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zu lernen. Es bereitet mir eine besondere Freude, aus nächster Nähe ein Land kennen zu lernen, wel­ches unter der Leitung seines großen Führers den Weg der Ordnung und der Arbeit, des Fortschrittes und des Friedens geht. Heute ist es jedem klar, daß die Politik des König­reiches Jugoslawien als Hauptziel den Frieden hat. Der Friede ist für uns das höchste und kostbarste Gut, da er uns alle anderen Güter gewährleistet. Jedoch darf der Friede nach unserer Auffassung kein abstrakter Begriff bleiben, sondern er soll der Gegenstand einer ständigen und wachen Tätigkeit, die nicht nur die Wahrung der eigenen, sondern auch das Verständnis und die Beachtung fremder Interessen fordert, sein. Durch solche Grundsätze läßt sich die königliche Regierung in allen ihren außenpolitischen Hand­lungen leiten. Von solchen Auffassungen sind auch unsere Beziehungen zu der Regierung des Deut­schen Reiches, welche bei jeder Gelegenheit ein brei­tes und richtiges'Verständnis für unsere Interessen gezeigt hat, beseelt. Ich hebe mein Glas auf das Wohl des Führers und Kanzlers des Deutschen Reiches, Seiner Exzellenz Herrn Adolf Hitler, auf die Größe und den Fortschritt des deutschen Volkes und trinke auf die Gesundheit und das persönliche Wohlergehen Ew. Exzellenz und Ihrer Gemahlin.

Festauffühnmg

im Deutschen Opernhaus.

Berlin, 17. Jan. (DNB.) Anläßlich der An­wesenheit des jugoslawischen Ministerpräsidenten Dr. Stojadinowitsch hatte der Reichsaußen­minister Freiherr v. Neurath zu einer Fest Vor­stellung in das Charlottenburger Deutsche Opern­haus geladen. In der ersten Reihe der Ehrenloge hatte der Gast und seine Gattin, Reichsaußenmmi- fter Freiherr von Neurath und der Haus- Herr des Charlottenburger Opernhauses, Reichs- Minister Dr. Goebbels, Platz genommen. Jrn ersten Rang sah man Mitglieder der Reichsregie­rung, Vertreter von Staat, Partei und* des diplorn. Korps. Zur Aufführung gelangte dieFleder­maus" von Johann Strauß in der bekannten reizvollen Ausstattung mit zahlreichen Ballettein­lagen des Deutschen Opernhaus-Balletts. Nach den mit großem Beifall aufgenommenen Darbietungen fand ein Abendessen in dem Foyer der Oper statt.

Jugoslawiens MMerpräsidenl ehrt die Gefallenen des Weltkrieges.

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Dr. Stojadinowitsch in Begleitung des Berliner Stadtkommandanten Generalmajor Seifert und des jugoslawischen Gesandten in Berlin Markowitsch. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Der erste Weg nach seiner Ankunft in der Reichs- Hauptstadt führte den jugoslawischen Ministerpräsi­denten Dr. Stojadinowitsch nach dem Ehrenmal Unter d en Linden, wo er im Gedenken der gefallenen deutschen Helden im gro­ßen Völkerringen einen Lorbeerkranz niederlegte. Generalmajor S ei f e r t, der Kommandant von Berlin, begrüßte Ministerpräsident Dr. Stojadino­witsch an der Gedenkstätte und schritt mit ihm, be­gleitet vom jugoslawischen Gesandten in Ber­lin, unter den Klängen des Präsentiermarsches die

Front der Ehrenkompanie ab. Zwei Soldaten tru­gen den riesigen Lorbeerkranz, der mit den blau­weißroten Streifen des Königreiches Jugoslawien geschmückt war, in den Ehrenraum. Während das Musikkorps das Lied vom guten Kameraden spielte, betrat der Ministerpräsident den Gedenkraum und verweilte hier eine Minute in stillem Gedenken an die Gefallenen des Weltkrieges. Mit dem Vorbei­marsch der Ehrenkompanie schloß die feierliche To­tenehrung. * z

Besuch bei Göring in Karinhall.

Stojadinowitsch erklärt:Sie haben das Herz eines ganzen Volkes erobert."

