Ausgabe 
16.9.1938
 
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litäranwärter wegen eines Dienstvergehens durch Widerruf, so ist dem Oberkommando der Wehr­macht unter Angabe der Gründe des Widerrufs hierüber Mitteilung zu machen.

Durch die Anstellung in einer planmäßigen Be­amtenstelle wird das Militäranwärterverhältnis be­endet. Außer durch Tod endet es ferner durcb Ausscheiden, Entlassung, Eintritt in den Ruhestand als Militäranwärter und Entfernung aus dem Militäranwärterverhältnis. Für die Beendigung des Militäranwärterverhältnisses gelten in den vorher bezeichneten Fällen die Vorschriften für die Been­digung des Beamtenverhältnisses der Beamten auf Lebenszeit entsprechend. Die Entlassung aus dem Militäranwärteroerhältnis hat auch dann zu er­folgen, wenn er ohne Zustimmung des Oberkom­mandos der Wehrmacht der Einberufung in eine Beamtenstelle oder zum Ausbildungs- und Vorbe­reitungsdienst für eine Beamtenlaufbahn nicht Folge leistet, eine solche Stelle oder einen solchen Aus­bildungs- und Vorbereitungsdienst aufgibt oder eine ihm zugewiesene Beschäftigung im öffentlichen Dienst nicht annimmt oder aufgibt. In diesem Falle kann das Oberkommando der Wehrmacht Fürsorge nach bestimmten Grundsätzen gewähren. Bereits er­haltene Uebergangsbeihilfen, Umzugskostenoergü­tung und Militäranwärterbezüge sind anzurechnen. Die Militäranwärter-Urkunde ist zurückzugeben. Er­folgt die Entlassung eines früheren Militäranwär­

ters, der in einer planmäßigen Beamtenstelle auf Widerruf angestellt ist, aus einem von ihm nicht zu vertretenden Grunde durch Widerruf, so tritt er mit der Entlassung in seine früheren Rechte als Mi­litäranwärter wieder ein. Stirbt ein Militäranwär­ter, der zur Zeit des Todes in seiner planmäßigen Beamtenstelle auf Widerruf angestellt war, so er­halten seine Hinterbliebenen eine Versorgung.

Die Versorgung des Militäranwärters und ihrer Hinterbliebenen richtet sich nach den Vor­schriften für die Versorgung der Beamten auf Le­benszeit. Als ruhegehaltsfähige Dienstbezüge im Sinne des § 80 des Deutschen Beamtengesetzes gel­ten die Militäranwärterbezüge, und zwar das zu­letzt bezogene GrunügehaU, der Wohnungsgeldzu­schuß und solche anders gearteten Bezüge, die als ruhegehaltsfähig bezeichnet sind.

Mit diesen in kurzen Umrissen gekennzeichneten Bestimmungen über den Militäranwärter tritt ein gesetzlicher Zustand in Kraft, der als vorbildlich be­zeichnet werden muß, und der dem 'ausfcheidenden und seinen Hinterbliebenen vom Tage des Aus­scheidens ab Sicherungen beamtenrechtlicher Art gibt, die er unter der Wirkung früherer gesetzlicher Be­stimmungen meist erst nach einer jahrelangen Wartezeit erreichen konnte und die ihm erst zuteil wurden, nachdem er von seiner Anstellungsbehörde als Beamter lebenslänglich übernommen worden war. E. Däumlingen

Der Reubau des Anatomischen Institutes.

Von Prof. (5. Elze.

