat glauben machen wollen, daß ausländische Hände a m Werke gewesen seien. Diese nur allzu deutliche Anspielung hat nunmehr durch die amtliche rumänische Erklärung die verdiente Zurückweisung gesunden. Die sowjetrussischsn Hetzer haben sich nicht nur unsterblich blamiert, sondern es ist zugleich auch erwiesen, was die Sowjetdiplomaten vom Moskauer Terror halten, dem sie — im Gegensatz zum russischen Volk, das diesem Regiment ausgesetzt bleibt — zu entrinnen suchen, wo es nur immer geht.
Oie Wahrheit über das „Gowjetparadies".
Budenko schilderiim Giormle d'Iialia das Gystem der bolschewistischen Knechtschaft in Rußland
Rom, 16. Febr. (DNB.) Budenko gibt in einem ausführlichen Artikel im „Giornale d'Jtalia" ein eingehendes Bild über die wahren Zustände in Sowjetrußland und die entsetzliche und katastrophale Lage im sogenannten „Arbeiterparadies". Budenko betont, daß trotz der Mängel des Regimes das Leben im alten zaristischen Rußland in jeder Hinsicht besser gewesen sei.
Der Bolschewismus habe bas. Land in die schlimmste Knechtschaft geführt, die die Geschichte der Menschheit je gekannt hat. Er habe jegliche Eigentumsrechte an Grund und Boden abgefchafft, jede persönliche Initiative aufgehoben. Man habe den Arbeitern versprochen, ihnen die Fabriken und Werke auszuliefern und sie zu Herren der Lage zu machen. In Wirklichkeit habe der russische Arbeiterstand noch niemals solche Entbehrungen erdulden müssen wie jetzt in der sogenannten Epoche der Sozialisierung. An Stelle der „Kapitalisten" wurde eine neue Bourgeoisie gebildet, die fast zu 10 0 Prozent aus Juden besteht und die sich der besonderen Protektion des engsten Beraters von Stalin, des Juden Lazarus Kaganowitsch, erfreut. Alle großen , Fabriken, die Kriegsindustrie, handel und Kleinhandel, sind völlig in jüdischen Händen, während der Arbeiterstand nur in der theoretischen Abstraktion als „Herr der Wirtschaft" vorhanden ist. Budenko schildert dann die Lage der unterdrückten Nationalitäten in Sowjetrußland, insbesondere in der Ukraine, die ein blühender, fruchtbarer Garten sei, in dem aber heute fa ft ununterbrochen Hungersnot herrsche. Die arbeitsamen Bauern der Ukraine wurden zu Zehntausenden hingemor- d e t oder überfüllen die Gefängnisse. Das ukrainische Volk ist von einem maßlosen Haß gegen die Bolschewisten erfüllt, weil die ganze Ukraine unter
dem Joch eines entsetzlichen Belagerungszustandes jener Briganten lebt, die das Volk unterdrücken und foltern. Die gleiche üble Lage besteht in Georgien, in Armenien, in Weißrußland und in Russisch-Asien. Es sei eine grausame und verlogene
Budenko. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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maten, Beamten und alten Parteisekretären halt. Die Prozesse seien eine ryine Farce, so daß -unweigerlich alle schließlich vollkommen ihre Schuld und ihren Hochverrat eingestanden und damit ihr eigenes Todesurteil unterschrieben haben. „Ich habe selbst", so erklärt Budenko, „diesen Prozessen in Sowjetrußland beigewohnt und kenne besser als jeder andere diesen ganzen furchtbaren Hexenkessel der Zerstörung, in dem zahllose hochverdiente und vollkommen unschuldige Personen ihr Leben lassen mußten.
So habe ich mich entschlossen, ein für alle- rn a l mit dem Bolschewismus z u brechen, der auf mir immer ro i e der schlimmste Alpdruck gelastet hat. Ich habe eingefehen, daß es nicht mehr länger möglich ist, im Bannkreis des trügerischen Sozialismus zu bleiben, der die eigenen angeblichen Ideale ins Gegenteil verkehrt und entwertet und es f 1 ch herausnimmt, das Reich der Barbarei, des Krieges und der gegenseitigen Vernichtung aus die ganzeWeltzuübertragen. Die Kenntnis der bolfcheroistischen Revolution in Rußland, die ich 25 Jahre lang verfolgt
Ironie, wenn die Bolschewisten behaupten, das sowjetrufsische Regime sei das Vorbild der idealsten Demokratie.
Budenko betont, es geb^ nicht eine einzige Zeitung, die nicht kommunistisch sei, keine einzige, die auch nur neutral sei oder die nicht parteigebunden wäre. Schon allein der Verdacht, die Stimme gegen Stalin erhoben zu haben, gelte als der schlimmste Hochverrat und werde mit jahrelangem Zuchthaus, wenn nicht gar mit Erschießen bestraft. Das geradezu unerträgliche Regime mache mit seinen Greueln weder vor der Wissenschaft noch vor verdienten Offizieren, Diplo-
und beobachtet habe, hat mich von der Vergänglichkeit und Falschheit der bolfcheroistischen Ideologien überzeugt, wenn sie auf das praktische tägliche Leben angeroanbt werden. Ich bin übergegangen ; u der Welt der wahren Kultur, der Zivilisation und Gerechtigkeit, die entschlossen ist, alle ihre Kräfte zur Verteidigung des Fortschrittes der Menschheit einzusehen."
Europa erwache!