Am Sonntagvormittag folgte der jugoslawische Ministerpräsident Dr. S t o j a d i n o w i t s ch mit seiner Gattin, den Herren seiner Begleitung und dem jugoslawischen Gesandten in Berlin, Marko­witsch, einer Einladung des Ministerpräsidenten Göring nach Karinhall. Waldhörner grüßten die Gäste. Ministerpräsident Göring hieß seine Gäste in Karinhall willkommen und übernahm selbst die Führung durch das herrliche Naturschutzgebiet der Schorf Heide. Die Gäste wurden von dem Zau­ber der winterlichen märkischen Landschaft mit ihren vielhundertjährigen Wäldern inmitten herrlicher Seen tief beeindruckt. Dor allem aber fesselte den Ministerpräsidenten, der selbst ein begeisterter Jäger ist, Görings Schöpfung, das Paradies der vom Arten­tod bedrohten deutschen Wildarten. Nach der Besich­tigung des Elchgebietes fuhren die beiden Staats­männer mit ihrer Begleitung im Jagdwaaen noch zur R o t w i l d f ü 11 e r u n g. An dem anschließen­den Jagd frühstück nahmen auch die Staats- fefretäre des Ministerpräsidenten und die nächsten Mitarbeiter seines Stabes teil. Der Hausherr brachte dabei auf feinen Gast einen Trinkspruch aus.

Görings Trinkspruch.

Eure Exzellenz! Ich begrüße Sie und Ihre hoch­verehrte Frau Gemahlin hier draußen im deut­schen Walde auf das herzlichste. Sie kommen zu mir, wie ich mit Stolz sagen darf, als Freund zu einem Freunde. Uns beide verbindet echte Kameraschaft, die wir heute in unseren Gesprächen wieder erneuern konnten. Unvergessen ist mir und dem ganzen deutschen Volke die stolze Gestalt des großen verblichenen Königs. Unvergessen die Stunde, in der ich tief erschüttert als der Vertreter meines Führers an seiner Bahre stand. Tief be­eindruckt hat mich bei meinen Besuchen in Jugo­slawien immer die Entschlossenheit, mit welcher Staatsführung und Volk weiter vorwärtsstreben. Es ist mir eine große Freude, sagen zu dürfen, daß Sie als die rechte Hand des Prinzregenten Paul in der Ausrichtung von Politik und Staatsführung an die­sem Erfolge so hohen Anteil haben.

Exzellenz! Ich schätze mich glücklich, behaupten zu dürfen, Kenner Ihrer schönen Heimat zu sein. Ich habe auf meinen Fahrten das Herz Jugo­slawiens, die Schumadija, die Urheimat des stolzen Königsgeschlechts, erlebt. Ich habe in den schwarzen Bergen und an der Adriaküste geweilt. Ich kenne den geraden Sinn und die soldatische Haltung des Jugoslawen, die Denkungsart des letzten Bauern und seine Verbundenheit mit dem Königshause. Nun, Exzellenz, erleben Sie Deutschland! Sie finden ein freies und wehrhaftes Volk, geeint in seiner heißen Liebe und seinem unerschütterlichen Vertrauen zu seinem Führer, der dieses Volk aus tiefer Nacht zu neuen Höhen emporgeführt hat, e i n starkes Reich, das wieder imstande ist, feine Interessen zu wahren und den Frieden zu garan­tieren. Dieses Dritte Reich hat Ihnen weit und herz­lich die Tore geöffnet. Wohin Sie auch kommen werden, überall werden Ihnen die stärksten Sym­pathien des deutschen Volkes entgegenschlagen. Auf allen Reisen in unseren Grenzen, ob Sie beim Heer ober bei der Luftwaffe weilen ober im Ruhrgebiet, wo sausend die Hämmer deutschen Arbeitswillen künden, überall werden Sie den deutschen Freundschaftswillen finden. Uns trennen keine politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und territorialen Gegensätze. Die Interessen unserer Völ­ker ergänzen sich vielmehr in durchaus glücklicher Art. Daß diese Freundschaft zwischen unseren Völ­kern sich weiterhin vertiefen möge, ist mein heißer Wunsch und Wille."