Das Anatomische Institut nimmt unter den medi­zinischen Instituten eine Sonderstellung ein. Wie die übrigen ist es eine Stätte wissenschaftlicher For­schung und wissenschaftlichen Unterrichtes. Aber die Unterrichtsaufgabe spielt in ihm eine weit größere Rolle als in allen übrigen. Dom ersten Semester an bis zu seinem Physikum hat der Student der Medizin täglich mehrere Stunden in Vorlesungen und Uebungen im Anatomischen Institut zu arbei­ten, in keinem der übrigen hat er so oft und so viel zu tun. Auch vorlesungsfreie Stunden verbringt er hier, um aus unmittelbarer Anschauung an ana­tomischen Präparaten zu lernen, was das beste Buch ihm nicht bieten kann. Das Antornifche. Institut steht den Studenten jederzeit offen, die übrigen Institute nur während der eigentlichen Vorlesungs- und Uebungsstunden. Reben Hörsälen, Seziersälen und Mikroskopiersaal muß deshalb ein Anatomisches In­stitut Arbeits- und Aufenthaltsräume für die Stu­denten enthalten, in denen sie den ganzen Tag über ein- und ausgehen und nach Luft und Laune allein oder in Gruppen ruhig arbeiten können. Es ist das gemeinsame wissenschaftliche Heim, der Mittelpunkt für alle vorklinischen Medizinstudenten. Mit wirk­licher Lust und Freude müssen sie in das Anato­mische Institut kommen können. Was sie hier hören, sehen und erfahren ist ihre erste Berührung mit der Medizin und ist richtunggebend für ihre künftige Tätigkeit.

Dem Unterrichts- und Lehrinstitut ist in dem ge­planten Neubau mehr als die Hälfte des ganzen Gebäudes zugedacht, damit es allen diesen Anforde­rungen genüge. Deswegen kommt das Forschungs­institut nicht zu kurz. Es wird alle nötigen Räume und Laboratorien enthalten, die für die sehr ver­schiedenen Zweige anatomischer Forschung nötig sind. Beide Abteilungen, Lehr- und Forschungsinsti­tut sind getrennt und haben eigene Eingänge und Treppenhäuser, so daß in der Forschungsabteilung ohne Störung gearbeitet werden kann.

Vielen gilt das Anatomische Institut als eine Höhle des Grauens, andere reizt es zur Neugier. Allen wird das neue Institut nur das Bild einer Stätte ernster Arbeit bieten. Da aber fein Platz rings von Kliniken und Wohnhäusern umgeben ist, wird es in einen großen Garten gestellt, der zu­gleich für den Aufenthalt der Studenten in ihren Zwischenpausen bestimmt ist.

Das jetzige Institut hat fast 100 Jahre seinen Dienst getan, seit vielen Jahren freilich völlig un­zureichend. Als es eingewe'ht wurde, galt es als eines der besten in Deutschland. Dank der Groß­zügigkeit der Landesregierung wird es möglich sein, einen Neubau zu errichten, der wiederum für viele Jahrzehnte ausreichen wird.

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13 on Prof. Dr. meb. Reinwein, Direktor der Medizinischen Üniversitäts-Klinik.

Der Bau der Medizinischen Klinik mit der sog. Isolierbaracke und der Küche wurde 1887 begonnen. Schon im Herbst 1890 konnten die Gebäude in Be­trieb genommen werden. Geheimrat Riegel weist in seiner Arbeit über die klinischen Neubauten der Universität Gießen mit Stolz darauf hin, daß für den Neubau der Medizinischen und Frauenklinik 31 000 Quadratmeter der schönsten und bestgelegen- sten Plätze der Universität von der Stadt umsonst überlassen wurden, und daß diese großzügige Pla­nung für absehbare Zeit eine zu starke Einengung vermeiden würde. Wie Geheimrat Riegel seiner­zeit schon 'ausführte, unterscheidet sich eine Klinik von anderen Krankenhäusern dadurch, daß sie nicht nur Heilzwecken, sondern neben diesen auch Lehr- und wissenschaftlichen Zielen zu dienen hat. Da in der Klinik behandelt, gelehrt und geforscht werden soll, müssen auch von vornherein entsprechende Räume dafür zur Verfügung stehen. Die Nachteile, die aus der Verbindung dieser verschiedenen Zwecken dienenden Räume entstehen, können nur dadurch ausgeglichen werden, daß Lehr- und Ar­beitsräume von den Krankenräumen zwar scharf getrennt werden, aber anderseits die Zusammen­gehörigkeit so gewahrt bleibt, daß die Gesamtauf­gabe der Klinik nicht gefährdet wird. In dem ur­sprünglichen Bau wurde dies dadurch erreicht, daß der Mittelbau für Lehr-, Arbeitszwecke und die Poliklinik bestimmt wurde, während die großen. Seitenflügel als Krankenabteilungen dienten. Die Gesamtbettenzahl war auf 126 berechnet, von denen 16 auf die Isolierbaracke entfielen.

