Nr. 294 Erstes Matt
188. Jahrgang
8reitag,lb. Dezember 1958
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Polens Gtaatsresorm.
Eigener Bericht des
RH. Warschau, 14. Dezember.
Der Wahlerfolg des „Lagers der Nationalen Einigung", der der Regierung in den beiden gesetzgebenden Kammern einen starken Rückhalt geschossen hat, stärkte die Bestrebungen der führenden Schicht, Polen zu einem Einparteien- staat umzugestalten. Das Staatsschutzgesetz des Präsidenten im Verein mit dem Pressegesetz, dessen einzelne Pragraphen deutlich verraten, gegen wen sich die Schutzbestimmungen richten, sollte eine ernste Warnung an die Opposition sein, die Aufbauarbeit der Regierung nicht zu stören Die Regierung, die auf diese Weise in den Besitz einer scharfen Waffe gegen Bauernpartei und Marxisten gelangt ist, begegnete der lauten Agitation der innenpolitischen Gegner mit einem Schachzug: Sie verkündete durch den Finanzminister Kwiatkowski einen groß angelegten W i r t s ch a f t s p l a n, der aus fünf Abschnitten besteht und durch 15 Jahre läuft. Er sieht vor allem den Ausbau der Wehrwirtschaft vor, der eine Summe von zwei Milliarden Zloty zur Verfügung gestellt wird Hierauf erfolgt der Ausoau des Verkehrswesens, besonders der Motorisierung. Die weiteren Etappen des Wirtschaftsplanes betreffen das Volksbildungswesen, die Landwirtschaft, die Industrialisierung, die Polonisierung der Städte und die Vereinheitlichung des Wirtschaftsgebietes.
Sollte dieses Programm in erster Linie der Linken die Stoßkraft rauben, indem sie ihre Forderungen übernahm, so nahm das Gesetz über die Auslösung der Freimaurerlogen den Rechtsgruppen den Wind aus den Segeln. Die Liquidierung der Logen und der bevorstehende Schritt des „Lagers" zur Lösung der Judenfrage auf dem Wege neuer Gesetze stehen in unmittelbarem Zusammenhang. Außerdem wird im Sejm ein Gejetzesantrag auf Verbot des rituellen Schächtens im ganzen Lande behandelt werden. Das Äorgehen des „Lagers" in der Judenfrage hat denn auch in den nationalsten Rechtstreisen seinen Eindruck nicht verfehlt.
Der Wandel in der innenpolitischen Struktur Polens kommt auch in der untergeordneten Rolle des Sejms und des Senats zum Ausdruck, di^ ihm vom „Lager" zugewiesen wird. Wahrend in den Jahren 1919 bis 1926 das Parlament die Regierung bestimmte und abberief, ist der von 1926 bis 1930 von ihm gegen das außerparlamentarische Kabinett geführte Kampf, der von 1935 an zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Regierungsmehrheit und oppositioneller Minderheit wurde, zugunsten einer nur mehr von dem Vertrauen des Staatspräsidenten getragenen Regierung entschieden worden. Der Ehef des „Lagers", General S k w a r c z y n s k i, hat dies in feiner letzen Programmrede zur Sejmeröffnung sehr klar ausoedrückt: Mit der beherrjcbenden Rolle des Staatspräsidenten im Staatsleben hatten sich die Funktionen sowohl der Volksvertretung als auch des Kabinetts geändert. Nur die Regierung regiere; sie trage die Verantwortung für das Handeln des Staates. Das „Lager der Nationalen Einigung" aber habe eine andere Aufgabe, nämlich d i e Nation z u sammeln.
Sei- Schritt zur Einheitspartei, den zu tun die führenden Staatsmänner noch für verfrüht halten, würde zwangsläufig ein Verbot der übrigen Parteien zur Folge haben; und tafächlich wird in Warschauer politischen Kreisen eine derartige weitreichende Entscheidung für möglich gehalten. Aber vorläufig weist das Regierungslager noch immer nicht jene einheitliche Schattierung auf, die von der Spitze des Staates als Voraussetzung für die von ihm an- gcfti'ebte monopolistische Stellung im Staate angesehen wird. Dies beweist ein Zwischenfall während der Sejmdebatte. Der Abgeordnete Oberst W e n d a, ein Mitglied des Stabes, übte eine scharfe Kritik an der Rede des Dizepremiers und Finanzministers Kwiatkowski. Der Anlak war an sich sehr geringfügig, doch gewinnt er dadurch an Bedeutung, daß man erfährt, daß Oberst Wenda als Verfechter des totalitären Kurses die These des Ministers Kwiatkowski ablehnt, man muffe die Einheit mit Einschluß der Opposition aiiftreben, denn die Basis des „Lagers" fei zu schmal.