Ministerpräsident Dr. Stojadinowitsch antwortete:

Euer Exzellenz haben anläßlich Ihrer Besuche in Jugoslawien das Herz eines ganzen Volkes erobert. Denn in Ihrem Wesen offen­bart sich immer wieder der unerschöpfliche Quell deutscher Kraft, die auch den ein­fachsten Mann in meinem Lande begeistert hat. Hermann Göring ist in ganz Jugoslawien ein Be-

Ministerpräsident Dr. Stojadinowitsch fuhr zusammen mit dem Reichsjägermeister Hermann Göring durch die Schorfheide, um die Hegeanlagen zu besichtigen. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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griff, und bis zu den entferntesten Felsennestern ist der Name des treueften Kämpfers Adolf Hitlers, des Schöpfers des neuen Deutschlands, bekannt. Wenn man Ihre Worte in meinem Lande hort, so ist die breiteste Schicht unserer Bevölkerung über­zeugt, daß durch Sie, Herr Ministerpräsident, die Seele eines ganzen Volkes zu uns spricht. In die­sem Sinne bin ich stolz darauf, unsere persönliche, echte Kameradschaft heute erneut zu spüren.

Exzellenz! Ich komme zwar als Ministerpräsident Jugoslawiens zum ersten Male nach Deuffchland, aber aus meiner Jugend kenne ich Ihr Land gut und habe es schon damals schätzen gelernt. Wenn ich an eine immer engere Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reiche als Staatsmann glaube, so fühle ich als Mensch die Berechtigung dazu, weil ich weiß, wie oft mein Volk mit dem Ihrigen f chickf alverbunden war. Es waren Raizen, die als lange Kerle vor dem Schlosse Friedrichs des Großen Wache standen, es waren serbische und kroatische Regimenter, die die Fahne Karls von Lothringen trugen, und es war die deutsche Garde des mächtigen Zaren Dusan, welche in einem der glänzendsten Siege des mittelalter­lichen Serbiens voranstürmte. Glorreicher noch ist unsere Verbundenheit in der Vergangenheit im geistigen Sinne. Als wir nach jahrhundertelanger Finsternis erwachten, waren es Deutsche, die unsere Lieder und unser Leid vor der Welt als erste an­erkannten. Mein Gefühl der Bewunderung für das deutsche Volk hat sich noch verstärkt beim näheren Kennenlernen des grandiosen Aufbaues, den das neue Deutschland Adolf Hitlers erfah­ren hat. Exzellenz! Es ist mein heißer Wunsch und Wille, daß die Freundschaft zwischen Deutschland und Jugoslawien sich weiterhin »erliefen möge. Wir rechnen es uns als Ehre an, daß gerade Sie, Herr Ministerpräsident, im Auftrage des Führers an die­sen freundschaftlichen Beziehungen mitarbeiten.

Stojadinowitsch besichtigt Flughafen und Heichslustfahrtministerium.

Berlin, 15. Jan. (DNB.) Auf Einladung des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Generaloberst Goring, besichtigte Mi­nisterpräsident S t o j a d i n o w i ts ch mit feiner Gattin und feiner Begleitung den Neubau des Flughafens Tempel Hof Aul der Fahrt dorthin wurden dem Gast überall lebhafte Sym­

pathiekundgebungen zuteil. Vor dem neuen Abfer­tigungsgebäude, von dessen Gerüsten neben der deut­schen die blauweißrote Flagge Jugoslawiens wehte, hatte ein Ehrensturm des NS.-Fliegerkorps Auf­stellung genommen. Bei oem Rundgung durch die Baulichkeiten übernahm Generaloberst Göring, unterstützt von dem Architekten Professor S a ge­biet, persönlich die Führung. Anschließend stattete Stojadinowitsch dem Reichsluftfahrtmini- sterium einen Besuch ab. Eine große Menschen­menge begrüßte den Gast in der Wilhelmstraße mit lebhaften Heil-Rufen, als er an der Seite des Ober­befehlshabers der Luftwaffe und des Staatssekre­tärs M i l ch die Front der Ehrenkompanie abschritt. Die Führung, bei der auch der Chef des General­stabes der Luftwaffe, ©eweralleutnant Stumpff, und der Chef der Zentralabteilung, General der Flieger, von Witzendorf, zugegen waren und die wiederum der Hausherr selbst übernahm, er­streckte sich insbesondere auf den Fahnenraum, in dem die Fahnen der Berliner Garnison der Luft­waffe untergebracht sind, die Gedenkräume für die Gefallenen der Luftwaffe im Weltkriege und die Toten der deutschen Luftfahrt, den Ehrensaal und den großen Sitzungssaal.

Vorbeugende Verbrechensbekämpfung durch die Polizei.