Trotzdem sich Geheimrat Riegel in vorbildlicher Weise bemüht hatte, auch späteren Bedürfnissen ge­recht zu werden, sah sich schon 1907 Geheimrat Moritz gezwungen, die Klinik weiter auszubaven, da einmal die Laboratoriumsräume für die inzwi­schen stark angestiegenen Bedürfnisse nicht mehr ausreichten und er anderseits für die physikalisch- hydrotherapeutischen Heilzwecke, deren Wert Ge­heimrat Moritz als einer der ersten erkannte und lehrte, keine entsprechenden Räume hatte. Unter sei­ner Anleitung wurde daher der alten Klinik ein Teilgebäude angeschlossen (Laboratoriumsflügel Ecke Klinik- und Gaffkystraße), wobei aber leider aus unbegreiflichen Gründen der Aufbau der Stockwerke in diesem Neubau auf einem anderen Niveau als der der alten Klinik erfolgte.

Nach der Uebernahme der Klinik durch Geheimrat D o i t ergab sich die Notwendigkeit, der wachsenden Bedeutung der Röntgenologie Rechnung zu tragen. Trotz vielfacher Hinweise des damaligen Leiters der Klinik wurde aber leider die großzügige Planung von Geheimrat Riegel verlassen. Um unnötige Kosten zu vermeiden, wurden nur, einzelne Kran kenzimmer, die nach Lage und Größe in keiner Weise den wachsenden Ansprüchen gerecht werden konnten, lo für die Röntgenabteilung um- refp. ein­gebaut, daß jede weitere Entwicklung derselben von vornherein unterbunden war. Wegen Raum­mangels wurden die Röntgendiagnostik und -Thera­pieabteilung auf verschiedenen Stockwerken unter­gebracht. Sie behinderten durch ihre Lage die Ab­teilungen, in denen sie untergebracht waren, be­lasteten das Pflegepersonal wegen des schwierigen

Transports der Kranken, und stellten insbesondere an die Röntgenschwestern und -ärzte höchste An­forderungen betr. Gesundheit, Arbeitskraft und Ver­antwortung.

Als die Medizinische Klinik gebaut wurde, stan­den für Jnfektionszwecke zwei Säle mit insgesamt 16 Betten in der sog. Isolierbaracke zur Verfügung. Den jahrelangen Bemühungen von Geheimrat Voit gelang es endlich, daß 1928 das sog. Jsolier- haus an der Gaffkystraße errichtet wurde.

Da inzwischen die Wohnräume des Pflegeperso­nals in keiner Weise mehr ausreichten, wurden, statt eine befriedigende Allgemeinlösung zu suchen, nun die infektiösen Kranken im Erdgeschoß des Neu­baues untergebracht, während ein Teil der Schwe­stern das erste Stockwerk als Wohnung angewiesen bekamen.. Die freiwerdenden früheren Jfolierräume dienten mit den zwei großen Sälen der Unterbrin­gung von Tuberkulösen. Kleine Zimmer standen nicht zur Verfügung.

Professor Bohnenkamp, der nach der Eme­ritierung von Geheimrat Voit die Klinik ein Jahr lang führte, plante, um die Raumnot zu beheben und vor allem, um die Röntgenabteilung entspre­chend ausbauen zu können, den Bau eines Röntgen- Hauses an Stelle der Isolierbaracke.