Daß der Staatspräsident bei den Ernennungen in den Senat auch Persönlichkeiten berücksichtigt hat, die außerhalb des „Lagers" stehen, und daß die bevorstehenden Gemeindewahlen auch den Oppositionsparteien genügend Bewegungsfreiheit zur Einbringung eigener Kandidatenlisten zubilligen, läßt darauf schließen, daß die These Kwiatkowskis von den obersten Staatsstellen nicht ohne weiteres abgelehnt wird. Ueberdies wird sie durch die Tatsache gestützt, daß bei den letzthin oorgenommenen Gemeindewahlen in einigen kleinen Siedlungen von Pomerellen, unter denen sich als größte die 12 000 Einwohner zählende Stadt Culmsee befindet, das Regierungslager gegenüber der Opposition in d e r Minderheit geblieben ist. Solange der Organi- sationsapparat des „Lagers" noch unfertig ist und das vorlieaende freilich nur örtliche Ergebnis beweist, daß dies vorläufig noch hie und da der Fall ist —, wird die Staatsführung zögern, den Bogen zu Überspannen. . r p
Diesen Tendenzen zum Einparteiensystem und zum Nationalstaat stehen die Bestrebungen der Minderheiten, vor allem der nichtpolnischen Volksgruppe der Ukrainer, entgegen, die durch ihren Sprecher, den Abgeordneten Mudrji, den Anspruch auf Gebiets autonomie im Sejm angemeldet hat Der Lagerchef,-General S k w a r- czinski, quittierte diesen Anspruch lediglich mit
Gießener Anzeigers
dem Hinweis auf die Notwendigkeit eines friedlichen Zusammenlebens der Nationen im Staat und auf die Achtung der völkischen Eigenart. Ueberhaupt spielte die Frage der Ukrainer diesmal besonders im Zusammenhang mit der Karpatho-Ukraine, in der Sejm-Debatte eine bedeutende Rolle und rief mehrfach stürmische Szenen hervor. Auch diese Klippen werden den stürmischen Vormarsch des .Lagers" auf dem Weg zum totalitären Staat abbremsen und zu kluger Vorsicht mahnen, wie sie die oberste Staats- Hierarchie bisher beachtete. Erst die Zukunft wird zeigen, ob es dem „Lager" gelingt, sich fo breit im Volk zu verankern, daß'es zur Volksbewegung wird, auf die ein autoritäres Regime gestützt werden kann.
Vor den Gemeindewahlen in Polen.
Warschau, 15. Dez. (Europapreß.) Die Innenpolitik von Polen wird gegenwärtig beherrscht von der sehr lebhaften Propaganda der Parteien für die am kommenden Sonntag stattfindenden G e - meindewahlen. Während bei den November-
Die Feierstunde on der Berliner Südlanaente.
Berlin, 15. Dez. (DNB.) Die stolze Baugeschichte der Reichsautobahnen verzeichnet heute einen besonderen Tag: Durch die Vollendung von acht neuen Abschnitten mit einer Gesamtlänge von rund 200 Kilometer ist das Bauziel für 1938 planmäßig und auf den Tag genau erreicht. Der Schauplatz des heutigen Festaktes, die Anschlußstelle Hallesches Tor — Rangsdorf an der Südtangente des Berliner Ringes bietet ein festliches Bild. Auf den hohen Böschungen wehen im schneidend kalten Morgenwind von hohen Masten die Fahnen des Reiches. Girlanden schmücken die Ehrentribünen, vor denen unten auf dem MUtelstreifen der Bahn eine Ehrenabordnung des NSKK. in Sturzhelmen angetreten ist. Dahinter haben die Reichsautobahnarbeiter Aufstellung genommen. Kurz vor 10 Uhr ist bereits eine große Anzahl von Ehrengästen des Staates und der Bewegung erschienen. Generalinspektor Dr. Todt mit Gauleiter Stürtz schreitet die Front der NSKK.-Formationen ab. Dann meldet Baudirektor Usinger die fertiggestellten Strecken. Anschließend spricht namens der Autobahner der Arbeiter Heiner aus Ronneburg in Thüringen. Sodann nimmt Generalinspektor Dr. Todt das Wort: „Den deutschen Bauarbeitern", so sagte er, „ihren Angehörigen und der deutschen Bauindustrie muß höchste Anerkennung dafür ausgesprochen werden, daß sie trotz der Beschränkung, die ihnen überall airerlegt werden mußte, die Fertigstellung des 3000. Kilometers ermöglicht haben. Alle, ganz gleich wo sie standen, haben zu ihrem Teil dazu beigetragen." Der Gauleiter der Kurmark, Stürtz, beglückwünscht Dr. Todt zu der ihm vom Führer gestellten Aufgabe und wünscht ihm auch für die Zukunft eine glückliche Vollendung dieses monumentalen .Werkes, das mit dem Namen Adolf Hitler für alle Zeiten verknüpft fein werde.