Berlin, 15. Jan. (DNB.) Amtlich. Der Reichs- und Preußische Minister des Innern Dr. Frick hat in einem vom Reichsführer ff und Chef der deutfchew^Polizei vorgelegten umfassenden Erlaß die vorbeugende Verbrechensbekämpfung durch die Polizei für das gesamte Reichsgebiet einheitlich geregelt. Die nationalsozialistische Staatsführung hat immer einen ganz besonderen Wert auf eine die Begehung von (Straftaten ver­hütende Tätigkeit der Polizei gelegt. Bisher wurde in den einzelnen deutschen Ländern nach ver­schiedenen Gesichtspunkten verfahren. Nunmehr gel­ten für dieses überaus wichtige Gebiet einheit­liche Richtlinien. Der Reichsführer ff hat den Chef der Sicherheitspolizei und das diesem unter­stehende Reichskriminalpolizeiamt in Berlin mit der Durchführung im einzelnen beauf­tragt. Es ist zu erwarten, daß die neue Regelung eine weitere Verminderung der Krimi» nalität zur Folge hat.

Oer bausättige Tempel.

Don unserem Rbst.-Äerichierstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Genf, Januar 1938.

Für bas politische System, besten Mittelpunkt Genf ist, schließt das Jahr 1937 mit einer Krisen^ ftimmung, die im Gegensatz zu früher auch die überzeugten Anhänger dieses Kollektiosystems er­faßt hat. Daran kann auch alleJubiläums"-Stim- mungsmadje aus Anlaß der hundertsten Rats­tagung nichts ändern. Die überall bestehenden Vor- behalte, Bedenken und Einwende würden wahr­scheinlich noch nicht so offen heroortreten, wenn nicht das Vorgehen Deutschlands und Italiens den Nebel der von Genf ausgehenden internationalisti­schen Ideologie zerrissen hätte. Die Rede Mus­solinis vom 11. Dezember und die deutsche Erklä­rung vom folgenden Tage waren in ihrer vernich­tenden Kritik an den Methoden und Idealen der Liga der Nationen eine längst verdiente Zurück­weisung des von interessierter Seite gemachten Ver­suches, die Zugehörigkeit zu dieser Liga, das Opfern in diesem Tempel und die Verehrung der dort an­gebeteten falschen Götter zu einem P r ü f st e i n internationalen Wohlverhaltens, gu­ter Gesinnung und friedlicher Absichten zu machen.

Die Kritik der beiden autoritären Staaten war so berechtigt und treffend, daß in keinem maß­gebenden Kreise auch nur erwogen wurde, ihr mit Worten oder Taten entgegenjutreten; die hartbe­drängte Genfer Institution hat nicht einmal einen Offizialverteidiger gefunden. Von französischer und englischer Seite ist bemerkenswerterweise jede Art von Vertrauenskundgebung ausgeblieben; die Er­wähnung desVölkerbundes" in den Kommuniques über die Besprechungen des französischen Außen­ministers in Bukarest, Belgrad und Prag verrät nach Wortlaut und Zusammenhang mehr Verlegen­heit als Ueberzeugung, und auch die Unterhauser­klärung des englischen Außenministers,Unter« stützung der Liga innerhalb aller möglichen Gren­zen", klingt vorsichtig und entsagungsvoll. Auch Chamberlain hat sich in feiner jüngsten Unterhaus­rede so reserviert wie möglich ausgesprochen.

Es wäre nun freilich verfrüht anzunehmen, datz die bisherigen Befürworter und Nutznießer des Genfer Systems im Begriffe feien, sich daran zit desinteressieren. So wie der Genfer Bund seins letzten Ziele, wenn überhaupt, nur widerstrebend und unvollkommen anbeutet, ebenso scheinen feind Freunbe jeber direkten Aussprache über den Nutzen! und die Ziele des Bundes ausweichen zu wollen. Eine solche Erörterung chüßte nämlich früher obetf später die konkreten realpolitischen Interessen auf- beigen, um derentwillen verschiedene Länder an oiefem Völkerbund gerade wegen feinerUnvoll­kommenheit" festhalten. Was besonders diewest­lichen Demokratien" betrifft, fo wollen sie zwar ihre Politik durch Genfer Rücksichten nicht behin­dern lassen, und es mehren sich deshalb die An­deutungen, daß sie nicht unter allen Umständen auf der kollektiven Verhandlungsmethode bestehen wollen; nichts spricht aber vorläufig dafür, daß sie zugleich auch den Begriff der kollekti­venS i ch e r h e i t" preisgeben wollen mit des­sen Hilfe der Genfer Bund, erforderlichenfalls un­ter Anwendung eines entsprechenden politischen Druckes auf die kleineren Mitgliedstaaten jederzeit in eine K r i e g s k o a l i t i o n zum der