Eine Teillösung wurde ferner dadurch gesucht, daß die Poliklinik aus der alten Klinik herausgenom- men wurde und ein eigenes Gebäude erhielt. Durch den 1935 erfolgten Auszug der Poliklinik gewann die Klinik vier Zimmer. Es war ferner möglich, durch Renovierung und Umorganisation kleinere Krankenzimmer zu schaffen. Durch die Heraus­nahme der Schwestern aus dem Jsolierhaus ließ sich die Unterbringung vor allem der tuberkulösen Kranken entsprechend gestalten. Allerdings mußten wegen der Platznot einzelne Schwestern in anderen Kliniken zum Wohnen untergebracht werden.

Alle Maßnahmen reichten aber, rote von vorn­herein zu erkennen und auch erwarten war, in keiner Weise für die Reorganisation der Klinik aus. Geheimrat Riegel rechnete mit einer Jahresbelegung von 1804 Kranken; 1937 betrug sie 4020. Vor 1933 war die durchschnittliche Monatsbelegung 100, zur Zeit sind es etwa 200, in einzelnen Wintermonaten selbst bis 250.

Um den durch die kurz ongedeutete Entwicklung der Klinik bedingten Bedürfnissen Rechnung zu tragen, galt es, folgende Fragen zu lösen:

1. Schaffung von ausreichenden Krankenräumen mit entsprechenden Nebenzimmern.

2. Einrichtung einer allen modernen Anforde­rungen genügenden Röntgenabteilung. Es war hier­bei besonderer Wert darauf zu legen, daß jeglicher unnötige Transport der Kranken entfiel und daß anderseits ohne Gefahr von Krankheitsverschleppung auch die Patienten der Jsolierhäuser geröntgt wer­den konnten.

3. Einrichtung einer endoskopischen Abteilung in engster Verbindung zu den Röntgenräumen, da endoskopische und röntgenologische Untersuchungen in den meisten Fällen zusammen zu geschehen haben.

4. Ausbau der seit 1907 nicht mehr modernisierten physikalisch-hydrotherapeutischen Abteilung, insbe­

sondere dabei Berücksichtigung der modernen Gym­nastik und Massage.

5. Schaffung einer allen Anforderungen genü­genden Diätküche und deren so gelegene räumliche Unterbringung, daß eine ständige ärztliche Über­wachung möglich ist und anderseits der Transport des Essens ohne Schwierigkeit auf jede Abteilung erfolgen kann.

6. Einrichtung von Räumen für elektrokardiogra- phische-, Stoffwechsel- und Leistungsuntersuchungen.

7 Modernisierung der Laboratorien.

8. Schaffung einer entsprechenden Anzahl von Zimmern für die Unterbringung des Pflegeperso­nals.

Durch den von der Hessischen Landesregierung in großzügiger und verständnisvoller Weise genehmig­ten Ausbau der Medizinischen und Nervenklinik werden alle vordem kurz besprochenen Forderungen erfüllt werden. Zunächst wird mit dem Anbau an das Jnfektionshaus begonnen und dieser in Rich­

tung Klinikstraße fortgeführt, sobald in diesen ersten Neubau das Laboratorium und die Röntgenabtei­lung überführt sind. In dem gesamten Neubau ist die Unterbringung der einzelnen Abteilungen so gedacht, daß im Kellergeschoß die Bade-, Gymnastik- usw. Abteilungen untergebracht werden, im Erd­geschoß anschließend an das Jnfektionsgebäude die Röntgenabteilung und das Endoskopiezimmer, auf dem nach der Straße zu gelegenen Flügel Kranken­zimmer; im ersten Stock des Zwischenbaues werden die Laboratorien eingerichtet, während er »wieder­um zur Straßenseite für Krankenzimmer bestimmt ist. Das oberste Stockwerk wird zu Wohnräumen hergerichtet. Die Diätküche kommt in das bisherige Aerztekafino und liegt damit ganz zentral.