Mit einer geradezu unglaublichen Dreistigkeit hatten die Sowjets versucht, den Fall Budenko so zurecht zu biegen, wie das nach ihrer Ansicht zur Entfachung einer neuen „antifaschistischen" Welle erforderlich war. -Sie schlugen in Bukarest mit der Faust auf den Tisch, sie behaupteten frisch und frei, Budenko wäre von Faschisten entführt worden. Uttb sofort stellten sich eine Reihe ausländischer Zeitungen Moskau zur Verfügung, um in das gleiche Horn zu stoßen. Nach der einen Lesart waren es Deutsche, die sich gegen den Sowjetgesandten in Bukarest verschworen hatten. Nach der anderen waren es Italiener. Auf jeden Fall verlangte die Sowjetunion in einer Note vom 10. Februar, daß die rumänische Regierung alle Maßnahmen treffen müsse, um diejenigen festzustellen, die Budenko hatten verschwinden lassen.
DiEliberusung desReichstages
Ganz Deutschland
hört am Lonntagmittag den Führer.
Berlin, 16. Febr. (DNB.) Der Präsident des Deutschen Reichstages, Generalfeld- rnarfchall Göring, hat den Reichstag auf Sonntag, den 20. Februar 1 938, mittags 13 Uhr, einberufen. Auf der Tagesordnung sieht die Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung.
Der Reichspropagandaleiter der NSDAP., Dr. Goebbels, gibt bekannt: Am 20 .Februar, mittags um 13 Uhr, spricht der Führer zum Deutschen Reichstag und damit zum deutschen Volk und zur Welt. Alle Deutschen werden während der Rede des Führers am Lautsprecher versammelt fein. Wer z u hause nicht die Möglichkeit hat, die Uebertragung der Rede des Führers zu hören, dem wird in Sälen und Gaststätten dazu Gelegenheit gegeben. Die Gau- und Kreispropagandaleitungen der NSDAP, haben hierfür alle Vorbereitungen getroffen.
Für Samstagabend hat der Führer der Reichstagsfraktion der NSDAP., Reichsleiter Dr. Frick, die Abgeordneten des Deutschen Reichstages zu einem Kameradfchaftsabend in das Berliner Schloß eingeladen. .
Es wurde rund heraus behauptet, der Gesandte sei einem politischen Verbrechen zum Opfer gefallen. Das alles mochte sich eine gewisse Auslandspresse, voran der „Daily Herold", zu eigen.
Inzwischen ist den Sowjets und ihren Mit- schreiern in der Auslandspresse etwas höchst Peinliches passiert: Budenko ist in Rom aufgetaucht, er hat im „Giornale d'Jtalia" klipp und klar die Dinge beim richtigen Namen genannt, daß er das Opfer der GPU. werden sollte, die schon seit vielen Tagen ihre Häscher in der Bukarester Gesandtschaft einquartiert hatte und die sich alle erdenkliche Mühe gab, ihn zu entführen. Schließlich war der Sowjetdampfer „Katamaja" nicht ohne Grund in den Hafen von Konstanza ein» gelaufen. Hier wollte man offensichtlich den verschleppten Budenko an Bord des Schiffes bringen. Der Sowjetgesandte ist jedoch seinen Häschern zuvor- gekommen, er hat sich in der Nacht vom 8. bis zum 9. Februar heimlich aus der Gesandtschaft entfernt, hat sich verborgen gehalten und schließlich die Flucht nach Italien angetreten. Allerdings hat er das Leben und die Freiheit von Frau und Kind aufs Spiel setzen müssen. Beide sind in Leningrad an der Ausreise nach Rumänien gehindert worden, beide werden nunmehr einem mehr als traurigen Schicksal entgegengehen.
Die langen Gesichter der Sowjets und ihrer Freunde im Ausland möchten wir angesichts der gelungenen Flucht Budenkos und seiner Enthüllungen nur zu gern sehen. Denn das gerade Gegenteil von dem, was die Roten behauptet haben, hat sich nunmehr als wahr herausgestellt: die Bolschewisten waren es selbst, tue ihrem Gesandten nach dem Leben trachteten, während sie mit der ihnen eigenen Frechheit in ihrer Note an Rumänien behaupteten, Budenko sei das Opfer von Faschisten geworden. Wir sind nun wirklich gespannt, wie die ausländische Presse, von der Moskauer Regierung ganz .311 schweigen, aus der Sackgasse wieder herausfindet, in die sie blindlings hineingetorkelt ist. Sie wird wohl oder Übel die Wahrheit sagen müssen, sie wird damit aber auch ihre eigene Unglaubwürdigkeit zu bescheinigen haben.
Und was das wichtigste ist, die Aufklärung des Falles Budenko hat ergeben, daß die Jagd der GPU. auf die sowjetrussischen Auslandsdiplomaten unentwegt fortgesetzt wird. Soeben wird die Erschießung des sowjetrussischen Gesandten in Kowno, Podolski, gemeldet, der Geschäftsträger in Athen der Botschaftsrat in Paris find geflohen, eine Menge anderer Diplomaten find nach Moskau zu- rückberufen worden, ohne daß über ihr Schicksal bislang etwas bekannt geworden ist. Aus Warschau sind der Botschafter Damian und Botschaftsrat Minogradow verschwunden, wahrscheinlich sind sie beide erschossen worden, wie man es auch von dem ehemals in Berlin amtierenden Botschafter Jureniew und vielen anderen Sowjetdiplomaten vermuten muß. Also gerade diejenigen, dis Moskau hinausschickt, um die Interessen der Sowjetunion wahrzunehmen, müßten eigentlich als dis