englisch-französischen Interessen umgewandelt wer­den kann. Diese Umstellung einer angeblich idealen und. uneigennützigen Einrichtung auf eogoistische Zwecke einzelner Mitglieder hat den Völkerbunds­gedanken feit der Versailler Konferenz in der öffent­lichen Meinung belastet und kompromittiert, sie ist aber auch für eine Anzahl von Regierungen völ­lig unerträglich geworden, seitdem die Inter­essengemeinschaft der Westmächte einen stillen ober vielmehr sehr vorlauten Partner an der Sowjet­union gesunden hat.

Die weitere Entwicklung des Genfer Bundes wird im wesentlichen durch diese Jnteressenlage bestimmt werden. England, Frankreich und Rußland können ihn nur dann am Leben erhalten und politisch ver­wenden, wenn sie die genügende Anzahl von gut­gläubigen Mitläufern finden, die der Orga­nisation einen internationalen Charakter sichern und ihr bescheinigen, daß sie im Namen des Rechtes und des Weltgewissens spricht. Nur bann kommen jene Entschließungen zustande, über bie man spot­ten kann, weil sie für bie praktische Politik anschei- nenb nichts besagen, bie aber gerabe in dieser harm­losen Form bestimmte Ideen verbreiten, Grund­sätze aufstellen und Vollmachten erteilen, die eine künftige Schuldfrage schon jetzt entscheiden sollen.

Es sind bedeutsame Anzeichen dafür vorhanden, daß dieser planmäßige Mißbrauch des Gedan­kens der internationalen Solidarität immer gründ­licher in denjenigen Ländern erkannt wird, die sich nicht unbedingt davon einen Nutzen versprechen können. Schon auf der Londoner Ratstagung im März 1936 kam es den Polen, Skandinaviern und Niederländern zum Bewußtsein, daß sie durch den Zusammenhang von Locarnovertrag und Völker» dundspakt in Angelegenheiten verwickelt und vor Entscheidungen gestellt worden waren, bie mit ihren eigenen Interessen nichts z u tun haben, deren Tragweite ihnen aber erst durch den Sanktionsfelbzug gegen Italien voll bewußt geworben war. Man hat feitbem in diesen und andern Ländern sehr kritische Stimmen über Genf vernommen, bie noch zahlreicher würben, als ber Sanktionsfelbzug, in ben sich die meisten Völker» bunbsmitglieber vorbehaltlos hatten hineinhetzen lassen, mit einer Niederlage und Blamage für Genf geendet hatte. Die Mißstimmung der sieben Neutra­len verdichtete sich am 1. Juli 1936 zu einer in der Dölkerbundsversammlung abgegebenen Erklä­rung, in ber für bie Zukunft bie Rechtsver- binblichkeit bes Artikels 16 be ft ritten würbe. Es hieß barin:... inbem wir daran er­innern, baß Richtlinien für bie Anwenbung von Art. 16 im Jahre 1921 angenommen worden find, erklären wir, daß wir uns, solange der Völker­bundsvertrag in seiner Gesamtheit nur unvoll - ständig und nicht folgerichtig ange­wendet wird, veranlaßt sehen, diesen Umstand bei ber Anwenbung dieses Artikels zu berücksich­tigen".

Eine weitere Auflockerung des irregeleiteten Soli- baritätsbewußtseins brachte die Haltung Bel­giens, das im Frühjahr 1937 fein Verhältnis zu den Restlocarnomächten, zu Deutschland und zugleich auch zu dem Sanktionsartikel des Genfer Paktes vom Standpunkt feiner eigenen Unabhängigkeit und Souveränität neu regelteund dabei die Durchmarsch­bestimmungen dieses Artikels dahin auslegte, daß ein Durchmarsch durch belgisches Gebiet in jedem Fall nur mit Zustimmung Belgiens erfolgen könne.

Am enffchiedensten hat jedoch in den letzten Tagen bt*s alten Jahres bie Schweiz ihre Selbständig­keit gegenüber der Genfer Liga betont. Ihr war schon beim Eintritt durch die Londoner Erklärung