Nach Fertigstellung dieses kurz geschilderten Aus­baues wird die Klinik in jeder Weise allen moder­nen Anforderungen betreffs Behandlung, Unterricht und Forschung gewachsen sein.

Der Aeubau des physikalischen Instituts.

Von Prof. Or. Gerthsen, Direktor des physikalischen Instituts der Universität Gießen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Beruf eines Physikers, der nicht der reinen Lehre und Forschung dient, sondern vielmehr in der Industrie seinen selbständigen Platz errungen hat, immer klarer herausgebildet. Der Physiker hat wesentlich zur Schaffung modernster Industriezweige beigetra­gen, bei denen mit geringsten Mengen von Roh­materialien größte Werte geschaffen werden. Wenn auch die Zahl der Physiker verhältnismäßig gering ist, so ist ihr Beitrag zur Arbeitsleistung der Na­tion von größter Bedeutung. Es ist daher einleuch­tend, daß die Durchführung des Vierjahresplans, verbunden mit der allgemeinen Belebung in Indu­strie und Wirtschaft, zu einem großen Mangel an geeigneten Physikern geführt hat und daß es ander­seits die Aufgabe der Hochschule fein muß, die Physiker, die an diesen wichtigen Stellen der Arbeit der Nation eingesetzt werden sollen, so gründlich wie möglich aulf ihren Beruf vorzubereiten. Diese große Bedeutung der Ausbildung des physikalischen Nachwuchses ist von der Landesregierung klar er­kannt worden, sie hat daher einen großzügigen Ausbau des Physikalischen Instituts der Landes- unioerfität beschlossen. Die Aufgaben eines Physi­kalischen Instituts gliedern sich in die Aufgaben der Lehre und der Forschung.

Das Physikalische Institut der Universität Gießen ist heute annähernd 40 Jahre alt. Nach seinem Bau galt es lange Zeit als ein Musterinstitut und ist für eine größere Zahl neuerer deutscher Institute in ihrer baulichen Gestaltung Vorbild geworden. Wenn man sich klar macht, daß zur Zeit seines Baues die Physik an der Universität nur die Grunderziehung der Naturwissenschaftler im allgemeinen und im be- fonbern die Ausbildung von Lehrern an Höheren Schulen zu übernehmen hatte, und wenn man an­derseits die gewaltige Entwicklung der modernen Physik, welche erst in diesem Jahrhundert eingelei­tet worden ist, betrachtet, so darf es nicht wunder- nehmen, daß heute nach 40 Jahren das Institut feinen Aufgaben nicht mehr gewachsen sein kann, zumal, wenn man bedenkt, daß heute der wesent­lichste Teil der Unterrichtsaufgaben des Instituts der Ausbildung des technischen Physikers gilt. Es soll daher in dem neuen Institut zunächst ein mo­derner, allen Anforderungen des Unterrichts genü­gender Hörsaal geschaffen werden, und vor allem soll die Praktika, in denen die Studierenden

in den wichtigen Methoden physikalischen Messens und Prüfens ausgebildet werden, eine umfangreiche Erweiterung erfahren. Gerade im Zusammenhang mit dem Vierjahresplan find hier außerordentlich wichtige Aufgaben zu lösen.

Der Physiker wird in der Technik besonders an solchen Stellen eingesetzt, wo es sich um eine-N e u - entwicklung handelt. Seine Arbeiten bilden die Grundlage für die technische Weiterentwicklung. Er arbeitet auf weite Sicht. Sobald die Ergebnisse seiner Arbeit für die Fabrikation reif werden, werden sie im allgemeinen ihm entzogen und in die Hand des Ingenieurs gegeben, der dann als Spezialtechniker die Resultate des Physikers für die Fabrikation ver­wertet. Es ist infolgedessen für einen Physiker, der mit Erfolg arbeiten will, von entscheidender Bedeu­tung, daß er selbständiges Arbeiten lernt, daß er also bereits als Studierender vor Ausgaben gestellt wird, deren Lösung noch keinem Lehrbuch entnommen werden können, daß er unmittelbar an die Forschung herangeführt wird.