Dann begeben sich Dr Todt und seine Ehrengäste zu ihren Wagen, gleichzeitig besteigen die Reichs- autobahnarbeiter die Omnibusse. Dann setzt sich, begleitet von den Heilrufen der Menge, die lange Kolonne in Bewegung. Das weiße Band, das über die neue Strecke gespannt ist, zerreißt, und in raschem Tempo eilen die Wagen über das helle Band der Autobahn.
Dr. Goebbels begrüßt hie Auwbahner in der ReWhoupistaitt.
Die 3000 Autobahner, die als Gäste des Führers in der Reichshauptstadt weilen, trafen sich am Donnerstag mittag zu einem gemeinsamen Mittagessen in der Deutschlau d h a l l e. Der' Lichterschein von riesigen Tan- nenbäumen fiel auf lange Reihen weißgedeckter Tische, an denen die Abgesandten der mehr als 100 000 Autobahner aus dem ganzen Reich Platz nahmen Ein Musikzug der Leibstandarte „Adolf Hilter" erhöhte mit seinen Weisen die festliche Stimmung. Kurz nach 13 Uhr traf freudig begrüßt Generalinspektor Dr. Todt ein, begleitet oom Präsidenten der German Roads Delegation 1937 R. Gresham Cooke und dem Grafen Tyszkiewicz, Präsident des polnischen Wege- verbandes „Liga Drogowa.
Reichem nister Or. Goebbels
nahm, wie im Vorjahre, wieder das Wort, um die 3000 Kameraden m Berlin zu begrüßen. Er führte ihnen vor Augen, wie das überwundene System gerade in sozialen Fragen zwar eine Fülle
wählen in das Parlament der Regierungsgruppe die Möglichkeit in die Hand gegeben mar, den Einfluß der Opposition bis auf einen geringfügigen Rest auszuschalten, gestattet die Wahlordnung für die Selbstverwaltungskörper den Parteien d i e Vorlage einer eigenen Stimmliste. Davon wurde nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch in den übrigen Städten und zahlreichen Gemeinden von der Opposition reichlich Gebrauch gemacht. In Warschau tritt die Regierungsgruppe „Lager der Nationalen (Einheit" unter' dem Namen eines „Nationalwirtschaftlichen Komitees für Selbstverwaltung" auf, daneben finden sich die Listen der Nationalen Partei der S o z i a l i st e n, die ihre Propaganda im Zeichen der drei Pseile vornehmen, ferner die eines demokratischen Blockes und einiger jüdischer Gruppen.
Insgesamt liegen in Warschau 30 Stimmlisten vor, davon allerdings viele mit lokalem Charakter nur in einzelnen Stadtteilen. Die bisherige Rathausmehrheit bestreitet ihre Wahlpropaganda vornehmlich mit Hinweisen auf positive Erfolge der Stadtverwaltung. Bei den Rechtsgruppen spielt die antisemitische Parole eine bedeutende Rolle, insbesondere die Forderung: „Juden wieder ins Ghetto!", die durch ein wirkungsvolles Plakat unterstützt wird, auf dem ein eiserner Besen die Juden in das Judenviertel kehrt.
Inzwischen haben die Wahlen in einigen
blasser Theorien aufgestellt habe, mit denen aber eine wirkliche Besserung der Lebenslage niemals herbeigeführt werden konnte. Im bewußten Gegensatz dazu sei der Nationalsozialismus darangegangen, die bis auf den Grund ruinierten deutschen Arbeits- und Lebensverhältnisse durch tatsächliche Leistungen der Praxis einer stetigen Besserung zuzusühren. Der Fül)rer habe es abgelehnt, das deutsche Volk mit leeren Versprechungen ab zu speisen. Er habe stattdessen mit einigen ganz großen, demonstrativ in die Augen fpringenoen Leistungen den Beweis führen wollen und geführt, daß der Nationalsozialismus tatsächlich in der Lage ist, einen grundlegenden Wandel zu schaffen. Eine dieser grandiosen Leistungen sei der Bau der Reichsautobahnen. Im übrigen-aber habe die heute kaum mehr vorstellbare Not von damals nur deshalb gebannt werden können, weil Staatsführung und Volksgefolgschaft mit vollem gegenseitigem Verständnis Hand in Hand arbeiteten „Eine Führung ohne Volk", so betonte Dr. Goebbels unter
Abends im Theater des Volkes.