Für die Entwicklung des Gießener Physikalischen Instituts ist es nun sehr erfreulich, daß derReichs- forschungsrat beschlossen hat, das Physikalische Institut in Gießen mit ganz besonderen Aufgaben der modernsten Physik, der sogenannten Kernphysik, unter Bereitstellung von erheblichen Mitteln zu be­trauen. Es handelt sich hier um die Probleme der Atom Zertrümmerung, der Erzeugung künstlicher radioaktiver Elemente, also um Aufgaben, deren Lösung von höchstem erkennt­nistheoretischem Wert ist, die aber auch von unmit­telbarer, wirtschaftlicher Bedeutung in naher Zukunft sein werden. Die Durchführung dieser Ausgaben er­fordert die Errichtung eines Hochspannungs­laboratoriums, in welchem Gleichspannungen von anderchalb Millionen Volt erzeugt werden kön­nen. Es ist daher für den Neubau des Physikalischen Instituts ein solches Hochspannungslaboratorium vorgesehen. Die Fülle von Aufgaben, die hier im Institut gestellt werden, kommt auch der Ausbildung unseres physikalischen Nachwuchses in ganz- beson­derem Maße zugute.

Der großzügige Entschluß der Hessischen Landes­regierung, ein großes und modernes Physikalisches Institut zu errichten, dient daher in gleicher Muse der reinen physikalischen Forschung, wie der Wirt­schaft und dem Leben des deutschen Volkes.

Kunst und Wissenschaft.

Das Winterprogramm des Reichssenders Frankfurt.

NSG. Der Reichs sender Frankfurt hat sein Winterprogramm 1938/39 der Oeffent- lichkeit übergeben. Das Programm ist so reichhal­tig, daß es dem Geschmack aller Volksgenossen Rech- nun trägt. Es soll Mittler der wertvollsten Kultur­güter sein und auch die notwendige Entspannung geben. In 12 großen Meisterkonzerten sol­len Standardwerke deutscher Musik unter der Stab­führung hervorragender Dirigenten, u. a. Abend- roth und P f i ij n e r, und unter Mitwirkung er­ster Solisten gesendet werden. In Zusammenarbeit mit der Gauleitung der NSDAP, und den Gliede­rungen der Bewegung werden die Konzerte vor den Betreuten des WHW., in wirtschaftlicher Notlage be­findlichen Angehörigen der HI-, des BDM., des NSDStB., der Wehrmacht und des Reichs-arbeits- dienstes veranstaltet. Ferner find 12 Sendungen ge­plant, die das Werk Haydns näherbringen sollen. In einer Liederreihe bekannter Komponisten soll das deutsche Lied gepflegt werden. Neben Uebertragun= gen aus den Opernhäuser werden für den Funk bearbeitete Opernwerke gebracht. Monatlich einmal wird vom BDM.-WerkGlaube und Schönheit" in Darmstadt die Hausmusik ihre Pflege fin­den. Das Wort kommt in sechs Uraufführungen nahmhafter deutscher Autoren zur Geltung. Beson­dere Pflege wird den Sendungen gewidmet, die Freude und Humor bringen sollen. Neben Operet­tenübertragungen werden zeitgenössische Kompo­nisten zu Wort kommen. Diese Veranstaltungen und die frohen Samstagnachmittage werden in Zusam­menarbeit mit KdF. durchgeführt. Mit KdF. werden weiter fröhliche Bunte Abende veranstaltet. Die HI. wird mit ihrer Spielschar zweimal im Monat in die Dörfer gehen und fröhliche Dorfabende veranstalten.

Kunstausstellung

während der Saukulturwoche 1938.