Die festlichen Veranstaltungen schlossen am Abend mit einem kameradschaftlichen Beisammensein im Theater des Volkes ab. Zur größten Freude der Reichsautobahnarbeiter erschien auch in diesem Jahre wieder der Führer selbst in ihrem Kreise, um ihnen den Dank für ihre von aller Welt bewunderten Leistungen uszujprechen.
Vorher gab der Generalinfpektor für das deutsche Strahenbauwesen, Dr. Todt, einen Rechenschaftsbericht über das im letzten Jahre
Gemeinden von fünf Provinzen ein ungefähres Bild der Stimmung in der Wählerschaft vermittelt. Während' in zwölf Kleinstädten Pome- rellens die regierungsfreundlichen Listen in der Minderheit blieben, konnten sie in 197 Dörfern der Provinz Lodz 55 v. H._ in 600 Gemeinden der P r o v i n z L u b l i n über 60 v.H., in zahlreichen Gemeinden der Provinz B i a l y st o k rund 80 v. H. aller Stimmen für sich buchen. In mehreren deutschen Siedlungen bei Lodz gelang es der deutschen Liste, insgesamt 34 Sitze in den Gemeindevertretungen, in vier Dörfern sogar die Mehrheit zu erringen
Kaukasische Soldaten müssen Stalin bewachen.
W a r s ch a u , 16. Dez. (DNB. Funkspruch.) „Maly Dziennik" meldet aus Moskau, der neue G P U.- C h e f Berija habe als vordringliche Aufgabe den persönlichen Schutz Stalins neu organisiert. Die Spezialtruppe der GPU., die bisher auf dem Kreml Dienst tat, sei sofort durch eine Abteilung kaukasischer Bergtruppen a b g e I ö ft worden, die Berija blindlings ergeben ist. Um das (Einbringen von Attentätern in den Kreml unmöglich zu machen,, seien ferner überallLicht-undTonsignale angelegt worden, die das geringste Geräusch in das Wachlokal weiterleiteten.
erneuten Beifallskundgebungen, „ist ebensowenig wert wie ein Volk ohne Führung. Darum sollen sich aber auch diese beiden Faktoren gemeinsam an dem gemeinsamen Werk erfreuen. Sie sind uns als Gäste so besonders willkommen, weil Sie nicht auf- grund eines klingenden Namens, sondern aufgrund einer Öeiftung z u uns eingeladen sind, weil Sie ein großes Werk des Führers möglich gemacht haben!" Dr. Goebbels wies auf die Tatsache hin, daß jeder fleißige deutsche Arbeiter nach der Schaffung des Volkswagens das beglückende Bewußtsein werde haben dürfen, die Straßen, die von ihm gebaut worden sind, auch s e l b st benutzen zu können. „Wenn wir auf so gewaltige innenpolitische Werke in einem Jahr der größten außenpolitischen Erfolge zurückblicken können", rief Dr. Goebbels unter stürmischen Beftallskundgebungen aus, „dann können wir sagen: Es ist ein gesegnetes Jahr des Nationalsozialismus gewesen!"
abermals genau zur festgesetzten Zeit erreichte Bauziel, den 3000. Kilometer.
Eine ungeheure Veränderung ist in den zuimck- liegenben fünf Jahren seit dem ersten Spatenstich in Deutschland vor sich gegangen — in jeder Beziehung: auf politischem,' wirtschaftlichem und auf kulturellem Gebiet. 6 900 Kilometer erschienen d a - mals ausreichend, um alle wirtschaftlich, politisch oder kulturell wichtigen Räume oder Zentren untereinander zu verbinden und die erforderlichen Verkehrswege herzustellen. Inzwischen ist aus dem Land mit sieben Millionen Arbeitslosen das Land intensivster Arbeit der ganzen Welt geworden. In Gegenden, die gewerblich
Der Führer spricht zu den Autobahnarbeitern.
Adolf Hitler auf dem Kamenadschastsabend
zur Feier der Vollendung des 3000. km der Retchsautobahn.
EinneuerGememschastsgeistundneuerMettsstolz
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Der Führer begrüßt einen der 3000 Arbeiter, die als feine Gäste an dem Kameradschaftsabend der 3000 Autobahnarbeiter im Theater des Volkes in Berlin teilnahmen. In der ersten Reihe der Ehrengäste sieht man von links Frau Todt, Generalinspektor Dr. Todt, Reichsminister Dr. Goebbels. — (Scherl-Bilderdienft-M.)