NSG. Die 1937 von der (Bauleitung Hessen-Nassau der NSDAP, erstmalig durchgeführte Gaukul - 1 u r ro o d) e mit einer großen Leistungsschau aller Kulturschaffenden des Gaues in der Festholle zu Frankfurt steht noch in lebendiger Erinnerung. Die ständig wiederkehrende Veranstaltung wird in die­sem Jahr vom 22. bis 30. Oktober durchgeführt. Der Landesleiter für bildende Künste beim Landeskultur- roalter Gyu Hessen-Nassau hat für sein Dienstbereich (die Reichskammer der bildenden Künste) die dies­jährige Kunstausstellung aus Anlaß der Gaukulturwoche für die Zeit vom 22. bis 30. Ok­tober in Wiesboden im Nassauischen Landesmuseum angesetzt. Die gesamte Gaukulturwoche steht unter

dem Motto:Rasse und Kultur", wonach die ver­schiedenartigen Veranstaltungen der einzelnen Spar­ten der Reichskulturkammer ausgerichtet sind. An der Kunstausstellung beteiligen sich alle Mitglieder der Reichskammer der bildenden Künste im Gau Hessen-Nassau, ausgenommen die FachgruppenAr­chitekten",Gartengestalter",Jnnenraumgestalter". Der Landesleiter Professor Dr.-Jng. Lieser hat eine Ausstellungsteitung beauftragt, die sich aus folgenden Mitgliedern der Reichskammer zusammen- setzt: Architekt Franz R o e ck l e, Maler Georg Poppe, Bildhauer Ludwig Mergehenn, Kunsthandwerker Jakob Hembus, Maler und Gebrauchsgraphiker Albert W i n d i s ch , Kunsthänd- ter Wilhelm Schumann und Kunstblatthändler Philipp H i m m i g h o f f e n. Die Ausstellungslei­tung hat bereits ihre Arbeit ausgenommen und Sammelstellen für die von den Künstlern einzu­reichenden Werke eingerichtet. Dies erleichtert den Künstlern den An- und Abtransport ihrer Werke erheblich. Die Anmeldung muß bis zum 15. Sep­tember bei der Kunstausftellungsleitung Gau Hessen- Nassau (Landeskulturwalter Gau Hessen-Nassau) Frankfurt am Main, Kaiserstraße 32, eingehen. Alle aufgeforderten Künstler werden hiermit nochmals auf die Veranstaltung hingewiesen und aufgefor- dert, ihre besten Werke einzureichen.

Aus aller Wett.

Zweite rverkslättenfahri desGras Zeppelin".

Bei günstigem Wetter startet das neue Luftschiff "Graf Zeppelin" Freitag vormittag zu einer Zweiten Werkstättenfahrt. Das Luftschiff wird auf dieser Fahrt voraussichtlich auch seinen künftigen Standort Frankfurt begrüßen, aber noch nicht' in Frankfurt landen.

Die (Ebernburg soll wieder ausgebaul werden.

Die (Ebernburg im Nahetal, die historische Verberge der Gerechtigkeit" Franz von S i ck i n - g e n s und Ulrich von Huttens, die der 1913 gegründeten Ebernburgsstiftung gehört und 1936 auf 15 Jahre an die Landesbauernschaft verpacktet wurde, ist in den letzten Jahren wesentlich urnge« stattet worden. Im früheren Wirtschaftsgebäude hat die Landesbauernschaft Saarpfalz eine Bauern- schule eingerichtet, die vom Reichtzbauernführer den NamenBauernschule Franz von Sickin- gen" erhielt. Ein anderes Gebäude wird zu einem Ebernburg--Museum ausgebaut, in der die Ebernburgstiftung Erinnerungen an Sickingen und Hutten und die Geschichte der Burg'der Oeffentlich- keit zugänglich macht. Es besteht der Plan, die Ebernburg in ihren ursprünglichen Umrissen wieder aufzubauen; Reichsbauernführer Darr-» und Reichsführer ff Himmler nehmen an diesen Plänen persönlichen Anteil.

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